Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ockenheim (Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)            
    
In Ockenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. In einem 1661 angelegten Kataster über die Grundbesitzer am Ort wurden als am Ort lebende Juden Hans Jakob Behr und Nicolaß Khan genannt. 1710 lebten vier jüdische Familien mit zusammen 21 Personen am Ort. Mehrere hatte den Namen Wolf. 1742 werden mehrere Juden als Besitzer von Wohnhäusern aufgeführt: Jud Bär hatte ein Haus in der heutigen Burgstraße (damals Vollrathsgasse), Isaak Michel ein Haus in der heutigen Bahnhofstraße (damals Langgasse); das Haus des Juden Seligmann musste damals wegen Überschuldung versteigert werden.  Um 1750 bildeten sie eine eigenständige Synagogengemeinde. 
    
1808 werden anlässlich der Annahme fester Familiennamen folgende jüdische Familien/Einwohner in Ockenheim und Dromersheim genannt: Familie Isack: Raphael, Magdalaine geb. Ledeman sowie die Kinder Jacques und Herrmann; Familie Nathan: Moises, Sabine geb. Heymann sowie die Kinder Regina, Rosine, Charles, Salome (geb. in Dromersheim), Jacques (geb. in Dromersheim), Josef (geb. in Dromersheim); Familie Haymann (alle aus Dromersheim): Samuel, Regina geb. Mayer, David, Emanuel, Rosine, Martin; Familie Mayer (aus Dromersheim): Jacques, Judith geb. Wolf, Regina; alleinstehend Rosina Nathan geb. Nathan; Familie Marcks: Jacque Marcks, Hellene Marcks, Elisa Marcks, Johanna Marcks; Familie Hertz: Clerissa geb. Raphael, Josef, Caroline; alleinstehend Moses Benedikt; Familie Wolf: Abraham, Augetta geb. Seligmann, Jaques, Jacqimin; Familie Baehr: Joseph, Hellena geb. Wolf, Regine, Simeon, Claire (die drei Kinder sind in Wellmich bei St. Goarshausen geboren, wohin die Familie vermutlich verzogen ist).
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 sieben jüdische Familien, 1828 44 jüdische Einwohner, 1861 40 (3,9 % von insgesamt 1.025 Einwohnern), 1871 53, 1880 48 (4,3 % von 1.114), 1895 57, 1910 37 (2,9 % von 1.265).
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Religionsschule (um 1870 eine Elementarschule?, vgl. Ausschreibung der Stelle von 1870 unten), ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden aufn dem jüdischen Friedhof in Gau-Algesheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung von 1870 unten). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat in Bingen
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Otto Wolf, Siegfried Wolf, Josef Wolf.
   
Um 1924, als noch 32 jüdische Einwohner gezählt wurden (2,4 % von insgesamt 1.328 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Moritz Nathan, Karl Herz und Jakob Wolf. Auch 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde die drei genannten Herren. Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch drei schulpflichtige jüdische Kinder Religionsunterricht. Jüdischen Familien gehörten mehrere Handelsgeschäfte und Läden (Viehhandlung, Metzgerei, Schuhhandel, Wein-, Kolonialwaren- und Kohlenhandlung; vgl. unten einige Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe).      
    
Nach 1933 sind die jüdischen Gemeindeglieder (1933: 29 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert, sodass bereits im September 1938 kein jüdischer Einwohner mehr gezählt wurde. Die letzte jüdische Familie, die Ockenheim verließ und nach Amerika emigrieren konnte, war die Familie Wolf, die in der Mainzer Straße einen Gemischtwarenhandel innehatte. 
    
Von den in Ockenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem, ergänzt durch Angaben bei Erich Hinkel s.Lit.): Gertrud Bach geb. Herz (1890), Johanna Feist geb. Herz (1871), Elise Grünebaum geb. Raphael (1881), Lore Gertrude Herz (1924), Hermann Herz (1857), Johann Herz (1900), Johanna Herz geb. Feist (1871), Karl Herz (1861), Martha Herz geb. Sender (), Mathilde Herz (1894), Rudolf Herz (1900), August Lazarus (1871), Ella Mayer geb. Cahn (1883), Ida Mayer geb. Wolf (1883), Max (Marx) Mayer (1886), Rosa Mayer (1880), Clara Nathan (1872), Moritz Nathan (1861), Juliane Rosam geb. Nathan (1874), Bertha Sichel geb. Wolf (1866), Isaak Strauß (1868), Mathilde Tuteur geb. Herz (1894), Moses Eduard Tuteur (1881), Arthur Wolf (1893), Benjamin (Paul Benjamin) Wolf (1865), Ernst S. Wolf (1895), Günter Wolf (1929), Hilde Wolf (), Inge Wolf (1923), Isidor Wolf (1869), Jenny Wolf geb. Forst (1893), Leonhard Wolf (1872), Ludwig Wolf (1864), Paulina (Paula) Wolf (1888), Salomon Wolf (1875), Selma Wolf (1884), Siegfried Werner Wolf (1926), Wilhelm Wolf (1896).       
        
Am Volkstrauertag 1995 (19. November 1995) wurde in Anwesenheit einer ehemaligen jüdischen Mitbürgerin eine Gedenkplatte am Ehrenmal der Ortsgemeinde zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde angebracht. Die Inschrift lautet: "Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns geschaffen? Maleachi 2,10. Wir gedenken unserer Mitbürger jüdischen Glaubens, sowie allen Opfern des Nationalsozialismus in Ehrfurcht" (mehr dazu mit Fotos siehe unten). 
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Elementar- und Religionslehrers / Vorbeters / Schächters 1870
Anmerkung: auffallend ist die Ausschreibung nicht nur für einen Religions-, sondern auch für einen Elementarlehrer. Möglicherweise bestand in Ockenheim um 1870 einige Jahre eine israelitische Elementarschule (Konfessionsschule).

Ockenheim Israelit 13041870.jpg (31156 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1870: "In der israelitischen Gemeinde zu Ockenheim bei Bingen ist die Stelle eines Elementar- und Religionslehrers, der zugleich als Vorsänger und Schächter fungiert, zu besetzen. Fixer Gehalt 300 Gulden, Nebeneinkünfte ca. 100 Gulden. - Bewerber wollen sich melden beim Vorstande Leopold Herz."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum 100. Geburtstag von Michael Wolf (1920)   

Ockenheim Israelit 09121920.jpg (108539 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Dezember 1920: "Ein Hundertjähriger. Herr Michael Wolf, früher wohnhaft in Ockenheim, Rheinhessen, jetzt bei seiner ältesten verheirateten Tochter in Waldbreitbach bei Neuwied am Rhein, vollendet am 16. Dezember sein hundertstes Lebensjahr. Er ist körperlich und geistig noch sehr frisch und rüstig und hegt für alles noch sehr reges Interesse."  
  
Waldbreitbach AZJ 07011921.jpg (61619 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Januar 1921: "Herr Michael Wolf in Waldbreitbach bei Neuwied am Rhein feierte am 16. Dezember in vollster Geistesfrische und in körperlicher Rüstigkeit seinen 100. Geburtstag. Ein Zeichen seiner Gesundheit ist, dass er bei günstigem Wetter noch regelmäßig die Synagoge besucht. Auch in diesem Jahre hat Herr Wolf am Jom Kippur gefastet. Der Jubilar ist am 16. Dezember 1820 zu Ockenheim (Rheinhessen) geboren. An seinem Geburtstage war er von vier Kindern, elf Enkeln und zwei Urenkeln umgeben." 

  
Zur Goldenen Hochzeit von Abraham Wolf und Henriette geb. Sommer (1913)    
(Foto der Goldenen Hochzeit aus der Publikation von E. Hinkel s. Lit. S. 26) 

Ockenheim FrfIsrFambl 31121913.jpg (181034 Byte)Ockenheim GoHo 01.jpg (58881 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Dezember 1913: "Ockenheim (Rheinhessen). Am 25. Dezember feierten die Eheleute Abraham und Henriette Wolf geb. Sommer in voller geistiger und körperlicher Frische das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Um 10 Uhr fand in der kleinen geschmückten Synagoge Festgottesdienst statt, wobei Rabbiner Dr. Appel von Bingen in seiner Festrede die Tugenden des Jubelpaares hervorhob, das vor fünfzig Jahren ein jüdisches Haus begründete, das bis heute noch besteht, ihr großer Gleiß, ihre Pflichttreue gegen Gott und Menschen und vor allem die Erziehung ihrer 8 Kinder zu tüchtigen Menschen. Zum Schlusse seiner Rede überreichte der Rabbiner das Bild seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen mit eigenhändiger Unterschrift, eine Widmung für das goldene Ehepaar. 
Dann erschienen der Bürgermeister und der Gemeinderat, um in schlichten aber herzlichen Worten zu gratulieren, indem sie das Jubelpaar als bestes Gemeindemitglied bezeichneten. Der katholische Geistliche begann seine Glückwünsche mit den Worten: 'Wie schön sind deine Zelte, o Israel, wie herrlich deine Wohnung o Jakob' und betonte das harmonische Zusammenleben von Christen und Juden.  
Daran reihte sich ein Festessen, das durch schöne Reden, Tischlieder und sinnige Darbietungen der vielen Enkel gewürzt war und bei dem mehr als 150 Depeschen zur Vorlesung kamen; um 4 Uhr begann eine Pause, da man in corpore zur Synagoge ging, wo nach dem Abendgebet die Chanukkalichter entzündet wurden, und wohl noch niemals wurde in der kleinen Synagoge das Festlied 'Moaus zur joschuosi' so begeistert gesungen, als an diesem Abend. 
Um 7 Uhr erschienen die verschiedenen Vereine des Ortes, Gesang-, Turn- und Kriegervereine mit Fahnen, Musik und Lampions vor dem Festsaal; die Musik spielte schöne Weisen, herrliche Lieder ertönten, und einer der Vorsitzenden brachte in begeisterten Worten dem Jubelpaare ein donnerndes Hoch, in der die große Menge und die Musik jubelnd einstimmten. Ein Sohn der Gefeierten dankte in bewegten Worten. Als dann fröhliche Walzerweisen klangen, drehte sich die Jubilarin mit diesem Sohn kerzengerade im Takt; so gestaltete sich das schöne Familienfest zu einem wahren Volksfest."   

     
Gruß des Großherzogs zur Goldenen Hochzeit von Abraham Wolf und Henriette geb. Sommer (1914)         

Artikel in der Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Januar 1914: "Der Großherzog von Hessen hat den Eheleuten Abraham Wolf in Ockenheim aus Anlass ihrer am Jahresschluss abgehaltenen goldenen Hochzeit sein Bild in goldenem Kranz mit Unterschrift überreichen lassen."       

    
Ernst Wolf erhält das Eiserne Kreuz (1916)  

Ockenheim FrfIsrFambl 27101916.jpg (13337 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober 1916: "Ockenheim (Rheinhessen). Musketier Ernst Wolf ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden."   

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen 
(aus der Darstellung von Erich Hinkel s.Lit.) 

Ockenheim Anzeige 01.jpg (69134 Byte) Ockenheim Anzeige 02.jpg (74178 Byte) Ockenheim Anzeige 03.jpg (65923 Byte) Ockenheim Anzeige 04.jpg (53786 Byte)
Manufaktur- und Modewaren-
geschäft Moritz Nathan 
  
Zucht-, Milch- und Fettvieh- 
Handlung A. Wolf Söhne 
   
Holz-, Kohlen- und
 Baumaterialienhandlung 
B. Wolf II.
Manufaktur- und Modewaren 
usw.,  Weinmakler 
Siegmund Wolf

         
Anzeige von Jacob Wolf (1904)  

Ockenheim Israelit 01021904.jpg (33815 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1904: "Suche für meine 16-jährige Tochter Stelle im Haushalt, ebenso Lehrstelle für meinen 14-jährigen Sohn in einem Manufakturwaren-Geschäft. 
Jacob Wolf, Ockenheim bei Bingen."  

      

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Ockenheim 
geborenen Benjamin Wolf
 
 Ockenheim KK MZ Wolf Benjamin.jpg (95380 Byte)    
  Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Benjamin Wolf (geb. 25. November 1865 in Ockenheim), 
wohnhaft in Wiesbaden und Mainz, am 27. September 1942 deportiert ab Darmstadt in das 
Ghetto Theresienstadt, wo er am 3. Dezember 1942 umgekommen ist     
 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge     
                 
    
Zunächst (18. Jahrhundert) war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 

Eine Synagoge wurde auf dem Grundstück in der heutigen Bahnhofstraße nach dem Brandkataster 1835 errichtet, wobei es sich zunächst um ein einstöckiges Gebäude gehandelt hat. 1883 wurde dieses Gebäude neu gebaut oder zumindest aufgestockt, dabei eine Frauenempore eingebaut und das Gebäude insgesamt verändert (Fassade). Charakteristisch sind die das Gebäude seitdem prägenden orientalisierenden Elemente (Türe, Fenster, Innenbemalung). 

Bis zum Verkauf des Gebäudes 1935 war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Ockenheim (ein bewegender Bericht vom religiösen Leben in der Synagoge siehe oben den Bericht zur Goldenen Hochzeit von Ehepaar Abraham Wolf und Henriette geb. Sommer, zugleich am Chanukkafest). 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurden nach einem Bericht die Fenster der Synagoge eingeworfen, nach anderen Berichten ging die Pogromnacht ohne Spuren in Ockenheim vorbei. Ob das Synagogengebäude bereits zu diesem Zeitpunkt anders genutzt wurde (als Lagerschuppen), ist nicht mehr bekannt. Nach Angaben des Besitzer geht die Umnutzung auf 1939 zurück.
  
Das Gebäude wird derzeit (Stand 2007) als Lager genutzt. Renovierungsmaßnahmen wären dringend nötig (u.a. stark verwitterte Sandsteinumrandungen der Fenster). Die Gemeinde Ockenheim hat zwar - unterstützt von der deutsch-israelischen Gesellschaft und der Mainzer jüdischen Gemeinde - immer wieder Interesse an einem Kauf des Gebäudes und einer sinnvolleren Nutzung geäußert, doch scheiterte der Kauf am Widerstand des Besitzers. Letzterer hatte Ende der 1980er-Jahre bereits den Abriss des Gebäudes beantragt, der jedoch verhindert werden konnte, zumal das Gebäude seit 1991 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Im Inneren sind Reste der Ausmalung erhalten. 
  
Erich Hinkel s.Lit. S. 66: "Die Ockenheimer Synagoge stirbt aus mangelndem Gespür für die Bedeutung dieses Kunstwerkes und das Zeugnis der Ockenheimer Geschichte in ihrer Schönheit leise aber qualvoll".    
    
    
Adresse/Standort der SynagogeBahnhofstraße 27
    
    
Fotos
(Foto links aus Arnsberg Bilder S. 157; Mitte und rechts: Landesamt S. 300)   

Die ehemalige Synagoge nach 1945     
Ockenheim Synagoge 010.jpg (46956 Byte) Ockenheim Synagoge 110.jpg (79975 Byte) Ockenheim Synagoge 111.jpg (68296 Byte)
Foto um 1970  Fotos von 2004 
      
     
Die ehemalige Synagoge 2008 
(Fotos: Dorothee Lottmann-Kaeseler)
Ockenheim Synagoge 290.jpg (64801 Byte) Ockenheim Synagoge 291.jpg (101795 Byte)
  Rückseite des 
Synagogengebäudes 
Vorderseite mit den für die Ockenheimer
 Synagoge charakteristischen 
neu-orientalischen Stilelementen 
   
      
     
       
Hinweistafeln zur jüdischen Geschichte in Gau-Algesheim und Ockenheim,
 angebracht am jüdischen Friedhof Gau-Algesheim im November 2008
(Vorlagen erhalten von Dorothee Lottmann-Kaeseler, auf Grund der Dateigröße bitte 
etwas längere Ladezeit beachten!) 
 
Gau-Algesheim Synagoge T01.jpg (228936 Byte) Gau-Algesheim Friedhof T01.jpg (234608 Byte) Gau-Algesheim Namen T01.jpg (177589 Byte)
Tafel zur Geschichte der jüdischen 
Gemeinde und der Synagoge
Tafel zur Geschichte 
des Friedhofes 
Tafel mit den Namen der ermordeten Juden 
aus Gau-Algesheim und Ockenheim

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
    
Problematisches Gedenken im Zusammenhang mit dem Kriegerdenkmal   

Das Kriegerdenkmal in Ockenheim - verbunden mit dem Gedenken für die ehemaligen jüdischen Einwohnern Ockenheims
  
Zur Geschichte des Denkmals: Das erste Kriegerdenkmal wurde 1905 in Ockenheim mit Spenden errichtet und eingeweiht. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg sammelten die Ockenheimer für die Errichtung eines zweiten Kriegerdenkmales, nachdem 35 Ockenheimer Männer im Krieg gefallen waren (darunter die jüdischen Männer Otto Wolf, Siegfried Wolf und Josef Wolf). Allerdings kam es zunächst nicht zur Errichtung des geplanten Denkmals. Nach 1933 ging ein Ausschuss daran, den fallengelassenen Plan wiederaufzunehmen und Geld zu sammeln. Man beauftragte zwei Künstler mit der Erstellung von Entwürfen: Herr Hofmann aus Mainz und Peter Dienstdorf aus Wiesbaden. Letzterer bekam den Auftrag und bereits am 3. Februar 1934 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung zur Bau eines Denkmales - in der Mitte eine martialische Figur "Georg zu Pferde". Am 1. September 1935 konnte das neue Ehrenmal eingeweiht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fügte man Tafeln mit den Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges hinzu. 
Am Volkstrauertag 1995 wurde die Tafel mit dem namenlosen Erinnern an die "Mitbürger jüdischen Glaubens" ergänzt.  
    
Ockenheim Gedenkstaette 010.jpg (58388 Byte) Ockenheim Denkmal 210.jpg (91150 Byte) Ockenheim Denkmal 211.jpg (73331 Byte)
Oben: Gedenkfeier am Volkstrauertag 1995, 
als die Tafel zur Erinnerung an die "Mitbürger
 jüdischen Glaubens" ergänzt wurde.
Blick auf die Gedenkstätte des Kriegerdenkmals und der Erinnerung an die "Opfer des
 Nationalsozialismus" (Fotos: Armin J. Kleisinger; erhalten von Dorothee Lottmann-Kaeseler) 
 
     
Ockenheim Gedenktafel 010.jpg (88583 Byte)  
Erinnerungsinschrift mit namenlosem Erinnern an die "Mitbürger jüdischen Glaubens"
 sowie an "alle Opfer des Nationalsozialismus"; die (nichtjüdischen) "Opfer" werden 
auf verschiedenen  Tafeln namentlich genannt - nicht unterschieden wird in der
 Gedenkstätte zwischen möglichen  "Tätern" und "Opfern" - alle sind "Opfer des
 Nationalsozialismus" 
 
     
     

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Ockenheim 
Artikel von Klaus Mümpfer in der Rhein-Main-Presse am 14. Oktober 2006 zur ehemaligen Synagoge in Ockenheim   

Literatur:  

Erich Hinkel: Wo sind sie geblieben - Spuren der Ockenheimer Juden. Ausführliche Darstellung! Als pdf-Datei downloadbar (Achtung: 18 MB Datenumfang)
ders.: Ockenheim. Geschichte in Bildern und Daten. 1998.  
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. II S. 159-160. 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 157. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 60. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 300-301 (mit weiteren Literaturangaben).

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ockenheim  Hesse. Established around 1750, the community numbered 57 (over 4 % of the total) in 1895 and 29 in 1933. No Jews remained after September 1938.  
        
          

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 03. Juni 2015