Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gau-Algesheim (Landkreis Mainz-Bingen, Rheinland-Pfalz)
Der jüdische Friedhof  
(die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Dorothee Lottmann-Kaeseler)  
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
   
Siehe Seite zur Synagoge in Gau-Algesheim (interner Link)   
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes
       
   
In Gau-Algesheim gab es bereits im 14. Jahrhundert einen jüdischen Friedhof (als "Judinkirchove" 1358 genannt). Im 15. Jahrhundert wurden die in Gau-Algesheim verstorbenen Juden in Mainz beigesetzt (1470 genannt).  

Der heute noch erhaltene jüdische Friedhof liegt nordöstlich der Stadt in der Flur "Am Judensand". Die Friedhofsfläche umfasst 10,47 ar. Es ist nicht bekannt, wann er angelegt wurde. Deutlich erfolgte innerhalb der massiven Umfassungsmauer um 1800 (?) eine Aufschüttung des Geländes zur Anlage einer weiteren Gräberschicht, möglicherweise liegen die bis auf das 14. Jahrhundert zurückgehenden Gräber in einer unteren Schicht. Der Friedhof diente den beiden jüdischen Gemeinden, Gau-Algesheim und Ockenheim als Begräbnisstätte. Die letzte Beisetzung erfolgte 1937 (Rosa Nathan geb. Marx). Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurden der Friedhof geschändet und zahlreiche Steine durch eine Gruppe von SA-Leuten unter Führung eines Volksschullehrers namens Reinhard Eyring umgestürzt.  

Im August und September 1945 wurde der Friedhof wieder hergerichtet. Auch 1948 fand eine Festigung der Grabdenkmäler statt. 

Mehrfach wurde der Friedhof nach 1945 geschändet: 1964 wurden durch vier Jugendliche Grabsteine umgeworfen. Die Grabsteine des Friedhofes stehen heute großenteils nicht mehr am ursprünglichen Ort. Bis Ende der 1970er-Jahre befanden sich die an der Einfriedungsmauer stehenden Steine noch auf dem Gräberfeld. Bei einer 1983 - damals wohl gut gemeinten - durchgeführten Säuberungsaktion durch eine Gruppe von Jugendlichen wurde nicht nur der Bewuchs des Friedhofes entfernt, sondern auch fast alle Grabsteine und Grabeinfassungen, nur die unversehrten Steine an den Mauerrand gestellt.   

 1998 richteten drei junge Erwachsene und ein Jugendlicher Schäden in Höhe von 5.000 DM an. Mehrere Grabsteine wurden über die Friedhofsmauer geworden, die Grabsteine mit NS-Symbolen beschmiert. Schmierereien gab es auch 1999.      

Pressebericht zur Schändung 1998 (Bericht erhalten von Dorothee Lottmann-Kaeseler)  
Gau-Algesheim Friedhof PA 05.jpg (141912 Byte)Artikel aus der "Rhein Main Presse" vom 3. Juni 1998: "Polizei schnappt Grabschänder. Vier Jugendliche aus Ingelheim und Gau-Algesheim gestanden die Tat.  
ber. Gau-Algesheim / Mainz.
Knapp eine Woche nach der Entdeckung der Tat ist die Schändung des jüdischen Friedhofs in Gau-Algesheim geklärt. Die Polizei ermittelte vier junge Männer zwischen 15 und 18 Jahren aus Ingelheim und Gau-Algesheim. Sie gestanden die Tat." Zum weiteren Lesen des Textes Artikel anklicken.  

In den 1980er-Jahren wurde das Tor des Friedhofes durch ein überflüssig gewordenes Eisentor vom städtischen Friedhof Gau-Algesheim ersetzt. Jahrelang trug dieses Eisentor ein stilisiertes Kreuz, bis es endlich entfernt wurde. Die heute noch lesbaren Steine tragen u.a. die Familiennamen Mayer, Nathan, Seligmann, Wolf.
    
    
    
Lage des Friedhofes  

"Am Judensand", erreichbar über die Fortsetzung der Ingelheimer Straße.

Link zu den Google-Maps    
     
   

Fotos:  
(Ältere Aufnahmen aus den 1950er-Jahren von Rektor Heinz Sarg; 1976 von Erich Hinkel; alle Fotos erhalten von Dorothee Lottmann-Kaeseler)

 Der Friedhof in den 1950er-Jahren      
Gau-Algesheim Friedhof 301.jpg (57290 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 302.jpg (52755 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 302a.jpg (57766 Byte)
Teilansicht des 
Friedhofes
    
Grabstein von Leopold Herz aus Ockenheim (5.1.1821-21.3.1902); der hebräische Text lautet übersetzt: "Hier ruht / ein bedeutender Mann, der Rechtes bewegt hat / der seinen Schöpfer von seiner Jugend an fürchtete / der ging auf dem Weg der Gerechtigkeit (Frömmigkeit) alle seine Tage / der Gutes vollbracht hat seiner Frau und seinen Kindern / er war ehrenamtlicher Vorbeter in seiner Gemeinde zur Ehre Gottes. / Es war der Herr Pinchas, der gestorben ist in gutem Namen am Freitag 12. Adar 5662 / Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
  
  
      
   Gau-Algesheim Friedhof 230.jpg (102582 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 233.jpg (156592 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 303.jpg (68654 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 303a.jpg (46299 Byte)
Oben: Foto von 1936 (von Walter Nathan)
 mit dem ältesten bekannten Grabsteines
 aus der Familie Nathan; rechts Inschrift
 mit Übersetzung von F.G. Hüttenmeister
Grabstein für Rosa Seligmann geb. Bergmann (11.5.1854-18.2.1899); der hebräische 
Text lautet übersetzt: "Hier ist begraben die Frau Rosa, Gattin des 
Alexander Seligmann / gestorben am Heiligen Schabbat, 8. Adar 5659 / 
Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens
."  
     
Gau-Algesheim Friedhof 231.jpg (81641 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 304.jpg (88304 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 304a.jpg (109827 Byte)
Grabstein für Caroline Nathan geb.
 Landbergs (1782-1852) - unten Inschrift
 mit Übersetzung von F.G. Hüttenmeister 
Grabstein für Josef Herz aus Ockenheim (19.2.1897 / 17. Adar 5857 - 28.9.1913 / 27. 
Elul 5673); der hebräische Text lautet übersetzt: "Hier ist begraben ein liebenswerter
 junger Mann / Liebling seiner Eltern und all dener, die ihm nahe standen / geschätzt 
und geliebt von allen, die ihn kannten / er war fleißig in seiner Arbeit und aufrichtig in
 seinen Taten / ... / Es war der junge Mann Pinchas, der Sohn des Herrn Jizchak, der
 starb in der Nacht des Sonntag auf den 27. Elul und begraben wurde am Dienstag, dem
 28. Elul 5673 / Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens
." 
Gau-Algesheim Friedhof 232.jpg (52346 Byte)
               
         
       
Der Friedhof 1976: die Steine 
standen noch am ursprünglichen 
Standort; die Grabeinfassungen 
waren noch erhalten
Gau-Algesheim Friedhof 290.jpg (58382 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 010.jpg (88571 Byte)
Blick auf den Friedhof und das Eingangstor Teilansicht 
     
Gau-Algesheim Friedhof 011.jpg (83121 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 012.jpg (85689 Byte)
  Teilansichten des Friedhofes
       
Der Friedhof im Frühjahr 2005 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.3.2005)
   
Gau Algesheim Friedhof 208.jpg (56542 Byte) Gau Algesheim Friedhof 201.jpg (82302 Byte) Gau Algesheim Friedhof 206.jpg (76464 Byte)
Blick auf das Friedhofstor (in den 
1980er- Jahren vom städtischen 
Friedhof anstelle eines älteren Tores 
hier angebracht) 
Links und rechts der umgebenden 
Mauer zeigt sich der Höhenunterschied  
Blick über den vermutlich zur 
leichteren Pflege weitgehend 
abgeräumten Friedhof
   
     
Gau Algesheim Friedhof 207.jpg (76581 Byte) Gau Algesheim Friedhof 205.jpg (85292 Byte) Gau Algesheim Friedhof 200.jpg (72011 Byte)
Einige ältere Steine 
im Gebüsch
Familiengrab Abraham Wolf aus
  Ockenheim; die Platten in den 
seitlichen Steinen fehlen; neue Platte
 seit  dem Jahr 2000.
Grabsteine entlang 
der Friedhofsmauer
 
     
Gau Algesheim Friedhof 202.jpg (71629 Byte) Gau Algesheim Friedhof 204.jpg (89623 Byte) Gau Algesheim Friedhof 203.jpg (91282 Byte)
Blick über 
den Friedhof 
Grabsteine für Henriette Nathan 
aus Ockenheim (links, 1869-?) und
 Siegmund Wolf (1867-1917)
Grabstein für Josef Herz 
aus Ockenheim (1897-1912) 
     
        
     
Hinweistafeln, angebracht im November 2008
(Vorlagen erhalten von Dorothee Lottmann-Kaeseler, auf Grund der Dateigröße 
bitte etwas längere Ladezeit beachten!) 
Gau-Algesheim Synagoge T01.jpg (228936 Byte) Gau-Algesheim Friedhof T01.jpg (234608 Byte) Gau-Algesheim Namen T01.jpg (177589 Byte)
Tafel zur Geschichte der jüdischen
 Gemeinden und der Synagogen von
 Gau-Algesheim und Ockenheim 
Tafel zur Geschichte 
des Friedhofes 
Tafel mit den Namen der ermordeten 
Juden aus Gau-Algesheim
 und Ockenheim
   
        
Gedenkstunde zur Anbringung der Gedenktafeln 
(Die Fotos und der Bericht waren 2008 eingestellt auf www.gau-algesheim.com
bereits seit 2009 dort wieder herausgenommen) 
  
Gau-Algesheim Friedhof 210.jpg (91827 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 211.jpg (84996 Byte) Gau-Algesheim Friedhof 212.jpg (74563 Byte)
        

GEDENKSTUNDE ZUR "REICHSPOGROMNACHT" VOR 70 JAHREN AM 9. NOVEMBER 2008 
(Bericht von Dorothee Lottmann-Kaeseler)  
Zu einer besonderen Gedenkstunde, Beginn 11.30 Uhr, zur Erinnerung anlässlich des 70. Jahrestages der "Reichpogromnacht" am 9. November 1938 versammelten sich am späten Vormittag Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, die Pfarrerin und Pfarrer von Gau-Algesheim und Ockenheim, die Bürgermeister, Bürger und Bürgerinnen der Stadt Gau-Algesheim, der Ortsgemeinde Ockenheim in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim. Diesmal waren außerdem fast 60 Gäste angereist, von denen die meisten zum ersten Mal diesen Ort besuchten. Auf Einladung von Walter Nathan (Chicago) waren drei Generationen von Nachkommen der einst in Gau-Algesheim lebenden großen Familie Nathan aus aller Welt gekommen, um an diesem denkwürdigen Tag dabei zu sein. Walter Nathan selbst wurde begleitet von seiner Frau Ann, seinen 3 Töchtern mit Familien und seinem Sohn Richard (Enkel des 1873 in Gau-Algesheim geborenen Richard Nathan) mit Familie. 
Zunächst wurden drei Informationstafeln an der Außenmauer des Friedhofs präsentiert, die erstmals konkrete Hinweise zur Geschichte der jüdischen Gemeinden und ihres Friedhofs geben. Auch die Namen der Schoah-Opfer waren bisher nicht öffentlich. 
(im Ort jeweils Gedenktafel ohne Namen. siehe Seite zur jüdischen Geschichte in Gau-Algesheim). 
Dann wurde der Gedenkstein auf dem Friedhof mit einer Bronzetafel zur Erinnerung an die hier bestatteten jüdischen Bürger aus Gau-Algesheim und Ockenheim und an die Opfer der Schoah enthüllt. (Text der Tafel als pdf-Datei)
Bei der Gedenkstunde sprachen der Stifter Walter Nathan, die Bürgermeister, Pfarrerin und Pfarrer, Dr. Emanuele Ottolenghi (Brüssel) jüdische Gebete und das Kaddisch. Walter Nathan erinnerte an den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln mit der Aussage: "Es liegt an uns Lebenden die Arbeit so fortzusetzen, dass die Toten nicht umsonst gestorben sind." Und zum Abschluss rezitierten die 11 anwesenden seiner Enkel ein Gebet der Hoffnung an die Zukunft.   

Weitere Informationen

EIN ZEICHEN DES GEDENKENS (pdf-Datei)  

Heimatbeilage - Blätter für Kultur- und Heimatpflege. Beilage des Amtsblattes der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim Nr. 5 Dezember 2008 18. Jahrgang: "Walter Nathan stiftete einen Gedenkstein auf dem Judenfriedhof als ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung"  (pdf-Datei, auf Grund der Datei-Größe etwas längere Ladezeit beachten)   

Weiterer Bericht über folgenden Link:  http://www.bistummainz.de/pfarreien/dekanat-bingen/pfarr_gaualgesheim/aktuelles/Gedenkstunde.html  

Link zur Website der Gemeinde Gau-Algesheim mit Foto des Gedenksteines    (Kopie als pdf-Datei)  
   

forget_me_not.gif (17634 Byte)"Walter Nathan - Preserving the Past" - Bericht von Marcia Faye im  "Illinouis Institute of Technology Magazine", 2009, online 

Bericht von Manfred Wantzen über den Besuch von Walter Nathan Ende August 2009 (pdf-Datei, erhalten von Dorothee Lottmann-Kaeseler)  

   

      
      

Links und Literatur 

Links

Website der Stadt Gau-Algesheim   
Zur Seite über die Synagoge in Gau-Algesheim (interner Link)  
Fotos zum jüdischen Friedhof Gau-Algesheim auch in der Website von Stefan Haas  
http://www.blitzlichtkabinett.de/lost-places/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-rlp-ii/   

Literatur

Germania Judaica II,1 S. 269; III,1 S. 423.
Erich Hinkel: Wo sind sie geblieben - Spuren der Ockenheimer Juden. Zum Friedhof Gau-Algesheim S. 66-70.
Als pdf-Datei downloadbar (Achtung: 7 MB Datenumfang)  
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. I,236.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 160-161 (mit weiteren Literaturangaben).
Ludwig Hellriegel: Judaica. Die Geschichte der Gau-Algesheimer Juden. Beiträge zur Geschichte des Gau-Algesheimer Raumes. Carl Brilmayer-Gesellschaft Gau-Algesheim. Band 22 A. 1986. 2. Auflage 2004.   

   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Juli 2014