|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Lahr/
Schwarzwald mit Stadtteil Dinglingen (Ortenaukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In Lahr bestand bereits im Mittelalter eine jüdische
Gemeinde, die bei der Judenverfolgung während der Pestzeit 1349 vernichtet
wurde.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts war in Lahr wiederum die
Niederlassung von Juden möglich. Nach 1862 zogen vermehrt Juden in die aufblühende
Industriestadt. Unter den ersten waren: Isak Herbst aus Rappenau,
der 1863 ein Schuhgeschäft eröffnete; Lazarus Maier aus Eichstetten,
der 1865 eine Eisenhandlung am Bärenplatz gründete; Samuel Rosenstiel aus Schmieheim
mit einer Altwarenhandlung in der Stadt (1870), Karl Haberer aus Friesenheim
mit einem Schuhgeschäft am Urteilsplatz (1876). 1875 wurden 48 jüdische
Einwohner in der Stadt gezählt. Von den 17 männlichen Gemeindegliedern im Jahr
1888 (Gründungsjahr der Gemeinde) stammten neun aus Schmieheim,
drei aus Nonnenweier, je einer aus Friesenheim,
Gailingen, Eichstetten,
Feudenheim und Rappenau.
Am 22. Juni 1888 wurde die jüdische Gemeinde begründet. An Einrichtungen
hatte die Gemeinde eine Synagoge (Betsaal, s.u.) und eine Religionsschule. Die
Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Schmieheim
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war seit 1888 ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl.
Ausschreibungstexte unten). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Schmieheim,
nach Verlegung des Rabbinatssitzes 1893 zum Rabbinatsbezirk Offenburg.
1900 lebten 141 jüdische Personen in der Stadt (1,1 % von insgesamt
13.577 Einwohnern); die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1905 mit 143 Personen
erreicht, um danach langsam zurückzugehen: 1925 118 (0,8 % von insgesamt 14.075
Einwohnern), 1933 96 jüdische Einwohner. Seit 1891 gehörten auch die in Dinglingen
lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Lahr (1875 7, 1900 17, 1925 1
jüdischer Einwohner).
Auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofs Schmieheim sind die Namen der vier jüdischen
Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Lahr verzeichnet: Friedrich
[Fritz] Kahn (geb. 10.8.1897 in Lahr, gef. 25.7.1917), Robert Kahn (geb.
3.6.1884 in Kehl, gef. 9.10.1918), Philipp Schnurmann (geb. 9.9.1891 in Lahr,
gef. 4.7.1918), Herbert Wertheimer(geb. 21.12.1891 in Kippenheim, gef. 25.3.1918).
Um 1924 waren die Gemeindevorsteher Karl Maier und Ludwig Kaufmann. Der
Religionsunterricht der damals sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder wurde durch
Hauptlehrer Salomon Bergheimer (in Lahr als Lehrer und Kantor seit 1906,
siehe Bericht unten) erteilt. 1932 waren die Gemeindevorsteher Berthold
Ullmann (1. Vors.) und Dr. Ernst Hoffmann (2. Vors.). Weitere vier
Gemeindemitglieder gehörten dem Vorstand an. Lehrer Bergheimer hatte damals 12
Kindern Religionsunterricht zu erteilen. Als Schochet kam Herr Schwab aus Schmieheim
regelmäßig nach Lahr.
Von den bis nach 1933 bestehenden, jüdischen Familien gehörenden Handels- und Gewerbebetrieben
sind vor allem zu nennen: Zigarrenfabrik Isak Bloch (Voelckerstraße 1/11), Kurzwarenhandlung Nathan und Simon Dreyfuß (Marktplatz 5), Herrenbekleidungshaus Adolf Friedmann
(Kaiserstraße 27), Metzgerei und Weinstube Karl Haberer (Zollamtsstraße 5), Schuhgeschäft Leo und Eugen Haberer
(Friedrichstraße 6), Eisenwarenhandlung Lazarus (später Carl) Maier (Kirchstraße
28), Ledergroßhandlung Berthold Ullmann (Alte Bahnhofstraße 3), Metallwerk Hugo Weil, Fa. Oscar Weil
(Tramplerstraße 27-31), Kaufhaus Wohlwerth (Marktstraße 52). Zu den jüdischen
Kaufleuten und Händler kamen einige Lehrer (Bergheimer, Kahn), Ärzte (Dr.
Selma Wertheimer, Dr. Ernst Hofmann, Praxis Bismarckstraße 2) und Juristen
(Hauser, Weinberg).
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 setzten auch in Lahr
die Repressalien gegen die jüdischen Bewohner ein. Von Jahr zu Jahr wurden
diese wie in ganz Deutschland immer mehr entrechtet und diffamiert, ihre
Geschäfte boykottiert. Ein Teil der jüdischen Einwohner konnte in der
Folgezeit emigrieren. Der Novemberpogrom 1938 wurde in Lahr vor allem von
Mitgliedern der Gebietsführerschule der Hitlerjugend durchgeführt. Die
Schaufensterscheiben der noch bestehenden jüdischen Geschäfte wurden
zerschlagen, die Fenster der jüdischen Häuser und Wohnungen eingeworfen,
Möbel auf die Straße geworfen. Auch der Betsaal wurde völlig demoliert
(s.u.). 1939 mussten die hier noch lebenden jüdischen Einwohner in
sogenannten "Judenhäusern" zusammenziehen (z.B. im Haus Schlosserstraße
5/7). Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 21 jüdischen Bewohner der
Stadt nach Gurs deportiert.
Von den in Lahr geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und bei H. Kattermann s.Lit. im Anhang): Alfred
Auerbacher (1938), Jakob Auerbacher (1880), Martha Auerbacher geb. Seligmann
(1903), Betty Baum geb. Meyer (1900), Leo Baum (1889), Margot Baum (1927), Hilde
Bergheimer geb. Zivi (1897), Lehrer Salomon Bergheimer (1887), Hilde Bernthal (1893),
Josef Bloch (1886), Tony Bloch geb. Baum (1889), Klara David geb. Kahn (1879),
Emma Dreyfuss geb. Wartensleben (1892), Ernst Dreyfuss (1884), Klara Dreyfuss
geb. Dessauer (1865), Ernst Fetterer (1906), Clara Frank
geb. Meier (1885), Max Frank (1880), Adolf Friedmann (1872), Bertha Friedmann
geb. Weinberger (1876), Ludwig Grünbaum (1904), Max Günzburger (1874), Anna
Haberer geb. Neuhaus (1883), Fanny Haberer geb. Baum (1887, Hilde Haberer geb.
Wurmser (1886), Julie Haberer (1892), Marie Haberer (1866), Toni Heimann verh.
Lindheimer (1904), Bella Isenberg geb. Kahn (1901), Jeanette Kahn (1864), Thekla
Kahn geb. Rohrbacher (1868), Thekla Kahn verh. Schweitzer (1877), Martin Krause
(1892), Mina Krause geb. Wertheimer (1892), Hans Herbert Lederer (1921), Jenny
Lederer geb. Wertheimer (1895), Leopold Lederer (1889), Walter Lederer
(1924), Karoline Löwenstein (1895), Rudolf Löwenthal (1908), Berthold Maier
(1877), Charlotte Maier geb. Dreyfuß (1885), Johanna Marx verwitwete
Oppenheimer geb. Dreyfuß (1887), Irma Neumann geb. Ullmann (1880), Frieda
Schnurmann verh. Fried (1877), Johanna Schnurmann (1864), Hermine Helene Stern
geb. Kahn (1874), Martin Stern (1879), Berthold (Bernhard) Ullmann (1884), Elsa
Ullmann geb. Heilbronner (1889), Johanna Ullmann geb. Scheich (1891), Oskar
Ullmann (1879), Bertha Weil geb. Schnurmann (1873), David Theo Weil (1900),
Moritz Weil (1873), Siegfried (Fritz) Weil (1882), Fanny Weinberg geb. Model
(1897), Max Weinberg (1884), Tilly Weißbart (1883), Kurt Wertheimer (1905).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1887 /
1893 / 1900 / 1901 / 1903 beziehungsweise eines Aushilfskantors 1924
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1887:
"In
Lahr (Baden) soll zum ersten Male ein israelitischer Kantor,
Religionslehrer und Schächter angestellt werden.
Das Fixum beträgt 800 Mark. Nebeneinkünfte ca. 150 Mark.
Wenn derselbe eine gute Handschrift hat und Geschäftsbücher führen
kann, findet er in den größeren Geschäftshäusern Lahr's erheblichen
Nebenverdienst.
Da in Lahr noch kein Gemeinde-Vorstand existiert, so sind Meldungen
und Anfragen wegen der Stelle bis Mitte November ausschließlich an den
Unterzeichneten zu richten.
Schmieheim (Baden), im Oktober 1887: Großherzogliche
Bezirks-Synagoge. Dr. M. Ravicz." |
| |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1893:
"In der israelitischen Gemeinde Lahr ist die Stelle eines
Vorsängers,
Schächters und Religionslehrers sofort zu besetzen.
Gehalt 850, Schechitagebühren 300, sonstige Nebeneinkünfte ca. 150
Mark.
Ledige Kandidaten, welche im Besitz guter Zeugnisse sind, wollen sich bis
längstens 15. November dieses Jahres bei dem Unterzeichneten
melden.
Offenburg (Baden) im Oktober 1893. Die Bezirks-Synagoge. Dr. M.
Ravicz." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1900:
"In
der israelitischen Gemeinde Lahr (Baden) ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorsängers und Schächters sofort zu besetzen. Das jährliche
Einkommen inklusive Schechita beträgt ca. 1.400 Mark und falls die
Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts am Gymnasium
nachgewiesen wird, kommen weitere 180 Mark hinzu. Außerdem ist
Gelegenheit zu sonstigen Nebenverdiensten vorhanden. Berücksichtigt
werden nur unverheiratete Bewerber und sind Meldungen mit abschriftlichen
Zeugnissen bis zum 15. November dieses Jahres an den Unterzeichneten zu
richten.
Offenburg (Baden), im Oktober.
Die Bezirks-Synagoge: Dr. M. Rawicz." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1901:
"Die
Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorsängers in Lahr
(Baden) wird von Neuem zur Bewerbung ausgeschrieben. Das jährliche
Einkommen beträgt ca. 1.400 Mark und bei Übernahme des
Religionsunterrichts am Gymnasium kommen weitere 180 Mark hinzu. Nur
staatlich geprüfte Lehrer, die auch im Kantorate etwas leisten, können
berücksichtigt werden. Meldungen mit Zeugnisabschriften sind bis 1. April
dieses Jahres an den Unterzeichneten zu richten.
Offenburg (Baden).
Die Bezirkssynagoge:
Dr. M. Rawicz." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 9. Juli 1903:
"Durch die Berufung des bisherigen Lehrers nach Heilbronn, ist
die
Vorsänger-, Schächter- und Religionslehrerstelle
in Lahr (Baden), neu zu besetzen. Das Fixum beträgt 850 Mark,
Einkünfte aus der Schechita 300 Mark, sonstige Gefälle ca. 100 Mark.
Für Übernahme des Rechner- und Ratschreiberdienstes bei der
israelitischen Gemeinde sind 90 Mark und für Erteilung des
Religionsunterrichts an der Realschule 80 Mark ausgeworfen, sodass mit der
Stelle ein Einkommen von 1420 Mark verbunden ist. Außerdem ist
Gelegenheit zu Nebenverdiensten in Lahr vorhanden. Berücksichtigt werden
nur unverheiratete Bewerber und wollen solche ihre Meldungen mit
Zeugnisabschriften bis 1. August dieses Jahres bei dem Unterzeichneten
einreichen. Offenburg (Baden), im Juli 1903. Die Bezirks-Synagoge:
Dr. M. Rawicz." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1924:
"Aushilfskantor
für die Spätjahrsfeiertage gesucht. Israelitische Kultusgemeinde
Lahr." |
Lehrer Salomon Bergheimer kommt nach Lahr
(1906)
Aus
einem Bericht über Entscheidungen des Oberrates in Baden im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. November
1906: "Besetzt wurden folgende Religionslehrerstellen: Lahr durch
Lehrer S. Bergheimer von Diersburg..." |
| Anmerkung: Lehrer Salomon Bergheimer war
bis in die NS-Zeit Lehrer der Gemeinde. Er ist nach der Deportation
umgekommen. |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Prozess vor dem Schöffengericht Lahr 1908
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: "Lahr,
2. Oktober 1908. Ein interessanter Beleidigungsprozess spielte sich
gestern vor dem hiesigen Schöffengericht ab. Angeklagt war der Rentier Joseph
Kaufmann aus Lahr wegen Beleidigung des Hauptmanns von Denicke vom
Infanterie-Regiment Nr. 169. Der Angeklagte hatte behauptet, der Hauptmann
habe einen Einjährigen Dreyfuß seines israelitischen Glaubens wegen bei
seiner Beförderung übergangen. Die Anklage wurde auf Antragt des
Regiments erhoben. Die Verteidigung des Angeklagten lag in den Händen des
Rechtsanwalts Dr. Frank - Mannheim. In der Beweisaufnahme gab der als
Zeuge einvernommene Oberst von Randow auf Befragen des Verteidigers zu,
dass im Laufe des letzten Jahres eine kaiserliche Kabinettsorder durch den
Kriegsminister den Regimentern zur Kenntnis gebracht worden sei, in der
bestimmt wird, dass bei militärischen Beförderungen keinerlei
Unterschiede zwischen den Angehörigen der verschiedenen Konfessionen
gemacht werden dürfe. Er - der Oberst - fasse diese Kabinettsorder so
auf, dass sich diese Ordner nicht nur auf die Beförderung von Katholiken
und Protestanten, sondern auch auf die Beförderung von Juden beziehe, und
er fühle sich schwer beleidigt, wenn ihm jemand den Vorwurf mache, dass
er einer Allerhöchsten Kabinettsorder zuwiderhandle. Das Urteil des
Gerichts lautete auf 50 Mark Geldstrafe. Der Prozess ist vor allem deshalb
von Bedeutung, weil in ihm zum ersten Male authentisch die Existenz der
Kaiserlichen Kabinettsorder betreffs die gleichmäßige Berücksichtigung
aller Konfessionen bei militärischen Beförderungen festgestellt worden
ist." |
Persönlichkeiten und auf sie bezogene
Erinnerungsmale
Ludwig Frank. Der aus Nonnenweier stammende spätere Rechtsanwalt wohnte 1885 bis 1897 in Lahr (1893 Abitur am Gymnasium Lahr); an ihn erinnern in Lahr die Ludwig-Frank-Straße und das Seniorenzentrum
"Ludwig-Frank-Haus" (Marie-Juchacz-Straße 8).
Das Hedwig-Wachenheim-Haus (Am Schützenplatz 15) ist nach der aus Mannheim stammenden jüdischen Sozialpolitikerin und Publizistin benannt.
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Das
mittelalterliche Wohngebiet lag in der "Judengasse" (heute Lammstraße
und Metzgerstraße), wo sich auch eine Synagoge und ein "Judenbrunnen"
befanden. Die genauen Standorte
sind nicht mehr bekannt.
Die Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts konnte 1888
einen Betsaal im Obergeschoss des Hauses Bismarckstraße 12 einrichten.
Am 27. September war die Einweihung des Saales, verbunden mit der Einweihung
einer neuen Torarolle, die David Weill aus Kippenheim gestiftet hatte.
Bezirksrabbiner Dr. Victor Meyer Rawisz aus Schmieheim hielt die Weiherede. Der
Lahrer Gemeinderat wurde zu diesem Fest eingeladen, einige Mitglieder waren auch
erschienen. Nach der religiösen Feier folgte ein Festessen mit Tanz im Gasthaus
zur Sonne.
Der Betsaal war sehr schlicht eingerichtet, ohne farbigen
Wandschmuck. Männer und Frauen saßen in voneinander getrennten Bankreihen. In
der Mitte vor der Gemeinde war auf einem Tisch ein einfacher Toraschrein
aufgestellt, daneben eine Menora. Davor hatte, etwas erhöht, der Vorbeter
seinen Platz. Links vorne stand ein Harmonium. Ein Sängerchor – bestehend aus
einigen Kindern und mehreren der jüdischen Frauen – fand seinen Platz neben
dem Harmonium.
|
Aus der Broschüre von H. Kattermann S. 11-12 über "Kulträume und
Gottesdienst" in Lahr: "Die Kulträume waren sehr schlicht
eingerichtet, ohne farbigen Wandschmuck. Männer und Frauen saßen getrennt in
zwei Bankreihen, wie das in Synagogen üblich ist. In der Mitte vor der Gemeinde
war aufn einem Tisch die Torarolle aufgestellt und daneben der siebenarmige
Leuchter. Davor stand, etwas erhöht, der Vorleser, um aus der Tora ... den
jeweiligen Text vorzulesen. Über der Kanzel hing das ewige Licht.
Links vor der Gemeinde standen Harmonium und Sängerchor. Herr Götz Samuel
Hauser (geb. 1924) ... berichtet in einem Brief: "Herr Salomon
Bergheimer war Kantor und war auch wie ein Rabbiner tätig. Er war auch
gleichzeitig Lehrer für Religion.
Gottesdienst war jeden Freitag abend und Samstag morgen und natürlich an allen
Festtagen. Frau Hofmann (Frau von Dr. Hofmann) spielte Harmonium, während der Sängerchor
(wir Kinder und ein paar der Frauen) sang. An Festtagen sang Frau Hofmann solo
(bei der Seelenfeier am Versöhnungstag immer Schuberts Lied: 'Allerseelen').
An hohen Feiertagen wurde auch das Schofarhorn geblasen, eine schwere Kunst,
anfangs des Jahrhunderts blies es Viehhändler Leopold Wertheimer.
Der Religionsunterricht war in einem Zimmer neben dem Betsaal und später auch
in einer der Wohnungen. Ruth Hofmann und ich hatten (nach 1933) unseren
Unterricht in unserer Wohnung.
In den Jahren 1934/36 wanderten verschiedene Familien schon aus, und es war dann
am Samstag morgen schon schwieriger 'Minien' zu bekommen... Die Festtage waren
immer sehr festlich und der Betsaal war ziemlich
voll".
|
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betsaal von
Mitgliedern der Gebietsführerschule der Hitlerjugend in Lahr demoliert. Sie
warfen die Kultgegenstände aus dem Betsaal auf die Straße. Nach 1938 war noch ein Betsaal im Haus der jüdischen
Familie Schnurmann vorhanden (Schlosserstraße 7). In dieses Haus wurden 1939/40
auch einige Familien, die noch in Lahr geblieben waren, zwangsweise einquartiert
("Judenhaus").
Das Haus des Betsaales Bismarckstraße 12 ist als Wohnhaus
erhalten. Eine Gedenktafel ist angebracht.
Fotos
Historisches Foto:
|

|
Links: Im Betsaal der jüdischen Gemeinde Lahr um 1930 mit Lehrer/Kantor Salomon
Bergheimer.
Die Frau neben ihm spielt am Harmonium; die Kinder bildeten
einen Chor (vgl. Text Kattermann).
Die beiden Mädchen mit
demselben Hut im Hintergrund sind die Zwillinge Edith und Ruth Ullmann
(geb. 26. Mai 1921 in Lahr) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
| |
Das Haus Bismarckstraße 12 in Lahr, wo sich im oberen Stock der
Betsaal
der Gemeinde befand |
| |
|
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 1.9.2003) |
 |
 |
| |
Das Haus Bismarckstraße 12 |
| |
|
 |
 |
 |
| Ansicht vom Hinterhof |
Eingang mit Gedenktafel |
Gedenktafel |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
Das Gebäude
Schlosserstraße 7 (Familie Schnurmann), in dem nach 1938
(vermutlich bis
1940) Gottesdienste gefeiert wurden |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
Putzaktion für die "Stolpersteine" in
der Stadt |
Artikel von "zena" in der
"Badischen Zeitung" vom 19. November 2011: "Glänzende
Stolpersteine, weiße Rosen und Kerzen.
Lahr. Fünf Stolpersteine sind in den Boden in der Lotzbeckstraße 15
eingelassen. Dort hat die jüdische Familie Lederer gewohnt, die am 22.
Oktober 1940 ins südfranzösische Gurs deportiert wurde. Vergangenen
Donnerstag hat die Regionalgruppe Geroldsecker Land des Historischen
Vereins für Mittelbaden in ihrer jährlichen Stolperstein-Aktion den
Lahrer Juden gedacht..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
| |
Links und Literatur
Links:
 | Website der Stadt Lahr |
 | Rückblick (interner Link): Presseartikel (Badische Zeitung
vom 31.8.2005) mit Hinweisen auf Veranstaltungen zum "Tag der
Europäischen Jüdischen Kultur" am 4.9.2005: hier
anklicken |
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 176-177. |
 | Germania Judaica II,1 S. 463-464. |
 | Hildegard Kattermann: Geschichte und Schicksale der Lahrer Juden
(Hg. Stadtverwaltung Lahr), 1979². |
 | Jürgen Stude: Die Lahrer Juden, in: Geschichte
der Stadt Lahr. Band 3. 1993.
|
 | Uwe Schellinger: Der Tod des Kantors: Salomon
Bergheimer (1887-1942) aus Lehr. In: "Storchenturm" -
Infobroschüre für Lahr. Jg. 20. Januar 2010. S. 3-7. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Lahr (in Jewish sources, Lara) Baden. The small 14th
century community, inhabiting a special quarter with a synagogue, was destroyed
in the Black Death persecutions of 1348-49 and only renewed in the late 19th
century, after emancipation. The Jewish population grew to 141 by 1900 (of a
total 13,557). Jews operated large wholesale establishments (shoes, clothing,
metal products) and factories, including one of the largest steel plants in
Europe. In 1933 the Jewish population stood at 96. Community life expanded,
including Zionist activity, with the Habonim youth movement operating from 1935.
By 1938, 58 Jews had left, 31 emigrating from Germany (including 14 to the
United States). Another eight emigrated in 1939-40 after Kristallnacht
(9-10 November 1938), when Jewish homes and businesses were vandalized and
Jewiish men detained at the Dachau concentration camp. Twenty Jews were deported
to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; another four were deported to
the camps from Holland and seven from other German cities after leaving Lahr. Of
all these, only four survived the Holocaust.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|