Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Nierstein (VG Nierstein-Oppenheim, Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    

In Nierstein bestand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine kleine jüdische Gemeinde. Erstmals werden 1740 jüdische Einwohner genannt.
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 35 jüdische Einwohner, 1861 47, 1900 79. 
  
Ein größeres Weingut hatte in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Nierstein Israel Bloch aus Mainz (gest. 1861, siehe Artikel unten). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde zeitweise eine Synagoge / Betsaal (s.u.). Ansonsten wurden die Einrichtungen in Oppenheim mitbenutzt. Ein eigener Religionslehrer / Vorbeter war vermutlich zu keiner Zeit vorhanden. Der Religionsunterricht der Kinder der Gemeinde wurde durch den Lehrer aus Oppenheim erteilt. Vorbeterdienste im Betsaal konnten auch ehrenamtlich übernommen werden.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Jakob Kohlmann (geb. 3.3.1875 in Niederheimbach, gef. 29.10.1915). 
  
1932 wurden 42 jüdische Einwohner gezählt (in zehn Haushaltungen), die der jüdischen Gemeinde in Oppenheim zugeteilt waren. Mit der Oppenheimer Gemeinde gehörte auch Niederstein zum Bezirksrabbinat in Mainz
      
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: ca. 40 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 
     
Von den in Nierstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gustav Blum (1865), Karoline Eller geb. Hirsch (1891), Aron Feiner (1868), Auguste Feiner (1898), Paula Feiner (1890), Juliane Gärtner geb. Blum (1859 oder 1895), Betty Heumann geb. Grünebaum (1902), Emil Hirsch (1885), Emma Hirsch geb. Koch (1880), Ludwig Hirsch (1896), Else Babette Kaufmann (1907), Fanny Kaufmann geb. Hamburger (1872), Frieda Kaufmann (1900), Josef Kaufmann (1871), Stella Kaufmann (1937), Alois Koch (1876), Heinrich Koch (1886), Bernhard Mayer (1862), Johanna Schwed geb. Feiner (1896), Emmi Sonnenberg (1917), Jenni Sonnenberg geb. Hirsch (1898), Franziska Weiler geb. Mayer (1876), Julius Weiler (1906), Markus Weiler (1878), Anna Weiss geb. Bamberger (1898), Willibald (Willy) Wolf (1882), Josefine Zeller (1909).   
     
    
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod des Weingutbesitzers Israel Bloch (1861)

Nierstein Israelit 06111861.jpg (58829 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1861: "Mainz, den 29. Oktober (1861). Gestern Morgen verschied plötzlich vom Schlage gerührt auf seinem Gute in Nierstein der durch seine Besitzungen daselbst auch in weiteren Kreisen bekannte Herr Israel Bloch von hier. Der Verstorbene, der sich durch eigene Tätigkeit ein bedeutendes Vermögen erworben, genoss die Achtung seiner Mitbürger. Die Leiche des Verblichenen wird morgen früh 8 Uhr mit der Eisenbahn hier eintreffen, um auf dem hiesigen Friedhof beerdigt zu werden."

     
  
  

Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge (vermutlich ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser) war offenbar zeitweise vorhanden. Karl Johann Brilmayer (Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, erschienen 1905 S. 344) berichtet für 1905: "die Israeliten haben eine Synagoge". Weitere Angaben liegen nicht vor. Spätestens Anfang der 1920er-Jahre besuchten die Niersteiner Juden die Synagoge in Oppenheim.   
   

Adresse/Standort der Synagogeunbekannt (bitte gegebenenfalls Informationen an den Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite)

Fotos

Fotos / Abbildungen sind noch nicht vorhanden, über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite  
     

   
   
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Februar 2010: Anregung für die Verlegung von "Stolpersteinen" in Nierstein   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 18. Februar 2010  (Artikel): "NEU wirbt für "Stolpersteine"
NIERSTEIN.
(red). "Je weiter der Holocaust in die Vergangenheit rückt, je weniger Zeitzeugen unter uns leben, desto wichtiger wird es, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in unsere Lebensmitte, also an authentische Orte in unserer Gemeinde gerückt wird, an denen wir dem Leid der Opfer nachspüren können", sagt Thomas Gehring, Fraktionssprecher der Wählergruppe NEU. Mit dieser Begründung möchte die Wählergruppe den Gemeinderat Niersteins dafür gewinnen, dass mit sogenannten "Stolpersteinen" des Künstlers Gunter Demnig an die Niersteiner Opfer des NS-Regimes dauerhaft erinnert werden kann.
Gunter Demnig hat bereits in mehreren hundert deutschen Ortschaften vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Opfer Gedenktafeln aus Messing in die Gehwege verlegt. Auf den Gedenktafeln steht: "HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch". Die Steine kosten 95 Euro und sollen von Privatpersonen, Initiativen, Vereinen oder Parteien als Patenschaft finanziert werden. Unmittelbare Kosten kämen also auf die Gemeinde nicht zu. Diese soll aber die Gedenkaktion auf den Gehwegen gestatten und organisatorisch unterstützen. "Die Stolpersteine werden bodengleich verlegt, sind also keine wörtlichen Hindernisse in den Gehwegen. Wir haben bereits fünf Sponsoren für die ersten Steine gewinnen können" freut sich Felix Eitel, Gemeinderat von NEU. "Die konkrete Lage der Stolpersteine könnte in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Nierstein bestimmt werden, der beispielsweise in der Reihe "Niersteiner Hefte" und in Vortragsveranstaltungen immer wieder auch die "dunklen Jahre" in Nierstein beleuchtet hat." 
Die Wählergruppe NEU hofft, dass ihr Antrag in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag Unterstützung findet." 
  
März 2010: Der Geschichtsverein in Nierstein unterstützt die Aktion "Stolpersteine"  
Abschnitt aus deinem längeren Artikel von Hellmut Wernher in der "Allgemeinen Zeitung" vom 10. März 2010 (Artikel): 
"Nierstein - Für "Stolpersteine".  
Sollte der Gemeinderat das Setzen von "Stolpersteinen" zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten verfolgten und umgebrachten Mitbürger beschließen, so wird der Geschichtsverein fünf dieser mit Namen versehenen Metallplatten stiften. Dies beschloss die Mitgliederversammlung und nahm zustimmend zur Kenntnis, dass zwei Vereinsmitglieder aus eigenen Mitteln je einen weiteren Stolperstein spenden wollen. Zweiter Vorsitzender Hans-Peter Hexemer wies darauf hin, dass 50 Niersteiner Bürger, vor allem Juden, entweder zur Ausreise gezwungen oder ermordet wurden. Ferner sei bekannt, dass fünf Kranke und Behinderte umgebracht wurden. An diese Menschen sollen die "Stolpersteine" auf den Gehwegen vor deren damaligen Wohnungen erinnern..."
  

   

    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Nierstein   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. II S. 180-187 (unter Oppenheim). 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 293 (mit weiteren Literaturangaben).  

            

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. März 2010