Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Neu-Isenburg (Kreis Offenbach)
Jüdische Geschichte / Das Heim des jüdischen Frauenbundes / Bertha Pappenheim

Pappenheim Bertha 010.jpg (53012 Byte)Vorbemerkung: Über die Geschichte des Heimes des jüdischen Frauenbundes und über Bertha Pappenheim (Foto links) gibt es zahlreiche Internetseiten, in denen hierzu bereits in hervorragender Weise Informationen zusammengestellt sind. Auf dieser Seite bei "Alemannia Judaica" finden sich einige Informationen über die kleine jüdische Gemeinde am Ort sowie Texte aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts zum Heim des jüdischen Frauenbundes und zu Bertha Pappenheim, die sonst noch auf keiner Internetseite zusammengestellt sind. 
   
  
Wir weisen unter anderem auf folgende Artikel und eine Website hin:
Wikipedia-Artikel zu Bertha Pappenheim   
Wikipedia-Artikel über den Jüdischen Frauenbund  
Wikipedia-Artikel über das Mädchenheim in Neu-Isenburg 
Hinweis auf die Website: www.gedenkbuch.neu-isenburg.de   
(Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg (1907-1942)) 
Ansonsten lassen sich über die Recherche mit einer Suchmaschine zahlreiche weitere Seiten finden.

     
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges     
Über die Arbeit des Vereines des Jüdischen Frauenbundes (bzw. zunächst der "Weiblichen Fürsorge") 
und die Geschichte seines Heimes in Neu-Isenburg
    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Das Bertha-Pappenheim-Haus in Neu-Isenburg  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

         

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In dem von Hugenotten um 1700 gegründeten Neu-Isenburg bestand eine kleine jüdische Gemeinde als Filialgemeinde zu Sprendlingen - bis 1938/42. Erstmals werden um 1830 jüdische Einwohner am Ort genannt. Zu den ersten Familien gehörten in den 1830er-Jahren die des Abraham Rosenberger, des Assor Goldschmidt sowie des Arztes Dr. Worms (mit Frau Rosina). 1841 wird ein Jacob Sternberg als Ortsbürger in Neu-Isenburg genannt, der jedoch als "Permissionist" in Frankfurt am Main wohnhaft war.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1830 6 jüdische Einwohner (0,4 % von insgesamt 1.576 Einwohnern), 1861 18 (0,7 % von 2.690), 1871 17, 1900 40 (0,5 % von 8.045), 1910 73 (0,6 % von 11.437, einschließlich der Bewohner des Heimes des jüdischen Frauenbundes).   
   
Einrichtungen hatten die in Neu-Isenburg lebenden jüdischen Familien nicht. Die Einrichtungen der Gemeinde Sprendlingen wie die Synagoge und der Friedhof wurden mitbenutzt. Der jüdische Lehrer von Sprendlingen war auch für Neu-Isenburg zuständig, insbesondere für den Religionsunterricht der jüdischen Kinder.    
  
Als besondere jüdische Einrichtung, die in der ganzen jüdischen Welt hohes Ansehen genoss, gab es in Neu-Isenburg seit 1907 ein Heim des jüdischen Frauenbundes, in dem weibliche Jugendliche Aufnahme fanden. Leiterin dieses Heimes war bis zu ihrem Tod im Jahr 1936 die in Wien im Jahre 1859 geborene Berta Pappenheim. Berta Pappenheim war Gründerin und Präsidentin des jüdischen Frauenbundes; das Heim wurde auf ihre Veranlassung errichtet mit dem Ziel, gefährdeten und schwer erziehbaren Mädchen Aufnahme und entsprechende Ausbildung zu gewähren. In einem zweiten Haus waren schwangere und stillende Mütter untergebracht. 
1932 wurde in einem Rückblick anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Heimes festgestellt, dass in diesem Zeitraum (1907 bis 1932) insgesamt 1.133 jüdische Mädchen dort Schutz und Förderung gefunden haben. Die Verwaltung des Heimes befand sich in Frankfurt am Main; Vorsitzende war bis 1924 Berta Pappenheim, stellvertretende Vorsitzende Therese Freimann, Schatzmeisterin war Paula Nassauer und Schriftführerin Stephanie Forchheimer. Die Nachfolgerin von Berta Pappenheim - als Heimleiterin - war Helene Kramer. 
  
Das Heim stand zwischen der Zeppelinstraße und der Taunusstraße. Von den vier Häusern (vgl. Bericht unten vom 1. Dezember 1927) wurde Haus 1 1938 niedergebrannt (an seiner Stelle heute ein Neubau), Haus 2 - ein großes Haus mit Mansard-Dach - steht bis heute in der Zeppelinstraße 4 (an ihm befindet sich seit 1978 eine Gedenktafel mit dem Text: "Stadt Neu-Isenburg den Lebenden zur Mahnung: Hier stand das von Frau Bertha Pappenheim gegründete jüdische Kinderheim. Es wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von denen, die glaubten, der nationalsozialistischen Herrschaft dienen zu müssen, in Brand gesteckt und zerstört."  Die Häuser 3, 4 und Bertha Pappenheims eigenes Haus (in der Zeppelinstraße 41) sind heute in Privatbesitz. In der Stadtbücherei, Frankfurter Straße, erinnert eine von dem jüdischen Bildhauer F.J. Kormis geschenkte Büste von Bertha Pappenheim.       
   
1924 wurden 152 jüdische Einwohner in Neu-Isenburg gezählt wurden (1,2 % von 12.423 Einwohnern, einschließlich der Bewohner des Heimes des jüdischen Frauenbundes).   
   
1933 lebten 133 jüdische Personen in Neu-Isenburg (1,0 % von 13.410 Einwohnern, einschließlich der Bewohner des Heimes des jüdischen Frauenbundes). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Einwohner am Ort auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Nach 1933 wurden die jüdischen Unternehmen wie die Schleifmittelfabrik Eichler und der Neu-Isenburger Zweigbetrieb der Offenbacher Leder-AG (Gleisstraße 98, Geschäftsführer Dr. Ernst Kaufmann) "arisiert". Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Heim des jüdischen Frauenbundes von SA-Leuten überfallen, die Bewohner aus den Gebäude vertrieben und das Haupthaus und ein Nebengebäude angezündet. Dabei spielten sich schrecklichen Szenen ab (siehe unten Bericht der Erzieherin Helene Krämer). In einem Heim des Gebäudes.   
   
Von den in Neu-Isenburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Eleonore Akulewitz (1921), Brunhilde Alexander (1922), Bela Anschlawski (1939), Rosa Baer geb. Schönmann (1869), Judit (Judis) Baum (1939), Rosa Brand geb. Strauß (1877), Gerda Breidenbach (1923), Gitella (Gisella) Cahn (1895), Isaac Cahn (1864), Jenny Cahn geb. Schönmann (1874), Judis Cohn (1938), Denny Davidsohn (1839), Lina Erbsen (1919), Frieda Fäßler geb. Strauß (1890), Trude Fischer geb. Jonas (1914), Ruth Fleischer (1938), Margit Glasberg (1933), Heinz Großhut Mantel (1933), Otto A. Haas (1897), Julius Hamburger (1910), Lane Hammerschlag (1938), Günter Hirsch (1934), Kurt Hirschberger (1934), Hanni Janowksi (1935), Amalie Jonas geb. Strauß (1882), Alma (Anna) Kahn geb. Stern (1883), Ruth Kalkstein (1929), Brigitte Klawanski (1937), Hans Dieter Ledermann (1936), Helga Amalie Loewenberg (1925), Tana Löwengart (1938), Joel Löwenthal (1939), Lane (Laura) Mannheimer (1938), Ellen Marcuse (1905), Beate Metzger (1920), Hannelore Metzger (1921), Erna Morgenstern (1908), Erna Morgenstern (1908), Henny Oppenheimer (1935), Ernst Karl Rapp (1934), Ingeborg (Inge) Reiss (1937), Hans-Georg Rosenberg (1834), Ruth Schereschewski (1923), Hella Schiffenbauer (1923), Else Schlamm (1911), Regine Schlamm geb. Kahn (1890), Willy Schlamm (1882), Charlotte Schott (1930), Lion Schott (1886), Selma Schott geb. Cahn (1893), Ruth Schumm geb. Lewandowski (1915), Ilse Stein (1937), Trude (Gertrude) Steinhard (1935), Marianne Steinweg (1936), Else Stern (1923), Erich Stern (1933), Renate Strauss (1937), Rosa Strauss (1885), Selma Strauss (1885), Anna Sophie Süß (1906), Ruth Triebwasser (1923), Bela Wilner (1939), Joel Wolf (1938).      
    
Hinweis 1: bei den kursiv markierten Personen handelt es sich um in Neu-Isenburg geborene Personen.   
Hinweis 2: bei den oben genannten Personen handelt es sich auf Grund der starken Fluktuation unter den Bewohnern des Heimes des jüdischen Frauenbundes großenteils um eine eher zufällige Auswahl von Personen, die im Heim zu bestimmten Zeiten gelebt haben, die für die Auswertungen in der Listen relevant waren. 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Goldene Hochzeit des J. Fürth'schen Ehepaares (1884)
  

Neu Isenburg Israelit 07071884.jpg (38760 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1884: "Neu-Isenburg, 20. Juni (1884). Am nächsten Dienstag, den 24. dieses Monats, begeht das J. Fürth'sche Ehepaar dahier die seltene Feier der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich trotz des hohen Alters, Herr Fürth zählt 77, Frau Fürth 74 Jahre, besten körperlichen Wohlseins und geistiger Frische."        

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von Hermann Goldschmidt (1901)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1901: 
"Ein junges Mädchen für häusliche Arbeiten, etwas kochen erwartet, für kleinen Haushalt bei familiärer Stellung z. sofort sucht
Hermann Goldschmidt,
Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main."       

   
Anzeige von Philipp Losekrug (1920)         

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. März  1920:  
"Sabbatlampen 
offeriert Philipp Losekrug. 
Metallwarenfabrik. Neu-Isenburg
."     

   
   
Sonstiges 
Hauptversammlung des Hessischen Landes-Lehrervereins in Neu-Isenburg (1903)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1903: "Neu-Isenburg, 3. Juni (1903). In der gestern und heute hier abgehaltenen Hauptversammlung des 'Hessischen Landes-Lehrervereins' teilte der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Backes - Darmstadt, mit, das eine Regelung der Verhältnisse der israelitischen Religionslehrer in Hessen baldigst zu erwarten sei. Der betreffende Passus in dem von der Delegiertenversammlung einstimmig genehmigten Rechenschaftsbericht lautet: 'Für einen kleineren Teil unserer Mitglieder, der israelitischen Religionslehrer, besteht die Hoffnung, dass noch in diesem Jahre durch gesetzliche Regelung deren Stellung, welche wir alle als unzeitgemäß und unwürdig empfinden, beseitigt wird.' Lebermann - Darmstadt."     

 
 
Über die Arbeit des Vereines des Jüdischen Frauenbundes (bzw. zunächst der "Weiblichen Fürsorge") 
und die Geschichte seines Heimes in Neu-Isenburg
        
In Neu-Isenburg soll ein Kinderhaus eingerichtet werden (1911) 

Isenburg FrfIsrFambl 31031911.jpg (85438 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt" vom 31. März 1911: "Frankfurt am Main. Der Jahresbericht der Weiblichen Fürsorge (Vorsitzende: Bertha Pappenheim) gibt wiederum ein sprechendes Bild von der vielgestaltigen Tätigkeit dieser Organisation.   
Die 'Fürsorgekommission' hielt wöchentlich ihre Sitzungen ab. Sie hatte etwa 150 Fälle zu bearbeiten, in erster Linie für den Almosenkasten und den Hilfsverein.   
Die 'Beratungsstelle der Säuglingsfürsorge' kümmerte sich um 126 Kinder, und die 'Säuglingsmilchküche' versah 138 Säuglinge mit Nahrung.  
Die 'Kinderschutzkommission' hat, da sie mit dem Mangel an geeigneten jüdischen Pflegeeltern zu rechnen hat, den Plan gefasst, in Isenburg ein Kinderhaus zu errichten, das Säuglingen und Kindern bis zum 6. Lebensjahres Aufnahme gewährt. Im vergangenen Jahres führte die Kommission die Aufsicht über 64 Kinder."    

  
Über die Walderholungsstätte für Kinder in Neu-Isenburg (eingerichtet 1904, Artikel von 1912)  
Anmerkung: die Walderholungsstätte stand wohl in keiner direkten Verbindung zu dem Kinderhaus der "Weiblichen Fürsorge"  

Isenburg FrfIsrFambl 28061912.jpg (161666 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt" vom 28. Juni 1912: "Frankfurter Berichte.  
Die Herren Direktor Dr. G. Lange und Isaac Wolff versenden den folgenden Aufruf:  
'Die Einrichtung einer Walderholungsstätte in Isenburg, die wir vor 8 Jahren, angeregt durch die Munifizenz einiger edler Wohltäter, getroffen haben, hat sich von Jahr zu Jahr besser bewährt. Waren es im ersten Jahr nur 50 Kinder, denen wir einen ca. vierwöchentlichen Waldaufenthalt gewähren konnten, so ist ihre Zahl in weniger Jahren auf über 100 angewachsen. Was will diese große Zahl aber sagen, wenn man bedenkt, dass sich über 250 Kinder zur Aufnahme gemeldet hatten, und dass der untersuchende Arzt bei fast allen Kindern eine Unterernährung konstatiert hat, die einen solchen vierwöchentlichen Aufenthalt im Walde bei guter Verpflegung für fast alle in höchstem Grade wünschenswert erscheinen ließ!   
Es war uns nur möglich, diejenigen Kinder herauszusuchen, die der Erholung und Pflege am bedürftigsten waren. Zu unserer Freude konnten wir bei allen ein sehr gutes Resultat feststellen. Die steigende Teuerung aber, die sich auf jedem Gebiete und insbesondere bei den Verpflegungs-Kosten der Kinder bemerkbar macht, lässt es befürchten, dass uns die Mittel auch für die Aufnahme von nur 100 Kindern nicht reichen. An der Art der Verpflegung, die sich so gut bewährt hat, aus Sparsamkeitsrücksichten etwas zu ändern, währe gewiss ein Unrecht, wir würden uns deshalb gezwungen sehen, wenn uns nicht größere Mittel zur Verfügung stehen werden. Und das wäre doch zu beklagen!   
Wir richten daher an jeden, der für eine solche Fürsorge für die Jugend Interesse besitzt, die innige Bitte, uns durch Gewährung eines Betrages in den Stand zu setzen, wenigstens wieder ca. 100 Kinder, wie im Vorfahre, aufnehmen zu können...".   

        
Vortragsabend zugunsten des Heimes (1911)  

Isenburg Israelit 03021911.jpg (59885 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1911: "Frankfurt am Main, 29. Januar (1911). Bei dem vom Jüdischen Frauenbund zugunsten seines Isenburger Heims für gefährdete junge Mädchen veranstalteten Vortragsabend sprach nach einem einleitenden Chorgesang Dr. Heinemann über Wesen und Wirken der Anstalt. Das Heim ist keine Entbindungsanstalt, wie irrtümlicherweise vielfach geglaubt wird, es ist ein 'Sanatorium für sittlich Unterernährte'. Gesangsvorträge von Fräulein Clara Lion und ein von Fräulein Bertha Pappenheim verfasstes Theaterstück, dessen Regier Fräulein Klinkhammer vom Schauspielhaus übernommen hatte, beschlossen den Abend, der einen in jeder Beziehung befriedigenden Verlauf nahm."   

   
Aus der Arbeit des Vereines des Jüdischen Frauenbundes Neu-Isenburg (1916) 

Neu Isenburg FrfIsrFambl 03111916.jpg (44805 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt" vom 3. November 1916: 
"Verein des Jüdischen Frauenbundes Neu-Isenburg.  
Haus I ist für die Erziehung sittlich gefährdeter weiblicher Jugendlicher und Haus II für den Schutz von Mutter und Kind bestimmt. 
In den Jahren 1914 und 1915 waren 76 Neuaufnahmen zu verzeichnen. 36 Erziehungsfälle, 22 Mütter mit ihren Säuglingen und 18 Kinder, die zum Teil vorübergehend Aufnahme fanden. 
Die Zöglinge im Hause I werden in allen Zweigen der täglichen Haus-; Wäsche-, Küchen- und Näharbeit unterwiesen."    

  
Anzeige von Bertha Pappenheim - Lehrerin gesucht (1917)  

Neu Isenburg FrfIsrFambl 23021917.jpg (43747 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1917: "Für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg wird eine jüdische Lehrerin zum Nachhilfeunterricht für Volksschulkinder zum sofortigen Eintritt gesucht. 
Offerten sind zu richten an Fräulein Bertha Pappenheim, Feldbergstraße 23."    

  
Anzeige des Heimes (1922)  

Isenburg Israelit 04051922.jpg (55315 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1922: "Das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bittet seine Freunde um Zuweisung von Kinderstühlchen, Laufställchen, Eisernen Kinderbettchen, Rollwänden oder spanischen Wänden, Teppichresten, Vorhängen und Gardinen und einem großen Kachelofen für das Säuglingszimmer.  
Heim des Jüdischen Frauenbundes. Geschäftsstelle: Frankfurt am Main, Langestraße 30,II."   

  
Berta Pappenheim legt ihr Amt im Jüdischen Frauenbund nieder (1924)    

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 24. Juli 1924: "Der Jüdische Frauenbund konnte in diesen Tagen auf eine segensreiche zwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken. Die Mitgliederzahl ist auf 50.000 Frauen angewachsen. Frau Berta Pappenheim legte nach zwanzig Jahren erfolgreicher schwerer Arbeit in der letzten Vorstandssitzung, die im Heime des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg stattfand, ihr Amt nieder."       

     
Über das Heim des Frauenbundes (1927)  

Isenburg Israelit 08121927.jpg (445012 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1927: "Isenburg. Isenburg, Endstation der Waldbahn und hübscher Sonntagsausflugsort, ist uns in den letzten Jahren als liebes Wort des jüdischen Wohltuns vertraut. Dort unterhält seit zwanzig Jahren der Jüdische Frauenbund am Waldrande ein Heim, das nicht mehr und nicht weniger will, als junge, jüdische Menschen körperlich und seelisch zu retten!   
Wir sahen uns dieser Tage das gartenumgebene Landhaus an, sahen in die kleinen, sauberen, hellen Räume, sprachen mit den Hausverwalterinnen und den Damen der Kommission, die an der Spitze der obersten Leiterin und Initiatorin dieser und vieler ähnlichen sozialen Schöpfungen in Frankfurt, mit hinaus gingen; wir hörten das Lachen, Jubeln und Brüllen von einem guten Schicke zumeist gesunder, frischer pausbäckiger Kinder allen Alters, sagen auch die Säuglinge in ihren Wiegen mit den Milchfalschen im Munde, betreut von einer Kinderschwester, der die Liebe zum schweren Beruf aus den Augen leuchtete, sahen auch die größeren Mädchen bei verschiedenen Hausarbeiten; in einem anderen Raume auch junge Frau, in infolge misslicher häuslicher Verhältnisse dieser oder jener Art hier unter treuer Pflege und fachmännischer Leitung schwere Wochen des Übergangs zum häuslichen oder Erwerbsleben verbringen. Wir sagen das alles und wurden den Gedanken nicht los an das Wort, das hier in goldenen Lettern über dem Torbogen leuchten dürfte: 'Alle, die eine Seele aus Israel retten, sind wie die, die die ganze Welt retten". 
Es sind zur Zeit mehr denn sechs Dutzend jüdischer Seelen - wie viele waren es aber in den zwanzig Jahren - die, durch eigene oder fremde Schuld aus dem Leben gestoßen, hier den Weg und den Ansatz zu einem neuen und reineren Sein fanden. Und zarte Menschenblüten keimten hier auf, strebten ins Licht - das Leben hätte sie mit schweren Schritten am Wege zerstampft und zertreten, hier wurden sie gehegt, dass sie der menschlichen Gesellschaft noch etwas wurden und gaben....  
Kurz und sachlich sei berichtet: Die Kinder jeglichen Alters - vom sechsten Lebensjahre ab nur Mädchen - haben hier ein liebevolles Heim, Logis, Verpflegung, Anleitung und Erziehung, wie man sie im vernünftigsten Elternhause nicht besser und zweckmäßiger Kindern bieten kann. Es ist keine Pension mit komfortablen Einrichtungen, die verwöhnen und verweichlichen und mit künstlicher Lichtfülle das Auge für den Ernst des Lebens blenden,, aber auch keine Fürsorgeerziehungsanstalt mit spartanischen Abhärtungsmaßregeln. Es ist alles, von der Schlafräumen oben bis zu Keller und Küche, Bade- und Waschräumen, traut, einfach, lieb und heimelig, gewollt primitiv, die Grundidee einprägend: das Leben ist schön, aber es muss durch Arbeit erkauft werden. Es blühen Blumen, - wenn sie mit mühe- und liebevollen Händen begossen und gepflegt werden.   
Zwölf Pflegerinnen unter der sicheren Leitung des Frl. Krämer und der Frau Haas als Hausmutter, denen eine Kommission aus Ehrendamen des Frankfurter Frauenbundes aufopferungsvoll zur Seite steht, tun Tag und Nacht mit Liebe zum Kinde, mit Verständnis für das hohe Ideal, aus dem dieses Haus geboren ist, ihren nicht leichten Dienst. die Kinder besuchen die städtischen Schulen von Isenburg und werden, schulentlassen, einem ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Berufe zugeführt, zumeist dem der Haushaltung. Regelmäßigen Religionsunterricht erhalten sie von Herrn Lehrer Kaufmann in Sprendlingen. Die größeren Mädchen beschäftigen sich in der freuen Zeit unter fachmännischer Anleitung mit Handarbeiten. Eine religiöse Dame in Frankfurt übt die Oberaufsicht über das gesamte Kaschruswesen ehrenamtlich aus. Als die Kinderchen, darunter Zweijährige, beim Vespertische ihr 'Hamozi' anstimmten, war das die schönste Hymne auf den Geist, der in diesem Hause herrscht.
Wer zahlt für die Kinder, Zöglinge und Insassinnen das Minimum, das das Heim für die Selbstkosten benötigt (für die kleinen Kinder werden Mark 2.- im Tage gezahlt)? Es ist dies ein kritischer Punkt, bei dessen Besprechung sich das Herz der Damen und der Initiatorin mit schwerer Sorge füllt. In vielen Fällen zahlen die Eltern oder die Schützlinge selbst den minimalen Betrag, in anderen sind es Gemeinden und Wohlfahrtsstellen im ganzen Reiche, die bei gegebenem Anlass glücklich sind, für ihre Schutzbefohlenen das einzige Heim dieser Art in Deutschland benutzen zu können. Aber es kommt vor, dass Zahlungen nicht oder nicht mehr von Eltern oder Annehmern oder den Schutzsuchenden auf eigene Faust geleistet werden können. Dann gibt es Tragödien, Tragödien in erster Reihe für die Hauverwaltung und die Damen, die sich in der bitteren Lage sehen, aus geldlichen Gründen viel versprechende Arbeit an einem werdenden Menschen abzubrechen. Geht es um kleine, hilfslose Kinder, so wird verhandelt, beraten, gewartet,       
Isenburg Israelit 08121927a.jpg (141496 Byte)gesucht, gemessen und erwogen, und zuletzt siegt doch das jüdische Herz.  
Aber über die natürlichen materiellen Grenzen kann auch der Wille, der angeblich Berge verrückt, und die Liebe, die nach einem Worte des Hohenliedes auch 'vom brausenden Wasser nicht ausgelöscht werden kann', nicht hinweg. Das Haus ist auch zu klein. Es muss sich erweitern, es muss seine Arme ausstrecken, um die Vielen zu erfassen, die Einlass suchen, aber kein Bett und kein Plätzchen mehr in den überfüllten Zimmern finden. Es wird zur Zeit sogar etwas gebaut oder umgebaut. Aber es reicht nicht und die Geldquellen versiegen. Es ist eine kritische Zeit, hört man als Entschuldigung sagen, und die Bedürfnisse sind groß und vielfältig. eben darum! Weil die Zeit kritisch und die Not groß ist und aus dieser Not immer neue Fälle dem Heime zufließen, müssen doppelte Opfer gebracht werden, auf dass das Haus den gesteigerten Anforderungen der Zeit Rechnung tragen kann. 
Es scheint mir dieses zur Zeit die schwerste Sorge der Begründerin zu sein. Sie ist aber in ihrem Grundwesen Optimistin. Die graue Sorge ist oft von einem goldenen Hoffnungsschimmer überstrahlt. Und fürwahr, die Hoffnung, dass sich jüdische Männer und jüdische Stellen finden, die dem Hause die Größe, die Weite und die nötige Entwicklungsmöglichkeit sichern, nicht hegen, hieße die Hoffung an den bewährten und in allen Lagen erprobten sozialen und Wohltätigkeitssinn der jüdischen Gemeinschaft verlieren.  
Das wollen wir nicht, und darum empfehlen wir allen, die den Willen und die Möglichkeit haben, hier an einem großen Werke mitzuarbeiten, einen Ausflug nach Isenburg zu machen, nach dem Isenburg, wo in lieblicher Waldesluft im Schatten alter Bäume eine Stätte der jüdischen Menschenliebe nach größerer Weite und Höhe drängt."          

       
Aufruf zur Unterstützung des Heimes des Jüdischen Frauenbundes (1927)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1927: 
"Das Heim des jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main
feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Jede jüdische Gemeinde weiß, dass Isenburg als einziges Heim dieser Art dazu dient, in vier Häusern mit zusammen 80 Plätzen schutzbedürftigen und schwer erziehbaren Kindern, gefährdeten Jugendlichen, Müttern und Säuglingen Heim- und Erziehungsstätte zu sein. 
Hunderte von Kindern, Jugendlichen und Frauen aus allen Teilen Deutschlands sind in den 20 Jahren des Bestehens Isenburg anvertraut worden. Um auch weiterhin allen Anforderungen genügen zu können, bedarf das Heim dringend einer räumlichen Erweiterung. 
Der jüdische Frauenbund hat deshalb anlässlich des Jubiläums eine Sammlung eingeleitet und wird mit künstlerisch ausgeführten Formularen Bausteine zum Mindestpreis von Mark 1.-. 
An die Mitglieder dieser Gemeinden, die diese Drucksachen erhalten haben, und vor allem an diejenigen, die sie nicht erhalten haben, richten wir die herzliche Bitte, dieser Sammlung Beachtung zu schenken und – je nach ihrem brennenden – dazu beizutragen, dass die für den Anbau nötige Summe (30-40.000 DM) aufgebracht wird. 
Spenden sind zu richten an das Isenburger Postscheckkonto: Frankfurt am Main 8147 (Frau Richard Rothschild für das Heim des jüdischen Frauenbundes), oder an Frau Rosa Kahn, hier (Stuttgart), Reinsburgstraße 30".

.        

      
Ein Besuch im Neu-Isenburger Heim (1927)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1927: "Ein Besuch im Neu-Isenburger Heim. 
Der Auftakt zu der diesjährigen Gesamtvorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes vom 13. bis 15. November in Frankfurt am Main bildete die Besichtigung des Isenburger Heims und der Vortrag von Fräulein Berta Pappenheim: 'Das unsichtbare Isenburg'. 
Wer zum ersten Male nach Isenburg kommt, um das Heim des jüdischen Frauenbundes dort zu sehen, ist vom ersten Eindruck enttäuscht. Es ist kein Anstaltsbau. Jede Repräsentation fehlt. Vier schlichte Häuser, die sich ganz dem Straßenbild anpassen, am Waldesrand gelegen, mitten im Gemüsegarten, bilden die Zufluchtsstätte für die gefährdete weibliche Jugend. Haus 1, das Heim für die sittlich gefährdeten, ist gerade vor 20 Jahren von Frl. Berta Pappenheim in Erkennung der sittliche Not und Missstände begründet worden. Hier fanden schon Hunderte von jungen Mädchen, denen der innere Halt fehlte und deren Elternhaus versagte, Schutz und Erziehung. Hier wurden und werden die Mädchen zu werktätigen, sittlich gefestigten Menschen erzogen und dem hauswirtschaftlichen Berufe zugeführt. Haus 2 (im Jahre 1914 erbaut)         
Neu-Isenburg GemZeitung Wue 01121927a.jpg (159878 Byte)ist für die Aufnahme von Säuglingen, Kleinkindern und jungen Müttern bestimmt. Am Eingang des Hauses grüßt die die Holzplakette: 'die Auffindung Moses' von Leo Horowitz. 'Ein Frauenherz gab nie ein Kind verloren, Moses zu finden ward eine Frau erkoren'. Das ist es, das ist der Zweck des Heimes, jedes jüdische Kind der Gesamtheit des Judentums zu erhalten, jedem Kinde, auch dem unehelichen, die Familie zu ersetzen. Es wird einem ordentlich warm ums Herz, die gesunden fröhlichen Kinder zu sehen, die hier in liebevolle Pflege in Licht und Sonne heranwachsen. 
Die schulpflichtigen Kinder, die die Isenburger Volksschule besuchen, sind in Haus 3 untergebracht. Diese Kinder, denen das Elternhaus fehlt, oder die ein verderbtes Milieu gab, werden hier in einer sittlich reinen Umgebung zu froher Pflichterfüllung großgezogen. Haus 4, das Haus des Frls. Pappenheim, dient fast ausschließlich als Kranken- und Isolierstation. Diese vier Häuser reichen aber bei weitem nicht aus. Das Heim muss auch räumlich erweitert werden, soll es den Ansprüchen, die aus allen Teilen Deutschlands an Neu-Isenburg gestellt werden, genügen. Der Jüdische Frauenbund, dessen Werk diese kulturbedeutende jüdische Siedlung ist, ist deshalb gezwungen, anlässlich des 20-jährigen Bestehens dieses Heims eine Bausteinsammlung zur Erweiterung des Heimes einzuleiten. Hoffentlich werden auch in Württemberg reichlich Bausteine gezeichnet werden.  
Der Vortrag von Fräulein Berta Pappenheim 'Das unsichtbare Isenburg', schloss sich an die Besichtigung des Heimes an. Ihre Ausführungen waren von Zielbewusstheit und liebevoller Tatkraft getragen. Wie die äußere Erscheinung Berta Pappenheims, schlicht, herb, fast puritanische Strenge, so waren auch ihre Worte phrasenlos, nichts Lautes, demutsvoll. Und doch fühlte man in ihren Worten das noch heute sprühende Temperament. Es war eine Freude ihr zuzuhören, das gemmenartig fein geschnittene Gesicht mit den grauen Haaren und die zarte Gestalt mit den Kinderhänden zu schauen.
Das 'unsichtbare Isenburg', das allerdings bei der Besichtigung zumeist sichtbar war, ist Arbeit und Pflichterfüllung von früh bis spät Tag ein Tag aus, von Freitag bis Freitag und so das ganze Jahr hindurch. Das Isenburger Heim kennt keinen Luxus, keine gute Stube, keine moderne Bequemlichkeit. Isenburg soll die Kinder dem Elternhaus nicht entfremden, sie sollen nicht umlernen müssen. Das Milieu, in das das Leben die Kinder mit aller Wahrscheinlichkeit einmal stellen wird, soll Ihnen Isenburg bieten. Nicht mehr und nicht weniger. Das ganze Haus soll und muss Lehrmittel fürs Leben sein. Die Sparsamkeit,    
Neu-Isenburg GemZeitung Wue 01121927b.jpg (79382 Byte)sofern sie nicht Ernährung und Sauberkeit betrifft, ist sprichwörtlich für Isenburg. Selbst bei den glänzendsten Finanzen dürfte an dieser Sparsamkeit nicht gerüttelt werden, denn sie ist Erziehungsmittel. Aber Frohsinn und Schönheit umgibt die Kinder doch. Die Schönheit der Natur, die sittliche Schönheit des Familienlebens und der jüdischen Gebräuche, der Freitagabende, der jüdischen Feste. Die religiöse Erziehung ist es, die Berta Pappenheim Isenburg wie allerorten vertieft und verinnerlicht wissen will, denn sie gibt den Kindern das beste und letzte an sittlichem Halt fürs Leben.
Den Dank, den Frau Brenner, die Vorsitzende des jüdischen Frauenbundes, Berta Pappenheim, der Schöpferin und Leiterin des Heims aussprach, nahm sie in bescheidener Wahrhaftigkeit an: 'Ich darf den Dank nicht ablehnen. Ich fühle mich als eine Sendbotin, als Glied einer großen Ahnenreihe anständiger braver und bedeutender Männer und Frauen. Das verpflichtet. Ich musste das Werk vollbringen. Die Ahnenreihe, aus der Pressburger Jeschiwoh, aus der Wiener und Frankfurter Gemeinde haben in mir das Wunder vollbracht. Deshalb muss ich den Dank für mich persönlich abweisen. Es gibt solche Wunder, und ich habe zu danken, dass sich das Wunder in mir verwirklicht hat. Als Künstlerin, als Dichterin sprach hier die tatkräftige Frau, sie hat allen Besucher Neu-Jeschiwohs eine Feierstunde geschenkt. 
Milli Rieger."    

      
20-jähriges Bestehen des Heimes des Jüdischen Frauenbundes (1927)  

Isenburg GblIsrFf Dez1927 109.jpg (88109 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Dezember 1927 - Seite 109: 
"Bausteinsammlung für Isenburg
Im November dieses Jahres begeht das Heim des Jüdischen Frauenbundes die Feier seines 20-jährigen Bestehens. Die Heimkommission hat beschlossen, diesen Teilabschnitt stillen Wachsens und Wirkens dadurch zu feiern, dass eine unabweislich nötige Erweiterung der Säuglings- und Kleinkinderabteilung errichtet wird. Die Mittel dazu müssen auf dem Wege eines sogenannten 'Baustein-Sammlung' beigebracht werden. Es ist durch diese die Möglichkeit geboten, dass weite Kreise der Judenschaft diesem einzigartigen Erziehungs- und Schutzheim für Jugendliche und Kinder jeden Alters ihr Interesse und viele auch ihre Anerkennung und Dankbarkeit durch bezeigen, dass sie großzügig helfen, unter Ausschaltung jeden Luxus', eine den Anforderungen der Hygiene genügende Station zu bauen. Das Heim, das in jeder Hinsicht den streng rituellen Forderungen gerecht wird, wird von Frauen aus allen religiösen Richtungen bei der Mitarbeit vertreten. Spenden für die Baustein-Sammlung - mindestens 1 Mark - sind zu richten an: Frau Recha Rothschild, Frankfurt am Main, Eschenheimer Anlage 28, Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 8147." 

   
Einweihungsfeier eines Anbaus im Heim des Jüdischen Frauenbundes (1928)  

Isenburg Israelit 06091928.jpg (231757 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1928: "Einweihungsfeier in Isenburg
Gern folgten die Mitglieder des Heim-Vorstandes, sowie einige Gäste der freundlichen Einladung, der Einweihungsfeier eines neuen Anbaus im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Isenburg beizuwohnen. Der Weg durch blumenreiche Garten, in prächtiger Sommerfülle prangend, lässt uns an die stattlichen Gebäude des Heims gelangen, denen nun ein neues, das sogenannte Isolierhaus, angegliedert ist. Freundlich grüßt schon von außen her der kräftig rötliche Anstrich, die grünen Fensterläden, die Blumen auf der geräumigen Terrasse. Im Innern sehen wir einige praktisch und hübsch eingerichtete Krankenzimmer, die zwecks leichterer Beaufsichtigung durch Glastüren verbunden sind. Hochliegende Fenster bieten Vorsorge gegen die Kletterkünste kleiner Gäste. Baderaum, Einrichtung für Höhensonne, Schwesternzimmer usw. vervollständigen diesen neuen Bau, der für Neuaufnahmen von Säuglingen, sowie als Isolierraum für Krankheitsverdächtige bestimmt ist.   
Die Feier fand auf der Terrasse statt, die den Eingang in das neue Haus bildet. Zunächst sangen die Schülerinnen des Heims zur Begrüßung unser bekanntes Schabbat-Lied: Schalom aleichem." 
Die Einweihung selbst nahm Herr Rabbiner Dr. Hoffmann vor, der zunächst einen Abschnitt aus der Mischnah 'Peah' vortrug und erläuterte. Er ging dann auf die Bedeutung von Zedaka (Gerechtigkeit), als sozialem Ausgleich ein, erklärte Wohltätigkeit nicht als Gabe an Geld und Gut, sondern als Hingabe persönlicher Leistung an Fürsorge, Güte und Liebe. Einige warme, von allen Anwesenden aufrichtig mitempfundene Worte des Dankes und der bewundernden Anerkennung waren der unermüdlichen, hochherzigen Führerin, Frl. Pappenheim, gewidmet.
Frl. Pappenheim erklärte alsdann, dass man zu dieser schlichten, internen Feier nur einen kleinen Kreis geladen habe. Man merkte ihr die innige Freude und berechtigte Genugtuung an, als sie darlegte, dass diese ganze, große Anlage, wie wir sie heute sehen, erst allmählich aus kleinen Anfängen in mehr als 20-jähriger hingebender, geduldiger, liebevoller, echter Frauenarbeit entstanden ist. An die Worte des Vorredners anschließend, betonte sie, dass Wohltätigkeit Menschlichkeit bedeute. 
Im Anschluss daran drückte die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, Frau Brenner aus Leipzig, die auf einer größeren Reise hier Aufenthalt genommen hatte, ihre Freunde an dem Wachstum, der Größe, der inneren Ausgestaltung dieser Musterschöpfung des Bundes aus. Sie rühmte das hier Geleistete als ein Vorbild für soziale Tätigkeit. Herr Bloch vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde brachte dann Glückwünsche namens der Gemeinde, sowie herzliche Dankesworte für die hier in solch vorbildlicher Weise geleistete soziale Arbeit zum Ausdruck. Ein Schlusschor der Zöglinge: 'Herr Deine Hilfe' schloss diese schlichte, aber sehr eindrucksvolle Feier.  
Die Gastlichkeit des Heims zeigte sich dann noch durch freundliche Bewirtung der Gäste mit Tee und Gebäck. Interessenten zeigte ein Gang durch die ganze Anstalt die praktische, einfache und doch freundliche Einrichtung der hellen, sonnendurchfluteten Räume, die durch Blumen und Bilderschmuck heimisch und traulich wirken."    

  
Aussprachetage zu Erziehungsfragen (1929)   

Isenburg Israelit 13121928.jpg (62833 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1928: "Neu-Isenburg.   
Der Vorstand des Heims des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main veranstaltet gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund am 1., 2. und 3. Januar 1929 in Frankfurt am Main eine 'Aussprache jüdischer Frauen über Erziehungsfragen'. Die Aussprache ist für solche Frauen gedacht, die durch Anstaltsarbeit, Arbeit in der Jugendfürsorge und -pflege oder als Mutter starkes und aktives Interesse für Erziehungsfragen haben. Die Teilnahme jüngerer Erziehungskräfte und Wohlfahrtspflegerinnen ist besonders erwünscht. Zur Behandlung kommen Fragen der Anstalts- und Familienerziehung. Wer an den Besprechungen teilzunehmen wünscht, wird gebeten, sich umgehend an die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes, Berlin Nord 24, Monijouplatz 10, zu wenden."    

  
70. Geburtstag von Berta Pappenheim (1929)  

Isenburg Israelit 28031929a.jpg (127170 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929: "Berta Pappenheim 70 Jahre alt. Eine Großmeisterin des jüdischen Wohltuns im Großen, wandelt Berta Pappenheim durch die Jahrzehnte. Sie ist einmal in Galizien, einmal in Russland, in Berlin und in Hamburg, am liebsten aber in ihrem Heim, d.h. in dem von ihr geschaffenen, heute in Deutschland einzig dastehenden Heime in Neu-Isenburg. Sie ist Führerin im Streite für das Recht der jüdischen Frau, aber sie weiß, besonders in den letzten Jahren, auch von der Pflicht der jüdischen Frau zu sprechen, der Pflicht, die ihr Recht begründet und verbürgt. Die jüdische  Wohlfahrtspflege ist in den letzten Jahrzehnten ist mit dem Namen Bertha Pappenheim eng verknüpft. Im Jüdischen Frauenbunde war sie viele Jahre führend. Es ist nicht zu verkennen, dass in den letzten Jahren im Herzen dieser geistig hochstehenden und von einem inneren Drang zum Helfen getriebenen Dame sich ein wesentlicher Umschwung nach rechts (gemeint: ins Konservative) vollzogen hat. Und diese Wandlung drückte ihr auch die Feder in die Hand, woraus gute jüdische Lektüre in altem Väter- und Müttergeiste entstanden sind. So die Übersetzung des 'Zreno Ureno', das 'Alte Maassebuch' und verschiedenes mehr.  
Wir wünschen der verdienten Jubilarin noch viele Jahre frohen und reichen Schaffens. (Alles Gute) bis 100 Jahre."   

      
Aufruf zur Unterstützung des Heimes des jüdischen Frauenbundes (1932)         

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1932:  
"Offizielle Mitteilungen des jüdischen Frauenbundes, Landesverband Württemberg. 
Isenburg in Not!
 
Das Heim des jüdischen Frauenbundes Neu-Isenburg ist heute ganz selbstverständlich als ein notwendiges Erziehungswerk in die jüdische soziale Fürsorge eingegliedert. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche haben Schutz und Förderung dort gefunden. Durch die Not der Zeit aber hat Isenburg keine Mittel mehr, sein Heim weiterzuführen. Soll das einzige jüdische deutsche Heim für die gefährdete deutsche Jugend eingehen müssen? Sollen wir unsere schutzbedürftigen Mädchen und Kinder ihrem Schicksal überlassen? Nein, das darf nicht sein! Wir müssen alle zusammenstehen, um hier zu helfen. Jeder gebe, was er vermag. Jeder helfe nach seinen Kräften. Auch die kleinste Gabe ist willkommen. Einzahlungen dafür erbitten wir auf auf Postscheckkonto Frau Kahn Stuttgart Nummer 130 02. Es geht unser Ruf an alle Mitglieder der uns angeschlossenen Vereine. Die in Württemberg gesammelte Summe wird mit Namensnennung der Spender dem Hilfsfonds für Isenburg zugeleitet werden. 
Jüdische Frauenbund Landesverband Württemberg.    
           

             
Theatervorstellung zugunsten des Heimes des Jüdischen Frauenbundes (1929)  
Anmerkung: nachfolgender Bericht ist eine Besprechung des Arnold Zweig'schen Schauspiels 'Die Umkehr'; enthält keine Informationen zum Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg. 

Neu Isenburg Israelit 03051929.jpg (169333 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1929: "'Umkehr'. Eine Nachtvorstellung zu Gunsten des Heimes des Jüdischen Frauenbundes. Neu-Isenburg.    
Das Neue Theater (sc. in Frankfurt) hat, wie schon so oft, eine Premiere der jüdischen Wohltätigkeit geopfert. Arnold Zweigs Schauspiel 'Die Umkehr' ging Montag als Nachtvorstellung zu Gunsten des Heimes des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg über die Bühne.  
Eugen Jensen und Alois Großmann füllten die zwei Hauptrollen gut aus, auch die Bühnenbilder von Julius Hahlo zeichneten deutliches Milieu. Und das Stück? Ein Gemisch von Martin Buber'schem und Arnold Zweig'schem Geiste. Martin Buber liefert - als intellektu8eller Urheber, versteht sich - den Baalschem, seine Legende, das mehrmalige Lachen, das heilige Schweigen und noch mehr von der Sorte chassidischer Romantik, wie sie Buber seit Jahr und Tag einer für Mystik erschlossenen Welt kündet: Arnold Zweig formte die Legende, goss sie in fünf Akten, deren jeder sich in eine Unzahl von kleinen Bildern gliedert. Wir erkennen Arnold Zweig von seiner 'Sendung Semaels' wieder, da das Oben und Unten miteinander ringen, in so raschen Szenen aufeinander stürmen, dass einem der Kopf dabei wirre wird. Auch hier ist es ein Kampf zwischen Oben und Unten, zwischen Rabbi und Fürst-Bischof. Oben siegt - und auch Unten. Der Bischof wächst in dem Momente empor, da er bei Zusammenbruch seiner fürstlichen und kirchlichen Macht ganz zu Boden liegt.   
Die Legende ist älter als Zweig, älter als Buber und älter sogar als der Baalschemtow. In alten Maase-Büchern wird sie nach Spanien verlegt, wo der blutrünstige Großinquisitor plötzlich mitten in seinem Wüten gegen Juden als Jude, als Renegat sich entpuppt und entlarvt wird. In jiddischen Theatern in New York und im Londoner Whitechapel wird das in einem sentimentalen Drama, ich glaube unter dem Titel 'Schema Jisroel' gezeigt, und es fließen dabei viele ehrliche Tränen, weil in diesen Kreisen Theater Leben ist. Hier als Produkt des Buber-Zweig'schen Betriebs für Edelgewinnung altchassidischer Stoffe lässt die ganze Geschichte eigentlich eiskalt. Jochanan-Johannes ist aus dem Wilnaer Ghetto als Kind geflüchtet, kommt in ein Kloster und bringt es später bis zum Fürst von Brixen in Südtirol, wo er, 
Neu Isenburg Israelit 03051929a.jpg (120749 Byte)Selbstherrscher in seinem kleinen Reiche, für all die Qualen seines Gewissens die Juden bluten lässt. Je zu Ostern muss ein Jude auf dem Scheiterhaufen rösten. (Man bedenke, um die Mitte des 18. Jahrhunderts!). Wieder läuten Osterglocken und die Juden weinen in ihren Bethäusern. Wer wird das Opfer sein, wenn es nicht allen an den Kragen gehen soll? Der Baalschemtow im weiten Podolien sieht aber und weiß nach Sabbatausgang alles, was in der jüdischen Welt vorgeht. Nachdem er sich von der Depression ein wenig erholt hatte, lässt er anspannen, fährt mit seinen drei Lieblingsschülern hinaus, liefert sich in die Hände der Häscher. Die Juden sind gerettet, aber auch ihm passiert nichts und er rettet die Seele des Renegaten mit. Der Fürst-Bischof wirft mit einem 'Schema Jisroel' alle kirchlichen Würden von sich, nachdem er in der Kirche eine zündende und geharnischte - übrigens gute - Predigt an die Gemeinde, einen Appell an die Gewissen gerichtet hatte und nachdem er eine Stunde stiller Zwiesprache mit dem Rabbi, dessen Gesicht er von den Träumen her wohl kennt, gehalten hatte. Hier müsste die Sache schließen, denn man weiß, nach dem dritten Akt kann nichts mehr kommen. Und dennoch muss man noch zwei Akte lang aushalten. Da ist noch ein Kardinal von Flandern, der mit schlechtem Spiel und undeutlicher Sprache, dann ein schattenhaftes Treubekenntnis von schwarzgekleideten Juden in der Kirche zu Liebe und Versöhnung und noch so mancherlei, was ganz ohne Not dem Publikum noch eine Stunde wohlverdienten Schlafes raubt. Allein: das Spiel war im Ganzen gut, der Zweck der Erstvorführung noch besser, und so wollen auch wir zufrieden sein."     

     
Über den Freitag-Abend (Erew Schabbat) im Heim des Jüdischen Frauenbundes (1932)  

Neu Isenburg Israelit 27101932.jpg (373547 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1932: "Ein Freitagabend im Heim des Jüdischen Frauenbundes Neu-Isenburg. In der Stille des grünen Waldrandes, die Luft durchflutet von dem herben Duft der Tannen, steht ein kleines Giebelhaus, mit weißen Gardinen, die freundlich aus den Fenstern entgegenwinken. Die Fenster sind offen und eine milde Abendsommerluft spielt im Laub der umfriedenden Birken.   
Ein niedriges weißgestrichenes Gittertor lädt ein zum Nähertreten; ich brauche nur die Klinke zu drücken, und schon bin ich im Garten, schon stehe ich an der Türe des Hauses.   
Eine Schar fröhlicher Kinder kommt mir aus der Tür, die sich unterdessen wie von selbst geöffnet hat, entgegen und bringt mich aus meinen Erinnerungen in die Gegenwart zurück. 'Da ist sie!' rufts durchs Haus. Ich bin erwartet und habe wohl etwas lange auf mich warten lassen.   
Ich bin eingetreten: die Kinder, alle festlich, mit strahlenden Gesichtern, in weißen Schürzchen und frischen Kleidern, jedes nach seiner Art, stehen längs des feiertagsmäßigen und doch so einfachen Tisches, der sich durch zwei Zimmer hindurch zieht, vom Glanz des letzten Abendschimmers, aus zwei gegenüberstehenden Fensterreihen erhellt.   
Es wird still, Hannah Karminski drückt liebevoll mütterlich die 'Kleinen' an sich; Bertha Pappenheim erhebt die Hände und sagt den Segensspruch über die Schabboslichter; dann ertönt aus 60 frohen Kinderkehlen zart und frisch das L'cho Daudi.  Der Schabbos ist eingezogen ins Isenburger Heim. Hinten im Garten, im anderen kleinen Haus, schlafen ruhig und zufrieden nach dem sonnigen Tag, die Säuglinge und die Krabbelkinder in ihren weißen Bettchen, in kleinen Zimmern zu dritt, zu viert...   
Draußen ist es dunkel geworden, ganz dunkel und ganz still; desto heller und eindrucksvoller leuchtet die große Schabbosstube in die Nacht und desto inniger und lauter tönt das 'Scholaum Alechem' hinaus in die bewegte Luft.   
Ich schaue mir die frohen Sänger an: kleine Mädchen mit Zöpfchen und Lockenhaar; kleine Buben mit putzigen schwarzen Käppchen auf dem brauen Kopf; schelmische Gesichter der Schuljugend und lustige, stolz auf die Pflegebefohlenen schauende Blicke der 'älteren', die mithelfen dürfen und draußen in die Lehre gehen.   
Andere Gäste sind unterdessen hinzugekommen: Dr. Käthe Mende (Archiv für Jugendwohlfahrt), Dr. Hildegard Böhme (Deutsches Rotes Kreuz) und Selma Jollowitz.   
'Jetzt zu Tisch!' Die Kinder lassen es sich nicht noch mal sagen, und nehmen jedes, fein sachte und behutsam ihren Platz am Tische. Oben erhebt sich Bertha Pappenheim weihevoll und einfach und spricht klar und deutlich, dass man es auch ganz unten hören kann, den Kiddusch und den Segensspruch über die Brote. Jedes Kind bekommt seine Mauzi und so ist der Bann gebrochen, das gedämpfte Geplauder kann wieder beginnen. Bis Frl. Karminski aus dem großen Kessel die dampfende Suppe ausgeteilt hat. Wie das schmeckt! Viele verlangen einen zweiten Teller. Ja, man hat hier guten Appetit und die rosigen Gesichter, die runden, drallen Bäckchen und die strammen Gestalten beweisen, dass es im Heim immer gut und reichlich zu essen gibt.    
Aber heute Abend! Ich staune über die riesigen Fischportionen, die mit beneidenswerter Selbstverständlichkeit bewältig werden und sehe, dass ach die Kleinen noch mal ihren Teller der unermüdlich austeilenden Hannah Karminski hinreichen, damit wieder Fisch und Kartoffel und Salat drauf gelegt werden. Und ich beobachte mit wachsender Bewunderung, wie nett und ungezwungen all die Großen und Kleinen da sitzen und froh, aber nicht gefräßig, frei aber nicht ausgelassen, bescheiden aber nicht geduckt sich unterhalten, ohne die Gespräche der Erwachsenen oben am Tisch zu stören. Manch fragender, neugieriger Blick ist dorthin gerichtet, aber Bertha Pappenheim flößt eine besondere Ehrfurcht ein, sodass sich alle bemühen, recht brav zu sein.   
Es sind keine 'Musterkinder'; einmal muss Frl. Pappenheim sanft mahnen: 'etwas leiser, liebe Kinder' und sofort gehorchen alle, während stumme Blicke die verehrte, geliebte 'Mutter' um Verzeihung bitten.   
Es hat noch gutes Kirchenkompott gegeben aus dem eigenen Garten; alle sind stolz darauf, denn ein jedes hat dabei geholfen: beim Pflücken, beim Belesen, beim Entfernen.    
Dann ertönen wieder die Stimmen: Schir Hamaaloaus. Eines der Kinder, das eben die Ehre hat, sagt schön und verständnisvoll das Tischgebet, von Anfang bis zu Ende, und alle folgen aufmerksam.   
'Wie in einer Familie' bemerke ich. 'Es ist ja eine Familie' bestätigen zugleich bestimmt und selbstverständlich die beiden 'Mütter': die ältere, würdevoll Milde und Ernst ausstrahlend; die junge, kraftvoll, frisch, blühend.   
Und zuletzt, vor dem zu Bette Gehen - heute, am Freitag Abend darf man etwas länger aufbleiben - noch ein Stündchen geistvoller 'Fidelitas'.   
Die eine Ausländerin, Frau van Tynn, ist schon seit Mittag hier zu Gast und hat den Kindern viel erzählt aus Holland und all den fremden, weit entfernten Ländern, die sie mit Mann und Kindern bereist hat.   
Nun kommt die Reihe an mich; ich soll von Rom erzählen, von dem großen neuen Tempel (sc. Synagoge), der anstelle des alten Ghetto sich in den 'blonden' Wässern des Tiber spiegelt; vom Titusbogen und der Trajanssäule; von den Kindern des jüdischen Waisenhauses, die am Schabbos im schwarzen Hemd und schwarzer Troddelmütze in die Synagoge gehen; von den sieben Hügeln und der alten Insel im Tiber, wo, gegenüber dem Hospital der Johanniter, das kleine jüdische Krankenhaus steht.   
Manchmal unterbricht mich Frl. Pappenheim, um Fragen an die Zuhörer zu stellen, die alle aufmerksam meinem Geplauder gefolgt sind, die aber doch gar zu gerne auch etwas eigenes dazu sagen möchten. Das hat Frl. Pappenheims mütterlicher Instinkt, ihre lange Erfahrung längst erraten; sie hat es auf den Gesichtern gelesen und darum meinem Eifer gesteuert.   
'Und nun zu Bett! Morgen bin ich ja auch noch da und kann weiter erzählen und Fragen beantworten.'   
Die Kinder verteilen sich in ihre Schlafzimmer, die in den oberen Stockwerken liegen und nach und nach wird es still und stiller im Isenburger Heim.   
Wir Gäste gehen mit Frl. Pappenheim sachte aus der Tür in die Sternennacht hinaus.  
Ich bleibe stehen und schaue das Haus noch einmal an, das mir in kurzen Stunden schon so lieb und vertraut geworden ist.   
Hier waltet Liebe, hier wacht jüdische Mütterlichkeit und behütet jüdische Kinder.  
Hier lässt sich's gut wachsen und gedeihen. Liebe Kinder: gute Nacht!   Fanny Dessau."     

    
Über das Heim des Jüdischen Frauenbundes (1935) 

Isenburg GblIsrGF Mai 1836 318.jpg (391045 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Mai 1936 S. 318: "Das Isenburger Heim im Jahre 1935.   Trotzdem wir in regelmäßigen Abständen der Öffentlichkeit über unsere Arbeit Rechenschaft geben, scheint es doch, dass sowohl die geographische Lage des Isenburger Heims wie die Mitarbeit einer Reihe Frankfurter Frauen uns die Pflicht gibt, auf die Arbeit des Heims im Jahre 1935 auch an dieser Stelle hinzuweisen.   
Bekanntlich ist das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg für das ganze deutsche Reich ein nach traditionellen Grundsätzen geführtes Erziehungsheim für Schulkinder, eine hauswirtschaftliche Ausbildungsstätte für Schulentlassene, Schutz für Schwangere und Müller, Pflegestelle für Säuglinge und Kleinkinder (eheliche und uneheliche). Das Heim vermeidet alles Anstaltsmässige und hat durchaus Familien-Charakter.   
Dass die Arbeit des Isenburger Heims stetig weitergehen konnte, kaum verändert gegen die vorhergehenden Jahre, ist allein schon eine erfreuliche Feststellung. Wir sind heute besonders dankbar, wenn unsere Institutionen eine ruhige Entwicklungslinie zeigen, namentlich solche, die Kindern und Jugendlichen Schutz, Erziehung und Ausbildung zu bieten haben.    
74 Zöglinge hat unser Isenburger Heim im letzten Jahre neu aufgenommen - zu den 69 Insassen am 1.1.1935 - 67 entlassen. Mit 76 Zöglingen ist das Jahr 1936 begonnen worden. In der Verteilung der Altersgruppen ist gegen das Vorjahr die Zahl der Schulkinder merklich gestiegen (30 gegen 25), die der Schwangeren und Mütter gesunken (13 gegen 23). Demzufolge ist auch die Säuglingsstation in den letzten Monaten etwas kleiner geworden. Die Gruppen der Kleinkinder und Schulentlassenen sind etwa gleich geblieben.   
Die Väter der Neugeborenen sind - zum erstenmal - in überwiegender Zahl jüdischer Konfession.   
An den Zahlen, die die Einweisungsgründe beleuchten, fällt zweierlei auf: das Ansteigen der Privateinweisungen (33 gegen 27) und der unter Fürsorge-Erziehung stehenden Zöglinge (14 gegen 9). 
Von privater Seite wird das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Isenburg besonders gern als Erholungsstätte für Klein- und Schulkinder benutzt. Garten und Wald, die Gleichmäßigkeit eines geregelten Lebens mit gesunder Ernährung und ausreichender Ruhe sowie das Fernhalten aller Störungen sind ideale Erholungs- und Erziehungsfaktoren. Für die größeren Kinder ist die jüdische Atmosphäre von nachhaltigem Eindruck.
Es gehört zu den bewährten Erziehungsgrundsätzen Isenburgs, diese Heilfaktoren, deren günstiger Einfluss bei physisch Schwachen erprobt ist, auch bei den psychisch 'Erholungsbedürftigen' einzusetzen, ohne eine ausgesprochene 'Heilpädagogik' anzuwenden. Auch die wesentliche Rolle, die man der Arbeit für den Heilungsprozess zumisst, unterscheidet das Erziehungsheim kaum noch von der modernen Heilstätte.   
Die Erfolge des Arztes und des Erziehers sind - um die Parallele noch weiter zu ziehen - vor allem von zwei Voraussetzungen abhängig: von der Heilbarkeit des Leidens überhaupt und vom richtigen Zeitpunkt der Einweisung des Pfleglings. Ja, von der letzten Voraussetzung hängt vielleicht für den Erzieher mehr noch ab als für den Arzt, da es auf seinem Gebiet eine Chirurgie, die den Kranken zuweilen noch im letzten Moment zu retten vermag, nicht gibt. Insofern müssen die vermehrten Fürsorge-Erziehungsfälle, muss die dauernde Verschlechterung des Zöglingsmaterials, das die Gruppe der Jugendlichen bildet, zu denken geben. Dass an sich bildungsfähige Mädchen oft zu spät eingewiesen oder auch zu schnell wieder abberufen werden, dass die Einweisungen dieser Altersgröße jetzt auch zahlenmäßig sehr zurückgegangen ist, ist in den letzten Monaten zum Teil durch die Auswirkungen des Hausgehilfinnengesetzes zu erklären.    
Bei der Fülle von Stellenangeboten finden auch an sich untaugliche Kräfte immer wieder - kurzfristige - Arbeitsmöglichkeiten, und sicher dauert es relativ lange, bis sie vom Arbeitsprozess ausgeschieden werden. Meist wird es dann zu spät oder doch zumindest sehr erschwert sein, die Mädchen wieder auf den rechten Weg zu bringen. Andererseits beeinträchtigt es die Erziehungsarbeit, wenn den Mädchen von den einweisenden Stellen von vorneherein Versprechen für eine baldige Abberufung gegeben werden. Zwar könnte Isenburg jedem Zögling, nach noch so kurzer Ausbildung, eine Stelle vermitteln - das Heim wird mit entsprechenden Anfragen überhäuft -; aber die Maßstäbe der Heimleitung an das Können und die innere Festigkeit der Mädchen durften auch durch die veränderte Arbeitsmarktlage nicht verschoben werden.   
Die Erziehungserfolge Isenburgs an einigermaßen bildungsfähigem Kindermaterial sind auch im letzten Jahr bestätigt worden.   
Dass den Kleinen die für ihre späte Entwicklung wichtige pflegerische Grundlage gegeben wird, beweisen die glückseligen Berichte von Eltern, die Isenburger Kinder adoptiert oder in Dauerpflege genommen haben. Die Schulkinder, die im Jahre 1934 ins Glasgower Waisenhaus kamen, entsprechen in jeder Hinsicht dem Niveau der anderen - normalen Kinder. Die Briefe, die Kleinere und Größere aus Palästina schreiben, bekennen oder lassen erkennen, dass Isenburg eine gute Lebensvorbereitung war: praktisch, menschlich und jüdisch. 
Und diese guten Erfolge konnten auch mit den Schülerinnen erzielt werden, die eine Ausbildung in Hauswirtschaft, Kinder- und Säuglingspflege empfinden und entweder in Deutschland oder in einem anderen Land das anwenden können, was sie in Isenburg lernten. Es sei in diesem Bericht auch erwähnt, dass gerade im letzten Jahr einige frühere Isenburger Zöglinge durch den Hechaluz zur Hachscharah, zum Teil auch bereits nach Palästina gekommen sind.   
Jedes Jahr brachte mit neuen Aufgaben seine neuen Sorgen. - Jetzt bangt man um die Fortführungsmöglichkeit der Krankenversicherung, die jedenfalls erhöhte finanzielle Opfer fordern wird. Der vom Jüdischen Frauenbund geschaffene Hilfsfonds, der sich für Eilaufnahmen, besondere Pflegemittel und ähnliche, einmalige Aufwendungen als unentbehrlich erwiesen hat, wird mehr denn ja in Anspruch genommen werden müssen.   
Wenn heute in jüdischen Schulen und Landerziehungsheimen durch Jugendaliyah und Lehrkurse aller Art unsere Jugend für ihr Schicksal ausgerüstet wird, so dürfen die Juden in Deutschland und die an ihrem Ergehen Beteiligten diese Zelle jüdischer Erziehungsarbeit nicht übersehen, in der versucht wird, aus 'Stiefkindern des Schicksals' brauchbare Glieder der jüdischen Gesellschaft zu bilden. Mit der unverwüstlichen Zuversicht, die in jedem jungen Leben eine Verpflichtung, in dem Kind eine Hoffnung sieht.   Hannah Karminski."        

  
Zum Tod von Bertha Pappenheim (1936)  

Isenburg Israelit 04061936.jpg (276041 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1936: "Bertha Pappenheim - sie ruhe in Frieden.   
Am zweiten Schwuaustag (2. Tag des Wochenfestes) wurde Bertha Pappenheim in 'ihrem Heime' in Isenburg durch einen sanften Tod von einer kurzen schweren Krankheit erlöst. Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes Berlin gibt das Ableben seiner Führerin mit folgenden Worten bekannt: 'In Bertha Pappenheim verliert die jüdische Frauenwelt die geistige Führerin, die ihr jahrzehntelang mit leidenschaftlicher Überzeugungskraft die Wege zu höchsten Zielen und zu schlichter Pflichterfüllung gewiesen hat.'  
Wir, in Frankfurt, die wir Gelegenheit hatten, die Lebensarbeit von Bertha Pappenheim aus nächster Nähe zu sehen und zu bewundern, wissen, dass es unangebracht wäre, diese große Frauenpersönlichkeit unter dem engen Horizonte ihres Frankfurter Arbeitsbereiches zu werten. So müssen wir uns denn eine eingehende Würdigung für eine der nächsten Nummern, wenn einmal alle Phasen ihrer umfassenden jüdischen Arbeit an den Tag gekommen sind, vorbehalten. Für heute seien nur einige Daten aus ihrem Leben und Gesamtwirken angegeben.  
Bertha Pappenheim wurde 1859 in Wien geboren, sodass sie nun im Alter von 77 Jahren von uns scheidet. Von Kindheit her mit großer Geistesbegabung grenzenloser Arbeitskraft und ungebrochenem, vor nichts zurückschreckendem Mut begnadet, dabei von glühender Liebe zu ihrem Volke beseelt, stand sie schon in verhältnismäßig jungen Jahren an der Führung der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland, obwohl sie für ihre Person nie führen, sondern nur arbeiten wollte. Aber sie riss mit ihrem unermüdlichen Arbeitseifer alle mit und blieb doch immer oben. 1904 gründete sie den Jüdischen Frauenbund, der bis zuletzt zu ihr als zu ihrer geistigen Führerin hinaufsah. Vorher schon war sie Leiterin des Jüdischen Frauenvereins in Frankfurt und der von ihr gegründeten Weiblichen Fürsorge. Sie trat nicht allein für das Recht der jüdischen Frau, sondern auch für das Recht des hilfs- und schutzlosen jüdischen Kindes mit dem ihr eigenen Eifer und Gerechtigkeitssinn ein, und so konnte aus ihrer Initiative vor 30 Jahren das heute allbekannte und anerkannte Heim in Isenburg entstehen, aus dem seitdem so viel unermesslicher Segen ausströmte, das in den letzten Jahren auch ihr eigenes Heim geworden war, dem ihre aufopfernde Liebe buchstäblich bis zum letzten Atemzuge gehörte.   
Was Bertha Pappenheim für die Jüdische Frauenbewegung in der Welt getan hat, kann nur in großen Zügen angedeutet werden. Wiederholt bereiste sie die Länder des Ostens, um dort die Lage der jüdischen Frau zu studieren und Abhilfe zu schaffen, wo solche nötig war, Waisenhäuser zu gründen und auch sonst aus dem reichen Schatz ihrer Erfahrung heraus, Wege aus der Not zu zeigen. Führend stand sie mitten im Kampf gegen den Mädchenhandel. Kaum war der Notschrei der Juden aus dem neuen Sowjetrussland zu uns gedrungen, als Bertha Pappenheim unter persönlichen Opfern und Schwierigkeiten ohnegleichen sich auch dahin begab, um materielle und geistige Not nach Möglichkeit zu lindern. Zuletzt noch - es war ihre letzte große Auslandsreise im Dienste der jüdischen Liebe - reiste sie nach Polen, um die Bes Jaakauw-Schulen zu besichtigen, denn es war kein Geheimnis, dass diese Frau, die nicht gerade aus religiösem Milieu kam, sich in den letzten Jahren immer mehr dem religiösen Gedanken und dem religiösen Leben näherte. Die toratreuen Schulen für die jüdischen Töchter in Polen zogen sie an, sodass sie, den damals schon bei ihr sich bemerkbar machenden körperlichen Leiden trotzdem, die weite Reise unternahm, das ganze Schulwesen des Bes Jaakauw ohne Voreingenommenheit prüfte und in Sitzungen und Beratungen in Krakau an der weiteren Ausgestaltung des Schulprogrammes kräftig mitarbeitete. Und es war ihr kurz vor ihrem Heimgang noch die Freude gegönnt, zu sehen, wie ihre vielfachen Anregungen durchgeführt wurden.   
Sie, die Übersetzerin des 'Zeeno ureeno-Buches' und anderer religiöser Lektüre, ging am Feste der Gesetzgebung von uns. - Zeeno ureeno' möchten wir ihr nachrufen. 'Geht hinaus und sehet ihr Töchter Zions!' Sehet, was ein menschlicher, ein jüdischer Wille alles vermag, wenn er in seiner Betätigung die Richtung zu Gott, zu seinem Volke und seiner Lehre sucht!..."
   
Isenburg Israelit 04061936a.jpg (105893 Byte)Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1936: 
"Der Jüdische Frauenbund betrauert den Heimgang seiner Schöpferin und verehrten langjährigen Vorsitzenden 
Bertha Pappenheim. 
Sie wurde am 2. Tage des Schewuausfestes durch einen sanften Tod von schwerem Leiden erlöst. 
In ihr verliert die jüdische Frauenwelt die geistige Führerin, die ihr jahrzehntelang mit leidenschaftlicher Überzeugungskraft die Wege zu höchsten Zielen und zu schlichter Pflichterfüllung gewiesen hat. 
In Dankbarkeit und Liebe werden wir versuchen, ihr Werk weiterzuführen. 
Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes. Ottilie Schönewald, Hannah Karminski, Dr. Cora Berliner."    
    
"Wir beklagen den unersetzlichen Verlust, den wir durch den am 28. Mai 1936 erfolgten Heimgang von 
Bertha Pappenheim,  
der Gründerin und ersten Vorsitzenden des Isenburger Heimes erlitten haben. Wir werden versuchen, unsere Dankbarkeit für sie durch freue Hingabe an ihr Werk zu bewesen. 
Der Vorstand und die Beamtinnen des Heims des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg. 
Frankfurt am Main - Neu-Isenburg, den 2 Juni 1936."
   
Isenburg Israelit 11061936.jpg (200998 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1936:  "Bertha Pappenheim - sie ruhe in Frieden. 
Frankfurt am Main, 7. Juni 1936. 
Über das Ableben von Bertha Pappenheim haben wir im lokalen Teile unseres Blattes in der vorigen Woche berichtet. Aus einer Würdigung von Cora Berliner, einer Mitarbeiterin Bertha Pappenheims, entnehmen wir zur Ergänzung folgende Stelle:  
Der Jüdische Frauenbund betrauert den Verlust seiner Schöpferin und langjährigen Führerin. Das ganze Judentum verliert eine Persönlichkeit von einzigartigem Gepräge. Aus begütertem, streng orthodoxem bürgerlichen Hause stammend, wuchs sie in Wien als 'höhere Tochter' auf. Aber schon 22-jährig übersiedelte sie nach Frankfurt am Main und trat in die jüdische soziale Arbeit ein. Dort und im benachbarten Neu-Isenburg schuf sie sich die Instrumente für ihr leidenschaftliches Bemühen um den Schutz von Kindern, Mädchen und Frauen. Zwölf Jahre war sie Hausmutter im jüdischen Mädchenwaisenhaus. Der Jüdische Mädchenklub, der Frauenverein 'Weibliche Fürsorge' und schließlich das Isenburger Heim für gefährdete Mädchen, Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder sind von ihr begründet, jahrelang geleitet und immer wieder von ihrer Kraft befruchtet worden. Aber ihr Wirken reichte weit über diesen Kreis hinaus. 1904 schuf sie den Jüdischen Frauenbund, um besonders die Frauen bürgerlicher Schichten zur sozialen Verantwortung und jüdisch-geistigen Mitarbeit zu gewinnen. Den jüdischen Massen des Ostens fühlte sie sich auf das tiefste verbunden. Studienreisen nach Galizien, Russland und Polen vertieften die Erkenntnis von der Notwendigkeit, die jüdischen Mädchen und Frauen dieser Länder durch eine ihren besonderen Aufgaben angepasste Erziehung für den modernen Lebenskampf auszurüsten, ohne sie der Kultur ihrer jüdischen Tradition zu entfremden. Bis in ihr letztes Lebensjahr reicht diese Arbeit. Noch im November vorigen Jahres war sie in Polen, um die Gründung einer sozialpädagogischen Ausbildungsstätte für jüdische Mädchen in die Wege zu leiten.
Bertha Pappenheim war eine unermüdliche Kämpferin für den Gedanken der sozialen Verantwortung, unerbittlich in ihren Forderungen gegen andere, aber auch gegen sich selbst. Von puritanischer Einfachheit und Strenge, unbedingt bis an die Grenze der Ungerechtigkeit. Aber diese Härte ist nur die eine Seite ihres Wesens. Den Säuglingen und Kleinkindern des Isenburger Heims begegnete sie mit Liebe und Zärtlichkeit; aufgeschlossen, freundlich und ganz ernst nahm sie die Sorgen und Nöte junger Menschen auf; unermüdlich war ihre Treue und Fürsorge für ihre Schutzbefohlenen und den engen Kreis ihrer wirklichen Mitarbeiterinnen. Zur Farbigkeit dieses Lebens gehört noch viel mehr! Voll Charme, Geist und Humor war diese Frau, in jungen Jahren nicht ohne Sinn für weibliche Eleganz, immer aufgeschlossen allem Schönen und kulturell Wertvollen. Briefe und Schriften zeugen von einer ganz seltenen Ausdruckskraft der Sprache. In sorgloseren Zeiten sammelte sie Spitzen und kostbare Gläser, bis zuletzt knüpften ihre nie ruhenden Hände die schönsten Ketten. Die Welt wird ärmer durch den Tod dieser Frau."       
    
Isenburg Israelit 18061936.jpg (83521 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1936: "Zum Andenken an Bertha Pappenheim - sie ruhe in Frieden. Zum ehrenden Andenken an Frl. Bertha Pappenheim seligen Andenkens veranstaltete der Mädchenklub am Sonntag, den 14. Juni, abends in seinen Räumen Haus Handwerkstraße 3, eine Trauerfeier. Im Mittelpunkt stand eine warme, tief empfundene Rede von Frau Irene Darmstädter: 'Wir hier im Mädchenklub haben sie wahrhaft als Mutter kennen gelernt. Wie viele Seelen hat sie zu Gott geführt und das heißt, nach dem Ausspruch unserer Weisen, hat sie geboren.' Frl. Bertha Pappenheim war die Gründerin des Mädchenklubs und hat über drei Jahrzehnte mit überlegenem Geiste und warmfühlendem Herzen die alten und jungen Mitglieder mit Rat und Tat, Hilfe und Trost gestützt. Auch Frau Eliadis, Fräulein Dr. Fuchs und andere Klubmitglieder rühmten das Verdienst der edlen, unvergesslichen Persönlichkeit. Frl. Babad las mit warmer Herzlichkeit 'Vi8sion' von Bertha Pappenheim. Umrahmt war die Feier von einem mit eindrucksvoller Beseelung vorgetragenen Violinkonzert von Fräulein Eldolt, und Frl. Margrit Oppenheimer, die gewandte Begleiterin, bewährte sich auch dieses Mal vortrefflich."   

  
Über das Heim des Jüdischen Frauenbundes (1937)  

Isenburg GblIsrGF April1937.jpg (301234 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom April 1937: "Ein Besuch im Isenburger Heim. Die Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes veranstaltete am Montag, den 15. Februar, eine Besichtigung des Heims des Jüdischen Frauenbundes in Isenburg. Die Vorsitzende des Heims, Frau Paula Nassauer, führte in ihrer Ansprache aus, dass die 'unsichtbare Arbeit' im Heim größer und bedeutungsvoller sei als die 'sichtbare'. Aus demselben Grunde können wir auch kaum von einer 'Besichtigung' sprechen. Das, was man sehen kann, tritt zurück gegen das, was man empfinden muss, wenn man den Geist des Hauses auf sich wirken lässt, wenn man die sittlichen Forderungen zu verstehen sucht, wenn man das Maß von Liebe und Fürsorge, die hier so selbstverständlich gespendet werden, abzuschätzen versteht. In diesem Erziehungswerk und bei seiner Durchführung sind Kämpfe ausgefochten worden; hartnäckige Kämpfe gegen alte Vorurteile, gegen manchen Unverstand. Heute steht dieses Haus da, wie es vor Jahrzehnten bezogen wurde, wie wir Alten es noch in Erinnerung haben. Nur äußerlich ist es mit der großen Zahl seiner Insassen - etwa 100 gewachsen. Man hat eingebaut und ausgebaut, man hat viel Gartenland erworben, man hat einer modernen Hygiene gern größere Opfer gebracht. Das Grundsätzliche blieb. Der Geist des Hauses hat sich nicht verändert; kein Zurückweichen vor Hindernissen, kein Zurückstecken der als richtig erkannten Ziele.  
Die einzelnen Häuser, aus denen sich dieses Heim zusammensetzt, sind nicht nach ihrer Bestimmung benannt. Unterschiede sollen nicht bestehen, deshalb werden die Häuser mit Nummern genannt. (Haus 1,2,3). Den Grundstein zu der Entwicklung, in der wir seit Jahrzehnten ein wichtiges Stück jüdischen Kulturstrebens erkennen, legte Haus 1. Hier spielt sich das Leben der gefährdeten Jugendlichen ab, die von selbst kommen oder für welche andere Organisationen Schutz und Hilfe suchen. In ruhigem, geordnetem Betrieb, verständnisvoll geleitet und zur Arbeit herangezogen, müssen sie sich in das Ganze einfügen. Aus erzieherischen Gründen hat man hier eine ganz besondere Schlichtheit beibehalten: das einfache Bett, die Emailwaschschüssel. Keine unnützen Stücke. Der wieder ins Leben hinaustretende, von einer nachgehenden Fürsorge betreute Schützling, wird dann draußen keinerlei Komfort entbehren. Im gleichen Hause sind auch die Schulkinder untergebracht. Auch sie sind schon zu kleinen Pflichtleistungen erzogen, besuchen die städtische Schule in Isenburg mit Erfolg und ohne Schwierigkeiten. Am Samstag und an den Feiertagen sind sie vom Unterricht befreit.  
Durch den Garten erreichen wir Haus 2, das eigentliche Mutterschutzheim. Es beherbergt die jungen Mütter mit ihren Kindern, außerdem eine größere Anzahl eingewiesener Säuglinge. Hier sind vielleicht die schwierigsten pflegerischen und erzieherischen Aufgaben zu lösen, in Bezug auf übertriebene Mutterliebe und ernste Mutterpflichten. Auffallend ist das gesunde und kräftige Aussehen der Kinder.
Und wieder führt der Weg durch den Garten nach Haus 4, in dem Kinder der verschiedenen Altersklassen untergebracht sind. Aus der Säuglingsabteilung entlassene Krabbelkinder, schwächliche Kinder, Kinder, die zur Entlastung ihrer Mütter eingewiesen wurden, und solche, die zur Beobachtung besonderer Eigentümlichkeiten Aufnahme fanden. Sie spielen. Auch sie sehen blühend und gepflegt aus. Durch die großen Fenster und Glastüren haben Sonne und Licht freien Zutritt; wo sie sich noch nicht genügend auswirken können, hilft die 'künstliche Höhensonne' gründlich nach. 
Müssen wir nicht jetzt die Erziehungsmittel begreifen lernen, von denen die Vorsitzende in ihrer Ansprache nur 3 erwähnte, um die weite Umrisslinie nicht zu verlassen? Sie sind: 1.) die Arbeit; 2.) das Kind; 3.) das Streben zur jüdisch-religiösen Durchleuchtung des Lebens.  
In der Nähe von Haus 4, im Garten, steht ein Brunnen. Ein humorvoller Gedanke der Gründerin des Heims schuf den Entwurf zu dem Kunstwerk 'der vertriebene Storch', der vom Bildhauer Kormis ausgeführt wurde. 
Es ist inzwischen trübe und dunkel geworden. Wir wollen und können uns aber von Isenburg nicht trennen, ohne die Wohnstätte von Bertha Pappenheim besucht zu haben, die jetzt nach ihrem Tode erholungsbedürftige Berufstätige aufnimmt. In idyllischer Ruhe und Abgeschlossenheit, umheben von allem, was höchste Kultur einem so feinfühlenden Menschen zu geben vermag, schied sie auch von ihrem Werk 'Isenburg'.  
Nicht nur ihren verdienstvollen Mitarbeiterinnen, sondern auch allen denkenden und mitfühlenden Menschen bleibt die schwere Aufgabe, dieses bedeutende soziale Werk weiterzuführen im Sinne des Gründungsgedankens: 
'Erziehung den Erziehungsbedürftigen, Schutz den Schutzbedürftigen'.  Martha Schlesinger."             

  
Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938   

Bericht von Helene Krämer, von Sommer 1936 bis zu ihrer Emigration 1941 Heimleiterin: "Die Barbaren kamen mit Pechfackeln, riefen 'Öffnet, wir bringen Euch Fleisch', drangen in das überfüllte Haus, schrieen 'Juden heraus!', warfen die kostbaren Daumiers in den Garten, und keine fünf Minuten war das Haus leer. Der Anführer der Horde, der Ingenieur Schmidt, der im Heim die Lichtleitung gelegt hatte, umringte mich, bis er die Heimkasse hatte, den armen Mädchen wurden ihre Päckchen abgenommen, mit Mühe und Not durfte ich den Schulkindern Mäntel holen. Wir standen alle, Säuglinge, die wir in Körbchen hinaustrugen, Kleinkinder, Jugendliche und Angestellte, über eine Stunde in der kalten Winternacht im Garten bei dem grausigen Anblick des Brandes des Hauses und dem Knistern der alten Bäume. Plötzlich erlag die elektrische Leitung, wir standen in finsterer Nacht, das Geschrei und Jammern der Kinder war so entsetzlich und herzzerreißend, dass sogar die Barbaren etwas Mitleid hatten und uns erlaubten, in ein Haus zu gehen... Frau Nassauer blieb die ganze Nacht bei mir, nachdem wir die ganze Belegschaft, ungefähr 100 Personen, in dem einen Haus unterbrachten. Einige Mädchen erlitten Herzanfälle, sodass wir gezwungen waren, einen christlichen Arzt zu rufen, der mit Kerzenlicht sich durch die Trümmer durcharbeiten musste. Die Feuerwehr kam erst sehr spät. Das Heim brannte und glimmte noch am nächsten Tag."  

   
   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge  
      

In Neu-Isenburg gab es keine Synagoge. Von den in der Stadt lebenden jüdischen Familien wurden die Gottesdienste in Sprendlingen besucht.
  
Im Heim des Jüdischen Frauenbundes gab es einen Betsaal. Dieser ist beim Novemberpogrom 1938 zusammen mit dem Heim zerstört worden. SA-Leute hatten am Abend des 10. November 1938 im Haupthaus und in einem Nebengebäude Feuer gelegt (vgl. Bericht oben von Helene Krämer).     
   
   
Fotos    
(Quelle: aus dem Beitrag von J. Walk in: S. Ellger-Rüttgard s. Lit. S. 53-57; Originalquelle: Jüdisches Museum Frankfurt)  

Das Heim des 
Jüdischen Frauenbundes
Neu-Isenburg Heim 010.jpg (89893 Byte) Neu-Isenburg Heim 011.jpg (83680 Byte)
   Das Heim des Jüdischen Frauenbundes 
in Neu-Isenburg (um 1930)
Innenraum im Heim des 
Jüdischen Frauenbundes (um 1930)
      
   Neu-Isenburg Heim 012.jpg (120163 Byte)   
   Spielende Kinder im Isenburger Heim   
        
Bertha Pappenheim 
(1859-1936)
Pappenheim Bertha 010.jpg (53012 Byte) Neu-Isenburg Heim 013.jpg (100722 Byte) 
      Bertha Pappenheimer als Heimmutter 
der Israelitischen Mädchenwaisenanstalt 
in Frankfurt 
(Theobaldstraße, zwischen 1895 und 1906)
         

      
      

        
Das Bertha-Pappenheim Haus in Neu-Isenburg     

Neu-Isenburg Heim 090.jpg (10613 Byte) links: Bertha Pappenheim Haus (nachfolgender Text aus der Website von Neu-Isenburg
Bertha Pappenheim wird 1859 in Wien als Tochter einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Sie erhält die übliche Erziehung einer 'höheren Tochter'. Als sie 21 Jahre alt ist, erkrankt der Vater. Bertha Pappenheim pflegt ihn, wird aber im Verlauf selbst krank: Halluzinationen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen - ein körperliches Leiden kann nicht nachgewiesen werden. Der Wiener Arzt Josef Breuer nimmt sie in Behandlung. Nach dem erfolgreichen Abschluß veröffentlicht Breuer gemeinsam mit seinem Assistenten Sigmund Freud 1895 die 'Studien über Hysterie'. Bertha Pappenheim geht als Patientin Anna O. in die Geschichte der Psychoanalyse ein. 
Bertha Pappenheim wuchs ab 1888 aus der lokalen sozialen Praxis der jüdischen Gemeinde und der Stadt Frankfurt empor zur Gründerin und Vorsitzenden des Jüdischen Frauenbundes (1904), der als Dachverband alle bestehenden jüdischen Frauenvereine in Deutschland in sich vereinte. Ende der 20er Jahre umfasste er 50.000 Mitglieder. 
Über Programm und Ziele der Frauenbewegung sowie über eine, die Religionsgesetze sinnvoll erfüllende Zedaka erzog Bertha Pappenheim über Frankfurt hinaus drei Generationen von Jüdinnen zurück zur jüdischen, kulturellen, weiblichen Identität, zu den Pflichten und Rechten, die den meisten abhanden gekommen waren im Kampf um bürgerliche Gleichstellung, in der Assimilation an christliche Umwelt als Folge jahrhundertealten politischen Drucks und Ausnahmegesetzgebung, als Folge von Pogromen und Antisemitismus und auch als Folge von patriarchalischer Herrschaft. 
Sie suchte zugleich diese Traditionen zu entschlacken, wie sie sie auch für die jüdischen Frauen wieder entdeckte und ihnen mit ihrer Übersetzung der Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln (1910), der Frauenbibel Zena u. Rena (1929) und den Maassegeschichten (1930) zurückgab, beliebte Hausbücher der Jüdinnen des Spätmittelalters über mehrere Jahrhunderte sowie durch die monatlich erscheinenden Blätter des Jüdischen Frauenbundes, mit ihrem programmatischen Konzept, das sie im ersten Heft 1924 entwickelte. 
Als Bertha Pappenheim am 28. Mai 1936 in Neu-Isenburg nach längerer Krankheit im Alter von 77 Jahren stirbt, ist es jüdischen Kreisen bewusst, dass mit ihr "eine der stärksten Persönlichkeiten des deutschen Judentums" (Leo Baeck) verschieden ist. "Ein großer jüdischer Mensch, dass mit ihr ein Leben erloschen ist, wie es das Judentum unter den tief veränderten Lebensbedingungen in Generationen nicht mehr hervorbringen wird" (Margarethe Susman).
Mit einer Ausstellung erinnert die Stadt in dem Haus heute an das Leben und Werk Bertha Pappenheims. Regelmäßig finden Vorträge zu Aspekten jüdischen Lebens und jüdischer Kultur statt, sowie Themenreihen über Nationalsozialismus, Erziehung, den christlich-jüdischen Dialog und Frauenrecht. Außerdem sind auf dem Areal einige Kindereinrichtungen untergebracht. 
  
Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim
Zeppelinstraße 10  63263 Neu-Isenburg   Telefon: 06102 - 800094 
Öffnungszeiten: Mittwoch 15.00 bis 18.00 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06102 - 241 724 oder 06102 - 241 703

     
     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
    

Januar 2009: Recherchen für die Verlegung der "Stolpersteine" abgeschlossen  
Artikel von Christina Schäfer in der "Offenbach-Post" vom 27. Januar 2009 (Artikel in op-online.de): 
"Erste Recherchen für die Verlegung im Februar abgeschlossen - 14 Stolpersteine gegen das Vergessen
Neu-Isenburg
- Viel Zeit hat die fünfköpfige Initiative, die sich mit der Umsetzung des Projekts "Stolpersteine" in Neu-Isenburg beschäftigt, investiert. Die Arbeit hat sich gelohnt: Statt der ursprünglich geplanten elf, werden am Mittwoch, 18. Februar, 14 Steine in der Hugenottenstadt verlegt. 
Die Steine - nach einer Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig - sollen an Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten vertrieben, verschleppt oder ermordet wurden. Dazu lässt der Künstler Steine mit den entsprechenden Namen der Opfer in den Fußweg vor dem jeweiligen Wohnhaus ein. Im Zuge der Vorbereitungen und Recherchen hatte sich die Neu-Isenburger Initiative in Absprache mit Gunter Demnig dazu entschieden, im Sinne der Familienzusammenführung auch zwei Steine für Personen zu verlegen, die vor den Nationalsozialisten geflohen sind. Dies teilte Christa Ziller von der Neu-Isenburger Initiative mit. Einer dieser beiden zusätzlichen Steine wird vor dem Haus in der Frankfurter Straße 45 an die Tochter der Witwe Jonas erinnern. Während ihre Mutter und Schwester dem Nazi-Regime zum Opfer fielen, floh sie über England in die USA und rettete so ihr Leben. Insgesamt lässt der Künstler drei Steine vor Ort ins Pflaster ein..."   
  
Februar 2009: "Stolperstein"-Verlegung im Februar 2009 in Neu-Isenburg   
Artikel in der "Offenbach-Post" vom 6. Februar 2009 (Artikel in op-online.de):       
Verlegung der Stolpersteine. 
Neu-Isenburg -
(hok) Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird am Mittwoch, 18. Februar, nach Neu-Isenburg kommen, um mit der Verlegung von Stolpersteinen an NS-Opfer zu erinnern.
Beginnen wird er um 8 Uhr vor dem Haus Frankfurter Straße 45. Im Anschluss setzt er weitere Steine vor der Frankfurter Straße 32, der Friedensallee 78, der Taunusstraße 32 und der Stoltzestraße 8. Zu einem späteren Zeitpunkt folgt die Verlegung der Stolperschwelle vor dem Heim des Jüdischen Frauenbundes." 
  
September 2011: "Stolperstein"-Verlegung im Oktober 2011 in Neu-Isenburg     
Pressemitteilung der Stadt Neu-Isenburg vom 17. September 2011 (Link über Seite Familien-blickpunkt.de): "Stolperstein-Initiative zum 24. Oktober. 
Neu-Isenburg. Am 24. Oktober ab 10:30 Uhr werden in Neu-Isenburg ein weiteres Mal Stolpersteine zum Gedenken an ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger Neu-Isenburgs verlegt, und zwar insgesamt 12 Steine. Sie erinnern an Menschen, die sich rechtzeitig durch Flucht ins Ausland vor Diskriminierung, Verhaftung und Deportation in Sicherheit bringen konnten. Nicht allen, die gezwungenermaßen Neu-Isenburg verlassen mussten, können Steine gesetzt werden. Viele Schicksale ließen sich nicht aufklären, und so hat sich die Stolperstein-Initiative für die entschieden, von denen sie Näheres in Erfahrung bringen konnte. Hierzu zählen insbesondere auch diejenigen, die nach 1945 Neu-Isenburg besucht haben, z.T. auf Einladung der Stadt anlässlich des Erscheinens der Dokumentation 'Neu-Isenburg zwischen Anpassung und Widerstand' (1978)..."     
 

    

    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Neu-Isenburg 
Seite zum Bertha-Pappenheim Haus in Neu-Isenburg 
Website www.gedenkbuch.neu-isenburg.de (Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg (1907-1942) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Neu-Isenburg 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Neu-Isenburg 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Neu-Isenburg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,633   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Neu-Isenburg:  Geburtsregister 1836 - 1875, Trauregister 1836 - 1851, Sterberegister 1836 - 1864, darin auch: Schreiben des Bürgermeisters an das Landgericht Offenbach wegen Führung der jüdischen Personenstandsregister, 1837 - 1840, 1857 - 1876  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v837013        

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 265-267 (innerhalb des Abschnittes zu Sprendlingen)
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 282.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 262-263.  
Sieglind Ellger-Rüttgardt (Hrsg.): Verloren und Un-Vergessen. Jüdische Heilpädagogik in Deutschland. Deutscher Studien Verlag. Weinheim 1996. Hierin vor allem der Beitrag von Joseph Walk: Jüdische Sondererziehung im Dritten Reich. S. 45-70.    
Zum 75. Todestag von Bertha Pappenheim am  28. Mai 2011:
Bertha Pappenheim: Gebete / Prayers. Herausgegeben von Elisa Klapheck und Lara Dämmig. Mit einem Nachwort von Margarete Susman (1936)
Zweisprachige Ausgabe (Deutsch und Englisch). 70 Seiten, Broschur, 2 Abbildungen, 4 Faksimiles. ISBN 978-3-933471-41-3, EUR 14,00
  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Neu-Isenburg Hesse.  Affiliated with neighboring Sprendlingen's community, the Jews numbered 40 (0,5 % of the total) in 1900. Bertha Pappenheim (1859-1936), a pioneer social worker, who founded Germany's League of Jewish Women, established a training school there for unmarried mothers and homeless (mainly illegitimate) girls in 1907. By 1933 it housed 150 trainees, but Pappenheim died after a Gestapo interrogation and on Kristallnacht (9-10 November 1938), the children's home was burned down. Only younger girls (evacuated to Britain) survived the Holocaust. Of the 64 local Jews in 1933-35, 34 emigrated before Worldwar II; the others dispersed throughout Germany, 15 of them dying in the Holocaust.   
    
     

                   
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Stand: 21. Mai 2016