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Adelsdorf (Kreis
Erlangen-Höchstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In Adelsdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Der
jüdische Friedhof bei Zeckern unweit von
Adelsdorf wurde möglicherweise bereits im 14. Jahrhundert angelegt. 1448
wird erstmals ein Jude am Ort genannt. Im Bamberger Lehensbuch des Bischofs
Anton von Rotenhan ist zu lesen: "Im Jahre 1448 hat der zu Ottolsdorff
[=Adelsdorf] gesessene fürstlich bambergisch Rat und Hausvogt Heintz Haut u.a.
ein Gütlein daselbsten Kauffmann Jude uffsitzt." 1525 werden
die beiden Juden Selig und Leb genannt. 1598 gab es am Ort vier
Judenhäuser, die zur Herrschaft der Familie Stiebar gehörten.
1630 werden in der Adelsdorfer Gemeindeordnung die Gebühren für den Zuzug
jüdischer Personen/Familien geregelt. 1631 ließ
sich ein Salomon aus Adelsdorf in Höchstadt taufen. 1671 (oder 1677) wurde vom Pfarrer in Adelsdorf ein Jude in seinen Schutz aufgenommen, was
allerdings dem Pfarrer auf bischöflichen Befehl eine Untersuchung einbrachte. 1685
lebten 70 jüdische Personen am Ort (24,5 % von 286 Einwohnern) unter den bis zu
sechs unterschiedlichen Ortsherrschaften (u.a. Herren von Bibra seit 1696, zuvor
die Herrschaft von Künsberg; Freiherren von Crailsheim, Familien Wiesenthau und
Siebar, Gräflich Hohenloh'sche Herrschaft). Auch 1699 werden Juden am Ort genannt. Damals kam es in Oberfranken zu
Pogromen
gegen jüdische Gemeinden auf Grund der allgemeinen Teuerung und Getreidenot,
die man Juden anlastete. Dabei werden "jüdische Häuser" in Adelsdorf
genannt, die nach dem Protokoll des Höchstadter Amtmannes vollkommen zerstört und
ausgeraubt wurden. 1709 und 1771 gab es jeweils
drei jüdische Haushaltungen am Ort. Danach nahm die Zahl der jüdischen
Einwohner wieder schnell zu: 1735 wurden 161 jüdische Einwohner gezählt (32,2
% von insgesamt 500).
Ihre Blütezeit erlebte die Gemeinde in der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zahlen der jüdischen Einwohner am Ort
waren: 1809 223 jüdische Einwohner (30,1 % von insgesamt 740 Personen), 1812
260 (31,2 % von 833), 1824 283 (30,6 % von 924), 1837 265 (30,5 % von 870),
1840 216 (24,2 % von 892), 1852 183 (20,0 von 913). In der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück: 1867 115 (13,2 %
von 871), 1880 89 (9,8 % von 905), 1900 72 (7,3 % von 836).
An Einrichtungen hatte die jüdische
Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, eine Mikwe und einen
Friedhof
bei Zeckern.
Bis
um 1845 war Adelsdorf Sitz eines eigenen Rabbinates. Dieses wurde
vermutlich Mitte oder Ende des 17. Jahrhundert eingerichtet. 1660 wird ein Räbba
Judt genannt, 1675 Maschia (Mosche) Jud Reba, 1684 Rebber Beer Jud.
1732 lebte Rabbi Scholem Löwe in einer für den Rabbiner vorgesehenen
Wohnung. 1769-1800 war
Meier Heller Pretzfelder Unterrabbiner, danach Joseph Simon Wiener (1801-1815). Nach dessen Tod
folgte Abraham Loeb Stein aus Sulzdorf an der Lederhecke. Zu seinem
Bezirk gehörten 1815 die Gemeinden Adelsdorf, Lonnerstadt, Frensdorf, Buttenheim,
Hirschaid, Gunzendorf, Sassanfahrt und Hallerndorf (im damaligen Obermain-Kreis)
sowie Büchenbach, Weisendorf und Kairlinbach
(im damaligen Rezat-Kreis). Mit seinem Tod 1845
(beziehungsweise bereits seit dem Anschluss von Adelsdorf an das Rabbinat
Burgebrach 1829) wurde das Rabbinat Adelsdorf aufgelöst beziehungsweise nur
noch provisorisch besetzt. Einige der Gemeinden des Rabbinatsbezirkes kamen zum
Bezirk Uehlfeld. Die Zeitschrift "Der
Orient" berichtete in der Ausgabe vom 5. März 1847: "Ein bisher
bestandenes Rabbinat zu Adelsdorf hat sich durch den Tod des Rabbiner Stein
aufgelöst". In den folgenden Jahren hatte Adelsdorf in Dr. Hartwig Werner
noch einen
"Rabbinatssubstituten" (Rabbinatsvertreter). Er führte um 1850
Reformen in der Synagogenordnung durch und sorgte damit zugleich für eine
umfassende Renovierung der Synagoge (s.u.). 1860 erfolgte die endgültige
Auflösung des Rabbinatsdistriktes Adelsdorf und die Zuteilung der jüdischen
Gemeinde Adelsdorf zum
Rabbinat Burgebrach, 1907 zum Rabbinat Bamberg.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war nach Beendigung des
Rabbinates ein Religionslehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schächter
tätig war. Die Stelle wurde bei Neubesetzungen immer wieder ausgeschrieben
(siehe Anzeigen unten). Aus
den Ausschreibungstexten der verschiedenen Jahre gehen auch teilweise die Namen
der jeweils tätigen Gemeindevorsteher hervor: um 1876/82 Bernhard Gunzenhauser,
um 1901/11 Jacob Strauß.
Die jüdischen Familien waren spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Leben des Dorfes völlig integriert. Ein
Beispiel ist die Freiwillige Feuerwehr in Adelsdorf. Zu ihren Gründungsmitgliedern 1878 gehörten von den jüdischen Einwohner u.a. Simon Löwi,
Nathan Regensburger, Abraham Salomon, Jakob Strauss, Abraham Wassermann, Simon
Strauss, Salomon Wassermann. 1888 waren von den fünf Vertrauensmännern der
Feuerwehr drei jüdische Männer: Simon Löwi, Sigmund
Strauss und Abraham Wassermann. Jüdische Gewerbetreibende waren über
viele Jahrzehnte von größter Bedeutung für das wirtschaftliche Leben von
Adelsdorf.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Adolf
Aufseeser (geb. 2.5.1892 in Aufseß, gef. 15.9.1916).
Um 1925, als 74 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (6,72 % der
Gesamtbevölkerung von etwa 1.100 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde
Ludwig Wassermann, Otto Strauß und Heinrich Lindo. Die Lehrerstelle der
Gemeinde war damals vakant. Als Religionslehrer der noch sechs
schulpflichtigen jüdischen Kinder und als Schochet kam Lehrer S. Hammelburger
aus Mühlhausen in die Gemeinde (auch 1932: sechs Kinder). Die Gemeinde gehörte
- wie oben genannt - bereits seit 1907 zum Distriktsrabbinat Bamberg. Auch 1932 waren die Vorsteher Ludwig
Wassermann, Otto Strauß und Heinrich Lindo.
1933 lebten noch 60 jüdische Personen am Ort. In den Jahren darauf sind
viele der jüdischen Bewohner in andere Orte verzogen oder konnten emigrieren, insbesondere nach den Ereignissen beim Novemberpogrom
1938, als SS-Leute zusammen mit Mitgliedern der NSDAP-Ortsgruppe und
Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes alle Häuser jüdischer Familien
demolierten, Fenster, Türen und Möbel zerschlugen. Weitere Ausschreitungen
gegen die Adelsdorfer Juden gab es nach dem Attentatsversuch auf Hitler am 9.
November 1939 in München. 1942 wurden die letzten in Adelsdorf lebenden Juden
deportiert.
Von den in Adelsdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Bernet geb. Kaltenbacher (1867), Rosa
Bernheimer geb. Buchheim (1880), Martha Borchardt geb. Löwi (1907), Dina David geb. Regensburger (1874), Meta David
(1901), Nathan David (1902), Salomon David (1870), Berta Fleischhauer geb.
Fränkel (geb. 1879), Erna Fleischhauer (geb. 1929), Jenny Fleischhauer (1889),
Ignatz Fleischhauer (1877), Justin Fleischhauer (geb. ?), Marie Fleischhauer geb. Oppenheimer (geb. 1869), Selma Gold geb. Falk (1890),
Ricka Goldschmidt geb. Grünbaum (1878), Ida Justus geb. Fleischhauer (1887), Selma Krämer geb. Fleischhauer (geb.
1893), Jakob Kahn (1860), Selma Krämer geb. Fleischhauer (1893), Heinrich Lindo (1875), Lina Lindo geb.
Sussmann (1883), Anton Löwi (1897), Friedericke (Friederika) Löwi (1898),
Henri Löwi (1885), Jakob Löwi
(1884), Klara Löwi (1895), Samuel Löwi (1901), Paula Maschkowski geb. Fleischhauer (1891), Rosa Mittereder geb. Löwi (1891), Friedericka (Ricka, Rebekka) Rheinauer geb. Strauß
(1867), Felix Rindsberg (geb. 1891), Rudolf Rindsberg (1932), Selma Rindsberg geb. Stühler (1894),
Rosa Schleicher geb. Fleischhauer (1875), Frieda Stein
geb. Riegelmann (1879), Jakob Stein (1870), Friedrich Strauß (1889), Ida Strauß
geb. Blättner (1884), Karl Strauß (1875), Babette Stühler (1921), Berthold Stühler
(1929), Hildegard Stühler (1924), Jakob
Stühler (1890), Lina Stühler geb. Stühler (1892), Martha Stühler (1932), Max
Stühler (1938), Rosa Stühler (1902).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1876 / 1877 / 1882 / 1901 / 1909 / 1911
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 28. Juni 1876: "Offene Lehrerstelle.
Mit dem 1. Juli
(1876) wird die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle
vakant. Der fixe Gehalt als Lehrer beträgt MK 700, für Holz- und
Wohnungsbeitrag RM 200, als Schächter und Neben-Akzidenzen kann sicher
gerechnet werden RM 400, Summe: 1.300 RM.
Bewerber um diese Stelle wollen ihre Qualifikations-Noten über erstandene
Prüfung portofrei an Unterzeichneten einsenden.
Adelsdorf bei Forchheim, den 26. Juni 1876.
Bernhard Gunzendorfer,
Kultus-Vorstand". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 21. Februar 1877: "Offene Lehrerstelle. Bei der
Kultusgemeinde Adelsdorf ist die Religions- und Vorsängerstelle erledigt.
Die Gehaltsbezüge sind folgende: a) als Lehrer und Vorsänger 700 Mark
Fixum; b) als Holz- und Wohnungsbeitrag 300 Mark: c) als Schächter und Nebenakzidenzien
kann circa gerechnet werden 400 Mark. Hierauf Reflektierende wollen ihre
Qualifikations-Noten portofrei an Unterzeichneten wenden. Adelsdorf, 12.
Februar 1877.
Bernhard Gunzendorfer. Kultus-Vorstand". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 22. März 1882: "Offene Lehrerstelle. Bei der
Kultusgemeinde Adelsdorf ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorsängers und Schächters erledigt. Die Gehaltsbezüge sind folgende:
Als Lehrer und Vorsänger 700 Mark Fixum. Für Holz und Wohnungsbeitrag
200 Mark alljährig. Die Schächterfunktion beträgt 400 Mark alljährig.
Bemerkt wird, dass nur solche Lehrer berücksichtigt werden, die eine
seminaristische Bildung erlangt haben, und wollen ihre Zeugnisse portofrei
an Unterzeichneten senden. Adelsdorf bei Forchheim, 12. März.
Bernhard
Gunzendorfer. Vorstand" |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1901: "Die
hiesige Religionslehrerstelle,
verbunden mit Vorsänger- und
Schächterdienst ist spätestens bis 1. September dieses Jahres zu
besetzen. Fixer Gehalt 800 Mark, Nebenverdienste, einschließlich
Schechita ca. 600 bis 700 Mark.
Qualifizierte, seminaristisch gebildete
Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem unterfertigten
Vorstand melden.
Adelsdorf a. Aisch in Unterfranken, 14. Juli.
Jacob Strauß,
Kultusvorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1909: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter-
und Schächterstelle ist per 1. März dieses Jahres zu besetzen.
Festes Gehalt Mark 900.-, sowie ein nicht garantiertes Nebeneinkommen von
circa Mark 500.-; qualifizierte Bewerber wollen sich baldigst mit
Beifügung von Zeugnissen melden.
Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Adelsdorf
(Oberfranken, Bayern)". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1911: "Die Kultusgemeinde Adelsdorf in Oberfranken,
hat die Stelle eines Religions-Lehrers, Vorbeters und Schochets per
1. Oktober zu vergeben. Gehalt 1.000 Mark und 500 Mark Nebenverdienste,
ferner 60 Mark als Wohnungsentschädigung. - Reflektanten belieben ihre
Gesuche nebst Zeugnisse an den Vorstand, Jacob Strauß,
einzusenden." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen
Gemeinde
Zum Tod des aus Adelsdorf stammenden Fürther Oberrabbiners Dr. Isaak Löwy (geb.
1803 in Adelsdorf, gest. 1873 in Fürth)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1874:
"Leichenbegängnis des Oberrabbiners der jüdischen Gemeinde in
Fürth, Herrn Dr. Isaak Löwy, Ritter des Verdienstordens vom heiligen
Michael 1. Klasse. Fürth, 28. Dezember 1873.
Heute Nachmittag fand die Beerdigung des Dr. Löwy unter
außerordentlicher Teilnahme von Angehörigen aller Stände und aller
Konfessionen statt. Löwy ist am 31. Januar 1803 in Adelsdorf bei
Erlangen geboren, und hat sonach sein 71. Lebensjahr erreicht. Im Jahr
1827 als Rabbiner nach Uehlfeld
berufen, verblieb er seit 1831 in seiner hiesigen Stellung bis zu seinem
Tode. Am 31. Dezember 1830 bestätigte die bayrische Regierung Löwy als
Rabbiner in Fürth, fertigte bereits dessen Bestallungsdekrete aus, und
ordnete seine Installation an, als auf erhobene Beanstandung, - die hier gegenwärtig
herrschenden religiösen Verhältnisse lassen es nicht opportun
erscheinen, auf die damaligen Vorgänge zurückzukommen, - erst am 10.
März 1831 die allerhöchste Entscheidung erfolgte, wonach die Wahl des
Dr. Löwy selbst höchsten Ortes sanktioniert, und worauf Montag, den 21.
März 1831 Löwy in seine neue Gemeinde eingeführt wurde, der er nun fast
43 Jahre vorstand.
Während der Verbringung der Leiche nach dem Gottesacker war ein großer
Teil der jüdischen Läden geschlossen, und die Leichenfeierlichkeiten
nahmen in der Hauptsynagoge ihren Anfang. Dieselbe war in allen ihren Räumen
so überfüllt, - die Zahl der Anwesenden betrug wohl 2.000, - dass nur
Wenige im Verhältnis zu den Einlass Begehrenden Platz finden konnten.
Nach einem ergreifenden Orgelpräludium, dem ein an erhebenden Melodien
reicher Gesang des Kantors Ebert und des trefflich geschulten
Synagogenchors folgte, hielt Substitut Dr. Neubürger die nach Form und
Inhalt gleich ausgezeichnete Gedächtnisrede auf den Verstorbenen. Redner
würdigte die Verdienste, die Löwy um die Emanzipation der Juden nicht
nur nach außen, sondern auch nach innen sich erwarb, wie er zu deren
Hebung in der öffentlichen Meinung beigetragen, und betonte
hauptsächlich jene, die Löwy um die Förderung des Fortschrittes der
Menschheit und Entwicklung der Menschlichkeit sich errungen. Er schilderte
die milde Auffassung des Verstorbenen, sodass sein von herzgewinnender
Persönlichkeit unterstütztes Wesen selbst auf seine Gegner versöhnend
wirkte. Schließlich gedachte Dr. Neubürger, dass der Frieden und die
Eintracht in der Gemeinde auch das Werk des Verblichenen gewesen, und nach
beendigter Predigt, der wieder ein Trauergesang folgte, bewegte sich der
Leichenzug nach dem Friedhofe. Dem Zuge folgte eine unabsehbare
Menschenmenge, der Magistrat, der aus eigenem Beschluss die Glocken
sämtlicher |
Kirchen
läuten ließ, das Kollegien der Gemeindebevollmächtigen, der Verein
Casino, der Gewerbeverein. - Löwy, der um öffentliche und gemeindliche
Angelegenheiten vielfaches Interesse bekundete, war Mitbegründer des für
die Entwicklung der Industrie der Stadt so wohltätig wirkenden
Gewerbevereins, - die königlichen Beamten des Stadt-, Land-, Handels- und
Bezirksgerichtes, des Bezirksamtes, des Post-, Zoll- und Rentamtes, die
Geistlichkeit aller Konfessionen, sämtliche Lehrer, der ärztliche
Verein, die Vorstände der zum Rabbinatsbezirke gehörigen Gemeinden, die Rabbiner
von Nürnberg und Baiersdorf, eine
Deputation der Schwestergemeinde Nürnberg und sonstige Honoratioren,
Alles begegnete sich einmütig in dem Streben, dem Andenken des
bescheidenen Mannes die letzte Ehre zu erweisen, und so gestaltete sich
die Feier zu einer so imposanten, wie solche hier noch nie gesehen worden
sein dürfte. Am Grabe angelangt, sprach Vorstand Dr. Ortenau namens der
Gemeinde einige tief empfundene, das Andenken des Verstorbenen ehrende
Worte, und betrauerte die Größe des Verlustes des würdigen Geistlichen.
Hierauf hielt Rabbiner Dr. Lewin aus Nürnberg die Grabrede. Tief
ergriffen schilderte Redner den Verblichenen als Lehrer und Mensch. Als
ersterer habe er nur der Gemeinde gelebt, manch' edler Samenkorn habe er
gepflanzt, das als Blüte und Frucht aufgegangen, durch seine hinreißende
Beredsamkeit die reinen Lehren des Glaubens im Gegensatz zum Aberglauben
verkündet, oft dadurch gezündet und die Herzen angefacht, während er
als letzterer seine Einfachheit, Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit
rühmte, und damit schloss Redner die durch Präzision des
Gedankenausdrucks und Gemütswärme charakteristische Rede, ein letztes
Lebewohl Namens der Gemeinde Nürnberg, die bis vor wenigen Jahren zum
hiesigen Rabbinat gehörte, zurufend.
Wir glauben dem allgemeinen Wunsche Ausdruck zu geben, diese gediegenen
Reden möchten veröffentlicht werden. Hierauf wurde der Sarg ins Grab
gesenkt, und der Zug begab sich nach dem Leichenhause, wo der älteste
Schwiegersohn des nun selig Entschlafenen, Herr Dr. Koref aus Prag, das
Kaddisch der Waisen verrichtete.
Möge das Andenken Löwy's fortwalten, dem Vaterland zur Ehre, der
Menschheit zum Gewinne!" |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge wurde Mitte des 17.
Jahrhunderts auf dem Grundstück Adelshardsgasse 3 erstellt. Im Bereich der
Synagoge standen mehrere jüdische Wohnhäuser. 1679 ließ der Dorfherr
Georg-Friedrich von Künsberg die Synagoge schließen, da er wegen des
Geschreis" in seinem Haus "Turbiert" sei. Er drohte mit dem
Abbruch der Synagoge. Bei einem antijüdischen Pogrom 1699 wurde die
Synagoge zerstört. Schon einige Jahre zuvor hatten einige junge Männer die
Synagoge mit Steinen beworfen und gestürmt. Das Einwerfen der Synagogenfenster
war offenbar auch bei durch den Ort ziehenden Wallfahrern oder im Zusammenhang
mit christlichen Prozessionen beliebt.
Sicher wurde eine Synagoge
wieder im 18. Jahrhundert eingerichtet, doch fehlen hierfür urkundliche Belege.
Nach einer Überlieferung am Ort sollen sich die Juden - zumindest eine Zeitlang
- mit dem Rabbiner an einer überdachten Stelle gleich links nach dem Eingang im
Schloss der Familie von Bibra zum Gebet gesammelt haben. 1822 wurde die
Synagoge neu
gebaut. Das Grundstück gehörte bereits 1811 der jüdischen Gemeinde. Nach
dem Grundsteuerkataster von 1847 befand sich im Synagogengebäude auch die
Vorsängerwohnung.
1852 erfolgte eine umfassende Renovierung der Synagoge, die mit der
festlichen Wiedereinweihung am 2. Juli 1852 durch den Rabbinatsvertreter
Dr. Hartwig Werner (Rabbiner-Substitut in Adelsdorf von 1851 bis 1860, danach
Rabbiner in Burgebrach) abgeschlossen wurde.
Adelsdorf
bei Erlangen*, 6. Juli (1852). Die hiesige israelitische Gemeinde, 40
Familien stark, hatte eine sehr verwahrloste Synagogenordnung und Einrichtung.
Dies fühlte ein großer Teil der Bewohner, aber es fehlte sowohl an den Mitteln
als an der nötigen Übereinstimmung, beiden Übeln abzuhelfen. Seit der
glücklichen Acquisitation unseres im vergangenen Herbste einstimmig gewählten
Rabbinatssubstituten Herrn Dr. Werner gewinnt alles eine bessere Gestaltung.
Seine wahrhaft oratorischen Vorträge, seine salbungsvollen Predigten gaben den
unwiderstehlichsten Impuls, und so steht die mit großen Opfern von Seiten der
Gemeinde renovierte Synagoge ganz im Geschmacke der Neuzeit fertig da, und ward
Freitag den 2.d. unter Teilnahme der ganzen Umgegend eingeweiht. Gegen 6 Uhr
bewegte sich der Festzug mit den geschmückten Torarollen nach der Synagoge,
woselbst mehrere hebräische und deutsche Psalmen unter Musikbegleitung vom Chor
gesungen oder von Vorsänger und Gemeinde rezitiert wurden. Den Glanzpunkt bei
dieser solennen Festlichkeit bildeten wiederum zwei Predigten des Herrn Dr.
Werner, die eine gehalten Freitag Abends, die andere Sabbat Morgens. In
Ersterer besprach er den Gegenstand der Feier und die Vorzüge der
israelitischen Religion; in der zweiten, welche eine volle Stunde dauerte,
kämpfte er mit allen Waffen des Geistes und der Wissenschaft gegen den
Indifferentismus sowohl als gegen die Formheiligkeit, und seine Begeisterung
riss alles mit sich fort, sodass es ihm gelungen ist, einen großen Teil der
projektierten Synagogenordnung sogleich einzuführen.
Möge es diesem allgemein beliebten Ehrenmanne vergönnt sein, bei den seiner
geistlichen Leitung anvertrauten Gemeinde echte Religiosität und Gesittung
einheimisch zu machen, und der Bergelter alles Guten sein edles Streben mit dem
besten Segen krönen.
L. Buchmann, Religionslehrer.
* Anm. Adelsdorf ist der Geburtsort der drei Rabbinen Leopold Stein, Dr. Löwi
in Fürth und Dr. Dreifuß in Walldorf.
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Im Synagogengebäude fand von 1826 bis etwa 1935 auch der Religionsunterricht
für die jüdischen Kinder statt. Im April 1914 wurde das Synagogengrundstück
um 2 qm erweitert.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch
SS-Männer, Mitglieder der NSDAP-Ortsgruppe und Angehörige des
Reichsarbeitsdienstes zerstört und mit
den Ritualien auf dem Marktplatz verbrannt. Am 16. Oktober 1939 wurde das
Gebäude für 120 RM an Kaufmann Georg Katz verkauft, von dem es am 13. März
1941 die Adelsdorfer Gemeinde für 500 RM erwarb und es schließlich als
Feuerwehrhaus zweckentfremdete. Nach dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses wurde die ehemalige
Synagoge an eine ortsansässige Metzgerei verkauft, die das Gebäude 1979
abreißen ließ. An ihrer
Stelle befinden sich heute Garagen und ein Hof.
In unmittelbarer Nähe - am Parkplatz Adelhardsgasse - wurde im November 2000 ein Gedenkstein für die aus Adelsdorf in der
NS-Zeit ermordeten jüdischen Personen und die ehemalige Synagoge aufgestellt.
Die Inschrift des Gedenksteines lautet: "Zum Gedenken an
unsere jüdischen Mitbürger, die durch die Gewaltherrschaft der
Nationalsozialisten unterdrückt, verschleppt, geschunden und ermordet
wurden".
Artikel aus den "Nürnberger Nachrichten" Nr. 266 vom
17.11.2000: "Mahnmal gegen das Vergessen: Zur Erinnerung an die Bürger
jüdischen Glaubens, die zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
verschleppt und ermordet worden sind, ist in Adelsdorf (Kreis
Erlangen-Höchstadt) ein Gedenkstein enthüllt worden. Dieser stammt aus den
Steinbrüchen von Flossenbürg und trägt nun die Namen der 30 Opfer der
Nazi-Diktatur. Das Werk des Bildhauers Herbert Böller steht in unmittelbarer
Nähe des Platzes, wo sich früher die Synagoge befand" |
Adresse/Standort der Synagoge: Adelhardsgasse - neben
Haus Nr. 10 (früheres Haus Nr. 56)
Fotos
(Foto der ehemaligen Synagoge aus der Website
der Freiwilligen Feuerwehr Adelsdorf; Foto des Toraschildes von Theodor Harburger, Aufnahmedatum 21. Juni 1928; Quelle: Central Archives for the
History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
1998 S. 1; der Toraschild befindet sich heute in The
Jewish Museum New York).
| Die ehemalige Synagoge und
ein Toraschild aus Adelsdorf |
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Die ehemalige Synagoge als
Feuerwehrgerätehaus vor dem Abbruch |
Toraschild (Schmuck der
Torarolle) aus dem Privatbesitz der Witwe Regensburger in Adelsdorf
(hergestellt in Augsburg 1695-1705) |
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Der im Jahr 2000
errichtete Gedenkstein
(Foto: Jürgen Hanke, Kronach) |
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Gedenkstein für die ehemalige
Synagoge in Adelsdorf - geschmückt und mit Gedenksteinen versehen |
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| Denkmal und Synagogenplatz
im September 2009 (Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.09.2009) |
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Foto links:
Denkmal (rechts) und Synagogengrundstück (links im Hintergrund) an der
Adelhardsgasse; zum Foto rechts: die Synagoge stand links im Bereich der
Garagen;
im noch erhaltenen Haus Adelhardsgasse 10 (rechts) war vermutlich die Wohnung des
Lehrers |
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| Das Denkmal für die aus
Adelsdorf deportierten und ermordeten jüdischen Personen |
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"Zum Gedenken
an unsere jüdischen Mitbürger, die durch die Gewaltherrschaft der
Nationalsozialisten unterdrückt, verschleppt, geschunden und ermordet
wurden". |
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| Namen:
Dina David geb. Regensburger, Meta David, Nathan David, Salomon David,
Berta Fleischhauer geb. Fränkel, Erna Fleischhauer, Justin Fleischhauer,
Marie Fleischhauer, Selma Kraemer geb. Fleischhauer, Heinrich Lindo, Linda
Lindo geb. Sussmann, Friederika Loewi, Jakob Loew, Klara Loewi, Felix
Rindsberg, Rudolf Rindsberg, Selma Rindsberg geb. Stühler, Frieda Stein
geb. Riegelmann, Jakob Stein, Friedrich Strauss, Ida Strauss geb.
Blaettner, Babette Stühler, Berthold Stühler, Hildegard Stühler, Jakob Stühler,
Lina Stühler geb. Stühler, Martha Stühler, Max Stühler, Rosa Stühler,
Martha Borcchardt geb. Loewi. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen
Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1898 (Reprint 1985) S. 33.60 |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 103-104. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 143. |
 | Klaus Guth (Hg.): Jüdische Landgemeinden in
Oberfranken 1800-1942. Ein historisch-topographisches Handbuch. Reihe:
Landjudentum in Oberfranken - Geschichte und Volkskultur. Bamberg 1988. Zu
Adelsdorf S. 51-62. |
 | Eva Groiss-Lau: Jüdisches Kulturgut auf dem Land.
München/Berlin 1995. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 197-198.
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Spuren jüdischer Vergangenheit in Adelshofen. Hg. vom Arbeitskreis
jüdische Landgemeinden an Aisch und Ebrach. 191 Seiten. 1996. Nähere
Informationen. Die Angaben aus diesem Buch konnten noch nicht in
obige Texte eingearbeitet werden. |
 | Johann Fleischmann: Mesusa 2. Spuren jüdischer
Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Mühlhausen 2000. passim. |
 | ders.: Mesusa 3. Spuren jüdischer
Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Die jüdischen
Friedhöfe von Zeckern usw. Mühlhausen 2002. passim. |
 | ders.: Mesusa 4. Lebensbeschreibungen und Schicksale.
Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach.
Mühlhausen 2004. passim.
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 | Michael Schneeberger: Die Juden von Adelsdorf.
Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern Nr. 15. In: Jüdisches Leben in
Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen
Kultusgemeinden in Bayern. 20. Jg. Nr. 101 vom September 2006 S. 38-43.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Adelsdorf.
The community is first mentioned in 1669 as a victim of peasant riots. Few Jews
lived there in the 18th century. Subsequently the Jews reached a peak population
of 265 in 1837 (total 870) before steadily declining through emigration to the
larger cities of Bavaria; in 1933, 60 remained. All 12 Jewish homes were
vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938), and the interior of the
synagogue was destroyed. Jews were again attacked after an attempt on Hitler's
life in Munich (9 November 1939). Nine Jews under the definition of Germany's
racial laws remained in Adelsdorf after 25 April 1942.

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