Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Westheim (Gemeinde Knetzgau, Kreis Hassberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe  
Weiteres Dokument    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Westheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 104 jüdische Einwohner (18,3 % von insgesamt 569 Einwohnern), 1867 101 (13,7 % von 737), 1880 98 (12,8 % von 764), 1890 112 (15,3 % von 734), 1900 90 (12,3 % von 733), 1910 75 (9,4 % von 795). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Westheim auf insgesamt 25 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Unmittelbare Schutzjuden: Löw Samuel Silbermann (Viehhandel), David Samuel Silbermann (Schnitthandel), Isaak Samson Pulfer (Viehhandel), Jaidel Isak Pulfer (Viehhandel), Bonfet Isak Pulfer (Viehhandel), Lämmlein Wolf Baum (Viehhandel), Amsel Pfeiffer Waldmann (Kramhandel), Moises Samuel Eisenmann (Viehhandel), Moises Isak Goldmann (Schnitthandel), Isaak Moises Goldmann (Spezerei- und Schnitthandel), David Moises Rhein (Schnitthandel), Moises Pfeiffer Blumenfelt (Schmitthandel), Witwe Hennale Pulver (Schnitthandel), Seligmann Lämlein Baum (Metzger, seit 1822), Baruch Mayer (Leineweberhandwerk (1824); nicht in die Matrikel aufgenommen: Sußlein Joseph Reichmann (Schmuserei), Wolf Moises Klein (Schnitthandel), Baruch Mayer Oestreicher (Schacher- und Ellenhandel), Schimmel Schmuel Rosenfelder (Taglohn und Kapitalzinsen); mittelbare Schutzjuden der Freiherren von Fuchs: Samuel Joseph Silbermann (Viehhandel), Joseph Reindl Opticus (Glashandel), Feidel Nathan Schulmann (Viehhandel), Witwe von Joseph Amschel Schwanthaler (Viehhandel), Witwe von Samuel Löb Neuberger (Viehhandel), Salomon Meyer Oestreicher (Lehren und Schreiben), Israel Mayer Sundmann (Schmusen), Salomon Feidel Schulmann (Viehhandel), Beer Salomon Goldschmitt (Warenhandel), Moses Jandorf Knezthaler (Warenhandel).       
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad.  Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Kleinsteinach, teilweise auch in Gerolzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdischen Kinder besuchten bis zum Schuljahr 1929/30 die örtliche katholische Volksschule, danach die evangelische Volksschule. Die Gemeinde war dem Distriktsrabbinat in Schweinfurt zugeteilt.  
  
Um 1924, als noch 64 jüdische Einwohner am Ort gezählt wurden (8,8 % von insgesamt etwa 800 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde J. Sündermann und S. Pulver. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Leo Kahn tätig; auch der inzwischen im Ruhestand befindliche Anselm Frank half bei diesen Aufgaben mit. Die Religionsschule wurde von 8 Kindern besucht. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin J. Sündermann und S. Pulver. Als Schriftführer, Lehrer und Kantor war inzwischen Willi Neumann tätig. Es unterrichtete im Schuljahr 1931/32 noch fünf Kinder.  
  
1933 wurde noch 43 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden Jahren sind nur relativ wenige jüdische Einwohner vom Ort weggezogen. Anfang Juli 1938 wurden noch 33 jüdische Einwohner gezählt. Bis 1938 gab es unter den Juden der Ortes noch acht Viehhändler, sieben Bauern und einen Händler für Felle und Fette. Beim Novemberpogrom 1938 kamen SA-Leute aus Haßfurt und Umgebung in drei Lastautos nach Westheim. Ortsansässige SA-Leute schlossen sich ihnen an. Sie drangen in die Häuser von sechs jüdischen Familien ein, zertrümmerten Fenster, Möbel und Hausrat, zerrissen Bilder, stahlen Wertgegenstände und warfen Waren auf die Straße. Zwei Juden wurden brutal verprügelt (zur Aktion in der Synagoge s.u.). Nach den Aktionen in der Synagoge wurden die Juden von den nichtjüdischen Dorfbewohnern verspottet und beleidigt, als man sie auf Viehwagen in das Gefängnis von Haßfurt abtransportierte. Auch einige Nichtjuden, die den Juden ihre Sympathie ausgedrückt hatten, wurden tätlich angegriffen. Der evangelische Pfarrer und seine Frau, die stets gute Beziehungen zu den Juden unterhalten hatten, wurden in derselben Nacht verhaftet und einen Tag im Gefängnis gehalten. In der Folgezeit wurde massiver Druck auf die jüdischen Familien ausgeübt, vom Ort wegzuziehen. Am 2. September 1940 mussten alle noch verblieben jüdischen Einwohner in einem Haus zusammenziehen. Anfang Januar 1942 wohnten noch 21 Juden im Dorf, darunter fünf aus der Umgebung zugezogene. Sie wurden mit den Deportationen im April und September nach Izbica bei Lublin beziehungsweise nach Theresienstadt deportiert.   
   
Von den in Westheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Ebert geb. Braun (1861), Helene Frank geb. Zeilberger (1888), Nathan Frank (1883), Sara Frank (1890), Johanna Frankfelder geb. Lippstädter (1890), Josef Frankfelder (1920), Wolf Frankfelder (1862), Betty Hamberg geb. Pulver (1897), Mina Kahn geb. Sündermann (1908), Ida Knorringa geb. Ullmann (1886), Berthold Mahler (1909), Gertraud Mahler geb. Reis (1871), Hilda Neuburger geb. Sündermann (1885), Hirsch Neuburger (1878), Paula Ottensoser geb. Braun (1898), Berta Pulver geb. Wolfrann (1878), Else Pulver (1892), Emma Pulfer geb. Josef (1890), Josef Pulfer (1884), Sofie Pulver (1882), Jakob Schwarz (1881), Martha Schwarz (1924), Selma Schwarz geb. Pulver (1890), Jenny Steigerwald geb. Sündermann (1879), Ferdinand Sündermann (1880), Isidor Sündermann (1872), Leopold Sündermann (1877), Luise Sündermann geb. Lehmann (1876), Rosa Sündermann geb. Zeilberger (1880), Babette Ullmann (1881), Herrmann Ullmann (1879), Gertrud Wahler geb. Raiß (1871), Samson Wahler (1876).
   
Unklar ist die Zuteilung nach Westheim bei Hassfurt oder Westheim bei Hammelburg bei folgenden in den o.g. Listen genannten Personen: Meier Braun (1885), Thekla Dittrich geb. Katz (1880), Frieda Kleeberg geb. Weißenklee (1871), Babette Lonnerstädter (1877), Therese Pollack geb. Bein (1857), Alfred Rosenbaum (1904), Emilie Rosenberger geb. Löwentritt (1880), Albert Schöndorf (1870), Bruno Stamm (1909), Max Stamm (1892), Paul Stamm (1893), Rika Stamm geb. Eichwald (1865), Amalie Stein geb. Stamm (1902).  
  
Nach 1945: von November 1946 bis Frühjahr 1949 lebten in Westheim jüdische "Displaced Persons" (jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa / Überlebende der Shoa), vorwiegend jüdische Familien und einige Einzelpersonen. Sie waren in Häusern im Ort untergebracht, die die amerikanische Besatzungsmacht beschlagnahmt hatte. Einige dieser Häuser hatten früher Juden gehört. In einem Haus nahe dem Kriegerdenkmal (heute Bäckereifiliale) wurde von den jüdischen DPs ein Kulturzentrum eingerichtet (u.a. eine Schule). Möglicherweise wurde auch die alte Synagoge wieder verwendet. Nach Gründung des Staates Israel 1948 sind die DP's wieder von Westheim verzogen.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet 1931    

Westheim HAS Israelit 29101931.jpg (63887 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1931: "In der Gemeinde Westheim bei Haßfurt ist durch Weggang des bisherigen Inhabers die Stelle des Religionslehrers, Kantors und Schochets frei. Der Gehalt bestimmt sich nach den Sätzen des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. Geeignete unverheiratete Bewerber mögen sich alsbald unter Vorlage beglaubigter Zeugnisabschriften bei dem Unterzeichneten melden. Die Stellenbesetzung soll sofort erfolgen. 
Isidor Sündermann, Kultusvorstand."   

      
Über Lehrer Salomon Senger (1864-1874 Lehrer in Westheim) siehe auf Seite zu Kleineibstadt  
    
    
Lehrer Anselm Frank erhält das Ehrenbürgerrecht von Westheim (1912)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1912: "Westheim bei Haßfurt. Lehrer Frank ist anlässlich seines 70. Geburtstages mit dem Ehrenbürgerrecht von Westheim ausgezeichnet worden."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1912: "Dem israelitischen Religionslehrer Anselm Frank in Westheim bei Haßfurt, der demnächst seinen 70. Geburtstag begeht und 37 Jahre seines Amtes waltet, ist von der Stadt das Ehrenbürgerrecht einstimmig verliehen worden."          

 
Lehrer Anselm Frank feiert den 80. Geburtstag und die goldene Hochzeit (1922) 

Westheim FrfIsrFambl 16021922.jpg (26367 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Februar 1922: "Westheim. Lehrer Anselm Frank feierte den 80. Geburtstag und gleichzeitig goldene Hochzeit. Die gesamte Gemeinde nahm Anteil an diesem Tage. Rabbiner Dr. Stein - Schweinfurt würdigte den Jubilar in einer Rede."   
  
Westheim HAS Israelit 02021922.jpg (142426 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Westheim bei Haßfurt, 24. Januar (1922). Der vorgestrige Tag war für unsere Gemeinde ein Festtag in des Wortes vollster Bedeutung. Galt es doch, unserem verehrten und verdienten Lehrer, Herrn Anselm Frank, der nach 46-jähriger Tätigkeit am hiesigen Platze seinen 80. Geburtstag und gleichzeitig an der Seite seiner edlen Gattin das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte, unsere Liebe und unseren Dank zu bekunden. Vormittags 9 Uhr erschienen die Mitglieder der Gemeinde, die sämtlich Schüler des Gefeierten waren, in der Wohnung des Jubelpaares, beglückwünschten dasselbe und überreichten als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung eine namhafte Ehrengabe. Hierauf fand Festgottesdienst in der neu erbauten, schmucken und sinnig dekorierten Synagoge statt, der sich zu einer wahrhaft erhebenden und rührenden Feier gestaltete. Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, schilderte in warmen, tief empfundenen Worten das glücklich, vorbildliche Eheleben des Jubelpaares, dessen frommen, zufriedenen, bescheidenen Sinn und hob namentlich die ersprießliche, erfolgreiche Tätigkeit des Jubilars als Religionslehrer, Kantor und gewissenhaften Schochet hervor. Nach Schluss des Gottesdienstes begaben sich alle Festteilnehmer in das nahe gelegene Lehrzimmer, wo die Schuljugend bereits versammelt war. Herr Distriktsrabbiner wandte sich abermals mit einer kurzen, ehrenden Ansprache an den Jubilar, worauf Herr Lehrer Hammelburger, Haßfurt, als Kollege und Freund und Herr Lehrer Fränkel aus Hofheim, als Obmann der Bezirkskonferenz Schweinfurt ihre Glückwünsche zum Ausdrucke brachten. Tief bewegt dankte der Jubilar. (Alles Gute) bis 100 Jahre."   

    
Lehrer Willi Neumann wird neuer Lehrer in Westheim in der Nachfolge von Lehrer Leo Kahn (1931) 
Anmerkung: Lehrer Willi Neumann war Nachfolger von Lehrer Leo Kahn, der 1901 in Mittelsinn geboren war und 1931 nach Gaukönigshofen wechselte. Leo Kahn wurde mit seiner Gattin Lina und der 1933 geborenen Tochter Hannelore im März 1942 nach Izbica deportiert und ermordet.  

Gaukoenigshofen BayrGZ 15121931.jpg (17490 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1931: "Kollege L. Kahn, bisher in Westheim, trat am 1. Dezember seine neue Stelle in Gaukönigshofen an. Am gleichen Tage übernahm der junge Kollege Willi Neumann von Fürth die Stelle in Westheim."

      
      

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
 
Über den aus Westheim stammenden Lehrer Joseph Silbermann (1817-1896) siehe Bericht bei Wiesenfeld    
     
     
Über die Geschichte der Familie Abraham Moses (geb. 1787 in Westheim; ab 1846 Familienname Mosheim) und seiner Frau Dora geb. Pfeifer (geb. 1783 in Westheim), die seit 1818 in Beelen Kreis Warendorf lebte, siehe die von Ekkehard Gühne zusammengestellten Angaben auf einer weiteren Seite (ergänzt durch Angaben von Remigius von Boeselager, Gütersloh).   
  
  
Zum Tod von Seligmann Mahler (1878)     

Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1878: "Westheim bei Haßfurt. Der allgemein beliebte Seligmann Mahler ist nicht mehr, denn Gott hat ihn in seinem unendlichen hohen Ratschlusse nach dreiwöchentlichem schweren Krankenlager zu sich genommen. Am 15. Marcheschwan (11. November 1878) hauchte er seine reine Seele aus. Dieser Fall ist umso trauriger, als der Verstorbener nach nur fünfmonatlicher glücklicher Ehe schon das Zeitliche verlassen musste. Wer diesen Edlen kannte, kann sagen, welchen Verlust wir erlitten. Durch seine sprichwörtlich gewordene strenge Rechtlichkeit, durch seinen freundlichen Umgang mit seinen Mitmenschen wusste er sich die größte Achtung sowohl bei Juden als Christen zu verschaffen. Die so schönen Tugenden, die er mit Gottesfurcht vereinigte, zeigen zur Genüge, welch braver, wahrer Jehudi er war, trotzdem er erst im 27. Lebensjahre stand. Als sehr eifriger Geschäftsmann versäumte er es nie, gewissermaßen zu allen Gebetszeiten das Gebet zu verrichten (frei übersetzt); nebenbei betätigte er eine unbegrenzte Bescheidenheit, sodass er gleichsam in Bescheidenheit mit Gott gehen aufs Herrlichste erfüllte. Nebst seiner Frau und Familie beklagt in dem Dahingegangenen auch die Gemeinde einen herben Verlust, sie verliert in ihm ein edles Mitglied. Einen Beweis von seiner allgemeinen Beliebtheit zeigte die rege Teilnahme an seinem Leichenbegängnisse, nicht allein seitens hiesiger Bewohner, sondern auch aus der Umgegend waren viele Verehrer des Verewigten herbeigeeilt, um ihm, dem verdienten Mann, die letzte Ehre zu erweisen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Mitarbeitersuche des Manufakturwarengeschäftes Gebrüder Neuberger (1890)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1890: Wir suchen für unser Manufakturwaren-Geschäft einen Lehrling. Samstag und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause. Westheim bei Haßfurt. 
Gebrüder Neuberger.
    
Westheim HAS Israelit 10111890.jpg (44568 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1890: "Für unser Samstags und Feiertage streng geschlossenes Manufakturwarengeschäft suchen wir einen angehenden Commis, der sich auch zu Detailreisen eignet. Eintritt wäre sofort erwünscht. Auch ein Lehrling findet Aufnahme bei uns. Kost und Logis im Hause. 
Gebrüder Neuberger, Westheim bei Haßfurt."   

    
Anzeigen des Manufaktur- und Schuhwarengeschäftes Isidor Sündermann (1902)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902: "Lehrling 
mit guter Schulbildung. Schabbos und Jomtof (Feiertag) streng geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
Isidor Sündermann, 
Westheim bei Haßfurt."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1902: 
"Für mein Manufaktur- und Schuhwarengeschäft suche per sofort einen 
Lehrling
 
mit guter Schulbildung. Schabbos und Jomtof (Feiertag) streng geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
Isidor Sündermann, Westheim bei Haßfurt."   

     
     
Weiteres Dokument 

Briefumschlag eines Briefes 
an W. Frankfelder in Westheim (1919)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim / Ries)
Mellrichstadt Dok 282.jpg (161493 Byte) 
   Der Brief von Simon Blum aus Mellrichstadt wurde am 16. Dezember 1919 
an W. Frankfelder in Westheim bei Hassfurt geschickt. Beim Adressaten wird es sich 
um den 1862 geborenen und 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommenen 
Wolf Frankfelder handeln.    

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge
    
Die Synagoge wurde 1913 erbaut, nachdem zuvor das alte Synagogengebäude eingestürzt war. Neben ihr befanden sich das Gemeindehaus/Schulhaus mit Räumen der jüdischen Schule und ein rituellen Bad. 

Im Februar 1938 wurde über den Verkauf des Gemeindehauses verhandelt. Beim Novemberpogrom 1938 wurden von den SA-Leuten aus Haßfurt und Umgebung sowie aus Westheim nach den Aktionen gegen die jüdischen Häuser alle jüdischen Männer festgenommen und in die Synagoge gebracht. Hier wurden sie in zwei Reihen an den Fenstern aufgestellt, von wo aus sie der Zerstörung der Möbel, der Ritualien, des Toraschreines, der Leuchter mit ansehen mussten. Durch die umhergeworfenen Trümmer wurden viele der jüdischen Männer verletzt. Die Torarollen und religiösen Bücher wurden auf der Straße aufgeschichtet und in Brand gesteckt. Etwa 200 Dorfbewohner hatten sich als Zuschauer bei der Synagoge versammelt.     

Die Gebäude blieben nach 1945 erhalten. Die ehemalige Synagoge wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Das ehemalige Gemeindehaus/Schulhaus wird als Speicher beziehungsweise Abstellgebäude verwendet und befand sich 2007 in einem höchst baufälligen, einsturzgefährdeten Zustand. Im Frühjahr 2008 erfolgte der Abbruch des Gebäudes:  
 
Der Abbruch des jüdischen Schulhauses 2008:  

Westheim Judenschule 605.jpg (46671 Byte)WESTHEIM:  Forscher erhoffen sich wertvolle Genisa-Funde - Abbruch der ehemaligen jüdischen Schule beginnt
Artikel in der MAINPOST vom 24. März 2008  
(ler) Heute beginnen in Westheim die Abbrucharbeiten an der ehemaligen jüdischen Schule. Das gut 300 Jahre alte marode Gebäude befindet sich in Privatbesitz und kann nicht erhalten werden. Fachleute für jüdische Geschichte werden den behutsamen Abbruch begleiten und hoffen, eine so genannte "Genisa" zu finden, ein Depot alter jüdischer Schriftstücke und Kultgegenstände. Der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Haßberge und dem Landesamt für Denkmalpflege ist die Zustimmung zum Abbruch der über 300 Jahre alten, ehemaligen Judenschule in Westheim sehr schwer gefallen. "Nach umfangreicher Prüfung der Substanz wurde festgestellt, dass das Gebäudes nur unter sehr hohem finanziellem Aufwand zu erhalten wäre", berichtet Theodor Weiß vom Landratsamt. Auch der Denkmalschutz und somit der Denkmalerhalt wären in Frage gestellt, da bei einem Erhalt wesentliche Teile des sehr lidschäftigen Hauses, wie beispielsweise die Giebelwand West, abgetragen, neu gegründet und wieder aufgebaut werden müssten. Diese Wand hat sich nämlich aus dem Fachwerkverband der beiden Längswände gelöst, erkennbar ist ein handbreiter Spalt, der sich in den letzten Jahren vergrößert hat. Auch die vordere Giebelwand baucht stark aus, während das Giebeldreieck in den Dachraum zu stürzen droht. "Mit Denkmalpflege im klassischen Sinne hätte ein Wiederaufbau von Gebäuden oder Gebäudeteilen aber wenig zu tun", erläutert Weiß. Auch habe es für die weitere Nutzung des Gebäudes keine sinnvolle Lösung gegeben. Bereits seit Jahren war die Suche erfolglos. Weder die vormalige Eigentümerin, die in der benachbarten, ehemaligen Synagoge lebte und mehrfach vergeblich aufgefordert wurde, Sicherungs- und Instandhaltungsarbeiten am Schulgebäude durchzuführen, noch die Gemeinde Knetzgau konnten eine Verwendung für das Gebäude finden. Nach dem Eigentümerwechsel im Herbst 2007 stellte der neue Eigentümer einen Abbruchantrag, dem nach umfangreicher Prüfung durch das Landratsamt und das Landesamt für Denkmalpflege mit einigen Auflagen schließlich stattgegeben werden musste. Eine dieser Auflagen ist die wissenschaftliche Begleitung des Abbruchs. Bei der ehemaligen Judenschule, ein um das Jahr 1690 erbautes Haus, handelt es sich nämlich um das wichtigste (und älteste) Gebäude jüdischen Ursprungs in Westheim. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich im Dachbereich noch Reste einer so genannten Genisa befinden. In einer Genisa – so Martina Edelmann vom Forscherinnenteam am Jüdischen Museum in Veitshöchheim – werden an geeigneten Orten unbrauchbar gewordene Gegenstände und Texte abgelegt, die nach (jüdischen) religiösen Vorschriften nicht vernichtet werden dürfen. So findet man in ehemaligen Synagogen, jüdischen Schulen, auch in Privathäusern immer wieder Reste von Genisoth. Ein Genisafund kann immer einen Blick in das Leben einer früheren jüdischen Gemeinde möglich machen. Religiöse Gepflogenheiten, Schulwesen, Handelskontakte, Berufsleben der Juden, jüdisches Leben auf dem Dorf – dies sind beispielsweise Themenbereiche, zu denen sich in Genisafunden Antworten finden lassen. Solches Material wurde häufig zum Beispiel im Traufbereich eines Daches oder in Zwickelräumen in den Dachböden abgelegt. Das Forscherinnenteam ist sich ziemlich sicher, bei den Abbrucharbeiten fündig zu werden. Der jetzige Eigentümer des Gebäudes sagte seine volle Unterstützung bei den Untersuchungen zu. 

Die ehemalige Synagoge wurde 2011 als Wohnhaus saniert.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:    
  
  
Fotos
(Hahn, Aufnahmedatum 10.4.2007)

Die ehemalige Synagoge 
im Frühjahr 2007
Westheim HAS Synagoge 107.jpg (92011 Byte) Westheim HAS Synagoge 108.jpg (98421 Byte)
  Die ehemalige, zu einem Wohnhaus umgebaute Synagoge
   
Westheim HAS Synagoge 101.jpg (87764 Byte) Westheim HAS Synagoge 100.jpg (86605 Byte) Westheim HAS Synagoge 102.jpg (68504 Byte)
   Blick auf die Nische des Toraschreines mit dem Misrach-Fenster
   
Das ehemalige jüdische
 Gemeindehaus/Schulhaus 
in völlig baufälligem Zustand
 im Frühjahr 2007
Westheim HAS Synagoge 106.jpg (115058 Byte) Westheim HAS Synagoge 103.jpg (121323 Byte)
  Das Gebäude macht einen unmittelbar vom Einsturz bedrohten Eindruck 
   
  Westheim HAS Synagoge 104.jpg (113740 Byte) Westheim HAS Synagoge 105.jpg (109927 Byte)
  Der Eingang mit der Originaltür   
       
Andernorts gefunden Eberbach Friedhof 158.jpg (81557 Byte)  
  Grabstein für Ludwig Frank 
aus Westheim (1891-1930) auf dem 
jüdischen Friedhof in Eberbach  
 
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Oktober 2011: Erinnerung an die jüdische Geschichte (jüdische Gemeinde und Lager für Displaced Persons)     
Artikel von Michael Mösslein in der "Main-Post" vom 24. Oktober 2011: "Heimat nur für kurze Zeit. Als im Mai 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, befanden sich in Deutschland Millionen Heimatlose - Zwangsabeiter, ehemalige Kriegsgefangene oder Überlebende der Konzentrationslager. Die Alliierten nannten sie Displaced Persons, kurz DPs, Menschen, die am 'falschen Ort', die entwurzelt waren. In den westlichen Besatzungszonen sollen es sieben bis siebeneinhalb Millionen gewesen sein. Etwa 16.000 jüdische DPs lebten von 1945 bis 1949 in Franken, in 28 Lagern beziehungsweise Gemeinschaften. Eine davon befand sich im Knetzgauer Ortsteil Westheim..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei      
 

  
   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Knetzgau  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 426.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 128.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 496-497.

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Westheim bei Hassfurt  Lower Franconia. The Jews maintained a population of 100-110 (around 15 % of the total) throughout the 19th century and numbered 43 in 1933. A synagogue was built in 1913. On Kristallnacht (9-10 November 1938), it was severely vandalized along with Jewish homes. Nine Jews are known to have emigrated in 1938-41 (seven to the United States). Fifteen were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942. The last five were sent to the Theresienstadt ghetto in September 1942.   
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. November 2013