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Sulzdorf an
der Lederhecke (VG Bad Königshofen i. Grabfeld, Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Sulzdorf an der Lederhecke bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1922. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts
zurück. Erstmals werden 1532 (Jud Lipmann zu Sultzdorff; Urkunde siehe
auf Seite zu Goßmannsdorf) und
wiederum 1656 Juden am Ort genannt (Juden Abraham und Schmul). 1695
waren drei jüdische Familien in Sulzdorf (Hathen, Abraham und Götz).
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Dorfbewohner zu. 1741
gab es 17 jüdische Haushaltungen. Die jüdischen Familienvorstände verdienten
den Lebensunterhalt der Familien durch Handel mit Vieh, als Metzger oder
Geldwechsler, einer verkaufte
Glaswaren.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1810 147 jüdische Einwohner, 1813 152 (35,3 % von insgesamt 431
Einwohnern), 1830 134 (von insgesamt 425 Einwohnern), 1839 121, 1848
103, 1851 107 (in 27 Familien), 1867 74 (15,4 % von 481), 1871 67 (14,9 % von
448), 1880 53 (12,0 % von 441), 1890 38 (9,0 % von 420), 1900 32 (7,7 % von 417), 1910
12 (3,2 % von 376).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Sulzdorf auf
insgesamt 28 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Isak Abraham Kahn Amberg
(Kleinhandel), Joseph Isak Amberg (Unterhändler), Maier Isak Amberg
(Ellenhandel), Martel Feibel Spiegel (Kleinhandel), Jüdlein Sußmann
Frankenberger (Viehhandel), Loeb Mannes Blumm (Viehhandel), Elias Gabriel
Feuchtwanger (Unterhändler), Salomon Abraham Vorreuter (Schlächter), Moses
Abraham Heß (Warenhändler), Maier Abraham Heß (Unterhändler), Jakob Maier
Henneberger (Warenhandel), Schier Abraham Amberg (Unterhändler), Maier Abraham
Bamberger (Viehhandel), Joachim Seligmann Römer (Schullehrer und Vorsänger),
Lazarus Abraham Sachs (Ellenhandel), Hirsch Laemmlein Lampert (Unterhändler),
Wolf Goetz Frank (Warenhändler), Mardocheus Enslein Ramer (Viehhandel), Abraham
Loeb Sachs (Warenhandel), Hajum Abraham Sachs (Warenhandel), Pfeufer Mannes
Goldschmitt (Warenhandel), Isle Goetsch Tischler (Viehhandel), Schmul Jacob
Sulzer (Warenhandel), David Maier Heilner (Schlachter), Maier David Heilner
(Viehhandel), Geitla, Witwe von Abraham Kahn Malzer (Warenhandel), Mayer Sachs
(Feldbau, seit 1824).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule (in einem eigenen Schulgebäude, das 1919 in
nichtjüdischen Besitz überging und abgebrochen wurde), ein rituelles Bad und
ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe unten
Ausschreibungen der Stelle von 1882 und 1892). Bereits 1817 wird in der
Matrikelliste (s.o.) mit Joachim Seligmann Römer ein Schullehrer und
Vorsänger genannt. In den Jahren vor 1849 war Lehrer Simon Hecht in der
Gemeinde, der allerdings wegen seiner liberalen Einstellung gegenüber
traditionellen orthodoxen Gebräuchen entlassen wurde (siehe Bericht unten).
1886 wird Lehrer Ganzmann genannt, der bei der Einweihung der Synagoge in Kleinbardorf
mitwirkte (siehe Bericht auf der Seite zu Kleinbardorf).
Seit etwa 1900 hatte Sulzdorf
keinen eigenen Lehrer mehr, vielmehr kam der Lehrer aus Schweinshaupten zum
Abhalten des Religionsunterrichtes und Übernahme weiterer Dienste nach Sulzdorf
(siehe unten Ausschreibung der Stelle in Schweinshaupten von 1901).
Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Burgpreppach.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Zeilberger
(geb. 14.9.1895 in Sulzdorf, gef. 20.4.1916).
Sein Name steht auf dem Gefallenendenkmal der Gemeinde, das sich in einer
kleinen Grünanlage rechts vor dem kommunalen Friedhof befindet. Außerdem ist
gefallen: Max Tannenwald (geb. 31.3.1893 in Sulzdorf, vor 1914 in Königshofen
wohnhaft, gef. 5.5.1915).
1920 verließ die letzte jüdische Familie Sulzdorf; die Gemeinde wurde
aufgelöst.
Von den in Sulzdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helena (Helene) Frank geb.
Zeilberger (1888), Karl Hecht (1872), Fanny Heß geb. Rau (1873), Mathilde
Karlindacher geb. Tannenwald (1885) Ingeborg Rindberg (1930), Klara Rindsberg
geb. Kahn (1904), Rosa Sachs (1883), Rosa Sündermann geb. Heilberger (1880),
Louis Tannenwald (1883), Julius Zeilberger (1883).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1882 und
1892 sowie von 1901 (Sulzdorf als Filiale zu Schweinshaupten)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1882: "Die
Vorbeter- und Religionslehrer-Stelle in unserer Gemeinde ist zu
besetzen.
Fixer Gehalt Mark 600 und Mark 40 für Heizung nebst freier Wohnung.
Außerdem gute Nebenverdienste. Nur solche, die seminaristisch gebildet,
wollen sich wenden an
M. Hecht, Vorsteher in Sulzdorf (Bayern)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1892:
"Vakant ist die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle
mit einem fixen Gehalt von 600 Mark bei freier Wohnung und Heizung, sowie
auch Nebenverdienste. Eventuell kann auch die Schechitah mit übernommen
werden. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich unter Einsendung
ihrer Zeugnisabschriften melden an
M. Hecht, Kultusvorsteher, Sulzdorf (Bayern)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1901:
"Die israelitische
Schulstelle
Schweinshaupten, mit der Filiale Sulzdorf, ist bis 1. Oktober
dieses Jahres zu besetzen, womit die Vorbeter und Schächterfunktion
verbunden ist: Einkommen 10 bis 1100 Mark. Bewerber wollen ihre Gesuche an
Unterzeichneten einsehen.
Schweinshaupten, 22. Juli (1901).
Julius Seitenbach, Vorstand." |
Der frühere Lehrer Simon Hecht äußert sich kritisch
über die orthodox geprägte Gemeinde Sulzdorf (1849)
Anmerkung: Lehrer Simon Hecht war nach seiner Entlassung in
Sulzdorf Lehrer in Weimarschmieden.
Aus
einem längeren - von Simon Hecht - verfassten Artikel in der (liberal
geprägten) "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Januar
1849: "In der Gemeinde Sulzdorf, königlichen Landgerichts
Königshofen, wurde ich deshalb meiner Stelle entlassen, weil ich dem schochen
ed ('der ewig Thronende...') die rechte Betonung nicht gab und den
Paradiesapfel (= Etrog, wird am Laubhüttenfest verwendet) verkehrt
anfasste. Die Gemeinde musste sich versammeln, sich hierüber zu
verständigen, und das Resultat war, dass ich in Erwägung beregter Fehler
meine Funktionen fernerhin nicht mehr in dieser Gemeinde ausüben könne.
Nolens volens musste ich meinen Bündel schnüren, wo der Gedanke in mir
entstehen musste, um eine gute Unterkunft zu erlangen, alle jüdelnden
Triller und Traller auf das Beste zu erlernen (gemeint: Besonderheiten im
Singen der traditionellen Melodien der Liturgie).
Wenn nun solche Männer als Beförderer des jüdischen Kultus wie viele
Rabbiner im bayerischen Unterfranken an der Spitze stehen, so lässt sich
keiner besseren Entwicklung in Schule und Gotteshaus entgegensehen; und
sollte das jüdische Konsistorium, das von unserem König zu gründen
beabsichtigt wird, aus diesen Männern zusammengesetzt werden, dann rufe
ich meinen Amtsbrüdern zu:
'Wandert aus Bayern aus, sucht euern Wirkungskreis, wo gebildete Rabbiner
als Beförderer des jüdischen Kultus zur Seite stehen, zieht euch heraus
aus dem Schlamme veralteter Gebräuche, höret auf, notwendige Heuchler
eurer vorgesetzten bayerischen Rabbiner zu sein und ihr werdet durch eure
Ehrlichkeit und Offenheit siegen und einem freuen Wirkungskreise entgegen
gehen!' " |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Marie Tannenwald geb. Goldschmidt
(1889)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1889: "Sulzdorf
a.L. (Unterfranken). Wenn der Greis unter der Last der Jahre
zusammensinkt und der Natur den unverweigerlichen Zoll entrichtet, so ist
seine Umgebung darauf vorbereitet, wenn aber der Blitz aus heiterem Himmel
unter der nichtsahnenden Menge ein Opfer trifft, da zittert das
Menschenherz in allen seinen Fasern und es empfindet den Schlag, der über
die Familie niederging, als ob es ihn selbst getroffen
hätte.
Von unserer Gemeinde wurde auch ein solch jugendliches, nichts ahnendes
Opfer gefordert. Und wenn es in dem Buche Rut, das wir in der nächsten
Woche lesen, von Nöemi heißt, dass ihr Weggang tief gefühlt wurde und
eine schwer empfundene Lücke bildete, so können wir dies gewiss auch von
dem Hinscheiden eines wahren Bidetweibes, einer wackeren Frau im
vollen Sinne des Wortes, von Frau Marie Tannenwald - sie ruhe in
Frieden - geb. Goldschmidt, die am vergangenen Heiligen Schabbat
ganz plötzlich in einem Blütenalter von 31 Jahren in ein besseres
Jenseits abberufen wurde. Schwer, ja unsäglich schwer waren die Verluste,
die das vorige Jahr und namentlich der verehrten Familie Goldschmidt
brachte in dem so rasch aufeinander erfolgten Ableben der ebenso frommen
als wohltätigen Eltern der Verstorbenen. So verlor die Familie
Goldschmidt in diesem Jahre drei Glieder und den beiden Eltern sind von 10
Kindern bereits 8 in die Gruft teils voraus-, teils
nachgefolgt.
Edelsinn und Wohltun, Friedensliebe und Frömmigkeit zeichnete die
Dahingeschiedene in hohem Grade aus und machten ihr Haus zur
Friedensstätte, zum lieblichen Heim, zur gastlichen Einkehr. Denn gerade hierin
zeigt sich ja die jüdische Frau und so galten auch ihr die Pflichten, die
als Hausfrau und Israeliten nachzukommen hatte, als Höchstes. Ihrem tief
betrübten Gatten - er möge leben - war sie eine liebevolle
Gefährtin: Tätig früh und spät in emsiger Rührigkeit, fand sie im
häuslichen Wirken ihre größte Lust und Freude. Sie lebte auch für ihre
Nebenmenschen. Die Klagen der Armen fanden bei ihr kein verhärtetes Herz
und kein verschlossenes Ohr. Sie zeigte sich als würdige Schülerin ihres
Lehrers und Onkel, des durch seine wohltätigen Stiftungen bekannten
seligen L. Hennebergers zu Würzburg, bei dem sie ihre Jugend verbrachte.
Den Vorschriften und Lehren der heiligen Tora zu leben, war immer ihr
Streben. Die Verstorbene beweinen vier kleine unmündige Kinder im Alter
von 6 zu 1 1/2 Jahren und der tief betrübte Gatte, der nun zum
wiederholten Male seine Gattin betrauert. Welcher Achtung und Ehre die Verstorbene
genoss, zeigte sich recht, sowohl während der kurzen Krankheitsdauer als
bei der Beerdigung derselben, wozu auch ihre Verwandten aus Frankfurt am
Main, Fürth und Schmalnau
herbeigeeilt waren.
Mögen nun die trauernden Hinterbliebenen hierin und in dem süßen
Bewusstsein der teuren Verstorbenen den Tribut der Liebe und Freundschaft
im vollsten Maße stets entgegengebracht zu haben, Trost und Beruhigung
finden. Die Heimgegangene aber möge in den Verband des ewigen Lebens
aufgenommen sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum oder eine erste Synagoge vorhanden. 1786
(nach Schwierz bereits 1760) war die bis dahin benutzte Synagoge zu klein
geworden. Damals wurde eine neue Synagoge erstellt.
Die Synagoge wurde nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1922 auf
Abbruch verkauft und abgebrochen. Der Toraschrein mit seinen wertvollen
Holzschnitzereien ging in den Besitz der jüdischen Gemeinde Königshofen
über, die ihn in der Eingangshalle ihrer Synagoge aufstellte. Beim
Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Männer aus Königshofen gezwungen, den
Toraschrein aus Solzdorf zusammen mit der Einrichtung der Königshofener
Synagoge zu Brennholz zu zersägen.
Auf dem Grundstück ist heute ein Garten.
Adresse/Standort der Synagoge:
Gartengrundstück in der Sophiengasse
Fotos
| Synagoge |
Zum Gebäude der Synagoge sind
noch keine Fotos oder Abbildungen vorhanden; über Hinweise oder
Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Der im Vorraum der Synagoge
von Königshofen nach 1922 aufbewahrte Toraschrein der
jüdischen Gemeinde Sulzdorf; Foto von Theodor
Harburger 1929,
erstmals veröffentlicht in Jüdisches Lexikon IV,2 |
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Gefallenendenkmal
(für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, 1921 errichtet)
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2007) |
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Gefallenendenkmal
für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges vor dem kommunalen Friedhof mit
dem Namen des jüdischen Gefallenen Heinrich Zeilberger  |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 406-407. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 115; 1992² S. 124-125. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 498-499.
|
 | Reinhold Albert: Chronik - Gemeinde Sulzdorf an der
Lederhecke. 1994. Band I. S. 78-80. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 185.
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n.e.

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