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Altenburg (Kreisstadt,
Kreis Altenburger Land)
Jüdische Geschichte / Betsaal
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Altenburg lebten Juden bereits im Mittelalter. Bereits in der ersten Hälfte
des 14. Jahrhunderts lebten Juden in der Stadt. So wird ein "Jäckel
von Altenburg" genannt, der in den vierziger Jahren des 14. Jahrhunderts
ein Haus in Eger besaß. Er kam in Eger 1350 im Zusammenhang mit der
Judenverfolgung in der der Pestzeit ums Leben. Nach 1350 wird erstmals 1364 ein
Altenburger Jude genannt. 1367 wurde der Jude Merkel von Altenburg als Bürger
in Erfurt aufgenommen. Bis 1404 wurden in Erfurt weitere vier Juden mit dem
Herkunftsnamen "von Altenburg" in Erfurt genannt. 1418 lebten
in Altenburg 14 als Steuerzahler in Betracht gezogene Männer. Acht von ihnen
ernährten sich - in kleinem Stil - vom Geldhandel. Auch ein nur an Juden
verkaufender Fleischer (Fleischsnider der Juden) wird genannt. In dieser
Zeit bildeten die jüdischen Familien eine kleine Gemeinde, die vermutlich in
der Johannisgasse einen Betraum (Synagoge) hatte. Nach 1430 wurden die
Altenburger Juden vermutlich ausgewiesen. Mitte des 15. Jahrhunderts lebten
keine Juden mehr in der Stadt.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1620/21) wurde vier Juden im Bereich
des Deutschen Hofes die Niederlassung gestattet. Es ist unbekannt, ob sich tatsächlich
jüdische Personen/Familien niedergelassen haben.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand wiederum eine jüdische
Gemeinde ("Israelitische Vereinigung") in der Stadt, zu der großenteils
jüdische Familien aus osteuropäischen Ländern gehörten.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (beziehungsweise ein Betsaal;
s.u.), eine Religionsschule und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Anfang der
1930er-Jahre wird als solcher Seelig Wolf Gottesmann genannt.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Hans Bucky (geb.
13.11.1896 in Altenburg, gef. 21.12.1914) und Heinz Gerson-Prager (geb.
12.10.1900 in Berlin, gef. 30.9.1918). Außerdem ist gefallen: Walter Heinrich
(geb. 19.6.1890 in Altenburg, vor 1914 in Chemnitz wohnhaft, gef. 19.8.1915).
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 165 Personen gehörten (nach Angaben der jüdischen
Gemeindeverwaltung: 20 Familien), war Gemeindevorsteher Bruno Strumpfner. Den
Religionsunterricht der jüdischen Kinder erteilte Lehrer Max Graf aus Leipzig. 1932
war Gemeindevorsteher Markus Güttmann (Friedrich-Ebert-Straße 3). An jüdischen
Vereinen befand eine Ortsgruppe des Bezirksverbandes Süd-Sachsen-Thüringen
für jüdische Wohlfahrtspflege (gegründet 1929; 1932 Vorsitzender Markus Güttmann,
Friedrich-Ebert-Straße 3; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
13 Mitglieder).
An jüdischen Gewerbebetrieben gab es u.a.: Kaufhaus M. & S. Cohn
(Inh. Albert Levy und Sally Bucky, Sporenstraße 2-6), Schuhgeschäft Nathan
Cannemann (Sporenstraße 11), Schuhwarenhaus Hedwig Blank (Markt 10),
Textilgeschäft Albert Levy (Markt 27), Schuhgeschäft Curt Löwenstamm
(Burgstraße 14), Geschäft von Isaak Rotenberg & Co. (Kornmarkt 11),
Textilgeschäft Wolf Goldberg (Kornmarkt 21), Textilgeschäft Wilhelm Goldberg
(Topfmarkt 1).
1933 lebten 134 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren
ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise
ausgewandert. Im Zusammenhang mit der Abschiebung der sogenannten
"Ostjuden" wurden am 28. Oktober 1938 etwa 45 Personen in Altenburg
verhaftet und an die polnische Grenze gebracht; von ihnen überlebten die
NS-Zeit nur vier Personen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die noch
vorhandenen jüdischen Geschäfte und zahlreiche Wohnungen jüdischer Familien
und Einwohner durch SA-Leute und anderen Nationalsozialisten überfallen. Die
Wohnungs- und Ladeneinrichtungen wurden zertrümmert, viele der jüdischen
Einwohner misshandelt. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und später in
das KZ Buchenwald verbracht. Hier verstarb Nathan Dannemann an den
Misshandlungen. Im August 1939 mussten die noch verbliebenen jüdischen
Einwohner in sogenannten "Judenhäuser" in großer Enge zusammenziehen
(Kronengasse 2, Zeitzer Straße 21, Teichstraße 10, Pauritzer Straße 37,
Johannisstraße 5/6, Wenzelstraße 5 und Roßplan 2). Zwischen 1942 und 1944
wurden die bis dahin verbliebenen jüdischen Einwohner deportiert: am 10. Mai
1942 17 Personen in das Getto Bezlyce (Polen), noch im selben Jahre 41 weitere
Personen (alle 58 wurden ermordet), 1943 und 1944 elf Personen in das
Konzentrationslager Auschwitz und fünf in das Ghetto Theresienstadt.
Von den in Altenburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Isaak Aronowitz (), Josef
Aronowitz (), Gusta (Gittel, Gusty) Beller (1912), Hedwig Beller (1920), Helene
Chaja Beller geb. Brand (1884), Leo (Leib) Beller (1881), Abraham David Berger
(1896), Anita Berlinski (1928). Hedwig Berlinski geb. Allerhand (1897),
Jeschajahu Berlinski (1928), Josef Wolf Berlinski (1925), Rosa Berlinski (1930),
Simon Mendel Berlinski (1896), Salomon Buchhalter (1899), Sima Buchhalter
(1897), Marianne Bucky (1867), Lucie Chan (1886), Bienchen Cohn (), Philippine
Cohn (1858), Selma Cohn (1860), Kurt Dannemann (1905), Nathan Dannemann (1878),
Max Felsen (1908), Bernhard Freilich (1887), Sophie Freilich geb. Felsen (1891),
Cilly Goldberg (1895), Ella Goldberg (1927), Eugenie (Gittel) Goldberg geb.
Wiesel (1904), Hilde Anna Goldberg (1924), Kalman Goldberg (1892), Moritz
Goldberg (1927), Wilhelm Goldberg (1894), Thea Haber (1926), Bertha (Blume,
Bluma) Habermann geb. Neumann (1882), Edith (Ethel) Habermann (1924), Koppel
Habermann (1913), Moses Habermann (1871), Agnes Häusler (), Frieda Häusler (),
Karl Häusler (), Helene Hamberg (1879), Simon Itzbitczki (1890), Herbert
Jakobsthal (1905), Kalman (Koloman) Kaiser (1871), Hermann Kloß (1884), Marie
(Marion) Kloß (1927), Regina Kloß geb. Heidemann (1894), Arnold Kohn (1880),
Bettchen (Betty) Kohn geb. Marx (1884), Ferdinand Kohn (), Gertrud Kohn (1921),
Günther Kohn (1919), Paul Kohn (1888), Julius Kohn (Cohn) (1896), Golde
(Margarete) Kornmehl geb. Gilkur (1880), Leopold Kornmeld (1910), Max Kornmehl
(1908), Siegfried Kornmehl (1914), Albert Levy (1886), Franziska Levy geb. Bucky
(1895), Lore Levy (1920), Renate Levy (1923), Martha Lewinsohn (1878), Benjamin
Liebermann (1916), Edith Liebermann (), Hertha Liebermann geb. Schlabowsky
(1902), Paula (Perla) Liebermann geb. Feiner (1883), Simona Liebermann (), Löwenstamm
(verschiedene Personen), Kurt Löwenstamm (1893), Renate Loewy (1927), Martha Müller
geb. Lewinsohn (1878), Julia Neumann geb. Krauser (1879), Michael (Mechel Leib)
Neumann (1881), Michael Nathan Chaim Neumann (1910), Hans Naftali Oronowicz
(1931), Leo Oronowicz (1925), Margarethe Oronowicz (1930), Regina Oronowicz geb.
Handweiler (1896), Wanda Oronowicz (1923), Julius Parnes Rosenbach (1913), Adele
Rosenberg geb. Szkolny (1871), Salomon Rosenmann (1899), Helene
Rosenmann-Buchhalter (1926), Hermann Rosenmann-Buchhalter (1929), Betty
Rotenberg geb. Kloss (1885), Edith Rotenberg (1931), Ella Rotenberg geb.
Ruchewitzky (1891), Esther Rotenberg (1927), Hinda Rotenberg geb. Perla (1897),
Isaak Isidor Rotenberg (1902), Josef Rotenberg (1900), Luzie Rotenberg (1926),
Ruth Rotenberg (1925(, Samuel Rotenberg (1898), Sonja Rotenberg (1930), Emma
(Emmy) Schlabowski geb. Rosenstein (1869), Karl Friedrich Schorr (1878), Abraham
Arnold Soltes (1924), Bernhard Soltes (1918), Doris Hanni Soltes (1922), Israel
Arnold Soltes (1895), Joachim Soltes (1909), Joachim Hersch Soltes (1928), Sara
Mirjam Soltes (1926), Rachel Malka Sternberg geb. Grünberg (1888), Philipp
Strassmann (1901), Hedwig Strumpfner geb. Stern (1880), Gitla Unter (1889),
Israel Waldmann (1890), Berta Wandstein geb. Rosenmann (1894), Johanna Weinstein
(1889), Ilse Woroczek (1907).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Altenburg gefunden. |
Zur Geschichte des Betsaales
Im Mittelalter war ein Betraum beziehungsweise eine Synagoge
vorhanden (siehe oben).
Die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts richtete im Gebäude Pauritzer
Straße 54 einen Betsaal ein. In diesem Gebäude befand sich auch die jüdische
Religionsschule.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude des Betsaales und der jüdischen
Schule aufgebrochen, die Inneneinrichtung zertrümmert, die Gebetsbücher
zerfetzt und die Tora-Rollen auf die Straße geworfen.
Am 9. November 1998 wurde eine Gedenktafel am Synagogenstandort
angebracht mit dem Text: "An diesem Ort befand sich der Jüdische Betsaal.
Wir gedenken hier der jüdischen Bürger unserer Stadt. Die Armen sind nur
scheinbar vergessen. Ihre Hoffnung ist nicht für immer dahin. Psalm 9,19."
(das Psalmzitat auch in hebräischer Sprache). Das Gebäude mit dem ehemaligen
Betsaal und der Schule ist mit allen Nachbarhäusern an der Pauritzer Straße
inzwischen abgebrochen; das Gelände wird neu
bebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Pauritzer
Straße 54
Fotos
| Der Standort des Hauses mit
dem Betsaal |
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Am Standort des
nicht mehr bestehenden Hauses mit dem Betraum und der Schule der
jüdischen Gemeinde in der Pauritzer Straße
befindet sich eine Gedenktafel mit dem oben zitierten Text. |
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"Stolpersteine"
in Altenburg |
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An zahlreiche der
aus Altenburg deportierten und ermordeten jüdischen Personen
erinnern
inzwischen sog. "Stolpersteine"; oben fünf
"Stolpersteine" am Haus Pauritzer Straße 27 für
Hans Oronowicz (1931), Leo Oronowicz (1925), Margarethe Oronowicz (1930),
Regina Oronowicz geb. Handweiler (1896), Wanda Oronowicz (1923). |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| 2005: Das Christliche
Spalatin-Gymnasium Altenburg erhielt im Rahmen der 1. "FilmTHUER"
2005 einen 1. Preis (u.a. Hauptpreis Jugend "Silberne FilmTHUER"
) für die "Spurensuche - Juden in Altenburg". Quelle. |
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| November 2009:
Gedenken an die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 |
Foto links
von Ronny Seifahrt: An der Gedenktafel in der Pauritzer Straße wurde der Opfer der Pogrome gedacht.
Artikel vom 13. November 2010 (Artikel):
"Der Opfer der Pogromnacht gedacht.
Neben der Feierstimmung, die das zwanzigjährige Jubiläum des Falls der Mauer in ganz Deutschland verursacht hat, geriet ein wesentlicher Anlass ein wenig in den Hintergrund, der ebenfalls auf den
'Schicksalstag der Deutschen' fällt – die Reichspogromnacht von 1938.
Wie in jedem Jahr hatten die Arbeitsgruppe 'Jüdische Mitbürger' und die Stadt Altenburg eine Gedenkveranstaltung in der Pauritzer Straße organisiert, genau dort, wo früher der jüdische Betsaal Altenburgs stand. So war es wohl auch den vielfältigen Informations- und Veranstaltungsangeboten zum Mauerfall-Jubiläum geschuldet, dass mit rund 30 Teilnehmern die Beteiligung am Pogromnacht-Gedenken in der Skatstadt gegenüber den Vorjahren eher verhalten war.
Eberhard Heinze, Mitglied der Arbeitsgruppe 'Jüdische Mitbürger', eröffnete die Veranstaltung und erinnerte an die Ereignisse der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Altenburg. Danach ergriff Altenburgs Bürgermeisterin Kristin Knitt, die in Vertretung von Oberbürgermeister Michael Wolf anwesend war, das Wort. In ihrer Rede spannte sie den Bogen von den geschichtlichen Ereignissen zu den Handlungserfordernissen der Gegenwart. Knitt verwies darauf, dass rechtsextremes Gedankengut auch am Altenburger Land nicht vorbeigehe und alle gesellschaftlichen Kräfte gefragt seien, um dieser Tendenz entgegen zu wirken. Sie forderte dazu auf, junge Menschen im Sinne der humanistischen, freiheitlichen und demokratischen Grundwerte zu erziehen.
Der Posaunenchor hatte in bewährter Art und Weise die Veranstaltung künstlerisch begleitet und auch die Niederlegung von Kränzen, Gebinden und Blumen an der Gedenktafel musikalisch untermalt.
Zum Hintergrund. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es deutschlandweit zu vom Nazi-Regime geplanten und gelenkten Übergriffen auf jüdische Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser. Dabei wurde nicht nur Eigentum beschädigt, auch Demütigung und körperliche Gewalt gegen jüdische Mitbürger waren an der Tagesordnung. Das Ereignis ging als Reichspogromnacht in die Geschichte ein, manchmal auch verharmlosend Reichskristallnacht (wegen der zerstörten Schaufensterscheiben) genannt. Auch wenn die Pogrome von 1938 nicht den Anfangspunkt der gezielten Judenverfolgung in Deutschland bilden, markieren sie dennoch einen ersten traurigen Höhepunkt der Aggressivität gegenüber der jüdischen Bevölkerung.
Auch an Altenburg ging die Pogromnacht nicht vorüber. Etwa 50 bis 60 SA-Schergen waren aufgefordert worden, alle männlichen Juden zur Polizeidirektion nahe der Brüderkirche zu bringen. Zwischen 5 und 6 Uhr früh zogen sie los und drangen in jüdische Wohnhäuser ein. Dabei beschimpften und misshandelten sie Altenburger Juden, zerschlugen Wohnungsinventar und trieben die teils nur spärlich bekleideten männlichen Juden über den Markt zur Polizeidirektion. Dabei war es der Bevölkerung freigestellt, die Juden zu schlagen oder sie zu bespucken. Zur Demütigung wurden teilweise auch Juden mit Mennige (leuchtend rotes Pigment) auf Haut und Haaren beschmiert.
Jüdische Geschäfte wurden verwüstet, Waren aus den Regalen gerissen, Inventar demoliert, Schaufenster eingeschlagen und schließlich Wände beschmiert. Die Tür zum jüdischen Betsaal (im Gebäude der damaligen Pauritzer Gasse 54) wurde aufgebrochen, Mobiliar zertrümmert sowie Gebetsbücher zerrissen und auf dem Boden zerstreut. Die
Torarollen, den Juden heilig, wurden aus dem Schrein gerissen, auf der Straße entrollt und Passanten ermutigt, sie zu bespucken bzw. mit Fahrrädern oder Kraftfahrzeugen darüber zu fahren.
Als wäre dies nicht genug gewesen, wurden die zusammengetriebenen Juden in
'Schutzhaft' genommen. Einige von ihnen wurden nach Buchenwald verschleppt, wo sie in Steinbrüchen arbeiten mussten. Manche kamen nach Tagen zurück, andere erst nach Wochen. Die Rückkehrer waren körperlich geschunden, zerlumpt und kahlgeschoren. Später, in Auswirkung der
'Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen
Gewerbebetrieben' vom 12. September 1938, wurden die jüdischen Geschäftsleute gezwungen, die an den Gewerbebetrieben entstandenen Schäden selbst und auf eigene Kosten zu beseitigen. Die Versicherungsansprüche der jüdischen Eigentümer wurden beschlagnahmt.
(Quellen: 'Die Juden in Altenburg – Stadt und Land –', Autor: Ingolf Strassmann, Verlag Beier & Beran, 2004;
'Sie bleiben unvergessen', Autorin: Gabriele Penndorf, Stadt Altenburg, 2000)
Im Auftrag Christian Repkewitz, SG Stadtrats- und Bürgerangelegenheiten."
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| Juni 2010:
Weitere Verlegung von "Stolpersteinen"
in Altenburg |
Foto links: Gedenken an jüdische Mitbürger in der Kreuzstraße
Artikel von "Die Organisatoren, Verein KORA" in "ABG
info.de" vom 7. Juni 2010 (Artikel):
"22. und 23. Stolperstein in Altenburg verlegt.
Am Sonntag, dem 6. Juni 2010, verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig den mittlerweile 23. seiner weltbekannten
'Stolpersteine' in Altenburg. Der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land (KORA) sowie das Bündnis gegen Rechtsextremismus hatten die Aktion vorbereitet. Die Steine waren schon vor einiger Zeit angefertigt worden, harrten aber bislang ihrer Verlegung. Grund dafür war, dass eine Angehörige beider ehemaliger Altenburger an der Aktion teilnehmen wollte. Christina Dannemann ist über ihren verstorbenen Mann mit Nathan und dessen Sohn Kurt Dannemann familiär verbunden.
Die in Mönchengladbach lebende Jüdin war für die Stolperstein-Aktion zum ersten Mal nach Altenburg gekommen und von der Stadt sichtlich angetan. Nachdem sich Vertreter von KORA bereits am Samstagabend mit Christina Dannemann getroffen hatten, fanden sich knapp 20 Personen am Sonntag zur Verlegung der Stolpersteine vor dem Gebäude Kreuzstraße 26 ein.
KORA-Vorsitzender Christian Repkewitz sprach ein paar begrüßende Worte, während der Künstler bereits die Steine im Gehweg einsetzte. Repkewitz informierte über die zwei Personen, denen die Stolperstein-Aktion gewidmet war. Nathan Dannemann, 1878 in Stettin geboren, kam 1912 mit seiner nicht-jüdischen Ehefrau Alwine und ihrem gemeinsamen Sohn Kurt nach Altenburg. Bei den Altenburgerinnen und Altenburgern waren
'Dannemanns' vor allem wegen ihrer beruflichen Tätigkeit bekannt, führte doch Nathan Dannemann das bekannte Salamander-Schuhgeschäft in der Sporenstraße 11.
Christina Dannemann bedankte sich für die Vorbereitung der Aktion. Sie berichtete, dass es eigentlich nur noch zwei Menschen auf der Welt gibt, die ganz persönliche familiäre Erinnerungen an beide Geehrten haben. Sie freute sich, dass mit den Steinen in Altenburg an ihre Angehörigen erinnert wird und sah es wohl wie der Künstler Gunter Demnig, für den die Steine
'zwar keine Grabsteine, aber dafür Schluss-Steine sind', die einen würdigen Akt des Erinnerns gewährleisten. Und, so Demnig, wenn man die Daten auf dem Stein lesen will, muss man sich vor den Toten verbeugen.
Christian Repkewitz zur Aktion: 'Der Mensch mag es lieber, wenn alles glatt läuft – auch er selbst. Doch manchmal braucht es gerade diese Stolpersteine, um zum Nachdenken anzuregen. Insofern sind die Stolpersteine ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur an die
Opfer'." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 10-11; II,1 S.
10. |
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit
in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes
Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de)
2007. Zum Download
der Dokumentation (interner Link).
direkter
Link zu den Seiten Altenburg ff. |
 | Ingolf Strassmann: Die Juden in Altenburg - Stadt
und Land. Woher kamen sie und wo sind sie geblieben. Hrsg. von: Geschichts-
und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes / Landratsamt
Altenburger Land / Arbeitsgruppe Jüdische Mitbürger Altenburg. Beier &
Beran 2004. ISBN 978-3-937517-11-7. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Altenburg,
Thuringia. Jews first settled in Altenburg in 1364, but were expelled in the
15th century. It is unclear when they were allowed to settle again, but in the
19th century there is evidence of a thriving Jewish community which was well
integrated into the non-Jewish environment. Jews were active as bankers and
industrialists and were members of local sports clubs. Certain individuals
reached prominence in the cultural life of the town as singers of theater
performers. In religious matters, the Altenburg Jews were dependent on Leipzig,
where they prayed and buried their dead. Between 1890 and 1910 and again in
1918-20, there were influxes of Jews from Galicia, the overall Jewish population
reaching its peak in 1925 with 170 Jews. The newcomers founded an independent
community in 1927 with its own prayer hall and religious instruction. According
to the Nazi census of June 1933, there were 134 Jews living in Altenburg (less
than 0.3 % of the total). Some 41 % emigrated in time, making it to safe havens
in the United States, Palestine, Great Britain, and other countries. Others, who
had left for other destinations in Germany or in Europe, were, in many instances,
subsequently rounded up and deported as the Nazis spread out over the continent.
On 28 October 1938, 44 Jews of Polish origin were arrested and deported
overnight to no man's land near the Polish border. On Kristallnacht (9-10
November 1938), Jewish shops and the synagogue was vandalized. Two Jews were
injured; others were arrested and later deported. Fifty-eight were deported to
death camps in the east in 1942. At least 43 % of the Jews living in Altenburg
in 1933 did not survive the Holocaust. There were 79 Jews from various
concentration camps who were forced to work in a local metal plant and a nearby
SS labor camp were they perished. They were buried in the municipal cemetery in
Altenburg.

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