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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Friesenheim (Ortenau-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem im 17./18. Jahrhundert zur Markgrafschaft Baden gehörenden
Friesenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in
die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück, doch waren vorübergehend bereits
1452
und 1581 bis 1586 Juden am Ort. 1739 lebten fünf jüdische Familien in
Friesenheim. Die höchste Zahl jüdische Einwohner wurde um 1880 mit 135
Personen erreicht.
Die jüdischen Familien in
Friesenheim lebten überwiegend vom Viehhandel und von Handlungen mit Waren
unterschiedlicher Art. Nach 1880 ging die Zahl der jüdischen Einwohner zurück. 1900 wurden noch 74, 1925 48 und 1933 33 jüdische
Gemeindemitglieder gezählt.
An Einrichtungen waren vorhanden: eine Synagoge (s.u.),
eine Religionsschule und ein rituelles Bad (in der Mühlgasse Lgb.-Nr. 602/1,
1863 erbaut, 1933 verkauft; auf den Grundmauern wurde später eine Garage erbaut). Die Toten
der jüdischen Gemeinde wurden in Schmieheim
beigesetzt. Zeitweise war ein eigener Religionsschullehrer angestellt, der
zugleich als Vorsänger und Schächter tätig war (siehe Ausschreibungen der
Stelle unten). 1827 war die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Schmieheim
zugeteilt worden, bis dieser aufgelöst und und der Rabbinatssitz 1893 nach Offenburg verlegt wurde.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Richard und
Siegmund Haberer. Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen
Friedhofes in Schmieheim.
Um 1925 waren die Gemeindevorsteher Josef Greilsheimer, Benjamin
Haberer und Berthold Weil. Damals erteilte für die noch zwei schulpflichtigen
jüdischen Kinder aus Friesenheim den Religionsunterricht der jüdische Lehrer
Moses Schloss aus Diersburg. An jüdischen Vereinen/Wohlfahrtseinrichtungen
bestanden ein Wohltätigkeitsverein (unter Leitung von Josef Greilsheimer) und eine Sterbekasse
(gleichfalls unter Leitung Hugo Greilsheimer). 1932 waren die Gemeindevorsteher Hugo Greilsheimer,
Dr. Siegfried Dreifuß und Josef Greilsheimer.
1933 gab es noch folgende Gewerbebetriebe in jüdischem Besitz: Schuhe, Häute und Felle Edgar Cerf
(Hauptstraße 103), Tierarzt Dr. Siegfried Dreyfuß (Engelgasse 31), Damenschneiderei Bettina und Blandina Greilsheimer
(Hauptstraße 58), Versandgeschäft Hermann Greilsheimer (Lahrgasse 14, abgebrochen), Tuchwaren Hugo Greilsheimer
(Hauptstraße 38), Viehhandlung Josef Greilsheimer (Hauptstraße 95), Chem. Produkte, Vertretung Josef Greilsheimer II
(Adlerstraße 19), Viehhandlung Julius Greilsheimer (Friedenstraße 22). Viehhandlung Ludwig Greilsheimer (Bärengasse 1), Eisenwarenhandlung Benjamin
Haberer, Inh. Alfred Levi (Hauptstraße 87/89; bis 1939, siehe Bericht unten
"Erinnerungsarbeit
vor Ort"), Stoffe Lucien Kahn (Kronenstraße
5), Manufakturwaren- und Wäschehandlung Berthold Weil (Hauptstraße 53).
Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts wanderten bereits 1933 sieben der Gemeindeglieder nach
Frankreich und nach Palästina aus. Weitere emigrierten in den folgenden Jahren
oder verzogen in andere Orte Deutschlands. Am 22. Oktober 1940 wurden die neun
letzten jüdischen Einwohner nach Gurs verschleppt.
Von den in Friesenheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", abgeglichen mit den Angaben bei J. Stude s.Lit.):
Sophie Baumann geb. Greilsheimer (1880), Lydia Bloch geb. Haberer (1898), Blandina
(Hilde) Greilsheimer (1889), Flora Agata Greilsheimer (1894), Flora Greilsheimer
geb. Mannheimer (1908), Hermann Greilsheimer (1885), Hugo Greilsheimer (1889),
Josef Greilsheimer I (1878), Josef Greilsheimer II (1882), Rabbiner Dr. Julius Greilsheimer
(1890, s.u.), Lieselotte Greilsheimer (1935), Ludwig Greilsheimer (1879), Ludwig (Louis) Greilsheimer (1896), Mirjam Greilsheimer geb. Barth
(1893), Sara Greilsheimer geb. Hasgall (1885), Berta Haas geb. Greilsheimer
(1883), Delphine Haberer (1884), Karl Haberer (1863), Marie
Haberer (1866), Hermine Hammel geb. Weil (1877), Frieda Heinemann geb.
Greilsheimer (1876), Seligmann (Selig) Hirsch (1888), Johanna Kirchner geb.
Herold (1887), Alfred Levi (1892), Brunhilde
Levi geb. Haberer (1900), Hermine Mayer geb. Greilsheimer (1879), Hermann
Nägele (1898), Hedwig Randerath geb. Greilsheimer (1883), Elise Rosenberg geb.
Hirsch (1884), Marie Schwartz
geb. Haberer (1865), Heinrich Valfer (1882), Samuel Valfer (1871), Luise Weil
geb. Greilsheimer (1888), Moritz Weil (1879), Pauline Weil geb. Greilsheimer
(1876), Raphael Weil (1881), Elise Wertheimer geb. Greilsheimer (1886).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1875 / 1907 / 1908
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1875:
"Für die israelitische Gemeinde Friesenheim (Baden) wird ein
Religionsschullehrer, Vorsänger und Schächter gesucht.
Fester jährlicher Gehalt 700 Mark, freie Wohnung und Nebengefälle, die
sich auf ungefähr mit Schächtergeld auf 350 Mark belaufen.
Bewerber wollen sich bei Unterzeichnetem unter Vorlage von Zeugnissen
melden.
Der Synagogenrat: Lehmann Kormann. Philipp Greilsheimer." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1907:
"In der israelitischen Gemeinde Friesenheim ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorbeters und Schächters sofort zu besetzen. Fixum 700 Mark.
Nebenverdienste 300 Mark, Wohnungsentschädigung 100 Mark. -
Unverheiratete Bewerber wollen ihre Meldungen mit Zeugnisabschriften, die
nicht zurückgesandt werden, bis Mitte März dieses Jahres an den
Unterzeichneten richten. Offenburg (Baden).
Die Bezirkssynagoge: Dr. M. Rawicw (für Raudies)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1908:
"Die hiesige Religionslehrerstelle verbunden mit Vorsänger-
und Schächterdienst, mit einem Gehalt von Mark 900, Mark 100
Wohnungszuschuss und ungefähr Mark 300 Nebenverdienst, ist sofort zu
besetzen;
ledige Bewerber bevorzugt. Offerten gefälligst an den hiesigen
Synagogenrat erbeten. Friesenheim, Baden.
Der Vorstand: Marx Greilsheimer" |
Lehrer S. Bassist bietet eine eigene Komposition an (1907)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der israelit" vom 31. Januar 1907:
"Für Kantor und Choro. Meine Mussaf-Keduschoh 12 Seiten stark
für Solo und Chora, die beim Oberbadischen Synagogen-Chor-Verband in
Offenburg im Juni 1906, mit größtem Erfolg vom Synagogen-Chor,
Kippenheim gesungen worden, ist bei mir mit 2 Mark bis Mitte Februar
dieses Jahres zu haben.
S. Bassist, Friesenheim, Baden." |
Suche nach Lehrer Bassist (Mai 1907)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1907: "Wer
kennt den jetzigen Wohnort des Lehrers S. Bassist, früher in Friesenheim?
Gefällige Mitteilungen, eventuell unfrankiert an Haasenstein &
Vogler, AG., Frankfurt am Main." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Joseph Greilsheimer (1877)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit
vom 19. Dezember 1877: Friesenheim in Baden. Nach unerforschlichem
Ratschlusse wurde am 19. Kislew Herr Joseph Greilsheimer ganz unerwartet den
Seinigen durch den Tod entrissen und am 22. Kislew den irdischen Resten die
letzte Ehre erwiesen. Der Verblichene, auch weiterhin gekannt, hat es
verstanden, durch ein menschenfreundliches, leutseliges Benehmen und durch
seiner Opferwilligkeit bei seinen Konfessionsgenossen wie bei Jedermann sich die
Liebe und Achtung zu erwerben, und dadurch auch im Tod sich ein bleibendes
Andenken gesichert. Bei der zahlreichen Leichenfeier ehrte den Verstorbenen in
der lobenswertesten Weise unser verehrter Herr Lehrer E. Mayersohn durch den
richtiggefühlten Anschluss seiner Worte an den Text aus 1.Mose 39,4: "Und
Mose fand Gnade vor seinem Herrn und wurde sein Diener. Er setzte ihn über sein
Haus", sowie auch an den Trostspruch: "Der HERR hat es gegeben, der
HERR hat es genommen, der Name des HERRN sei gelobt" und hat in
schwungvoller und klarer Weise uns an die irdische Vergänglichkeit erinnert,
aber auch eine ewige Freude als süßer Trost verheißen und so manchem Auge
eine Träne entlockt". Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens. |
Zum Tod von Isaac Blum (1898)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
17. März 1898: Friesenheim bei Lahr. Am Purim verschied nach kurzem Leiden
Herr Isaac Blum - Friede sei mit ihm - im 55. Lebensjahr. Zu seiner Beerdigung
waren von Nah und Gern unzählige Trauernde und Mitfühlende herbeigekommen, und
das Leichenbegängnis war ein überaus großes. Am Sarge sprachen die Herrn
Bezirksrabbiner Dr. Rawicz aus Offenburg und Lehrer Mayersohn aus Rastatt,
Schwager des Entschlafenen. In warmen Worten wurde von den Rednern die
zahlreichen Verdienste des Verstorbenen, die derselbe betr. Krankenbesuchen und
der Wohltätigkeit geleistet hat, gebührend hervorgehoben : G'tt möge die
Trauernden, ob ihres harten Verlustes trösten, und von ihnen jedes Leid und
jede weitere Heimsuchung fernhalten." |
Zur Goldenen Hochzeit des langjährigen Gemeindevorstehers Marx Greilsheimer und
Charlotte geb. Weil (1926)
Artikel aus der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 15. Juli 1926: "Friesenheim
(Baden), 1. Juli. Am Schabbat, den 26. Juli - Toralesung Balak - feierten
Herr Marx Greilsheimer und seine ihm ebenbürtige Gattin, Frau Charlotte geb.
Weill ihre Goldene Hochzeit und die Feier gestaltete sich zu einem wahren Feste
der Kehillo (Gemeinde). Unzählige Depeschen waren eingelaufen, die vielen
Blumen zeugten von allgemeiner inniger Teilnahme. Schon am Freitag Abend
erschien der Gesangverein des Ortes, zu dessen Gründern der Jubilar gehört, um
dem Jubelpaar ein Ständchen zu bringen; der Bürgermeister des Ortes hatte ein
Telegramm im Namen der Gemeindevertretung gesandt. Herr Max Greilsheimer
bekleidete bis vor mehreren Jahren 30 Jahre lang das Amt eines Vorstehers in
hiesiger Gemeinde; in alter Anerkennung und Wertschätzung gratulierte der
Oberrat der Israeliten Badens neben dem Geschenk eines herrlichen silbernen
Pokals. Herr Bezirksrabbiner Dr. Zlocisti war anwesend in hiesiger Gemeinde, um
diesen allgemeinen Freudentag würdig zu begehen. Zum Morgengottesdienst wurde
das Jubelpaar im Synagogenhof empfangen und in die geschmückte Synagoge
geleitet. Zu Ehren des Tages ließ ein Synagogenchor seine herrlichen Gesänge
erklingen. Viele herzlichen Reden wurden gehalten. Mögen alle Wünsche in
Erfüllung gehen." |
Zum Tod des Synagogenvorstehers Isak Greilsheimer (1929), Vater von Rabbiner Dr.
Julius Greilsheimer
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929:
"Friesenheim (Baden), 17. Februar (1929). Am Mittwoch den 13. Februar
verschied hier Synagogenvorsteher Isak Greilsheimer. 20 Jahre stand er
unserer Gemeinde als Sch"Z (ehrenamtlicher Vorbeter)
vor, auch war er Baal Tokea (Schofarbläser, fast 50 Jahre). Da die
Gemeinde keinen eigenen Kultusbeamten hat, versah er diese heiligen
Funktionen ehrenamtlich. Und mit welcher Hingabe und Liebe entledigte er
sich dieser selbstgestellten Aufgabe! Sein Haus gilt als ein kleines
Heiligtum, in welchem die Kinder zu guten Jehudim erzogen wurden, in
welchem er 49 Jahre mit seiner ihm ebenbürtigen Gattin gewirkt, von
welcher ihn nun der Tod trennte. Ein Sohn ist Herr Rabbiner Greilsheimer
in Mosbach.
Die Bestattung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung.
Viele hunderte Personen ohne Unterschied der Konfessionen gaben ihm das
letzte Geleite. Auch die freiwillige Feuerwehr und der Militärverein
waren in starker Zahl vertreten. Die Vorsteher der umliegenden Gemeinden
trugen die Bahre mit den teuren Resten aus dem Haus in den Hof neben der
Synagoge, in welcher er so viele Jahre hingebungsvoll gewirkt hatte. Die
Tore standen offen und alle Lampen waren entzündet. Die Gedenkrede hielt
Herr Bezirksrabbiner D. Clocisti (Zlocisti) - Offenburg. Tief ergriffen
sprach dann sein Sohn, Rabbiner Greilsheimer in Mosbach, Worte des Dankes
und des Abschiedes. Zuletzt zeichnete Herr Lehrer Schloß - Diersburg ein
Lebensbild dieses Frommen. Möchte Gott diese Trauernden
trösten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zur Erinnerung an Rabbiner Dr. Julius Greilsheimer (1891 -
ermordet in Auschwitz)
Zur
Erinnerung an Rabbiner Dr. Julius Greilsheimer (geb. 1891 Friesenheim,
ermordet in Auschwitz) ein Artikel aus Ernst G. Lowenthal ("Bewährung im
Untergang. 1965; zitiert nach Stude s.Lit. S. 58): "Am 29. April 1891 in
Friesenheim (Baden) geboren, besuchte Julius Greilsheimer die Volksschule seiner
Geburtsortes und absolvierte das Gymnasium in Lahr, seine rabbinische Ausbildung
erhielt er am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau. Nach dem Kriege
bekleidete er zunächst mehrere Stellen als Hauslehrer. 1925 wurde er vom
Oberrat der Israeliten Badens als Bezirksrabbiner für die Rabbinatsbezirke
Mosbach-Merchingen-Wertheim mit dem Wohnsitz in Mosbach angestellt. Als
Vertreter der Rabbinerschaft wurde er mit zwei anderen Kollegen in die
Landessynode gewählt. Seine Frau war Karoline geb. Schlesinger aus Flehingen
(Baden); er hatte zwei Töchter. Die ganze Familie wanderte 1939 nach Holland
aus und wurde über Westerbrock nach Auschwitz verschleppt; Frau Greilsheimer
erwartete damals ihr drittes Kind. Im Andenken an Rabbiner Greilsheimer und die
übrigen umgekommenen Mosbacher Juden wurde im Herbst 1947 in Gan Jiskor
(Israel) ein Hain von 100 Bäumen gepflanzt". |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Die jüdischen
Familien lebten zunächst vor allem im Bereich der "Judengass", heute
Lahrgasse. Noch 1848 wohnten sechs jüdische Familien in der heutigen Lahrgasse.
Die heutige Hochgasse liegt oberhalb der Lahrgasse im Gewann "Auf der Judengass".
Für die Gottesdienste der Gemeinde war zunächst ein
Betsaal vorhanden. 1809 befand er sich im Haus des Lazarus Kallmann. Dessen
Vater "Alt Callmann Lazarus" (bzw. Kallonymus Lazarus) war 1777 aus Zabern
(heute Saverne im Elsass) aufgenommen worden. Sowohl Alt Callmann Lazarus wie
auch der etwa 1763 geborene Sohn Lazarus Kallmann konnten 1809 ein Vermögen von
500 Gulden angeben und waren die damals wohlhabendste Familie in Friesenheim.
Dennoch war auf Grund der unsicheren Kriegsjahre und dem geringen Vermögen der
meisten jüdischen Familien noch nicht an eine Synagoge zu denken.
Erst 1820 konnte auf einem Grundstück im Bereich
der alten "Judengasse" unmittelbar hinter dem heutigen Gebäude Lahrgasse 8 ein
selbständiges Synagogengebäude erbaut werden. Damals hatte die jüdische
Gemeinde etwa 50 Mitglieder. Die Synagoge war ein kleines und unscheinbares Gebäude
und unterschied sich von einem Wohnhaus nur durch die im Bereich des Betsaales
an den Längsseiten jeweils vorhandenen drei höheren Fenstern. Ein Drittel des
16 mal 9 Meter großen Gebäudes gehörte nicht zum Betsaal, sondern wurde im
Erdgeschoss als Lagerraum (Schopf) genützt. Hier wurden nach der Überlieferung
auch gelegentlich Schächtungen vorgenommen. Darüber lag eine zeitweise vom jüdischen
Lehrer/Vorsänger bewohnte kleine Wohnung. Zum Betsaal gelangte man über einen
Gang, zu dem eine mehrstufige Treppe führte. Der etwas erhöht liegende Betraum
hatte einen Grundriss von etwa 8 mal 9 Meter. Aufgeteilt war er in eine Frauen-
und Männerabteilung, zu denen vom Gang aus separate Türen führten.
Bereits in den 1920er Jahren hatte die Gemeinde keinen
eigenen Vorsänger und Lehrer mehr. Die Gottesdienste haben Gemeindeglieder
geleitet, bis zu seinem Tod 1927 war es Isaak Greilsheimer, danach Hugo
Greilsheimer. Da es immer schwieriger war, die zum Halten der Gottesdienste
notwendige Zehnzahl der Männer zusammen zu bekommen, wurden die Gottesdienste
teilweise gemeinsam mit den Diersburger jüdischen Gemeindegliedern gefeiert.
Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde
die Friesenheimer Synagoge nicht beschädigt. Am 17. Juni 1940 ging das
Gebäude, dessen Steuerwert 1938 auf 8.000 RM veranschlagt wurde, für 1.000 RM
in den Besitz der politischen Gemeinde über. Was mit den Torarollen und den
anderen kultischen Gegenständen geschehen ist, ist nicht bekannt. Das Gebäude
wurde als Geräteschuppen verwendet. 1944 ließ die politische Gemeinde
Friesenheim die Synagoge abreißen. An ihrer Stelle wurde ein Schopf (Scheune)
erstellt, der unter anderem für Notschlachtungen verwendet wurde. 1950 wurde
dieser Schopf zu einem behelfsmäßigen Wohnhaus umgebaut, das noch einige Zeit
als Obdachlosenasyl verwendet wurde, aber um 1990 abgebrochen wurde. Seit Mai
1995 heißt der Weg, der früher zur Synagoge führte, im unteren Bereich der
Lahrgasse "Synagogengasse". Hier ist auch eine Gedenktafel für die Synagoge
vorhanden.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
eventuelle Hinweise bitte an den
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite |
Pläne
(Quelle: J. Stude, Diplomarbeit s. Lit., S. 89-91)
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Lageplan der ehemaligen Synagoge an der Lahrgasse |
Skizze der ehemaligen Synagoge Friesenheim (Bestandsaufnahme aus dem Jahr
1941) |
Grundriss der ehemaligen Synagoge im Erdgeschoss (Bestandsaufnahme aus dem
Jahr 1941) |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.9.2003) |
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| Der Synagogenstandort war
rechts des abgebildeten Gebäudes |
Hinweisschild für die
"Synagogengasse" |
Gedenktafel am Gebäude neben
der ehemaligen Synagoge |
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Der im Oktober 2006 eingeweihte
Gurs-Gedenkstein in Friesenheim
(Foto: U. Schellinger, Freiburg) |
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| Die Dublette
des Friesenheimer Gurs-Denkmales in Neckarzimmern (Mahnmal für die
Deportation der badischen Juden - www.mahnmal-projekt.de;
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 96ff. |
 | Jürgen Stude: Die jüdische Gemeinde Friesenheim. Beiträge zur
Heimatgeschichte Friesenheim. Bd. 4. 1988. |
 | ders.: Diplomarbeit zur Geschichte der Juden in Friesenheim
(maschinenschriftlich). 1987. |
 | Uwe Schellinger: Nichts im Ort erinnert mehr an die jüdische
Gemeinde. In: Badische Zeitung vom 10.11.1994. |
 | ders.: Familienfoto. Zur Geschichte der jüdischen Familie Greilsheimer
aus Friesenheim. Bilder aus dem Ortenauer Landjudentum. In: Geroldsecker
Land Heft 47 2005 S. 74-89.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Friesenheim Baden. Jews were present by the
mid-17th century. Relations with the local population were strained in the first
half of the 19th century against a background of economic competition and Jews
were forced to renounce their civil rights during the 1848 revolution. After
emancipation (1862), relations improved. The Jewish population reached a peak of
135 in 1887 (around 5 % of the total), dropping to 33 in 1933. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and a number of Jewish men
were sent to the Dachau concentration camp. In 1933-39, 3 Jews left the country
and five moved to other German cities. Nine were deported to the Gurs
concentration camp on 22 October 1940, joined by two who had moved to other
German cities. Two survived the Holocaust.

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