Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hildburghausen (Landkreis Hildburghausen)
Jüdische Geschichte / Synagogen

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Hildburghausen lebten Juden bereits im Mittelalter, kurz nachdem der Ort seit 1324 das Stadtrecht erhielt. 1331 werden erstmals jüdische Einwohner der Stadt genannt. 1349 trifft die Judenverfolgung in der Pestzeit auch die Juden in Hildburghausen. 1367 wird Gottschalk von Hildburghausen in Erfurt genannt. Um 1388 war Jud Gutkind Financier der Grafen von Henneberg. 1404 war Graf Heinrich V. bei Gutkind mit 160 Gulden verschuldet. 1412 hatte Wilhelm I. noch eine Schuld von 350 Gulden zu begleichen. Im 15. Jahrhundert werden weitere Juden in der Stadt genannt, die vom Geldverleih lebten. Vier Familien dürften zwischen 1423 und 1425 aus dem Fränkischen zugezogen sein.
 
Von einer Vertreibung der Juden aus der Stadt ist nichts bekannt. 1723 kam es allerdings zu einem Aufenthaltsverbot für ortsfremde Juden. Seit 1714 war Simon Moyses aus Mertzbach Hoffaktor in der Residenz von Herzog Ernst I. (Herzog von Sachsen-Hildburghausen). 1726 waren 12 jüdische Familien in der Stadt, darunter der aus Holland stammende Hoffaktor Frank. 1729 wurden vorübergehend die Juden aus Hildburghausen in ländliche Gemeinden des Herzogtums verwiesen, doch im folgenden Jahr wieder aufgenommen. 1748 waren wieder 12 jüdische Familien ansässig.  Im Laufe der nächsten Jahrzehnte nahm ihre Zahl zu, sodass 1796 22 jüdische Familien in der Stadt mit zusammen 128 Personen gezählt wurden.  
 
Am Lehrerseminar in Hildburghausen wurden seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts über mehrere Jahrzehnte auch jüdische Lehrer ausgebildet (vgl. unten den Bericht zum Tod des Seminarlehrers Julius Rosenthal 1896, der selbst 1839 bis 1842 am Lehrerseminar ausgebildete wurde und von 1872 bis 1896 hier unterrichtete). 
 
Im 19. Jahrhundert blieb die Zahl der jüdischen Einwohner in Hildburghausen relativ konstant beziehungsweise ging leicht zurück (1819 113 Personen, 1833 123, 1844 130 von insgesamt 4182 Einwohnern, 1856 106, 1871 120, 1898 114). Gründe für den Rückgang waren die Aus- und Abwanderung. So gab es in den 1850er-Jahren Auswanderungen nach Nordamerika (New York 11 Personen, Albani 1, Boston 6, San Francisco 2), Australien (1 Person), Paris (1 Person, Rom (1 Person) und Abwanderungen nach Hamburg, Fürth und Frankfurt/Main. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof (bei Weitersroda). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe unten Ausschreibung der Stelle 1848 und Bericht zu Lehrer Julius Rosenthal). 1864 wurde ein jüdisches Privathaus zu einem Schulhaus mit Lehrerwohnung umgebaut. 
  
Anfang des 20. Jahrhundert gehörten jüdischen Einwohnern mehrere für das wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Gewerbebetriebe und Handlungen (Textilhandlungen, Kolonialwarenhandlungen u.a.m.). Es gab auch jüdische Ärzte in der Stadt. 
  
Im Ersten Weltkrieg sind aus der jüdischen Gemeinde gefallen: Sigmund Katzenstein (geb. 22.9.1874 in Mönchen-Gladbach, gef. 10.8.1917), Gustav Levy (geb. 20.6.1899 in Schwarza, gef. 6.10.1918(, Gefreiter Siegfried Rosenthal (geb. 30.4.1899 in Hildburghausen, gef. 20.8.1918). 
   
Mitte der 1920er-Jahre gehörten dem Synagogenvorstand an: Selig Rosenthal, H. Bachmann, Max Friedmann, Moses Pulfer und Adolf Kahn. Den Religionsunterricht der damals sieben jüdischen Kinder hielt Lehrer Löwenstein aus Themar.   
   
Auf Grund der nationalsozialistischen Umtriebe und Boykottmaßnahmen wanderten bereits 1932/33 die ersten jüdischen Familien aus (1932 Viehhändler Siegmund Levi und Frau nach Palästina; 1933 der Eisenwarenhändler und ehemalige Stadtrat Max Friedmann). 1933 gehörten noch etwa 50 Personen zur jüdischen Gemeinde. Bis 1939 konnte ein größerer Teil der jüdischen Personen emigrieren oder in andere Städte verziehen. 1942 wurden die noch in Hildburghausen verbliebenen jüdischen Einwohner nach Belzyce/Polen beziehungsweise in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. 
 
Von den in Hildburghausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Clara Bachmann geb. Joelsohn (1870), Eugenie Bärmann geb. Simon (1869), Helene Bamberger geb. Birkenstein (1883), Bella Blumenkorn geb. Simon (1898), Inge Blumenkorn (1929), Josef Böhm (1871), Greta Friedman (1919), Therese Frühauf geb. Guttmann (1861), Marta Gerau geb. Stern (1879), Hedwig Goetz geb. Walther (1890), Sofie Haskel, Willi Haskel, Hedwig Heinrich geb. Steinhardt (1877), Arno Hollander (geb. 1883), Agnes Joachimsohn geb. Sommer (1908), Edith Katz (1911), Hedwig Köhler geb. Katzenstein (1882), Paula Lang geb. Strupp (1862), Ludwig Ledermann (1892), Walther Leopold, Heinz Levi (1907), Minna Liebmann geb. Levy (1883), Regine Lösche geb. Birkenstein (1875), Getti Löwentritt (1878), Hugo Popper (1876), Adolf Rehbock (1882), Anneliese Rehbock geb. Gerau (1911), Peter (Machol) Rehbock (1938), Betty Reis geb. Walter (1871), Daniel Rosenthal, Emma Rosenthal geb. Kahn (1880), Erna Rosenthal (1905), Rosa Rosenthal geb. Birkenstein (1877), Selig Daniel Rosenthal (1868), Bernhard Simon (1859), Flora Simon geb. Müller (1873), Jakob Simon (1865), Julius Simon (1899), Jenny Sommer (1898), Hedwig Steinberg geb. Strupp (1867), Frieda Stiefel geb. Raban (1883), Hedwig Strupp, Leopold Walter (1883), Wilhelm Weissmann (1913), Anna Zinn (1899).
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Allgemeine Berichte  
    
Beitrag über die Abschaffung des Leibzolls der Juden, besonders in Sachsen-Hildburghausen (Beitrag von 1926)     

Hildburghausen Juedlib Ztg 05031926.jpg (430688 Byte) Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 5. März 1926: "Zur Abschaffung des Leibzolls, besonders in Sachsen-Hildburghausen. Von Dr. Jacobson - Waidmannslust.    
Als Moses Mendelssohn im Jahre 1776 auf einer Sommerreise in Dresden, wo er die Bibliothek besuchen wollte, den Leibzoll hatte erlegen müssen, da empfanden das alle, vom Bibliothekar bis zum Kabinettsminister, als eine 'entsetzliche Geschichte', und es wurde schleunigst die Rückzahlung der paar Groschen veranlasst.   
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken        
Hildburghausen Juedlib Ztg 05031926a.jpg (322967 Byte)  

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Erste Konfirmationsfeier in der Synagoge durch Lehrer S. Steinhard (1835)     

Hildburghausen Konfirmationsfeier 010.jpg (30744 Byte)Quelle: Judaica-Sammlung Frankfurt - das gesamte Dokument ist als pdf-Datei online einsehbar: hier anklicken.  
"Berit Adonai - Bund des HERRN - 
Erste Confirmationsfeier, gehalten in der Synagoge zu Hildburghausen 
am ersten Tage des Wochenfestes 5595 (3. Juni 1835 
mit zwei Knaben und einem Mädchen  
von S. Steinhard, Religionslehrer. 
Schleusingen bei Conrad Glaser 1835".  

     
Ausschreibung der Stelle des Lehrers (1848)  

Hildburghausen AZJ 17041848.jpg (57624 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. April 1848: "Erledigte Stelle. Bei der israelitischen Gemeinde zu Hildburghausen soll nach Ostern dieses Jahres die Stelle eines Vorbeters und Schächters neu besetzt werden. Unverheiratete Bewerber, welche fähig sind, einen zeitgemäß geregelten Gottesdienst abzuhalten, deutschen Choralgesang zu leiten und die Bibelabschnitte sinngemäß ohne Trop vorzutragen, wollen sich baldmöglichst in portofreien Briefen an den Synagogenvorstand zu Hildburghausen wenden. Die jährlichen Einkünfte belaufen sich auf circa 100 Taler preußischer Krt." 

  
50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Julius Rosenthal (1892)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1892: "Herr Lehrer Rosenthal in Hildburghausen feierte am 26. vorigen Monats das Fest seines 50-jährigen Amtsjubiläums unter Teilnahme weiter Kreise."           
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juli 1892: "Hildburghausen, 3. Juli (1892). Über das bereits in voriger Nummer erwähnte Amtsjubiläum des Herrn Rosenthal geht uns noch der folgende Bericht zu: Am 24. Juni dieses Jahres feierte der auch in weiteren Kreisen als tüchtiger Lehrer bekannte Herr Julius Rosenthal in Hildburghausen in voller Rüstigkeit und Geistesfrische sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Behörden und Gemeinden, Kollegen und Schüler, Freunde und Bekannte wetteiferten am genannten Tage miteinander, um den verdienstvollen Jubilar zu ehren. Zuvörderst ist der Auszeichnung zu gedenken, die dem Jubilar von Seiner Hoheit dem Herzog von Sachsen-Meiningen widerfahren. Am frühen Morgen erschien der Herzogliche Landesrabbiner Dr. Dessauer und überreichte im Auftrag des Staatsministeriums die dem Jubilar von Seiner Hoheit dem Herzog verliehende Verdienstmedaille. Dieser Deputierte überbrachte gleichzeitig im Auftrag des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes ein sehr wertvolles Werk des bekannten Orientalisten A. Wünsche. Vom Seminar, zu dessen Kollegium Herr Rosenthal als Lehrer der israelitischen Zöglinge in Religion und Hebräisch zählt, waren erschienen der Herzogliche Seminardirektor Dr. Rückert, Herr Oberlehrer Ehrhardt und Herr Musikdirektor Köhler; ersterer gratulierte in warm empfundenen herzlichen Worten. Persönlich überbrachten auch der Herzogliche Kreisschulinspektor Herr Heyl und der Gymnasialdirektor Herr Geheime Rat Dr. Rittwegger ihre Glückwünsche, während vom Herzlichen Regierungs- und Schulrat Dr. Schmidt, vom Superintendenten Herrn Sauerteig, vom Oberbürgermeister Herrn von Stockmeier, vom Schuldirektor Herrn Brodführer - Coburg den Jubilar ehrende Glückwunschschreiben eintrafen. Als Vertreter der israelitischen Gemeinde Hildburghausen überbrachte deren erster Vorstand, Herr Sigmund Simon herzliche Glückwünsche und einen kostbaren Tafelaufsatz. Unerwähnt darf auch nicht bleiben, dass die Hildburghäuser Militärkapelle dem Jubilar am Vormittag ein Ständchen brachte, dessen Programm fünf Piesen enthielt. Dass auch mehrere Lehrervereinigungen des Jubilars gedachten, braucht nicht besonders erwähnt zu werden."       

     
Zum Tod von Lehrer Julius Rosenthal (1896)  - Lehrer in der Gemeinde wie am Lehrerseminar in Hildburghausen   

Gleicherwiesen AZJ 15051896.jpg (177333 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1896: "Hildburghausen, 10. Mai (1896). Die hiesige israelitische Gemeinde und die gesamte Lehrerschaft des Herzogtums Meiningen hat einen schweren Verlust erlitten; am 2. Mai dieses Jahres beschloss ein sanfter Tod das Leben des verdienstvollen Seminar- und Gemeindelehrers Julius Rosenthal hier. Über dessen goldenes Dienstjubiläum im Sommer 1892 und die zahlreichen Ehrungen des Jubilars aus dieser Veranlassung hatten Sie vor vier Jahren berichtet. Das Leichenbegängnis, das am 5. dieses Monats stattfand, bewies aufs Neue, in welch hohem Ansehen der entschlafene Schulmann gestanden. Denn nicht nur die ganze Gemeinde und die sämtlichen israelitischen Lehrer des Herzogtums schlossen sich der trauernden Familie des Verewigten an, sondern auch das gesamte Seminarkollegium und die meisten Lehrer der höheren Schulen, sowie fast alle christlichen Kollegen der an vierzig Mitglieder zählenden Bezirkskonferenz und viele christliche Bürger sah man im Trauergefolge. Der jüngste Lehrer trug auf einem Ordenskissen die goldene Verdienstmedaille nach, womit seinerzeit der Jubilar durch den Herzog ausgezeichnet worden war. Am Grabe sprachen der herzogliche Landrabbiner von Meiningen und Lehrer Holländer aus Berkach. Julius Rosenthal, geboren am 27. Dezember 1823 zu Gleicherwiesen, erhielt seine Ausbildung auf dem hiesigen Seminar, dann amtierte er an der Samsonschule in Wolfenbüttel und später in Jever. 1846 folgte Rosenthal einem Ruf seiner Schulbehörde und verwaltete von da ab in der engeren Heimat die Schulstellen in Bibra und Walldorf, bis er endlich im Jahre 1872 in seine hiesige Stelle einrückte. Mit klarem Verstand und seltener Auffassungsgabe begnadet, eignete sich Rosenthal eine bedeutende wissenschaftliche Bildung an. Er erzielte nicht nur durch sein Lehrgeschick große Erfolge, sondern erwarb sich auch um die innere und äußere Hebung des Lehrerstandes im Herzogtum große Verdienste, die neidlos anerkannt wurden. Rosenthal war auch über zehn Jahre Mitglied des Vorstandes vom Landeslehrerverein und leitete sogar einige Hauptversammlungen desselben. Durch diese idealen Bestrebungen sowohl, als auch durch seinen reinen tadellosen Charakter hat der Verblichene Kiddusch haschem (Heiligung des Gottesnamens) geübt wie selten Einer, wie er überhaupt in fortschrittlichem Sinne ein begeisterter Jude gewesen. Darum wird gewiss sein Andenken zum Segen bleiben."  
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1896: "Berkach. Am 5. dieses Monats (sc. 5. Mai 1896) wurde ein vielbewährter Schulmann des Meininger Landes, Herr Lehrer Julius Rosenthal in Hildburghausen, zur letzten Ruhe geleitet. Geboren in Gleicherwiesen im Jahre 1823, genoss derselbe seine Berufsausbildung zu Hildburghausen von 1839-1842 und wirkte 54 Jahre als Lehrer in Wolfenbüttel, Jever, Bibra und Walldorf und zuletzt in Hildburghausen, wo er 24 Jahre als Lehrer der jüdischen Gemeinde, sowie als Seminarlehrer für israelitische Religion und Hebräisch tätig war. Durch seltene Begabung und außerordentliche Strebsamkeit war es ihm gelungen, sich außergewöhnliches Wissen anzueignen. Dies, sowie sein bescheidenes, liebevolles Wesen und seine Hilfsbereitschaft in Wort und Tat erwarben ihm die Zuneigung aller derer, zu denen er in näherer oder fernerer Beziehung stand. Dass seine Fähigkeit und seine Biederkeit von seinen Standesgenossen im Meininger Lande gewürdigt wurde, ist dadurch bewiesen, dass er 20 Jahre lang Mitglied des Zentralkomitee des Meininger Lehrervereins und längere Zeit stellvertretender Vorsitzender der Landeslehrerversammlungen war. Und seine Tätigkeit war derart, dass viele Kollegen aus nah und fern sich bei ihm Rates erholten und stets, soweit als möglich, Erleichterung und Hilfe fanden. Als gründlich gebildeter Pädagoge wusste er die von ihm geleiteten Elementarschulen, sowie seine Religionsschule zu Hildburghausen stets auf der Höhe der Zeit zu erhalten, und da er seit mehr als 2 Dezennien auch am Seminar wirkte, so sind fast alle zur Zeit in unserem Ländchen amtierenden israelitischen Lehrer seine Schüler gewesen, die stets voll Achtung zu ihm emporblickten. 
Als am Sonntag, den 3. Mai die Kunde von seinem in der vorangegangenen Nacht erfolgten Ableben sich verbreitete, zeigte sich die allgemeine Teilnahme innerhalb und außerhalb der Lehrerkreise. Der Vorstand des Lehrervereins, Herr Lehrer Adam aus Pößneck sprach namens sämtlicher Lehrer des Herzogtums der tief betrübten Witwe sein innigstes Beileid aus in gebührender Anerkennung dessen, was der Heimgegangene seinen Kollegen gewesen. Bei der Beerdigung war das Lehrerseminar, das Gymnasium sowie die Stadtschule durch sämtliche Lehrer vertreten; aus dem Lehrerkonferenzbezirk Hildburghausen waren alle Mitglieder, die es ermöglichen konnten, und 
außerdem alle israelitischen Lehrer des Meininger Landes anwesend. Der Vorstand der Pestalozzi-Stiftung war durch Herrn Müller aus Meiningen vertreten. Die ihm gelegentlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums von seiner Hoheit, dem Herzog, verliehene Verdienstmedaille wurde ihm nachgetragen. Die Beteiligung von Seiten der Stadt war eine so außerordentliche, dass der Leichenzug einen imposanten Eindruck machte. Auf dem Friedhofe hielt der herzogliche Landesrabbiner, Herr L. Fränkel aus Meiningen, die Leichenrede. Obgleich derselbe erst seit einigen Monaten amtiert und den Verstorbenen nur vorübergehend kennen gelernt, hatte er doch einen solchen Einblick in dessen Leben und Wirken gewonnen, dass er in seiner Rede ein getreues Abbild dessen gab, was der Verstorbene seiner Familie und allen Kreisen, denen er angehörte, gewesen. Aus der Tiefe des Herzens kommend, fanden die Worte des Redners Wiederhall bei allen Zuhörern. Hierauf sprach Herr Lehrer Holländer aus Berkach, als sein ehemaliger Schüler, zugleich namens seiner Kollegen einige warm empfundene Worte der Anerkennung und des Dankes. 
Auch der Beste und Würdigste muss das Zeitliche segnen und nur der gute Namen, das edle Streben und Wirken reicht über das Grab hinaus. Darum wird dem Heimgegangenen nicht nur von Seiten seiner Angehörigen, sondern auch von der Gemeinde Hildburghausen, von seinen Schülern und Kollegen ein dankbares Andenken bewahrt bleiben. 
'Die Frommen werden glänzen wie des Himmels Glanz und die, welche viele in der Tugend bestärkt, leuchten wie die Sterne auf ewig!' Daniel 12,3. G.H."
    
   
Hildburghausen AZJ 22051896.jpg (102795 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Mai 1896: "Gleicherwiesen, 15. Mai (1896). Als Nachtrag zu Ihrem Nekrolog auf Lehrer Rosenthal in Hildburghausen sende ich Ihnen noch folgenden Nachruf, der an der Spitze des 'Schulblattes für Thüringen und Franken' in Nr. 9 gestanden. 'Am 2. dieses Monats starb nach kurzer Krankheit an Herzlähmung der israelitische Religionslehrer am herzoglichen Seminar in Hildburghausen Herr H. Rosenthal, dessen Hinscheiden im Kreise der Volksschullehrer unseres Herzogtums allgemeine Teilnahme hervorgerufen haben wird. Der Verstorbene hat im ehemaligen Zentralkomitee des Allgemeinen Meiningenschen Lehrervereins als Schriftführer eine ebenso eifrige als umsichtige Tätigkeit entfaltet. Eine ganze Reihe von Jahren widmete er in selbstloser Hingabe Zeit und Kraft der Wahrung und Förderung unserer Standesinteressen. Dafür wird ihm die Lehrerschaft allezeit ein ehrendes und dankbares Gedenken bewahren. Das Gute, welches er für sie gewollt und gewirkt hat, wird unvergessen bleiben. Möge dem Abgeschiedenen nach seiner langen, treuen Sämannsarbeit auf dem Acker der Ewigkeit eine schöne und reiche Ernte zuteil werden. 
Pößneck, den 6. Mai 1896. Namens des Hauptvorstandes des Allgemeinen Meiningenschen Lehrervereins. Adam.'"   

  
Über Franz Bermann (1885-1943), Lehrer am Technikum in Hildburghausen 

Dipl.Ing. Franz Bermann ist 1885 in Trachenberg/Militsch/Schlesien geboren. Nach dem Studium an der Technischen Hochschule in Berlin (Abschluss als Dipl.Ing.) wurde er 1919 als Lehrer für Mechanik, Mathematik sowie Wasserkraft- und Hebemaschinen am Technikum in Hildburghausen angestellt (Wohnung in der Charlottenstraße 5). Seine Mutter, Anna Bermann, wohnte mit ihm in Hildburghausen (gest. 1938 und im jüdischen Friedhof beigesetzt). Franz Bermann verlor 1933 auf Grund des nationalsozialistischen "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" seine Stelle am Technikum. Er zog nach Berlin, von wo er im März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.      
Zu seiner Biographie siehe den Beitrag von Eckhard Dubhorn, Gelnhausen: "Bermann, Franz, Studienrat Dipl.Ing." (eingestellt als pdf-Datei)     

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Jüdische Auswanderer aus Bayern auf dem Weg durch Hildburghausen (1844)   
     

Hildburghausen AZJ 27051844.jpg (24144 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1844: "Hildburghausen, 8. Mai (1844). In diesen Tagen gingen täglich zahlreiche Haufen von Auswanderern aus Bayern, unter ihnen viele Israeliten, durch die hiesige Gegend."    

 
Kurzbeschreibung der Gemeinde Hildburghausen (1878)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1878. Aus einem längeren Artikel zur Situation der jüdischen Gemeinden in Thüringen sei der Abschnitt zu Meiningen und Hildburghausen wiedergegeben: "... Seit der Einführung der Freizügigkeit hat diese Gemeinde, sowie das nahe liegende Dreißigacker, einen großen Teil seiner Mitglieder verloren, welche sich größtenteils in Meiningen niedergelassen haben. In dieser, aus dem vor einigen Jahren stattgefundenen großen Brande neu erstandenen Stadt, in welcher vor 10 Jahren nur einige israelitische Familien wohnten, ist die Zahl derselben durch Zuzüge von Außen bereits auf 60 angewachsen. Der Landrabbiner Herr Dr. Dreifuß, welcher früher in Walldorf sesshaft war, hat ebenfalls seinen Sitz hierher verlegt. Leider ist er aber schon seit längerer Zeit durch Altersschwäche und Krankheit an jeder amtlichen Tätigkeit gehindert. Die Gemeinde hat einen tüchtigen Religionslehrer und Vorsänger, aber keine eigene Synagoge, sondern bedient sich als solcher eines gemieteten, aber zweckmäßig eingerichteten Saales. Zur Gemeinde gehören viele hochachtbare, bürgerlich sehr angesehene Mitglieder, unter diesen 2 Rechtsanwälte, ein Kommerzienrat und einige Hofbankiers; auch ist seit der Freizügigkeit mehr religiöses Element in die Gemeinde gekommen, dem eine recht gedeihliche Weiterentwicklung zu wünschen wäre. 
Ziemlich gleich Verhältnisse finden in der nur viel kleineren und älteren Gemeinde Hildburghausen statt. Dieselbe hat eine eigene Synagoge und zählt zu ihren Mitgliedern 1 Arzt, 1 Rechtsanwalt und 1 besoldeten Assessor, den ersten und bis jetzt einzigen richterlichen jüdischen Beamten im Herzogtum Meiningen." 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde       
Rechtsanwalt Dr. Michaelis wurde zum Abgeordneten im Landtag des Herzogtums gewählt (1900)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1900: "Meiningen, 5. Januar (1900). Die Leser Ihres geschätzten Blattes dürfte es interessieren, dass bei der am 29. Dezember vorigen Jahres in Hildburghausen stattgefundenen Ersatzwahl eines Abgeordneten zum Landtage des Herzogtums für den 2. Wahlkreis in der Klasse derjenigen, welche die höchste Personalsteuer zahlen, Herr Rechtsanwalt Dr. Michaelis daselbst als solcher gewählt wurde. Der Gewählte ist der erste Jude, der im Herzogtum Sachsen-Meiningen zu dieser Würde gelangt ist. Er wurde an Stelle des zurückgetretenen Landtagspräsidenten von Stockmeier gewählt."           

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Tuch- und Modewarengeschäfts Oppenheimer (1871)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1871: "Für mein Tuch- und Modewarengeschäft (Samstags und Feiertage geschlossen) suche ich baldigst einen Lehrling israelitischer Konfession mit guten Schulkenntnissen. 
A. Oppenheimer in Hildburghausen (Thüringen)." 

   
Empfehlung für einen Absolventen des Landesschullehrer-Seminars (1885)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Februar 1885: "Ostern wird aus dem hiesigen Herzoglichen Landesschullehrer-Seminar ein israelitischer Zögling mit dem Zeugnis der Reife entlassen, der in allen Disziplinen, einschließlich der Musik Tüchtiges leistet. Sein hebräisches Wissen steht auf gleicher Höhe. In erster Linie würde er sich zum Lehrer an einem Institute oder an einer israelitischen Elementarschule eignen. In letzterem Falle würde das Kantorat und die Leitung eines Chores gerne mit übernommen werden. Hierauf Reflektierende belieben sich baldigst an den Unterzeichneten zu wenden. 
Hildburghausen
, den 22. Januar 1885. J. Rosenthal, Seminarlehrer."     

  
Anzeige der Eisenwarenhandlung und Nähmaschinenfabrik S. Gassenheimer u. Sohn (1897)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1897:  "Lehrling aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen gesucht
S. Gassenheimer und Sohn
, Eisenwarenhandlung, Nähemaschinen-Fabrik und Lager Landwirtschaftliche Maschinen, Hildburghausen." 

      
      
 
    
Zur Geschichte der Synagogen   
     
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war jeweils ein Betsaal oder eine Synagoge vorhanden (z.B. 1737 im Zusammenhang mit der Formel zum Judeneid genannt). Am 30. August 1811 konnte eine Synagoge an der westlichen Stadtmauer eingeweiht werden. Der herzogliche Hoffaktor Levi Simon hatte dafür das Geld gegeben und zunächst zwei Gründstücke im Bereich der Unteren Marktstraße mit der damaligen Zählung Nr. 22 und 23 käuflich erworben. Die Einweihung erfolgte mit Erlaubnis Herzog Friedrichs. Die Einweihungsrede hielt Josef Michael Hirsch. 1866 wurde vor der Synagoge in den früheren Geschäftshäusern des Hoffaktors Simon eine Filiale des Bankhauses Strupp (Meiningen) eröffnet. 1911 konnte feierlich das 100-jährige Bestehen der Synagoge begangen werden:    

Hildburghausen Israelit 15091911.jpg (106720 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1911: "Hildburghausen. Am 1. und 2. September feierte die hiesige Gemeinde das 100jährige Synagogenjubiläum. Im Mittelpunkt der Jubelfeier stand der am letzten Freitag Abend in der festlich geschmückten Synagoge abgehaltene Festgottesdienst, zu dem auch die Vertreter der hiesigen Staats-, Stadt-, Kirchen- und Schulbehörden erschienen waren. Die Festrede hielt Landrabbiner Fränkel. Superintendent Kirchenrat Dr. Human sprach den Dank der geladenen Gäste aus und verlas eine Urkunde, welche die Glückwünsche der evangelischen Kirchengemeinde enthielt und auch das schöne und innige Verhältnis zwischen den Konfessionen betonte. Samstag früh fand ein zweiter Festgottesdienst statt und Samstagabend ein Bankett. Auf dem telegraphischen Festgruß sandte Herzog Georg eine Depesche, in der er für den Gruß von Herzen dankt und ihn wärmstens erwidert."    

1933 wurde das Bankhaus Strupp verstaatlicht und die an die Bankgebäude angrenzende Synagoge zwangsweise abgebrochen.  
    
Der jüdische Fabrikant Gassenheimer bot daraufhin das ihm gehörende Gartenhaus zum Umbau als Synagoge an. Noch 1933 konnte das Gebäude als Synagoge eingeweiht werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am Vormittag des 10. November ausgeräumt. Die Kultgegenstände sowie andere Ausstattungsgegenstände wurden verbrannt. Das Gebäude blieb als Gartenhaus zum Gebäude Gerbergasse 17 bestehen und wurde seitdem als Lagerraum verwendet. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war auf dem Grundstück ein Zwangsarbeiterlager.  Am 19. Januar 1990 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, als es sich bereits in einem höchst vernachlässigten Zustand befand. Trotz des ausgesprochenen Denkmalschutzes wurde das Gebäude 2005 abgebrochen. Das Grundstück wurde mit einem neuen Zaun umgeben und wird als Garten verwendet. Ein Gedenkstein für die ehemalige Synagoge wurde aufgestellt. 
    
    

Adresse/Standort der Synagoge 1933/38
: Gerbergasse 17  
    
    
Fotos
(Farbfotos: wenn nicht anders angegeben: Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2005) 

Die alte Synagoge (1811-1933)   Hildburghausen Synagoge 040.jpg (76928 Byte) Hildburghausen Synagoge 100.jpg (61719 Byte)
     Innenraum der Synagoge
(Quelle: Roß/Nothnagel S. 50)
Der Standort befand sich hinter dem
 ehemaligen Bankhaus Strupp
     
Die 1933 eingerichtete 
Behelfs-Synagoge  
Hildburghausen Synagoge 204.jpg (74217 Byte) Hildburghausen Synagoge 200.jpg (87594 Byte)
   Ehemaliges Haus des Metallwaren-
 fabrikanten Gassenheimer, in dessen
 Gartenhaus eine Synagoge 
eingerichtet wurde
Die ehemalige Behelfs-Synagoge 
um 1990 
  
        
Hildburghausen Synagoge 201.jpg (89781 Byte) Hildburghausen Synagoge 202.jpg (94811 Byte) Hildburghausen Synagoge 203.jpg (92437 Byte)
Ansichten der ehemaligen Behelfs-Synagoge im Sommer 2005
    
Der Gedenkstein von 2005 für die
 ehemalige Synagoge 1933/38 in 
der Gerbergasse 

(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach;
 Aufnahmedatum 23.6.2009)   
Hildburghausen Gedenkstein 010.jpg (43737 Byte) Hildburghausen Gedenktafel 010.jpg (73930 Byte)
  Inschrift der Tafel: "Hier stand das Gebäude der in der Reichspogromnacht 1938
 geschändeten und ausgeplünderten 2. Synagoge von Hildburghausen. Zum Gedenken 
an unsere jüdischen Mitbürger. 2005".   
      
Die ehemalige 
jüdische Schule
Hildburghausen JuedG 101.jpg (55727 Byte)   
    Die ehemalige jüdische Schule 
in der Unteren Braugasse 10
   
     
Hildburghausen JuedG 103.jpg (38530 Byte) Hildburghausen JuedG 102.jpg (55995 Byte) Hildburghausen JuedG 104.jpg (77116 Byte)
Gedenktafel 
am Rathaus 
Der Herzog-Georg-Brunnen am Marktplatz (links im Hintergrund das Rathaus) konnte 
im Jahr 1900 auf Grund einer Stiftung des jüdischen Bürgers Max Michaelis errichtet
 werden. 1975 wurde der Brunnen im Zuge einer Neugestaltung des Marktplatzes in die
 Anlage vor dem Stadttheater aufgestellt. Nach 1990 wurde er wieder an seinen alten
 Standort zurückgebracht.
 
 
   

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte        

November 2007: Gedenken zum Novemberpogrom 1938   

Artikel von Petra Rügheimer vom 10.11.2007 in der Zeitschrift "Freies Wort": "Kranzniederlegung  -  Opfern der Pogromnacht gedacht  - Am Standort der ehemaligen Synagoge in Hildburghausen fand die Veranstaltung statt  
"Hildburghausen – Zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus legten gestern Vormittag Vertreter des Hildburghäuser Bündnisses gegen Rechtsextremismus ein Blumengebinde am Standort der ehemaligen Synagoge in der Gerbergasse ab. 
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland, SA- und SS-Leute zertrümmerten systematisch Schaufensterscheiben jüdischer Geschäftsleute, demolierten jüdische Wohnungen und misshandelten deren Bewohner. Auch Hildburghausen sei von den Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger nicht verschont geblieben, wie Bernd Ahnicke vom Bündnis gegen Rechtsextremismus gestern vor Ort betonte.
An jenem trüben und kalten Samstag, 10. November 1938, habe das böse Kesseltreiben der Nazis gegen die jüdischen Familien auch in Hildburghausen begonnen. Gegen 9.30 Uhr seien viele Hildburghäuser Juden auf einem Lkw gepfercht und dann gezwungen worden, von der Unteren Allee über die Untere Marktstraße bis zum Marktplatz zu marschieren. Dabei seien sie mit üblen Beschimpfungen und anderen Demütigungen traktiert, auch mit Steinen beworfen worden, rief Ahnicke an historischer Stätte die überlieferten Fakten von damals in Erinnerung.
Danach seien diese Juden im Rathauskeller eingepfercht worden, wo sie bis zum nächsten Morgen ausharren mussten. Dann seien diese gepeinigten Menschen erneut auf Lkw verladen und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden. Zwar seien die meisten nach einer Woche bereits wieder nach Hildburghausen zurückgekehrt; einige aber seien nachweislich in Buchenwald beziehungsweise anderen Lagern ums Leben gekommen. Während des 2. Weltkrieges, der neun Monate und 20 Tage nach dieser Reichspogromnacht begonnen habe, spitzten sich die Repressalien gegen jüdische Mitbürger überall in Deutschland zu. Ab 1942, so betonte Ahnicke, sei mit einem systematischen Vernichtungsfeldzug der Juden in den mittlerweile zahlreich errichteten Konzentrationslagern begonnen worden. 
Die Zahl jüdischer Opfer werde auf sechs Millionen geschätzt, rief Ahnicke in Erinnerung. Im stillen Gedenken an die von Ahnicke verlesenen Opfer aus Hildburghausen legten Sabine Läffert und Carmen Lindner stellvertretend für das Bündnis gegen Rechtsextremismus ein Blumengebinde nieder. Unter den Anwesenden weilten auch Superintendent Michael Kühne sowie sein Vorgänger Hanspeter Wulff-Woesten, der im Namen der Christen das Wort ergriff.
Es freue ihn, dass mittlerweile über Konfessions- und Parteigrenzen hinweg allen klar sei, dass neonazistische Umtrieben sofort das Handwerk gelegt werden müsse – damit so etwas nie wieder in Deutschland passieren kann, so Wulff-Wosten. Darum müsse auch bundesweit sichergestellt werden, dass die Mahn- und Gedenkstätten, die es in ehemaligen Konzentrationslagern gebe, erhalten werden. 
"Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das große Holocaust-Denkmal in Berlin die Herzen der Menschen wirklich anrühren kann", so der Superintendent i.R. weiter."   
 
Januar 2012: Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag   
Artikel in dtoday.de vom 28. Januar 2012: "Hildburghausen gedachte der Opfer des Nationalsozialismus. Aktion des Bündnisses gegen Rechtsextremismus Hildburghausen.  
Hildburghausen (wotan/Güther) - Vertreter der Kreisstadt und des Bündnisses gegen Rechtsextremismus gedachten am 27. Januar 2012 an der Gedenkstele für die jüdische Synagoge in der Gerbergasse Hildburghausen der Opfer des deutschen Faschismus..."   
Link zum Artikel    
 
Januar 2014: Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag   
Artikel in dtoday.de vom 27. Januar 2014: "Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus 
Hildburghausen
(pm) - Mit einer Gedenkstunde an der Erinnerungsstele für die zweite jüdische Synagoge Hildburghausens wurde am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Vertreter der Stadt und Kirchenvertreter legten Blumengebinde nieder..."
Link zum Artikel      

  
   

Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Hildburghausen    
Informationen zum jüdischen Friedhof in Hildburghausen (interner Link)    

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 359; III,1 S. 554-555.
Karl-Heinz Roß / Hans Nothnagel: Juden in Hildburghausen - ein chronikalischer Überblick - von 1331-1943. In: Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 2. S. 11-73.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hildburghausen Thuringia. First mention of Jews there dates from the year 1331, but until the 18th century Jewish settlement was sparse and discontinous. In 1720, there were 13 Jewish families in Hildburghausen and in 1833 the community numbered 123. The community established a synagogue in 1811 and maintained a school (1824-1922). After 1900, a rapid decline set in and by 1930 there were only 33 Jews in Hildburghausen. The synagogue was demolished in 1933 and the new synagogue moved to a private house. In 1938 the first "Aryanization" of Jewish businesses occured. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish men were arrested, maltreated, and sent to the Buchenwald concentration camp. The last emigrants left in 1939, one family going to the U.S. Those who remained, were deported in 1942 to the Belzec death camp in May and to the Theresienstadt ghetto in September. Most never returned. 
       
        

                   
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Stand: 27. Dezember 2016