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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlichen
Herrschaften gehörenden und von einem wechselvollen Schicksal gezeichneten
Stadt Breisach bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. 1301
werden erstmals Juden genannt. Während der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349
wurde die Gemeinde vernichtet. Seit 1376 ließen sich erneut Juden nieder. 1424
wurden sie ausgewiesen.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts
zurück. Nach der Eroberung der Festung Breisach durch Herzog Bernhard von
Sachsen-Weimar im Dezember 1638 konnten Juden wieder in Breisach zuziehen.
1710
wurden bereits 30 jüdische Familien gezählt, die eine Gemeinde mit Rabbiner,
Vorsänger und anderen Gemeindebediensteten bildeten. Bei der Zerstörung der
Stadt durch die Franzosen brannten alle jüdischen Häuser nieder, was für
einige Jahre zur völligen Verarmung der jüdischen Familien führte.
1809
lebten wieder 85 jüdische Familien in der Stadt. Bis Anfang des 20.
Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1825 438 jüdische Einwohner, 1832 533, 1836 567, 1839 Höchstzahl mit 572 Personen (15,5 % von
insgesamt 3.050 Einwohnern), 1855 558 jüdische Einwohner, 1864 525, 1871 537,
1875 530, 1880 564 (17,3 % von
3.258), 1885 505, 1890 549, 1895 501, 1900 434 (12,3 % von 3.537), 1905 419, 1910 405 (11,5 % von 3.537).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof (zum alten
und neuen Friedhof). Das
rituelle Bad war im 18. Jahrhundert in einem Nebengebäude zur Synagoge
untergebracht, später im Untergeschoss der Synagoge. Eine jüdische Konfessionsschule
bestand von 1835 bis 1876. Sie wurde im ehemaligen Wirtshaus "Zum Sankt
Peter" (Rheintorstraße 3) eingerichtet. Das Gebäude diente zeitweise als
jüdisches Armenspital und als jüdisches Gemeindehaus und
als Kantorswohnung, zuletzt war nach der Zerstörung der Synagoge von
1938-40 hierin auch ein Betsaal eingerichtet. Nach 1940 wurde das Gebäude als
Werkstatt, nach 1955 als Wohnhaus genutzt. Das 2000 vom "Förderverein
Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus" erworbene Gebäude ist seit 2003 als
Gedenk- und Begegnungsstätte hergerichtet (siehe unten).
Seit 1827 war Breisach Sitz eines Bezirksrabbinates, das 1885 nach Freiburg verlegt wurde.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Robert Breisacher
(geb. 15.4.1896 in Breisach, gef. 19.3.1918), Viktor Breisacher (geb. 1.4.1887
in Breisach, gef. 6.7.1018), Ludwig Fleursheimer (geb. 12.11.1898, gef.
12.5.1920), Ludwig J.S. Geismar (geb. 23.6.1894 in Breisach, gef. 7.8.1918),
Joseph Kahn (geb. 23.5.1892 in Breisach, gef. 22.10.1914), Hugo Levy (geb.
24.1.1890 in Breisach, gef. 15.2.1916), Arthur Model (geb. 4.2.1882 in Breisach,
gef. 25.5.1915), Emanuel Weil (geb. 4.9.1881 in Breisach, gef. 14.8.1916),
Unteroffizier Martin Max Wurmser (geb. 14.11.1879 in Breisach, gest. 8.10.1914
in Gefangenschaft).
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 287 Personen gehörten, waren
die Gemeindevorsteher: Victor Kleefeld, Leopold Dreyfuß, Salomon
Kleefeld, Hermann Bähr, Julius Breisacher, Adolf Uffenheimer, Ferdinand
Uffenheimer. Als Hauptlehrer war in der Gemeinde Elkan Strauß tätig, als Gemeindesekretär
Jacob Rosenberg, als Rechner Bertold Levy, als Synagogendiener Hermann
Greilsamer. Hauptlehrer Strauß erteilte den Religionsunterricht an der
Volksschule in Breisach (für 13 jüdische Kinder) und an der Realschule (für
20 jüdische Kinder). An jüdischen Vereinen bestanden u.a. der Israelitische
Männerkrankenverein (gegründet 1838; 1925 unter Vorsitz von Josef Frank,
1932 unter Vorsitz von Hugo Geismar mit 75 Mitgliedern; Zweck und
Arbeitsgebiete: Unterstützung Kranker und Hilfsbedürftiger) und der Israelitische
Frauenkrankenverein (gegründet 1832; 1925 unter Vorsitz der Frau von Victor
Kleefeld; 1932 unter Vorsitz von Rosa Geismar-Uffenheimer mit 94 Mitgliedern;
Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenunterstützung). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Hermann Bähr (1. Vors., Neugasse), Leopold Dreifuß (2.
Vors., Marktplatz) und Julius Rosenberg (Schriftführer, Judengasse). Als
Lehrer, Kantor und Schochet war inzwischen Michael Eisemann tätig. Er erteilte
im Schuljahr 1931/32 20 Kindern den
Religionsunterricht.
Im
20. Jahrhundert und bis
nach 1933 waren zahlreiche Gewerbebetriebe am Ort im Besitz jüdischer
Einwohner, darunter waren 1933 noch Eisenhandlungen, Holz- und Kohlenhandlungen,
drei Haushaltswaren-, vier Textil-, zwei Kolonialwarengeschäfte, fünf
Metzgereien, drei Mehl- und Getreidehandlungen, drei Gastwirtschaften und einige
kleinere Läden. Im Einzelnen handelte es sich bei den
ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden jüdischen Handels-
und Gewerbebetrieben um die folgenden (großenteils kriegszerstört):
Eisengroßhandlung Gebr. Bär (abgebrannt, Neutorstr.), Gasthaus 'Zum
Schiff', Inh. David Bergheimer (Kupfertorplatz), Holz- und Kohlenhandlung
Hermann Blozheimer (Kupfertorstraße), Holz- und Kohlenhandlung Salomon
Blozheimer (Kupfertorstraße), Woll- und Weißwarengroßhandel Breisacher und
Geismar (Rheintorstraße), Lebensmittelgeschäft und Haushaltwaren Leopold
Breisacher (Fischerhalde), Lebensmittelgeschäft Luise Breisacher (Rheintorstraße),
Textilgeschäft Karl Dreyfuß (zerstört, Rheinstraße), Herrenkonfektion
Leopold Dreyfuß (abgebrannt, Marktplatz), Textilgeschäft Julius Dreyfuß
(abgebrannt, Kupfertorstraße), Schuhgeschäft M. Dreyfuß Wwe. (abgebrannt,
Kupfertorstraße), Metzgerei Josef Frank (abgebrannt, Neutorstraße),
Lederhandlung Geismar-Offenheimer (Rheintorstraße), Eisengroßhandlung Alfred
Geismar (Muggensturmstraße), Textil- und Reise-Versandgeschäft Hugo Geismar
(Poststraße), Textilgeschäft Herbert Greilsamer (Rheintorstraße),
Schneidermeister Hermann Greilsamer (abgebrannt, Bergstraße), Metzgerei Gustav
Günzburger (Neutorstraße), Mehl- und Getreidehandlung Salomon Levy
(abgebrannt, Richard-Müller-Straße), Metzgerei Max Levy (abgebrannt, Rheinstraße),
Mehl- und Getreidehandlung Berthold Ley (Rheintorstraße), Mehl- und
Getreidehandlung Abraham Mock (Rheintorstraße), Gasthaus "Zum Adler",
Inh. Abraham Mock (Rheintorstraße), Gasthaus "Zum Bären", Inh.
Emilie Schwab (Rheintorstraße), Spirituosenhandlung Emil Weil (abgebrannt,
Gutgesellentorplatz), Textil- und Reisegeschäft Moritz Weil (Rheintorstraße),
Eisenwaren Siegfried Weil (abgebrannt, Gutgesellentorplatz), Ledergroßhandlung
Julius Weill (Rheintorstraße), Metzgerei David Wurmser (Kupfertorplatz).
1933 - dem Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung - wurden 231
jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Bereits im März 1933 kam es
zu einem ersten Gewaltakt gegen jüdische Einwohner; mehrere wurden
widerrechtlich in den Ortsarrest gebracht. In den folgenden Jahren verließ ein
Teil der jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts
sowie der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung die Stadt. Insgesamt 149
der jüdischen Einwohner konnten nach nach 1933 emigrieren (der Großteil in die
USA). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Etwa 30
jüdische Männer wurden in das KZ Dachau verschleppt, wo Jakob Bernheim an den
Folgen von Misshandlungen starb. Der Kantor und Religionslehrer Michael Eisemann
machte in Dachau einen Suizidversuch. Er wurde gerettet, doch nahm er sich nach
einer Magenoperation im Januar 1939 in einem Freiburger Krankenhaus das Leben.
Nach der Einnahme des Elsass im Sommer 1940 ließ die Stadt Breisach de Rest der
jüdischen Bevölkerung durch eigenmächtigen Beschluss nach Rufach
im Elsass transportieren und in der dortigen Irrenanstalt unterbringen, von wo
sie nach etwa vier Wochen auf höheren Befehl wieder zurückgebracht werden
mussten. In der Zwischenzeit waren viele der jüdischen Wohnungen geplündert
wurden. Am 22. Oktober 1940 wurden 34 jüdische Einwohner nach Gurs deportiert.
Von den 1933 231 in der Stadt lebenden jüdischen Personen sind mindestens 68 ums
Leben gekommen. Viele von ihnen waren von Breisach zuvor nach Freiburg oder in
andere Städte umgezogen.
Von den in Breisach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hermann Bähr (1878),
David Bergheimer (1877), Emilie Bergheimer (1880), Jenny Bergheimer geb. Levi
(1879), Jakob Bernheim (1867), Sabine Bernheim geb. Wurmser (1880), Auguste
Bloch geb. Weil (1884), Ludwig Blozheimer (1895), Gustav Blum (1872) Ludwig Blum
(1871), Benjamin Breisacher (1872), Fanny Breisacher (1876), Frieda Breisacher
(1880), Korina Breisach (1885), Luise Breisacher (1878), Mathilde Breisacher
(1872), Melanie Breisacher geb. Blozheimer (1881), Melanie Breisacher (1903),
Robert Burgheimer (1882), Else Dreyfuß (1908), Marie Dreyfuß geb. Model
(1863), Michael Eisemann (1894), Hedwig Helena Felsenstein (1884), Robertine
Felsenstein geb. Uffenheimer (1879), Salomon Felsenstein (1871), Siegfried
Fleursheimer (1864), Edmund Geismar (1889), Emma Geismar (1900), Hans Geismar
(1858), Heinrich Geismar (1879), Hugo Geismar (1894), Lina Geismar geb. Josef
(1889), Lina Geismar geb. Geismar (1889), Ludwig Geismar (1896), Max Geismar
(1858), Max Geismar (1884), Rosalie (Rosa) Geismar geb. Uffenheimer (1879),
Siegfried Geismar (1879), Theodor Geismar (1869), Theodor Geismar (1873),
Theodor Geismar (1881), Wilhelm Geismar (1873), Wilhelm Geismar (1882), Camilla
Greilsamer geb. Breisacher (1880), Fanny Greilsamer (1885), Julius Greilsamer
(1805), Max Greilsamer (1877), Emil Grumbach (1868), Fanny Grumbach (),
Ferdinand Grumbach (1871), Flora Grumbach (1903), Karoline Guggenheimer geb.
Geismar (1878), Rosa Günzburger geb. Kleefeld (1876), Hilda Haberer geb.
Wurmser (1886), Fanny Hecht geb. Bodenheimer (1889), Charlotte Heymann geb.
Geismar (1885), Margot Edi Hochherr geb. Bähr (1911), Selma Hoffmann geb.
Weinberg (1889), Claire (Cläre) Kahn geb. Geismar (1888), Selma Kassewitz geb.
Greilsamer (1881), Hermann Kaufmann (1874), Jenny Kaufmann geb. Rothschild
(1887), Babette Kindermann geb. Kahn (1885), Siegfried Kindermann (1879),
Johanna Kleefeld (1904), Fanny Levi (1899), Bella Levy (1880), Erich Levy
(1915), Hermann Levy (1879), Julie Levy geb. Epstein (1877), Julie Levy geb.
Kahn (1883), Marie Levy (1875), Max Levy (1874), Rina Levy (1904), Rosa Levy
(1905), Lina Lippmann geb. Kleefeld (1872), Erna Maier geb. Geismar (1903),
Bella Mayer geb. Strauss (1890), Bertha Mayer geb. Geismar (1882), Abraham Mock
(1870), Jenny Mock geb. Karlebach (1875), Lydia Model (1889), Simon Model
(1874), Moses Müller (1856), Florine Nachmann geb. Blum (1874), Marie Mathilde
Platz geb. Röderer (1880), Johanna Rosenberg geb. Rosenberger (1870), Julius
Rosenberg (1900), Rosa Rosenberg (1861), Sophie Roth geb. Wurmser (1882), Hilda
Strauß (1889), Josefin Strauß geb. Mock (1861), Julius Strauss (1892), Adolf
Uffenheimer (1864), Anna Uffenheimer geb. Roos (1873), Flora Uffenheimer (1899),
Jakob Uffenheimer (1860), Sitta Uffenheimer geb. Kaufmann (1893), Alfred Weil
(1923), Berta Weil geb. Uffenheimer (1870), Bertha Weil geb. Greilsamer (1882),
Betty Weil geb. Friedberger (1888), Elsa Weil geb. Wurmser (1890), Emil Weil
(1883), Klara Weil geb. Model (1872), Leopoldine Weil geb. Kleefeld (1862),
Luise Weil geb. Greilsheimer (1888), Melanie Weil (1885), Moritz Weil (1879),
Siegfried Weil (1883), Max Weinberg (1884), Frieda Wertheimer geb. Uffenheimer
(1872), Friedrich Wertheimer (1873), Helene Wertheimer geb. Kollmann (1888),
Irma (Ida) Wertheimer geb. Geismar (1889), Klara Wertheimer geb. Geismar (1894),
Balbine Wurmser geb. Levi (1897), Salomon Wurmser (1884), Tilly Wurmser
(1891).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Berichte
Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
(aus einem Beitrag von Berthold Rosenthal, 1926)
Artikel
in der "CV-Monatszeitschrift" (des "Central-Vereins")
vom Februar 1926: "Noch ein Bild aus der Zeit des zu Ende gehenden
Krieges: Im letzten Kriegsjahre (1648) beauftragte der Kommandant der
Festung Breisach den Juden Mathias in Marckolsheim
(Elsass), zur Verpflegung französischer Truppen Vieh einzukaufen.
In der Absicht, in der Gegend der Waldstätte (Waldshut) das Vieh zu
beschaffen, machte sich Mathias auf den Weg. 'Bei dem Feuermörhell der
Stadt Breisach' angekommen, traf er einen Baseler in seine Heimat
reisenden Kaufmann, mit dem Mathias eine Strecke fuhr und ihm
vorsichtshalber bei der Trennung sein Geld anvertraute. Auf seinem
weiteren Weg begegnete ihm das Edelfräulein Masquin aus der Gegend von
Weißenburg, das ihm, als es den Zweck seiner Reise erfuhr, mitteilte, es
habe bei Bauern in Hertingen (bei Mülheim) Vieh eingestellt, welches aber
schlecht gepflegt würde und deshalb verkäuflich wäre. Mathias fuhr nun
über den Rhein und meldete sich sofort beim markgräflich badischen
Obervogt in Rheinweiler, den er aber nicht zu Hause traf. Alsdann kaufte
er das Vieh in Hertingen, unter der Bedingung, dass ihm die Tiere ins
nächste elsässische Dorf gebracht werden müssen. Der Pfarrer, der Vogt
und andere Bürger waren beim Handel zugegen. (Im Hinblick auf die späteren
Angaben des Vogts ist dies zu erwähnen nötig). Der Pfarrer gab sich
sogar als Verwalter des Viehs und Handels aus. Am anderen Tage reiste
Mathias mit dem Pfarrer nach Basel, um ihm den Kaufpreis auszuzahlen. Bei
Empfang des Geldes versicherte er, 'bei priesterlichen Ehren' Wort zu
halten. Als Mathias aber an den verabredeten Ort kam, war das Vieh nicht
eingetroffen. Die Verkäuferin benachrichtige ihn, sie habe das Vieh nach
Rheinweiler treiben lassen; dort hätte es aber der markgräfliche Vogt
beschlagnahmt, weil der Käufer ohne Geleit ins Badische eingedrungen und
da sogar über Nacht geblieben sei. Der Vogt meldete den Vorfall der markgräflichen
Regierung, die damals aus Sicherheitsgründen in Basel ihren Sitz hatte.
Diese ordnete an, das Vieh müsse nach Oetlingen (bei Lörrach) gebracht
werden, und der Vogt hätte den Juden nicht laufen lassen, sondern 'ihn am
Kopf nehmen sollen, wonach sich in Zukunft zu richten sei'. Mathias
meldete den Vorfall seinem Auftraggeber (sc. der Kommandant der Festung
Breisach) und führte aus, er (Mathias) habe nichts Ungebührliches
begangen, viel weniger sich einer Majestätsbeleidigung, deren er geziehen
werde, schuldig gemacht, noch auch das Geleit gebrochen, 'als welches
niemalen bei diesen Kriegszeiten gehalten und genommen worden, da man auch
die Juden bei solchen nicht, wie in Friedenszeiten, schützen könne'. Er
habe sich 'uff den erhaltenen königlichen (französischen) Schutz
verlassen, durch welchen er bis anherr in der Markgrafschaft in allen
Orten viel Jahr her sicherlich gehandelt und niemalen dergleichen einigen
Juden zugemutet oder von seligem begehrt worden'. Mathias bat schließlich
den Kommandanten, ihm behilflich zu sein, dass er 'entweder zu dem Vieh
oder zu dem Geld, so ihm sonsten zu erstatten unmöglich wieder gelangen
oder außer Schaden möge gesetzt werden.' Der Kommandant verlangte nun
vom Vogt in Rheinweiler die Herausgabe des Viehs. Dieser erwiderte, nicht
er habe die Beschlagnahme ausgesprochen, sondern der Markgraf, an den sich
der Kommandant wenden möge; was auch geschah. Die markgräfliche Kanzlei
antwortete dem Kommandanten von Breisach: Man wolle nicht annehmen, dass
er willens sei, das Recht der Regierung zur Wegnahme des Viehs zu
bestreiten. Indes sei man nicht gemeint, ihm das Vieh vorzuenthalten,
vorausgesetzt. dass er den Juden zu der Regierungskanzlei schicke, damit
man sich mit ihm vergleiche. Hiermit endigt die aktenmäßige
Darstellung." |
Aus der
Geschichte des Rabbinates in Breisach
Bezirksrabbiner Reiß aus Breisach nimmt an der Frankfurter Rabbinerversammlung
teil (1845)
Anmerkung: es handelt sich um Rabbiner Moses Reiss (geb. 1802
in Karlsruhe, gest. 1878 in Breisach): nach dem Besuch der Karlsruhe Jeschiwa
studierte er 1825/26 in Würzburg. Seit 1838 war er Bezirksrabbiner in Breisach.
Er war verheiratet mit Babette geb. Burger.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1845:
"Aus Baden, 30. Mai (1845). Die Mitglieder des Synagogenbezirks
Breisach und Emmendingen, welche bereits in ihrer unterm 26. März vorigen
Jahres an die hohe zweite Ständekammer eingereichten und von letzterer
mit verdientem Beifalle aufgenommenen Petition das dringende Bedürfnis
einer zeitgemäßen Reform im Judentum ausgesprochen, haben nun auch
unterm 18. dieses Monats mit Beizug sämtlicher israelitischer Vorsteher
des Bezirks den Herrn Bezirksrabbiner Reiß von Breisach schriftlich
aufgefordert, der im Juli dieses Jahres in Frankfurt am Main
stattfindenden Rabbinerversammlung anzuwohnen. Derselbe hat unterm 26.
dieses Monats seine Bereitwilligkeit zur Teilnahme an besagter Versammlung
schriftlich zugesagt und zugleich beim großherzoglichen Oberrate um
Urlaub zu diesem Behufe nachgesucht." |
Bezirksrabbiner Reiß möchte gottesdienstliche
Reformen durchsetzen (1845)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 16. September
1845: "Breisach. Unser Rabbiner Reis hatte während der
Frankfurter Rabbiner-Versammlung erklärt, er besuche selbige im Auftrage
seiner Gemeinde, die gesonnen, die beliebten Reformen in der Synagoge und
in den sonstigen religiösen Verhältnissen vorzunehmen. Von Frankfurt
zurückgekehrt, hatte derselbe wirklich nichts Eiligeres zu tun, als den
neugeformten Gottesdienst hier einführen zu wollen. Allein bald zeigte es
sich, welches denn eigentlich die wahre Stimmung der Gemeinde sei. Nicht
von Einzelnen, sondern von der Gesamtheit der Gemeinde wurde entschiedener
Protest gegen dieses Treiben eingelegt. Rabbiner Reis, mit dieser
Erklärung nicht zufrieden, wandte sich an die betreffende Behörde.
Dieser Tage ist nun der Bescheid erfolgt, die Umgestaltung des
Gottesdienstes gegen den Willen der Gemeinde sei unstatthaft; überhaupt
habe der Rabbiner im synagogalen oder religiösen Leben keine Neuerungen
vorzunehmen, bis selbige durch 'höhere Weisung' sanktioniert seien. So
weit ist es gekommen, dass nur die Staatsbehörden uns gegen unsere
eigenen Seelsorger schützen können. B." |
Kritik an Rabbiner Reiß sowie dessen Stellungnahme
(1845)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 21. Oktober
1845: "Redaktionelle Vorbemerkung: Folgend den
Grundsätzen strenger Gerechtigkeit, deren die Orthodoxie sich besonders
zu befleißigen, geben wir hier vorläufig nachstehende uns eingesandte
Berichtigung des Rabbinen Reis, nicht zweifelnd, dass unser Korrespondent
seine mitgeteilte Nachricht zu rechtfertigen wissen wird. Freilich
veranlasst und dieselbe Gerechtigkeit jenes Schreiben des Herrn Rabbinen
samt seinen 9 groben, orthographischen Schreib-, respektive Sprachfehlern
zu geben, und zu gleicher Zeit den Herrn Rabbinen den Rat zu erteilen,
statt des Gottesdienstes die Schnitzer in der deutschen Sprache zu
reformieren und statt Rabbiner-Versammlungen lieber die Stunden für den
Sprach-Unterricht zu besuchen. Sollte übrigens der Herr Rabbiner an der
Wahrheit der Mitteilung zweifeln, sind wir gerne erbötig, das Original
der zuständigen Behörde einzusenden. Die Redaktion.
An die Redaktion des 'treuen Zions-Wächters' in Hamburg. Von dem
treuen Zionswächter darf man erwarten, dass er auch nur treu die Wahrheit
berichten, und daher ihm selbst, wenn anders ihm um seinen Namen ernst
ist, erwünscht sein wird; dass lügenhafte Korrespondenzen und
Korrespondenten entlarft (?) und bloßgestellt, nicht ferner mehr es
wagen, niedrige Verleumdungen auszustreuen, und das lesende Publikum zum
Beste (?!) zu haben. Gewiss wird daher die Redaktion mit Dank in ihre
nächste Nummer aufnehmen, folgende: Berichtigung.
No. 12 des Zionswächters teilt d. Rubrik Baden einen Artikel aus Breisach
mit, welcher von (?!) Anfang bis zu (?!) Ende lediglich gemeine
Erdichtungen, niedrige Lügen und Verleumdungen enthält. |
Es hat der Unterzeichnete in der Frankfurter Rabbinerversammlung (?) nie
erklärt, dass seine Gemeinde gesonnen sei, jede beliebte Reform in der
Synagoge und in den sonstigen Religiösen (?!) Verhältnissen anzunehmen;
wohl aber, dass er, was auch seiner Zeit, der Wahrheit gemäß die
öffentlichen Blätter berichteten, von den sämtlichen (?) Vorständen
seines Bezirks zur Teilnahme an der Versammlung aufgefordert worden.
ebenso ist es völlige Unwahrheit, dass ich jetzt bereits einen
neugeformten Gottesdienst habe in der Synagoge einführen wollen, obgleich
ich die moralische Verpflichtung keineswegs aus den Augen verlor, die
Beschlüsse, zu welchen ich einstimmte, insofern die Umstände und
Verhältnisse es gestatten, zu verwirklichen. Lüge ist daher gewiss, dass
die Gemeinde auch nur Anlass gefunden hätte, hiegegen Protest einzulegen,
noch viel weniger der Unterzeichnete, sich dagegen an die Behörde zu
wenden, umsomehr dann niedrige Lüge und Verleumdung, dass von Letzterer
(?!) bereits hierüber der angegebene Bescheide erfolgt sei. Dagegen darf
ich in gewissenhafter Wahrheit versichern, dass wenn, was auch vielleicht
in nicht sehr ferne Zeit der Fall sein dürfte, die Bezirkssynagoge
entsprechende Reformen ins Leben zu rufen, sich entschließen würde, sie
weder in der Gemeinde, noch bei den Behörden auf Hindernisse stoßen
würde.
Im Übrigen sind die verkappten Verleumder, welche ehr- und gewissenlos
genug sind, nunmehr auch in öffentlichen Blättern ihre offenbaren Lügen
auszustreuen, wie sie dies schon längst in ihren privatcorrespondenzen
(??!) treiben, hier wohlbekannt, und charakterisieren sich hinlänglich
durch den scheelsüchtigen heuchlerischen Stoßseufzer, am Ende jenes
berüchtigten Lügenartikels von selbst. M. Reiß,
Bezirksrabbiner.". |
Rabbiner Reiß kommt in Untersuchungshaft (1849)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 21. September
1849: "Breisach. Auch der hiesige Rabbiner Reiß ist wegen
Beteiligung an den revolutionären Zuständen in Untersuchung und zugleich
in Haft geraten...". |
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer der Gemeinde
Lehrer H. Halle macht sich Gedanken über die Besserung
der sozialen Not der Juden in Westrussland (1869)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1869: "Alt-Breisach,
6. August (1869). In Bezug auf den so eindringlichen Aufruf, die Not
unserer Brüder in Westrussland zu steuern vom 4. August dieses Jahres in
Nr. 31, möchte ich auf einen Industriezweig aufmerksam machen, dessen
Material sehr wohlfeil und allenthalben vorhanden ist, und wodurch
Kindern*) von 8-10 Jahren schon ein Erwerbszweig eröffnet werden kann.
Ich meine das Strohflechten und die Strohhut-Fabrikation.
In den Notjahren 1816 und 1817 - ich war damals Normallehrer in Endingen
in der Schweiz - wurde dieser Industriezweig in der Schweiz und auf dem Schwarzwald
eingeführt und hat bis jetzt, nicht nur die ärmere Klasse vor Not
bewahrt, sondern auch große Etablissements hervorgerufen, in welchen für
Millionen Waren alljährlich angefertigt werden. Eine fernere Erwerbsquelle
ist in dieser unfruchtbaren Gegend: die Bürsten-Fabrikation aus Borsten,
Risshaaren, zählen Wurzelfasern etc. etc. Diese Stoffe finden sich auch
allenthalben vor und sind billig zu haben. Möge der Allgütige die Herzen
erwecken, dass dieser Not gesteuert werde. H. Halle.
*) Anmerkung der Redaktion: Man soll nie die Kinder der Schule entziehen;
haben nur die Eltern lohende Arbeit, so haben auch die Kinder
Brot." m |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Goldene Hochzeit der Eheleute Isak Lazarus (1914)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Juli 1914:
"Die Eheleute Isak Lazarus in Breisach, Baden, feierten unter
Anteilnahme der gesamten Bevölkerung ihres Heimatortes das Fest der
goldenen Hochzeit. Auch der Großherzog ließ durch den Bürgermeister dem
Jubelpaare ein schönes Geschenk
überreichen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Jüdische Pferdehändler auf dem
Donaueschinger
Pferdemarkt (Anzeigen von 1894)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Wir besuchen den Donaueschinger Pferdemarkt wieder mit einem
Transport Französischer Pferde.
Leopold & Isak Levi, Pferdehändler aus
Altbreisach." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Im Mittelalter gab
es kein separates Wohngebiet der jüdischen Familien. Um 1319/25 standen zehn jüdische
Häuser in der Oberstadt (die meisten an der Ostseite der heutigen
Radbrunnenallee zwischen Pfarrgasse und Tullagasse) und vier Häuser in der
Unterstadt. Eine erste Synagoge (die 1533 erwähnte "Judenschule") lag am
Westrand der Oberstadt in der heutigen Schulgasse. Da im 16. Jahrhundert keine
Juden in der Stadt lebten, ist unklar, ob es sich um ein Bethaus aus der Zeit
vor 1349 oder erst um 1400 handelt.
Nach 1638 lebten die jüdischen Familien noch teilweise in der Oberstadt,
zunehmend jedoch im Bereich der "Judengasse" (heutige
Rheintorstraße) mit dem Gebiet um den Kupfertorplatz sowie der Sternenhofgasse.
Um 1680 konnte wieder eine Synagoge eingerichtet werden. Sie wird in
einer Beschwerde der Zünfte der Stadt über die Zunahme der Juden in Breisach
1681 erwähnt ("la Synagogue nouvellement Erigée à Brisac"). Möglicherweise
ist diese Synagoge identisch mit dem auch im 18. Jahrhundert benützten
Gotteshaus, das bereits am heutigen Synagogenplatz stand (früher Ecke
Judengasse/Synagogengasse; die Judengasse wurde in der NS-Zeit zur
"Rheintorstraße", die Synagogengasse zum "Klösterle"; 1998
umbenannt in "Am Synagogenplatz"). Bei der Zerstörung Breisachs durch
die Franzosen 1793 wurde mit allen Judenhäusern auch die Synagoge ein
Raub der Flammen.
1803/04 wurde eine neue Synagoge gebaut, deren Pläne in den
1930er-Jahren noch im jüdischen Gemeindearchiv in Breisach lagen. Diese
Synagoge war nach einigen Jahren für die stark wachsende Gemeinde zu klein und
überdies reparaturbedürftig. Um 1830/40 wurde eine neue Synagoge
erbaut, die um 1870/75 nochmals umgebaut und vergrößert. Zur Baugeschichte der
Synagoge konnten keine Quellen gefunden werden.
Beim Novemberpogrom 1938 brannte eine aus Freiburg kommende
Sturmabteilung unter Leitung eines SA-Standartenführers die Synagoge nieder.
Wenig später musste die Ruine auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgebrochen
werden.
1938 bis 1940 konnte noch im jüdischen Gemeindehaus (s.u.) ein Betsaal
eingerichtet werden.
Am 20. Mai 1959 wurde am Synagogenplatz ein Gedenkstein
eingeweiht. Bei der Veranstaltung sprachen Rabbiner Dr. Lothar Rothschild aus
St. Gallen, Bürgermeister Bueb, ein Vertreter des Israelitischen Oberrates in
Baden sowie Alexander Wurmser, einer der ehemaligen jüdischen Breisacher. Die
Anlage des Synagogenplatzes als Gedenkstätte war ein gemeinsames Projekt der
Breisacher Stadtverwaltung und des Oberrates der Israeliten Badens. 1968
wurde der Synagogenplatz zum 30. Jahrestag der Pogromnacht neu gestaltet. Auch
zum 60. Jahrestag 1998 wurde der Platz nochmals völlig neu hergerichtet
zu einer Gedenkstätte mit Markierungen und Hinweistafeln. Die Einweihung war am
10. November 1998.
Fotos
1. Die Synagoge in der Judengasse
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Judengasse in
Breisach in den 1920er-Jahren. Links die Synagoge. Daran schließen
sich
die Häuser der Familien Levi, Moch, Burgheimer, Greilsheimer, Blum,
S.
Geismar und T. Geismar an. (Foto: D. Blum, Quelle: Frank, Legacy S.139). |
Die Judengasse (heute
"Rheintorstraße")
um 1925, links die Synagoge
(Quelle: Fahrer, Rundgang S. 36) |
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Beim Gottesdienst in der Synagoge
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey
Abb. 22) |
Breisach vor 1933: festlich gekleidete Gottesdienstbesucher verlassen die Synagoge
(Quelle Foto links: Hundsnurscher/Taddey Abb. 25;
Foto rechts: Fahrer,
Rundgang S. 36) |
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Rechts:
Die Zerstörung
im November 1938
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In der Synagoge
(Quelle: Frank, Legacy S. 6)
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Synagogenbrand in Breisach in der
Pogromnacht 1938
(Quelle: Huggle S. 1)
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Der Synagogenplatz mit der
Gestaltung von 1968 |
Der Gedenkstein
von 1959
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| Fotos von 2001: Besichtigung
des 1998 neu gestalteten Synagogenplatzes bei der Jahrestagung
von Alemannia Judaica |
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| (Fotos: Hahn) |
Schild am "Synagogenplatz" |
Blick über den Synagogenplatz |
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Gedenksteine am
ehemaligen Synagogenplatz |
Hinweistafel zur
Geschichte der Synagoge |
Darstellung der ehemaligen
Breisacher Synagoge |
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Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.10.2003; mit *:
J.
Krüger, Karlsruhe, 2004) |
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Schild am
"Synagogenplatz" |
Blick über den Synagogenplatz* |
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Gedenkstein |
Hinweistafel |
2. Das ehemalige jüdische Gemeindehaus ("Blaues Haus")
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar 2010:
Heinz Levi (geb. 1931 in Breisach) besucht mit
seiner Familie Breisach |
Artikel von Victoria Kampfmann in der "Badischen Zeitung" vom
27. Februar 2010 (Artikel):
"Eine spannende Reise in die Kindheit
1938 musste Heinz Levi aus Deutschland fliehen /Jetzt besuchte er mit seiner Familie Breisach.
BREISACH. Eine Reise in die Vergangenheit wurde für Heinz Levi sein Besuch in Breisach. 1938 musste der Deutsche jüdischer Abstammung mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland fliehen. Jetzt besuchte er Breisach wieder.
Heinz Levi lebt seit den 50er Jahren in London. Dieser Tage kam er auf Anregung seines Sohnes Russell mit einem Großteil seiner Familie in die Münsterstadt..." |
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| Oktober 2010: Neuauflage
der Lebenserinnerungen von Louis Dreyfuss |
Mitteilung des Fördervereins www.juedisches-leben-in-breisach.de
vom 18. Oktober 2010 zur Buchvorstellung der Neuauflage:
"Buchvorstellung der Neuauflage von Ludwig Dreyfuß’ Lebenserinnerungen 1933 – 1945
am Sonntag, 24. Oktober 2010 um 11.30 Uhr
im Blauen Haus, Rheintorstr. 3.
Ludwig Dreyfuß ist vielen Menschen in Breisach auch heute noch lebhaft in Erinnerung. Er war der erste Jude, der Breisach verließ – einige Tage nach dem Naziboykott der jüdischen Geschäfte m Mai 1933 – und der letzte von insgesamt drei jüdischen Männern, der 1964 in seine Heimatstadt zurückkehrte.
Mit ihm kam seine Frau Mathilde Clorer, die während der Jahre der Verfolgung nicht von seiner Seite gewichen war. Vor 70 Jahren stand er außerhalb des Lagerzauns von Gurs, wo seine Mutter, seine Schwester und viele Freunde und Bekannte interniert waren.
Bis zu seinem Tod 1993 lebte Ludwig Dreyfuss in seiner Heimatstadt und half zunächst der Stadt und dann Historikern, Lehrern und Forschern bei der Aufgabe, die Geschichte der Breisacher Juden zu dokumentieren.
Im Learning Center des Jüdischen Museums in Berlin ist ihm ein Programm gewidmet und damit ein kleines Denkmal gesetzt.
Seine 1991 erschienenen Erinnerungen werden jetzt vom Hartung-Gorre Verlag Konstanz neu aufgelegt und im Blauen Haus vorgestellt." |
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| Juli 2011:
Neue Informationstafel zum Verhältnis zwischen Christen und Juden im
Mittelalter auf dem Münsterberg |
Am 2. Juli 2011 wurde eine dreisprachige
Informationstafel auf dem Münsterberg aufgestellt. Der deutsche Text
lautet: "Christen und Juden. Nur Kaufleute hatten das Privileg
auf dem Breisacher Berg zu siedeln. Dies bestimmte ein Vertrag, der 1185
zwischen dem Basler Bischof Heinrich und König Heinrich VI. geschlossen
wurde. Neben ihren christlichen Nachbarn genossen auch jüdische
Geschäftsleute dieses Vorrecht. Smariant, der in einer 1301 ausgestellten
Urkunde als Bürger der Reichsstadt bezeugt ist, und sein Nachbar Salmann
von Bern gehörten zu jenen sieben jüdischen Hauseigentümern, die dem
Breisacher Hofstättenverzeichnis von 1319 zufolge an 'des Reichs freier
Straße' in nächster Nähe des Radbrunnens wohnten. der Geldverleiher
Smariant besaß hier zwei nebeneinander gelegene Häuser, für die er dem
Bischof von Basel jährlich zwei Solidi zinste. Das gewaltsame Ende der
jüdischen Gemeinde erlebte er nicht mehr.
Der folgenschweren Verleumdung der Juden als Brunnenvergifter fielen in
den Pestjahren 1348-1350 fast alle jüdischen Gemeinden in Deutschland,
der Schweiz und dem Elsass zum Opfer: Das Deutzer Memorbuch gedenkt des im
Februar 1349 erlittenen Martyriums der Breisacher Juden: 'Gott möge
gedenken der Ermordeten und Verbrannten der Gemeinden Basel, Ehnheim,
Kaysersberg, Breisach, Sennheim und Rosheim mit den Seelen Abrahams,
Isaaks, Jakobs, Saras, Rebekkas, Rahels und Leas und denen der anderen
Gerechten, die im Garten Eden sind. Amen.'"
Ansicht
der Tafel mit den Texten in deutsch, englisch und französisch siehe
eingestellte pdf-Datei (erhalten von Christiane Walesch-Schneller)
. |
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Links: aus dem Hofstättenverzeichnis von 1319 mit der Markierung der
Namen jüdischer Hauseigentümer (erhalten von Günter Boll).
Von Günter Boll ist eingestellt ein auf das Hofstättenverzeichnis
von 1319 bezogener Beitrag zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte in
Breisach: "Christen
und Juden" (pdf-Datei). |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 49-53. |
 | Germania Judaica II,1 S. 124f. |
 | Günther Haselier: Geschichte der Stadt Breisach am Rhein in drei Bänden,
jeweils Abschnitte in den Bänden II (Der Niedergang Breisachs: 1700 bis
1890, bes. S. 340ff: Anfänge der Judenemanzipation) und III (Der Sturz in
den Abgrund. 1890 bis 1945). Breisach 1971 (Bd. II) und 1985 (Bd. III). |
 |
Michael Longerich: Judenverfolgungen in Baden im 14. Jh. Am Beispiel von
Breisach, Endingen, Freiburg und Waldkirch, in: "s’Eige zeige". Jahrbuch des
Landeskreises Emmendingen 4/1990 S. 33-46. |
 |
Louis Dreyfuss: Emigration – nur ein
Wort? Konstanz 1991. Neuauflage 2010. |
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Gebhard Klein:
Breisach im Dritten Reich. Ein Versuch. 1995. |
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Elisabeth Kallfaß: Breisach Judengasse. Breisach
1993. |
 |
Ursula Huggle: Urteile zu Gunsten
der Angeklagten. Ein Prozess der Nachkriegszeit über die Pogromnacht von
1938 in Südbaden. in: Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg.
Dezember 1999. |
 | Hans David Blum: Juden in Breisach. Hg. Erhard Roy Wiehn. Konstanz
1998. |
 | Uwe Fahrer: Ein Rundgang durch das alte Breisach.
Gudensberg-Gleichen 1999) |
 | Günter Boll: Die erste jüdische Gemeinde in Breisach am Rhein.
in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins "Schau-ins-Land".
119. Jahresheft 2000. S. 55-60. |
 | ders.: Die Entstehung der letzten jüdischen Gemeinde in
Breisach am Rhein. In: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins
"Schau-ins-Land". 119. Jahresheft 2000. S. 61-69. |
 | ders. (unveröffentlicht): Slichot - Bußgebete für
das ganze Jahr nach dem elsässischen Ritus... Karlsruhe 1770. Abbildung der
Publikation - nach Günter Boll handelt es sich vermutlich um Slichot aus
Breisach. Eingestellt
als pdf-Datei. |
 | ders. /Josef Arie Kornweitz: Das jüdische
Gemeindehaus in Breisach am Rhein. Eine Annäherung. Hg. Förderverein
ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach am Rhein e.V., Breisach 2000. |
 | ders. (unveröffentlicht): Entfremdung - Konflikte
und Konversionen. Beitrag von 2010. Eingestellt
als pdf-Datei.
(darin: 1. über Rabbiner Isaak Weyl, der 1759 mit seiner Familie in
Darmstadt konvertierte und nun Ludwig Wilhelm Weyland hieß; 2. über den
Schultheiß der Breisgauischen Judenschaft David Günzburger, der 1752 in
Freiburg konvertierte und nun Ferdinand Günzburger [Ginzburger] hieß;
über den Bruder des unter 2. genannten Lehmann Günzburger, der 1770 in
Breisach konvertierte und nun Johann Baptist Joseph Günzburger
hieß). |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|
 | Josef Arie Kornweitz/Christiane Walesch-Schneller/Günter Boll:
Zone 30 - Rückkehr aus dem Exil. Hg. vom Förderverein Ehemaliges
Jüdisches Gemeindehaus Breisach e.V. 2003. |
 | Werner
L. Frank: Legacy: the Saga of a German-Jewish Family Across Time and
Circumstance. Avotaynu Foundation, Inc. Bergenfield, N.J. 2003 (Chaper 4,
Section 2: The History of the Families from Breisach p. 139-160)
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Breisach (in Jewish sourced, Bizach, Brizche)
Baden. The Jewish settlement probably began in the early 14th century. All
the Jews were burned alive in the Black Death persecutions of 1348-49. A letter
of protection was granted by Duke Albert in 1446 and remained in effect for
hundreds of years. The revived Jewish community, the only one in the region,
maintained continous settlement until Worldwar II. The Jewish quarter was
heavily damaged in the French invasion of 1793. In 1827-86, Breisach was the
seat of the district rabbinate. A new synagogue and a second cemetery were opend
in the 1830s, when the Jewish population reached a peak of 572 (total 3,050),
and a Jewish elementary school operated in 1835-76. The majority of Jews were
cattle traders. After Worldwar I the Jewish population dropped sharply, standing
at 231 in 1933. By 1940, 157 Jews had left the town, most emigrating (many to
nearby France). On Kristallnacht (9-10 November) the synagogue was burned
down and 30 Jews were taken to the Dachau concentration camp. The last 34 Jews
were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Another 29 were
deported from ther places of refuge after leaving Breisach. All perished, 31 of
them in Auschwitz.

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