Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Oppenheim (VG Rhein-Selz, Landkreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagogen  
(erstellt unter Mitarbeit von Wolfgang Kemp, Oppenheim)  
    
  

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule     
-        über den Lehrer und Kantor Simon Reiß   
         über den Lehrer und Kantor Heinrich (Heinemann) Schiff   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarten aus der NS-Zeit  
Nach der Deportation / Emigration  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In der früheren freien Reichsstadt Oppenheim gab es bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. In einer Reichssteuerliste von 1242 werden Juden in der Stadt erstmals genannt. Sie lebten vor allem vom Geldverleih. Die bedeutendste Stellung hatte hierbei ein Jud Anselm inne, der zwischen 1285 und 1305 bei zahlreichen Geldgeschäften genannt wird. Ein reges geistiges Leben prägte die Gemeinde. Die Gelehrten Oppenheims waren auch in umliegenden Städten anerkannt. Eine wertvolle Pentateuchhandschrift aus Oppenheim wird in der Ambrosiana in Mailand aufbewahrt. Ende Juli 1349 wurden bei der allgemeinen Judenverfolgung während der Pestzeit auch die Juden Oppenheims erschlagen. Unter den Märtyrern war auch der Rabbiner Joel haKohen. Das jüdische Wohngebiet lag in der "Judengasse", die erstmals 1388 genannt wird. Sie lag im südwestlichen Viertel der Altstadt (heute Am Stadtgraben und Rathofstraße). 

Nach der Verfolgung von 1349 lebten Juden vermutlich wieder seit 1355 in Oppenheim, sicher seit 1366. 1391 wurden die Juden für einige Jahre ausgewiesen. 1444 lebten wieder vier jüdische Familien in der Stadt. Auch jetzt betätigten sich diese vor allem im Geldhandel. Die Gemeinde hatte mehrere Rabbiner. Weiterhin ist von einem regen geistigen Leben der jüdischen Gemeinde auszugehen. 1415 umfasste die Bibliothek eines Juden über 100 Handschriften, darunter einige philosophische und kabbalistische. Zwischen 1543 und 1548 verließen die Juden die Stadt (vielleicht nicht alle, dazu gezwungen oder freiwillig) und siedelten sich in Ortschaften der Umgebung an.
 
Auch im 17. und 18. Jahrhundert lebten Juden in Oppenheim (1674 drei Familien, 1722 acht Familien, 1765 zehn Familien).
   
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden bei einer Volkszählung 1804 74 Juden gezählt. Bis 1824 stieg die Zahl auf 162, 1861 184 Personen. Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ging die Zahl langsam zurück. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Mainz. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (von 1830 bis 1849 Konfessions-/Elementarschule, danach Religionsschule), ein rituelles Bad und ein jüdischer Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert während des Bestehens der Konfessionsschule ein Elementarlehrer (seit 1836 Lehrer David Schönhof, siehe Artikel unten, seit 1847 und mindestens bis 1875 Lehrer Samuel Stettenheimer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Nach Auflösung der Konfessionsschule 1849 war der Lehrer nur als Religionslehrer tätig, dazu auch als Vorbeter und Schochet. Möglicherweise gab es zeitweise auch zwei Personen für die Ämter in der Gemeinde (vgl. unten Ausschreibungen von 1855 und 1858, nach denen nur die Vorbeter/Schochet-Stelle ausgeschrieben wurde). In besonderer Erinnerung blieb im 19. Jahrhundert Lehrer Simon Reiß, der seit 1858 für über 30 Jahre in Oppenheim tätig war, siehe Artikel unten) angestellt. Von 1891 bis 1930 war Lehrer Heinrich (Heinemann) Schiff in der Gemeinde tätig (geb. 1868 in Oberthulba, seit 1891 in Oppenheim; als Lehrer war er bis 1930 vor allem auch an der Oberrealschule der Stadt tätig, siehe Beitrag von W. Kemp, zugänglich über Link in den Literaturliste unten).   
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Willy Meyer (geb. 27.1.1895 in Oppenheim, gef. 14.11.1914) und Ludwig Hirsch. Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Wilhelm Levy (geb. 16.6.1880 in Oppenheim, vor 1914 in Mainz wohnhaft, gef. 16.4.1918). 

Um 1925, als noch 68 Einwohner der jüdischen Gemeinde angehörten (1,8 % der Gesamteinwohnerschaft ca. 3.700 Personen), bildeten den Gemeindevorstand die Herren Siegfried Rosenthal, Max Wolf, Moritz Goldmeier, Gustav Blum, Wilhelm Goldschmidt;  Kantor, Lehrer und Schächter war der bereits genannte Heinrich Schiff. An jüdischen Vereinen bestand vor allem ein Wohltätigkeitsverein mit dem Ziel der Unterstützung Hilfsbedürftiger innerhalb der Gemeinde und der näheren Umgebung. Demselben Zweck dienten auch die Elise Goldenberg-Stiftung und die Samuel Reiß-Stiftung. 
  
1931 waren noch 83 jüdische Personen in der Stadt. Inzwischen gehörten auch die in Dienheim und Nierstein lebenden jüdischen Einwohner zur Synagogengemeinde in Oppenheim (1932 2 bzw. 42 Personen). 1932 waren weiterhin Siegfried Rosenthal, Max Wolf und Gustav Blum Gemeindevorsteher. Damals besuchten den jüdischen Religionsunterricht noch 10 Kinder.
  
Die Zeit nationalsozialistischer Pogrome begann in Oppenheim bereits im September 1928, als es zu schweren Ausschreitungen aus auswärtigen Nationalsozialisten in der Stadt kam. Nach 1933 sind die meisten der jüdischen Einwohner auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts von Oppenheim in andere Orte verzogen oder ausgewandert (u.a. 1937 Carola Löw und Emil Löw nach Italien). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt (s.u.), jüdische Geschäfte wurden verwüstet. 1941 lebte in Oppenheim noch eine jüdische Familie mit vier Personen (Weinhändler und ehemaliger Sektkellereibesitzer Carl Neumann, Sohn von Moritz und Bertha, siehe folgende Opferliste; die gesamte Familie konnte noch in die USA emigrieren).  
 
Von den in Oppenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; kritisch durchgesehen und ergänzt von Wolfgang Kemp): Clara Adler geb. Fröhlich, Tochter von Elkan (1872), Markus Bär (1921), Arthur Bockmann, Bruder von Johanna und Rosalie Löb und Thekla Kahn (1892), Martha Bockmann geb. Mann, Ehefrau von Arthur (1888), Hermann Fröhlich, Bruder von Elkan (1886), Maria Heitlinger, Witwe von Alter Heitlinger (1874), Elise Hertz (1871), Maximilian Hertz (1867), Rosa Hertz geb. May, Witwe von Karl Hertz (1884), Lina Hirsch geb. Keller, Witwe von Bernhard Hirsch, Mutter von Elisabeth Spiegel (1868), Ludwig Hirsch (1896), Recha Hirsch geb. Mayer, Ehefrau von Ludwig (1894), Edmund Hirsch, Sohn von Ludwig (1922), Jakob Kurt Hirsch, Sohn von Ludwig (1928), Frieda Hirsch geb. Neumann, Tochter von Moritz und Bertha, Schwester von Bruno, Carl, Hermann und Erna Mannheimer (1882), Leonie Ikwat geb. Baum (1910), Ida Kahn geb. Seligmann, Witwe von Simon Kahn (1866), Thekla Kahn geb. Bockmann, Schwester von Johanna und Rosalie Löb und Arthur Bockmann (1884), Louis Kander, Ehemann von Regina Recha (1878), Regina Recha Kander geb. Grünewald (1880), Hermann Koch (1881), Johanna Koch geb. Wangersheim, Ehefrau von Hermann (1887), Eugen Koch (1876), Paula Auguste Judith Knublauch (Knoblauch) geb. Bayerthal, Wwe (1869), August Lazarus (1867), Max Levi (1902), Edwige Levistein(1883), Karl Liebmann (1863), Johanna Löb geb. Bockmann, Witwe von Hugo, Schwester von Rosalie Löb, Thekla Kahn und Arthur Bockmann (1883), Robert Löb, Sohn von Johanna (1907), Betty Löb geb. Epstein, Ehefrau von Robert (1906), Ludwig Werner Löb, Sohn von Robert und Betty (1931), Rosalie Löb geb. Bockmann, Witwe von Fritz Löb, Schwester Johanna Löb, Thekla Kahn und Arthur Bockmann (1886), Alex Mannheimer (1888) (überlebte Theresienstadt), Erna Mannheimer geb. Neumann, Ehefrau von Alex, Tochter von Moritz und Bertha (1890) (überlebte Theresienstadt) Julius Mannheimer, Sohn von Alex (1922), Albert Meyer (1867), Johanna Meyer geb. Brill, Ehefrau von Albert (1860), Irma (Billa) Meyer, Tochter von Johanna und Albert (1899), Gerhard Michaelis (1912), Mathilde Minden geb. Feitler (1865), Moritz Nathan, Ehemann von Rosalie (1861), Rosalie Nathan geb. Lazarus (1868), Bertha Neumann geb. Baer, Witwe von Moritz Neumann, Mutter von Frieda Hirsch, Bruno, Carl und Hermann und Erna Mannheimer (1856), Bruno Neumann, Sohn von Moritz und Bertha, Bruder von Frieda Hirsch, Carl und Hermann Neumann und Erna Mannheimer (1883), Ilse Neumann geb. Bender. Ehefrau von Bruno (1888), Hermann Friedrich Neumann, Sohn von Moritz und Bertha, Bruder von Frieda Hirsch, Bruno und Carl und Erna Mannheimer (1889), Soffie Neumann geb. Bacharach, Ehefrau von Hermann (1898), Erich Neumann, Sohn von Hermann und Soffie (1926), Johanna (Hannie) Neumann, Tochter von Hermann und Soffie (1924), Emilie Regine Oppenheimer geb. Schweizer, Schwägerin von Flora Schweizer (1869), Salomon Sandherr (1862), Flora Schweizer geb. Rosenthal, Witwe von Karl Schweizer (1874) (überlebte Theresienstadt), Julius Emil Seligmann (1866), Margarete Grete Seligmann geb. Heil, Ehefrau von Julius Emil (1874), Ida Seligmann geb. Wolf, Witwe von Ludwig Seligmann (1875), Alfred Seligmann (1873), Norbert Spiegel (1900), Elisabeth Spiegel geb. Hirsch, Ehefrau von Norbert (1896), Henni Spiegel, Tochter von Norbert und Elisabeth (1930), Babette Sternberg geb. Mayer (1870), Irma Wolf, geb. Eisemann, Witwe von Max Wolf (1878), Siegfried Wolf, Bruder von Max und Ernst (1874), Barbara Wolf, geb. Blum, Ehefrau von Siegfried (1877), Ernst Wolf, Bruder von Max und Siegfried (1879).
 
Anmerkung: Nicht in Oppenheim geboren, aber in den 30er Jahren dort jeweils für kurze Zeit als Hausmädchen gemeldet, waren Fanna Ilse Gümbel aus Albisheim (1921), Marga Mannheimer aus Bad Wildungen (1921), Frieda Wilp geb. Meyer aus Neuwied (1906), Charlotte Rosenberg aus Hüttengesäß (1922), Erna Rosenbusch geb. Fröhlich aus Gauersheim (1915) und Karola Rubin aus Lohnsfeld (1919).
 
Alex Mannheimer war in Theresienstadt Mitglied des "Judenrates". Dadurch war es ihm möglich, für sich selbst, seine Frau Erna, Flora Schweizer aus Oppenheim, Jakob Hirsch aus Nierstein und Klara Blum aus Bodenheim bessere Lebensbedingungen zu schaffen und zu vermeiden, auf die Transportlisten nach Auschwitz zu kommen. Die Genannten haben Theresienstadt so überlebt und wurden am 2. Mai 1945 vom Roten Kreuz, bzw. am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit.                            
      
     
     
 
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Allgemeine Beiträge   
   
Beitrag über die mittelalterliche jüdische Geschichte in Oppenheim von Rabbiner Dr. Meyer Kayserling (Beitrag von 1860)  
Der Beitrag wurde erstellt von dem deutschen Rabbiner und Historiker Meyer (Meir, Moritz) Kayserlin (1829-1905; Weiteres siehe Wikipedia-Artikel). Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken.          

Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 285.jpg (135413 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 286.jpg (175626 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 287.jpg (175170 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 288.jpg (165905 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 289.jpg (169480 Byte)
         
Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 290.jpg (176889 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 291.jpg (184474 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 292.jpg (187750 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 293.jpg (175215 Byte) Oppenheim Monatsschrift fGeschichte uWissenschaft Judentum 1860 294.jpg (163071 Byte)

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1855 / 1858 / 1876 / 1890     

Oppenheim Jeschurun 011855.jpg (41294 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Jeschurun" vom November 1855: "Bei der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Vorsängers und Schächters mit einem Einkommen von 350 Gulden und Nebenakzidenzien vakant. Die Stelle ist sofort anzutreten. Reflektierende wollen sich baldigst, unter Nachweise ihres streng religiösen Wandels, ihrer praktischen Tüchtigkeit und ihrer jüdisch rituellen Kenntnisse, an den unterzeichneten Vorstand in frankierten Briefen wenden. Unverheiratete würden den Vorzug haben. 
Oppenheim, den 19. November 1854. Der  Vorstand: A. Liebmann."
  
Oppenheim Jeschurun Sept1858.jpg (48143 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Jeschurun" vom September 1858: "Der unterzeichnete Vorstand sucht einen durch ernst religiösen Wandel und tüchtige Fähigkeit gut qualifizierten Schächter und Vorbeter. Einkommen zusammen 400 bis 450 Gulden. Unverheiratete würden den Vorzug haben. Portofreie Anmeldungen nebst Zeugnissen sind baldigst einzusenden an den Vorstand A. Liebmann. Oppenheim, 4. August 1858."
 
Oppenheim Israelit 13121876.jpg (55735 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1876: "Annonce. Die Stelle eines Religionslehrers (unverheiratet), der seine Prüfung bestanden und an hohen Festtagen als 2. Vorsänger fungieren kann, ist zum 1. Januar 1877 mit einem Gehalte von Mark 800 bei uns zu besetzen. Auf Nebenverdienste kann gerechnet werden. Lusttragende wollen ihre Offerten mit Zeugnissen franco an Unterzeichneten gelangen lassen. Oppenheim, den 26. November 1876. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. 
H. Meyer.
"
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1890: "In der Gemeinde Oppenheim am Rhein ist die Stelle eines Kantors, geprüften Religionslehrers und Schochet vakant. Fester Gehalt Mark 800 nebst freier Wohnung im separierten Gemeindehaus. Nebeneinkünfte ca. Mark 800-900. Musikalisch gebildete Bewerber bevorzugt. Die Stelle ist bis zum 1. April 1891 zu besetzen und werden die Reisespesen nur dem Engagierten vergütet. 
Bewerber mit guten Zeugnissen wollen sich wenden an den Vorstand Hermann Simon."     
Auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Heinrich Schiff aus Oberthulba.  

 
Einrichtung einer jüdischen Elementarschule (1841)   

Oppenheim IsrAnnalen 16041841.jpg (158208 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Israelitische Annalen" vom 16. April 1841: "Oppenheim, 3. April 1841. – Schon längst fühlte die hiesige israelitische Religionsgemeinde das dringende Bedürfnis, für ihre Jugend eine eigene Elementarschule zu gründen, und hegte zugleich den Wunsch, dass der an derselben angestellt werdende Lehrer auch die gottesdienstlichen Funktionen versehe, insbesondere aber zur Haltung religiöser vorträge in deutscher Sprache bei dem Gottesdienste qualifiziert und dadurch auf die Zivilisation der Gemeinde zu wirken imstande sei. Dieser Wunsch ist nun durch die Fürsorge unserer höchsten Staatsbehörde, in dem für die hiesige Stelle definitiv ernannten Elementarlehrer, Herrn Schönhof, dem schon ein guter Ruf vorangegangen, auf das Schönste erfüllt worden. Mittwoch den 13ten vorigen Monats wurde derselbe von Großherzoglicher Schulbehörde feierlichst installiert, wobei derselbe in einer Anrede an die Schuljugend kund gab, dass die von der Gemeinde gehegten Erwartungen befriedigt worden. In noch höherem Grade zeigte derselbe heute seine Qualifikation als Prediger in seiner gehaltvollen Antrittsrede in der hiesigen Synagoge, worin er so schön als würdevoll und klar die Forderungen, welche die Gemeinde an ihren Lehrer zu machen berechtigt ist, und die Pflichten, die er gegen dieselbe zu erfüllen hat, in kräftigen, liebeatmenden Worten zu schildern wusste. Die Zuhörer verschiedener Konfessionen, worunter auch mehrere Geistliche, verließen, in jeder Hinsicht befriedigt, die Synagoge, und die Gemeinde wünscht sich Glück, einen solchen ehrwürdigen, in jeder Beziehung tüchtigen Lehrer zu besitzen, der zugleich durch sein würdevolles Vorbeten, in der toten hebräischen Sprache einen lebendigen Gottesdienst zu halten versteht. – Wer konnte z.B. das mit so inniger Andacht gesprochene hebräische Gebet für unsern geliebten Landesvater, für die obrigkeitlichen Behörden und Personen des teuren Vaterlandes anhören und ungerührt bleiben? – Ihm gebührt diese öffentliche Anerkennung. Möge er seine Laufbahn, die er so rühmlichst begonnen, ebenso fortsetzen, und es wird ihm gewiss der Dank, die Liebe und Achtung seiner Gemeinde, die er sich bereits erworben hat, erhalten werden. Gott segne seine Bemühungen!" 

      
Auf der 3. Konferenz israelitischer Lehrer Rheinhessens in Schornsheim ist Lehrer Stettenheimer von Oppenheim dabei  - 
die nächste Konferenz soll in Oppenheim stattfinden (1859)  
 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Juli 1859: "Aus Rheinhessen, Juni (1859). Am 12. dieses Monats, Pfingstsonntag, wurde in Schornsheim bei Wörrstadt die 3. Konferenz israelitischer Lehrer Rheinhessens abgehalten. Sie war von 10 Lehrern besucht. Viele bewährte Mitglieder waren durch das schlimme Wetter, das die Wege fast ungangbar machte, abgehalten. Ein Abgeordneter der (oberhessischen) Büdinger Konferenz - Herr Lehrer Brandeis aus Staden - leitete die Aufmerksamkeit der Versammlung auf die seinerzeit veröffentlichten Beschlüsse der Offenbacher Versammlung, und beantragte das Zusammenwirken beider Konferenzen, um deren Ausführung zu erstreben. Die Versammlung beauftragte in Folge dessen Herrn Lehrer Stettenheimer aus Oppenheim, sich mit einem Mitgliede der Büdinger Konferenz persönlich nach Darmstadt zu begeben, um das Tunlichste zu erwirken. Außerdem besprach die Versammlung das Thema 'über den Unterricht im Pentateuch-Übersetzen', das durch ein interessantes Referat des Herrn Lehrer Gottschall aus Schornsheim eingeleitet wurde. Die betreffenden Verhandlungen werden in der nächsten Konferenz, welche zu Oppenheim am Rhein wahrscheinlich am 2. Halbfeiertag von Sukkot (= Sonntag, 16. Oktober 1859) stattfinden wird, fortgesetzt werden, und werden wir seinerzeit hierüber Bericht erstatten.   
Dankend müssen wir erwähnten, dass von dem Herrn Rabbiner Leopold Stein in Frankfurt am Main und von Herrn Dr. S. Formstecher, Rabbiner in Offenbach, sowie von mehreren andern geehrten Herren wertvolle Bücher als Geschenke für unsere Bibliothek durch den Bibliothekar des Vereins Klingenstein von Odernheim uns zugekommen. Die Versammlung beauftragte ihr Büro, den freundlichen Gebern ihren Dank in geeigneter Weise auszusprechen."           

 
Ungerechte Entscheidung des Stadtrates gegenüber dem jüdischen Lehrer (1862)   

Oppenheim Jeschurun AZ 1862 304.jpg (102210 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" 1862 S. 304-305: "Aus Rheinhessen, im Februar (1862). Auch Oppenheim ist dem rühmlichen Beispiele anderer Gemeinden gefolgt, indem der Stadtvorstand den sechs christlichen Lehrern pro 1861 eine Teuerungszulage von je 50 Gulden bewilligte, der israelitische Lehrer blieb jedoch von dieser Gratifikation ausgeschlossen, was um so auffallender erscheinen muss, da die bezügliche Anfrage an den Stadtrat von Seiten des anerkannt humanen und geachteten Kreisrats Schmidt daselbst unberücksichtigt blieb. In Oppenheim besteht eine öffentliche israelitische Schulanstalt, welche einen kleinen Teil ihrer Dotation seit 20 Jahren aus der Stadtkasse erhält und somit analog auch Anspruch hätte, dass ihrem Lehrer eine gleiche Zulage zuteil würde, besonders, da die dortigen Israeliten gleich allen anderen Bürgern ihren Betrag zu der bewilligten Zulage für die sechs christlichen Lehrer zahlen. So wurde z.B. in Darmstadt ebenfalls den Lehrern eine Gehaltszulage erteilt, ohne jedoch den israelitischen davon auszuschließen, und hätte man umso mehr erwartet, dass der Stadtrat Oppenheims diesem gerechten Beispiele gefolgt wäre."   

     
Zum Tod des ehemaligen Vorbeters und Schochet David Fröhlich (1890)  

Oppenheim Israelit 08011891.jpg (110988 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Oppenheim, 4. Januar (1891). Vor mehreren Wochen verstarb dahier ein echter, frommer Jehudi Namens David Fröhlich im Alter von 80 Jahren: derselbe wurde als Chasan und Schochet im Jahre 1836 von der israelitischen Gemeinde Oppenheim angenommen. Nachdem er diese Funktion zur Zufriedenheit der Gemeinde eine Reihe von Jahren ausgeübt, trat er ins Privatleben zurück und verehelichte sich mit der Witwe (von) Jakob Wittmann daselbst. Aus erster Ehe besaß der Genannte einen Sohn, den nunmehrigen Kaufmann Elkan Fröhlich. Als man diesem von dem nahen Tod seines Vaters Nachricht gab, und ihn bat, an das Krankenbett zu eilen, weigerte er sich, dies zu tun. Auch bei dem Leichenbegängnis, welches von Juden und Nichtjuden sehr zahlreich begangen war, ist der ‚brave Sohn’ fern geblieben, worüber die ganze Gemeinde entrüstet war. Es sei hier noch bemerkt, dass der Verstorbene eine Witwe mit 4 unerzogenen Kindern hinterlassen hat.
Was tat nun dieser aus erster Ehe erzeugte Sohn? Gleich nach dem Tage der Beerdigung ließ er der armen Witwe durch das Gericht Alles versiegeln."

   
Erklärung des Sohnes von David Fröhlich (Elkan Fröhlich) auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe (1891)  

Oppenheim Israelit 15011891.jpg (157627 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1891: "Oppenheim. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 3 des ‚Israelit’, wirft man mir in gehässiger Weise Mangel an Pietät gegen meinen jüngst verstorbenen Vater vor, und beschuldigt mich, seinem ruhe, ihn am Krankenbette zu besuchen, nicht nachgekommen zu sein und fühle ich mich zu nachfolgender Erklärung veranlasst. 
Seitdem mein Vater, im Alter von 70 Jahren und entgegen dem mir gegebenen Versprechen sich zum dritten male verheiratete, aus welcher Ehe nunmehr vier unerzogene Kinder erstanden, war der Verkehr zwischen uns abgebrochen. Am Dienstag, den 16. vorigen Monats, abends, ein Tag vor seinem Tode, erfuhr ich zufällig seine Erkrankung und erkundigte mich andern Tages sehr zeitig nach seinem Befinden bei Herrn Jakob Seligmann, der eben aus meinem väterlichen Hause herauskam und mir seinen Zustand als bedenklich (Warum eilte hierauf Herr Fröhlich nicht an das Sterbebett seines Vaters? Red.) bezeichnete; einige Stunden später gegen 12 Uhr sagte mir Herr Is. Ziegler, der in meinem Geschäftslokale zu tun hatte, er habe gehört, mein Vater sei eben gestorben. Ich ging in meine Privat-Wohnung (Warum nicht in die Wohnung seines Vaters? Red.), um meine Familie von dem Vorfall zu unterrichten, und ersuchte den anwesenden Herrn Lehrer Geil, den Klavierunterricht bis weiteres einzustellen. Kurz darauf hörte ich wieder zufällig, mein Vater sei noch am leben. Andern Tags erkundigte ich mich wieder bei Herrn Jakob Seligmann nach dem Befinden, bei welcher Gelegenheit ich dann hörte, dass mein Vater am vorhergegangenen Nachmittag schon verstorben sei. Weder die Angehörigen, noch diejenigen, welche sich im Sterbehause zu rituellen Zwecken aufhielten, haben mir irgendwelche Meldung gemacht, oder machen lassen; nicht einmal den Gemeindediener schickt man mir. Ich war deshalb nicht in der Lage eine Anzeige zu veröffentlichen, oder Einladung an Verwandte und Freunde ergehen zu lassen, ebenso wenig konnte ich mich um die Hierherkunft des Herrn Rabbiners bemühen. Es war mir die Möglichkeit genommen, bei der Beerdigung den mir gebührenden Platz einzunehmen, du blieb deshalb, wenn auch schweren Herzens, fern. 
Elkan Fröhlich
."  

  
Über den Lehrer und Kantor Simon Reiß  

Simon Reiß tritt in den Ruhestand (1887)  

Oppenheim Israelit 30121886.jpg (87030 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1886: "Danksagung
Nachdem die hiesige israelitische Religionsgemeinde im April 1883 das 25-jährige Amtsjubiläum ihres Kantors Herrn Simon Reis feierte, sehen wir nunmehr mit lebhaftem Bedauern dessen Amtsniederlegung – vorgerückten Alters halber – per 1. Januar 1887 entgegen. 
Für sein langjähriges und verdienstvolles Wirken in treuer Hingabe an seinen Beruf, setzten wir Herrn Reis einen entsprechenden jährlichen Ruhegehalt aus und zollen demselben außerdem öffentlichen Dank und Anerkennung, daran den Wunsch knüpfend, dass es ihm vergönnt sein möge, noch viele Jahre im Kreise seiner Familie zu verbringen.
Oppenheim, im Dezember 1886. Namens der Gemeinde. Der Vorstand."

   
Ankündigung der Goldenen Hochzeit von Ehepaar Simon Reiß (1892)  

Oppenheim Israelit 23061892.jpg (25957 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1892: "Das Simon Reiß’sche Ehepaar in Oppenheim am Rhein feierte am 12. Juni das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Reiß bekleidete 30 Jahre lang das Amt eines Kantors und Religionslehrers in der dortigen jüdischen Gemeinde und ist vor 7 Jahren in wohl verdienten Ruhestand getreten."

  
Goldene Hochzeit des Ehepaares Simon Reiß und Frau (1892)  

Oppenheim Israelit 04081892.jpg (84527 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1892: "Oppenheim am Rhein, 10. Juli (1892). Das Ehepaar Simon Reiß feierte heute, umgeben von Kindern und Enkeln, die zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, das goldene Hochzeitsfest. Der Jubilar, welcher auf eine 25jährige Wirksamkeit als Kantor der israelitischen Gemeinde zurückblicken kann, wird übermorgen 79 Jahre alt, seine Ehefrau, die bekannt durch ihr gutes Herz und ihren schlichten Sinn ist, feiert heute den 73. Geburtstag. Die bei der Feierlichkeit eingelaufenen zahllosen Telegramme und Geschenke legten Zeugnis ab für die Beliebtheit des Jubelpaares, dem auch der Großherzog von Schwalbach aus telegraphische Glückwünsche sandte. Die Bürgermeisterei sandte ein Schreiben, worin gleichzeitig für die von den Söhnen Reiß für die Armen der Stadt gespendeten 200 Mark gedankt wurde."  

   
Zum Tod von Simon Reiß, über 30 Jahre Lehrer, Vorbeter und Schochet (1894)  

Oppenheim Israelit 10121894.JPG (253540 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1894: "Vom Rhein. Wieder hat der Tod eine schmerzliche Lücke in die Reihen der Edeln in Israeli gerissen, ein Veteran im Dienste des Judentums war es, den man, wie im Inseratenteil unserer vorigen Nummer bereits kurz mitgeteilt, am 18. November in Oppenheim am Rhein zur letzten Ruhe geleitet Herr Simon Reiß, der daselbst über 30 Jahre als Kultusbeamter fungierte, ist im hohen Alter von 82 Jahren in die Ewigkeit abberufen worden. In Welbhausen, Unterfranken geboren, trat er schon mit jungen Jahren in die Jeschiwa des berühmten Ansbacher Rabbiners Rabbi Mosche Hochheimer ein und war dann Schüler des bekannten Würzburger Rabbiners, Rabbi Abraham Bing – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – und des Rabbi Eleasar Ottensoser – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in Höchberg, bei welchen er sich tüchtige Kenntnisse in den jüdischen Wissenschaften erwarb. Als er kaum 17 Jahre alt war, erteilte ihm der genannte Würzburger Rabbiner Kabbala als Schochet (Schächter), in welchem Fache er späterhin Vorzügliches leistete. Seine Tüchtigkeit als Schochet wurde sogar von seinen christlichen Mitbürgern sehr gepriesen, sodass er von der Behörde als städtischer Fleischbeschauer in Oppenheim angestellt wurde, weil man ihn für dieses Amt als am besten befähigt hielt. Ebenso hervorragend war er als Kantor, und sein Ruhm als solcher drang weit über die Grenzen seines Wirkungskreises hinaus. Er war mit einer selten schönen, vollen und ungemein klangreichen Stimme begnadet und sein Vortrag war von Innigkeit und Wärme. Wo er sich nur sehen ließ, war man hoch beglückt, wenn er sich überreden ließ, ein ‚Stückchen Chasonus’ hören zu lassen und seiner Überredungskunst bedurfte es schon bei ihm, um sich in einen solchen Genuss zu versetzen, denn in seiner großen Bescheidenheit wollte er nicht paradieren. 
Als Mensch war er von gewinnender Herzlichkeit, die allgemein anerkannte Biederkeit und Lauterkeit seines Charakters, sein ehrlicher gerader Sinn, seine Herzensgüte, gepaart mit allzeit gleicher Liebenswürdigkeit waren die Folge, dass in seinem hause Reich und Arm sich wohl fühlten; im vereine mit seiner wackeren Gattin, die der Allmächtige noch lange erhalten möge, ist hier im Stillen viel des Guten geübt worden. Kein Wunder also, wenn der Verstorbene bei allen seinen Mitbürgern, jüdischen und christlichen, in hohem ansehen stand und sich großer Beliebtheit erfreute. Zeugnis davon gab noch zuletzt die ungemein große Beteiligung bei seinem Begräbnisse, zu welchem viele Verehrer des Entschlafenen aus Nah und Fern herbeigeeilt waren. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Salfeld aus Mainz, ein langjähriger Freund der Reiß’schen Familie, mit bekannter Meisterschaft das Leben und Wirken des Verstorbenen. Möge ihm die Erde leicht sein, und möge der Allgütige seine trauernde Gattin und Kinder in ihrem Schmerze aufrichten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
Zum Tod der Witwe von Kantor Simon Reiß (1900)  

Oppenheim Israelit 09081900.jpg (90132 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: "Oppenheim am Rhein. Hierselbst wurde am Freitag vor Schabbat Chukkat (wörtlich: Erew Schabbat Koddesch Paraschat Chukkat, das war Freitag, 6. Juli 1900) unter allgemeiner Teilnahme die Witwe des vor mehreren Jahren gestorbenen allbeliebten Kantors Simon Reiß, zur letzten Ruhe bestattet. Die Heimgegangene, die das hohe Alter von 81 Jahren erreicht, war ein Bierweib im vollsten Sinne des Wortes, und all das Lob, womit der königliche Sänger das Esches chajil (sc. die wackere Frau) besingt (gemeint Sprüche Salomons 31), darf auch ihr gespendet werden. Dahin ist sie nun, die treu besorgte Mutter ihrer Kinder, die warmherzige Freundin der Armen, geschlossen das Auge, das so viel Güte und Milde strahlte, verstimmt der Mund, der es so gut verstand, durch liebliche Rede gebeugte Gemüter aufzurichten, Trost zu reichen, Gottvertrauen zu erwecken. Möge all das Gute, das sie geübt, ihr vorangehen im ewigen Leben und am Throne Gottes Zeugnis für sie ablegen. Ihr Andenken sei gesegnet; sie ruhe in Frieden!  A."   

  
Über den Lehrer und Kantor Heinrich Schiff    
Lehrer Heinrich Schiff sucht einen Vertreter (1891) und weitere Dokumente (1905 / 1948)  
Anmerkung: Heinrich (Heinemann) Schiff ist am 27.Mai 1868 in Oberthulba geboren. Er besuchte die Präparandenschule in Burgpreppach und ließ sich am Israelitischen Seminar in Köln zum Lehrer ausbilden. Im Juli 1887 bestand er die Prüfung als Volksschullehrer im Königlichen Seminar in Boppard in sämtlichen Fächern für die Volksschule. Seit April 1891 war Heinrich Schiff in Oppenheim tätig. Er war in der jüdischen Gemeinde Vorbeter (Kantor), Schochet und Religionslehrer, dazu Religionslehrer an den Schulen der Stadt, vor allem auch an der Oberrealschule. Heinrich Schiff konnte in der NS-Zeit in die USA emigrieren.               

Oppenheim Israelit 10081891.jpg (44786 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1891: "Suche auf 10 Wochen, und zwar vom 25. August bis zum 5. November, gegen gutes Honorar einen Vertreter, da ich zu einer militärischen Übung eingezogen werde. Reflektierende müssen Religionslehrer, Vorbeter und wenn möglich Schochet sein. Sofortige Offerten wolle man an den Unterzeichneten richtigen. 
H. Schiff, Lehrer und Kantor, Oppenheim am Rhein."  
 
Oppenheim Dok 1904.jpg (133994 Byte)Dokument aus dem Jahr 1905 (datiert 9. April 1905; Quelle: Schularchiv Gymnasium zu St. Katharinen, Oppenheim): 
Großherzogliche Realschule zu Oppenheim für das Jahr 1904 - Übersicht der Gehalte und Remunerationen
Unter den Gehaltsempfängern wird unter Nr. 14 nach den evangelischen und katholischen Religionslehrern der israelitische Religionslehrer Heinemann Schiff genannt.   
 
Oppenheim Aufbau 14051948.jpg (32715 Byte)Aus der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Aufbau" vom 14. Mai 1948 (zur Quelle und Publikation siehe unten): 
"Unser lieber Vater und Großvater 
HEINRICH SCHIFF 
(früher Oppenheim, Rhein, Pforzheim, Hamburg) feiert am 27. Mai 1948 seinen 
80. Geburtstag
.
Die Kinder und Enkelkinder. 2341 Chestnut Street, San Francisco, Calif. 

    
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  

Spendensammlung in der Gemeinde für Juden in Osteuropa (1891) 
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1891: "L.S. Oppenheim, 2. Juni (1891). Wenn von Alters her unsere Gemeinde für das Elend und die Not armer, bedrängter Glaubensgenossen stets ein warmes Herz hatte, so zeigte sich dieser Tage diese so oft bewährte Tugend abermals in dem schönsten Lichte. Auf Veranlassung unseres verehrten Synagogen-Vorstandes wurde in der Gemeinde zur Linderung der so traurigen Lage unserer armen Brüder und Schwestern in dem fernen Osten eine Sammlung veranstaltet, die eine nicht unbedeutende Summe in Anbetracht der nicht großen Mitgliederzahl ergab. Auch die hier bestehenden Wohltätigkeitsvereine haben im Hinblick auf das unbeschreibliche Elend entsprechende Beträge bewilligt, sodass wohl eine Summe von 350 Mark abgesandt werden kann. Wenn es auch nicht am Platzes ist, dieses hochherzige Handeln unserer Gemeinde und der drei Chewros öffentlich zu beloben, so geschieht eine Veröffentlichung der Tatsache nur deshalb, damit andere Gemeinden sich ein Muster daran nehmen und ebenfalls nach Kräften den vaterlands- und heimatlosen Glaubensbrüdern beistehen."    

  
Antisemitische Regungen (1892)  

Oppenheim Israelit 07011892.jpg (43882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1892: "Oppenheim, 27. Dezember. Dass zuerst der Geldbeutel kommt, ehe der Antisemitismus anfängt, beweist folgender Vorfall: Der Gutsbesitzer Diehl von Groß-Gerau, ein Hauptantisemit, der in allen Versammlungen davor warnt, mit dem Juden ein Geschäft zu machen, verkaufte seine Gerste an den israelitischen Händler Dewald hier, weil die Malzfabrik in Nierstein keinen genügenden preis geboten hatte. Honny soit qui mal y pense!"
  
Oppenheim Israelit 18021892.jpg (53682 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1892: "Oppenheim am Rhein. Wie kürzlich ein Schöffengericht in Oberhessen in einer Klage 'Antisemitisches betr.' noch ein höheres Strafmass aussprach, als der Staatsanwalt beantragte, so hat Gleiches auch das hiesige Schöffengericht in seiner Sitzung vom 11. dieses Monats getan. Ein Handarbeiter hat einen Lattenzaun zusammengerissen und dabei geäußert: 'Der Jud kriegt seinen Zaun zusammengerissen, ich bin Antisemit'. Das Gericht über den Antrag des Amtsanwalts hinausgehend, verurteilte den Handarbeiter zu drei Wochen Gefängnis und Tragung der Kosten."

   
Sammlungen für die armen rumänischen Juden (1900)   

Oppenheim Israelit 19071900.jpg (33028 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1900: "Oppenheim, 17. Juli (1900). Auch hier hat sich ein Komitee gebildet, um im Kreise Sammlungen für die armen rumänischen Juden zu veranstalten. Gelder sind an den Vorsitzenden desselben, Herrn Siegmund Heller dahier, zu senden, der sie an das Mainzer Zentral-Komitee abführen wird."  

    
Schwere nationalsozialistische Ausschreitungen in Oppenheim
(1928)   

Oppenheim CVZeitung 28091928 III.jpg (119088 Byte)Artikel in der Zeitschrift des "Central-Verein" vom 28. September 1928: "Schwere nationalsozialistische Ausschreitungen in Oppenheim. Am Sonntag, den 23. September, dem Vorabend des Versöhnungsfestes, durchfuhren abends gegen 8 Uhr, von einer Veranstaltung aus Westhofen bei Worms kommend, zwei Lastautos mit einem Anhänger, vollbesetzt mit Nationalsozialisten, die hessische Kreisstadt Oppenheim a. Rh. Während der ganzen Fahrt schrieen die Insassen im Chor: Deutschland erwache, Juda verrecke. Aus den fahrenden Autos wurde ein Haus mit Steinen bombardiert, die haarscharf am Kopfe vorübergehender Passanten vorbei flogen. An einer Straßengabelung überholten die Autos einen Trupp festlich gekleideter friedlicher Männer, Frauen und Kinder, insbesondere auch junge Mädchen und beschimpften sie im Vorbeifahren in nicht wiederzugebender Weise. Gleichzeitig warfen sie mit Gläsern auf die friedlich Dastehenden, die nach der Vorbeifahrt im Abstande von den Autos ihren Heimweg fortsetzten. Plötzlich hielten die Wagen. Die Führer und eine Rotte Burschen entstiegen ihnen und überfielen die auf der Straße gehenden jungen Leute und schlugen auf sie mit Gummiknüppeln, Schlagringen und anderen Gegenstände ein, während sich die Umstehenden in einem benachbarten Hause in Sicherheit bringen konnten. Der 20jährige Ludwig Goldschmidt aus Nierstein a.Rh. sank plötzlich zusammen. Er hatte einen Stich zwischen die Rippen, dicht an der Lunge vorbei erhalten, so dass sich Hemd und Weste über und über voll Blut ergossen. Der Kriegsteilnehmer Ludwig Hirsch, ein Mann, der im Feld den halben Arm verloren hat und mit dem Eisernen Kreuz, der hessischen Tapferkeitsmedaille und dem Verwundetenabzeichnen ausgezeichnet wurde, war herbeigeeilt, weil er fürchtete, dass sein 68jähriger Vater sich in Gefahr befände. Er rief nach diesem, wurde jedoch sofort von einer Rotte uniformierter Nationalsozialisten umringt, die in rohester Weise auf seinen Kopf, Hals und Rücken einschlugen und ihm die Kleider buchstäblich vom Leibe rissen. Er tief: "Schämt ihr euch nicht, so gegen einen Kriegsteilnehmer, der einen Arm verloren hat, vorzugehen". Er riss sich los, wurde aber auf einer Strecke von 150 Meter von einem Hitlergardisten verfolgt, der mit einem feststehenden Messer auf seinen Armstumpf einschlug und erst von ihm abließ, als von den nationalsozialistischen Führern das Kommando ertönte: Jungmannschaft zurück!
Die Autos suchten daraufhin mit abgeblendetem Licht das Weite, wurden jedoch von der Kriminalpolizei in Mainz, die sofort durch die herbeigerufene Oppenheimer Gendarmerie alarmiert wurde, mit Nummern und Insassen festgestellt. Die Verwundeten fanden sofort ärztliche Hilfe und sind noch bettlägerig. Unser Berichterstatter traf Herrn Hirsch mit einem starken Schüttelfrost an, der ihn danach einer Einspritzung wegen Starrkrampfgefahr befallen hatte. Der junge Goldschmidt war infolge des großen Blutverlustes sehr geschwächt. Die Bevölkerung aller Stände drückte allgemein ihre Empörung über die rohe und feige Untat der nationalsozialistischen Burschen aus und erkundigte sich ständig nach dem Befinden der Verletzten.
Der zuständige Landesverband Hessen-Nassau des C.V. hat sofort an Ort und Stelle die nötigen Schritte zur energischen Verfolgung dieser mittelalterlichen Zustände eingeleitet."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. September 1928: 
Ähnlicher Bericht wie oben.    

      
Brutaler Überfall auf jüdische junge Leute durch Angehörige der Hitlerjugend (1928)   

Oppenheim Israelit 27091928.jpg (49703 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1928: "Oppenheim am Rhein. Am Kolnidreabend wurden mehrere jüdische junge Leute aus Nierstein, die auf dem Heimwege aus der Oppenheimer Synagoge waren, von aus Westhofen auf großen Lastautos durchkommenden Hitlerleuten angefallen und mit Schlagringen und Messern gearbeitet. Zwei der ganz wehrlosen Überfallenen, darunter ein Kriegsbeschädigter, der nur einen Arm hat, wurden durch Messerstiche erheblich verletzt."  
   
Oppenheim Israelit 09101928.jpg (191628 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1928: "Die Vorfälle in Oppenheim am Kol-Nidre-Abend. Berlin, 28. September (1928). Von den Vorfällen in Oppenheimer am Kol Nidre-Abend, über die wir bereits kurz berichteten, meldet die "Central-Vereins-Zeitung" noch folgende Einzelheiten. Am Sonntag, den 23. September, dem Vorabend des Versöhnungsfestes, durchfuhren abends gegen 8 Uhr, von der Veranstaltung aus Westhofen bei Worms kommend, zwei Lastautos mit einem Anhänger, vollbesetzt mit Nationalsozialisten, die hessische Kreisstadt Oppenheim am Rhein. Während der ganzen Fahrt schrieen die Insassen im Chor: Deutschland erwache, Juda verrecke! Aus den fahrenden Autos wurde ein Haus mit Steinen bombardiert. An einer Straßengabelung überholten die Autos einen Trupp festlich gekleideter, friedlicher Männer, Frauen und Kinder, insbesondere auch junge Mädchen und beschimpften sie im Vorbeifahren in nciht wiederzugebender Weise. Plötzlich hielten die Wagen. Die Führer und eine Rotte Burschen entstiegen ihnen und überfielen die auf der Straße gehenden jüdischen jungen Leute und schlugen auf sie mit Gummiknüppeln, Schlagringen und anderen Gegenständen ein. Der 20-jährige Ludwig Goldschmidt aus Mührstein am Rhein sank plötzlich zusammen. Er hatte einen Stich zwischen die Rippen, dicht an der Lunge vorbei erhalten. Der Kriegsteilnehmer Ludwig Hirsch, ein Mann, der im Feld den halben Arm verloren hat und mit dem Eisernen Kreuz, der hessischen Tapferkeitsmedaille und dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet wurde, war herbeigeeilt, weil er befürchtete, dass sein 68-jähriger Vater sich in Gefahr befände. ER rief nach diesem, wurde jedoch sofort von einer Rotte uniformierter Nationalsozialisten umringt, die in rohester Weise auf ihn einschlugen. Die Autos suchen daraufhin mit abgeblendetem Licht das Weite, wurde jedoch von der Kriminalpolizei in Mainz, die sofort durch die herbeigerufene Oppenheimer Gendarmerie alarmiert wurde, mit Nummern und Insassen festgestallt. Die Bevölkerung aller Stände drückte allgemein ihre Empörung über die rohe und feige Untat der nationalsozialistischen Burschen aus und erkundigte sich ständig nach dem Befinden der Verletzten. 
Der zuständige Landesverband Hessen-Nassau des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sofort an Ort und Stelle die nötigen Schritte zur energischen Verfolgung dieser mittelalterlichen Zustände eingeleitet."    
 
Oppenheim CV-Ztg 28091928.jpg (236384 Byte)Artikel in der CV-Zeitung (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 28. September 1928: 
Unter der Überschrift "Schwere nationalsozialistische Ausschreitungen in Oppenheim" großenteils derselbe Beitrag wie in der Zeitschrift "Der Israelit" siehe oben.  

        
        
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Bürgermeister F. Eberstadt von Worms wird in die erste Kammer (sc. des hessischen Landtages) gewählt (1850)       

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 18. Januar 1850: "Oppenheim. Hier wurde Bürgermeister F. Eberstadt von Worms in die erste Kammer gewählt. Es ist dies der erste Jude, der in Hessen zur Kammer gewählt ward."     

   
Zum Tod des Gemeindevorstehers Sigmund Heller (1901)     
Anmerkung: Sigmund Heller stammte von "Tossefot Jomtow" ab, gemeint der bedeutende Talmudist und Rabbiner Jomtow Lipmann Heller (1579 in Wallerstein - 1654 in Krakau)         

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1901: "Oppenheim, 1. November (1901). Heute Nacht starb der langjährige Vorsteher der israelitischen Gemeinde Herr Sigmund Heller nach schwerem Leiden. Die hiesige Familie Heller stammt von Tosfoth Jomtob ab".   

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  
Nathan Schweizer sucht für sein Eisengeschäft einen Lehrling (1891) 

Oppenheim Israelit 25051891.jpg (17881 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1891: "Für mein Eisengeschäft suche ich einen Lehrling
Oppenheim am Rhein. Nathan Schweizer."

  
Lehrlingssuche des Schuhwaren-, Hut- und Mützengeschäftes von Joseph Loew (1901)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Lehrling gesucht. 
Für mein Schuhwaren, Hut- und Mützenlager suche per 1. Juli unter günstigen Bedingungen einen Lehrling mit guter Schulbildung aus anständiger Familie. Kost und Logis im hause. Dem Betreffenden ist Gelegenheit geboten, sich zu einem tüchtigen Kaufmann ausbilden zu können. 
Joseph Loew,
Oppenheim am Rhein."    

   
Simon Kahn sucht für sein Kurzwarengeschäft eine Mithilfe (1901 / 1903)

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901: "Suche per sofort für mein Kurz-, Woll- und Weißwarengeschäft ein Lehrmädchen. Schabbat und Feiertag geschlossen. 
Simon Kahn
, Oppenheim am Rhein."      
  
Oppenheim Israelit 05021903.jpg (42646 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1903: "Suche ein tüchtiges, akkurates Mädchen für Haushaltung, welches auch gleichzeitig in meinem Kurzwarengeschäft mithelfen kann. Samstags und Feiertage geschlossen sowie Familien-Anschluss. 
Simon Kahn, Oppenheim am Rhein."

     
Anzeige der Metzgerei und Wurstlerei Moritz Koch (1904) 

Oppenheim Israelit 04021904.jpg (37051 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1904: "Suche für meine Metzgerei und Wurstlerei per 1. Mai einen Lehrjungen jüdischer Konfession aus achtbarer Familie. 
Moritz Koch, Metzger. Oppenheim am Rhein."    

         

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Oppenheim geboren sind
 
 Oppenheim KK MZ Loeb Johanna.jpg (81669 Byte) Oppenheim KK MZ Loeb Kurt.jpg (98569 Byte)   Oppenheim KK MZ Loeb Robert.jpg (92688 Byte)
  KK (Mainz 1939) für Johanna Loeb geb. Bockmann
 
(geb. 21. Januar 1883 in Oppenheim), wohnhaft in
 Oppenheim und Mainz, am 25. März 1942 
deportiert ab Mainz - Darmstadt in das 
Ghetto Piaski, umgekommen  
KK (Mainz 1939) für Kurt Loeb 
(geb. 25. Dezember 1910 in Oppenheim), 
Kaufmann  
  
    
KK (Mainz 1939) für Robert Loeb (geb. 26. 
Februar 1907 in Oppenheim), Kaufmann, 
wohnhaft in Oppenheim und Mainz, am 25. 
März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in 
das Ghetto Piaski, umgekommen   
       
  Oppenheim KK MZ Mayer Albert.jpg (87628 Byte) Oppenheim KK MZ Meyer Albert 02.jpg (98720 Byte) Oppenheim KK MZ Seligmann Julius.jpg (90982 Byte)
  KK (Mainz 1939) für Albert Mayer 
(geb. 6. April 1879 in Oppenheim), Kaufmann 
   
    
     
KK (Mainz-Land 1939) für Albert Meyer 
(geb. 28. Dezember 1867 in Oppenheim) 
  
  
    
 KK (Mainz 1939), für Julius Emil Seligmann 
(geb. 18. Februar 1866 in Oppenheim), wohnhaft 
in Oppenheim und Mainz, am 27. September 1942
 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt,
 wo er am 17. Dezember 1942 umgekommen ist 
       
  Oppenheim KK MZ Wolf Markus.jpg (90551 Byte) Oppenheim KK MZ Wolf Siegfried.jpg (94122 Byte)  
  KK (Mainz 1939) für Markus Wolf 
(geb. 9. April 1870 in Oppenheim) 
   
   
   
     
 KK (Mainz 1939) für Siegfried Wolf 
(geb. 24. Juni 1874 in Oppenheim), Kaufmann,
 wohnhaft in Mainz und Oppenheim, am 27. 
September 1942 deportiert ab Darmstadt in 
das Ghetto Theresienstadt, wo er am 
14. Februar 1943 umgekommen ist.  
 

         
         
Nach der Deportation / Emigration  
Anzeigen in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Aufbau"  
 

Schwer Lit 010.jpg (43519 Byte)Hinweis auf die Publikation
Edgar Schwer: Was ist aus ihnen geworden? Spurensuche nach jüdischen Mitbürgern in der Exilzeitschrift AUFBAU 1940 - 1950
Familienanzeigen das linksrheinische Rheinland-Pfalz und das Saarland betreffend. Verein für Heimatkunde Nonnweiler e.V.          
Anzeigen - Oppenheim betreffend - in der Zeitschrift "Aufbau" - nach der Zusammenstellung von Edgar Schwer; das angegebene Datum bezeichnet die jeweilige Ausgabe des "Aufbau"; die Zeitschrift ist online einsehbar [ab 2012: leider derzeit nicht mehr zugänglich!]: 
Oppenheim Aufbau 17041942.jpg (41790 Byte)Freitag, 17. April 1942: Anfang Februar entschlief in Mainz mein geliebter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel HUGO LOEB (früher Oppenheim / Rhein) im Alter von 60 Jahren.
In tiefer Trauer:
Johanna Loeb, geb. Bockmann, Mainz.
Curt Loeb u. Frau, 844 S. New Hampshire Ave. Los Angeles, Calif.
(LOEB Johanna, geb. Bockmann * 21. Januar 1883 in Oppenheim, wohnhaft in Mainz. Deportation: ab Mainz - Darmstadt am 25. März 1942 nach Piaski. Ghetto.)   
  
Oppenheim Aufbau 17081943.jpg (59574 Byte)Freitag, 13.August 1943: Unsere innigstgeliebte, herzensgute Frau und Mutter MARTHA BOCKMANN, geb. MANN (fr. Oppenheim am Rhein) ist am 28. Januar 1943 im Alter von 54 Jahren in Polen verschieden. In tiefer Trauer:
Arthur Bockmann, Polen.
Ruth Bockmann.
29-36 Parsons Blvd. Flushing, L.I. N.Y.
(BOCKMANN Martha, geb.Mann * 17.03.1888 in Worms-Pfiffligheim, wohnhaft in Oppenheim und Mainz. Deportiert ab Mainz-Darmstadt am 25.03.1942 nach Piaski, Ghetto.
BOCKMANN Arthur * 21. Januar 1892 in Oppenheim, wohnhaft in Oppenheim und Mainz. Inhaftierung: Osthofen, Konzentrationslager. Deportation: ab Mainz - Darmstadt am 25. März 1942 nach Piaski. Ghetto.)
 
  
Oppenheim Aufbau 28091945.jpg (38892 Byte)Freitag, 28. September 1945: Erst jetzt erhielten wir die traurige Nachricht, dass meine liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter MARIE HEITLINGER (früher Oppenheim a. Rh.) im Juli 1944 in Theresienstadt im 62.Lebensjahre verstorben ist.
Susanne Kahn, geb. Heitlinger.
David Kahn.
Herbert and Helen Kahn.
P.O. Box 7688 Johannesburg, South Africa . 
   
Oppenheim Aufbau 29041949.jpg (55623 Byte)Freitag, 29. April 1949: Am 18. April 1949 verschied in New Haven nach kurzer Krankheit meine innigstgeliebte Schwester, unsere gute Schwägerin und Tante FLORA SCHWEIZER, geb. ROSENTHAL (fr. Oppenheim-Mainz) im 76. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Siegfried und Flora Rosenthal, geb. Maier, Buenos Aires.
Martha Rosenthal, geb. Stern, Rishon Lezion.
Kurt und Anna Steeg, geb. Rosenthal, 103 York St., New Haven, Conn. 
 
Oppenheim Aufbau 06051949.jpg (39758 Byte) reitag, 6. Mai 1949: Für die vielen Beweise der Freundschaft anlässl. meines 70. Geburtstages danke ich herzlichst. ALBERT MAYER (früher Oppenheim / Rhein, Mainz).
703 Junior Terrace, Chicago 13, Ill.  
   
Oppenheim Aufbau 02121949.jpg (27041 Byte)Freitag, 2. Dezember 1949: Heute wurde mein lieber, guter Vater, Bruder, Schwiegervater und Onkel MORRIS GOLDMEIER (früher Oppenheim / Rhein, Wiesbaden) nach vollendetem 76. Lebensjahr von seinem langen Leiden erlöst.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Hedwig Stein, geb. Goldmeier.
1157 East 54th Street, Chicago 15, III.  
   
Oppenheim Aufbau 21041950.jpg (29944 Byte)Freitag, 21. April 1950: We happily announce the arrival of our son PETER JAMES on April 14, 1950 CARL and RUTH FREITAG. née BOCKMANN (f’ly Dannstadt - f’ly Oppenheim).
642 West 172nd Street, New York City .   

         
         
         
Zur Geschichte der Synagogen        
    
1. Synagoge: Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Dabei handelt es sich um das bis heute erhaltene Gebäude der "Rathofkapelle" in der Rathofstraße. Dieses Gebäude wurde 1394 an das Kloster Eberbach (im Rheingau) verkauft. Durch die Umwidmung und Umbenennung durch das Kloster geriet die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes vollkommen in Vergessenheit (vgl. die Arbeit von Dorothea Held im Oppenheimer Heft Nr. 21 2000 bzw. den Nachdruck in der Dokumentation Kap. 20 bei W. Kemp).  
  
Eine am "Gelben Haus" befindliche Portalinschrift wird mit der mittelalterlichen Synagoge in Verbindung gebracht. Ob die Portalinschrift allerdings von der Synagoge im Gebäude der "Rathofkapelle" stammt, ist nicht sicher. Der Text der Portalinschrift (Fragment, rechte Hälfte) von 1324 lautet:  

Oppenheim Synagoge ma201.jpg (50976 Byte)   ...der Fundamente
...- Haus der Kostbarkeiten
...Erheben der Ausgaben
...und das Volk der Freundschaft
...(ange)nehm und lieblich
...(um zu ret)ten die abgebrannten Balken
...(das Gesch)enk der Dame
...- prächtige Dinge
...gemäß meinem Stolz im Quaderstein, auch in den Maßen
...jeden Sabbath im Haus der Wohnung der Freundschaft
...(M)ontag, (im Jahre)85, als Fels errichtet, um zu danken
...(Re)guel für 24 tausend und mehr  
  

Nach dieser Inschrift wurde die Synagoge aus Spenden der Gemeindeglieder (vor allem durch Reguel) finanziert. 
    
Die mittelalterliche Synagoge, die spätere Kapelle des Klosters Eberbach, wurde in den letzten Jahren als Wein-Restaurant Rathofkapelle für Veranstaltungen und Feierlichkeiten genutzt.    
    
2. Synagoge: In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde (bis 1391) ein anderer Betsaal benutzt. Die Lokalisierung dieses Betsaales ist unklar. Eventuell kommt das "Gelbe Haus" an der Wormser Straße hierfür in Frage. 

3. Synagoge: 1523
wird wieder eine Synagoge (der "Juden schul") an unbekanntem Standort genannt.   
       
4. Synagoge: Ende des 17. Jahrhunderts / Anfang des 18. Jahrhunderts bis 1864 bestand eine Synagoge oder zumindest ein Betsaal in der Schlachthofgasse. Nach neuen Forschungen (mitgeteilt von Prof. Heribert Hamann vom 11.2.2014; Pressemitteilung in der "Allgemeinen Zeitung" vom 25.1.2014: "Alte Synagoge identifiziert") stand die Synagoge auf dem heutigen Grundstück Schlachthausgasse 7. Sie wurde wahrscheinlich einige Jahre nach der Stadtzerstörung 1689 an dieser Stelle erbaut und bis 1864 verwendet. Nach Schließung der Synagoge wurde sie zu einem bis heute stehenden Wohnhaus umgebaut.     
  
5. Synagoge:  Um 1860 plante die Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge. Dabei war für die nur 30 Familien der Gemeinde ein Hauptproblem, die Finanzierung zu ermöglichen. Der Stadtrat Oppenheims bewilligte eine großzügige Spende von 1.500 Gulden für den Neubau:  
    
Beitrag der Stadt zum Synagogenbau (1862)       

Oppenheim Israelit 10121862.jpg (105645 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1862: "Oppenheim am Rhein. Einen Akt nicht genug zu rühmender Humanität und Toleranz hat unser Stadtrat dadurch vollbracht, dass er dieser Tage zum Baue der jüdischen Synagoge einen Beitrag von 1.500 Gulden aus den Mitteln der Stadt bewilligte. Ehre und Ruhm den vorurteilsfreien, edlen Männern, welche den Geist wahrhafter Menschenliebe so großartig betätigen; wahrlich, unsere alte Stadt darf mit Stolz auf ihre Vertreter blicken. Auch dem Vorstande der israelitischen Gemeinde gebührt das Lob, die Sache angeregt und mit Ausdauer dieselbe zu Ende geführt zu haben. Es handelt sich hierbei weniger um die für unsere Verhältnisse allerdings bedeutende Gabe als um das schöne Prinzip der werktätigen Liebe und des konfessionellen Friedens, das hierbei zum Durchbruche gekommen ist.
Oppenheim am Rhein ist eine uralte israelitische Gemeinde; viel Unbill haben unsere Väter in den finsteren Tagen des Mittelalters daselbst erdulden müssen. Heil den Enkeln, welche die alte Schuld zu sühnen bemüht sind!"  
  
Oppenheim Israelit 24121862a.jpg (63931 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1862: "Oppenheim am Rhein. Der Beitrag des hiesigen Stadtrates zum Baue der Synagoge, von dem wir bereits Mitteilung gemacht haben, ist vom Großherzoglichen Kreisrate Herrn Schmidt sanktioniert worden; ein beweis, wie derselbe bemüht ist, bei allen Gelegenheiten ohne Unterschied des Glaubens Jedem mit Rat und Tat beizustehen."  

1864 konnte die jüdische Gemeinde Oppenheims eine neue Synagoge erstellen. Die feierliche Einweihung war am 19. und 20. August 1864:
   
Über die neue Synagoge in Oppenheim   

Oppenheim AZJ 21031865 S183.jpg (88817 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" von 21. März 1865: "Oppenheim, im Februar (1865). Der "Didaskalia" schreibt man von hier: Oppenheim, durch seine romantische herrliche Lage am Rhein, durch seinen vorzüglichen Wein, die alte Schlossruine "Landskrone", sowie die in rein gotischem Stile erbaute Katharinenkirche weit bekannt und daher alljährlich von Touristen stark besucht, hat in jüngster Zeit ein Kunstwerk erhalten, von dem nach Wissen des Einsenders in diesen Blättern bis jetzt keine Erwähnung geschehen ist. Es ist dies die von der nur 30 Familien zählenden israelitischen Gemeinde mit verhältnismäßig großen Opfern erbaute neue Synagoge. Der Bau, in gefälligem, dem mosaischen Ritus entsprechenden Stil unter Leitung des Kreisbauamts Oppenheim meisterhaft ausgeführt, reiht sich an die übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt würdig an und besonders ist es seine innere würdige Ausschmückung, welche einen erhebenden Eindruck auf den Besucher macht. Dieser Eindruck wurde bei dem Einsender, der einer gottesdienstlichen Handlung beiwohnte, noch wesentlich erhöht, als er statt des altherkömmlichen Gemeindegesanges vortrefflich eingeübte und ebenso ausgeführte Choralgesänge dortiger Männer und Jungfrauen unter Orgelbegleitung vortragen hörte. Mit dem schönen Bau selbst ist somit auch der darin stattfindende Gottesdienst in vollständiger Harmonie und verdient der in letzterer Beziehung betätigte Fortschritt dieser Gemeinde, von dem zeitigen Vorstand angebahnt und durchgeführt, alle Anerkennung. Auch verdient hier noch registriert zu werden, dass in echt religiöser Duldsamkeit einem christlichen Lehrer gestattet wurde, bei den gottesdienstlichen Handlungen Orgelspiel und Choralgesang zu leiten".  

1914 konnte das 50-jährige Bestehen der Synagoge begangen werden. Eine größere Feier wurde im August 1914 auf Grund des Ausbruches des Ersten Weltkrieges nicht abgehalten; man verschob sie auf die Zeit "nach Beendigung des Krieges".    

Oppenheim AZJ 14081914.jpg (90272 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. August 1914: "Oppenheim am Rhein, 7. August (1914). Zum 50-jährigen Jubiläum des Bestehens der Synagoge wird diese einer gründlichen Wiederherstellung unterzogen. Diese Arbeiten haben sich bedeutend umfangreicher erwiesen, als anfänglich angenommen wurde. Da gleichzeitig auch die Erweiterung des israelitischen Friedhofes mit einem Kostenaufwand von 3.000 Mark vorgenommen werden musste, so waren sehr bedeutende Mittel erforderlich. Nachdem aber nicht allein von den israelitischen Bürgern von Oppenheim, Dienheim und Nierstein, sondern auch von solchen, die mit der hiesigen israelitischen Gemeinde direkt oder indirekt in Verbindung stehen, namhafte Beträge gestiftet wurden, sind jetzt die gesamten Mittel aufgebracht. Das Jubiläum der Synagoge wird nach Beendigung des Krieges mit einer entsprechenden Feier begangen werden."   

Die Synagoge in Oppenheim diente der jüdischen Gemeinde als religiöses Zentrum bis zu ihrer Zerstörung beim Novemberpogrom 1938. Dabei brannte die Synagoge völlig aus. Nach der Pogromnacht wurde die Ruine abgebrochen und an ihrer Stelle ein Luftschutzkeller gebaut. 
  
  
Adressen/Standorte der Synagogen
  
Die mittelalterliche Synagoge war die spätere Rathofkapelle in der Rathofstraße; die Barocksynagoge (von der Zeit um 1800 bis 1864) stand auf dem Grundstück Schlachthofgasse 7; die Synagoge von 1864 stand in der Rathofstraße/Ecke Kirchgasse 19.
Die beiden anderen Synagogen (2. und 3. Synagoge, vgl. Text oben) sind bislang nicht genau lokalisierbar
.    

  
  
Fotos:  

Die mittelalterliche Synagoge (spätere Rathofkapelle. jetzt Wein-Restaurant)     
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Außenansichten der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge, 
später Rathofkapelle (Quelle des Fotos links; Quelle des Fotos rechts)  
Innenansicht, links der Mitte der Bereich
 des ehemaligen Toraschreines (Quelle)
     
Weitere Spuren der mittelalterlichen Synagoge
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 29.3.2005) 
   
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Das "gelbe Haus" an der Wormser Straße mit dem Fragment der  
Portalinschrift der Synagoge von 1324 (Übersetzung siehe oben) 
         
Die Synagoge von 1864, zerstört 1938
(Quelle: Synagogengedenkbuch Rheinland-Pfalz S. 306)
  
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Stadtansicht Oppenheims mit Synagoge
 (unterhalb der Mitte)
Ausschnitt 
aus der Stadtansicht
Innenansicht - 
Blick zum Toraschein
     
Rechts: die evangelische Kirche in 
Gau-Weinheim, ein "architektonischer Zwilling" der 
Synagoge Oppenheim
(vgl. Presseartikel 
unten vom Oktober 2014) 
Gau-Weinheim Kirche 120.jpg (65765 Byte)   
  Das obige Foto in hoher Auflösung   

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Oktober 2008: Verlegung von Stolpersteinen in Oppenheim am 2. Oktober 2008  
Beitrag in der Website der Stadt Oppenheim zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Oppenheim: "OPPENHEIM Mit der Verlegung der ersten sieben von bisher insgesamt 31 sogenannten 'Stolpersteinen' setzte die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig ein greifbares Symbol gegen das Vergessen um die Gräueltaten des NS-Regimes gegen Oppenheimer Bürger jüdischer Herkunft. Auf Initiative von Johanna Stein, Lehrerin an der Landskronschule, und ihrer Schüler, die das Dritte Reich und die Oppenheimer Geschichte thematisierten, war vor gut fünf Jahren zunächst der sprichwörtliche und dann der buchstäbliche Stein ins Rollen geraten. 'Natürlich haben wir uns als Stadt und alle Ratsfraktionen parteiübergreifend für die Verlegung aller Steine ausgesprochen. Das wird auch geschehen, wenn sich nicht für jeden Stein ein Pate gefunden werden sollte', ist der Erste Beigeordnete der Stadt, Jörg Steinheimer, überzeugt von der Wirkungskraft der rund 95 Euro teuren Einzelkunstwerke, die alle von Hand hergestellt und verlegt sind. 'Man stolpert nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf und dem Herzen. Denn wenn man auf die Steine blicken möchte, dann muss man zwangsläufig das Haupt senken', erklärt Gunter Demnig, der die 'Stolpersteine' bereits seit dem Jahr 2000 in vielen deutschen und europäischen Städten in die Straßen und das Bewusstsein tausender Menschen bringen konnte. So ist auf den pflastersteingroßen Betonwürfeln eine Messingplatte angebracht, die vor dem ehemaligen Wohnsitz der Deportierten Auskunft über den Namen, das Geburtsdatum, das Datum der Deportation, den Ort der Verbringung und über das Schicksal Des- oder Derjenigen. 'Das Gedenken und der Kampf gegen das Vergessen beginnt bei jedem Einzelnen im persönlichen Bewusstsein. Zur Schärfung eben jenes Bewusstseins sind die Steine in unseren Augen eine ausdrucksstarke Bereicherung für alle Oppenheimer', ist sich Steinheimer sicher. 
Ingesamt wurden in der Friedrich-Ebert-Straße 70, der Kirchgasse 19 und der Krämerstraße 18 sieben Stolpersteine verlegt, weitere 24 sollen folgen. Eine Steigerung der Zahl sei nicht ausgeschlossen, da auch weiterhin immer neue Informationen über die Zeit Oppenheims während des Dritten Reichs gefunden würden, so Wolfgang Kemp, ehemaliger Lehrer am Gymnasium St. Katharinen und Experte für die jüdische Geschichte der Wein- und Festspielstadt."  
 
August 2009: Präsentation der Dokumentation von Wolfgang Kemp       
Oppenheim Ged Lit 010.jpg (46532 Byte)Artikel aus den Pressemitteilungen der Stadt Oppenheim (Quelle): "Buchpräsentation im Rathaus 
Nach gut 20 Jahren hat Autor und Lehrer Wolfgang Kemp mit seinem Buch 'Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933 – 1945' ein echtes Mammutprojekt zu Papier und interessierten Lesern zu Gesicht gebracht. Nun präsentierte der Zornheimer sein Werk gemeinsam mit Stadtbürgermeister Marcus Held im Oppenheimer Rathaus. Das 358 Seiten starke Werk dient dem vereinfachten und komprimierten Zugriff auf eine Reihe von Veröffentlichungen, wie Aufsätze und Artikel, Tabellen und Daten, die so dem geneigten Leser in einem Buch, interessant, informativ und gut lesbar präsentiert werden. 'Somit ist die `Dokumentation´ zu einem Sammelband geworden. Im Kern ist sie aber geblieben, was sie von Anfang an war: ein Lese- und Arbeitsbuch zugleich', erklärt Kemp in seinem Vorwort. So bilden Briefe, Berichte über Begegnungen, Vorträge, Verhörprotokolle oder Reden zur Thematik die Abrundung für einen schnellen Zugriff und die Lust auf weitere Fragen und weiteres Forschen. Bekannte Stichworte wie etwa die Kornsand-Verbrechen, die Dolgesheimer Morde oder der Verbleib zahlreicher Oppenheimer Juden nach der Reichspogromnacht regen zum Lesen, Nachdenken und Reflektieren an. 'Aus einer Ursprungsidee ist nun viel mehr als erwartet entstanden. Die bisherigen Versuche von Herrn Kemp zu veröffentlichen sind immer an den Kosten gescheitert. Daher lag es mir besonders am Herzen, Erinnerungen und Informationen zu bewahren und in gedruckter Form allen Menschen und natürlich den Oppenheimern in der ganzen Welt zugänglich zu machen. Bei der Lektüre des Buches fühlt man sich sehr anschaulich und bildhaft in jene Zeit zurückversetzt', kommentiert Stadtchef Marcus Held das Werk, für das laut dem Autor selbst, bereits ein zweiter Band geplant ist. 'Besonders dankbar bin ich Frau Vaas vom Oppenheimer dm-Markt, die mit der Verdopplung des Wetteinsatzes zu alljährlichen Weihnachtswette mit Marcus Held, die Finanzierung der Veröffentlichung erst ermöglicht hat', freute sich Kemp. 
Wolfgang Kemp: Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933 – 1945. 358 Seiten mit zahlreichen schwarzweiß Abbildungen, gebunden. 
ISBN 978-3-87854-221-6. 25,00 €  Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte, Alzey." 
 
Januar 2012: Privatmann in der "Judenschulgasse" hält an NS-Bezeichnung "An der Schützenhütte" fest    
Zu einer kuriosen Situation führte die Rückbenennung der bis in die 1930er-Jahre sogenannten "Judenschulgasse" (bzw. "Auf der Judenschule" oder "Judenschule") durch den Gemeinderat Oppenheims. Ein Privatmann stellte neben dem nun offiziellen Straßenschild "Judenschulgasse" auf seinem Privatgrundstück ein Schild mit der aus der NS-Zeit stammenden Straßenbezeichnung "An der Schützenhütte" auf.  
 Oppenheim PA  AZ 18012012.jpg (340043 Byte) Oppenheim PA  AZ 18012012a.jpg (87228 Byte) Oppenheim PA  AZ 18012012b.jpg (306439 Byte)
Oben: Presseartikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 18. und 20. Januar 2012. Direkte Links zu den Artikeln in der "Allgemeinen Zeitung":  
Oppenheim: Straßenschild mit Nazi-Bezeichnung darf bleiben (Allgemeine Zeitung, 20.01.2012)  
Namens-Streit in Oppenheim: Bewohner der Judenschulgasse hält an Nazi-Bezeichnung "Schützenhütte" fest (Allgemeine Zeitung, 18.01.2012)
 
   
Juli 2012: Die nächste "Stolpersteine"-Verlegung in Oppenheim ist für Oktober 2012 geplant    
Neue Stolpersteine (Allgemeine Zeitung, 17.07.2012) 
  
Januar 2014: Rundgang auf den Spuren jüdischen Lebens zum Holocaust-Gedenktag  
Auf den Spuren jüdischen Lebens: Rundgang durch Oppenheim am Holocaust-Gedenktag führt über Stolpersteine zum Friedhof (Allgemeine Zeitung, 28.01.2014) 

    
150. Jahrestag der Einweihung der 5. Synagoge  

August 2014: Vortrag zum 150. Jahrestag der Einweihung der Synagoge von 1864  
Zum 150. Jahrestag der Einweihung der 1938 zerstörten Synagoge in Oppenheim am 19./20. August 1864 hielt 
Prof. Dipl.-Ing. Heribert Hamann
(Oppenheim / FH Mainz, University of Applied Sciences) 
einen Vortrag über "Die 5. Synagoge zu Oppenheim - Baugestalt und Geschichte". 
Termin des Vortrages: 20. August 2014 
Ort: Casino des Hotels Merian (Wormser Straße 2 in Oppenheim).    
 
Gau-Weinheim Kirche 120.jpg (65765 Byte)Oktober 2014: Die Kirche in Gau-Weinheim erinnert von ihrer Architektur her an die Synagoge in Oppenheim  
(Foto links: die evangelische Kirche in Gau-Weinheim, Quelle: Evangelische Kirchengemeine Gau-Weinheim, weitere Fotos: http://gau-weinheimevangelisch.de/ueber-uns/unsere-kirche/)   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 30. Oktober 2014: "Ein architektonischer Zwilling 
KIRCHENJUBILÄUM Das Gau-Weinheimer Gotteshaus beruht auf Plänen, die auch der Fünften Synagoge von Oppenheim zugrunde lagen

GAU-WEINHEIM - (red). Zeitgleich mit dem Erntedankfest feierte die evangelische Kirchengemeinde in Gau-Weinheim das 150-jährige Jubiläum ihrer Kirche, die im Jahr 1864 ihrer Bestimmung übergeben worden ist. 'Seitdem haben sich immer wieder Menschen aufgemacht zu diesem Gotteshaus, um hier Gott die Ehre zu geben und sich vom Heiligen Geist auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit locken zu lassen', blickte Pfarrer Ulrich Weisgerber in seiner Predigt zurück. In einem Gotteshaus dürften Fragen nach der Lebensorientierung ebenso blühen wie die Dankbarkeit und die Horizonterweiterung, so der Pfarrer weiter..."  
Ein architektonischer Zwilling (Allgemeine Zeitung, 30.10.2014) 

       
         

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Oppenheim am Rhein  
Seite zum jüdischen Friedhof Oppenheim (interner Link) 
Website des Weingutes Dahlem mit Seite zum Wein-Restaurant Rathofkapelle (ehemalige mittelalterliche Synagoge)   

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 629-632, III,2 S. 1068-1076. 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. II S. 180-187. 
Wolfgang Kemp, Annika Jeremies und Michael Gluch: Begegnung mit Oppenheimer Juden. In Beiträge zur Jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz (Vorgänger von SACHOR) 2. Jahrgang 1992 Heft 1 S. 25-28. Online zugänglich (pdf-Datei).   
Wolfgang Kemp: 50 Jahre Wiederkehr der 'Reichskristallnacht' vom 9. November 1938: Dokumentation der Oppenheimer und Niersteiner Juden. In: Beiträge zur Jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz (Vorgänger von SACHOR) 2. Jahrgang 1992 Heft 1 S. 4-24. 
Online zugänglich
(pdf-Datei). 
Wolfgang Kemp: Begegnung mit einer Oppenheimer Jüdin in Jerusalem. Mit den Enkelkindern im "Tal der Gemeinden". In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 8. Jahrgang Ausgabe 1/1998 Heft Nr. 15. S. 49-51. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). 
Zusätzlich eingestellt: Karin Dengler: Das Tal der Gemeinden. Ebd. S. 51-52.   
Dorothea Held: Die Rathofkapelle in Oppenheim. In: Oppenheimer Hefte 21. 2000.   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 305-306 (mit weiteren Literaturangaben). 
Oppenheim Lit 020.jpg (104578 Byte)Wolfgang Kemp: Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933-1945. Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey 2009. 
ISBN 978-3-87854-221-6.  25 €.  
ders.: Jüdische Schüler auf der Oberrealschule in Oppenheim. Erstellt für die Festschrift "450 Jahre Gymnasium zu St. Katharinen in Oppenheim - 1561-2011". 2011. Online-Version eingestellt als pdf-Datei.  
Hinweis: dieser Beitrag handelt in seinem ersten Teil vor allem von Lehrer Heinrich Schiff, der von 1891 bis 1930 als israelitischer Religionslehrer an der Oberrealschule in Oppenheim tätig war.     

      
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.    

Oppenheim. In the 13th century, local Jews were part of the group headed by R. Meir ben Barukh (the "Maharam") of Rothenburg that tried to reach Eretz Israel (1286). Many preferred martyrdom to forced conversion during the Black Death persecutions of 1348-49. The large number of Jewish families retaining Oppenheim or Oppenheimer etc., as their surname indicates the medieval community's importance. 
Around 1720, a new community was established. It grew prosperous, embraced Liberal Judaism (installing an organ and a mixed choir in the synagogue), and numbered 257 (about 8 % of the total) in 1871. A sudden outbreak of Nazi violence on Yom Kippur eve in 1928 provided a foretaste of Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was destroyed. By then, 25 of the remaining Jews had left; three others survived the Holocaust. 
    
     

                   
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Stand: 15. Januar 2016