Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wiesenfeld (Stadt Karlstadt, Main-Spessart-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Wiesenfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1655 vier jüdische Einwohner (beziehungsweise vier jüdische Familien) genannt, 1699 waren es bereits 14. Die jüdischen Familien standen unter adligem Schutz, insbesondere der Voite von Rieneck und der Freiherren Hutten von Steinbach. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1813 107 jüdische Einwohner (13,9 % der Gesamteinwohnerschaft), 1816 111 (14,9 % von insgesamt 747 Einwohnern), 1837 160 (15,7 % von 1.017), 1867 119 (10,7 % von 1.107), 1871 104 (9,4 % von 1.108). 1880 94 (8,1 % von 1.154), 1900 66 (6,0 % von 1.092). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden die folgenden 25 Matrikelplätze nachstehender jüdischer Familienvorstände für Wiesenfeld festgehalten (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Maier Salomon Rosenberger (Viehhandel), Moses Abraham Hanauer (Viehhandel), Abraham Moses Hanauer (Viehhandel und Ellenwaren), Samuel Loew Schloß (Spezereihandel und Ellenwaren), Abraham Jos Bamberger (Handel mit Viel, Spezerei, Ellen), Joß Abraham Bamberger (Viehhandel, Schlachten), Jacob Abraham Gutmann (Viehhandel, Schlachten), Nosen Jacob Löwenthal (Handel mit Vieh und Ellen), Hajum Abraham Heilmann (Schächten, Viehmakeln), Löw Salomon Steigerwald (Viehhandel), Oscher Kallmann Frank (Viehhandel und Makeln), Kallmann Kaufmann Frank (ohne Erwerbszweig, vom Sohn Oscher ernährt), Abraham Hirsch Grünebaum (Warenhandel mit Kram), Moses Salomon Brenner (Lumpenhandel), Seligmann Süß Stern (Viehhandel), Wolf Seligmann Stern (Viehhandel), Abraham Loeser Leisinger (ohne Erwerb), Meier Loew Leisinger (Viehhandel), Isaac Meyer Hecht (Viehhandel und Botengehen), Marx Alexander Baum (Viehhandel), Moses Alexander Grünewald (Viehhandel), Breune, Witwe von Samuel Abraham Linjenthal (Handel mit Ellenwaren und Tüchern), Jacob Süß Löwenthal (ohne Erwerb), Santilla, Witwe von Gotz Jöß Braunold (Handel mit Ellen und Töchter), Num Jacob Haas (ohne Erwerbszweig). Sechs der 25 Matrikelstellen sind in den Jahren nach 1817 durch Tod der Inhaber erloschen.        
   
1820 lebten drei der jüdischen Familien in eigenen, auf gutsherrlichem Grund erbauten Häusern. 22 Familien lebten damals in Wohnungen, die im Besitz der Gutsherrschaft waren. Die jüdischen Familien lebten bis Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegend vom Handel mit Waren und Vieh. Danach kamen einige Handwerker und für das wirtschaftliche Leben am Ort wichtige Gewerbebetriebe/Handlungen am Ort dazu. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verzogen mehrere Familien nach Karlstadt, Würzburg und in andere Städte.
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein Schulhaus mit einer Lehrerwohnung sowie ein rituelles Bad. Das jüdische Schulhaus wurde neben der Synagoge 1841 erbaut. Es wurde 1881 renoviert und noch 1913 erweitert. Neben dem jüdischen Schulhaus befand sich das 1828 erbaute rituelle Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Laudenbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Die Stelle wurde bei anstehenden Neubesetzungen immer wieder ausgeschrieben (vgl. unten Ausschreibungstext).  
  
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen christlichen und jüdischen Einwohnern noch zeitweise angespannt, wie Ereignisse aus dem Jahr 1866 zeigen. Es war die Zeit des Abschlusses der rechtlichen Gleichstellung der Juden mit den Christen:   

Wiesenfeld Israelit 06061866.jpg (85884 Byte)Antijüdische Ausschreitungen in Wiesenfeld 1866 - Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1866: "Wiesenfeld. Dieser Tage hatten auch wir eine Art Judenexzess durchzumachen. Lärmend und tobend durchzog ein aufgeregter Volkshaufen die Straßen und wurden dabei sieben Israeliten die Fenster eingeworfen. Was die Ursache dieses Aufruhrs war, stellte sich Tags darauf heraus, wo die Exzedenten von den Juden verlangten, sie sollten den Anteil an den Gemeinderechten schriftlich abtreten. Es war nämlich dieser Punkt schon seit Jahren ein Zankapfel zwischen den jüdischen und christlichen Einwohnern Wiesenfelds. Als jedoch das Gericht zu Gunsten der Juden entschied, mussten sich die Unzufriedenen in das Unvermeidliche ergeben. Bei dieser aufgeregten Zeit nun glaubten die guten Wiesenfelder das Recht des Stärkeren handhaben zu dürfen und zwangen also die Juden förmlich, die betreffende Verzichtleistung auszustellen. Wahrscheinlich haben die guten Leute übersehen, dass das Gesetz einen solchen Akt nicht anerkennt und dass die Beteiligten einer strengen Strafen zu gewärtigen haben." 

Im Krieg 1870/71 waren unter den 38 Kriegsteilnehmern aus Wiesenfeld auch die beiden jüdischen bayerischen Soldaten Michael Rosenberger und Markus Baum. Ihre Namen stehen auf einem Denkmal an der Südwand der Pfarrkirche von Wiesenfeld.

Bis 1910 war die Zahl der jüdischen Einwohner auf 63 zurückgegangen (6,0 % von insgesamt 1.057). 
    
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Friedrich Hanauer (geb. 11.4.1893 in Wiesenfeld, vor 1914 in Würzburg wohnhaft, gef. 30.8.1915).      
  
Um 1924
, als 65 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (5,9 % von insgesamt etwa 1.100), waren die Vorsteher der Gemeinde Hugo Stern und Jakob Steigerwald. Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte Hirsch Oppenheimer. Er unterrichtete im Schuljahr 16 Kinder an der Religionsschule der Gemeinde. Die Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk in Würzburg zugeteilt. 1932 waren die Vorsteher David Bamberger (1. Vors.) und Ferdinand Bamberger. Als Schatzmeister ist Louis Bamberger eingetragen. Die Repräsentanz hatte 15 Mitglieder, womit alle jüdischen Familien in der Repräsentanz vertreten waren. Als Lehrer wirkte nun S. Strauß. Er hatte noch 8 jüdischen Kindern Religionsunterricht zu erteilten. An Stiftungen war die "Schul-Dotations-Kasse" erhalten (Vorsitzender war David Bamberger).   

1933 lebten noch 55 jüdische Personen in Wiesenfeld. Trotz der zunehmenden Restriktionen und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts ging die Zahl der jüdischen Einwohner zunächst nur langsam zurück. Der Rückgang verstärkte sich jedoch nach den Ereignissen im November 1938. 1939 wurden noch 29 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 kamen 30 SA-Leute aus Karlstadt nach Wiesenfeld. Unter reger Beteiligung durch Ortsbewohner drangen sie in die jüdischen Häuser ein und zerstörten die Wohnungen. Aus einem Geschäft holten sie sämtliche Stoffe und Textilien heraus und verbrannten diese außerhalb des Dorfes. Anfang Februar 1942 waren noch 25, überwiegend ältere jüdische Personen in Wiesenfeld. Im April 1942 wurden 19 von ihnen über Würzburg nach Izbica deportiert, sechs wurden im Juni und September in das Ghetto Theresienstadt verbracht.    
    
Von den in Wiesenfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Arthur Bamberger (1925), David Bamberger (1889), Jette (Jettchen) Bamberger geb. Ring (1895), Joseph Bamberger (1871), Siegfried Bamberger (1896), Ernestine Baum (1881), Hedwig Baum (1885), Max Baum (1879), Moses Baum (1892), Bernhard Baumann (1892), Julius Baumann (1894), Marga Baumann (1924), Selma Baumann geb. Langgut (1896), Jenny Blumenbaum geb. Hanauer (1878), Frieda Frank geb. Hanauer (1882), Paula Frankenberg geb. Hanauer (1875), Laura Liane Frankenfelder geb. Mondschein (1893), Karoline (Lina) Hamburger geb. Rosenberger (1898), Alfred Hanauer (1893), Arthur Hanauer (1913), Felix Hanauer (1882), Ida Hanauer (1917), Mira Hanauer (1882), Moses Hanauer I (1875, in Wiesenfeld), Moses Hanauer II (1875, später in Bendorf), Pauline Hanauer geb. Steinheimer (1874), Philipp Hanauer (1883), Rosa Hanauer geb. Goldschmidt (1874), Sali Hanauer geb. Dillenburger (1887), Sally Hanauer (1885), Jette (Jettchen) Heppenheimer (1851), Elsa Jung geb. Wellisch (1889), Mina Kahn (1892), Kurt Mondschein (1903), Emilie Rosenberger geb. Löwentritt (1880), Joseph Schlossmann (1860), Irma Siegel geb. Hanauer (1903), Berta Steigerwald (1923), Julius Steigerwald (1909), Minna Steigerwald (1912), Emanuel Stern (1878), Flora Stern (1890 oder 1891), Mathilde (Thilde) Stern geb. Sichel (1887), Hugo (Heinemann, Chaim) Stern (1881), Amalie Strauss geb. Bamberger (1878).    
    
1945 kam ein überlebendes Ehepaar aus Theresienstadt zurück nach Wiesenfeld (gestorben im Juni 1946 beziehungsweise September 1959).  
    
    
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet 1884 / 1895  

Wiesenfeld Israelit 21071884.jpg (52590 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"  vom 21. Juli 1884: "Offene Lehrerstelle. Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist in Erledigung gekommen und soll sofort besetzt werden. Fester Gehalt M. 725 - außer Nebenverdienst der Schechitah usw. und ist Gelegenheit zur Erteilung von Privatunterricht geboten. Freie Wohnung und Heizung. Seminaristisch gebildete Bewerber vollen sich längstens innerhalb 14 Tagen unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden. Wiesenfeld, Bayern, 17. Juli 1884. B. Hanauer, Kultusvorstand". 
   
Wiesenfeld Israelit 11031895.jpg (74280 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1895: "Offene Lehrerstelle. 
Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist in Erledigung gekommen.   
Mit derselben ist bei freier Wohnung und Beheizung ein festes Gehalt und Stiftungsbezüge von Mark 642.85 und beiläufigen Schächtergebühren und Nebenverdiensten von Mark 350.- verbunden.   
Seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich baldigst unter Beilage ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden.  
Wiesenfeld, 6. März 1895. 
Die israelitische Kultusverwaltung: 
A. Bamberger jr., Vorstand."    

  
Zum Tod von Lehrer Moses Nußbaum (1930, Lehrer in Wiesenfeld 1886 - 1895)

Massbach BayrGZ 01101930.jpg (118894 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1930: "Moses Nußbaum gestorben. Nach kurzem Krankenlager verstarb vor einigen Wochen unser lieber und treuer Kollege Moses Nußbaum, pensionierter Volksschullehrer, im Alter von 65 Jahren. Er war ein gemütvoller, äußerst strebsamer Kollege, der neun Jahre in Wiesenfeld als Religionslehrer, und fünfzehn Jahre in Maßbach bei Kissingen als Volksschullehrer seine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Leider haben seine Kräfte den Anforderungen, die er an sich selbst gestellt hat, nicht Stand gehalten, sodass er schon im Jahre 1910 in seinem 45. Lebensjahre in Pension gehen musste. Doch gründete er sich nach überstandener Krankheit in Kissingen mit großer Energie und erstaunlicher Anpassungskraft eine neue Existenz als Kaufmann und verstand es sich neben der Verehrung aller Kreise der Stadt eine dominierende Stellung in seinem Berufe zu erobern. 
An seinem Grabe vereinigte sich eine große Trauergemeinde. Neben den jüdischen Kollegen des Bezirks waren die hiesigen Volksschullehrer sehr zahlreich erschienen, die die Beerdigungsfeier mit einem ergreifenden Grabgesang eröffneten. Nach der tief empfundenen Grabrede des Herrn Rabbiners Dr. S. Bamberger, widmete ihm Ludwig Steinberger warme Abschiedsworte als Freund und Kollege und sprach Dank und Verehrung im Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern aus. Nach einigen Abschiedsworten des eigenen Bruders, des Herrn Hauptlehrers Nußbaum (Neumarkt), sprach der Vorstand des Bezirkslehrervereins Kissingen im Namen des Bayerischen Lehrervereins herzliche Worte ehrenden Gedenkens. Herr Gustav Neustädter brachte im Namen der Gemeinde Maßbach, die sehr zahlreich am Grabe erschienen war, Verehrung und Dankbarkeit derselben zum Ausdruck. 
Mit Moses Nußbaum ist ein vorbildliches Lehrerleben verhaucht. Sein Andenken wird in unserem Verein hoch in Ehren bleiben."

  
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod des "sehr verdienten, würdigen Lehrerveterans" Joseph Silbermann (1817-1896
)  
Anmerkung: Lehrer Joseph Silbermann starb "bei seinen Kindern" in Wiesenfeld, gemeint vor allem seine Tochter Therese Bamberger geb. Silbermann (siehe Berichte unten).  

Wiesenfeld Israelit 31121896.JPG (245164 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1896: "Aus Unterfranken. Ein sehr verdienter, würdiger Lehrerveteran ist in dem vergangene Woche zu Wiesenfeld verblichenen Lehrer Joseph Silbermann zu Grabe getragen worden. Fast achtzigjährig hatte derselbe erst vor wenigen Wochen sich auf dem Berufsleben zurückgezogen und war von Altenschönbach, seinem letzten Wirkungskreis, nach Wiesenfeld zu seinen Kinder übergesiedelt, wo ihm nur noch eine kurze Frist der wohlverdienten Ruhe beschieden war. 60 Jahre lang stand er mit vollem Eifer und ungeteilter Hingabe im Dienste des religiösen Erzieherberufes. Die Resultate, die er erzielte, waren an jeder Stätte seiner Wirksamkeit außerordentlich erfreulich. In Westheim bei Haßfurt geboren, hat der Verblichene bei verschiedenen, bedeutenden Lehrern und Rabbinern, unter anderem auch in Höchberg, sich hervorragende Kenntnisse in Tanach (Bibel) und Talmud (wörtlich abgekürzt: sechs Ordnungen) angeeignet. Er fungierte hierauf 10 Jahre als Lehrer in Weimarschmieden, Oberstreu und Schwebheim, dann, nachdem er mit ausgezeichneten Noten sein staatliches Lehrerexamen abgelegt hatte, volle 50 noch in den beiden Gemeinden Gochsheim und Altenschönbach. Ein tüchtiger Pädagoge, von seinen Vorgesetzten, den Rabbinern und den staatlichen Inspektoren, zu allen Zeiten geehrt und ausgezeichnet, war er ein sprechender Beweis dafür, dass die, die mit der Jugend leben, stets jung bleiben. Vor dem Ärger und Kummer, den ihm in früheren Jahren oftmals missliche Gemeindeverhältnisse bereiteten, flüchtete er sich in das Heiligtum seiner Schule, die ihm stets wieder frischen Mut und Lebensfreudigkeit gewährte; in diesem Heiligtum verwand er auch den Schmerz über den Tod der ihn um viele Jahre früher entrissenen Gattin. Die Betrachtung des Werkes des Verblichenen erschöpfen wir keineswegs mit dem Hinweis, dass derselbe auch in allen Elementarfächern, in kaufmännischen Disziplinen, in Realien etc. großes Wissen besaß, die ihn befähigten, eine große Reihe von Zöglingen, die sich jetzt in hervorragenden Stellen befinden, für alle Mittelschulen mit Erfolg vorzubereiten, sondern wir legen unbedingt den Nachdruck darauf, dass er als Lehrer ein Lamden gewesen, eine Verbindung zweier Eigenschaften, die wir in unserer Tora-armen Zeit leider nur zu selten antreffen. Seine ganze freie Zeit widmete Silbermann dem 'Lernen' zumal in den letzten Jahren, da seine bereits sehr dezimierte Schule ihm viel freie Zeit gewährte, konnte man ihn immer über der Gemara oder dem Midrasch antreffen. 
Und dieses beständige Aufgehen in den Quellen, gab auch seinem einfachen Religionsunterricht einen eigenen Reiz und verlieh ihm seltenen Wert. 
Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass die gleiche Gewissenhaftigkeit, wie bei der Ausübung seines Lehrerberufes, ihn auch in seinem Amte als Schochet und Schaliach Zibbur auszeichnete. Gerade als Baal Tefilla war er würdig, wie irgend einer: Jeder, auch der es nicht verstand, konnte bei seinem Gebetsvortrag fühlen, wie sein Vortrag auf richtigem Verständnis beruhte und aus dem Quell tiefsinniger Andacht hervordrang. 
Sein Heimgang bedeutet auch für die Allgemeinheit einen Verlust, da solche Männer, solche Lehrer eben leider auszusterben drohen, er ist vor allem für die Gemeinden seiner Wirksamkeit schmerzvoll, da man durch die Bande aufrichtiger Dankbarkeit sich mit ihm verbunden fühlte. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes sein!"

   
Silberne Hochzeit des langjährigen Vorstandes der Gemeinde Abraham Bamberger (1902)  

Wiesenfeld Israelit 03021902.jpg (20000 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1902: "Wiesenfeld. Der langjährige hiesige Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Herr Abraham Bamberger, feierte am vergangenen Sabbat das Fest seiner silbernen Hochzeit, wobei er besonders der Armen gedachte. Von einem größeren Feste sah Bamberger seinem Charakter entsprechend ab." 

   
Zum Tod von Flora Adler geb. Hanauer (1908)   

Wiesenfeld Israelit 12111908.jpg (64189 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1908: "Wiesenfeld bei München (??), 5. November 1908. Am Mittwoch Paraschat Bereschit, entschlief hier nach kurzem, aber schwerem Leiden eine Ischa jekara (teure Frau), Frau Flora Adler geb. Hanauer im Alter von 36 Jahren, nach 9-jähriger, glücklicher Ehe. Die Verstorbene war ein Eschet Chajal im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr ganzes Leben war eine fortgesetzte Bestätigung vom Gebot zu guten Werken. Aus echt altjüdischem Hause stammend, hielt sie auch als Frau, die ihr im Elternhause eingepflanzten jüdischen Grundsätze hoch. Kein Armer verließ ungetröstet ihre gastliche Schwelle. Welcher Wertschätzung die edle Heimgegangene sich in weitem Umkreise zu erfreuen hatte, zeigte sich bei der Beerdigung, die eine Beteiligung aufwies, wie es Jahre vorher nicht mehr der Fall war. Den Hesped (Trauerrede) hielt Herr Lehrer Becholer (falsch, verschrieben für Wechsler) aus Aschbach, ein Schwager der Verblichenen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
75. Geburtstag von Therese Bamberger geb. Silbermann (1928)  

Wiesenfeld Israelit 11101928.jpg (18613 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1928: "Wiesenfeld, 8. Oktober (1928). Ihren 75. Geburtstag begeht am 14. Oktober in voller Rüstigkeit und geistigen Frische Frau Therese Bamberger geb. Silbermann dahier."  

    
80. Geburtstag von Therese Bamberger geb. Silbermann (1933)   

Wiesenfeld Israelit 23111933.jpg (119837 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1933: "Wiesenfeld, 10. November (1933). In würdiger Weise wurde am 14. Oktober der 80. Geburtstag unseres ältesten Gemeindemitglieds, der Frau Therese Bamberger Witwe begangen. Frau Bamberger erfreut sich einer herrlichen körperlichen und geistigen Frische, die dem wahren jüdischen Idealismus zugute kommt. Gottesfurcht mit Menschenliebe gepaart, sind die Eigenschaften, die sie vom Elternhaus, einer altehrwürdigen Lehrerfamilie in Gochsheim, ererbt und die sie beseelen. So ist es kein Wunder, dass unsere Israelitische Gemeinde sowie die ganze Ortsgemeinde an ihrem Geburtstage innigen Anteil nahm. Jeder zur Tora Aufgerufene ehrte sie am Schabbat Bereschit durch einen besonderer Mischeberach, und am Schabbatnachmittag sprach Lehrer Adler in der Synagoge Worte des Dankes zu ihr für ihr Wirken in der Synagoge, die sie noch immer in den Selichot-Tagen alltäglich und allwöchentlich am Schabbat besucht und die sie erst vor wenigen Jahren mit neuem herrlichem Almemor, mit Pultdecke und mit in gleicher Farbe gehaltenem Porauches (Toraschreinvorhang) zierte. am Sonntag, den 15. Oktober, versammelte sich in ihrem Heime, das fast alle Ortsbewohner in einen Blumengarten verwandelt hatten, ihre Familie fast vollzählig, und in ihrem Namen sowie im Namen ihrer Freunde sprach Herr Lehrer Rosenfelder in beredten Worten den Glückwunsch sowie die Hoffnung aus, dass es der Jubilarin vergönnt sein möge, einen noch recht langen freundvollen Lebensabend in gleicher Frische zu genießen. (Alles Gute) bis 120 Jahre."    

   
Joseph Schloßmann (1860-1942)

Unter den Persönlichkeiten der Gemeinde ist insbesondere Joseph Schloßmann zu nennen (geb. 1860 in Wiesenfeld), der als "Geheimer Kommerzienrat" in Berlin lebte, aber weiterhin besondere Beziehungen zu seiner Heimat pflegte. Die Stadt Lohr ernannte ihn 1930 zu ihrem Ehrenbürger. 1942 wurde Schloßmann von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert. 
  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Jacob Steigerwald (1925)    
    
     
Wiesenfeld Israelit 19021925.jpg (41271 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1925: "Suche für meinen Sohn, 16 Jahre alt, in einem Manufakturwarengeschäft, Schabbat und Feiertag geschlossen, Lehrstelle
Jacob Steigerwald. Wiesenfeld bei Lohr."   

  

   
   

Zur Geschichte der Synagoge

Eine erste Synagoge war bereits vor 1700 vorhanden beziehungsweise eingerichtet. Ende des 18. Jahrhundert wurde in der Karlstadter Straße eine Synagoge erbaut, die 1860 wegen Baufälligkeit geschlossen wurde. Das Gebäude ist jedoch noch erhalten.

1861-1863 wurde eine neue Synagoge erbaut. Über ihre Baugeschichte und die Einweihung (1863) liegen noch keine Berichte vor. Diese Synagoge blieb bis 1938 Zentrum des jüdischen Gemeindelebens am Ort. An außergewöhnlichen Ereignissen liest man 1884 in einem Presseartikel über die Auswirkungen eines Blitzschlages: 

Wiesenfeld Israelit 24071884.jpg (53215 Byte) Zerstörungen in der Synagoge durch Blitzeinschlag im Juli 1884 - Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1884: "Wiesenfeld (Bayern), 18. Juli (1884). Das Gewitter, das am Montag Morgen über unsere Gegend zog, hat auch den hiesigen Platz nicht verschont. 1/2 Stunde nach dem Frühgottesdienst schlug der Blitz in die hiesige, vor mehreren Jahren neuerbaute Synagoge und zündete sofort. Rasche Hilfe war in den ersten Minuten am Platze, wodurch größeres Unglück verhütet wurde; dem Ewigen sei Dank, dass das Gewitter nicht etwas früher kam, als die ganze Gemeinde versammelt war, und ein unberechenbares Unglück hätte entstehen können. Der Blitz zündete ein Dachstuhl und zerschlug den Almemor in viele Stücke."

1929 wurde die Synagoge noch einmal umfassend renoviert. Während der Arbeiten wurde die Gottesdienste im Wohnhaus des Hugo Stern abgehalten. Anfang Oktober 1929 war die feierliche Wiedereinweihung der Synagoge durch Lehrer Behrendt aus Veitshöchheim im Auftrag des Bezirksrabbiners.  

Wiesenfeld BayrGZ 15101929.JPG (121179 Byte) Die Wiedereinweihung der Synagoge nach der Restaurierung 1929. Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1929: "Wiesenfeld, 5. Oktober (1929). Dieser Tage fand die Einweihung der in ihrem Innern völlig erneuerten Synagoge statt. In seinem neuen Gewand macht das Gotteshaus, an und für sich ein schöner stattlicher Bau, einen überaus schönen, harmonischen und würdigen Eindruck. Die wohlgelungene Ausführung der Arbeiten macht dem Bauleiter, Bezirksbaumeister Hußlein in Karlstadt, und den Ausführern alle Ehre. Eine besondere Zierde des Gotteshauses sind der herrliche Vorhang vor der heiligen Lade und die Decken auf dem Vorlese- und Vorbeterpult, sämtlich von Witwe Therese Bamberger, der Mutter des Vorstandes der Kultusgemeinde gestiftet. 
Die Einweihungsfeier, der auch der Pfarrer, die Lehrer und der Bürgermeister des Ortes sowie Bezirksbaumeister Hußlein und andere auswärtige Gäste beiwohnten, begann mit dem Einholen der Torarollen, die unter den üblichen Umzügen und Gesängen in die heilige Lade zurückgebracht wurden. Dann hielt der Vorstand der Kultusgemeinde Wiesenfeld, David Bamberger, die Begrüßungsansprache, in der er der Freude über das gelungene Werk der Wiederherstellung Ausdruck gab. dem Bauleiter und den Bauhandwerkern für die gute Ausführung der Arbeiten, dem Verbang Bayerischer Israelitischer Gemeinden für seinen namhaften Zuschuss zu den Baukosten und dem Ehepaar Hugo Stern für die bereitwillige Überlassung zweier Räume zur Abhaltung des Gottesdienstes während der Bauzeit dankte und die Synagoge dem Schutze Gottes anvertraute. Hierauf hielt Lehrer Behrendt aus Veitshöchheim in Vertretung des verhinderten Bezirksrabbiners Dr. Hanover die Festrede, in der er in gedankenreichen Ausführungen die Bedeutung des Gotteshauses schilderte, auch den Opfersinn und die Opferfreudigkeit der kleinen Gemeinde und die Verdienste ihres rührigen Vorstandes um das Zustandekommen des Werkes hervorhob, worauf er dann die Wiedereinweihung des Gotteshauses vornahm. Mit einem Schlussgesang der Lehrers Behrendt schloss die eindrucksvolle Feier, die noch lange in den Herzen der Mitglieder der Kultusgemeinde nachhallen wird. 
 
Derselbe Bericht zur Wiedereinweihung der Synagoge findet sich in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1929. 

Wenige Monate vor der Schändung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 konnte die jüdische Gemeinde Wiesenfeld am 27. Februar 1938 noch das 75-jährige Bestehen ihres Gotteshauses feiern. Dieses Mal war Bezirksrabbiner Dr. Siegmund Hanover aus Würzburg anwesend.  

Wiesenfeld Israelit 10031938.jpg (80860 Byte)Feier des 75jährigen Bestehens der Synagoge am 27. Februar 1938 - Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1938: "Wiesenfeld, 10. März. Zu einer schlichten, aber eindrucksvollen Feier versammelten sich am Sonntag, den 27. Februar, die Mitglieder der Kultusgemeinde Wiesenfeld anlässlich des 75jährigen Bestehens ihres G'tteshauses. Nach Beendigung des Minchah-Gebetes verlieh Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanover, Würzburg, der Bedeutung des Gedenktages in längeren Ausführungen Ausdruck. Ausgehend vom 84. Psalm, dessen tiefen Gehalt er den Zuhörern nahe zu bringen verstand, zeichnete er die Aufgabe eines G'tteshauses als ein Beit-Tefilah, ein Haus des Gebetes und der Läuterung, als ein Beit-HaMidrasch, ein Haus der Belehrung und Ermahnung und als ein Beit-Haknesset, Haus der Versammlung und Sammlung. Er schloss mit der Bitte um Hilfe des Allmächtigen für die Zukunft der Gemeinde. - Umrahmt war die Feier von erhebenden Gesängen des Lehrers Lewkowitz, Laudenbach, der den Gruß und Danke der Gemeinde an Rabbiner Dr. Hanover aussprach und zu Opfermut und Zusammenhalt ermahnte."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde durch SA-Leute aus Karlstadt unter Mithilfe von Ortsbewohnern die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge und die Ritualien zerstört beziehungsweise ausgeplündert. Sieben Torarollen wurden auf der Straße verbrannt. Das Gebäude der Synagoge blieb insgesamt erhalten, war aber durch die schlimme Schändung und die Zerstörung der Inneneinrichtung nicht mehr benutzbar. 

Mit Erlaubnis der Gestapo konnten die letzten jüdischen Familien seit Februar 1939 ihre Gottesdienst noch in einem der jüdischen Häuser abhalten. 

Nach 1945 beziehungsweise nach der Abwicklung des Restitutionsverfahrens in den 1950er-Jahren kam die ehemalige Synagoge in den Besitz eines Landwirtes, der das Gebäude als Schuppen, Hühnerstall und Aufbewahrungsort für landwirtschaftliche Erzeugnisse verwendete.  

Im Mai 1949 fand in Würzburg ein Prozess gegen 15 der an dem Pogrom in Wiesenfeld im November 1938 Beteiligten statt. Zehn erhielten Gefängnisstrafen von drei Monaten bis ein einem Jahr und zwei Monaten. Fünf wurden freigesprochen. 

1961 wurde erstmals eine Abbruchgenehmigung für die Synagoge erteilt, jedoch nicht vollzogen. Ein erneuter Abbruchantrag von 1975 wurde 1980 mit rechtskräftigem Bescheid abgelehnt. 1990 wurde Wiesenfeld in das bayerische Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Auf diesem Hintergrund wurde 1993 die ehemalige Synagoge von der Stadt Karlstadt erworben. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde das Gebäude saniert. Seit Abschluss der Sanierung im Juli 1997 wird das Gebäude für kulturelle Zwecke genutzt (Besichtigung über die Stadt Karlstadt möglich, Tel. 0-9353-79020).
   

Adresse/Standort der SynagogeErlenbacher Straße / Schloßmannstraße).

Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum September 2006)

Wiesenfeld Synagoge 100.jpg (85083 Byte) Wiesenfeld Synagoge 101.jpg (75556 Byte) Wiesenfeld Synagoge 108.jpg (76261 Byte)
Ansichten der restaurierten Synagoge
  
Wiesenfeld Synagoge 105.jpg (77541 Byte) Wiesenfeld Synagoge 102.jpg (76654 Byte) Wiesenfeld Synagoge 106.jpg (113025 Byte)
Eingangstüren (links von der West, rechts von der Südseite)   
   
Wiesenfeld Synagoge 107.jpg (77750 Byte) Wiesenfeld Synagoge 104.jpg (110180 Byte) Wiesenfeld Synagoge 103.jpg (75970 Byte)
Westliche Fassade Hinweistafeln am Gebäude

   
     

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Januar 2010: In Wiesenfeld werden "Stolpersteine" verlegt - Abschluss der Aktion in Karlstadt und Stadtteilen  
Wiesenfeld Stolpersteine 2010.jpg (97592 Byte)Links: Plan zur Verlegung der "Stolpersteine" in Wiesenfeld. 
Artikel in der "Main-Post" vom 21. Januar 2010 (Artikel): "WIESENFELD - Abschluss der Stolperstein-Aktion
Der Kölner Künstler Gunter Demnig kommt am Samstag nach Wiesenfeld – Verlegung zum Gedenken an 22 jüdische Opfer. 
Die letzten 22 Stolpersteine im Stadtgebiet Karlstadt wird der Künstler Gunter Demnig am Samstag, 23. Januar, ab 9 Uhr in Wiesenfeld verlegen. Der erste Verlegeort ist vor dem ehemaligen Anwesen Bertha Steigerwald am Kirchberg 6. Elke Kulawek aus Mühlbach und ihre Tochter Anna werden zum Auftakt jiddische Lieder auf Klarinette und Akkordeon spielen. 
Mit der Wiesenfelder Verlegung ist die Aktion 'Stolpersteine' in Karlstadt abgeschlossen. Dieser Besuch ist bereits der dritte des Kölner Künstlers in Karlstadt. Wie berichtet, hat Demnig Mitte März 2008 die ersten 17 Stolpersteine an je vier Standorten in Karlstadt und Laudenbach verlegt. Im September folgten zwölf Steine vor neun Anwesen in Laudenbach. Nun kommen die 22 Steine an neun Standorten in Wiesenfeld dazu. Damit werden insgesamt 51 solcher Steine in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld einen Platz haben. 
Georg Schnabel, Mitglied des Arbeitskreises 'Stolpersteine' unter dem Dach der Volkshochschule, hat die Geschichte der 22 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Wiesenfeld erforscht und überprüft. Für alle Steine sind Paten gefunden. 'Die Bereitschaft war sehr groß', erklärt Georg Schnabel. Im Vorfeld fand eine Informationsveranstaltung in der ehemaligen Synagoge in Wiesenfeld statt. Auch wurden Gespräche mit den jetzigen Hauseigentümern geführt, um das Einverständnis für die Verlegung einzuholen. 
Die Messing-glänzenden Steine, die vor der letzten freigewählten Wohnung des Opfers in den Straßen- und Gehsteigbelag eingelassen werden, sollen die Erinnerung an die früheren Bewohner lebendig erhalten. Künstler Demnig fertigt einen Würfel, der mit einer Messingplatte abschließt. Darauf steht in der Regel der Schriftzug 'Hier wohnte', Name, Geburtsjahr, meist das Datum der Deportation oder des Todes. Finanziert werden die 'Stolpersteine' durch Patenschaften. 
Am 23. Januar wird Gunter Demnig die 22 Steine in Wiesenfeld an folgenden Verlegeorten einlassen: Für Bertha Steigerwald am Kirchberg 6, für Mina Kahn am Kirchberg 4, für Bernhard Baumann, Selma Baumann, Marga Baumann und Julius Baumann am Kirchberg 2. Vor dem Anwesen Schätzleinsgasse 1 werden Steine an Heinemann Stern, Mathilde Stern und Flora Stern erinnern. Zum Gedenken an Max Baum, Moses Baum und Ernestine Baum werden in der Karlstadter Straße 16 'Stolpersteine' verlegt. 
In der Lohrer Straße 5 liegt künftig ein Stein für Emilie Rosenberger, in der Lohrer Straße 4 werden die 'Stolpersteine' das Gedenken an David Bamberger, Jette Bamberger und Arthur Bamberger lebendig erhalten. In der Lohrer Straße 2 wird Philipp Hanauer, Sali Hanauer und Ida Hanauer gedacht, in der Eckartshofer Straße 7 an Moses Hanauer, Pauline Hanauer und Rosa Hanauer erinnert."

  

    

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Karlstadt  mit Unterseiten zu Wiesenfeld und zur ehemaligen Synagoge

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 429-430.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 128.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 471-472.
Leonhard Scherg: JüdischesMSP Publikation 01.jpg (23157 Byte) Leben im Main-Spessart-Kreis. Reihe: Orte, Schauplätze, Spuren. Verlag Medien und Dialog. Haigerloch 2000 (mit weiterer Literatur). Zu Wiesenfeld S. 27-29. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 173-174.   
   

  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wiesenfeld  Lower Franconia.  A Jewish community is known from the mid-17th century. The Jewish population declined from 160 in 1837 to 66 in 1900 (total 1.092) after many left for nearby Karlstadt in the last third of the 19th century. In 1933, 55 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish homes were vandalized and Jews arrested and held for six weeks. In 1933-40, 23 Jews emigrated, including 14 to the United States. Of the 25 remaining in 1942, mostly aged 50-70, 19 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 24 April and six to Theresienstadt ghetto in September.
                

   

                   
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Stand: 17. Februar 2010