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Treuchtlingen (Landkreis
Weißenburg-Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen
Gemeinde (english
version)
In Treuchtlingen lebten Juden bereits im Mittelalter.
Sie waren von der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 betroffen. Ob es zur
Bildung einer Gemeinde gekommen ist, ist unbekannt.
Die Entstehung der
neuzeitlichen Gemeinde geht auf die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück.
Erste Nachweise von jüdischen Niederlassungen stammen aus der Zeit Ende des 16.
Jahrhunderts, als Treuchtlingen den Grafen von Pappenheim gehörte. Zunächst
benutzten die jüdischen Einwohner Treuchtlingens die Synagoge und den Friedhof der Pappenheimer
Juden. Im Laufe des
18. Jahrhunderts entstand in der Stadt jedoch eine der wichtigsten jüdischen Gemeinden in Bayern.
Zuzug erhielt die Gemeinde u.a. nach der Ausweisung der Juden im Herzogtum
Pfalz-Neuburg 1741 (vgl. Monheim).
Im 19. Jahrhundert erreichte die Zahl der
jüdischen Einwohner ihren Höhepunkt 1837 mit 282 Personen (17,7 % von insgesamt 1.590
Einwohnern). In den folgenden Jahrzehnten ging
die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück (1890 158 Personen, d.h. 5,6 % von
2.811 Einwohnern, 1910 128 Personen, d.h. 3,3 % von 3.858 Einwohner).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Elementar-(Volks-) und Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen
eigenen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Rabbiner
angestellt (bis 1873), danach ein Elementarlehrer sowie ein Vorbeter.
Letzterer war auch als Schochet (Schächter) tätig. Zu einzelnen Personen siehe
unten bei den Berichten.
Treuchtlingen war bis 1873 Rabbinatssitz. Danach gehörte die Gemeinde zum Distriktsrabbinat Schwabach. 1932 wurde das Schwabacher
Rabbinat aufgelöst und für kurze Zeit ein selbständiges Rabbinat
Treuchtlingen unter der Führung des Schwabacher Rabbiners Dr. Salomon
Mannes errichtet. Seit 1935 wurde die Gemeinde durch Rabbiner Abraham (Adolf)
Isaak Klein von der orthodoxen Gemeinde Nürnberg betreut. Über die Einrichtung
des Rabbinates 1932 berichtet die Zeitschrift "Der Israelit":
Artikel in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1932: "München, 25. September
(1932). Ganz entgegen der Entwicklung in Bayern, die einer Zusammenlegung der
Klein-Rabbinate zustrebt, errichtet die Gemeinde Treuchtlingen mit dem 1.
Oktober ein selbständiges Rabbinat. Treuchtlingen war bis zum Jahre 1873 ein
besonderes Rabbinat zuletzt unter Rabbiner Skutsch. In jenem Jahr schloss sich
Treuchtlingen an die Person des Rabbiners Wissmann, des damaligen Rabbiners des
Distriktsrabbinats Schwabach, an. Unter dessen Nachfolger Rabbiner Dr. Mannes
blieb der Status quo, dass Treuchtlingen rechtlich nicht zum Distriktsrabbinat
Schwabach als solchem gehörte. Als mit dem 1. Juli das Distriktsrabbinat
Schwabach aufgelöst wurde, schlossen sich fast alle Gemeinden entweder an das
Rabbinat Ansbach oder nach Nürnberg an. Treuchtlingen, das in
gemeindepolitischer Hinsicht energisch seine kulturellen Interessen wahrt,
beschloss nun in Anbetracht der – jedenfalls in Treuchtlingen – Tradition
gewordenen Anhänglichkeit und Entgegenkommen zu ihrem Rabbiner von neuem ein
selbständiges Rabbinat Treuchtlingen unter dem ihnen lieb gewordenen Rabbiner
Dr. Mannes zu errichten.
So zeigt sich wieder einmal, dass eine Gemeinde, der Jüdischkeit nicht nur
Deckmantel des Selbstvorteils ist, vieles auch gegen den Willen übergeordneter
Organe durchsetzen kann." |
Um 1925, als noch 115 Gemeindeglieder gezählt wurden, gehörten dem Synagogenvorstand
an: Albert Neuburger, Siegfried Mayer, W. Bürger, H. Naumburg, L. Weinmann, A.
Bacharach, H. Lang. Als Lehrer an der privaten Jüdischen Volksschule war
Bernhard Fulder tätig (bis zur Zurruhesetzung 1933), als Kantor und Schochet H. Kurzweil. An jüdischen
Vereinen bestanden die Chewra Kadischa (Wohltätigkeits- und
Beerdigungsverein), der Israelitische Frauenverein, eine Ortsgruppe der Agudat
Jisroel und ein Armenunterstützungsverein.
1933 wurden noch 119 jüdische Einwohner gezählt (2,8
% von
insgesamt 4.237 Personen). Durch die zunehmende Entrechtung und zahlreiche gewaltsame
und entwürdigende Aktionen gegen die Juden der Stadt verzogen immer mehr in andere Städte oder wanderten
aus Deutschland aus. Beim Novemberpogrom 1938 kam es in Treuchtlingen zu
äußerst brutalen Szenen. SA-Männer, verstärkt durch zahlreiche Einwohner
(auch Frauen und Schulkinder) drangen in die insgesamt 26 jüdischen Häuser
ein. Der Hausrat wurde vernichtet, Wertsachen, Kleidung und Wäsche geraubt. Das
Haus der Arztes Dr. Siegfried Meyerson wurde zerstört, seine große Bibliothek
ins Rathaus verschleppt, worauf er Selbstmord beging. Ein anderer alter Mann,
Adolf Salomon, wurde schwer verprügelt, weil er einen Revolver im Haus hatte.
Die meisten jüdischen Einwohner flohen aus der Stadt. Fünf wurden festgenommen
und wochenlang in Gefängnissen festgehalten. Bis Ende Dezember 1938 verließen
mit zwei Ausnahmen alle jüdischen Einwohner die Stadt. Zehn konnten noch
auswandern, 62 verzogen innerhalb von Deutschland. Ein Teil der Schicksale ist
bis heute nicht aufgeklärt.
Von den in Treuchtlingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Betty Adler geb.
Stettauer (1865) David
Bacharach (1898), Ilse Bacharach (geb. ?), Margot Bacharach (1931), Benno
Bieringer (1881), Irma Bieringer (1922), Johanna Bieringer geb. Bacharach
(1896), Ida Braun geb. Östreicher (1884), Sabine Dachauer (1878), Thekla
Engelmann geb. Naumburg (1896), Antonie Firnbacher geb. Lang (1870), Else Frank geb. Levi (1908), Pinchas Frank
(1937), Ruth Rosa Frank (1934), Salomon Frank (1903), Benjamin Freimann (1914), Julie
Fuldauer geb. Bacharach (1907), Max Fuldauer (1932), Rudolf Fuldauer (1901), Ida Fulder geb. Naumburg
(1901), Philippine Grünbaum geb. Stettauer (1857), Betty (Babette) Guldmann
(1889), Leo Henlein (1902), Max Henlein (geb. ?),
Paula Henlein geb. Lang (geb. ?), Josef Herz (1926), Ludwig Herz (1872), Max
Herz (1928), Selma Horwitz geb. Östreicher (1883), Paula Hummel geb. Lang
(1904), Herbert Jochsberger (1921), Klara Jochsberger (1893), Martin Jochsberber
(1926), Lea Kurzweil (1884), Moshe Kurzweil (1874), Alexander Lang (1861), Fanny
Lang (1887), Hermann Lang (1873), Julius Lang (1876), Leopold Lang (1869),
Lothar Lang (1934), Max Lang (1864), Frieda Lehmann geb. Lang (1867), Klothilde
Lion geb. Lang (1910), Jeanette Marx geb. Östreicher (1857), David Meier
(1865), Siegfried Meyerson (1864), Resi Naumburg (1910), Ludwig Östreicher
(1886), Ullrich Östreicher (1886), Bernhard Oppenheimer (1900 oder 1902), Max Reinemann (1883),
Frieda Salomon (1897), Irma Salomon (1902), Paula Stahl geb. Östreicher (1889),
Ludwig Strauß (1926), Ruth Strauß (1929), Regine Tunko geb. Bibinger (1897), Jacob Weil
(geb. ?).
Aus dem Leben der jüdischen Gemeinde
Aus
der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Jüdische
Familien in Treuchtlingen suchen 1854 einen qualifizierten Lehrer für ihre
Kinder
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November
1854: "Mehrere Familienväter hiesigen Ortes wünschen für ihre Jugend einen
israelitischen Lehrer, ledigen Standes, in provisorischer Eigenschaft
aufzunehmen mit folgenden Ansprüchen:
1) gehörigen allgemeinen Unterricht in den Elementen und höheren Gegenständen,
insonders auch im Französischen;
2) den Unterricht im Hebräischen, selbst in Mischna und Talmud;
3) Musik möchte sehr empfehlungswert sein.
Über diese Kenntnisse muss derselbe mit genügenden Zeugnissen sich ausweisen.
Bezüglich des Gehalts, Kost und Logis möge man sich in portofreien Briefen an
den Unterzeichneten wenden. Otto Neustein in Treuchtlingen (Mittelfranken)." |
Ausschreibungen der Stellen des Elementarlehrers
(Volksschullehrers) sowie des
Vorbeters und Schächters (Schochet) 1878 / 1879 / 1887 / 1890 / 1923
| Ausschreibungen der Elementarlehrerstelle
zur Zeit des Gemeindevorstehers Samuel Hirschmann 1878/79: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1878:
"Vakanz. Die hiesige israelitische Elementarlehrerstelle wird Anfangs
Juni dieses Jahres erledigt und soll sofort besetzt werden. Reflektanten
wollen sich gefälligst unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den
unterzeichneten Vorstand wenden. Treuchtlingen (Bayern), 14. Mai
1878.
S. Hirschmann, Kultusvorstand". |
| Bereits Ende 1879 wurde die Stelle wieder
ausgeschrieben, nachdem sie im Jahr zuvor nur provisorisch besetzt worden
war. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1879:
"Die seit dem 1. Oktober 1878 provisorisch verweste Stelle eines
Elementarlehrers ist bis längstens 1. Mai 1880 wieder definitiv zu
besetzen. Diese Stelle bietet außer dem fassionsmäßigen Gehalt
bedeutende Nebenverdienste. Ebenso ist eine sehr hübsche Lehrerwohnung
mit Garten vorhanden. Bewerber um diese Stelle wollen baldigst ihre
Zeugnisse bei dem unterzeichneten Kultusvorstand einsenden. Nähere
Auskunft wird bereitwilligst erteilt. Treuchtlingen, im Dezember 1879.
Sam. Hirschmann, Kultusvorstand." |
Auf diese Ausschreibung hin wurde die
Stelle definitiv mit Hauptlehrer Heß besetzt, der bis 1911 als
Hauptlehrer an der jüdischen Volksschule in Treuchtlingen tätig sein
sollte.
Hinweis: Lehrer Heß wird bei der Beisetzung von Fanni Heß in Reichenberg
1882 als deren Neffe genannt.
Zusätzlich zum Hauptlehrer hatte die jüdische Gemeinde in
Treuchtlingen als weiteren Kultusbeamten einen Vorbeter/Kantor, der
zugleich als Schächter (Schochet) tätig war. Zwei Ausschreibungen
von 1887 und 1890 liegen vor. Die erste erschien nach dem Tod des
langjährigen Vorbeters Abraham Naumburg (s.u.), der 27 Jahre lang
als Vorbeter und Schochet in der Gemeinde tätig war. Auf die zweite
Ausschreibung von 1890 hin bewarb sich erfolgreich Marx Oppenheimer,
der von 1890 bis 1920 in der Gemeinde tätig sein sollte.
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1887:
"Vakante Kantor- & Schochet-Stelle. Durch das Ableben unseres
bisherigen Kantors und Schochet ist dessen Stelle erledigt und soll
baldigst wieder besetzt werden. Das Erträgnis dieser Stelle ist 1.400
Mark nebst freier Wohnung und guten Nebenverdiensten. Bewerber orthodoxer
Richtung mit musikalischer Bildung wollen unter Angabe ihrer bisherigen
Amtstätigkeit und ihrer Verhältnisse sich an den Unterzeichneten werden.
Treuchtlingen (Bayern), 25. Februar 1887. Der Kultusvorstand: J.
Bürger." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli
1890:
"Die Vorbeter- und Schächterstelle zu Treuchtlingen (Bayern) ist
erledigt und soll bis zum 15. Oktober dieses Jahres wieder besetzt werden.
Die mit dieser Stelle verbundenen Gehaltsbezüge sind: 1) Bar aus der
Gemeindekasse Mark 400. 2) Bar aus Stiftungen Mark 200. 3) Ertrag der
Schechita Mark 530. 4) Ertrag der Mikwa Mark 100. 5) Ertrag des Friedhofes
Mark 170. Zusammen: Mark 1.400.
Außerdem noch gute Nebenverdienste und freie Wohnung. Reisevergütung
erhält nur der Gewählte. Ausländer sind ausgeschlossen. Meldungen sind
unter Beischluss von Zeugnissen oder beglaubigter Abschriften innerhalb 4
Wochen an die Kultusverwaltung zu richten.
Treuchtlingen, 17. Juli 1890. Der Kultusvorstand: S.
Hirschmann". |
| Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich Marx
Oppenheimer (s.u.), der bis 1920 in der Gemeinde tätig sein sollte. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1923:
"In hiesiger Gemeinde ist die Stelle des Vorbeters und Schochets baldigst
zu besetzen. Streng religiöse Bewerber wollen sich schriftlich melden. Israelitische
Kultusgemeinde Treuchtlingen." |
Zum Tod von Abraham
Naumburg, 27 Jahre lang Vorbeter und Schochet der Gemeinde, 45 Jahre lang
Mohel (Beschneider) in der Umgebung (1886)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1886:
"Treuchtlingen (Bayern).' Einen großen Schaden hat die Tochter meines
Volks erlitten, einen sehr schmerzlichen Schlag'. Dieses Klagewort des
Propheten Jeremias (nicht: Jesajas) 14,17 konnte die hiesige Gemeinde mit
Recht ausrufen, als sie am Montag den 6. dieses Monats die schmerzliche
Kunde vernahm: Herr Abraham Naumburg hat nach 12stündiger Krankheit
unerwartet und plötzlich sein edles Erdenwallen vollendet. Schmerzergriffen
und tieferschüttert mochte keiner an das Unerwartete
glauben, da der Verblichene noch Abends zuvor dem
Maariw-(Abend-)Gottesdienste munter angewohnt hatte. Von der hohen Achtung
und der allseitigen Liebe, welche der edle Verblichene sich im Leben zu
erwerben verstanden, gab das großartige Leichenbegängnis, dem sich nicht
allein sämtliche hiesige Gemeindemitglieder, sondern auch fast alle
diejenigen aus Ellingen, Berolzheim und Pappenheim, sowie die
Geistlichkeit der beiden christlichen Konfessionen, die Lehrer, sonstige
Beamten und der größte Teil der gesamten Einwohnerschaft dahier
angeschlossen haben, rühmendes Zeugnis. Herr Lehrer Heß dahier, ein
treuer Freund des Verstorbenen, schilderte in ergreifenden und zu Herzen
sprechenden Worten das Leben und Wirken des Heimgegangene. Der
Heimgegangene war dahier geboren, am 2. Dezember 1818 und verehelichte
sich im Mai 1950 mit seiner ihm stets treu zur Seite stehenden, und um
ihn tieftrauernden Gattin. Von seinen vier Söhnen leben drei in Amerika, während
der jüngste derselben ihn in seinem Amte unterstützte. Als
Kantor und Schochet fungierte er ca. 8 Jahre in Pappenheim und 27
Jahre in seiner Heimatgemeinde. Vor 1 1/2 Jahren überreichte ihm die
Gemeinde in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens einen silbernen
Pokal mit sinniger Widmungsinschrift zum 25-jährigen Jubiläum. Als
gewandter Mohel (Beschneider) fungierte er 45 Jahre in hiesiger
Gegend und hat er 354 in den Bund Abrahams eingeführt- Ein treuer,
liebender Gatte, ein besorgter Vater, war er ein streng pflichttreuer
Beamter, ein rechtschaffener Bürger der Gemeinde und des Staates. Der
edlen Tonkunst eifriger Verehrer, huldigte er derselben nicht zu profanen
Zwecken, sondern sie vor allem in den Dienst seines Gottes stellend, indem
er hier einen Männer- und Knabenchor einführte und so ungemein zur
Hebung der Andacht beim Gottesdienste beitrug. Gewissenhaft war er auch
als Schochet (Schächter). Mit seinen übrigen guten Eigenschaften verband
er die Liebe zum Frieden, den er nicht nur zwischen sich und der Gemeinde
zu erhalten wusste, sondern auch Differenzen zwischen Einzelnen mit
Nachdruck auszugleichen suchte. Fröhlich mit den Fröhlichen, trauerte er
auch mit den Trauernden und wusste manch schönes Trosteswort zum Herzen
zu sprechen. Selbst als die letzten Jahre ihm seinen Dienst durch ein
eingetretenes Leiden beschwerlich machen, versah er denselben mit
größter Pünktlichkeit und war er ganz mit seinem Berufe verwachsen. Die
Seinigen, seine Freunde und seine Gemeinde, fühlen tief seinen Verlust
und wird letzterer als Chasan (Vorbeter) nicht leicht zu ersetzen
sein. Im Auftrage der Verwaltung legte der Redner in warmen,
tiefempfundenen Worten den Dank und die Verehrung an der Bahre des edlen
Verblichenen nieder. Mit den Worten des Trostes an die trauernden
Hinterbliebenen und an die Gemeinde schied der Redner als Freund vom
Freunde und schloss mit einem innigen Gebet für das Seelenheil des nun in
den Gefilden des Lichtes weilenden wahrhaft frommen und edlen Beamten und
Menschen, dem wir alle ein treues Andenken bewahren werden, dauernder als
Stein und Erz, weil es in den Herzen gegründet. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum
Tod von
Marx Oppenheimer, 30 Jahre lang Vorbeter
und Schochet der Gemeinde sowie Mohel (Beschneider) in der Umgebung
(1920)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Januar 1921:
"Treuchtlingen, 28. Dezember (1920). Wir haben heute einen Mann zu Grabe
getragen, der es verdient, dass man auch von dieser Stelle aus seiner ehrend
gedenkt. Marx Oppenheimer aus Miltenberg, der 41 Jahre im Amt und hier allein 30
Jahre als Chasan uSchochet (Vorbeter
und Schächter) segensreich wirkte, ist vorigen Sonntag nach mehrwöchiger,
schwerer Erkrankung im Alter von 59 ¾ Jahren in ein besseres Leben abgerufen
worden. Heute fand nun die Beisetzung statt, unter großer Teilnahme von Nah und
Fern.
Im Auftrag der Kultusgemeinde und der Familie und im Namen des Rabbinats gab
Herr Distriktsrabbiner Dr. Mannes, Schwabach, seiner Klage beredten Ausdruck über
den Tod dieses Mannes und betonten den hohen Pflichteifer und die strenge
Gewissenhaftigkeit des Entschlafenen. Herr Hauptlehrer Fulder bekundete seinen
Schmerz über das Scheiden seines Freundes und Kollegen, dessen Heimgang nicht
nur für Familie und Gemeinde, sondern auch für weite Kreise einen herben
Verlust bedeute. Nahm doch der Verstorbene regen Anteil am jüdischen Leben und
an gemeinnützigen Bestrebungen und fungierte jahrzehntelang als Mohel
(Beschneider), dabei kein Opfer scheuend. Redner sprach noch im Namen des
Israelitischen Lehrervereins innigen Dank für das rege Interesse des Haniftar
(Verstorbenen) für die Bestrebungen des Vereins.
Herr Kultusvorstand Oestreicher nahm mit innigen Worten Abschied von dem treuen
Freund, mit dem er stets in echter Harmonie gelebt und sprach namens der
Kultusgemeinde herzlichen Dank für die treue Führung der Ämter als Schochet
(Schächter) und Chasan (Vorbeter).
Herr Neufeld, Nürnberg, Vorstand des Kantorenverbandes in Bayern, gedachte des
verstorbenen Freundes in ehrenden Worten und dankte dem treuen
Verwaltungsmitglied seines Vereins für all die großen Dienste, namentlich für
die reichliche Unterstützung der Waisen und Witwen. Möge der trauernden
Familie, die in den Kriegsjahren durch den Tod zweier hoffnungsvoller Söhne
soviel Leid erfahren, Sechut HaNiftar (das
Verdienst des Verstorbenen) beistehen. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
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Jakob Heß wird zum Hauptlehrer ernannt (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1908: "Aus
Bayern, 3. Januar (1903). Den Titel Hauptlehrer erhielten am 1. Januar die
Herren Max Behr in Regensburg, Jakob Heß in Treuchtlingen, Simon
Silbermann in Kirchheimbolanden
und Michael Wolf in Winnweiler." |
Zur Wahl von Hauptlehrer Bernhard Fulder aus Diespeck
in der Nachfolge von Hauptlehrer Jakob Heß (1911)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26.
Mai 1911: "Treuchtlingen. Als Nachfolger des nach 52jähriger
Dienstzeit in Pension gehenden Hauptlehrers Heß wurde Hauptlehrer Fulder
- Diespeck gewählt." |
Nachfolger im Amt des Vorbeters und Schochet: Max Oppenheimer (1921)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Januar 1921:
Treuchtlingen, 10. Januar (1921). Die hiesige Kultusgemeinde hat zum
Nachfolger des kürzlich verstorbenen Chassan uSchochet (Kantors und
Schächters) Max Oppenheimer, einstimmig dessen Sohn, Zögling des Würzburger
Seminars erwähnt." |
Zurruhesetzung von Lehrer Bernhard Fulder (1933)
Artikel aus der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
15. Januar 1933: "Kollege Fulder Treuchtlingen tritt Ende des
Schuljahres in den Ruhestand. Wir wollen jetzt schon unsere Kollegen auf
die Lehrerstelle an der privaten Volksschule Treuchtlingen hinweisen. Mit
dem Lehramte soll auch das Kantorat und die Schechita verbunden
werden." |
Die jüdische private Volksschule wird auch nach der Zurruhesetzung von Lehrer
Fulder weitergeführt (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1933: "Treuchtlingen,
8. Januar (1933). Den staatlichen Sparmaßnahmen ist schon vor mehreren
Jahren die hiesige staatliche jüdische Volksschule zum Opfer gefallen.
Der Leiter derselben, Herr Hauptlehrer Fulder, der auf Wartegeld gesetzt
und später pensioniert worden war, hat aber den Unterricht an der von der
Gemeinde als Privatschule weiter geführten Schule bisher erteilt. Da Herr
Fulder aber demnächst in den endgültigen Ruhestand tritt, hat die
Gemeinde beschlossen, trotz der großen Opfer, die ihr dabei auferlegt
werden, die Schule auch fernerhin als private Volksschule weiter zu
führen und wieder einen Volksschullehrer einzustellen." |
Ausschreibung der Lehrerstelle (1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1933: "Wir
suchen zum 15. April 1933 für unsere private Volksschule einen jüngeren
Lehrer, streng orthodox, der möglichst die Anstellungsprüfung abgelegt
und entsprechende Praxis im Volksschulunterricht hat. Derselbe muss
gleichzeitig den Dienst als Chasen (Vorbeter) und Schochet versehen.
Besoldung nach der Besoldungsordnung des Verbandes der Bayerischen
israelitischen Gemeinden. Bewerbungen erbeten an Israelitische
Kultusgemeinde Treuchtlingen." |
Aus
dem jüdischen Gemeindeleben
Patriotische Feier in der Gemeinde 1882 zum Geburtstag von König Ludwig II.
(geb. 25. August 1845)
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September
1882: "Treuchtlingen. Gestatten Sie mir, Ihnen und der verehrlichen
Leserwelt des 'Israelit' von einer Feier zu berichten, deren erhebender
Abschluss gewiss im Herzen aller Leser einen freudigen Widerhall finden
wird. Von Seiten des Vorstandes der israelitischen Gemeinde dahier war
beschlossen, das Geburts- und Namensfest Seiner Majestät, unseres
allgeliebten Königs durch einen Festgottesdienst zu begehen. Am Vorabende
des Festes versammelte sich die israelitische Casinogesellschaft in ihrem
festlich dekorierten Lokale, woselbst der Vorstand der Gesellschaft, Herr
B. Oestreicher, zur regen Teilnahme am kommenden Tage aufforderte. Es
herrschte eine sehr gehobene Stimmung, man sang die Nationalhymne und
brachte Seiner Majestät begeisterte 'Hoch.' Zum Feste selbst erschien die
ganze israelitische Gemeinde und sonstige Festteilnehmer in festlichem
Gewande in der völlig beleuchteten Synagoge. Herr Lehrer Heß hielt die
Festrede. Mit begeisterten, von echter Vaterlandsliebe durchglühten
Worten, entzündete er Aller Herzen. Der Redner gedachte in gewählten Ausdrücken
der Verdienste des Hauses Wittelsbach um Bayerns Wohl; das Glück, dass
dieses Herrscherhaus sieben Jahrhunderte Bayerns Volk und Land regiere,
wolle durch edle Herrschertugenden verdient sein. Das hohe Verdienst
unseres allgeliebten Königs um Bayerns Glanz und das geeinigte
Deutschland sei allgemein bekannt; wir Israeliten seien namentlich zu
großem Dank verpflichtet für den Königlichen Schutz, den das mächtige
Königswort uns gewähre, dass in Bayern gleiches Recht für alle Bürger
bestehen müsse, so dass dadurch die den Juden feindliche Bewegung auf
bayrischem Boden keine Wurzel fassen konnte.
Nach beendetem Gottesdienste versammelte sich die Casinogesellschaft zu
einem Festessen und nach Absingung der bayrischen Königshymne wurde vom
Vorstande der Gesellschaft, Herrn Bernhard Oestreicher ein Toast auf Seine
Majestät aufgebracht; hierauf wurde beschlossen an unsern vielgeliebten
Herrscher folgendes Huldigungstelegramm abzusenden:
'An Seine Majestät den König von Bayern!' Die heute aus Anlass Euer
Königlicher Majestät Allerhöchstem Geburts- und Namensfeste festlich
versammelte israelitische Casinogesellschaft Treuchtlingen sendet Eurer
Königlichen Majestät tiefgefühlte Glückwünsche mit der Versicherung
treuester Anhänglichkeit. Gott erhalte Euer Königliche Majestät zum
Glücke Bayerns, zum Wohle Deutschlands. In tiefster Ehrfurcht
untertänigste Vorstandschaft: gez. Bernhard Oestreicher. gez. Max Meyer.
Andern Tages, Sabbat Nachmittags sollte die hiesige israelitische Gemeinde
und besonders die Casinogesellschaft hocherfreut werden, durch die
gütigste Beantwortung ihres Huldigungstelegramms und Glückwunsches. Von
Seiner Majestät, unserm allgeliebten Regenten traf folgendes Telegramm
ein: Schloss Berg. Herrn Bernhard Oestreicher, Treuchtlingen. Seine
Majestät der König sendet für die in so warmen Worten ausgesprochenen
Glückwünsche Huldvollsten Dank. Im Allerhöchsten Auftrage gez. v.
Ziegler.
Es lässt sich wohl denken, dass die huldvollen Worte, durch die wir uns
so hoch geehrt fühlen, einen freudig erregten Dank im Herzen der ganzen
israelitischen Gemeinde hervorriefen und wir nie aufhören werden, für
das teure Leben unseres vielgeliebten Landesvaters zu beten. Gott erhalte
und beschütze Bayerns erhabenen und hochherzigen Königlichen Herrscher
immerdar." |
Erweiterung der Gebietes der israelitischen Gemeinde (1930)
Bekanntgabe
des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bekanntmachung
über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde
Treuchtlingen. Die Israelitische Kultusgemeinde Treuchtlingen hat
beschlossen, ihr Gebiet auf dem Amtsgerichtsbezirk Pappenheim auszudehnen.
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in dem
von der Ausdehnung betroffenen Gebiete wohnen oder unabhängig vom
Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die
Gebietserweiterung bis spätestens 1. September 1930 bei dem Vorstand der
Israelitischen Kultusgemeinde Treuchtlingen schriftlich oder mündliche
einzulegen.
München, 23. Juli 1930. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr.
Neumeyer." |
Über die Arbeit der Ortsgruppe der Agudat Jisrael (1936)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1936: "Treuchtlingen,
16. März (1936). Ein Beispiel, wie auch an kleineren Orten mit geringer
jüdischer Bevölkerung ein Agudaleben möglich ist, gibt die unter
Leitung des sehr verdienten Hauptlehrers Fulder stehende Gruppe
Treuchtlingen, die in regelmäßig wöchentlich mehrstündigen Schiurim
zusammentrifft, in denen Dinim, Chumisch und T'nach sowie Mischna gelernt
werden." |
Vortrag von Distriktsrabbiner Simon Schwab aus Ichenhausen (1936)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1936:
"In Treuchtlingen sprach Herr Distriktsrabbiner Simon Schwab, Ichenhausen,
über: 'Zwei Wege nach Palästina'. Der Referent wies in einer zu Herzen
gehenden, eindrucksvollen Weise die gewaltige Kluft auf, die zwischen
toratreuem und toralosem Aufbau von Erez Jisroel besteht. Die vollzählig
erschienene Gemeinde Treuchtlingen sowie die zahlreichen aus der Umgegend
herbeigeeilten Zuhörer folgten den Ausführungen mit stärkstem
Interesse." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Treuchtlingen war nicht nur Rabbinatssitz - aus der Gemeinde stammten auch
Rabbiner: Rabbiner Weimann, geb. 1818 in Treuchtlingen
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 12. Oktober 1886: "Man schreibt aus Stuttgart vom
27. September: Gestern Nacht verschied schnell an einem Schlaganfall der
erst vor einigen Tagen hierher übergesiedelte pensionierte Rabbiner
Weimann aus Buchau, von dessen Abschied in dieser Woche berichtet wurde.
Rabbiner Weimann ist geboren zu Treuchtlingen 1818, er besuchte die
dortige Volksschule, später das Gymnasium in Augsburg und 1839-43 die
Universität zu München. Nachdem er als Hauslehrer in Büdingen und
später in Fulda gewirkt hatte, ward er 1847-61 Rabbiner in Welbhausen
(Bayern) und trat 1861 in den württembergischen Kirchendienst ein, war
1861-62 Rabbiner in Lehrensteinsfeld-Heilbronn und 1862-1886 in Buchau.
Seit 3 Jahren war er kränklich und konnte seinem Amte nicht mehr
vorstehen. Der Verstorbene war mit einem seltenen Rednertalent
begabt." |
Zum
Tod des 17jährigen Sohnes von A.H. Meyer (1885)
Artikel in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 13. August 1885: "Nekrolog. Mittwoch, den 5.
d. M. (August 1885), am 24. Aw, wurde eine der angesehensten Familien
unserer Gemeinde von einem schweren Verluste betroffen. Der 17 Jahre 4 Monate
alte Sohn des Herrn A.H. Meyer wurde am genannten Tage nach kaum eintätiger
Krankheit unerwartet seiner Familie entrissen. Um ihn weint der schmerzgebeugte
Vater und seine tief trauernden Geschwister, um ihn trauert jeder, der ihn
gekannt. Allgemeine Bestürzung bemächtigte sich eines Juden dahier sowohl, als
nah und fern, zu dem die Trauerkunde drang. Und mit Recht ist die Teilnahme an
dem herben Verluste der Seinen eine allgemeine. Er war nicht nur ein treuer,
dankbarer Sohn seinem liebenden Vater, sondern auch ein treuer, liebender Bruder
seinen Geschwistern. Höflich und zuvorkommend gegen Jedermann, gefällig gegen
Alle, war er seiner heiligen Religion innig und wahr ergeben. Er versäumte
keinen Gottesdienst, und andächtig stand er vor seinem Gotte. Ein dankbarer Schüler
seinem Lehrer, war er ein Freund aller Menschen. Nur eine Stimme herrscht über
seine Tugenden, wie sie selten ein Jüngling seines Alters in vollem Maße
besessen. Darum wird sein Verlust von Allen gefühlt und sein frühes Scheiden
schmerzlich empfunden. Möge der Allgütige in seiner Liebe den tiefgebeugten
Hinterbliebenen den rechten Trost gewähren und Ruhe senden in ihre aufgeregten
Gemüter. Wir aber wollen ihm ein treues Andenken bewahren. Möge die Erde ihm
leicht sein, den Lohn seines edlen Lebens möge er droben finden in den lichten
Höhen, aus der Hand seines himmlischen Vater, dem er so treu ergeben war alle
Zeit seines kurzen Erdenwallens. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens.
Treuchtlingen, Erew Schabbat Kodesch Reeh (am Tag vor dem Schabbat mit der
Toralesung Reeh) 5645 (7. August 1885).
H."
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25-jähriges Amtsjubiläum von Magistratsrat Simon Mayer als 2.
Kultusvorstand und Kassier (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1915: "Treuchtlingen,
12. September (1915). Magistratsrat Simon Mayer konnte an diesem Tage auf
eine 25-jährige Tätigkeit als 2. Kultusvorstand und Kassier
zurückblicken. Aus diesem Anlass hat unser Rabbiner, Herr Dr. Mannes aus
Schwabach, der - wie gewöhnlich am Schabbat vor den Selichot-Tagen -
in unserer Gemeinde weilte, in der Morgenpredigt auf diese Feier Bezug
genommen und den Jubilar als Vorbild eines echten Jehudi und
gewissenhaften Vorstands hingestellt. Nach dem Gottesdienst erschien die
Gemeindeverwaltung mit dem Rabbiner und den Gemeindebeamten in der Wohnung
des Jubilars. Zuerst sprach der 1. Vorsteher Herr Oestreicher dem Jubilar
herzliche Worte des Dankes für die der Gemeinde geleisteten treuen
Dienste und überreichte ihm in deren Namen und aus Anerkennung seiner
gesegneten Wirksamkeit einen prachtvollen silbernen Pokal. Alsdann feierte
Herr Hauptlehrer Fulder Herrn Mayer als den Mann, dem die Gemeinde, nicht
zuletzt in religiöser Hinsicht gar viele zu verdanken habe. Äußerst
gerührt, sprach darauf Herr Mayer in einigen Worten seinen Dank aus für
die erwiesene Aufmerksamkeit und erklärte sich bereit, auch weiter seine
Kräfte in den Dienst der Gemeinde stellen zu wollen. Zuletzt sprach noch
der Herr Rabbiner herzliche Worte." |
Zum
Tod des zweiten Kultusvorstandes und Kassiers der Gemeinde Simon Mayer im
Dezember 1915
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember
1915: "Treuchtlingen, 13. Dezember (1915). In der Freitagnacht wurde unser 2.
Kultusvorstand, Herr Simon Mayer, infolge eines Schlaganfalls seiner irdischen
Laufbahn entrissen. Familie und Gemeinde haben durch den Heimgang dieses Zadik
wejaschar (Gerechten und Aufrechten) einen schweren, ja unersetzlichen
Verlust erlitten. Gehörte doch der Entschlafene zu den Menschen der Tat, zu den Männern, die treu zur alten Fahne halten
und vor keinem Opfer zurückschrecken. In diesem Sinne erzog er im Verein mit
seiner edlen Gattin seine Kinder und machte sein Haus zu einem …
So waltete er nach den Prinzipien …
seines Amtes als 2. Vorstand und Kassier der Kultusgemeinde und war stets
ein Förderer aller Bestrebungen des orthodoxen Judentums.
Die Beerdigung fand unter sehr großer Beteiligung von nah und Fern am Montag,
29. dieses Monats statt. Am Grabe hielten Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn,
Ansbach und Herr Hauptlehrer Fulder ergreifende Trauerreden. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".
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Zum Tod von Regine Mayer (1932)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1932: "Treuchtlingen, 1.
Mai (1932). Am Tage vor Erev Pessach
wurde hier Frau Regine Mayer im Alter von 71 Jahren zu Grabe getragen. Mit ihr
ist der Stolz dieser alten Kehilloh
(Gemeinde) von uns gegangen, eine seltene Frau, deren Leben vorbildlich war auf
allen Gebieten jüdischen Wirkens. Sie hatte es verstanden, ihre Güte und
Klugheit auszuwerten als fürsorgliche Mutter ihres großen Familienkreises, als
würdige Gattin ihres ob seiner Frömmigkeit und Rechtlichkeit in jüdischen und
nichtjüdischen Kreisen gleich angesehenen Mannes, aber auch als Helferin und
Beraterin der Armen. Es passte ganz zu ihrer Bescheidenheit, dass an ihrem Grabe
von Lobesbezeugungen abgesehen werden musste, trotzdem würdigte Herr Rabbiner
Dr. Mannes aus Schwabach, sowie Herr Hauptlehrer Fulder in wenigen, aber
herzlichen Worten ihre edle Persönlichkeit vor einem ganz ungewöhnlich großen
Kreis, der aus nah und fern trotz der Pessach-Nähe sich zusammengefunden hatte,
um der Heimgegangenen den letzten Zoll liebevoller Verehrung zu beweisen. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
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Goldene Hochzeit von Max Lang und Nanny geb.
Bretzfelder (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1933:
"Treuchtlingen, 10. Mai (1933). Am Sonntag, Lag ba'omer feiern Herr
Max Lang und seine Ehefrau Nanny geb. Bretzfelder das Fest der diamantenen
Hochzeit. Die Eheleute erfreuen sich noch guter Rüstigkeit und ist Herr
Lang noch ein eifriger Besucher der Synagoge." |
Zum Tod von Siegfried Meyer 1937 - 22 Jahre zweiter Vorsteher der Gemeinde
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Dezember 1937: "Aus der Gemeinde Treuchtlingen. Unsere Gemeinde hat
am 2. November dieses Jahres einen schweren Verlust erlitten. Herr
Siegfried Meyer, der seit dem Tode seines Vaters im Jahr 1915 das Amt des
zweiten Vorstandes mit seltener Gewissenhaftigkeit und Treue verwaltete,
ist leider nicht mehr. Sein Herz gehörte neben seiner Familie seiner
Gemeinde. Was er an Armen und Bedrückten, an Kranken und an seiner
Gemeinde getan, möge ihm der Allgütige in reichstem Maße lohnen! Die
Lücke, die sein Hinscheiden in unsere Reihen gerissen, wird sich wohl
nimmer schließen, sein Andenken aber wird in unserer Gemeinde nie
verlöschen." |
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Todesanzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1937:
"Mein Mann, unser Bruder und Schwager, Herr Siegfried Mayer, ist
heute plötzlich im Alter von 54 Jahren sanft verschieden. Im Namen der
Hinterbliebenen Mina Mayer geborene Altmann. Treuchtlingen, den 2.
November 1937." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1937:
"Treuchtlingen, 15. November 1937. Durch den plötzlichen Heimgang
von Siegfried Mayer, des zweiten Vorsitzenden der Kultusgemeinde
Treuchtlingen, ist ihr eine unersetzliche Lücke entstanden. In jungen
Vater hatte der Verblichene dieses Amt von seinem Vater, Simon Mayer - das
Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - übernommen und sich 22 Jahre
lang mit seiner ganzen Kraft für das Wohl der Gemeinde eingesetzt. Erfüllt
von einem unerschütterlichen Vertrauen, war Siegfried Mayer in jeder Form
der vorbildliche Leiter der Gemeinde. Der pünktliche Besuch der noch
täglich zweimal stattfindenden Gottesdienste war ihm
Selbstverständlichkeit. Mit dem 'Fürther-Minhag'-Buch beschäftigte sich
Siegfried Mayer gerne, um in allen Belangen der Gemeinde dem Din und der altüberlieferten
Tradition zu entsprechen.
Was der allzu früh Heimgegangene seiner Familie und den Vielen war, die
Rat und Hilfe bei ihm fanden, lässt sich in Worten nicht sagen. Seine
überragende Kenntnis der Verhältnisse in mittleren und kleinen Gemeinden
wusste auch der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu schätzen,
dem er jahrelang als beratendes Mitglied angehörte.
Die Beisetzung unter voller Beteiligung der Gemeinde, der Nachbargemeinden
und sehr vieler Angehöriger und Freunde gestaltete sich zu einem
würdigen Abschied für den Verblichenen. Nach dem letzten Willen des
Heimgegangenen mussten Klagereden am Grabe unterbleiben. Nach der
Beisetzung richtete Herr Rabbiner Dr. Klein im Trauerhause einige innige
Trostesworte an die Hinterbliebenen. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Koscheres Zahnpulver aus Treuchtlingen (1893)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. September 1893:
"Die verschiedenen Sorten Zahnpulver, die man gewöhnlich im Handel
zu kaufen bekommt, enthalten oft Seifenbestandteile und Glyzerin sowie
sonstige zum Genusse verbotene Ingredienzien, wodurch man bei Benutzung
dieses Reinigungsmittels innerhalb der Mundhöhle sehr leicht in den
verbotenen Bereich gelangen kann. Herr Rudolf Bronner in Treuchtlingen
fertig nun ein Zahnpulver an, dessen Herstellung von Herrn Rabbiner
Wißmann in Schwabach beaufsichtig wird und daher allen Anforderungen in
Bezug auf rituelle Reinheit entspricht. Es wäre zu wünschen, wenn Herr
Bronner auf der Etikette den Vermerk Koscher anbringen ließe." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1893: "Koscher
auch zu Pessach. Großer Verdienst, 50 % Rabatt für Grossisten,
Wiederverkäufer und Hausierer durch das neuerfundene Arnica Zahnpulver
zur Pflege von Mund und Zähnen, wundervolles Aroma, verleibt den Zähnen
blendende Weiße, beseitigt den üblen Geruch aus dem Munde, erfrischt den
Atem, wird in 2 Größen als 5 und 6 in geschmackvollen Schachteln à 40
und 60 Pfennig verabreicht. Probesendungen von 1-3 Dutzend mit 25 %
Rabatt, Bei Abnahme von 6 Dutzend mit 33 1/3 % Rabatt, bei Abnahme von 12
Dutzend und mehr 50 % Rabatt. Franco Zusendung bei Einsendung des Betrage.
Direkt zu beziehen von dem Erfinder Rudolf Bronner, Treuchtlingen." |
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Anzeige in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 7. September 1893: "Erklärung.
Schwabach, 5. September (1893). In Nr. 71 vom 4. September des 'Israelit'
wird berichtet, dass das von Herrn Rudolf Bronner in Treuchtlingen
erfundene Zahnpulver unter meiner Aufsicht bereitet werde. Ich erkläre
hiermit, dass ich von der Existenz des Pulvers erst durch die Annonce des
'Israelit' Kenntnis erhielt und daher von einer Beaufsichtigung
meinerseits bei der Herstellung genannten Pulvers nicht die Rede sein
kann.
Löb Wißmann, Distriktsrabbiner." |
Lehrlingssuche der Eisen- und Kolonialwaren-Großhandlung Meyer (1911)
Lehrling
gesucht: In den jüdischen Handlungen wurde der Schabbat gewöhnlich streng
eingehalten. Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1911: "Suche
einen Lehrling mit guter Schulbildung. Schabbat
und Versöhnungstag streng geschlossen. Freie Kost.
A.H. Meyer sen. Treuchtlingen. Eisen- und Kolonialwaren-Großhandlung". |
Anzeige der Eisen- und Eisenwarenhandlung A. Neuburger (1915)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1915: "Lehrling
mit guter Schulbildung gesucht.
A. Neuburger. Eisen- und Eisenwaren. Treuchtlingen." |
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| Das Geschäftshaus von A.
Neuburger auf einer historischen Karte zu Treuchtlingen -
"Blick auf die Kirchen" (Quelle: Sammlung Peter Karl
Müller, Kirchheim/Ries) |
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Anzeige des Vorstandes der
israelitischen Gemeinde (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1922: "In
Treuchtlingen (40 jüdische Familien) fänden jüdische Handwerker mit
schulpflichtigen Kindern (Schuster, Schneider, Buchbinder etc.) gutes
Auskommen. Eventuell könnte die Synagogendienerstelle mit ca. 2.000 Mark
Erträgnis übertragen werden. Anfragen an den
Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde." |
Anzeige des Pferdehändlers Hermann Lang (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1922: "Für
meinen kinderlosen Haushalt suche tüchtige, ordentliche Person gesetzten
Alters. Hermann Lang, Pferdehandlung, Treuchtlingen (Bayern)". |
Verlobungsanzeige für Emilie Mayer und Alfred Naumburg (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1922:
"Statt Karten! Emilie Mayer - Alfred Naumburg. Verlobte.
Treuchtlingen, 3. Elul 5682 / 27. August 1922." |
Stellenausschreibungen der Kolonialwaren- / Lebensmittelgroßhandlung A. H.
Meyer sen. (1923)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1922: "Einige
tüchtige junge Leute für meine Schabbos geschlossene
Kolonialwarengroßhandlung zu baldigem Eintritt gesucht.
A.H. Meyer senior, Treuchtlingen." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1923:
"Für sofort oder später suche ich 1 Lageristen, 1 Kontoristin und
1 Reisenden.
A H. Meyer sen., Lebensmittelgroßhandlung,
Treuchtlingen." |
Hochzeitsanzeige von Sigmund Würzburger und Mira geb. Mayer (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1928: "Gott
sei gepriesen.
Statt Karten: Herr und Frau Josef Würzburger, Mannheim Frau
Regine Mayer, Treuchtlingen
beehren sich, die Vermählung ihrer Kinder
Sigmund und Mira anzuzeigen.
Trauung: Monat, 15. Oktober 1928 - 2. Marcheschwan 5689, 13.30 Uhr.
Nürnberg, Künstlerhaus." |
Verlobungs- und Trauungsanzeige von Albert Mayer und
Jenny geb. Fulder (1930)
Anzeige
in der CV-(Centralvereins-)Zeitung vom 17. Oktober 1930: "Albert
Mayer und Jenny Mayer geb. Fulder. Vermählte. Treuchtlingen. Trauung:
Nürnberg, Künstlerhaus. 21. Oktober 1930 / 29. Tischri 5691." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ende des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besuchten die in
Treuchtlingen zugezogenen jüdischen Familien die Synagoge in Pappenheim. Vermutlich
dürfte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Treuchtlingen selbst ein
Betsaal
eingerichtet worden sein. Eine erste Synagoge wurde 1730 erstellt. Durch die starke Zunahme der jüdischen
Bevölkerung am Ort plante man um 1815 den Bau einer neuen Synagoge. Sie wurde 1818/19 unter Verwendung von Teilen der alten Synagoge
an ihrer Stelle erbaut. Die feierliche Einweihung der neuen Synagoge war am 10.
September 1819, worüber in einem Artikel der Zeitschrift "Sulamith"
(Jg. 6 Bd. 1 1819-21) berichtet wird:
Königreich Bayern. Markt Treuchtlingen, Landgerichts
Heidenheim, von 10ten September 1819. (Verspätet). Ein von allem Menschen- und Glaubenshass
reiner Sinn und Geist sprach sich am 10ten dieses Monats bei der Einweihung der
fast ganz neu erbauten Synagoge der Israelitischen Gemeinde zu Markt
Treuchtlingen aus, wobei sich besonders der Herr Landrichter Schneider, und der
Herr Rentbeamte Mozart, als hell- und edeldenkende Männer bewiesen haben. Denn
unter Paradierung und Bedeckung eine Abteilung der dortigen Königlichen Landwehr-Kompanie
und Begleitung ihrer vorzüglichen Musik begann der wohlgeordnete Zug der ganzen
Israelitengemeinde daselbst, von der Wohnung des Vorstehers Josef Haimann aus.
Voraus gingen die jüdische Schuljugend, die Mädchen in weißer Kleidung mit
Bändern der Bayrischen Nationalfarbe geziert, geführt von ihren Lehrern.
Darauf folgte die Musik mit zwei jüdischen Sängern, die auf dem Marktplatze
und kurz vor der Synagoge einen deutschen und hebräischen Gesang zum Lobe des
Allerhöchsten anstimmten. Nach diesen kamen der erste Assessor und Herr Aktuar
Weiß vom Königlichen Landgericht Heidenheim, viele katholische und
evangelische Beamten und andere Honoratioren. Nach diesem wurden die
Gesetzrollen von den angesehensten Israeliten des Ortes getragen, denen eine
Abteilung der Königlichen Landwehr zur Seite ging, ihnen folgten die Männer
und Jünglinge der Treuchtlinger und anderer benachbarten Israelitengemeinden,
und den Schluss machten die Frauen und Mädchen. Als der ganze Zug in den
schöngeschmückten jüdischen Tempel eingetreten war, erfolgte unter Gebeten
und Gesängen die Einweihung und nachdem ein jüdischer Jugendlehrer eine
passende Rede gesprochen hatte, entfernten sich die Christen, begleitet von den
Dankgefühlen der Israeliten. Möge sich eine solche friedliche einträchtige
Gesinnung der Christen gegen die Israeliten allenthalben aussprechen! |
Fast 120 Jahren lang war die Synagoge in Treuchtlingen Mittelpunkt des
religiösen Lebens der jüdischen Gemeinde der Stadt.
In der NS-Zeit kam es schon vor 1938 zu Aktionen gegen die Synagoge. So
wurden im September 1936 deren Fenster eingeschlagen. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge mit allem Inventar, den Torarollen und den Ritualien
niedergebrannt. Die städtische Feierwehr war anwesend und schützte die
Nachbarhäuser. Auch die beiden Wohnhäuser und das rituelle Bad der Gemeinde
wurden in Brand gesetzt. Das Synagogengrundstück wurde von der Stadt gegen
Verrechnung der Abbruchkosten übernommen.
Adresse/Standort der Synagoge: Uhlengasse 5 und 7
Fotos der Synagoge und einige ihrer wertvollen Ritualien, die allesamt beim Novemberpogrom 1938 vernichtet wurden:
(Fotos der Ritualien von Theodor Harburger Juni 1927 und
August 1928, veröffentlicht in: Th. Harburger: Die Inventarisation jüdischer
Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, Hg. von den Central Archives Jerusalem
und dem Jüdischen Museum Franken in 3 Bänden 1998)
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| Die Synagoge in Treuchtlingen
(vor 1938) |
Tora-Vorhang (Parochet) aus
dem Jahr 1722 |
Weiße Leinendecke mit
Filetmotiven aus dem Jahr 1624 |
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| Tora-Aufsatz (Rimmon) aus dem
Jahr 1808 |
Silberkorb aus dem Jahr 1818 |
Seder-Teller zum Passafest |
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| Etrog-Behälter aus dem Jahr
1776/80 |
Besamim-Büchse |
Etrog-Behälter aus dem Jahr
1776/80 |
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Das Synagogengrundstück 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2006) |
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| Blick über das Grundstück
der ehemaligen Synagoge |
Gedenktafel mit
Hinweisen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Treuchtlingen |
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| Modell der Treuchtlinger
Synagoge |
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| Ein Modell der
Treuchtlinger Synagoge im Maßstab 1 : 25 ist im Volkskundemuseum in
Treuchtlingen (Heinrich-Aurnhammer-STr. 12, Tel. 09142-3840, Info)
zu sehen. |
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Toraaufsatz, der
möglicherweise aus der Synagoge von Treuchtlingen stammt (Jüdisches
Museum in Fürth; Foto: Hahn, Aufnahmedatum 21.10.2007) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica Bd. II,2 S. 825. |
 | Siegfried Haenle: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum
Ansbach. Ansbach 1867. S. 122.139. |
 | Baruch Z. Ophir / Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. S.
232-234. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 184-185. |
 | Neuerscheinung
in 2009: Jüdisches Leben in Treuchtlingen von Walter E. Keller (Herausgeber)
- Geschichte und Geschichten.
Geschichtliche Tatsachen und Geschichten über einzelne Personen erzählen in diesem Buch vom einst blühenden jüdischen Leben in Treuchtlingen, von hier gebürtigen Juden, die es zu Ruhm und Ansehen in der Welt gebracht haben, und den Schicksalen anderer, deren Lebensläufe sich spannender lesen als ein Abenteuerroman. Und berichtet wird von Menschen und Umständen, die dazu beitrugen, dass jüdisches Leben in Treuchtlingen und anderswo aus ideologischem Fanatismus ausgelöscht wurde. Jüdische Geschichte und Verfolgung am Beispiel einer fränkischen Kleinstadt, in der es einst eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Bayern gab.
Format 14,8 × 20,0 cm - 182 Seiten - ISBN: 978-3-934145-62-7 Paperback
€ 14,80
(Infos zur Bestellung auf der
Verlagsseite)
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Treuchtlingen (among Jews, also
Troilingen) Middle Franconia. Germany. Jews were among the victims of the Black
Death persecutions of 1348-49. In the 17th and 18th centuries, they lived under
letters of protection and constituted one of the important communities in
Bavaria. New synagogues were built in 1730 and 1819. A Jewish school was open
from 1877 to the Nazi period. In 1837 the Jewish population was 282 (total
1,590), declining to 168 in 1867 and 119 in 1933 (total 4,237). In 1936, Jews
were attacked on trains and Jewish children were expelled from the local school.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned to the ground.
By the end of the year, all but two of the Jews had left the town, most to other
German cities.

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