Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lohr mit Stadtteil Steinbach (Main-Spessart-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Über die Betreuung der jüdischen Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Lohr  
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Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Lohr lebten Juden bereits im 13. Jahrhundert. Sie waren von der Rindfleisch-Verfolgung 1298 betroffen. Ob es damals zur Bildung einer jüdischen Gemeinde gekommen war, ist nicht bekannt. 1331 werden wiederum Juden in der Stadt genannt. Danach erfährt man erst im 15. Jahrhundert wieder von einem in Lohr wohnhaften Juden. Der Amtmann zu Lohr bat 1473 in Frankfurt am Main um Geleit für diesen Lohrer Juden. Auch im 16. Jahrhundert waren unter dem Schutz der Grafen von Rieneck Juden in der Stadt. 1572 wurde die weitere Niederlassung jedoch durch das Erzstift Mainz als dem neuen Landesherrn (nach dem Aussterben der Grafen von Rieneck) untersagt. 

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es wieder zur Bildung einer jüdischen Gemeinde in Lohr. 

Nachdem die bayrischen Juden wieder allgemeine Niederlassungsfreiheit hatten, zogen mehrere Familien unter anderem aus Steinbach und Wiesenfeld zu. In dem heute zu Lohr gehörenden Vorort Steinbach entstand im 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Familien lebten im Bereich des sogenannten "Judenhofes" (am Anfang der Eichhornstraße; siehe Foto unten; die ehemalige Synagoge bzw. Betkammer war in der Eichhornstraße 5b). 1740 waren es vier jüdische Haushaltungen, 1817 zehn jüdische Familien (Matrikelliste, s.u.), 1871 37 jüdische Personen. Bereits anlässlich des Todes des langjährigen Lehrers Eisemann 1889 werden der fehlende Minjan und die "geschlossenen Türen und Fensterläden" der Synagoge beklagt (siehe Bericht unten). 1896 wurden die hier noch lebenden jüdischen Personen in die jüdische Gemeinde in Lohr eingegliedert. 
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Steinbach auf insgesamt zehn Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Samuel Moses Sternreich (Viehhandel), Wolf Süß Kahn (Viehhandel und Waren), Moses Baruch Kleinschild (Amtsbote), Kaufmann Moses Sterner (Ellenhandel, Amtsbote), Benjamin Süß Kahn (Vieh- und Warenhandel), Hajum Süß Selig (Viehhandel und Waren), Lesemann Isaac Blumenstein (Handel und Botengehen), Herz Süß Adler (Viehhandel und Waren), Moses Hirsch Isaac Strauß (Botengehen und Tagelöhnern), Wolf Moses Marx Marcus (Viehhandel und Schlachten), Michel Kahn (Handel mit Spezereien und Schnittwaren, ab 1825). 

1862 zog mit Samuel Selig der erste Steinbacher Jude nach Lohr. Er eröffnete ein Tuch-, Manufakturwaren- und Viktualiengeschäft in der Lohtorstraße/Ecke Hauptstraße. Nachdem weitere Familien gefolgt waren (u.a. Baruch Hirsch Baumann aus Heßdorf, der ein Anwesen in der Turmstraße kaufte), konnte die jüdische Gemeinde in Lohr 1867 neu gegründet werden, die Einweihung der Synagoge beziehungsweise des jüdischen Gemeindezentrums folgte im November 1871 (s.u.). Außer der Synagoge hatte die jüdische Gemeinde einen Raum für den Unterricht der Kinder mit Lehrerwohnung und ein rituelles Bad im Synagogengebäude eingerichtet. Für die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Schächter und Vorbeter tätig war (siehe unten Ausschreibung von 1872). Die Gemeinde wurde dem Distriktsrabbinat Aschaffenburg zugeteilt. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Laudenbach beigesetzt. 

Bis 1910 entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Lohr wie folgt: 1867 37 jüdische Einwohner (0,9 % von insgesamt 4.243 Personen), 1871 41 (1,0 % von 4.205), 1890 46 (1,1 % von 4.207), 1900 91 (2,0 % von 4.525), 1910 56 (1,1 % von 5,269). Unter den jüdischen Gemeindemitgliedern gab es Anfang der 1930er-Jahre 14 Kaufleute, fünf Angestellte, einen Lehrer, eine Kindergärtnerin, einen Bäcker und einen Lehrling; 15 Familien hatten Haus- und Grundbesitz.
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Benno Markus (geb. 3.6.1887 in Lohr, gef. 16.9.1916).    
  
Um 1924, als 40 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (0,7 % von insgesamt etwa 6.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde H. Winheimer, Alfred Strauß und H. Meyer. Einen eigenen Lehrer hatte die Gemeinde damals nicht mehr, vielmehr kam regelmäßig Jakob Weichselbaum aus Adelsberg zum Unterricht und zu Gottesdiensten nach Lohr. 1924 hatte er in Lohr zwei Kindern den Religionsunterricht zu erteilen. 1932 waren die Gemeindevorsteher Simon Strauß (1. Vors.), Hermann Rothschild (Beisitzer) und Jakob Markus (Schatzmeister). Als Lehrer und Schochet kam nun Harry Weinberg aus Gemünden in die Gemeinde. Im Schuljahr 1931/32 erhielten von ihm in Lohr sechs Kinder Religionsunterricht. 
  
In der Heil- und Pflegeanstalt (Staatliche Anstalt) in Lohr gab es für jüdische Heiminsassen eine rituelle Abteilung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke" in Aschaffenburg. Diese besondere Abteilung war 1918 eingerichtet worden. Der Fürsorgeverein aus Aschaffenburg sorgte für die aus ganz Unterfranken stammenden jüdischen Patienten in Lohr für die koschere Verpflegung. Auch seelsorgerliche Betreuung erfuhren die Patienten und Patientinnen, u.a. durch den Bezirksrabbiner aus Aschaffenburg.
  
1933 lebten einschließlich der Patienten der Heil- und Pflegeanstalt (ca. 25) 70 jüdische Personen in Lohr (1,1 % von insgesamt 6.133 Einwohnern). Mit Beginn der NS-Zeit setzten auch in Lohr der wirtschaftliche Boykott und die ständige zunehmenden Repressalien ein. Bereits 1933 verließen daher sechs jüdische Personen die Stadt (fünf von ihnen emigrierten nach Palästina). Bis zum November 1938 verließen weitere 21 die Stadt. Bereits im März 1938 gab es im Zusammenhang mit dem Anschluss Österreichs antijüdische Unruhen in der Stadt, wobei Fenster jüdischer Häuser eingeschlagen wurden und weiterer Schaden angerichtet wurde. Beim Novemberpogrom 1938 wurde von SA-Leuten die Synagoge geschändet und die Inneneinrichtung zerstört (s.u.), danach wurden die jüdischen Häuser überfallen. Der gesamte Warenvorrat eines jüdischen Geschäfts wurde vernichtet; aus einem der jüdischen Häuser wurde die Inneneinrichtung auf die Straße geschleppt und verbrannt. Die jüdischen Einwohner wurden festgenommen, mehrere in die KZ Dachau und Buchenwald verbracht. In der Folgezeit verließen fast alle jüdischen Einwohner die Stadt, emigrierten - soweit möglich - in andere Länder (Palästina, USA, England, Italien) oder verzogen in andere Städte. Am 31. Januar gab es nur noch zwei in sogenannter "Mischehe" lebende jüdische Frauen in Lohr.

In der Heil- und Pflegeanstalt konnten die jüdischen Heimbewohner bis 1938 einigermaßen ungestört wohnen. Sie erfuhren auch weiterhin Betreuung: 1937 wirkte unter den Patienten der im Ruhestand in Lohr lebende jüdische Lehrer Simon Strauß (siehe Bericht unten). 1938 wurden von SA-Leuten auch die jüdische Abteilung der Anstalt heimgesucht: die koscheren Lebensmittelvorräte wurden unbrauchbar gemacht. 1940 gab es in der Anstalt noch 19 jüdische Kranke, die dann allerdings im September 1940 wie alle jüdischen Patienten in den bayerischen Anstalten auf Anordnung des Innenministeriums zunächst in die Anstalt Eglfing-Haar bei München verbracht wurden. Von dort wurden sie am 20. September 1940 angeblich in die Anstalt Cholm/Polen verbracht. Im Juli 1941 wurde der Tod von 15 Patienten in Cholm dem Landratsamt Lohr gemeldet. 
Anmerkung: die Anstalt Cholm bei Lublin/Polen existierte in Wirklichkeit gar nicht. Alle, die mit diesem Todesort gemeldet wurden, sind im Rahmen der T-4-Aktion in den 1940/41 existierenden sechs großen Mord-Anstalten ermordet worden. Eine angebliche Verlegung nach "Cholm" und die diesbezügliche Benachrichtigung der Angehörigen geschah nur, um noch für längere Zeit, obwohl die Personen bereits tot waren, Pflegekosten von der Reichsvereinigung kassieren zu können. Siehe Beitrag von Christiane Hoss: Die jüdischen Patienten in rheinischen Anstalten zur Zeit des Nationalsozialismus. In: Verlegt nach Unbekannt. Sterilisation und Euthanasie in Galkhausen 1933-1945. Hrsg. von Matthias Leipert/Rudolf Stirnal/Winfried Schwarzer. Köln 1987.       
       
Von den in Lohr geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Frank (1908), Salomon Gans (1882), Else Goldbach geb. Markus (1892), Renate Götz geb. Neugass (1890), Manfred Jordan (1905), Hugo Kohn (1899 oder 1900), Auguste Löb (1871), Karoline (Lina) Manasse geb. Löwenthal (1867), Therese Pappenheimer geb. Kahn (1895), Bernhard Rothschild (1885), Fanny Rosenthal geb. Kahn (1853 in Steinbach), Julius Schafheimer (1902), Ida Strauss geb. Baumann (1871), Rebecka Weil geb. Eismann (1859 in Steinbach), Siegfried Wohlfarth (1904). 
  
An die jüdische Gemeinde erinnert heute ein Gedenkstein in der Grafen-von-Rieneck-Straße. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle 1869 / 1872  

Lohr Israelit 30061869.jpg (38039 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1869: "Lehrer-Gesuch. Die israelitische Kultusgemeinde Lohr am Main sucht einen Lehrer, der zugleich die Vorbeter- und Schächterstelle versehen kann. Einkünfte circa 300 Gulden nebst freier Wohnung und Holz. Auch ist auf bedeutende Nebenverdienste, besonders in fremden Sprachen, sicher zu rechnen. Eintritt kann sogleich erfolgen. Gefällige Offerten sind zu richten an 
S.H. Selig,
Vorstand." 
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1872: "Für die israelitische Gemeinde zu Lohr am Main wird ein Lehrer, Vorsänger und Schächter, mit einem jährlichen fixen Gehalt von 200 Gulden, schöner, freier Wohnung und 2 Klafter Holz, zu engagieren gesucht. Ferner ist anzunehmen, dass die Schächterfunktion 60 bis 70 Gulden jährlich einträgt. Auch ist dem Lehrer Zeit und Gelegenheit geboten, noch bedeutende Nebenverdienste zu erwerben. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Lohr F. Hirsch."     
 
Lohr Israelit 18091872.jpg (38644 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1872: "Die israelitische Gemeinde zu Lohr am Main sucht einen Lehrer, Vorbeter und Schächter mit einem jährlichen fixen Gehalte von 200 Gulden, schöner Wohnung und zwei Klafter Holz. Nebenverdienste werden 50 Gulden gesichert. Auch trägt die Schächterfunktion jährlich ca. 60 Gulden ein. Ferner ist einem tüchtigen Lehrer hier Gelegenheit geboten, noch bedeutende Nebenverdienste zu erwerben. 
F. Hirsch
, Vorstand."

   
Zum Tod von Amalie Löwenthal, Witwe des Lehrers J. Löwenthal (1928)  
Anmerkung: es ist nicht ganz klar, wann Lehrer Löwenthal in Lohr tätig gewesen ist. In Karbach war er sicher vor 1865; so kommt für Lohr möglicherweise der Zeitraum zwischen 1865 und 1869 (s.o. Ausschreibung der Stelle 1869) in Frage. 

Sommershausen Israelit 23081928.jpg (75780 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928: "Frau Amalie Löwenthal - sie ruhe in Frieden. Im hohen Alter von fast 87 Jahren verschied plötzlich am ersten Tag der sieben Wochen des Trostes (erster Tag ist der 10. Aw = 27. Juli 1928) Frau Amalie Löwenthal, die Gattin des ihr um etwa zwei Jahrzehnte im Tode vorausgegangenen, als besonders gottesfürchtiger Mann allbekannten Lehrers und Schochets J. Löwenthal - seligen Andenkens. Unermüdlich war sie darauf bedacht, ihr Haus zu einem kleinen Heiligtum zu gestalten und die von ihr und ihrem Gatten gehegten Ideale zur Entfaltung zu bringen, was ihr auch gelungen ist. In den Gemeinden Karbach, Lohr und Sommerhausen in Bayern hatte sie reichlich Gelegenheit, mustergültig und beispielgebend zu wirken. Später zog sie mit ihrem Gatten hierher (= Frankfurt). Nach dem Heimgang ihres Gatten und der Verheiratung ihrer Kinder zog sie sich zurück, sich an dem Gedeihen ihrer Kinder und Enkel erfreuend. Möge ihnen allen der Verdienst der frommen Frau beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

  
Zum Tod von Lehrer Lazarus Eisemann (1889; seit ca. 1849 Lehrer in Steinbach, später auch für Lohr zuständig)     

Steinbach Ufr Israelit 07031889.jpg (86074 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1889: "Aus Unterfranken. Ihr geschätztes Blatt, das seine Spalten jederzeit gern dem wohlverdienten Nachruhme eines echten und wahren Jehudi öffnet, wird wohl bereitwillig einem Manne ein Gedenkblatt widmen, der von einigen Monaten unserem Nachbarort Steinbach durch den Tod entrissen und in ein besseres Jenseits eingeführt wurde.
Ist in jedem Orte, selbst in größeren Städten und Kehillot das Hinscheiden eines hervorragenden, im Dienste der Menschheit stehenden Mannes ein merklicher Verluste, so hinterlässt eine solche Person in kleineren Gemeinden und Orten eine oft unausfüllbare Leere. Namentlich die Talmudgelehrten und Jugendlehrer, die neben der profanen seminaristischen Bildung auch eine tiefergehende Kenntnis der hebräischen Fachliteratur besitzen, werden auf dem Lande leider immer seltener, Männer, deren Praxis und Gewandtheit in den verschiedenen rabbinischen und der Halacha entsprechenden Entscheidungen wir jüngeren Kollegen bewundern, vermisst man oft schmerzlicher als man glauben möchte. Mit dem Hintritte solcher Amtsgenossen versiegt oft eine lebendige Quelle, aus der wir gern und für unseren Beruf sehr Wertvolles geschöpft, ver-  
Steinbach Ufr Israelit 07031889a.jpg (192941 Byte)stummt oft der Mund, an den sich die Landbewohner in vielen rituellen Fragen vertrauensvoll wenden konnten. 
Einen solchen Religionslehrer hat vor einigen Monaten das schlichte Frankendörfchen Steinbach am Main zu Grabe getragen. Im Alter von 83 Jahren musste ihr Jugendbildner Rabbi Elieser Bar Schlomo Sew, Herr Lazarus Eisemann, das Zeitliche segnen und den irdischen Kreis seiner Lieben verlassen. Mehr denn 40 Jahre fungierte er in genanntem Orte als Lehrer, Vorbeter und Schochet, letzteres Amt auch in den Nachbargemeinden Wiesenfeld und Lohr lange Zeit ausübend. Als der Sohn frommer Eltern zu Orb geboren, führte der Verblichene schon frühzeitig aufrichtiges und warmes Interesse für unsere heilige Tora und studierte fleißig deren Lehren, indem er in Hanau und Kissingen aufmerksam zu den Füßen gelehrter Rabbinen gesessen und sich jederzeit deren Zufriedenheit zu erfreuen hatte. 'Oft' erzählte er, 'saß ich in kalten Winternächsten einsam in meinem kleinen, ungeheizten Dachkämmerlein, eifrig meinem Studium obliegend, und gar manchmal erlosch mein Öllämpchen erst, wenn des Tages Grauen im Osten bereits heraufdämmerte.' Nebenbei genoss er von tüchtigen Professoren auch in profanen Wissenschaften Privatunterricht, um so seinem Ziele, Lehrer zu werden, immer näher zu rücken. Es gelang ihm, am königlichen Schullehrerseminar zu Würzburg eine Prüfung abzulegen, nach deren Beendigung ihm das Reihezeugnis mit der Bemerkung: 'Sehr gut vorbereitet' zugestellt wurde. 
Nach mehrmaligem Stellenwechsel wurde ihm Steinbach übertragen, woselbst er auch dann noch verblieb, als die jüdische Gemeinde durch Wegzug vieler Familien immer kleiner ward - er wollte das Rabbinat des unvergesslichen, weltberühmten Rabbiners Jizchak Dow Halewi Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - (= Seligmann Bär Bamberger) nicht verlassen, da er nicht nur dessen Achtung als einem treuen, pflichteifrigen Untergegebenen gegenüber, sondern auch dessen wärmste Freundschaft im hohem Grade besaß. Ebenso stand der Entschlafene bei seiner weltlichen Schulbehörde in rühmenswertem Ansehen, das er sich durch gute Prüfungsresultate alljährlich aufs Neue zu erstreben wusste. Er verstand es eben, durch eigene Begeisterung auch die Kinder für Tugend und Religion zu entflammen und ihnen mit leichter Mühe die verschiedenen Pensen des Religionsunterrichtes erledigen zu helfen. Alle seine Schüler und Schülerinnen, von denen doch die meisten schon erwachsen und verheiratet, haben Gott sei Dank einen wahren, aufrichtigen religiösen Sinn und gelten als treue Anhänger des unverfälschten Judentums. 
Sein Amt als Schochet verwaltete er mit ängst-   
Steinbach Ufr Israelit 07031889b.jpg (183577 Byte)licher Gewissenhaftigkeit; unter den schwierigsten Verhältnissen, in die ihn oft gewissenlose Metzger und mancher abgesetzte Amtsbruder verleumderischer Weise zwangen, ließ er sich nicht beirren, fest und ohne Wanken seinen Posten zu behaupten, den falschen Anschuldigungen mit gerechten Waffen zu begegnen, und stets hatte er am Schlusse des Kampfes die Genugtuung, siegreich aus demselben hervorgegangen zu sein. 
Auch dem Kantordienste war er voll und ganz gewachsen. Mit lieblicher Stimme begabt, sang er ergreifende Melodien zum Lobe des Schöpfers und wusste namentlich an den heiligen ehrfurchtgebietenden Tagen durch warmen und ernsten, den Worten des Textes entsprechenden Vortrag seine Gemeinde und Zuhörer zur Andacht zu stimmen. 
Von gleich wohltätiger Wirkung waren die häufig gehaltenen religiösen Predigten des Verstorbenen. Mochte er hierbei ein 'Schiur Sefer' (Lehrvortrag aus einem Buch) oder einen selbst ausgearbeiteten Vortrag halten, immer sprach er in begeisterndem Tone, immer mehrte man, wie seine edlen Worte aus der Tiefe der Empfindung flossen und immer drangen sie zu Herzen, dieses mit Mut und frischer Kraft belebend für die Erfüllung unserer hohen Menschenaufgabe. 
Nach Erledigung seiner Amtspflichten war die Beschäftigung mit Worten der Tora seine liebste Unterhaltung. Bis kurz vor seinem Tode saß er allnächtlich um 11, 12 noch an seinem Tische und studierte in den verschiedenen Büchern der heiligen Schrift. Gar nie beteiligt er sich an Gesprächen von nichtigen Dingen: wurde in seinem Zimmer noch so laut von den Anwesenden über gleichgültige Dinge des Lebens debattiert, er blieb ungestört über seinem Buch gebeugt und erquickte sich an den lauteren Wahrheiten unserer heiligen Tora
Allein trotz dieses Indifferentismus gegen die Außenwelt begegnete er dennoch jedermann mit freundlicher Miene, stand allen mit Rat und Tat bei und übte, wo er immer konnte, Wohltätigkeit gerne aus. 
Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der sanft Dahingeschiedene bei allen Bekannten hoch geachtet und geehrt wurde. Sein Leichenbegängnis bewies auch genugsam, welche liebevolle Anhänglichkeit und Zuneigung ihm allenthalten zuteil ward, eine starke Beteiligung seitens der Nachbargemeinden gab beredtes Zeugnis von dem herben Verluste, den die trauernde Familie und Gemeinde erlitten. Von seinen 4 Kindern - sie mögen leben -, die Gott sei Dank alle im Geiste unserer erhabenen Religion erzogen und herangebildet wurden, konnten nur 2 telegraphisch zur Beerdigung berufen werden. Der eine Sohn, gleichfalls 
Steinbach Ufr Israelit 07031889c.jpg (75058 Byte)Lehrer, hob im Sterbehause unter fließenden Tränen den großen Schmerz hervor, der die Brust der Hinterbliebenen durchbebte, beklagte mit Recht die nun für immer verwaiste Stätte, an der seither so viel Tora gelehrt und gelernt wurde, schilderte den wehmütigen Anblick, den fortan der Synagogenbau mit seinen geschlossenen Türen und Fensterläden jedem Vorübergegenden bieten wird, da kein Minjan (für den Gottesdienst nötige Zahl von 10 Männern) mehr am Orte und die überlebende Witwe - sie möge leben - Steinbach verlassen und bei ihrem Sohne zu Westheim* (bei Hammelburg) ihr Domizil bereits genommen.
Möge sie, die würdige, durch edle Geistes- und reine Herzensbildung gleich hochstehende Gattin des Verklärten beruhigenden Trost finden und sich in dem Gedanken stärken, dass sie bei liebevollen, dankbaren Kindern weilt und ihr entschlafener Gatte nunmehr allen irdischen Mühseligkeiten enthoben, wie ein Stern der Morgenröte lichtumflossen mit allen den Frommen im Garten Eden vereint ist, des reichen Lohnes eine tugendhaften, verdienstvollen Lebens unaufhörlich sich labend und erfreuend. G."  
  
* gemeint Lehrer Lazarus Eisemann (1860 in Steinbach - 1930 in Würzburg) - weitere Angaben zu dessen Familie siehe auf der Seite zu Westheim.

             
Zum Tod von Lehrer Jacob Weichselbaum (1929)   

Adelsberg Israelit 21111929.jpg (114515 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1929: "Adelsberg, 10. November (1929). Lehrer Jacob Weichselbaum hat bei Eingang des Sabbat Paraschat Bereschit (Schabbat mit der Toralesung Bereschit = 1. Mose 1,1 - 6,8, das war Schabbat, 2. November 1929) seine reine Seele ausgehaucht. Von seinem Seminaraustritt bis zu seinem unerwarteten Tode, nahezu 46 Jahre, bekleidete er das Amt eines Religionslehrers dahier sowie in den mitverbundenen Gemeinden Gemünden und Lohr am Main. Unersetzlich ist für uns sein Verlust. Er war ein Mann von gediegenen weltlichen und religiösen Kenntnissen. Ein aufrichtiger Charakter, bescheiden, freundlich, wohltätig. Er genoss großes Ansehen in weiten Kreisen der Bevölkerung. Der Verlust von zwei hoffnungsvollen Söhnen im Weltkrieg, von denen der eine ebenfalls den Lehrerberuf erwählt hatte, hat ihn tief erschüttert. Sein wahrhaftiges Gottvertrauen hielt ihn aufrecht. Seine Beerdigung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung, wie sie unser Ort noch nie gesehen hat. Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bamberger in Bad Kissingen schilderte tief bewegte den edlen Charakter des Entschlafenen, seine tiefe Religiosität, sein verdienstvolles Wirken in Schulen, Synagoge, Haus und Gemeinde und erteilte ihm zu, Schluss für seine reichen Torakenntnisse den Chawer-Titel. Unter Hinweis auf die Worte der Haftora (Prophetenabschnitt der Woche = 1. Samuel 20,18-42): 'Und er sprach zu ihm: Morgen ist Neumond und man wird dich vermissen, weil dein Sitz leer bleiben wird' (1. Samuel 20,18) rief Oberlehrer Freudenberger von Thüngen dem lieben Jugendfreund und teuren Amtsbruder warme Worte des Gedenkens nach und dankte im Namen des Jüdischen Lehrehrvereins in Bayern für die unablässige Förderung der idealen Bestrebungen dieser Vereinigung. Tief empfundene Worte des Dankes widmeten dem Entschlafenen Kultusvorstand Birk für die Gemeinde Gemünden und Lehrer Strauß - Lohr für die treueste Pflichterfüllung und für die reichen Erfolge seiner Erzieher- und Lehrtätigkeit. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. F."  

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Mitteilung über Vorstandsneuwahl (1910)

Lohr Frf IsrFambl 29011910.jpg (11296 Byte)Meldung im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 29. Januar 1910: "Lohr am Main. Für den zurückgetretenen Leon Strauß ist Bernhard Hirsch zum Kultusvorstand gewählt worden."

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod von Frummet Gutkind in Steinbach (1884)      

Steinbach Ufr Israelit 18041884.jpg (269486 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1884: "NekrologSteinbach bei Lohr am Main, den 16. März (1884). Wiederum hat der unerbittliche Todesengel eine edle Seele ihrer irdischen Hülle entführt. Am 10. Adar verschied dahier Frau Frummet Gutkind in ihrem 90. Lebensjahre. Sie war zu Niederstetten geboren, zu Affaltrach verheiratet und wohnte sei den letztern Jahren hier, um den Abend ihres Lebens im Hause ihrer Tochter zuzubringen. Mit der Verblichenen sank ein echtes jüdisches Weib in Grab, dessen erhabenen Tugenden und edlen Eigenschaften es verdienen, in weiteren Kreisen bekannt gemacht zu werden. Schon in frühester Jugend wurde sie für die Wahrhaftigkeit und Heiligkeit unserer Religion empfänglich gemacht. Sowohl im Hause ihrer Großeltern, als im Hause ihrer Eltern war der reine ungeschminkte Torageist heimisch. Solange die Kinder unmündig, waren ständige Hauslehrer engagiert, welche der ganzen Familie den lautern Born unserer heiligen Religion erschlossen und sie mit dem Wesen und der Bedeutung der göttlichen Gebote bekannt und vertraut machten. Das patriarchalische Leben unserer Stammeltern, hatte sich treulich in ihrem Hause abgespiegelt. Die Eltern waren überall das leuchtende Vorbild, und die Kinder hatten keinen anderen Wunsch, als den gelebten Eltern nachzuleben. Eine solche Erziehung kann und muss für die Beteiligten gute Früchte reifen, und ich darf gestehen, die Aussaat war bei der nunmehr Verklärten auf keinen unfruchtbaren Boden gefallen. Der reiche Schatz an Gotteserkenntnis und Gottesfurcht, den sie in ihrem Elternhause aufgenommen, er hat sich während ihres Lebens zur herrlichen Blüte entfaltet. Zu jeder Zeit, in jeder Lage hatte sie Gott vor Augen. Sie mag im Glücke sich gesonnt haben, oder von harten Schicksalsschlägen - und solche blieben ihr nicht erspart - getroffen worden sein, immer und überall erkannte sie den Vater aller Geschicke, die weise Leitung der himmlischen Vorsehung. Jede Regung der Freunde, jede Zuckung des Schmerzes war Gott geweiht, den sie so sehr geliebt und dessen heilige Gebote mit der größten Gewissenhaftigkeit und genauester Pünktlichkeit zu erfüllen bestrebt war. Tagtäglich verweilte sie stundenlang in der Synagoge, um daselbst ungestört ihr aufrichtiges Gebet zum Allvater empor zu senden. Sie versäumt es nicht, regelmäßig Psalmen zu sagen, in ihrem ... und anderen jüdisch-deutschen Büchern zu lesen, und diese Beschäftigung zog sie der besten Unterhaltung vor. Auf den Ewigen setz deine Hoffnung, Er wird dich versorgen, war ihr Wahlspruch. Stets - erzählte sie häufig - habe ich mein Schicksal Gott anheimgegeben, und immer - setzte sie unter Tränen hinzu - hat er mich erhört und mir geholfen. - Aber diese tiefernste Gottesfurcht war es nicht allein, von der sie erfüllt war, auch die ungeheuchelte, edle Menschenliebe sag ihr warm im Herzen. Freundlich und gefällig gegen Jeden, war sie besonders den Armen sehr zugetan. Gleich dem Hause unseres Erzvaters Abraham war das ihrige der Armut geöffnet. Hier hielten alle an, hier rasteten sie, hier legten sie ihr Gepäck nieder und hier erfreuten sie sich der besten Aufnahme und Bewirtung. Keiner verließ hungrig ihre Schwelle, und nicht nur leibliche Nahrung spendete sie, sondern auch Worte der Hoffnung und des Trostes gab sie dem Wanderer mit auf den Weg, sodass alle leichten Herzens das Haus verließen.   
Bekunden schon diese Tugenden den hohen Adel ihrer Gesinnung, so kamen ihr noch tiefe Demut und Bescheidenheit zustatten, um sich bei Verwandten und Bekannten, Israeliten wie Nichtisraeliten, beliebt zu machen. Kinder wie Erwachsenen unterhielten sich gern mit ihr, sie wusste Jeden durch ihr feines Benehmen anzuziehen und zu gewinnen. Kein Wunder also, wenn der Tod der Dahingeschiedenen allgemeine Trauer veranlasst hat. Jeder, zu dem die Kunde von ihrem plötzlichen Ableben drang, eilte herbei, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Ihr einziger Wunsch, Gott möge ihr kein langes Krankenlager bescheiden, ging in Erfüllung. Ohne vorherige Krankheit fühlte sie abends ihr Ende herannahen, segnete ihre Töchter, reichte ihr die Hand, wie zum Abschiede, sagte alle Sterbegebete selbst mit und schlummerte dann sanft und ruhig hinüber ins bessere Jenseits. Dort wird sie nun den reichlichen Lohn ihres tugendhaften Lebens genießen. Möge der Allgütige uns und Allen, die um die Hingeschiedene trauern, himmlischen Trost senden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

     
     
Über die Betreuung der jüdischen Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt in Lohr    
vgl. die bei Aschaffenburg eingestellten Texte   
Bemühungen des "Fürsorgevereines für israelitische Nerven- und Geisteskranke" in Aschaffenburg (1921)   

Lohr Israelit 29091921.jpg (181108 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1921: "AUFRUF zur Errichtung eines Heims für israelitische Nerven- und Geisteskranke.
Ein großer Prozentsatz der Nerven- und Geisteskranken gehört der jüdischen Glaubensgemeinschaft an. An dieser Tatsache darf unsere humanitäre und religiöse Fürsorge nicht achtlos vorübergehen. Eine unabweisbare Pflicht der jüdischen Gemeinschaft ist es, ihren Nerven- und Geisteskranken eine Existenzmöglichkeit zu verschaffen, die ihren Ansprüchen als Kranken wie als Juden in gleicher Weise gerecht wird. 
Nachdem wir seit Jahren uns die rituelle Verpflegung der israelitischen Kranken der Heil- und Pflegeanstalt Lohr am Main, die jüdische Patienten aus ganz Deutschland aufnimmt, haben angelegen sein lassen, ist uns nun durch Beschluss der bayerischen Staatsbehörde vom 23. August dieses Jahres auf dem Terrain der genannten Heilanstalt ein größerer Platz zur Verfügung gestellt worden, um darauf ein Heim für jüdische Nervenkranke mit allem Zubehör wie Küche, Wohnhaus, Krankenpavillon etc. zu errichten. 
Wir sind nun Danke dem Entgegenkommen der bayerischen Regierung in der Lage einen Plan zur Ausführung zu bringen, der schon lange ein ernstes Anliegen aller ist, die Verständnis und Gefühl besitzen für die bedauernswerte Lage von Kranken, deren Schicksal wie kaum ein anderes Mitleid herausfordert und Mitleid verdient und deren Los doppelt tragisch ist, wenn sie sich in ihrer Vereinsamung auch vom Judentum abgeschnitten fühlen. 
An alle, die uns bei der Verwirklichung unseres Planes helfen können, wenden wir uns mit der Bitte, dass sie uns helfen sollen.
Gebt uns die Mittel in die Hand, den Bau unseres Heims so ausführen zu können, wie es den Bedürfnissen unserer armen Kranken entspricht! Lasst Euch nicht zu der irrigen Meinung verleiten, dass jüdische Nervenleidende mit der Gesundheit ihres Geistes auch das religiöse Bewusstsein eingebüßt haben. Wer jemals Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie erstaunlich rege und hell in lichten Momenten das jüdische Bewusstsein auch in kranken Gemütern ist, wie in diesen armen, bedauernswerten Seelen das religiöse Gewissen nicht erloschen ist, vielmehr bei jeder Gelegenheit hervorbricht, sobald sich die Patienten nur etwas freier und wohler fühlen, - wer jemals unter dem erschütternden Eindruck dieser Tatsache stand, wird uns seine tatkräftige Hilfe nicht versagen. 
Groß sind die finanziellen Mittel, deren wir bedürfen, um nur den Grundstein unseres Werkes legen zu können, Sie zählen in unserer Zeit der Geldentwertung nach, vielen Tausenden. 
Gebt sie uns, damit wir unsere Aufgabe erfüllen können! Zahlungen werden unter Nr. 3527 an das Postscheckamt Nürnberg erbeten. 
Fürsorgeverein für israelitische Nerven- und Geisteskranke: Dr. Brauer, Distriktsrabbiner, Aschaffenburg und Dr. Stein,, Distriktsrabbiner Schweinfurt. 
    
Lohr Israelit 06101921.jpg (131312 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1921: "Aschaffenburg, 28. September (1921). Der rühmlichst bekannte Fürsorge-Verein für israelitische Nerven- und Geisteskranke in Aschaffenburg, der sich seit Jahren der rituellen Verpflegung der jüdischen Kranken in der Heil- und Pflegeanstalt Lohr am Main annimmt, wird, dank dem Entgegenkommen der bayerischen Regierung, nunmehr bald in der Lage sein, auf dem Terrain der genannten Heilanstalt ein eigenes Heim für jüdische Nervenkranke mit allem Zubehör zu erreichten. Wer die furchtbare seelische Not kennt, die in unzähligen Fällen durch die Unmöglichkeit der Unterbringung jüdischer Geistes- und Nervenkranker in ein wahrhaft jüdisches religiöses Milieu hervorgerufen wird, muss die Bemühungen des Aschaffenburger Vereines aufs dankbarste begrüßen. Bei dieser Dankbarkeit darf es aber nicht bleiben. Es handelt sich vielmehr jetzt vor allem darum, die finanziellen Mittel aufzubringen, die zur Errichtung und inneren Einrichtung des Baues selbst notwendig sind, nachdem die bayerische Staatsregierung den Grund und Boden unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Trotz den großen Kisten, die ein solcher Bau unter den heutigen Verhältnissen verursacht, kann nicht daran gezweifelt werden, dass die Mittel in jüdischen Kreisen vorhanden sind, um das Unternehmen durchzuführen. Möchte nur die rechte Opferfreudigkeit sich in diesem Falle rasch und wirksam betätigen. Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass die Pflegeanstalt jüdische Patienten aus ganz Deutschland und nicht etwa nur aus Bayern aufnimmt. Wir verweisen auf den im Inseratenteil der vorigen Nummer enthaltenen Aufruf. Briefliche Mitteilungen nehmen die Herren Distriktsrabbiner Dr. Breuer, Aschaffenburg und Dr. Stein, Schweinfurt, entgegen. Zahlungen sind unter Nr. 3527 an das Postscheckamt Nürnberg erbeten."
   
Bericht über eine in Lohr abgehaltene Generalversammlung des Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Gemütskranke (1932) siehe unter den Texten zur jüdischen Geschichte in Aschaffenburg.  

  
Spendenaufruf für den Fürsorge-Verein (1922)  

Lohr Israelit 09031922.jpg (130045 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1922: "Aufruf
Unsere Arbeit steht im Dienste der jüdischen Insassen der staatlichen Heil- und Pflegeanstalt in Lohr am Main. Jüdische Nerven- und Geisteskranke aus allen Teilen des Reiches können dort untergebracht werden und wurden schon in großer Zahl dort untergebracht. Sie werden durch unseren Verein rituell verpflegt. Ihnen auf dem Gelände der Anstalt ein eigenes Heim zu schaffen, ist unseres Strebens Ziel. 
Nur dann, wenn es gelingt, in weiten Kreisen Verständnis und Mitgefühl die die jammervolle Lage jener zahlreichen Kranken wachzurufen, denen es nicht möglich ist, in einem kostspieligen Privat-Sanatorium unterzukommen, werden wir unser Ziel erreichen.  
 An Alle, die sich in das Unglück einer jüdischen Familie hineinversetzen können, die nicht in der Lage ist, einem nervenkranken Angehörigen entsprechende Unterkunft zu verschaffen, wenden wir uns mit der Bitte: 
Unterstützt unser Fürsorgewerk mit reichen Spenden! Sendet uns namhafte Beträge, die der heutigen Geldentwertung angepasst sind! Fördert ein Werk, in welchem sich die Interessen religiöser Fürsorge mit den edelsten Aufgaben der Nächstenliebe begegnen!  
Fürsorge-Verein für israelitische Nerven- und Geisteskranke e.V.  
Dr. Breuer, Distrikts-Rabbiner, Aschaffenburg.  Dr. Stein, Distrikts-Rabbiner, Schweinfurt.  
Zahlungen werden unter Nr. 3527 an das Postscheckamt Nürnberg erbeten."  

    
Der Fürsorgeverein sucht einen Geschäfts- und Betriebs-Leiter (1923)  

Lohr Israelit 22111923.jpg (84593 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1923: "Auf dem Gelände der staatlichen Heil- und Pflegeanstalt in Lohr am Main haben wir zur rituellen Verpflegung der jüdischen Kranken einen Küchenbau mit schöner Wohnung und großem Garten errichtet. Wir suchen einen tüchtigen, zuverlässigen, verheirateten Geschäfts- und Betriebsleiter, der für unseren Verein auch propagandistisch tätig ist und dessen Frau die Küche übernimmt. Streng religiöse Bewerber wollen ihre Gesuche mit Referenzen baldigst dem Unterzeichneten einsenden. Fürsorgeverein für israelitische Nerven- und Geisteskranke e.V.  Dr. Breuer, Distrikts-Rabbiner in Aschaffenburg."  

      
      
> Über den "jüdischen Kaplan" Bruno Paul Rothschild und seinen Vater Hermann Rothschild siehe Bericht auf Seite zum jüdischen Friedhof in Laudenbach
   
   
Zum 70. Geburtstag des Lehrers Simon Strauß, der seinen Lebensabend als Seelsorger in der Heil- und Pflegeanstalt in Lohr verbrachte (1937)
(zuvor langjähriger Lehrer in Burghaun)

Lohr Israelit 04021937.jpg (117133 Byte) Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1937: "Lohr, 2. Februar 1937: "In diesen Tagen begeht Herr Lehrer i.R. Simon Strauß den siebzigsten Geburtstag. In Jahrzehntelanger, hingebungsvoller Erzieherarbeit hat Herr Strauß sich nicht nur einen großen Kreis dankbarer Schüler geschaffen, er hat auch bei den Mitgliedern der Gemeinden, in denen er wirkte, sich große Verehrung und Wertschätzung erworben. Seine Pflichttreue, verbunden mit einer auf gutem jüdischem Wissen aufgebauten toratreuen Überzeugung, haben sein Ansehen bei all den Menschen gesteigert, mit denen er in Berührung kam. Mehrere Jahrzehnte wirkte er in der kleinen jüdischen Gemeinde Burghaun. Es verdient gerade in heutiger Zeit hervorgehoben zu werden, dass die jüdischen Lehrer in diesen kleinen Gemeinden in besonderem Maße Träger der Überlieferung sind. Dieser Aufgabe hat Herr Lehrer Strauß in reichem Maße gedient: Die Liebe, die er ausstreute, strahlt auf ihn zurück in der Liebe seiner Kinder und Kinderkinder zu ihm. Im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin spendet Herr Strauß heute noch den armen unglücklichen Menschen, die in der Heil- und Pflegeanstalt zu Lohr untergebracht sind, reichen Segen. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange Jahre an der Seite seiner Gattin und im Kreise seiner Kinder, die ausnahmslos auf toratreuem Standpunkte stehen, in Glück und Gesundheit zu verbringen. 'Bis 120 Jahre (alles Gute)!'"

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes E. Rothschild (1899 / 1900 / 1901)  

Lohr Israelit 13111899.jpg (45950 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1899
"Für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft suche ich per sofort einen jungen 
Commis
, mit schöner Handschrift, als Verkäufer und Comptoirist. 
Nur branchekundige Bewerber wollen sich melden. 
E. Rothschild,
Lohr am Main."   
 
Lohr Israelit 05071900.jpg (38522 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1900
"Für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft suche ich per sofort einen jüngeren 
Commis
mit schöner Handschrift als Buchhalter und Verkäufer. 
E. Rothschild, Lohr am Main."    
 
Lohr Israelit 19111900.jpg (45048 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1900
"Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche ich einen 
jüngeren Commis
als Buchhalter und Verkäufer zum sofortigen Eintritt. Offerten bitte Photographie und Gehaltsansprüche beizufügen. Kost und Wohnung im Hause. 
E. Rothschild, Lohr am Main."   
   
Lohr Israelit 25031901.jpg (36077 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1901
"Für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft suche ich per 15. Mai einen 
Lehrling
mit guten Schulkenntnissen. 
Kost und Logis im Hause. 
E. Rothschild,
Lohr am Main." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1901
"Für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft suche ich per sofort einen in der Branche kundigen
jungen Mann 
als Buchhalter und Verkäufer. Kost und Wohnung im Hause. Offerten mit Gehaltsansprüchen nebst Photographie erwünscht. 
E. Rothschild,
Lohr am Main."    

  
Anzeige des Manufakturwaren-, Herren- und Damenkonfektionsgeschäftes Leopold Markus (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1901: 
"Suche für mein Manufakturwaren-, Herren- und Damenkonfektionsgeschäft einen Lehrling.
 Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage streng geschlossen. 
Leopold Markus, Lohr am Main"
.           

 
Anzeige der Pension v.d. Walde (1921)
  

Lohr Israelit 30061921.jpg (27556 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1921: "Pension v.d. Walde.
Lohr am Main. 

Gute und reichliche Verpflegung".     

     
Verlobungsanzeige von Lea Hirsch und Dr. Julius Heinemann (1930)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1930: "Gott sei gepriesen. 
Lea Hirsch - Dr. jur. Julius Heinemann.
Rechtsanwalt. 
Verlobte.  Lohr am Main  - Fulda / Bergen. 1. Siwan (= 28. Mai 1930)".    

   
Hochzeitsanzeige von Sidie Strauss und Moritz Katzenstein (1931)  

Lohr Israelit 08101931.jpg (42793 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1931: 
"Gott sei gepriesen. Sidie Strauss - Moritz Katzenstein. 
Lohr am Main
- Berlin geben ihre - so Gott will - Montag am 2. Cheschwan / 12. Oktober in Fulda stattfindende Vermählung bekannt. Trauung 1 Uhr Bürgerverein."  

   
Verlobungsanzeige für Ruth Rosenstock und Walter Strauss (1934)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1934: 
"Gott sei gepriesen. Statt Karten. 
Ruth Rosenstock - Walter Strauss. Verlobte. 
Darmstadt - Jerusalem   .   Lohr am Main - Petach Tikvah".       

     
     
Weiteres Dokument  

Karte an Hermann Rothschild 
in Lohr (1922)
Lohr Dok 410.jpg (146446 Byte) Lohr Dok 410a.jpg (114964 Byte)
  Die Karte wurde von Eugen Faßnacht in Rieneck am 15. März 1922 an Hermann Rothschild in Lohr am Main (Marktplatz) geschickt. Faßnacht bittet um die Lieferung von 10 m Betttuchleinen, 1,50 m breit. Hermann Rothschild war einige Zeit Beisitzer im Vorstand der jüdischen Gemeinde (Angabe von 1932). Er starb 1932; sein Grab ist im jüdischen Friedhof in Laudenbach (hier auch der Bericht über seinen Sohn, den "jüdischen Kaplan" Bruno Paul Rothschild.  

       
       
       
Zur Geschichte der Synagoge   
    
Zu möglicherweise vorhandenen Einrichtungen der älteren jüdischen Gemeinden (falls in ausreichender Zahl jüdische Familien in der Stadt wohnten) im Mittelalter und im 16. Jahrhundert liegen keine Informationen vor. 
   
Im 19. Jahrhundert konnte die 1867 neu gegründete jüdische Gemeinde ein Haus in der Fischergasse (damalige Hausnummer 351) kaufen, das sich für die Einrichtung eines jüdischen Gemeindezentrums mit Betsaal (Synagoge), Schulzimmer, Lehrerwohnung und rituellem Bad eignete. Am 18. November 1871 wurde die Synagoge mit dem Gemeindezentrum feierlich durch Distriktsrabbiner Adler aus Aschaffenburg eingeweiht. Darüber liegt folgender Bericht vor:

Lohr Israelit 20121871.jpg (142891 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1871: "Aus Unterfranken. Noch sind wenige Jahre verflossen, seitdem sich in Lohr a.M. eine jüdische Gemeinde gebildet hat. Wiewohl dieselbe noch zu den kleinen Gemeinden unseres Kreises zu zählen ist, so ist es ihr Gott sei Dank doch schon gelungen, für eine Synagoge, ein Schullokal, eine Lehrerwohnung und ein rituelles Bad bestens zu sorgen. Und das Alles ist nur durch guten Willen, reine Absicht und frommen, einheitlichen Sinn erzielt worden. 
Vor einigen Monaten ist nämlich von dieser jungen Gemeinde ein sehr geräumiges Haus zu erwähnten Zwecken angekauft worden.
Am Schabbat mit der Toralesung Toledot (18. November 1871) ward nun die Synagoge in sehr würdiger Feier ihrer heiligen Bestimmung übergeben; ihre Einweihung fand in Gegenwart der Herren des Magistrats und des Bürgermeisters statt. Herr Distriktsrabbiner Adler aus Aschaffenburg - sein Licht leuchte - verlieh dieser heiligen Feier durch die Anordnung eines sehr gelungenen Festprogramms, ganz besonders aber durch seine feurige erbauliche Festrede, die sich des allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte, den rechten Glanz. Mögen aber auch seine gediegenen Worte von der israelitischen Gemeinde zu Lohr beherzigt und sein wohlmeinender Rat, recht bald einen tüchtigen Religionslehrer anzustellen, befolgt werden; denn dann erst hat sie ein wahres Gotteshaus für sich und ihre Kinder gegründet, dann wird sie fernerhin nicht sein 'wie eine Herde, die keinen Hirten hat'.
Die Leitung des feierlichen Gottesdienstes wurde von Seilten des Herrn Distrikt-Rabbiner Adler und der Gemeinde, Herrn Lehrer Eschwege aus Karbach, der mit Herrn Adler von da, der Chinuch-Feier wegen, anwesend war, anvertraut, und erntete derselbe durch seine meisterhaften Gesangsvorträge und Rezitative allgemeines, wohlverdientes Lob." 

Über 60 Jahre war die Synagoge und das Haus Fischergasse 34 Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Lohr. Im Hinterhof des Gebäudes war übrigens der Leichenwagen der Gemeinde untergebracht, mit dem die Verstorbenen der Gemeinde zum jüdischen Friedhof nach Laudenbach gebracht wurden.  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des Betsaales vernichtet, gleichfalls die Ritualien. Am Pogrom waren vor allem uniformierte SA-Leute beteiligt, die am frühen Morgen des 10. November in die Synagoge einbrachen, die Fenster zertrümmerten, Einrichtungsgegenstände und Ritualien zerschlugen sowie fünf Torarollen in Stücke rissen. Ein Teil der Ritualien konnte später noch gerettet werden und wurde später dem Verband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden in München übergeben.
   
Nach 1945. Das Gebäude, in dem sich der Betsaal und die anderen Einrichtungen der jüdischen Gemeinde befanden, blieb erhalten und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut.  
    
    
Adresse/Standort der SynagogeFischergasse 34        
     
     
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmen vom September 2006)  

 "Judenhof" in Lohr - Steinbach Steinbach Judenhof 100.jpg (62984 Byte)  Laudenbach Friedhof 09064.jpg (109401 Byte)
  "Judenhof" in Steinbach, in dem 
sich auch eine Synagoge und 
jüdische Schule befanden   
Auf einigen Grabsteinen des jüdischen Friedhofes
 in Laudenbach
erinnert der
 Ortsname "Steinbach" an die jüdische
 Geschichte des heutigen Stadtteiles von Lohr 
 
     
          
Ehemaliges jüdisches 
Gemeindezentrum in Lohr 
      
Lohr Synagoge 100.jpg (76534 Byte) Lohr Gedenkstein 101.jpg (130159 Byte) Lohr Gedenkstein 100.jpg (65539 Byte)
Das Gebäude des ehemaligen jüdischen
 Gemeindezentrums in der Fischergasse  
Gedenkstein an der Grafen-von-Rieneck-Straße: "Die Stadt Lohr am Main gedenkt ihrer
 Ehemaligen jüdischen Mitbürger und aller Opfer des Nationalsozialismus"   

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2008: Gedenken zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938  

  

Pressebericht im "Lohrer Echo" (Lokalteil des "Main-Echo" Aschaffenburg) am 8./9. November 2008 
Beiträge von Wolfgang Weismantel und Monika Büdel  
(Artikel kann in Abschnitt angeklickt und eingesehen werden; Artikel wurde zur Verfügung gestellt von Fred G. Rausch)   

Pogromnacht Lohr 1a.jpg (186339 Byte) Pogromnacht Lohr 3a.jpg (106730 Byte)   
Pogromnacht Lohr 2a.jpg (275842 Byte) Pogromnacht Lohr 4a.jpg (210899 Byte)   
Pogromnacht Lohr 5a.jpg (122570 Byte)   
       

Oktober 2009: Erinnerung an den Ramboursonntag vor 100 Jahren 
mit Erwähnung der jüdischen Geschäfte von Feist Hirsch und von E. Rothschild
(vgl. Anzeigen oben)

Lohr LohrerEcho 23102009.jpg (111349 Byte)Artikel im "Lohrer Echo" (fin) vom 23. Oktober 2009: "Wie feierten die Lohrer vor 100 Jahren?" 
(Artikel wurde zur Verfügung gestellt von Fred G. Rausch) 
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.

 

Artikel von Josef Harth im "Lohrer Echo" (online "Main-Netz") vom 10. März 2012: "Samuel Selig war 1862 der Erste. 
Jüdische Gemeinde: Vor 150 Jahren durfte der Kaufmann von Steinbach nach Lohr ziehen - 50 Jahre Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit..." 
Link zum Artikel   
 
Mai/Juni 2013: In Berlin wird ein "Stolperstein" für den Lohrer Ehrenbürger Joseph Schloßmann verlegt   
 Rechts: Artikel im "Lohrer Echo" (online
 "Main-Netz") vom 24. Mai 2013: "'Stolperstein'
 in Berlin für Lohrer Ehrenbürger
. NS-Opfer:
 Künstler Gunter Demnig verlegt am 6. Juni
 Gedenkstein für Joseph Schloßmann an der
 Claudiusstraße 5 im Hauptstadtbezirk
 Tiergarten..."    
Lohr Sto B 010.jpg (434648 Byte) Lohr Sto B 010a.jpg (528764 Byte)
Anmerkung (formuliert von Fred G. Rausch): Joseph Schloßmann wurde am 17. April 1860 in Wiesenfeld geboren. Vier Jahre später siedelte die Familie nach Lohr, wo sein Vater eine Lederwarenhandlung in der Stadtmitte am Oberen Merkt eröffnete. Sein Sohn Joseph Schloßmann verließ 1882 Lohr und ging als Kleiderhändler über Landshut von 1886 bis 1898 in die USA, wo er in verschiedenen Unternehmen als Kaufmann arbeitete. Nach seiner Rückkehr aus Amerika wohne er in Berlin. Mit seiner Frau Minna hatte er fünf Kinder. Mit der Stadt Lohr und ihren bedürftigen Bürgern hielt der am 16. Januar 1930 zum Ehrenbürger ernannte Joseph Schlossmann regen Kontakt und unterstützte sie finanziell sehr großzügig (seit 1904). Am 27. April 1934 entzog die Lohrer Nazi-Stadtregierung Schloßmann das Ehrenbürgerrecht. 1941 musste er sein Haus in Berlin räumen und in das Judenhaus in der Bamberger Straße ziehen. Am 17. August 1942 wurde er von der Gestapo 'abgeholt' und mit einem Alterstransport mit weiteren 1000 Juden in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort verstarb er am 4. Januar 1943 im Alter von 82 Jahren. Seine Frau Minna ist bereits 1926 verstorben und im jüdischen Friedhaof Berlin-Weißensee beerdigt. Auf dem von Joseph Schloßmann errichteten Grabstein ist auch der Name 'Geh. Kommerzienrat Jos. Schlossmann' eingraviert.  
 

     

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Lohr am Main  
Hinweis: zur Stadt Lohr gehört auch die Wallfahrtsstätte Mariabuchen, über Jahrhunderte ständige Quelle antijüdischer Vorurteile für ganz Unterfranken. Zum "Judenfrevelmotiv" am Wallfahrtsort und wie heute damit umgegangen werden kann, sind sich Überlegungen auf der Website www.mariabuchen.de (Überlegungen von Fred G. Rausch unter >Geschichte >Geschichtliche Hintergründe / Volkskundliche Darstellung  >Das Judenfrevelmotiv am Wallfahrtsort; vgl. gedruckte Fassung unter der Literatur).   

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 492-493; III,1 S. 758.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 348-350.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 85.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 506-507.
Fred Rausch: Frevelsagen in Franken und ihre Entstehung. In: Maria Buchen. Eine fränkische Wallfahrt. Hrsg. von Wolfgang Brückner unter Mitarbeit von Christoph Daxelmüller, Alois Düring, Hans Dünninger, Fred Rausch, Hans-Theo Ruf, Erich Wimmer. Würzburg 1979. S. 59-76.   
Leonhard Scherg: JüdischesMSP Publikation 01.jpg (23157 Byte) Leben im Main-Spessart-Kreis. Reihe: Orte, Schauplätze, Spuren. Verlag Medien und Dialog. Haigerloch 2000 (mit weiterer Literatur). S. 31-33.
Wolfgang Weismantel: Übergriffe folgen durchdachtem Plan. Vor 70 Jahren: Terror gegenüber jüdischen Bürgern in Lohr und Wiesenfeld - Synagoge und Ritualbad zerstört. In. Sonderseite zur Reichspogromnacht in Lohr am Main. In: Lohrer Echo (Kopf-Blatt des Main-Echo, Aschaffenburg) am 8./9. November 2008.
ebd. findet sich ein weiteren Artikel unter der Überschrift "Das sind alles sehr traurige Erinnerungen" - Zeitzeugin: Das Schicksal der jüdischen Familie(n Feist und Bernhard) Hirsch".   
Bei dem Text handelt es sich um die (gekürzten) Erinnerungen der Frau Lea Heinemann, geborene Hirsch (aus Lohr), deren Großvater Feist und in dessen Erbfolge ihr Vater Bernhard Hirsch ein Textilgeschäft in Lohr in der Lohrtorstraße 276 hatte. Frau Heinemann hat ihre Erinnerungen in einem Brief vom 15. Juni 1987 niedergelegt, der heute im Archiv des Lohrer Schulmuseums liegt.  
(Hinweis Fred G. Rausch vom 12.11.2008).  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 172-173 (zu Steinbach).   

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lohr am Main  Lower Franconia. Jews were victims of the Rindfleisch massacres of 1298. Few Jews lived there from the mid-16th century until Bavarian Jews attained equal rights in 1861. The modern community, which was founded by Jews from Steinbach, was well integrated into the city's social and cultural life. There was organized Jewish education for the children. The Jewish population was 91 in 1900 and 70 in 1933 (total 6.133). From the outset of Nazi rule in 1933 the Jews suffered from anti-Jewish agitation and the economic boycott, with anti-Jewish rioting after the Anschluss (13 March 1938). The synagogue and Jewish homes were vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938). Fiftly Jews subsequently left for other German cities and 19 emigrated.       
      
        

                   
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Stand: 31. Juli 2013