Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sprendlingen (Stadt Dreieich, Kreis Offenbach) 
Jüdischer Friedhof     
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde               
    
Siehe Seite zur Synagoge in Sprendlingen  (interner Link)    
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes      
   
Die Toten der jüdischen Gemeinde Sprendlingen wurden zunächst in Offenbach beigesetzt. 1830/31 konnte ein eigener Friedhof in Sprendlingen eröffnet werden, der von 1872 bis 1875 auch von den Gemeinden beziehungsweise in Dreieichenhain, Götzenhain und Offenthal lebenden jüdischen Familien mitbenutzt wurde. Die Friedhofsfläche umfasst 10,38 ar. 
  
Insgesamt sind auf dem Friedhof etwa 180 bis 200 Personen beigesetzt. Es sind 100 Grabsteine, überwiegend aus rotem Sandstein vorhanden. Der älteste erhaltene Grabstein ist für Mindlar (Mina) Goldschmidt aus Sprendlingen (gest. 2. Nissan 5591 = 17. März 1831). Der jüngste erhaltene Grabstein ist für Sara Finkelstein geb. Kesselmann (gest. 26. März 1938). Danach wurden mindestens noch beigesetzt: Eva Hess (geb. 1894; gestorben im November 1938 [vor dem 15. November], Julius Bendheim (geb. 1892, gest. [erschlagen] 26. November 1938 im KZ Buchenwald, Urnengrab) und Emanuel Pappenheimer (geb. 1859, gest. 28. November 1938). Diesen drei genannten Personen wurden erst 2015 Grabplatten gelegt (siehe unten). 
    
Nach 1945 fand noch vereinzelte Beisetzungen auf dem Friedhof statt: 1986 die Beisetzung von Dr. Maria Weissberg geb. Lichtenpacht. 2010 die Beisetzung von Dr. János Paál (24.7.1916-25.3.2010); er war Psychiater und Psychologie und lebte in Dreieich-Buchschlag.
    
Am 18. September 1988 wurde auf dem Friedhof ein Mahnmal für 16 in der NS-Zeit ermordeten Sprendlinger Juden errichtet; dabei handelte es sich um die Personen, die 1942/43 "nach Osten" in den Tod deportiert wurden. Um 1988 wurde auch das Totenwaschhaus (Tahara-Haus) am Friedhofseingang renoviert.
  
Grabplatten für die letzten drei auf dem Friedhof beigesetzten Personen (2015)      

Sprendlingen Grabplatten 2016.JPG (314444 Byte)Von den "Freunden Sprendlingens, Verein für Heimatkunde e.V" wurde anlässlich einer Gedenkfeier im November 2014 angeregt, für die drei letzten auf dem Friedhof beigesetzten Personen, denen in der NS-Zeit kein Grabstein gesetzt werden konnte, noch Grabsteine anzufertigen (Presseartikel). 
Unter diesen drei Personen war Emanuel Pappenheimer: als er im November 1938 im Alter von 79 Jahren verstarb, verweigerte man seinen Angehörigen die Nutzung des gemeindeeigenen Leichenwagens. Schmiedemeister Dreieicher, der sich auch anderweitig für seine jüdischen Mitbürger einsetzte, stellte seinen zweirädrigen Karren zur Verfügung, um den Sarg zum jüdischen Friedhof transportieren zu können. Den Angehörigen war es nicht möglich, einen Grabstein aufstellen zu lassen. Ähnlich erging es Eva Hess. Sie starb im Alter von 79 Jahren ebenfalls im November 1938, auch ihr Grab blieb ohne Grabstein. Julius Bendheim wurde nach der Pogromnacht am 12.11.1938 verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht, wo er unter nicht bekannten Umständen zwei Wochen später zu Tode kam. Er war 44 Jahre alt. Die Urne mit seiner Asche wurde nach Sprendlingen geschickt und dort beerdigt. 
2015 konnten diese drei Gräber mit Grabplatten versehen werden. Die Sandsteine sind mit den Namen, dem Geburts- und Sterbejahr beschriftet. Auf Hebräisch steht darunter nach jüdischem Brauch "Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens". Insbesondere Arno Baumbusch, ein Ehrenmitglied der Freunde Sprendlingens, hatte sich dafür eingesetzt, dass die Gräber der drei Verstorbenen mit ihren Namen versehen werden. Finanziert wurde das Projekt über Spenden aus der Bevölkerung. Die neugesetzten Grabplatten wurden im Rahmen der Gedenkfeier zur Pogromnacht am 9. November 2015 der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht.  
Quelle: http://www.freunde-sprendlingens.de/dokumente/Grabplatten.html  
Foto oben mit Arno Baumbusch auf dem Friedhof: Wilhelm Ott.    

   
Mit einer Gedenkfeier am 9. November 2016 zum Novemberpogrom 1938 wurde von den "Freunden Sprendlingens" eine Informationstafel am jüdischen Friedhof eingeweiht. Sie erinnert mit Namen und Adressen an die jüdischen Einwohner, die 1935 noch in Sprendlingen lebten. Auf der Tafel sind die Wohnungen und Häuser der jüdischen Einwohner markiert. Dazu kommen historische Fotos wie eine Luftaufnahme von Sprendlingen aus den 1930er-Jahren.   
   
Informationstafel zur jüdischen Geschichte in Sprendlingen (2016)  

Sprendlingen Info-Tafel.jpg (105896 Byte) Links: Informationstafel am jüdischen Friedhof. Die Informationstafel als pdf-Datei
Vgl. auch Presseartikel unten.    

    
    
Lage des Friedhofes     
   
Der Friedhof ist unmittelbar verbunden mit dem allgemeinen  Friedhof Rathausstraße/Lacheweg 1.
   
Hinweis zum Schlüssel: Ein Schlüssel für den Friedhof kann bei der Feuerwehr (Am Tauben 23) oder bei der Polizeistation (Otto-Hahn-Straße 31-33) gegen Vorlage eines Ausweises abgeholt werden. 
    
    
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 3.8.2008)      

Sprendlingen Friedhof 199.jpg (124189 Byte) Sprendlingen Friedhof 198.jpg (69080 Byte) Sprendlingen Friedhof 170.jpg (65183 Byte)
Blick zum Friedhof mit 
dem Eingangstor  
Hinweistafel 
  
Hinweistafel: "Jüdischer Friedhof - 1830 
mit Totenwaschhaus von der jüdischen
 Gemeinde angelegt. Mahnmal für die
 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus
 1988 eingeweiht."  
       
     
     
Sprendlingen Friedhof 195.jpg (123585 Byte) Sprendlingen Friedhof 196.jpg (119566 Byte) Sprendlingen Friedhof 197.jpg (126948 Byte)
Totenwaschhaus (Taharahaus) 
beim Eingang  
Brunnen   Wasserkännchen 
am Brunnen  
 
     
Sprendlingen Friedhof 183.jpg (84886 Byte) Sprendlingen Friedhof 182.jpg (91751 Byte) Sprendlingen Friedhof 179.jpg (97785 Byte)
In die Mauer eingefügte Grabsteinplatte
 für die Frau von Isaak Löw Oppenheimer
 (datiert auf 1841)  
Doppelgrabsteine - 
Ehepaar Goldschmidt 
(Datierungen 1831/32)
Teilansicht des Friedhofes 
im älteren Teil 
    
     
Sprendlingen Friedhof 188.jpg (111980 Byte) Sprendlingen Friedhof 175.jpg (123775 Byte) Sprendlingen Friedhof 176.jpg (118297 Byte)
Grabstein vorne für Berta Cahn
 (1859-1931), rechts davon für 
Karoline Goldschmidt (1870-1932) 
  
Grabsteine vordere Reihe (von links) 
für Markus Marx (1864-1914), 
Michael Morgenstern (1859-1919) 
und Adolf Bendheim (1869-1920)  
Grabsteine für (links) 
Manasses Goldschmidt (1824-1910) 
und Josef Morgenstern (1872-1912) 
  
       
Sprendlingen Friedhof 172.jpg (119841 Byte) Sprendlingen Friedhof 187.jpg (119746 Byte) Sprendlingen Friedhof 185.jpg (117275 Byte)
Grabsteine vordere Reihe (von links) für:
 Babette Bendheim geb. Oppenheimer
 (1860-1934), Kathinka Morgenstern
 (1870-1935) und Rudolf Strauß (1881-1936)  
Grabstein für Hermann Strauss
 (1874-1928; Chaim Bar Ascher Strauss
Grabstein für Salomon Wolf ("geb. 
zu Neuwied am Rhein, geb. 9. März 1860.
 gest. 12. August 1921"; 
Schlomo Bar Jaakow Wolf
  
     
Sprendlingen Friedhof 173.jpg (106420 Byte) Sprendlingen Friedhof 186.jpg (118459 Byte) Sprendlingen Friedhof 174.jpg (83407 Byte)
Grabstein für Rudolf Strauß  
(1881-1936, Ruben Ben Jehuda
Grabstein für Jettchen Goldschmidt 
geb. Adler
(1840-1921) 
Grabstein für Bernhard Bendheim (1863-1933;
  Pinchas Ben Abraham HeLevi Bendheim
       
     
Sprendlingen Friedhof 191.jpg (115494 Byte) Sprendlingen Friedhof 192.jpg (120515 Byte) Sprendlingen Friedhof 189.jpg (121586 Byte)
Das 1988 eingeweihte Denkmal für die in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Personen aus Sprendlingen 
 
Sprendlingen Friedhof 190.jpg (88560 Byte) Sprendlingen Friedhof 193.jpg (77236 Byte) Sprendlingen Friedhof 171.jpg (88289 Byte)
        Grabstein für Dr. Maria Weissberg geb.
 Lichtenpacht
(1912-1986) und Gedenkinschrift
 für Dr. Roland Weissberg (1917-1966 Israel)  
         

   
   
Presseartikel zum jüdischen Friedhof in Sprendlingen  

Mai 2010: Schüler der Ricarda-Huch-Schule übernehmen die Patenschaft für den jüdischen Friedhof     
Artikel von Holger Klemm in der "Offenbach-Post" vom 22. Mai 2010 (Artikel): "Denkmal erhalten. 
Dreieich ‐
Er zählt zu den besonderen kulturellen Denkmälern in Sprendlingen und ist doch nicht so im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Doch das könnte sich bald ändern. Die Rede ist vom jüdischen Friedhof, der mit dem allgemeinen Friedhof in der Rathausstraße verbunden ist. 
Schüler der Ricarda-Huch-Schule werden für ihn eine Patenschaft übernehmen. Auftakt ist am Montag, 31. Mai, um 14.30 Uhr. Dazu wird auch Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, erwartet. 'Diese Patenschaft soll die Geschichte Sprendlingens und der Jüdischen Gemeinde den Schülerinnen und Schülern nahe bringen', berichtet Myriam Andres, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft 'Mitmach-Geschichte' an dem Sprendlinger Gymnasium.
Vor der offiziellen Übernahme der Patenschaft haben sich die Mitglieder der AG einen ersten Überblick über die Geschichte Dreieichs verschafft. Außerdem bekamen sie von Dagmar Kroemer einen Einblick in die Arbeit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises. Außerdem wollen sie sich mit der hebräischen Schrift beschäftigen.
Und noch etwas anderem soll die Patenschaft dienen: Ziel ist die Erhaltung des Jüdischen Friedhofs, speziell die Unterstützung des Friedhofszweckverbandes bei der Reinigung der Anlage und der Grabsteine. Bei oben genannten Termin wollen die Schülerinnen und Schüler damit beginnen, unter fachkundiger Anleitung einzelne Grabsteine von Moosflechten zu befreien. Das soll in den folgenden Schuljahren durch die AG 'Mitmach-Geschichte' fortgeführt werden. Myriam Andres möchte auch die Recherche und Aufarbeitung der Geschichte Dreieichs und der Jüdischen Gemeinde vertiefen.
Der Jüdische Friedhof entstand 1830/31 und ist damit der ältere der beiden vorhandenen in Dreieich. Auf ihm sind bis zu 200 Personen beigesetzt. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1831 und wurde für Mindlar (Mina) Goldschmidt aus Sprendlingen gesetzt, die am 2. Nissan 5591 (17. März 1831) gestorben war. Die letzten Beisetzungen fanden 1938 statt. Am 19. September 1988 wurde auf dem Friedhof ein Mahnmal für die ermordeten Juden gesetzt."  
   
Artikel in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 2. Juni 2010 (Artikel): "Geschichte erleben: Schüler pflegen jüdische Grabsteine. 
Dreieich.
Vorsichtig und behutsam bearbeiten Franziska und Leonore den Grabstein der Familie Bendheim. Mit einem Schwamm, einer weichen Bürste und einer Wasser-Spiritus-Lösung waschen die Mädchen gemeinsam den von Moos befallenen Naturstein ab und möchten so die deutsche und hebräische Inschrift des Steines besser lesbar machen. 
Auf dem jüdischen Friedhof in Sprendlingen war am Montagnachmittag reichlich viel Leben eingekehrt: 14 Schüler der Ricarda-Huch-Schule waren mit ihrer Geschichts-AG unter der Leitung von Lehrerin Myriam Andres auf den Friedhof zur Pflege der Steine gekommen. 
'Dies ist hessenweit das erste Projekt dieser Art', erklärte Dagmar Kroemer von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach. Sie hatte die Schule angeschrieben und gefragt, ob Interesse bei der Hilfe der Pflege des jüdischen Friedhofs bestehe. 
'Wir haben sofort ja gesagt', sagt Myriam Andres, 'denn hier können wir Geschichte wirklich erleben. Das ist eine besondere Erfahrung für die Schüler und auch für mich.' In der Vorbereitung haben die freiwilligen Schüler der Klassenstufen fünf bis sieben die Geschichte der Juden in Deutschland und besonders in Sprendlingen bearbeitet. Dabei habe auch das Buch 'Sprendlinger Juden' geholfen, das die Freunde Sprendlingens herausgegeben haben. 
Zu den Herausgebern gehörte Arno Baumbusch, der auch bei der Putzaktion mit dabei war. Er wusste den Schülern so einiges zu erzählen: '1900 haben noch 120 Juden in Sprendlingen gelebt, die meisten sind dann geflohen, nach Frankfurt, in die vermeintliche Anonymität. Die letzten hier verbliebenen Menschen jüdischen Glaubens, es waren noch 17, sind dann 1942 deportiert worden.' 
Der jüdische Friedhof in Sprendlingen hat seit der Gründung im Jahr 1831 bis 1938 insgesamt 200 Bestattungen erlebt, 100 Grabsteine stehen dort. Meist in gutem Zustand, wie sich Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen, freut. Ihm bedeutet es viel, dass die Dreieicher Gymnasiasten künftig eine Patenschaft für die Steine übernehmen."     
  
Februar 2011: Schüler übernehmen Patenschaft für den jüdischen Friedhof   
Artikel von Stephen Wolf aus rhein-main.bussiness-on.de vom 25. Februar 2011 (Artikel): 
"Schüler-Patenschaft. Schüler übernehmen Patenschaft für jüdischen Friedhof
Dreieich.
(dapd). Nur der kühle Wind streift an diesem grauen Nachmittag über die Gräber des jüdischen Friedhofs in Dreieich südlich von Frankfurt; ab und zu huscht ein Spaziergänger mit seinem Hund am Tor vorbei. Auf etliche Grabsteinen haben Besucher Steine hinterlegt, ein jüdischer Brauch. In einigen Wochen wird es auf dem Friedhof jedoch wieder umtriebiger zugehen. Dann nämlich werden Schüler des Ricarda-Huch-Gymnasiums die Grabsteine vom Moos befreien und Unkraut jäten. 
Die Schüler des Ricarda-Huch-Gymnasiums engagieren sich auch außerhalb des Unterrichts Es ist die erste Schule Hessens, die eine Patenschaft für einen jüdischen Friedhof übernommen hat. Da überall die teils jahrhundertealten Gräber zu verwittern drohen, hoffen die jüdischen Gemeinden, dass andere Schulklassen dem Beispiel folgen. Parallel zur Arbeit auf dem Friedhof lernen die Mädchen und Jungen aus den Klassen 5 bis 7 historische Fakten über das Leben und die spätere Vernichtung der jüdischen Gemeinde durch die Nazis in Dreieich. "Auch die Religionsgeschichte, die religiöse Rituale sowie einzelne Biografien werden in den Religions- und Ethikunterricht einfließen", sagt die Historikerin Myriam Andres. Bei dem Projekt im vergangenen Jahr habe sich schnell gezeigt, dass die Schüler ein starkes Interesse an der Heimatgeschichte Dreieichs, den Denkmälern und alten Gebäuden der Stadt, entwickelten.
Keine Ruhefristen für jüdische Gräber. Die Idee, Schüler in die Pflege der jüdischen Friedhöfe einzubinden, kam von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach - die mit der Aufsicht über die Friedhöfe betraut ist. Bei einer routinemäßigen Begehung des Friedhofes hatten die Mitarbeiter festgestellt, dass viele Grabsteine verwittert und mit Pflanzen zugewachsen waren. Das gleiche Bild bietet sich bei vielen der insgesamt etwa 350 jüdischen Friedhöfen in Hessen. Da es keine Ruhefristen für die Gräber gibt, muss der jüdische Friedhof selbst dann erhalten bleiben, wenn dort niemand mehr bestattet wird. Die Projektleiterin bezeichnet es als wichtigen Nebeneffekt des Unterrichts, dass die etwa 150 Gräber in Dreiech-Sprendlingen auf diese Weise besondere Pflege zukommt. Die Toten, die auf dem 180 Jahre alten Friedhof beerdigt sind, hätten schließlich im Ort keine Angehörigen mehr. Die meisten Verwandten der hier Begrabenen sind während der Nazi-Tyrannei umgekommen oder ins Ausland geflohen. Es gibt daher keine Angehörigen mehr, die sich ab und zu um die Blumen kümmern oder das Moos von den Grabsteinen entfernen.
51 Cent pro Quadratmeter. "Deswegen ist es sehr erfreulich, dass sich die Schüler so rührend um die Gräber kümmern", sagt Klaus Werner, der so etwas ist wie der Hüter der Jüdischen Friedhöfe in Hessen. Der 52 Jahre alte Historiker, der unter anderem Judaistik studiert hat, ist Beauftragter für die jüdischen Friedhöfe beim Verband Jüdischer Gemeinden in Hessen. Wie er sagt, sind die Beerdigungsstätten heute weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Dies rühre einerseits aus ihrer Lage häufig etwas außerhalb der Ortschaften, aber auch aus der Tatsache, dass in Folge des Naziregimes die jüdische Gemeinden stark dezimiert wurden und daher auf den meisten jüdischen Friedhöfen auch keine Toten mehr bestattet werden.
Zwar gibt es, sagt der Historiker, seit den 1950er Jahren eine Übereinkunft zwischen Bund, Ländern und Kommunen, wonach der Staat die Kosten für die Friedhofspflege übernimmt und Städte sowie Gemeinden sich um die Pflege kümmern. Doch die 51 Cent pro Quadratmeter, die sich Bund und Länder teilen, reichten kaum für mehr, als zerfallene Friedhofsmauern wieder aufzurichten und den Rasen zu mähen. Leistungen, die darüber hinausgingen, seien in Zeiten leerer Kassen eher eine Ausnahme, sagt Werner.
Von historischem Interesse- Insofern sei zu hoffen, dass das Beispiel des Ricarda-Huch-Gymnasiums auch anderen Schulen als Inspiration diene. Zumal die Beerdigungsstätten auch für Nichtjuden von hohem historischen Interesse seien. So sind in den Jahrhunderten unterschiedliche Grabsteinformen mit verschiedenartiger Ornamentik und Symbolik entstanden. "Der Einfluss der christlichen Umwelt auf die jüdische Friedhofsgestaltung nahm beispielsweise ab dem 19. Jahrhundert im Rahmen der jüdischen Assimilationsbewegung deutlich zu", sagt Werner.
Die Begräbnisanlagen glichen sich besonders bei den sogenannten Reformgemeinden vielfach den bürgerlich-christlichen Gegebenheiten in Form, Gestaltung und Material nach dem jeweilig vorherrschenden Zeitgeschmack an und waren häufig von diesen in ihrem äußeren Erscheinungsbild kaum noch zu unterscheiden. Zumal die hebräische Grabsteinbeschriftung zunehmend durch deutsche ergänzt oder aber vollständig ersetzt wurde. "All dies zu erhalten, ist eine große Aufgabe", sagt Klaus Werner."  
   
November 2016: Gedenkfeier zur Pogromnacht und neue Informationstafel am jüdischen Friedhof   
Artikel von Holger Klemm in der "Offenbacher Post" vom 10. November 2016: "Gedenkfeier zur Reichspogromnacht. Erinnerung an Opfer wachhalten. .
Sprendlingen - Ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen setzt eine Informationstafel der Freunde Sprendlingens am Jüdischen Friedhof. Erinnert wird an die Juden, die 1935 in Sprendlingen lebten, und an ihr Schicksal. 
Vorgestellt wurde die Tafel während der gestrigen Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am 9. November 1938. Eindringliche Worte findet Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt bei ihrer Rede vor zahlreichen Besuchern, unter ihnen Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung. Es gelte die Erinnerung an die damals Verfolgten und Ermordeten wachzuhalten und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen...". 
Link zum Artikel    

   
Video über "Juden in Sprendlingen- Mikwe, Synagoge und Jüdischer Friedhof" - eingestellt bei YouTube  

Über den Link: http://www.youtube.com/watch?v=ojYq3AV_XOo      

      
       

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Dreieich (auf dem von hier aus zugänglichen Stadtplan ist der Friedhof eingezeichnet; "Rathausstraße" eingeben)
Informationsseite zum allgemeinen Friedhof Sprendlingen: hier anklicken   
Zur Seite über die Synagoge in Sprendlingen (interner Link)  

Literatur:      

Arnsberg II,264-267.
Sprendlingen Lit 080.jpg (70327 Byte)Arno Baumbusch u.a. (Bearb.): Die Sprendlinger Juden. Sprendlingen 1983.  
In diesem Buch findet sich  S. 141-153 eine Dokumentation des jüdischen Friedhofes  
Das Buch ist online zugänglich: www.freunde-sprendlingens.de/sprendlinger-juden.html   

    
     

                   
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Stand: 03. Januar 2017