Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Goßmannsdorf (Stadt Ochsenfurt, Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Joachim Braun, Würzburg)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Privatpersonen   
Artikel von J. Braun zum Schicksal einer jüdischen Familie aus Goßmannsdorf in der NS-Zeit (2007)  
Artikel von J. Braun zur Synagogengeschichte (2008)  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem drei Ortsherrschaften (Adelsfamilien Zobel von Darstadt und Geyer von Ingolstadt sowie Hochstift Würzburg) gehörenden Goßmannsdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. 1510 werden erstmals Juden aus Goßmannsdorf genannt, die in Ochsenfurt Handel treiben wollten. Präzisere Angaben liegen aus dem 17. Jahrhundert vor: 1655 gab es sechs jüdische Familien am Ort, dazu ein Schulmeister mit seiner Frau. Mehrere der Familien waren aus Eibelstadt zugezogen, denen das Würzburger Domkapitel das dortige Aufenthaltsrecht gekündigt hatte. Einige jüdische Familien konnten zunächst in dem sogenannten Schlösschen der Familie Zobel von Darstadt wohnen. 1662 wird namentlich der Jude Salomon genannt, 1667 bis 1673 der aus Fuchsstadt stammende Jude Cussel mit Familie. Zwischen 1694 und 1715 wurden von der fürstbischöflichen Behörde insgesamt 12 Schutzbriefe für jüdische Personen / Familien ausgestellt. 1715 sollte die Zahl der damals ortsansässigen 12 jüdischen Haushaltungen künftig auf 9 reduziert werden. Die jüdischen Familien lebten vom Vieh- und Pferdehandel sowie vom Handel mit Waren (u.a. Stoffe, Altmetalle) und Landesprodukten. Im 18. Jahrhundert unterlag der Handel auf hochstiftischem Gebiet etlichen Beschränkungen und Auflagen.
 
Im Blick auf die Zahl der am Ort lebenden jüdischen Familien galt im 18. Jahrhundert zunächst die Bestimmung von 1715, dass die Zahl der Familien auf neun begrenzt bleiben sollte. Nach 1737 wurden jedoch weitere Familien aufgenommen, sodass 1756 15 jüdische Haushaltungen gezählt wurden. Eine neue Dorfordnung von 1762 legte die Zahl der Familien auf höchstens 15 fest, wobei es bis Anfang des 19. Jahrhunderts geblieben ist. Zuständig für die religiösen Belange in Streitfällen und besonderen Angelegenheiten waren nach einer Abmachung von 1766 drei im Turnus wechselnde Rabbiner aus den verschiedenen Herrschaften (vor allem werden die Rabbiner aus Heidingsfeld und Mainbernheim genannt).  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 68 jüdische Einwohner (9,7 % von insgesamt 702 Einwohnern), 1867 75 (10,4 % von 723), 1880 62 (8,6 % von 701), 1900 46 (7,0 % von 656), 1910 16 (2,1 % von 749). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Goßmannsdorf auf insgesamt 16 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen): Moses Bernard Reinem, Salomon Levi Schiff, Isack Joseph Fernbacher, Läser Moses Hamburger, Löb Kusel Stra8ß, Marx Samuel Gottlieb, Herz Mayer Hecht, Joseph Levi Riesenberger, Menasses Wolf Schweitzer, Samuel Isack Gotthold (Judenvorgänger), David Wolf Adler, Joseph Isack Fernbacher, Itzig Baruch Heim, Jacob Moses Straus, Gutmann Hieronimus Rothschild, Witwe Mergam Mayer. Nachträglich immatrikuliert wurden: Abraham Nathan Walter, Hirsch Lazarus Grünewald, Salomon Moses Friedenheimer, Handel, Witwe von Salomon Rothschild, Judel (Jiddel) Salomon Uhlmann.        
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Allersheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). An Religionslehrern werden im 19. genannt (teilweise nur Verweser der Stelle aus anderen Gemeinden): Samuel Isaak Gotthold (gest. 1858), Wolf Schweizer, Moses Weitzfelder (bis 1889), Julius Franken (aus Rödelmaier), Sigmund Pollack (aus Marktbreit), Salomon Blumenthal (aus Laudenbach bei Karlstadt), David Sonn (aus Sommerhausen), Moses Weigersheimer (aus Heßdorf, Bericht zu seinem Tod 1925 in Schweinfurt siehe dort) sowie im 20. Jahrhundert nochmals Sigmund Pollack (aus Marktbreit),  Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Kitzingen
   
1925, als noch 12 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,5 % von insgesamt 771), waren die Vorsteher der Gemeinde die Herren Samuel Röthler und Jakob Mayer. 1932 wird als Vorsteher nur Jakob Mayer genannt (siehe nächster Abschnitt). Noch in den 1920er-Jahren waren die jüdischen Einwohner völlig im Leben des Dorfes integriert: Samuel Röthler war von 1925 bis 1929 Vertreter im örtlichen Waisen- und Fürsorgeausschuss. Felix Adler war Vorstandsmitglied und aktiver Spieler des Fußballvereins. Max Mayer war Schriftführer des Turnvereins.
  
1933 lebten noch 7 jüdische Personen am Ort (0,9 % von 781). Zwei von ihnen verzogen in den folgenden Jahren aus Goßmannsdorf (1939 noch 5 jüdische Einwohner), weitere drei bis zum Beginn der Deportationen. Beim Novemberpogrom 1938 kamen SA- und SS-Leute aus Ochsenfurt, brachen die Häuser der jüdischen Familien am Ort sowie die Synagoge auf und verwüsteten völlig die Inneneinrichtungen. Seligmann Lind und Max Mayer (Sohn des Jakob Mayer) wurden verhaftet, nach Ochsenfurt mitgenommen und in das Gefängnis verbracht. Der letzte Gemeindevorsteher Jakob Mayer, der einen Schnittwarenladen innehatte, musste im Oktober 1939 sein Haus in Goßmannsdorf verkaufen und verzog im März 1940 mit seiner Frau Klara geb. Saalheimer in das Altersheim nach Würzburg (von hier im September 1942 deportiert). Die letzten beiden - Seligmann und Gisela Lind wurden am 21. März 1942 aus Goßmannsdorf deportiert und nach Izbica bei Lublin verschleppt - sie sind umgekommen.
   
Von den in Goßmannsdorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dr. Irene Ainstein geb. Liffgens (1899), Cilli Baumann geb. Reussenberger (1879), Abraham Firnbacher (1865), Salomon Firnbacher (1868), Isidor Gotthold (1857), Jeanette Grunau geb. Wolfermann (1886), Meta Heymann geb. Mayer (1903), Babette Kahn geb. Stahl (1883), Gisela Lind geb. Adler (1892), Seligmann (Sally) Lind (1889), Amalie (Mali, Malchen) Lorch geb. Firnbacher (1889), Selma Löwenthal geb Firnbacher (1900), Clara Mayer geb. Saalheimer (1874), Jakob Hermann Mayer (1870), Regina Oppenheimer geb. Saalheimer (1864), Salomon (Saly) Saalheimer (1876), Frieda Sämann geb. Firnbacher (1896 oder 1898), Selma Weil geb. Stahl (1876), Sofie Weimersheimer geb. Adler (1898), Betty (Betti) Wittmann geb. Firnbacher (1894).    
   
   
  

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1882 / 1889 / 1890 / 1893
Anmerkung: Die Anzeigen sind von drei Gemeindevorstehern dieser Jahrzehnte unterschrieben: 
Isaak Saalheimer (geb. 1835 in Kleinsteinach, gest. 1911 in Goßmannsdorf) war seit 1866 Bürger in Goßmannsdorf, wo er erfolgreich als Kaufmann tätig war.
Hirsch Reußenberger (geb. 1851 in Goßmannsdorf, 1906 nach Nürnberg verzogen) war als Handelsmann tätig, später in Nürnberg als Kaufmann.
Samuel Röthler (geb. 1854 in Ermershausen, gest. 1928 in Goßmannsdorf), war seit seiner Heirat 1879 in Goßmannsdorf und hatte eine Kurzwarenhandlung inne.  

Gossmannsdorf Israelit 11101882.jpg (33816 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1882: "Die Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Goßmannsdorf am Main, mit einem jährlichen Einkommen von ca. 7-800 Mark nebst freier Wohnung, soll bis 1. November dieses Jahres besetzt werden. J. Saalheimer, Vorstand."
  
Gossmansdorf Israelit 18111889.jpg (29439 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1889: "die Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Goßmannsdorf am Main mit einem jährlichen Einkommen von ca. 7-800 Mark soll sofort besetzt werden. 
Der Kultusvorstand Hirsch Reußenberger". 
 
Gossmannsdorf Israelit 16041890.jpg (31268 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1890: "Die Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Goßmannsdorf am Main mit einem jährlichen Einkommen von ca. 7 bis 800 Mark soll sofort besetzt werden. 
Der Kultusvorstand: Hirsch Reußenberger.
 
Gossmannsdorf Israelit 14081893.jpg (41940 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1893: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter und Schächterstelle soll bis Oktober dieses Jahres wieder besetzt werden. Fixer Gehalt 400 Mark und circa 300 Mark Nebenverdienste. Bewerber wollen ihre Gesuche an den Unterzeichneten einsenden. Goßmannsdorf am Main (Bayern). Der Kultus-Vorstand: S. Röthler."

   
  
Lehrer Sigmund Pollack fertigt Wimpeln und Jahrzeittabellen an (1901) 

Gossmannsdorf Israelit 11031901.jpg (34333 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1901: "Wimpeln und Jahrzeittabellen fertigt nach auswärts billigst und in schöner Ausführung. Lehrer Pollack, Goßmannsdorf am Main."

    
Zum Tod einer Tochter des Lehrers Moses Weitzfelder: Babette Schloß geb. Weitzfelder (gestorben 1927 in Aufseß)
Anmerkung: Nach Angaben von Joachim Braun (Aschaffenburg) war Babette Schloß, deren Geburtsname in dem zitierten Artikel nicht genannt wird, die am 29. Juni 1853 in Goßmannsdorf geborene Tochter des jüdischen Religionslehrers Moses Weitzfelder und seiner Frau Margem geb. Fröhlich. Babette heiratete am 31. Juli 1876 den jüdischen Religionslehrer Löw Schloß.

Aufsess Israelit 02021928.jpg (105159 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1928: "Aufseß (Bayern), 29. Januar. Am Schabbat wajigasch (Schabbat mit der Toralesung Wajigasch = 1. Mose 44,18 - 47,27, Samstag 31. Dezember 1927) verschied plötzlich und unerwartet Frau Babette Schloß im Alter von 74 Jahren. Noch vor wenigen Wochen war es ihr vergönnt, an der Feier des 80. Geburtstages ihres Gatten, mit dem sie über ein halbes Jahrhundert vereint war, teilzunehmen. Als Lehrerstochter einer angesehenen echt jüdischen Familie zu Goßmannsdorf geboren, erzog sie ihre Kinder als vorbildliche Mutter zu tüchtigen und frommen Jehudim mit aufopfernder Liebe und Hingebung. Freundlich und zuvorkommend war sie allezeit gegen alle Personen ohne Unterschied ihrer Abstammung, so nahm sie sich ganz besonders der Armen und Bedrückten an. Ob trauriges oder freudiges Ereignis in der Gemeinde sich zutrug, immer war sie beflissen, ihre innigste Teilnahme zu bekunden. Wie sie sich auch für das Gemeinwohl bereitstellte, so war sie im Gegensatz für sich sehr bescheiden und anspruchslos. Unter allgemeiner großer Beteiligung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung fand die Beisetzung zur ewigen Ruhestätte statt, an der Herr Rabbiner Dr. Salomon - Bayreuth in ergreifender Rede die seltenen Vorzüge dieser wackeren Frau rühmte. Herzliche Worte des Dankes für die Familie widmete noch der jüngste Sohn der Verblichenen zum Abschiedsgruß. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Spendenaufruf von J. Liffgens für einen verarmten Mann (1890)    

Gossmannsdorf Israelit 20101890.jpg (107575 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Oktober 1890: "Werte Glaubensgenossen. Obzwar unsere werten Glaubensgenossen häufig zur Unterstützung armer Mitmenschen (welches dich unsere Pflicht ist) in Anspruch genommen werden, so kann ich nicht umhin, für einen armen, braven, kranken, alten Mann, dessen Frau vor etwa 2 Jahren gestorben und dessen einziger Sohn leider nicht in einem Zustande beschaffen ist, um seinen alten, kranken Vater ernähren zu können, die Mildtätigkeit unserer werten Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen. Der in Rede Stehende ist ein im Sinne des Wortes frommer Jehudi und der Unterstützung würdig und bedürftig. Gefällige Gaben, welche zur Beschaffung von Lebensmitteln, Kleidung etc., sowie zum Schutze gegen den bevorstehenden kalten Winter zu dienen haben, bin ich bereits, anzunehmen und weiter zu befördern, worüber dann im 'Israelit' dankend quittiere. -  
Goßmannsdorf (Unterfranken), den 15. Oktober 1890. J. Liffgens.  
Auch die Expedition dieses Blattes, welche das vom israelitischen Kultusvorstande ausgestattete Original-Zeugnis besitzt, ist gerne bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern."  
  
Nachstehend eine der in den nach Erscheinen der Anzeige veröffentlichten Spendenquittierungen: 
Gossmannsdorf Israelit 01121890.jpg (114509 Byte)Quittierung von eingegangenen Spenden in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1890: "Eingegangene Spenden in der Zeit vom 27.-29. November. .... Für den armen, kranken, alten Mann (Aufruf von J. Liffgens, Goßmannsdorf. M. Stein in Mühlen a.N. 5 Mark - H. Stein daselbst 5 Mark - Eingegangen bei J. Liffgens: H. Stern in Kitzingen 10 Mark - Frau Goldschmidt in Wiesbaden 5 Mark - Poststempel Insterburg 1 Mark - S. Fließ in Ballenstedt 3 Mark."  

    
    

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod von Babetta Saalheimer (1908)  

Gossmannsdorf Israelit 10121908.jpg (111312 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1908: "Goßmannsdorf bei Würzburg, 1. Dezember (1908). Am 1. Kislew (= 25. November 1908) schied Frau Babetta Saalheimer im Alter von 72 Jahren schnell und unerwartet aus dem Leben. Nicht nur ihre Angehörigen, sondern auch in der ganzen Gemeinde und weit darüber hinaus wird der Verlust dieser frommen, tugendhaften Frau schmerzlich empfunden. So anspruchslos die Verstorbene für sich selber war, so freigiebig war sie gegen Arme. Sie führte ein nur vom Tora-Geist erfülltes Leben und kannte keine größere Freude, als eben die Freude über das Gebot (Gottes). Die zahlreiche Beteiligung von nah und fern an der Beerdigung legte beredtes Zeugnis ab von der Beliebtheit, deren die Entschlafene allenthalben sich erfreute. Am Hause sprachen die Herren Lehrer Gutmann - Altenschönbach und Goldstein - Heidingsfeld, ersterer als Schwiegersohn, letzterer als Verwandter und Freund. Der gute Name der Heimgegangenen wird in dem Gedächtnisse aller, die sie kannten stets fortleben; 'Ihre Taten sind ihre Andenken':  'Die Taten guter Menschen,' sagen unsere Weisen 'schützen dieselben vor Vergessenheit'."

     
   
Anzeigen jüdischer Privatpersonen  
Anzeige des Heiratsvermittlers J. Liffgens (1898) 
Anmerkung: "Schadchen" war ein Heiratsvermittler 

Gossmannsdorf Israelit 22091898.jpg (26659 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Schadchen empfiehlt sich zur Vermittlung reeller Heiratspartien. J. Liffgens, Goßmannsdorf am Main."

 
Verlobungsanzeige von Meta Mayer und Josef Strauß (1929)

Gossmannsdorf Israelit 16051929.jpg (16219 Byte)Aus den "Familiennachrichten" in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1929: "Verlobte: Meta Mayer, Goßmannsdorf, Josef Strauß, Karlstadt am Main, Verlobte."

    
 
Neuere Artikel zur jüdischen Geschichte von Goßmannsdorf

Artikel von Joachim Braun: "Drangsaliert, denunziert und deportiert. Vor 65 Jahren mussten die letzten Juden den Ochsenfurter Gau verlassen. Gossmannsdorfer Familie unter den Opfern" in: Main-Post (Ausgabe Ochsenfurt) vom 24. März 2007:  
Gossmannsdorf PA 015.jpg (378770 Byte) Gossmannsdorf PA 016.jpg (216626 Byte)  
Zum Lesen anklicken (bitte etwas längere Ladezeit beachten)  
    

Hinweis: Über die Geschichte der Familie Seligmann Lind (geb. 1889 in Bermutshain), seine Frau Giselha geb. Adler aus Goßmannsdorf liegen Informationen und das obige Foto vor dem Haus der Familie Adler auch auf der Website www.chronik-bermutshain.de vor (von Carsten Eigner M.A., Seite zu Familie Lind).  

  

Artikel von Joachim Braun: "Fragmente zeugen vom jüdischen Leben. Wertvolle Innenaufnahme der Goßmannsdorfer Synagoge entdeckt" in: Main-Post (Ausgabe Ochsenfurt) vom 12. April 2008:  

Gossmannsdorf Art 0805.jpg (316607 Byte)  

Der Bericht ist auch als pdf-Datei eingestellt.

     

      

Zur Geschichte der Synagoge 

Da 1655 zusammen mit den sechs ortsansässigen jüdischen Familien ein Schulmeister genannt wird, war damals vermutlich auch eine "Judenschule", d.h. zumindest eine Betstube in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts richtete Baruch ben Jirmiahu Naftali für die jüdischen Familien des Dorfes eine Synagoge für die Gottesdienste in seinem Haus ein und sorgte für die Unterhaltung des Raums. Auch eine Torarolle ließ er anfertigen. Baruch starb 1714 in Allersheim und wurde dort beigesetzt. 

1720 wollte die jüdische Gemeinde eine neue Synagoge im Haus des Juden Mayer einrichten. Hier hätte auch der Unterricht der Kinder besser stattfinden können. Der Plan konnte nicht ausgeführt werden. 1757 gab es erneute Bemühungen zur Einrichtung oder zum Bau einer Synagoge, die auf Widerstand vor Ort stießen. Erst 1764 erteilten die Ortsherrschaften die Genehmigung zum Bau einer Synagoge. Am 6. September dieses Jahres konnte ein geeignetes Grundstück gekauft werden. Das darauf stehende Haus wurde abgebrochen. Von Oktober 1764 an konnte gebaut werden. Die feierliche Einweihung der Synagoge mit einem Umzug der Torarollen vom bisherigen Betsaal in die neue Synagoge war am 17. August 1765.   

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts konnten regelmäßig Gottesdienste in der Goßmannsdorfer Synagoge gefeiert werden. 1905 wurde jedoch bereits nicht mehr die notwendige Zehnzahl jüdischer Männer aus dem Ort selbst erreicht. Seitdem waren reguläre Gottesdienste nur mit auswärtigen Gästen möglich. Seit 1917 erhielt die Gemeinde eine staatliche Unterstützung von 50 M für die Erhaltung der Synagoge, um sie vor dem Verfall zu bewahren.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge und die noch vorhandenen Ritualien vernichtet. Ein motorisierter Trupp von SA- und SS-Leuten war aus Ochsenfurt nach Goßmannsdorf gekommen. Ein Teil der Inneinrichtung war bereits vor November 1938 an den Verband Israelitischer jüdischer Gemeinden in München übergeben worden, darunter die beiden Kronleuchter der Synagoge.

Am 21. Januar 1939 wurde ein Kaufvertrag zwischen dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden (VBIG) und der politischen Gemeinde Goßmannsdorf über den Verkauf des Synagogenanwesens (Gebäude und Grundstück) abgeschlossen. Von dem geschätzten Einheitswert (720 Mark) erhielt der VBIG trotz massiven Protestes nur 300 RM. Vermutlich ist aber auch dieser Betrag nie beim VBIG angekommen (vgl. im nachfolgenden Dokumente die dem VBIG unklaren Modalitäten der Überweisung auf eine Devisenbank). 

Gossmannsdorf Synagoge 110.jpg (41889 Byte)Dokument zum Verkauf der Synagoge (aus Braun s.Lit. S. 31; abgekürzt zitiert): 
Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden München     den 22. Februar 1939
An den Herrn Bürgermeister der Gemeinde Gossmannsdorf a.M. 
Betreff: Verkauf der Synagoge in Gossmannsdorf. Zum Schreiben vom 13. Februar 1939.
Die Firma Seiler & Co. in München (Nachfolger von H. Aufhäuser) ist Devisenbank. Wir bitten um Mitteilung der Bestimmung, dass Zahlungen für Verkäufe der in Frage stehenden Art auf ein Sonderkonto bei einer Devisenbank erfolgen müsse. Schließlich bitten wir uns anzugeben, warum nur RM 300.- und nicht RM 400.- des Kaufpreises an uns auszuzahlen sind. 
Dr. Alfred Israel Neumeyer

Das Synagogengebäude wurde nach 1945 zu einem Wohnhaus umgebaut. Nach Abwicklung des Restitutionsverfahrens 1951/52 zwischen der JRSO (Jewish Restitution Successor Organisation und der Ortsgemeinde) kam das Anwesen in Privatbesitz. Ein großer Teil der Umfassungsmauern ist bis zur Gegenwart erhalten. An der nach Osten gerichteten Seite des Hauses ist noch die bauliche Ausbuchtung zu sehen, in der sich der Ahron Hakodesch (Toraschrein) befand, ebenso einige Originalfenster.
       

Adresse/Standort der Synagogeehem. Hauptstraße, heute Zehnthofstraße 29

Fotos
Anmerkung: . Anmerkung von Martin Mulzer, Schwerte in www.synagogen.info

Die ehemalige Synagoge in Goßmannsdorf
(historisches Foto links in Braun s.Lit. und Pinkas Hakehillot S. 439; der Toraschmuck wurde von Theodor Harburger aufgenommen; in ders. Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Jüdisches Museum Franken. Bd. 2 S. 229. 1998 )
Innenansicht 
(aus: "Stille Winkel in Franken" von Leo Weismantel, Fotos von Paul Wolff, 3. Aufl. Bielefeld und Leipzig 1936, Seite 26).
Gossmannsdorf Synagoge 100.jpg (59454 Byte) Gossmannsdorf Synagoge 115.jpg (113421 Byte) Gossmannsdorf Synagoge 135.jpg (66469 Byte)
 Die 1765 erbaute Synagoge mit davor stehendem Lehrer- und Schulhaus Toraschmuck aus Gemeindebesitz (Aufnahme um 1930)   "Eine der wenigen noch vollkommen erhaltenen Synagogen des 17. Jahrhunderts in Franken. Das Bild zeigt den Thoraschrein und (unten angeschnitten) den Platz des Vorbeters (Almemor)" (Zitat - Quelle s.o.)
     
     
      
 Das Synagogengebäude 2004
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach in: www.synagogen.info)  
  
Gossmannsdorf Synagoge 200.jpg (31151 Byte) Gossmannsdorf Synagoge 201.jpg (37348 Byte) Gossmannsdorf Ort 010.jpg (79116 Byte)
Ansicht von der Hauptstraße Ansicht von der Gartenseite    oben: Wandmalereien in einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus (Foto: Sendner, in: J. Braun s. Lit. S. 14)
   
      
 Die letzten jüdischen Einwohner in Goßmannsdorf
(Quelle: Originale Kennkarten werden aufbewahrt im Staatsarchiv Würzburg, Bestand Landratsamt Ochsenfurt, Jüdische Kennkartensammlung) 
Gossmannsdorf P 011.jpg (42938 Byte) Gossmannsdorf P 012.jpg (57978 Byte) Gossmannsdorf Jakob Mayer 010.jpg (67017 Byte) Gossmannsdorf P 010.jpg (39835 Byte)
  Seligmann und Gisela Lind, die am 21. März 1942 aus Goßmannsdorf deportiert und nach Izbica bei Lublin verschleppt wurden - sie sind umgekommen. Jakob und Klara Mayer, die am 23. September 1942 von Würzburg aus nach Theresienstadt deportiert wurden; beide starben dort im Februar 1943.

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Ochsenfurt 

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 307-308.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 62.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 438-439.
Gossmannsdorf Lit 01.jpg (70546 Byte)Joachim Braun: Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Goßmannsdorf am Main. Ochsenfurt 1988. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 223.   
     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gossmannsdorf am Main (in Jewish sources, Gassdarf) Lower Franconia. A Jewish community is known from the mid 17th century, including Jews expelled from Eibelstadt. A synagogue was built in 1765 and the Jewish population reached 75 in 1867 (total 723). In 1933, seven were left. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish homes were vandalized and the two family heads were taken to the Dachau concentration camp. The last two Jews were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) in April 1942.    
            

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 19. Februar 2010