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Westheim (Gemeinde
Knetzgau, Kreis Hassberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Westheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1814 104 jüdische Einwohner (18,3 % von insgesamt 569 Einwohnern),
1867 101 (13,7 % von 737), 1880 98 (12,8 % von 764), 1890 112 (15,3 % von 734),
1900 90 (12,3 % von 733), 1910 75 (9,4 % von 795).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Westheim auf
insgesamt 25 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Unmittelbare Schutzjuden:
Löw Samuel Silbermann (Viehhandel), David Samuel Silbermann (Schnitthandel),
Isaak Samson Pulfer (Viehhandel), Jaidel Isak Pulfer (Viehhandel), Bonfet Isak
Pulfer (Viehhandel), Lämmlein Wolf Baum (Viehhandel), Amsel Pfeiffer Waldmann
(Kramhandel), Moises Samuel Eisenmann (Viehhandel), Moises Isak Goldmann
(Schnitthandel), Isaak Moises Goldmann (Spezerei- und Schnitthandel), David
Moises Rhein (Schnitthandel), Moises Pfeiffer Blumenfelt (Schmitthandel), Witwe
Hennale Pulver (Schnitthandel), Seligmann Lämlein Baum (Metzger, seit 1822),
Baruch Mayer (Leineweberhandwerk (1824); nicht in die Matrikel aufgenommen:
Sußlein Joseph Reichmann (Schmuserei), Wolf Moises Klein (Schnitthandel),
Baruch Mayer Oestreicher (Schacher- und Ellenhandel), Schimmel Schmuel
Rosenfelder (Taglohn und Kapitalzinsen); mittelbare Schutzjuden der
Freiherren von Fuchs: Samuel Joseph Silbermann (Viehhandel), Joseph Reindl
Opticus (Glashandel), Feidel Nathan Schulmann (Viehhandel), Witwe von Joseph
Amschel Schwanthaler (Viehhandel), Witwe von Samuel Löb Neuberger (Viehhandel),
Salomon Meyer Oestreicher (Lehren und Schreiben), Israel Mayer Sundmann
(Schmusen), Salomon Feidel Schulmann (Viehhandel), Beer Salomon Goldschmitt
(Warenhandel), Moses Jandorf Knezthaler (Warenhandel).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der
Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Kleinsteinach,
teilweise auch in Gerolzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdischen Kinder besuchten bis zum Schuljahr 1929/30 die
örtliche katholische Volksschule, danach die evangelische Volksschule. Die Gemeinde
war dem Distriktsrabbinat in Schweinfurt
zugeteilt.
Um 1924, als noch 64 jüdische Einwohner am Ort gezählt wurden (8,8 % von
insgesamt etwa 800 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde J. Sündermann
und S. Pulver. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Leo Kahn tätig;
auch der inzwischen im Ruhestand befindliche Anselm Frank half bei diesen
Aufgaben mit. Die Religionsschule wurde von 8 Kindern besucht. 1932 waren
die Gemeindevorsteher weiterhin J. Sündermann und S. Pulver. Als Schriftführer,
Lehrer und Kantor war inzwischen Willi Neumann tätig. Es unterrichtete im
Schuljahr 1931/32 noch fünf Kinder.
1933 wurde noch 43 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden
Jahren sind nur relativ wenige jüdische Einwohner vom Ort weggezogen. Anfang
Juli 1938 wurden noch 33 jüdische Einwohner gezählt. Bis 1938 gab
es unter den Juden der Ortes noch acht Viehhändler, sieben Bauern und einen
Händler für Felle und Fette.
Beim Novemberpogrom 1938 kamen SA-Leute aus Haßfurt und Umgebung in
drei Lastautos nach Westheim. Ortsansässige SA-Leute schlossen sich ihnen an.
Sie drangen in die Häuser von sechs jüdischen Familien ein, zertrümmerten
Fenster, Möbel und Hausrat, zerrissen Bilder, stahlen Wertgegenstände und
warfen Waren auf die Straße. Zwei Juden wurden brutal verprügelt (zur Aktion
in der Synagoge s.u.). Nach den Aktionen in der Synagoge wurden die Juden von
den nichtjüdischen Dorfbewohnern verspottet und beleidigt, als man sie auf
Viehwagen in das Gefängnis von Haßfurt abtransportierte. Auch einige
Nichtjuden, die den Juden ihre Sympathie ausgedrückt hatten, wurden tätlich
angegriffen. Der evangelische Pfarrer und seine Frau, die stets gute Beziehungen
zu den Juden unterhalten hatten, wurden in derselben Nacht verhaftet und einen
Tag im Gefängnis gehalten. In der Folgezeit wurde massiver Druck auf die
jüdischen Familien ausgeübt, vom Ort wegzuziehen. Am 2. September 1940
mussten alle noch verblieben jüdischen Einwohner in einem Haus zusammenziehen. Anfang
Januar 1942 wohnten noch 21 Juden im Dorf, darunter fünf aus der Umgebung
zugezogene. Sie wurden mit den Deportationen im April und September nach Izbica
bei Lublin beziehungsweise nach Theresienstadt deportiert.
Von den in Westheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Ebert geb.
Braun (1861), Helene Frank geb.
Zeilberger (1888), Nathan Frank (1883), Sara Frank (1890), Johanna Frankfelder geb. Lippstädter
(1890), Josef Frankfelder (1920), Wolf Frankfelder (1862), Betty Hamberg geb. Pulver
(1897), Mina Kahn geb. Sündermann (1908), Ida Knorringa geb. Ullmann (1886), Berthold Mahler (1909), Gertraud Mahler geb. Reis (1871),
Hilda Neuburger
geb. Sündermann (1885), Hirsch Neuburger (1878), Paula Ottensoser geb. Braun
(1898), Berta Pulver geb. Wolfrann (1878), Else Pulver (1892), Emma Pulfer geb. Josef
(1890), Josef Pulfer (1884), Sofie Pulver (1882), Jakob Schwarz (1881), Martha Schwarz (1924),
Selma Schwarz geb. Pulver (1890), Jenny Steigerwald geb. Sündermann (1879), Ferdinand Sündermann (1880), Isidor
Sündermann (1872), Leopold Sündermann (1877), Luise Sündermann geb. Lehmann (1876),
Rosa Sündermann geb. Zeilberger (1880), Babette Ullmann (1881), Herrmann
Ullmann (1879), Gertrud Wahler geb. Raiß (1871), Samson Wahler (1876).
Unklar ist die Zuteilung nach Westheim bei Hassfurt oder Westheim
bei Hammelburg bei folgenden in den o.g. Listen genannten
Personen: Meier Braun (1885), Thekla Dittrich geb. Katz (1880), Frieda Kleeberg
geb. Weißenklee (1871),
Babette Lonnerstädter (1877), Therese Pollack
geb. Bein (1857), Alfred Rosenbaum (1904),
Emilie Rosenberger geb. Löwentritt (1880), Albert Schöndorf (1870), Bruno Stamm (1909), Max Stamm (1892),
Paul Stamm (1893), Rika Stamm geb. Eichwald (1865), Amalie Stein geb. Stamm
(1902).
Nach 1945: von November 1946 bis
Frühjahr 1949 lebten in Westheim jüdische "Displaced Persons"
(jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa / Überlebende der Shoa), vorwiegend
jüdische Familien und einige Einzelpersonen. Sie waren in Häusern im Ort
untergebracht, die die amerikanische Besatzungsmacht beschlagnahmt hatte. Einige
dieser Häuser hatten früher Juden gehört. In einem Haus nahe dem
Kriegerdenkmal (heute Bäckereifiliale) wurde von den jüdischen DPs ein
Kulturzentrum eingerichtet (u.a. eine Schule). Möglicherweise wurde auch die
alte Synagoge wieder verwendet. Nach Gründung des Staates Israel 1948 sind die
DP's wieder von Westheim verzogen.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und
Schochet 1931
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1931: "In
der Gemeinde Westheim bei Haßfurt ist durch Weggang des bisherigen
Inhabers die Stelle des Religionslehrers, Kantors und Schochets frei.
Der Gehalt bestimmt sich nach den Sätzen des Verbandes bayerischer
israelitischer Gemeinden. Geeignete unverheiratete Bewerber mögen sich alsbald unter Vorlage beglaubigter Zeugnisabschriften bei dem
Unterzeichneten melden. Die Stellenbesetzung soll sofort erfolgen.
Isidor Sündermann, Kultusvorstand." |
Über Lehrer Salomon Senger (1864-1874 Lehrer in Westheim)
siehe auf Seite zu Kleineibstadt
Lehrer Anselm Frank erhält das Ehrenbürgerrecht von Westheim (1912)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1912:
"Westheim bei Haßfurt. Lehrer Frank ist anlässlich seines 70.
Geburtstages mit dem Ehrenbürgerrecht von Westheim ausgezeichnet
worden." |
Lehrer Anselm Frank feiert den 80. Geburtstag und die goldene Hochzeit
(1922)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Februar
1922: "Westheim. Lehrer Anselm Frank feierte den 80.
Geburtstag und gleichzeitig goldene Hochzeit. Die gesamte Gemeinde nahm
Anteil an diesem Tage. Rabbiner Dr. Stein - Schweinfurt würdigte den
Jubilar in einer Rede." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Westheim
bei Haßfurt, 24. Januar (1922). Der vorgestrige Tag war für unsere
Gemeinde ein Festtag in des Wortes vollster Bedeutung. Galt es doch,
unserem verehrten und verdienten Lehrer, Herrn Anselm Frank, der nach
46-jähriger Tätigkeit am hiesigen Platze seinen 80. Geburtstag und
gleichzeitig an der Seite seiner edlen Gattin das seltene Fest der
goldenen Hochzeit feierte, unsere Liebe und unseren Dank zu bekunden.
Vormittags 9 Uhr erschienen die Mitglieder der Gemeinde, die sämtlich
Schüler des Gefeierten waren, in der Wohnung des Jubelpaares,
beglückwünschten dasselbe und überreichten als äußeres Zeichen der
Dankbarkeit und Verehrung eine namhafte Ehrengabe. Hierauf fand
Festgottesdienst in der neu erbauten, schmucken und sinnig dekorierten
Synagoge statt, der sich zu einer wahrhaft erhebenden und rührenden Feier
gestaltete. Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, schilderte in
warmen, tief empfundenen Worten das glücklich, vorbildliche Eheleben des
Jubelpaares, dessen frommen, zufriedenen, bescheidenen Sinn und hob
namentlich die ersprießliche, erfolgreiche Tätigkeit des Jubilars als
Religionslehrer, Kantor und gewissenhaften Schochet hervor. Nach Schluss
des Gottesdienstes begaben sich alle Festteilnehmer in das nahe gelegene
Lehrzimmer, wo die Schuljugend bereits versammelt war. Herr Distriktsrabbiner
wandte sich abermals mit einer kurzen, ehrenden Ansprache an den Jubilar,
worauf Herr Lehrer Hammelburger, Haßfurt, als Kollege und Freund und Herr
Lehrer Fränkel aus Hofheim, als Obmann der Bezirkskonferenz Schweinfurt
ihre Glückwünsche zum Ausdrucke brachten. Tief bewegt dankte der
Jubilar. (Alles Gute) bis 100 Jahre." |
Lehrer Willi Neumann wird neuer Lehrer in
Westheim (1931)
Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Dezember 1931: "Kollege L. Kahn, bisher in Westheim, trat am
1. Dezember seine neue Stelle in Gaukönigshofen
an. Am gleichen Tage übernahm der junge Kollege Willi Neumann von Fürth
die Stelle in Westheim." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über den aus Westheim stammenden Lehrer Joseph Silbermann
(1817-1896) siehe Bericht bei Wiesenfeld
Zum Tod von Seligmann Mahler (1878)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1878:
"Westheim bei Haßfurt. Der allgemein beliebte Seligmann Mahler ist
nicht mehr, denn Gott hat ihn in seinem unendlichen hohen Ratschlusse nach
dreiwöchentlichem schweren Krankenlager zu sich genommen. Am 15. Marcheschwan
(11. November 1878) hauchte er seine reine Seele aus. Dieser Fall ist umso
trauriger, als der Verstorbener nach nur fünfmonatlicher glücklicher Ehe
schon das Zeitliche verlassen musste. Wer diesen Edlen kannte, kann sagen,
welchen Verlust wir erlitten. Durch seine sprichwörtlich gewordene
strenge Rechtlichkeit, durch seinen freundlichen Umgang mit seinen
Mitmenschen wusste er sich die größte Achtung sowohl bei Juden als
Christen zu verschaffen. Die so schönen Tugenden, die er mit Gottesfurcht
vereinigte, zeigen zur Genüge, welch braver, wahrer Jehudi er war,
trotzdem er erst im 27. Lebensjahre stand. Als sehr eifriger
Geschäftsmann versäumte er es nie, gewissermaßen zu allen
Gebetszeiten das Gebet zu verrichten (frei übersetzt); nebenbei
betätigte er eine unbegrenzte Bescheidenheit, sodass er gleichsam in
Bescheidenheit mit Gott gehen aufs Herrlichste erfüllte. Nebst seiner
Frau und Familie beklagt in dem Dahingegangenen auch die Gemeinde einen
herben Verlust, sie verliert in ihm ein edles Mitglied. Einen Beweis von
seiner allgemeinen Beliebtheit zeigte die rege Teilnahme an seinem
Leichenbegängnisse, nicht allein seitens hiesiger Bewohner, sondern auch
aus der Umgegend waren viele Verehrer des Verewigten herbeigeeilt, um ihm,
dem verdienten Mann, die letzte Ehre zu erweisen. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Mitarbeitersuche des Manufakturwarengeschäftes Gebrüder Neuberger
(1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1890: Wir
suchen für unser Manufakturwaren-Geschäft einen Lehrling. Samstag und
Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause. Westheim bei Haßfurt.
Gebrüder Neuberger." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1890:
"Für unser Samstags und Feiertage streng geschlossenes
Manufakturwarengeschäft suchen wir einen angehenden Commis, der
sich auch zu Detailreisen eignet. Eintritt wäre sofort erwünscht. Auch
ein Lehrling findet Aufnahme bei uns. Kost und Logis im
Hause.
Gebrüder Neuberger, Westheim bei Haßfurt." |
Anzeigen des Manufaktur- und Schuhwarengeschäftes Isidor Sündermann (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902: "Lehrling
mit guter Schulbildung. Schabbos und Jomtof (Feiertag) streng geschlossen.
Kost und Logis im Hause.
Isidor Sündermann,
Westheim bei Haßfurt." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 6. Oktober 1902:
"Für mein Manufaktur- und Schuhwarengeschäft suche per
sofort einen
Lehrling
mit guter Schulbildung. Schabbos und Jomtof (Feiertag) streng geschlossen.
Kost und Logis im Hause.
Isidor Sündermann, Westheim bei Haßfurt." |
Weiteres Dokument
Briefumschlag
eines Briefes
an W. Frankfelder in Westheim (1919)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim / Ries) |
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Der Brief von Simon Blum
aus Mellrichstadt wurde am 16.
Dezember 1919
an W. Frankfelder in Westheim bei Hassfurt geschickt. Beim Adressaten wird
es sich
um den 1862 geborenen und 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommenen
Wolf Frankfelder handeln. |
Zur Geschichte der Synagoge
Die Synagoge wurde 1913 erbaut, nachdem zuvor
das alte Synagogengebäude eingestürzt war. Neben ihr befanden sich das Gemeindehaus/Schulhaus mit Räumen der jüdischen Schule und ein
rituellen Bad.
Im Februar 1938 wurde über den Verkauf des Gemeindehauses verhandelt. Beim Novemberpogrom 1938
wurden von den SA-Leuten aus Haßfurt und Umgebung sowie aus Westheim nach
den Aktionen gegen die jüdischen Häuser alle jüdischen Männer festgenommen
und in die Synagoge gebracht. Hier wurden sie in zwei Reihen an den Fenstern
aufgestellt, von wo aus sie der Zerstörung der Möbel, der Ritualien, des
Toraschreines, der Leuchter mit ansehen mussten. Durch die umhergeworfenen
Trümmer wurden viele der jüdischen Männer verletzt. Die Torarollen und
religiösen Bücher wurden auf der Straße aufgeschichtet und in Brand gesteckt.
Etwa 200 Dorfbewohner hatten sich als Zuschauer bei der Synagoge versammelt.
Die Gebäude blieben nach 1945 erhalten. Die ehemalige Synagoge wurde zu einem
Wohnhaus umgebaut. Das ehemalige Gemeindehaus/Schulhaus wird als Speicher
beziehungsweise Abstellgebäude verwendet und befand sich 2007 in einem
höchst baufälligen, einsturzgefährdeten Zustand. Im Frühjahr 2008
erfolgte der Abbruch des Gebäudes:
Der Abbruch des jüdischen Schulhauses
2008:
WESTHEIM:
Forscher erhoffen sich wertvolle Genisa-Funde - Abbruch der ehemaligen jüdischen Schule beginnt
-
Artikel in der MAINPOST vom 24. März 2008
(ler) Heute beginnen in Westheim die Abbrucharbeiten an der ehemaligen jüdischen Schule. Das gut 300 Jahre alte marode Gebäude befindet sich in Privatbesitz und kann nicht erhalten werden. Fachleute für jüdische Geschichte werden den behutsamen Abbruch begleiten und hoffen, eine so genannte
"Genisa" zu finden, ein Depot alter jüdischer Schriftstücke und Kultgegenstände.
Der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Haßberge und dem Landesamt für Denkmalpflege ist die Zustimmung zum Abbruch der über 300 Jahre alten, ehemaligen Judenschule in Westheim sehr schwer gefallen.
"Nach umfangreicher Prüfung der Substanz wurde festgestellt, dass das Gebäudes nur unter sehr hohem finanziellem Aufwand zu erhalten wäre", berichtet Theodor Weiß vom Landratsamt. Auch der Denkmalschutz und somit der Denkmalerhalt wären in Frage gestellt, da bei einem Erhalt wesentliche Teile des sehr lidschäftigen Hauses, wie beispielsweise die Giebelwand West, abgetragen, neu gegründet und wieder aufgebaut werden müssten.
Diese Wand hat sich nämlich aus dem Fachwerkverband der beiden Längswände gelöst, erkennbar ist ein handbreiter Spalt, der sich in den letzten Jahren vergrößert hat. Auch die vordere Giebelwand baucht stark aus, während das Giebeldreieck in den Dachraum zu stürzen droht.
"Mit Denkmalpflege im klassischen Sinne hätte ein Wiederaufbau von Gebäuden oder Gebäudeteilen aber wenig zu
tun", erläutert Weiß. Auch habe es für die weitere Nutzung des Gebäudes keine sinnvolle Lösung gegeben. Bereits seit Jahren war die Suche erfolglos. Weder die vormalige Eigentümerin, die in der benachbarten, ehemaligen Synagoge lebte und mehrfach vergeblich aufgefordert wurde, Sicherungs- und Instandhaltungsarbeiten am Schulgebäude durchzuführen, noch die Gemeinde Knetzgau konnten eine Verwendung für das Gebäude finden. Nach dem Eigentümerwechsel im Herbst 2007 stellte der neue Eigentümer einen Abbruchantrag, dem nach umfangreicher Prüfung durch das Landratsamt und das Landesamt für Denkmalpflege mit einigen Auflagen schließlich stattgegeben werden musste.
Eine dieser Auflagen ist die wissenschaftliche Begleitung des Abbruchs. Bei der ehemaligen Judenschule, ein um das Jahr 1690 erbautes Haus, handelt es sich nämlich um das wichtigste (und älteste) Gebäude jüdischen Ursprungs in Westheim. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich im Dachbereich noch Reste einer so genannten Genisa befinden. In einer Genisa – so Martina Edelmann vom Forscherinnenteam am Jüdischen Museum in Veitshöchheim – werden an geeigneten Orten unbrauchbar gewordene Gegenstände und Texte abgelegt, die nach (jüdischen) religiösen Vorschriften nicht vernichtet werden dürfen. So findet man in ehemaligen Synagogen, jüdischen Schulen, auch in Privathäusern immer wieder Reste von
Genisoth. Ein Genisafund kann immer einen Blick in das Leben einer früheren jüdischen Gemeinde möglich machen. Religiöse Gepflogenheiten, Schulwesen, Handelskontakte, Berufsleben der Juden, jüdisches Leben auf dem Dorf – dies sind beispielsweise Themenbereiche, zu denen sich in Genisafunden Antworten finden lassen. Solches Material wurde häufig zum Beispiel im Traufbereich eines Daches oder in Zwickelräumen in den Dachböden abgelegt. Das Forscherinnenteam ist sich ziemlich sicher, bei den Abbrucharbeiten fündig zu werden. Der jetzige Eigentümer des Gebäudes sagte seine volle Unterstützung bei den Untersuchungen zu. |
Die ehemalige Synagoge wird derzeit (2011) als Wohnhaus saniert.
Adresse/Standort der Synagoge:
Fotos
(Hahn, Aufnahmedatum 10.4.2007)
Die ehemalige Synagoge
im
Frühjahr 2007 |
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Die ehemalige, zu
einem Wohnhaus umgebaute Synagoge |
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Blick auf die
Nische des Toraschreines mit dem Misrach-Fenster |
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Das ehemalige jüdische
Gemeindehaus/Schulhaus
in völlig baufälligem Zustand
im Frühjahr 2007 |
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Das Gebäude macht
einen unmittelbar vom Einsturz bedrohten Eindruck |
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Der Eingang mit der Originaltür |
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| Andernorts gefunden |
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Grabstein für Ludwig Frank
aus Westheim
(1891-1930) auf dem jüdischen Friedhof in
Eberbach |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Oktober 2011:
Erinnerung an die jüdische Geschichte (jüdische
Gemeinde und Lager für Displaced Persons) |
Artikel von Michael Mösslein in der
"Main-Post" vom 24. Oktober 2011: "Heimat nur für kurze
Zeit. Als im Mai 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, befanden sich
in Deutschland Millionen Heimatlose - Zwangsabeiter, ehemalige
Kriegsgefangene oder Überlebende der Konzentrationslager. Die Alliierten
nannten sie Displaced Persons, kurz DPs, Menschen, die am 'falschen Ort',
die entwurzelt waren. In den westlichen Besatzungszonen sollen es sieben
bis siebeneinhalb Millionen gewesen sein. Etwa 16.000 jüdische DPs lebten
von 1945 bis 1949 in Franken, in 28 Lagern beziehungsweise Gemeinschaften.
Eine davon befand sich im Knetzgauer Ortsteil Westheim..."
Link
zum Artikel - auch
eingestellt als pdf-Datei |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 426. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 128. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 496-497.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Westheim bei Hassfurt
Lower Franconia. The Jews maintained a population of 100-110 (around 15 % of the
total) throughout the 19th century and numbered 43 in 1933. A synagogue was
built in 1913. On Kristallnacht (9-10 November 1938), it was severely
vandalized along with Jewish homes. Nine Jews are known to have emigrated in
1938-41 (seven to the United States). Fifteen were deported to Izbica in the
Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942. The last five were sent
to the Theresienstadt ghetto in September 1942.

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