Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Unterfranken"
   
      

Ermershausen (VG Hofheim i.Ufr., Kreis Hassberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Ermershausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 111 jüdische Einwohner (25,2 % von insgesamt 441 Einwohnern), 1867 101 (17,2 % von 588), 1871 85 (15,2 % von 560), 1890 113 (17,7 % von 640), 1900 104 (17,4 % von 598), 1910 70 (12,2 % von 575). Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Viehhandel, einige eröffneten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts am Ort Geschäfte und Handlungen. Mehrere hatte landwirtschaftlichen Nebenerwerb. 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Ermershausen auf insgesamt 23 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Moises Samuel Fichtelberg (Viehhandel), Schier Josef Ermets (Viehhandel), Maier Mentel Rau (Vieh- und Salzhandel), Moises Marx Hess (Viehhandel), Goetz Löw Sussmann Nussblatt (Schmusen), Schier Eissig Friessner (Viehhandel), Eissig Seligmann Pflaum (Lichterziehen), Haium Moises Fichtelberg (Schmusen), Wolf Sussmann Rosenbach (Viehhandel), Simson Sussmann Sachsdorf (Viehhandel), Moises Veist Stern (Schmusen), Joseph Eissig Friessner (Schmusen), Marx Feist Steinburger (Viehhandel), Goetz Isaac Schlossmann (Viehhandel), Samuel Moises Roedler (Warenhandel), Moises Maier Rau (Viehhandel), Salomon Veist Treufeld (Schmusen), Lazarus Veist Zeilberg (Viehhandel), Marcus Maier Rau (Viehhandel), Joseph Machel Fichtelberg (Viehhandel), Jacob Schier Ermetz (Roßhändler, seit 1817), Füll Löb Lilienthal (Schlachter, seit 1817), Seligmann Pflaum (Lichterzieher und Seifensieder, seit 1825).       
   
An Einrichtungen bestanden in der Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof (bis zur Anlage des eigenen Friedhofes wurden die Toten der Gemeinde in Ebern beigesetzt). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Zwei Lehrerpersönlichkeiten haben das jüdische Gemeindeleben über mehrere Jahrzehnte in besonderer Weise geprägt: Jakob Salzer (Lehrer von 1836 bis 1882), David Kissinger (Lehrer von 1882 bis 1924), Hirsch Wolfrom (Lehrer von 1924 bis 1927).  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Max Rau (geb. 24.10.1885 in Ermershausen, gef. 17.9.1916) und Nathan Rau (geb. 10.3.1894 in Ermershausen, gef. 6.8.1915). Ihre Namen stehen auf dem nach 1945 errichteten Kriegerdenkmal von Ermershausen in der Ortsmitte neben der Kirche und dem Rathaus. Außerdem ist gefallen: Heinrich Zeilberger (geb. 21.9.1886 in Ermershausen, vor 1914 in St. Ingbert wohnhaft, gef. 6.10.1915).      
   
1924, als noch 65 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (10,8 % von etwa 600 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Leopold Zeilberger und Max Pflaum. Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte im letzten Jahr vor der Zurruhesetzung David Kissinger. Damals erteilte er 10 jüdischen Kindern Unterricht an der jüdischen Volksschule. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Burgpreppach. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Max Pflaum (1. Vors.), Friedrich Zeilberger (Schriftführer). Als Lehrer wirkte nun Hermann Mahlermann. Er erteilte im Schuljahr 1931/32 13 jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestand vor allem der in der Wohlfahrtspflege engagierte Israelitische Frauenverein (Heilige Schwesternschaft, 1932 unter Leitung von Rosa Fichtelberger). 
   
1933 gehörten noch 58 Personen der jüdischen Gemeinde an (10,0 % von 583 Einwohnern). Nationalsozialistische Maßnahmen wirkten sich alsbald am Ort aus. Im Frühjahr 1934 wurde Lehrer Mahlermann wegen des unaufgeklärten, angeblichen Ritualmordes von 1929 in Manau (vgl. Seite zu Hofheim) mit anderen Männer aus Nachbarorten (vor allem Burgpreppach) verhaftet. Erst nach mehreren Monaten in Haft wurden sie wieder frei gelassen. Hermann Mahlermann verließ Ermershausen und wurde Lehrer in Hammelburg. An seine Stelle trat Herbert Adler, der schließlich eine Woche vor dem Novemberpogrom 1938 emigrieren konnte. Danach kam noch der Lehrer aus Burgpreppach zur Betreuung der in Ermershausen lebenden jüdischen Familien. Insgesamt blieb das Verhältnis zwischen Juden und Christen in Ermershausen bis 1938 noch relativ normal, sodass bis zum Novemberpogrom 1938 nur 10 jüdische Einwohner den Ort verließen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die meisten jüdischen Männer festgenommen und in das KZ Dachau gebracht. Bis 1941 verließen insgesamt 38 der jüdischen Einwohner (von 1933) den Ort. Von ihnen emigrierten 25 in die USA, sieben zogen nach Würzburg, zwei nach Berlin. Im April 1942 wurden 15 jüdische Personen über Würzburg nach Izbica deportiert, die letzten drei wurden im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. 
   
Von den in Ermershausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Maida Adler geb. Pflaum (1876), Selma Blättner geb. Kissinger (1890), Ferdinand Fichtelberger (1871), Frieda Fichtelberger (1927), Gerd Ferdinand Fichtelberger (1871), Max Fichtelberger (1938), Rosa Fichtelberger geb. Rosenstock (1902), Bertha Firnbacher geb. Rau (1861), Gitta Fischmann geb. Friesner (1894), Ida Friedmann geb. Kissinger (1888), Berta Friesner geb. Pfifferling (1897), Josef Friesner (1889), Karl Friesner (1930), Max Friesner (1928), Bertha Goetz geb. Zeilberger (1890), Frieda Moses geb. Fichtelberger (1888), Meta Pflaum geb. Berliner (1884), Paula Prager geb. Rebitzer (1878), Fanny Rau geb. Kissinger (1892), Ida Rau geb. Fleischmann (1887), Jakob Rau (1881), Moritz Rau (1899), Norbert Rau (1922), Siegfried Rebitzer (1876), Sofie Rebitzer geb. Stern (1887), Simon Sachsendorfer (1871), Max Stern (1883), Rosa Uhlfelder geb. Zeilberger (1890), Elieser Zeilberger (1864), Frieda Zeilberger geb. Rau (1879), Gerd Zeilberger (1924), Heinrich Zeilberger (1883), Leopold Zeilberger (1886), Max Zeilberger (1891), Selma Zeilberger geb. Rosenfeld (1895), Siegfried Zeilberger (1900), Sofie Zeilberger geb. Herrmann (1894). 
Hinweis: der Familienname Friesner wird bei allen genannten Personen auch Frießner geschrieben. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Abschied von Lehrer Jakob Salzer (1882)  
Anmerkung: Der im Abschnitt genannte Sohn von Lehrer Jakob Salzer - Dr. Moses Salzer - ist  1841 in Ermershausen geboren, studierte seit 1863 in Würzburg und Berlin, wurde in Halle promoviert; war 1870 bis 1883 Distriktsrabbiner in Schnaittach und seit 1883 Landesrabbiner in Stadtlengsfeld.  

Ermershausen Israelit 02081882.jpg (149052 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1882: "Ermershausen (Bayern), 24. Juli. Herr Lehrer Jakob Salzer, durch den am 2. Ijar (= 21. April 1882) plötzlich erfolgten Tod seiner frommen und würdigen Frau - sie ruhe in Frieden - gezwungen, seine Stelle dahier, welche er 46 1/2 Jahre lang als Religionslehrer, Vorbeter und Schochet bekleidet hatte, niederzulegen, verließ den 2. dieses Monats unsere Gemeinde, um nach Schnaittach zu seinen dort wohnenden Kindern überzusiedeln. - Herr Lehrer Salzer wirkte diese lange Zeit hindurch mit großem Pflichteifer und hohem religiösem Ernste und in Folge dessen auch mit reichlichem Erfolge. Der Stand seiner Schule war immer ein ausgezeichnet guter, sodass ihm die Anerkennung des Rabbiners und der Königlichen Schulbehörden in hohem Maße zuteil ward.
Außerdem stand Herr Lehrer Salzer wegen seines biederen Charakters in großer Achtung und war geliebt nicht bloß von seiner Gemeinde und den Nachbargemeinden, in welchen er zeitweilig tätig war, sondern auch von der christlichen Bevölkerung hier und in weiterem Umkreise. Dies zeigte sich auch bei seinem Scheiden. Der Herr Pfarrer, die Herren Lehrer und andere angesehene christliche Männer des Ortes und von auswärts vereinigten sich zu Ehren des Scheidenden zu einer geselligen Abschiedsfeier, an welcher auch der größte Teil der jüdischen Gemeindemitglieder teilnahm. Herr Pfarrer Schneider eröffnete die Reihe der Toaste als Lokalschulinspektor und Freund des Gefeierten mit herzlichen Worten der Anerkennung für die Vergangenheit und des Glückwunsches für die Zukunft.
Die israelitische Gemeinde überreichte ihrem Lehrer als äußeres Zeichen der Liebe und Dankbarkeit einen prachtvoll gearbeiteten silbernen Pokal. 
Sowohl bei der Tags vorher, am Sabbat, in tiefer Ergriffenheit gesprochenen Abschiedsworten des Lehrers an die Gemeinde, als auch bei der erfolgten Abfahrt, in Begleitung seines Sohnes des Herrn Rabbiner Dr. Salzer von Schnaittach, wozu außer der Schuljugend, welche den Wagen bekränzt hatte, eine große Zahl Männer und Frauen sich begeben hatte, war der Schmerz ein sichtlichen; selbst Greise vergossen Tränen. 
Möge der Allgütige, Herrn Lehrer Salzer, dem jugendlichen Greise, einen langen und angenehmen Lebensabend zuteil werden lassen." 

    
Zum Tod von Religionslehrer Jacob Salzer (1894)   

Stadtlengsfeld Israelit 31121894.jpg (137902 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1894: "Stadtlengsfeld. Und Jakob ging seinen Weg. Am 24. Dezember (26. Kislev) verstarb hier im Alter von nahezu 83 Jahren der emeritierte Religionslehrer Jacob Salzer, Vater unseres verehrten Herrn Landrabbiners Dr. Salzer - sein Licht leuchte. Der Verblichene hat 47 Jahre lang in Ermershausen (Bayern) als Kultusbeamter gewirkt und in reichem Maße Gottesdienst, Tora und Wohltätigkeit ausgeübt und so konnte es nicht fehlen, dass ihm für seine Tätigkeit die Liebe und Anerkennung seiner Gemeinde zuteil wurde. Auch im hiesigen Orte, wo er im Hause des Sohnes die Zeit seines Ruhestandes verbrachte, gewann sich der jugendliche Greis gar bald de Herzen aller, die ihm nahe standen. Zu seiner heute erfolgten Beerdigung hatten sich viele Freunde und Kollegen aus der Umgegend eingefunden, um dem geschätzten Toten die letzte Ehre zu erweisen; auch waren viele christliche Bekannte, darunter der Pfarrer des Ortes und der Rektor der Schule, dem Leichenbegängnisse gefolgt. Tief ergriffen hielt Herr Landrabbiner Dr. Salzer dem geliebten Vater die Gedächtnisrede und dankte dem Dahingeschiedenen für die gute Erziehung, die er seinen Kindern habe angedeihen lassen, sodass sie alle, unter ihnen auch 2 in Amerika lebende Söhne als gesetzestreue Israeliten das Erbe des Vaters heilig halten. So kann auch auf den Verschiedenen das Wort der Schrift vom Erzvater Jakob Anwendung finden: 'Der Geist ihres Vaters Jacob lebt fort in seinen Kindern!' Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen!' Baumgart."  

   
Zum 25jährigen Dienstjubiläum von Lehrer Kissinger (1907)  

Ermershausen Israelit 22081907.jpg (28691 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1907: "Ermershausen, 13. August. Am vergangenen Samstag beging die hiesige jüdische Gemeinde das 25jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers David Kissinger. Die jüdische wie auch die politische Gemeinde ehrten den Jubilar durch Veranstaltung einer schönen Feier."

    
Ausschreibung der Stelle des Lehrers/Kantors/Schächters (1924)

Ermershausen Israelit 28021924.jpg (59140 Byte)Anzeige  in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1924: "Vakanz. Wegen Pensionierung unseres bisherigen Herrn Lehrers Kissinger erledigt sich am 1. August eventuell 1. September die hiesige Religionslehrer-, Kantor- und Schochetstelle mit noch 3 Filialen mit insgesamt 40 Familien. Der Anstellende wird in die ihm zustehende Gruppe nach den Satzungen des Verbandes eingruppiert und bietet die Stelle ein gutes Auskommen. Bewerber wollen ihre Gesuche mit Zeugnissen bis 21. März an den unterzeichneten Vorstand einsenden.  
Ermershausen, den 22. Februar 1924. Der Kultusvorstand Leopold Zeilberger."  

   
Zum Tod von Lehrer Hirsch Wolfrom (1927, Lehrer in Ermershausen 1924 bis 1927)  

Ermershausen BayrGZ 15071927.jpg (140131 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927: "Nach langem und schwerem Leiden starb am 11. Juni in Reichenhall, wohin er sich zum Kurgebrauch  begeben hatte, Lehrer Hirsch Wolfrom von Ermershausen im 46. Lebensjahre. Bei der Beerdigung, die in München stattfand und zu der sich neben zahlreichen Gemeindemitgliedern sämtlich Kollegen von hier eingefunden hatten, schilderte Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu das entsagungsreiche und opfervolle Leben des jüdischen Lehrers, dessen ganz auf das Ideelle gerichtete Streben oft genug nicht die Würdigung findet, die es verdient. Herr Oberlehrer Dingfelder sprach im Namen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und des Israelitischen Lehrervereins den Hinterbliebenen das herzlichste Beileid aus. Er gab dabei die Versicherung ab, dass beide Organisationen bemüht sein werden, das Los der schwer geprüften Witwe nach Möglichkeit zu erleichtern. Kollege Wolfrom hatte ein wechselvolles und schicksalsschweres Leben hinter sich. Nachdem er im Jahre 1900 das Jüdische Lehrerseminar in Köln absolviert hatte, wirkte er in verschiedenen norddeutschen Gemeinden, und zwar in Gemen, Labes, Konitz und Stallupönen. Bei dem Einfall der Russen im Jahre 1914 musste er, seine ganze Habe zurücklassend, flüchten und kam dann nach Kleinsteinach in Unterfranken. Nach zweieinhalbjährigem Kriegsdienst kehrte er im Jahre 1919 wieder nach Stallupönen zurück, nahm im Jahre 1922 neuerdings die Stelle in Kleinsteinach an und wirkte schließlich bis zu seinem Tode in Ermershausen. Wir werden dem in so jungen Jahren abberufenen Kollegen ein treues Andenken bewahren."    



Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des Kultusvorstandes Mendel Zeilberger (1915)     

Ermershausen Israelit 24061915.jpg (80638 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1915: "Ermershausen, 20. Juni (1915). Am 17. Siwan (30. Mai 1915) hat Herr Mendel Zeilberger, derzeitiger Kultusvorstand dahier, das Zeitliche gesegnet. Die schwer geprüfte Familie, die nun von beiden Eltern verwaist, verliert in ihm den sorgsamen Vater, dem die Sorge für Familie und Haus den Hauptinhalt seines Lebens bildete. Trotz seiner ausgedehnten, geschäftlichen Tätigkeit war er auch auf das Wohl seiner Mitmenschen bedacht. Durchreisende Arme fanden bei ihm tägliche gastliche Aufnahme, Wohltätigkeitsanstalten wurden von ihm kräftigst unterstützt und seinen Mitmenschen war er ein verständiger Berater und Helfer. Dabei war er ein begeisterter Anhänger des Judentums, unterhielt sich gerne vom jüdischen Schrifttum und widmete den Sabbat und Festtag zum größten Teile dem Lesen jüdischer Schriften. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

       
Goldene Hochzeit von Karl Zeilberger und Veronika geb. Steinhardt (1931)   

Ermershausen BayrGZ 01111931.jpg (65045 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. November 1931: "Ermershausen (Unterfranken). Am 31. Oktober begehen Kaufmann Karl Zeilberger und Frau Veronika geb. Steinhardt, hier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Aus der Ehe des Jubelpaares gingen dreizehn Kinder hervor; davon leben noch zwölf: sieben Söhne und fünf Töchter. Alle  zwölf Kinder sind verheiratet. Fünf Söhne waren 1914-18 im Feld. Herr Lehrer Max Zeilberger (Landau, Pfalz) schreibt uns, dass am 31. Oktober sich zur Jubelfeier neun Kinder mit ihren Ehegatten und Kindern in Ermershausen zusammenfinden werden, während die drei in Amerika verheirateten Kinder wohl nicht kommen werden. Auch die Eltern des Jubilars konnten vor dreißig Jahren am gleichen Ort die goldene Hochzeit feiern. - Unsere herzlichen Glückwünsche gelten der Familie Zeilberger, an der Spitze dem Jubelpaar!"   

    
Zum Tod des aus Ermershausen stammenden Moritz Stern, Ehrenmitglied, Ehrenvorstand usw. der jüdischen Gemeinde Cham (1931)   

Cham BayrGZ 01081931.jpg (56104 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. August 1931: "Cham, Freitag, den 17. Juli, entschlief hier Herr Moritz Stern, Ehrenmitglied und Ehrenvorstand der hiesigen Kultusgemeinde, der er mehr als fünfzig Jahre als Mohel, Bal-Koreh, Bal Tokeah und Bal-Tefillah seine Dienste geliehen hat. Moritz Stein hat das 80. Lebensjahr weit überschritten, nahm aber noch am Leben der Gemeinde bis zu seinem Tode den aufmerksamsten Anteil. Der Entschlafene entstammt aus einer frommen Familie aus Ermershausen in Unterfranken und begründete vor mehr als 50 Jahren hier in Cham ein Manufakturwarengeschäft. An seinem Grab rief ihm Lehrer Godlewsky warme Worte der Treue und Liebe nach. Die Behörden, Freunde und Bekannte des allgemein geachteten und beliebten Mannes waren vollzählig zu seiner letzten Ehrung erschienen."  
    
Cham BayrGZ 01081931.jpg (51111 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. August 1931: "Am 17. Juli verschied unerwartet unser ehemaliger langjähriger Vorstand und Ehrenmitglied Herr Kaufmann Moritz Stern. Tief erschüttert stehen wir an der Bahre unseres allezeit eifrig um das Wohl der Kultusgemeinde besorgten, gerechten Führers, dessen Verlust uns schier unersetzlich ist. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Cham, 17. Juli 1931. Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde in Cham."  

   
   
Persönlichkeiten  

Louis Kissinger (2. Februar 1887 in Ermershausen - 14. März 1982 in New York): zweitältestes Kind des Religionslehrers David Kissinger und seiner Frau Karolina geb. Zeilberger. Louis heiratete am 14. August 1922 Paula Stern (geb. 1901 in Leutershausen), mit der er zwei Kinder hatte: Walter (geb. 1924 in Fürth) und Heinrich (Heinz, später Henry, geb. 1923 in Fürth), der spätere Außenminister der USA.; Louis wurde Lehrer und unterrichtete bis zur NS-Zeit am Fürther Mädchenlyzeum Geschichte und Geografie; 1938 in die USA emigriert.       

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge         
    
Bereits im 18. Jahrhundert war ein Betsaal oder eine erste Synagoge vorhanden. 
   
1850 wurde eine neue Synagoge erbaut, in dem auch die Lehrerwohnung eingerichtet war. In einem Anbau befand sich die jüdische Schule.  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge beschädigt, die Ritualien zerstört. Jüdische Einwohner wurden gezwungen, die Torarollen auf Feldern außerhalb des Ortes mit eigener Hand zu verbrennen. 
  
Das Synagogengebäude blieb erhalten und wurde nach 1945 zu einem Wohnhaus umgebaut.
  
  
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße     
   
   
Fotos     

Die ehemalige Synagoge  
(Quelle: Elizabeth Levy, Kontakt über: levyliz[et]smile.net.il)       
   Hinweis: die früher als Quelle angegebene Website der Familie Kissinger besteht nicht mehr
Ermershausen Synagoge 110.jpg (64134 Byte) Ermershausen Synagoge 111.jpg (26057 Byte) Ermershausen Synagoge 112.jpg (50304 Byte)
Die ehemalige Synagoge beim Umbau
 zum Wohnhaus (1960er-Jahre?)  
Die ehemalige Synagoge mit dem 
Anbau der jüdischen Schule 
Die ehemalige Synagoge mit Beschriftung zur Lage
 von Synagoge, Schule und Lehrerwohnung 
        
Familienfotos aus der Familie Kissinger 
(Quelle: Elizabeth Levy, Kontakt über:  levyliz[et]smile.net.il)     
  
Ermershausen DKissinger 01.jpg (20202 Byte) Ermershausen Kissinger David.jpg (17403 Byte) Ermershausen CelZeilberger 01.jpg (29038 Byte)
Der jüdische Lehrer von Ermershausen David Kissinger (1860-1947), Großvater 
des späteren US-Außenministers Henry Kissinger  
Celine Kissinger geb. Zeilberger (1863-1906),
 Frau von David Kissinger, Großmutter des
 späteren US-Außenministers Henry Kissinger 
  
   
Ermershausen Synagoge 113.jpg (83601 Byte) Ermershausen FannyKissinger 01.jpg (31527 Byte)
David Kissinger mit Angehörigen oder Bekannten 
vor der Synagoge in Ermershausen 
Nach der Deportation mit ihrem Mann Jakob Rau
 und den beiden Kindern ermordet: die in
 Ermershausen geborene und aufgewachsene
 Fanny Rau geb. Kissinger (1892-1943)  
    

   
    

Links und Literatur   

Links:

Website der Gemeinde Ermershausen (Website der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim i.Ufr.)  
Website der Zeilberger Family mit der Nachkommenschaft von Lazarus Zeilberger  sowie Erinnerungen an die Familiengeschichte in Ermershausen (pdf-Datei) 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Ermershausen (interner Link)

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 286-287.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 49.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 405-407.
Cordula Kappner: Die jüdische Gemeinde in Ermershausen. In: 950 Jahre Ermershausen. 1999. S. 136-157. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 155-156.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ermershausen  Lower Franconia. An organized community existed in the late 18th cetury, numbering 113 in 1890 (total 640) and 58 in 1933. Most of the Jews were cattle traders. On Kristallnacht (9-10 November 1938), most of the Jewish men were sent to the Dachau concentration camp, the synagogue was vandalized, and Jews were forced to burn their religious books. Of the 38 who left in 1934-41, 25 emigrated to the United States. Of the 18 remaining Jews, 15 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 22 April 1942.  
      
        

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge  

                    

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Januar 2017