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Goßmannsdorf (Stadt
Ochsenfurt, Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Joachim Braun, Würzburg)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem drei
Ortsherrschaften (Adelsfamilien Zobel von Darstadt und Geyer von Ingolstadt
sowie Hochstift Würzburg) gehörenden Goßmannsdorf bestand eine jüdische Gemeinde
bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts
zurück. 1510 werden erstmals Juden aus Goßmannsdorf genannt, die in
Ochsenfurt Handel treiben wollten. Präzisere Angaben liegen aus dem 17.
Jahrhundert vor: 1655 gab es sechs jüdische Familien am Ort, dazu ein
Schulmeister mit seiner Frau. Mehrere der Familien waren aus Eibelstadt
zugezogen, denen das Würzburger Domkapitel das dortige Aufenthaltsrecht
gekündigt hatte. Einige jüdische Familien konnten zunächst in dem sogenannten
Schlösschen der Familie Zobel von Darstadt wohnen. 1662 wird namentlich der
Jude Salomon genannt, 1667 bis 1673 der aus Fuchsstadt
stammende Jude Cussel mit Familie. Zwischen 1694 und 1715 wurden von der
fürstbischöflichen Behörde insgesamt 12 Schutzbriefe für jüdische Personen / Familien
ausgestellt. 1715 sollte die Zahl der damals ortsansässigen 12
jüdischen Haushaltungen künftig auf 9 reduziert werden. Die jüdischen
Familien lebten vom Vieh- und Pferdehandel sowie vom Handel mit Waren (u.a. Stoffe,
Altmetalle) und Landesprodukten. Im 18. Jahrhundert unterlag der Handel auf
hochstiftischem Gebiet etlichen Beschränkungen und Auflagen.
Im Blick auf die Zahl der am Ort lebenden jüdischen Familien galt im 18.
Jahrhundert zunächst die Bestimmung von 1715, dass die Zahl der Familien
auf neun begrenzt bleiben sollte. Nach 1737 wurden jedoch weitere Familien
aufgenommen, sodass 1756 15 jüdische Haushaltungen gezählt wurden. Eine neue
Dorfordnung von 1762 legte die Zahl der Familien auf höchstens 15 fest,
wobei es bis Anfang des 19. Jahrhunderts geblieben ist. Zuständig für die
religiösen Belange in Streitfällen und besonderen Angelegenheiten waren nach
einer Abmachung von 1766 drei im Turnus wechselnde Rabbiner aus den
verschiedenen Herrschaften (vor allem werden die Rabbiner aus Heidingsfeld
und Mainbernheim genannt).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1814 68 jüdische Einwohner (9,7 % von insgesamt 702 Einwohnern),
1867 75 (10,4 % von 723), 1880 62 (8,6 % von 701), 1900 46 (7,0 % von 656), 1910
16 (2,1 % von 749).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Goßmannsdorf auf
insgesamt 16 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen): Moses Bernard Reinem, Salomon Levi Schiff,
Isack Joseph Fernbacher, Läser Moses Hamburger, Löb Kusel Stra8ß, Marx Samuel
Gottlieb, Herz Mayer Hecht, Joseph Levi Riesenberger, Menasses Wolf Schweitzer,
Samuel Isack Gotthold (Judenvorgänger), David Wolf Adler, Joseph Isack
Fernbacher, Itzig Baruch Heim, Jacob Moses Straus, Gutmann Hieronimus
Rothschild, Witwe Mergam Mayer. Nachträglich immatrikuliert wurden: Abraham
Nathan Walter, Hirsch Lazarus Grünewald, Salomon Moses Friedenheimer, Handel,
Witwe von Salomon Rothschild, Judel (Jiddel) Salomon
Uhlmann.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten
der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in
Allersheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein
Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war
(siehe Ausschreibungen der Stelle unten). An Religionslehrern werden im 19.
genannt (teilweise nur Verweser der Stelle aus anderen Gemeinden): Samuel Isaak
Gotthold (gest. 1858), Wolf Schweizer, Moses Weitzfelder (bis 1889), Julius
Franken (aus Rödelmaier), Sigmund
Pollack (aus Marktbreit), Salomon
Blumenthal (aus Laudenbach bei Karlstadt),
David Sonn (aus Sommerhausen), Moses
Weigersheimer (aus Heßdorf, Bericht
zu seinem Tod 1925 in Schweinfurt siehe dort) sowie im 20. Jahrhundert nochmals Sigmund Pollack (aus Marktbreit),
Die jüdische Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat Kitzingen.
1925, als noch 12 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,5 % von insgesamt
771), waren die Vorsteher der Gemeinde die Herren Samuel Röthler und Jakob Mayer.
1932
wird als Vorsteher nur Jakob Mayer genannt (siehe nächster Abschnitt). Noch in den
1920er-Jahren waren die jüdischen Einwohner völlig im Leben des Dorfes
integriert: Samuel Röthler war von 1925 bis 1929 Vertreter im örtlichen
Waisen- und Fürsorgeausschuss. Felix Adler war Vorstandsmitglied und aktiver
Spieler des Fußballvereins. Max Mayer war Schriftführer des Turnvereins.
1933 lebten noch 7 jüdische Personen am Ort (0,9 % von 781). Zwei
von ihnen verzogen in den folgenden Jahren aus Goßmannsdorf (1939 noch 5
jüdische Einwohner), weitere drei bis zum Beginn der Deportationen. Beim Novemberpogrom
1938 kamen SA- und SS-Leute aus Ochsenfurt, brachen die Häuser der
jüdischen Familien am Ort sowie die Synagoge auf und verwüsteten völlig die
Inneneinrichtungen. Seligmann Lind und Max Mayer (Sohn des Jakob Mayer) wurden
verhaftet, nach Ochsenfurt mitgenommen und in das Gefängnis verbracht. Der letzte
Gemeindevorsteher Jakob Mayer, der einen Schnittwarenladen innehatte, musste im
Oktober 1939 sein Haus in Goßmannsdorf verkaufen und verzog im März 1940 mit
seiner Frau Klara geb. Saalheimer in das Altersheim nach Würzburg (von hier im
September 1942 deportiert). Die letzten
beiden - Seligmann und
Gisela Lind wurden am 21. März 1942 aus Goßmannsdorf deportiert und nach
Izbica bei Lublin verschleppt - sie sind umgekommen.
Von den in Goßmannsdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dr. Irene Ainstein geb. Liffgens (1899),
Cilli Baumann geb. Reussenberger (1879), Abraham Firnbacher (1865), Salomon
Firnbacher (1868), Isidor Gotthold (1857), Jeanette
Grunau geb. Wolfermann (1886), Meta Heymann geb. Mayer (1903), Babette Kahn geb.
Stahl (1883), Gisela Lind geb.
Adler (1892), Seligmann (Sally) Lind (1889), Amalie (Mali, Malchen) Lorch geb. Firnbacher
(1889), Selma Löwenthal geb Firnbacher (1900), Clara Mayer geb. Saalheimer (1874), Jakob
Hermann Mayer (1870), Regina Oppenheimer geb. Saalheimer (1864), Salomon (Saly)
Saalheimer (1876), Frieda Sämann geb.
Firnbacher (1896 oder 1898), Selma Weil geb. Stahl (1876), Sofie Weimersheimer
geb. Adler (1898), Betty (Betti) Wittmann geb. Firnbacher
(1894).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1882 /
1889 / 1890 / 1893
Anmerkung: Die Anzeigen sind von drei Gemeindevorstehern
dieser Jahrzehnte unterschrieben:
- Isaak Saalheimer (geb. 1835 in Kleinsteinach, gest. 1911 in
Goßmannsdorf) war seit 1866 Bürger in Goßmannsdorf, wo er erfolgreich als
Kaufmann tätig war.
- Hirsch Reußenberger (geb. 1851 in Goßmannsdorf, 1906 nach
Nürnberg verzogen) war als Handelsmann tätig, später in Nürnberg als
Kaufmann.
- Samuel Röthler (geb. 1854 in Ermershausen, gest. 1928 in
Goßmannsdorf), war seit seiner Heirat 1879 in Goßmannsdorf und hatte eine Kurzwarenhandlung
inne.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1882:
"Die Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Goßmannsdorf am Main,
mit einem jährlichen Einkommen von ca. 7-800 Mark nebst freier Wohnung,
soll bis 1. November dieses Jahres besetzt werden. J. Saalheimer,
Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1889:
"die Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Goßmannsdorf am Main
mit einem jährlichen Einkommen von ca. 7-800 Mark soll sofort besetzt
werden.
Der Kultusvorstand Hirsch Reußenberger". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1890:
"Die Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Goßmannsdorf am Main
mit einem jährlichen Einkommen von ca. 7 bis 800 Mark soll sofort besetzt
werden.
Der Kultusvorstand: Hirsch Reußenberger." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1893:
"Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter und Schächterstelle soll bis
Oktober dieses Jahres wieder besetzt werden. Fixer Gehalt 400 Mark und
circa 300 Mark Nebenverdienste. Bewerber wollen ihre Gesuche an den
Unterzeichneten einsenden. Goßmannsdorf am Main (Bayern). Der
Kultus-Vorstand: S. Röthler." |
Lehrer Sigmund Pollack fertigt Wimpeln und
Jahrzeittabellen an (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1901: "Wimpeln
und Jahrzeittabellen fertigt nach auswärts billigst und in schöner
Ausführung. Lehrer Pollack, Goßmannsdorf am Main." |
Zum Tod einer Tochter des Lehrers Moses Weitzfelder: Babette Schloß geb.
Weitzfelder (gestorben 1927 in Aufseß)
Anmerkung: Nach Angaben von Joachim Braun (Aschaffenburg) war
Babette Schloß, deren Geburtsname in dem zitierten Artikel nicht genannt wird,
die am 29. Juni 1853 in Goßmannsdorf geborene Tochter des jüdischen
Religionslehrers Moses Weitzfelder und seiner Frau Margem geb. Fröhlich.
Babette heiratete am 31. Juli 1876 den jüdischen Religionslehrer Löw Schloß.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1928:
"Aufseß (Bayern), 29. Januar. Am Schabbat wajigasch (Schabbat
mit der Toralesung Wajigasch = 1. Mose 44,18 - 47,27, Samstag 31.
Dezember 1927) verschied plötzlich und unerwartet Frau Babette Schloß im
Alter von 74 Jahren. Noch vor wenigen Wochen war es ihr vergönnt, an der
Feier des 80. Geburtstages ihres Gatten, mit dem sie über ein halbes
Jahrhundert vereint war, teilzunehmen. Als Lehrerstochter einer
angesehenen echt jüdischen Familie zu Goßmannsdorf
geboren, erzog sie ihre Kinder als vorbildliche Mutter zu tüchtigen und
frommen Jehudim mit aufopfernder Liebe und Hingebung. Freundlich und
zuvorkommend war sie allezeit gegen alle Personen ohne Unterschied ihrer
Abstammung, so nahm sie sich ganz besonders der Armen und Bedrückten an.
Ob trauriges oder freudiges Ereignis in der Gemeinde sich zutrug, immer
war sie beflissen, ihre innigste Teilnahme zu bekunden. Wie sie sich auch
für das Gemeinwohl bereitstellte, so war sie im Gegensatz für sich sehr
bescheiden und anspruchslos. Unter allgemeiner großer Beteiligung der jüdischen
und nichtjüdischen Bevölkerung fand die Beisetzung zur ewigen
Ruhestätte statt, an der Herr Rabbiner Dr. Salomon - Bayreuth
in ergreifender Rede die seltenen Vorzüge dieser wackeren Frau
rühmte. Herzliche Worte des Dankes für die Familie widmete noch der
jüngste Sohn der Verblichenen zum Abschiedsgruß. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spendenaufruf von J. Liffgens für einen verarmten Mann
(1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Oktober 1890: "Werte
Glaubensgenossen. Obzwar unsere werten Glaubensgenossen häufig zur
Unterstützung armer Mitmenschen (welches dich unsere Pflicht ist) in
Anspruch genommen werden, so kann ich nicht umhin, für einen armen,
braven, kranken, alten Mann, dessen Frau vor etwa 2 Jahren gestorben und
dessen einziger Sohn leider nicht in einem Zustande beschaffen ist, um
seinen alten, kranken Vater ernähren zu können, die Mildtätigkeit
unserer werten Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen. Der in Rede Stehende
ist ein im Sinne des Wortes frommer Jehudi und der Unterstützung würdig
und bedürftig. Gefällige Gaben, welche zur Beschaffung von
Lebensmitteln, Kleidung etc., sowie zum Schutze gegen den bevorstehenden
kalten Winter zu dienen haben, bin ich bereits, anzunehmen und weiter zu
befördern, worüber dann im 'Israelit' dankend quittiere. -
Goßmannsdorf (Unterfranken), den 15. Oktober 1890. J.
Liffgens.
Auch die Expedition dieses Blattes, welche das vom israelitischen
Kultusvorstande ausgestattete Original-Zeugnis besitzt, ist gerne bereit,
Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern." |
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| Nachstehend eine der in den nach Erscheinen
der Anzeige veröffentlichten Spendenquittierungen: |
Quittierung
von eingegangenen Spenden in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
1. Dezember 1890: "Eingegangene Spenden in der Zeit vom
27.-29. November. .... Für den armen, kranken, alten Mann (Aufruf von
J. Liffgens, Goßmannsdorf. M. Stein in Mühlen
a.N. 5 Mark - H. Stein daselbst 5 Mark - Eingegangen bei J. Liffgens:
H. Stern in Kitzingen 10 Mark - Frau
Goldschmidt in Wiesbaden 5 Mark - Poststempel Insterburg 1 Mark - S.
Fließ in Ballenstedt 3 Mark." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Babetta Saalheimer (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1908: "Goßmannsdorf
bei Würzburg, 1. Dezember (1908). Am 1. Kislew (= 25. November
1908) schied Frau Babetta Saalheimer im Alter von 72 Jahren schnell und
unerwartet aus dem Leben. Nicht nur ihre Angehörigen, sondern auch in der
ganzen Gemeinde und weit darüber hinaus wird der Verlust dieser frommen,
tugendhaften Frau schmerzlich empfunden. So anspruchslos die Verstorbene
für sich selber war, so freigiebig war sie gegen Arme. Sie führte ein
nur vom Tora-Geist erfülltes Leben und kannte keine größere
Freude, als eben die Freude über das Gebot (Gottes). Die
zahlreiche Beteiligung von nah und fern an der Beerdigung legte beredtes
Zeugnis ab von der Beliebtheit, deren die Entschlafene allenthalben sich
erfreute. Am Hause sprachen die Herren Lehrer Gutmann - Altenschönbach
und Goldstein - Heidingsfeld,
ersterer als Schwiegersohn, letzterer als Verwandter und Freund. Der gute
Name der Heimgegangenen wird in dem Gedächtnisse aller, die sie kannten
stets fortleben; 'Ihre Taten sind ihre Andenken': 'Die Taten
guter Menschen,' sagen unsere Weisen 'schützen dieselben vor
Vergessenheit'." |
Anzeigen jüdischer
Privatpersonen
Anzeige des Heiratsvermittlers J. Liffgens (1898)
Anmerkung: "Schadchen" war ein Heiratsvermittler
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Schadchen
empfiehlt sich zur Vermittlung reeller Heiratspartien. J. Liffgens,
Goßmannsdorf am Main." |
Verlobungsanzeige von Meta Mayer und Josef Strauß (1929)
Aus
den "Familiennachrichten" in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 16. Mai 1929: "Verlobte: Meta Mayer,
Goßmannsdorf, Josef Strauß, Karlstadt am Main, Verlobte." |
Neuere Artikel zur jüdischen Geschichte von Goßmannsdorf
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Artikel von Joachim Braun: "Drangsaliert, denunziert und
deportiert. Vor 65 Jahren mussten die letzten Juden den Ochsenfurter Gau
verlassen. Gossmannsdorfer Familie unter den Opfern" in: Main-Post (Ausgabe
Ochsenfurt) vom 24. März 2007:
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| Zum Lesen
anklicken (bitte etwas längere Ladezeit beachten) |
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Hinweis: Über die Geschichte der
Familie Seligmann Lind (geb. 1889 in Bermutshain), seine Frau Giselha
geb. Adler aus Goßmannsdorf liegen Informationen und das obige Foto vor
dem Haus der Familie Adler auch auf der Website www.chronik-bermutshain.de
vor (von Carsten Eigner M.A., Seite
zu Familie Lind). |
 | Artikel von Joachim Braun: "Fragmente
zeugen vom jüdischen Leben. Wertvolle Innenaufnahme der Goßmannsdorfer
Synagoge entdeckt" in: Main-Post (Ausgabe
Ochsenfurt) vom 12. April 2008:
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Der Bericht ist auch als pdf-Datei
eingestellt. |
Zur Geschichte der Synagoge
Da 1655 zusammen mit den sechs ortsansässigen
jüdischen Familien ein Schulmeister genannt wird, war damals vermutlich auch
eine "Judenschule", d.h. zumindest eine Betstube in einem der
jüdischen Häuser vorhanden. Vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts richtete
Baruch ben Jirmiahu Naftali für die jüdischen Familien des Dorfes eine
Synagoge für die Gottesdienste in seinem Haus ein und sorgte für die
Unterhaltung des Raums. Auch eine Torarolle ließ er anfertigen. Baruch starb
1714 in Allersheim und wurde dort beigesetzt.
1720 wollte die jüdische Gemeinde eine neue Synagoge im Haus des Juden
Mayer einrichten. Hier hätte auch der Unterricht der Kinder besser stattfinden
können. Der Plan konnte nicht ausgeführt werden. 1757 gab es erneute
Bemühungen zur Einrichtung oder zum Bau einer Synagoge, die auf Widerstand vor
Ort stießen. Erst 1764 erteilten die Ortsherrschaften die Genehmigung
zum Bau einer Synagoge. Am 6. September dieses Jahres konnte ein geeignetes
Grundstück gekauft werden. Das darauf stehende Haus wurde abgebrochen. Von
Oktober 1764 an konnte gebaut werden. Die feierliche Einweihung der Synagoge
mit einem Umzug der Torarollen vom bisherigen Betsaal in die neue Synagoge war
am 17. August 1765.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts konnten regelmäßig Gottesdienste in der
Goßmannsdorfer Synagoge gefeiert werden. 1905 wurde jedoch bereits nicht
mehr die notwendige Zehnzahl jüdischer Männer aus dem Ort selbst erreicht.
Seitdem waren reguläre Gottesdienste nur mit auswärtigen Gästen möglich.
Seit 1917 erhielt die Gemeinde eine staatliche Unterstützung von 50 M für die
Erhaltung der Synagoge, um sie vor dem Verfall zu bewahren.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge und die noch vorhandenen Ritualien vernichtet. Ein motorisierter Trupp
von SA- und SS-Leuten war aus Ochsenfurt nach Goßmannsdorf gekommen. Ein Teil der
Inneinrichtung war bereits vor November 1938 an den Verband Israelitischer
jüdischer Gemeinden in München übergeben worden, darunter die beiden
Kronleuchter der Synagoge.
Am 21. Januar 1939 wurde ein Kaufvertrag zwischen dem Verband Bayerischer
Israelitischer Gemeinden (VBIG) und der politischen Gemeinde Goßmannsdorf über
den Verkauf des Synagogenanwesens (Gebäude und Grundstück) abgeschlossen. Von
dem geschätzten Einheitswert (720 Mark) erhielt der VBIG trotz massiven
Protestes nur 300 RM. Vermutlich ist aber auch dieser Betrag nie beim VBIG
angekommen (vgl. im nachfolgenden Dokumente die dem VBIG unklaren Modalitäten
der Überweisung auf eine Devisenbank).
Dokument
zum Verkauf der Synagoge (aus Braun s.Lit. S. 31; abgekürzt
zitiert):
Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden
München den 22. Februar 1939
An den Herrn Bürgermeister der Gemeinde Gossmannsdorf a.M.
Betreff: Verkauf der Synagoge in Gossmannsdorf. Zum Schreiben vom 13.
Februar 1939.
Die Firma Seiler & Co. in München (Nachfolger von H. Aufhäuser) ist
Devisenbank. Wir bitten um Mitteilung der Bestimmung, dass Zahlungen für
Verkäufe der in Frage stehenden Art auf ein Sonderkonto bei einer Devisenbank
erfolgen müsse. Schließlich bitten wir uns anzugeben, warum nur RM 300.-
und nicht RM 400.- des Kaufpreises an uns auszuzahlen sind.
Dr. Alfred Israel Neumeyer |
Das Synagogengebäude wurde nach 1945 zu einem Wohnhaus
umgebaut. Nach Abwicklung des Restitutionsverfahrens 1951/52 zwischen der JRSO
(Jewish Restitution Successor Organisation und der Ortsgemeinde) kam das Anwesen
in Privatbesitz. Ein großer Teil der Umfassungsmauern ist bis zur Gegenwart erhalten.
An der nach Osten gerichteten Seite des Hauses ist noch die bauliche Ausbuchtung
zu sehen, in der sich der Ahron Hakodesch (Toraschrein) befand, ebenso einige
Originalfenster.
Adresse/Standort der Synagoge: ehem. Hauptstraße,
heute Zehnthofstraße 29
Fotos
Anmerkung: . Anmerkung von Martin Mulzer, Schwerte in www.synagogen.info.
Die ehemalige Synagoge in
Goßmannsdorf
(historisches Foto links in Braun s.Lit. und Pinkas Hakehillot S. 439; der
Toraschmuck wurde von Theodor Harburger aufgenommen; in ders. Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
Jüdisches Museum Franken. Bd. 2 S. 229. 1998
) |
Innenansicht
(aus: "Stille Winkel in Franken" von Leo Weismantel, Fotos von Paul Wolff, 3.
Aufl. Bielefeld und Leipzig 1936, Seite 26). |
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| Die 1765 erbaute
Synagoge mit davor stehendem Lehrer- und Schulhaus |
Toraschmuck aus
Gemeindebesitz (Aufnahme um 1930) |
"Eine der wenigen noch vollkommen erhaltenen Synagogen des 17. Jahrhunderts in Franken. Das Bild zeigt den Thoraschrein und (unten angeschnitten) den Platz des Vorbeters
(Almemor)" (Zitat - Quelle s.o.) |
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Das Synagogengebäude 2004
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach in: www.synagogen.info) |
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| Ansicht von der
Hauptstraße |
Ansicht von der
Gartenseite |
oben:
Wandmalereien in einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus (Foto: Sendner, in:
J. Braun s. Lit. S. 14) |
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Die letzten
jüdischen Einwohner in Goßmannsdorf
(Quelle: Originale Kennkarten werden aufbewahrt im Staatsarchiv
Würzburg, Bestand Landratsamt Ochsenfurt, Jüdische
Kennkartensammlung) |
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Seligmann und
Gisela Lind, die am 21. März 1942 aus Goßmannsdorf deportiert und nach
Izbica bei Lublin verschleppt wurden - sie sind umgekommen. |
Jakob und Klara Mayer,
die am 23.
September 1942 von Würzburg aus nach Theresienstadt deportiert wurden;
beide starben dort im Februar 1943. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 307-308. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 62. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 438-439.
|
 | Joachim Braun: Geschichte der ehemaligen jüdischen
Gemeinde von Goßmannsdorf am Main. Ochsenfurt 1988. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 223.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gossmannsdorf am Main
(in Jewish sources, Gassdarf) Lower Franconia. A Jewish community is known from
the mid 17th century, including Jews expelled from Eibelstadt. A synagogue was
built in 1765 and the Jewish population reached 75 in 1867 (total 723). In 1933,
seven were left. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and
Jewish homes were vandalized and the two family heads were taken to the Dachau
concentration camp. The last two Jews were deported to Izbica in the Lublin
district (Poland) in April 1942.

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