Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg 


Lahr/ Schwarzwald mit Stadtteil Dinglingen (Ortenaukreis)  
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Persönlichkeiten und auf sie bezogene Erinnerungsmale     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)  
   
In Lahr bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde, die bei der Judenverfolgung während der Pestzeit 1349 vernichtet wurde.  
   
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts war in Lahr wiederum die Niederlassung von Juden möglich. Nach 1862 zogen vermehrt Juden in die aufblühende Industriestadt. Unter den ersten waren: Isak Herbst aus Rappenau, der 1863 ein Schuhgeschäft eröffnete; Lazarus Maier aus Eichstetten, der 1865 eine Eisenhandlung am Bärenplatz gründete; Samuel Rosenstiel aus Schmieheim mit einer Altwarenhandlung in der Stadt (1870), Karl Haberer aus Friesenheim mit einem Schuhgeschäft am Urteilsplatz (1876). 1875 wurden 48 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Von den 17 männlichen Gemeindegliedern im Jahr 1888 (Gründungsjahr der Gemeinde) stammten neun aus Schmieheim, drei aus Nonnenweier, je einer aus Friesenheim, Gailingen, Eichstetten, Feudenheim und Rappenau
 
Am 22. Juni 1888 wurde die jüdische Gemeinde begründet. An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (Betsaal, s.u.) und eine Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Schmieheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war seit 1888 ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungstexte unten). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Schmieheim, nach Verlegung des Rabbinatssitzes 1893 zum Rabbinatsbezirk Offenburg. 
 
1900 lebten 141 jüdische Personen in der Stadt (1,1 % von insgesamt 13.577 Einwohnern); die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1905 mit 143 Personen erreicht, um danach langsam zurückzugehen: 1925 118 (0,8 % von insgesamt 14.075 Einwohnern), 1933 96 jüdische Einwohner. Seit 1891 gehörten auch die in Dinglingen lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Lahr (1875 7, 1900 17, 1925 1 jüdischer Einwohner). 
   
Auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofs Schmieheim sind die Namen der vier jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Lahr verzeichnet: Friedrich [Fritz] Kahn (geb. 10.8.1897 in Lahr, gef. 25.7.1917), Robert Kahn (geb. 3.6.1884 in Kehl, gef. 9.10.1918), Philipp Schnurmann (geb. 9.9.1891 in Lahr, gef. 4.7.1918), Herbert Wertheimer(geb. 21.12.1891 in Kippenheim, gef. 25.3.1918). 
 
Um 1924 waren die Gemeindevorsteher Karl Maier und Ludwig Kaufmann. Der Religionsunterricht der damals sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder wurde durch Hauptlehrer Salomon Bergheimer (in Lahr als Lehrer und Kantor seit 1906, siehe Bericht unten) erteilt. 1932 waren die Gemeindevorsteher Berthold Ullmann (1. Vors.) und Dr. Ernst Hoffmann (2. Vors.). Weitere vier Gemeindemitglieder gehörten dem Vorstand an. Lehrer Bergheimer hatte damals 12 Kindern Religionsunterricht zu erteilen. Als Schochet kam Herr Schwab aus Schmieheim regelmäßig nach Lahr. 
 
Von den bis nach 1933 bestehenden, jüdischen Familien gehörenden Handels- und Gewerbebetrieben sind vor allem zu nennen: Zigarrenfabrik Isak Bloch (Voelckerstraße 1/11), Kurzwarenhandlung Nathan und Simon Dreyfuß (Marktplatz 5), Herrenbekleidungshaus Adolf Friedmann (Kaiserstraße 27), Metzgerei und Weinstube Karl Haberer (Zollamtsstraße 5), Schuhgeschäft Leo und Eugen Haberer (Friedrichstraße 6), Eisenwarenhandlung Lazarus (später Carl) Maier (Kirchstraße 28), Ledergroßhandlung Berthold Ullmann (Alte Bahnhofstraße 3), Metallwerk Hugo Weil, Fa. Oscar Weil (Tramplerstraße 27-31), Kaufhaus Wohlwerth (Marktstraße 52). Zu den jüdischen Kaufleuten und Händler kamen einige Lehrer (Bergheimer, Kahn), Ärzte (Dr. Selma Wertheimer, Dr. Ernst Hofmann, Praxis Bismarckstraße 2) und Juristen (Hauser, Weinberg).  
  
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 setzten auch in Lahr die Repressalien gegen die jüdischen Bewohner ein. Von Jahr zu Jahr wurden diese wie in ganz Deutschland immer mehr entrechtet und diffamiert, ihre Geschäfte boykottiert. Ein Teil der jüdischen Einwohner konnte in der Folgezeit emigrieren. Der Novemberpogrom 1938 wurde in Lahr vor allem von Mitgliedern der Gebietsführerschule der Hitlerjugend durchgeführt. Die Schaufensterscheiben der noch bestehenden jüdischen Geschäfte wurden zerschlagen, die Fenster der jüdischen Häuser und Wohnungen eingeworfen, Möbel auf die Straße geworfen. Auch der Betsaal wurde völlig demoliert (s.u.). 1939 mussten die hier noch lebenden jüdischen Einwohner in sogenannten "Judenhäusern" zusammenziehen (z.B. im Haus Schlosserstraße 5/7). Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 21 jüdischen Bewohner der Stadt nach Gurs deportiert.     
  
Von den in Lahr geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und bei H. Kattermann s.Lit. im Anhang): Alfred Auerbacher (1938), Jakob Auerbacher (1880), Martha Auerbacher geb. Seligmann (1903), Betty Baum geb. Meyer (1900), Leo Baum (1889), Margot Baum (1927), Hilde Bergheimer geb. Zivi (1897), Lehrer Salomon Bergheimer (1887), Hilde Bernthal (1893), Josef Bloch (1886), Tony Bloch geb. Baum (1889), Klara David geb. Kahn (1879), Emma Dreyfuss geb. Wartensleben (1892), Ernst Dreyfuss (1884), Klara Dreyfuss geb. Dessauer (1865), Ernst Fetterer (1906), Clara Frank geb. Meier (1885), Max Frank (1880), Adolf Friedmann (1872), Bertha Friedmann geb. Weinberger (1876), Ludwig Grünbaum (1904), Max Günzburger (1874), Anna Haberer geb. Neuhaus (1883), Fanny Haberer geb. Baum (1887, Hilde Haberer geb. Wurmser (1886), Julie Haberer (1892), Marie Haberer (1866), Toni Heimann verh. Lindheimer (1904), Bella Isenberg geb. Kahn (1901), Jeanette Kahn (1864), Thekla Kahn geb. Rohrbacher (1868), Thekla Kahn verh. Schweitzer (1877), Martin Krause (1892), Mina Krause geb. Wertheimer (1892), Hans Herbert Lederer (1921), Jenny Lederer geb. Wertheimer (1895), Leopold Lederer  (1889), Walter Lederer (1924), Karoline Löwenstein (1895), Rudolf Löwenthal (1908), Berthold Maier (1877), Charlotte Maier geb. Dreyfuß (1885), Johanna Marx verwitwete Oppenheimer geb. Dreyfuß (1887), Irma Neumann geb. Ullmann (1880), Frieda Schnurmann verh. Fried (1877), Johanna Schnurmann (1864), Hermine Helene Stern geb. Kahn (1874), Martin Stern (1879), Berthold (Bernhard) Ullmann (1884), Elsa Ullmann geb. Heilbronner (1889), Johanna Ullmann geb. Scheich (1891), Oskar Ullmann (1879), Bertha Weil geb. Schnurmann (1873), David Theo Weil (1900), Moritz Weil (1873), Siegfried (Fritz) Weil (1882), Fanny Weinberg geb. Model (1897), Max Weinberg (1884), Tilly Weißbart (1883), Kurt Wertheimer (1905)
.   
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1887 / 1893 / 1900 / 1901 / 1903 beziehungsweise eines Aushilfskantors 1924

Lahr Israelit 24101887.jpg (53027 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1887
"In Lahr (Baden) soll zum ersten Male ein israelitischer Kantor, Religionslehrer und Schächter angestellt werden. 
Das Fixum beträgt 800 Mark. Nebeneinkünfte ca. 150 Mark. 
Wenn derselbe eine gute Handschrift hat und Geschäftsbücher führen kann, findet er in den größeren Geschäftshäusern Lahr's erheblichen Nebenverdienst. 
Da in Lahr noch kein Gemeinde-Vorstand existiert, so sind Meldungen und Anfragen wegen der Stelle bis Mitte November ausschließlich an den Unterzeichneten zu richten. 
Schmieheim (Baden), im Oktober 1887: Großherzogliche Bezirks-Synagoge. Dr. M. Ravicz."
     
Lahr AZJ 20101893.jpg (60714 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1893
"In der israelitischen Gemeinde Lahr ist die Stelle eines 
Vorsängers, Schächters und Religionslehrers
sofort zu besetzen. 
Gehalt 850, Schechitagebühren 300, sonstige Nebeneinkünfte ca. 150 Mark. 
Ledige Kandidaten, welche im Besitz guter Zeugnisse sind, wollen sich bis längstens 15. November dieses Jahres bei dem Unterzeichneten melden. 
Offenburg (Baden) im Oktober 1893. Die Bezirks-Synagoge. Dr. M. Ravicz."
    
Lahr Israelit 25101900.jpg (73920 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1900
"In der israelitischen Gemeinde Lahr (Baden) ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters sofort zu besetzen. Das jährliche Einkommen inklusive Schechita beträgt ca. 1.400 Mark und falls die Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts am Gymnasium nachgewiesen wird, kommen weitere 180 Mark hinzu. Außerdem ist Gelegenheit zu sonstigen Nebenverdiensten vorhanden. Berücksichtigt werden nur unverheiratete Bewerber und sind Meldungen mit abschriftlichen Zeugnissen bis zum 15. November dieses Jahres an den Unterzeichneten zu richten. 
Offenburg (Baden), im Oktober. 
Die Bezirks-Synagoge: Dr. M. Rawicz."
   
Lahr Israelit 11031901.jpg (73681 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1901
"Die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorsängers in Lahr (Baden) wird von Neuem zur Bewerbung ausgeschrieben. Das jährliche Einkommen beträgt ca. 1.400 Mark und bei Übernahme des Religionsunterrichts am Gymnasium kommen weitere 180 Mark hinzu. Nur staatlich geprüfte Lehrer, die auch im Kantorate etwas leisten, können berücksichtigt werden. Meldungen mit Zeugnisabschriften sind bis 1. April dieses Jahres an den Unterzeichneten zu richten. 
Offenburg (Baden). 
Die Bezirkssynagoge

Dr. M. Rawicz."
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1903
"Durch die Berufung des bisherigen Lehrers nach Heilbronn, ist die 
Vorsänger-, Schächter- und Religionslehrerstelle
 
in Lahr (Baden), neu zu besetzen. Das Fixum beträgt 850 Mark, Einkünfte aus der Schechita 300 Mark, sonstige Gefälle ca. 100 Mark. Für Übernahme des Rechner- und Ratschreiberdienstes bei der israelitischen Gemeinde sind 90 Mark und für Erteilung des Religionsunterrichts an der Realschule 80 Mark ausgeworfen, sodass mit der Stelle ein Einkommen von 1420 Mark verbunden ist. Außerdem ist Gelegenheit zu Nebenverdiensten in Lahr vorhanden. Berücksichtigt werden nur unverheiratete Bewerber und wollen solche ihre Meldungen mit Zeugnisabschriften bis 1. August dieses Jahres bei dem Unterzeichneten einreichen.  Offenburg (Baden), im Juli 1903. Die Bezirks-Synagoge: Dr. M. Rawicz."         
 
Lahr Israelit 17071924.jpg (27873 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1924
"Aushilfskantor für die Spätjahrsfeiertage gesucht. Israelitische Kultusgemeinde Lahr." 

        
Lehrer Salomon Bergheimer kommt nach Lahr (1906)  

Lahr usw FrfIsrFambl 16111906.jpg (21999 Byte)Aus einem Bericht über Entscheidungen des Oberrates in Baden im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. November 1906: "Besetzt wurden folgende Religionslehrerstellen: Lahr durch Lehrer S. Bergheimer von Diersburg..."
Anmerkung: Lehrer Salomon Bergheimer war bis in die NS-Zeit Lehrer der Gemeinde. Er ist nach der Deportation umgekommen. 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Prozess vor dem Schöffengericht Lahr 1908 

Lahr Israelit 08101908.jpg (122167 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: "Lahr, 2. Oktober 1908. Ein interessanter Beleidigungsprozess spielte sich gestern vor dem hiesigen Schöffengericht ab. Angeklagt war der Rentier Joseph Kaufmann aus Lahr wegen Beleidigung des Hauptmanns von Denicke vom Infanterie-Regiment Nr. 169. Der Angeklagte hatte behauptet, der Hauptmann habe einen Einjährigen Dreyfuß seines israelitischen Glaubens wegen bei seiner Beförderung übergangen. Die Anklage wurde auf Antragt des Regiments erhoben. Die Verteidigung des Angeklagten lag in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Frank - Mannheim. In der Beweisaufnahme gab der als Zeuge einvernommene Oberst von Randow auf Befragen des Verteidigers zu, dass im Laufe des letzten Jahres eine kaiserliche Kabinettsorder durch den Kriegsminister den Regimentern zur Kenntnis gebracht worden sei, in der bestimmt wird, dass bei militärischen Beförderungen keinerlei Unterschiede zwischen den Angehörigen der verschiedenen Konfessionen gemacht werden dürfe. Er - der Oberst - fasse diese Kabinettsorder so auf, dass sich diese Ordner nicht nur auf die Beförderung von Katholiken und Protestanten, sondern auch auf die Beförderung von Juden beziehe, und er fühle sich schwer beleidigt, wenn ihm jemand den Vorwurf mache, dass er einer Allerhöchsten Kabinettsorder zuwiderhandle. Das Urteil des Gerichts lautete auf 50 Mark Geldstrafe. Der Prozess ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil in ihm zum ersten Male authentisch die Existenz der Kaiserlichen Kabinettsorder betreffs die gleichmäßige Berücksichtigung aller Konfessionen bei militärischen Beförderungen festgestellt worden ist."

    
    
Persönlichkeiten und auf sie bezogene Erinnerungsmale 
    

Ludwig Frank. Der aus Nonnenweier stammende spätere Rechtsanwalt wohnte 1885 bis 1897 in Lahr (1893 Abitur am Gymnasium Lahr); an ihn erinnern in Lahr die Ludwig-Frank-Straße und das Seniorenzentrum "Ludwig-Frank-Haus" (Marie-Juchacz-Straße 8). 
   
Das Hedwig-Wachenheim-Haus (Am Schützenplatz 15) ist nach der aus Mannheim stammenden jüdischen Sozialpolitikerin und Publizistin benannt.  
      
      
      
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge                
      
Das mittelalterliche Wohngebiet lag in der "Judengasse" (heute Lammstraße und Metzgerstraße), wo sich auch eine Synagoge und ein "Judenbrunnen" befanden.  Die genauen Standorte sind nicht mehr bekannt.   
   
Die Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts konnte 1888 einen Betsaal im Obergeschoss des Hauses Bismarckstraße 12 einrichten. Am 27. September war die Einweihung des Saales, verbunden mit der Einweihung einer neuen Torarolle, die David Weill aus Kippenheim gestiftet hatte. Bezirksrabbiner Dr. Victor Meyer Rawisz aus Schmieheim hielt die Weiherede. Der Lahrer Gemeinderat wurde zu diesem Fest eingeladen, einige Mitglieder waren auch erschienen. Nach der religiösen Feier folgte ein Festessen mit Tanz im Gasthaus zur Sonne.  
   
Der Betsaal war sehr schlicht eingerichtet, ohne farbigen Wandschmuck. Männer und Frauen saßen in voneinander getrennten Bankreihen. In der Mitte vor der Gemeinde war auf einem Tisch ein einfacher Toraschrein aufgestellt, daneben eine Menora. Davor hatte, etwas erhöht, der Vorbeter seinen Platz. Links vorne stand ein Harmonium. Ein Sängerchor – bestehend aus einigen Kindern und mehreren der jüdischen Frauen – fand seinen Platz neben dem Harmonium.  

Aus der Broschüre von H. Kattermann S. 11-12 über "Kulträume und Gottesdienst" in Lahr:  "Die Kulträume waren sehr schlicht eingerichtet, ohne farbigen Wandschmuck. Männer und Frauen saßen getrennt in zwei Bankreihen, wie das in Synagogen üblich ist. In der Mitte vor der Gemeinde war aufn einem Tisch die Torarolle aufgestellt und daneben der siebenarmige Leuchter. Davor stand, etwas erhöht, der Vorleser, um aus der Tora ... den jeweiligen Text vorzulesen. Über der Kanzel hing das ewige Licht.
Links vor der Gemeinde standen Harmonium und Sängerchor. Herr Götz Samuel Hauser (geb. 1924) ... berichtet in einem Brief: "Herr Salomon Bergheimer war Kantor und war auch wie ein Rabbiner tätig. Er war auch gleichzeitig Lehrer für Religion. 
Gottesdienst war jeden Freitag abend und Samstag morgen und natürlich an allen Festtagen. Frau Hofmann (Frau von Dr. Hofmann) spielte Harmonium, während der Sängerchor (wir Kinder und ein paar der Frauen) sang. An Festtagen sang Frau Hofmann solo (bei der Seelenfeier am Versöhnungstag immer Schuberts Lied: 'Allerseelen').
An hohen Feiertagen wurde auch das Schofarhorn geblasen, eine schwere Kunst, anfangs des Jahrhunderts blies es Viehhändler Leopold Wertheimer.
Der Religionsunterricht war in einem Zimmer neben dem Betsaal und später auch in einer der Wohnungen. Ruth Hofmann und ich hatten (nach 1933) unseren Unterricht in unserer Wohnung.
http://www.badische-zeitung.de/lahr/wenn-das-haus-geschichte-atmet--85229310.html In den Jahren 1934/36 wanderten verschiedene Familien schon aus, und es war dann am Samstag morgen schon schwieriger 'Minien' zu bekommen... Die Festtage waren immer sehr festlich und der Betsaal war ziemlich voll".    
                     

Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betsaal von Mitgliedern der Gebietsführerschule der Hitlerjugend in Lahr demoliert. Sie warfen die Kultgegenstände aus dem Betsaal auf die Straße. Nach 1938 war noch ein Betsaal im Haus der jüdischen Familie Schnurmann vorhanden (Schlosserstraße 7). In dieses Haus wurden 1939/40 auch einige Familien, die noch in Lahr geblieben waren, zwangsweise einquartiert ("Judenhaus").  
    
Das Haus des Betsaales Bismarckstraße 12 ist als Wohnhaus erhalten. Eine Gedenktafel ist angebracht.  
     
     
     

Fotos 
Historisches Foto: 

Lahr Synagoge 01.jpg (45972 Byte)

Links: Im Betsaal der jüdischen Gemeinde Lahr um 1930 mit Lehrer/Kantor Salomon Bergheimer. 
Die Frau neben ihm spielt am Harmonium; die Kinder bildeten einen Chor (vgl. Text Kattermann). 
Die beiden Mädchen mit demselben Hut im Hintergrund sind die Zwillinge Edith und Ruth Ullmann 
(geb. 26. Mai 1921 in Lahr)
 

Vgl. Artikel: Wenn das Haus Geschichte atmet (veröffentlicht am Fr, 23. Mai 2014 auf badische-zeitung.de) 

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Lahr Synagoge 011.jpg (58064 Byte) Lahr Synagoge 010.jpg (88992 Byte)
   Das Haus Bismarckstraße 12 in Lahr, wo sich im oberen Stock der 
Betsaal der Gemeinde befand 
   
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 1.9.2003)
Lahr Betsaal 165.jpg (63347 Byte) Lahr Betsaal 167.jpg (53237 Byte)
   Das Haus Bismarckstraße 12 
   
Lahr Betsaal 168.jpg (58518 Byte) Lahr Betsaal 169.jpg (68685 Byte) Lahr Betsaal 166.jpg (74007 Byte)
Ansicht vom Hinterhof  Eingang mit Gedenktafel  Gedenktafel 
     
      Lahr Betsaal 160.jpg (57125 Byte) Lahr Betsaal 161.jpg (55048 Byte)
      Das Gebäude Schlosserstraße 7 (Familie Schnurmann), in dem nach 1938 
(vermutlich bis 1940) Gottesdienste gefeiert wurden  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2011: Putzaktion für die "Stolpersteine" in der Stadt   
Artikel von "zena" in der "Badischen Zeitung" vom 19. November 2011: "Glänzende Stolpersteine, weiße Rosen und Kerzen
Lahr
. Fünf Stolpersteine sind in den Boden in der Lotzbeckstraße 15 eingelassen. Dort hat die jüdische Familie Lederer gewohnt, die am 22. Oktober 1940 ins südfranzösische Gurs deportiert wurde. Vergangenen Donnerstag hat die Regionalgruppe Geroldsecker Land des Historischen Vereins für Mittelbaden in ihrer jährlichen Stolperstein-Aktion den Lahrer Juden gedacht..."
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.    
 
März/Mai 2014: 2014 werden weitere "Stolpersteine" verlegt 
Ende 2013 hat die Regionalgruppe Geroldsecker Land des Historischen Vereins für Mittelbaden die organisatorische Betreuung der Verlegung der Stolpersteine in Lahr übernommen. 2014 sollen insgesamt 19 Gedenksteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. 
Link zu einer Pressemitteilung bei bo.de    
 
19 Stolpersteine werden diesmal verlegt (veröffentlicht am Mo, 19. Mai 2014 auf badische-zeitung.de) 
19 weitere Stolpersteine werden in Lahr verlegt (veröffentlicht am Mi, 21. Mai 2014 18:24 Uhr auf badische-zeitung.de) 
Wenn das Haus Geschichte atmet (veröffentlicht am Fr, 23. Mai 2014 auf badische-zeitung.de) 
Hinweis: "Stolpersteine" wurden verlegt für folgende jüdische Personen: Adolf Friedmann, Bertha Friedmann, Erich Friedmann, Leo Haberer, Anna Haberer, Hilda Haberer, Hilda Haberer geb. Wurmser, Marie Haberer, Eugen Haberer, Hede Haberer, Karoline Groß, Delphine Kassewitz geb. Haberer, Bernhard Berthold Ullmann, Johanna Ullmann geb. Schweich, Hans Siegbert Ullmann, Edith Ullmann, Ruth Ullmann. 
"Erinnerung an das Schicksal Johanna Ullmanns" (Artikel in der Lahrer Zeitung vom 3. September 2014)  

      
       

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Lahr  
Rückblick (interner Link): Presseartikel (Badische Zeitung vom 31.8.2005) mit Hinweisen auf Veranstaltungen zum "Tag der Europäischen Jüdischen Kultur" am 4.9.2005: hier anklicken  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 176-177. 
Germania Judaica II,1 S. 463-464. 
Hildegard Kattermann: Geschichte und Schicksale der Lahrer Juden (Hg. Stadtverwaltung Lahr), 1979². 
Jürgen Stude: Die Lahrer Juden, in: Geschichte der Stadt Lahr. Band 3. 1993. 
Uwe Schellinger: Der Tod des Kantors: Salomon Bergheimer (1887-1942) aus Lehr. In: "Storchenturm" - Infobroschüre für Lahr. Jg. 20. Januar 2010. S. 3-7. 

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lahr  (in Jewish sources, Lara)  Baden. The small 14th century community, inhabiting a special quarter with a synagogue, was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49 and only renewed in the late 19th century, after emancipation. The Jewish population grew to 141 by 1900 (of a total 13,557). Jews operated large wholesale establishments (shoes, clothing, metal products) and factories, including one of the largest steel plants in Europe. In 1933 the Jewish population stood at 96. Community life expanded, including Zionist activity, with the Habonim youth movement operating from 1935. By 1938, 58 Jews had left, 31 emigrating from Germany (including 14 to the United States). Another eight emigrated in 1939-40 after Kristallnacht (9-10 November 1938), when Jewish homes and businesses were vandalized and Jewish men detained at the Dachau concentration camp. Twenty Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; another four were deported to the camps from Holland and seven from other German cities after leaving Lahr. Of all these, only four survived the Holocaust.  
       
        

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. September 2014