Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heusenstamm mit Obertshausen (Kreis Offenbach) und Bieber (Stadt Offenbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
Allgemeine Artikel zur jüdischen Geschichte Heusenstamms  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge  
Fotos  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Heusenstamm bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit  des 15./16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1588 ein Viehhändler namens Abraham von Heusenstamm genannt. 1650 findet sich in einem Dokument der Herren von Heusenstamm die (bislang nicht nachzuweisende) Feststellung, dass seit 200 Jahren, also seit etwa 1450 die Juden Heusenstamms im Besitz einer Synagoge, einer Schule und eines Friedhofes seien. 1658 mussten die jüdischen Familien eine Sonderabgabe für die Mauer des Schlosses Heusenstamm bezahlen. 
 
In Obertshausen lassen sich jüdische Bewohner gleichfalls seit dem 16. Jahrhundert nachweisen (1572), doch blieb ihre Zahl gering. Im 19. Jahrhundert wurden gezählt: 1830: 21, 1905 3, 1932 2 jüdische Einwohner. 
 
In Heusenstamm entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner im 19. Jahrhundert wie folgt: 1828 89 jüdische Einwohner (11 % von 818; es handelt - einschließlich der in Obertshausen lebenden Gemeindeglieder - um 16 jüdische Familien und fünf Witwen), 1849 gleichfalls 89, 1861 49 (4,5 % von 1.088), 1871 35, 1880 39 (2,6 % von 1.523), 1900 38 (1,7 % von 2.226), 1910 40 (1,4 % von 2.761). Bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist demnach die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde stark zurückgegangen. 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, vermutlich auch ein rituelles Bad sowie (bereits seit dem 17. Jahrhundert) ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungstext von 1872 unten).    
  
In besonderer Erinnerung ist unter den Lehrern Max (Moses) Eckmann, der 1910 sein 25-jähriges Jubiläum als Religionslehrer der Gemeinde (seit 1885) und 1922 sein 50-jähriges Amtsjubiläum feiern konnte. Unter den Vorstehern werden im 19. Jahrhundert vor allem genannt: Joseph Fürth, der über 40 Jahre lang erster Vorsteher war (vermutlich bis Anfang der 1880er-Jahre), danach Hirsch Rollmann (gestorben 1892).  
 
Im benachbarten Bieber (seit 1938 Stadtteil von Offenbach) wurden im 19. Jahrhundert noch keine jüdischen Einwohner genannt. 1929 waren es inzwischen vier, 1932/33 14 jüdische Einwohner, die zur Gemeinde in Heusenstamm gehörten. 
  
Um 1924, als noch 31 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (1,03 % der Gesamtbevölkerung von etwa 3.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde M. Gutenstein, J. Frankfurter und J. Strauß. Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte weiterhin Max (Moses) Eckmann. Er erteilte an der Religionsschule der Gemeinde drei Kindern den Unterricht (1932: 5 Kinder). Zur Gemeinde in Heusenstamm gehörten weiterhin die in Bieber und Obertshausen lebenden, zusammen 31 jüdischen Personen. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Offenbach. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde: Moritz Frankfurter (1. Vors.; er blieb Gemeindevorsteher bis 1938), Eugen Ehrmann (2. Vors.) und Hugo Rollmann (3. Vors.). 14 der Gemeindeglieder wohnten damals in Bieber, 2 in Obertshausen. Als jüdischer Verein wird genannt ein "Israelitischer Männer und Frauenverein zur Gegenseitigkeit" unter Leitung von Eugen Ehmann. Auch eine Gemeindebibliothek war vorhanden. Unter den jüdischen Erwerbstätigen gab es u.a.: Feintäschner (fünf Personen; Feintäschner beziehungsweise Portefeuiller stellen Lederwaren wie Brieftaschen, Aktenmappen usw. her), Schneider, Schlosser, Hilfsarbeiter und andere Handwerker. 
 
1933 lebten noch etwa 30 jüdische Personen in acht Familien in Heusenstamm. Bereits 1933 wurde Bernhard Frankfurter für zehn Monate in das KZ Osthofen gesperrt. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert: 1938 emigrierte Jakob Ackermann nach Australien, die meisten verzogen zunächst nach Frankfurt. Im Oktober 1938 lebten noch 13 jüdische Personen in Heusenstamm. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet (s.u.), der jüdische Friedhof schwer geschändet sowie die jüdischen Geschäfte und Wohnungen verwüstet. Emil Schönmann, Eugen Ehrmann, Isidor Gutenstein, Moritz Frankfurter, Simon Eckmann, Hugo Rollmann und Sally Reinhardt wurden festgenommen und am folgenden Tag in das KZ Dachau verschleppt. 1940 lebte nur noch die Familie Eckmann in Heusenstamm. 
  
Von den in Heusenstamm geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Max Alex Doiny (1875), Samuel Doiny (1877), Beatrice Mathilde Eckmann (1922), Johanna Eckmann geb. Frankfurter (1889), Moritz Eckmann (1888), Simon Eckmann (1889), Erwin Ehrmann (1926), Eugen Ehrmann (1895), Horst (Hersz) Ehrmann (1924), Johanna Ehrmann geb. Schönmann (1902), Bernhard Frankfurter (1897), Ida Frankfurter geb. Siegel (1891), Moritz Frankfurter (1885), Ruth Frankfurter (1928), Helene Grünewald geb. Schloss (1885), Isidor Gutenstein (1896), Klara Gutenstein (1888), Alexander Hahn (1871), Ludwig Hahn (1873), Lina Katz geb. Frankfurter (1895), Fanny Reinhardt geb. Kahn (1879), Siegfried Reinhardt (1906), Salomon Rohrheimer (1864), Julius Rollmann (1862), Samuel Hugo Rollmann (1900), Sara Rollmann (1865), Auguste (Gustel) Schönmann geb. Frankfurter (1883), Emil Schönmann (1875), Frieda Siegel geb. Schönmann (1909).     
Von den in Obertshausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Kathinka (Dinka) Bauer geb. Schönmann (1874), Recha Isenberg geb. Kamberg (1871), Adolf Löb (1865), Emil Schönmann (1875).    
Von den in Bieber geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Manfred Rosenbaum (1905), Siegmund Rosenbaum (1874).   
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Allgemeine Artikel zur jüdischen Geschichte Heusenstamms 
Über das Alter der jüdischen Gemeinde (Artikel von 1924)  

Heusenstamm Israelit 01051924.jpg (57134 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1924: "Bürgel bei Offenbach, 14. April (1924). Die Gemeinde Bürgel am Main wird im Laufe dieses Sommer noch auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken. Die Gemeinde wird diesen Tag festlich begehen. Im Kreise Offenbach befinden sich noch einige israelitische Gemeinde, die überhaupt schon lange bestehen. Die kleine Gemeinde in Heusenstamm wurde gleich nach dem 30jährigen Krieg gegründet, wie das Memorbuch ausweist. Eine alte Gemeinde ist auch Weiskirchen und ferner Dietzenbach. Auch in dem Rodgaugebiete befinden sich noch einige kleine Gemeinde, die sich zum Teil zum orthodoxen Standpunkte bekennen."

  
Allgemeiner Artikel von 1911  

Heusenstamm FrfIsrFambl 12051911.jpg (174571 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1911: "Die jüdische Gemeinde Heusenstamm. Unter den jüdischen Gemeinden des Kreises Offenbach ist wohl Heusenstamm, deren Existenz über 400 Jahre zurückgreift, eine der ältesten. Eng verknüpft mit der Zeitgeschichte der Gemeinde ist zugleich ihr Verhältnis mit den damaligen Herren von Heusenstamm (Husestam) Warem von Hagen und den später residierenden Grafen von Schönborn. Vor kurzem hat nun der Gräfl. von Schönbornsche Sekretär und Aktuar Roth ein Schriftlichen 'Zur kirchlichen Verfassung' herausgegeben, worin er auch mit einigen Federstrichen der jüdischen Gemeinde gedenkt. Die Juden fanden ums Jahr 1650 einen Annehmer an dem Herrn Cronstetten, einem toleranten und alten Frankfurter Patrizier. Gegen ihn beschwerte sich ein gewisser Kaplan Ephippiarius, dass er nicht allein 2 Lutheraner, sondern auch 15 Paar Juden in das Gericht aufgenommen, die fast stärker seien, als die katholische Gemeinde mit ihren Kindern. Innerhalb Jahresfrist habe er der erwähnten Judenschaft erlaubt, gleich nächst der Kirche und dem Pfarrhaus eine jüdische Schule zu erbauen. Gegen diese Schrift rechtfertigte sich Cronstetten glänzend und legte dar, was es hiermit für ein Bewandtnis hatte. Im Jahre 1829 waren noch 89 Juden am Platze, deren Zahl allmählich wieder zurückging. Der vom Grafen von Schönborn frei überwiesene Begräbnisplatz kann auf 250 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Er lag anfangs frei und bildete Jahrhunderte lang ein tohu wabohu, bis endlich anfangs 1850 freiwillige Geldsammlungen, wobei sich Baron W. von Rothschild, Mayer und Gustav Schwarzschild, Salomon Levy u.a. hervortaten, es dahin brachten, dass eine Mauer gebaut werden konnte, sodass der Friedhof etwa 1857 durch den Rabbiner Dr. Formstecher eingeweiht werden konnte. E."

 
Allgemeiner Artikel von 1937 (!)  

Heusenstamm GblIsrGF Juni 1937 21.jpg (132669 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juni 1937 (S. 21): "Heusenstamm. 3000 Einwohner. - Im 13. Jahrhundert Sitz des Geschlechts der Heusenstamm, seit dem 15. Jahrhundert den Herren von Schönborn gehörig, deren Amtmann noch heute das Schloss bewohnt. Die Herren von Schönborn, deren Sprossen als Bischöfe von Würzburg, Bamberg, Mainz usw. oft genug auf die Geschickte der Juden Einfluss nahmen, waren den Juden von Heusenstamm fast stets gewogen. Schon 1588 arbeitet Abraham zu Heusenstamm als Viehhändler mit beträchtlichem Kapitel. 1669 erhalten die Juden von Melchior Friedrich von Schönborn einen Friedhof geschenkt, der noch heute benutzt wird. Die erste Synagoge wird im Judenviertel von Heusenstamm - aber ein echtes Ghetto gab es dort kaum - 1829 durch den damaligen Predigtamtskandidaten und späteren Rabbiner Dr. Formstecker aus Offenbach eingeweiht, der 1881 auch die jetzige Synagoge an Stelle der alten weihte. - Die Gemeinde gehört zum Kreisrabbinat Offenbach, hat (mit Bieber und Obertshausen) acht Familien und hält an Feiertagen noch Gottesdienst. Die Kinder besuchen die jüdische Volksschule in Offenbach. Vorsteher: Herr Moritz Frankfurter. Die Synagoge zeigt über dem Toraschrein auf einer Doppeltafel in prächtiger Brandmalerei das Gebet für den Landesherrn hebräisch und deutsch, darüber das kunstvoll geschnitzte Wappen von Hessen-Darmstadt: das Ganze ein Geschenk des Großherzogs Ernst Ludwig zur Einweihung 1881. Ein Silbergehänge zum Toraschild ist von 1674. - Der Friedhof westlich der Bahn nach Offenbach, kaum 1 km nördlich des Bahnhofs mitten im Wald, 175 m lang, mit Steinmauer umgeben, dient auch den Juden von Dietzenbach, Hainhausen, Jügesheim, Obertshausen und Weißkirchen. 
Vom Friedhofausgang westwärts 'den Judenkirchhofsweg' zur Heusenstammerstrasse (nicht mit der von Frankfurt her kommenden zu verwechseln!), diese nordwärts zum Mühlenweg und zur Waldstraße, 1 1/2 Std. Waldwanderung. Nach einer weiteren Viertelstunde erreicht man den Hauptbahnhof Offenbach a.M."

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872   

Heusenstamm Israelit 08011872.jpg (30492 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1872: "Die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters, mit sehr wenigem Dienst verbunden, und einem jährlichen Gehalt von 300 Gulden nebst freier Wohnung und circa 100 Gulden Einkommen für Schächten etc. ist dahier offen und sogleich zu besetzen.
Heusenstamm bei Frankfurt, 28. Dezember 1872. Für den Vorstand: Joseph Fürth."

  
50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Max (Moses) Eckmann (1922, seit 1885 in Heusenstamm)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. Mai 1922: "Heusenstamm. Am 14. dieses Monats feierte Lehrer M. Eckmann sein 50-jähriges Amtsjubiläum. Aus gesundheitlichen Rücksichten musste der beliebte Beamte von allen Ehrungen absehen. 
Er hatte seine Ausbildung in der 1848 gegründeten Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover genossen, welche damals unter Leitung des Direktors und Professors Dr. S. Frensdorff stand. Nach abgelegter Prüfung 1872 übernahm er mehrere Stellen und trat die jetzige Stelle 1885 an."       

    
    
Aus dem Gemeindeleben
Ergebnisse der Vorsteherwahl der israelitischen Gemeinde (1891)  

Heusenstamm Israelit 03121891.jpg (37942 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1891: "Aus dem Kreis Offenbach. Bei der jüngsten Vorsteherwahl der israelitischen Gemeinde zu Heusenstamm wurden zu Vorstehern gewählt die Herren: Gutenstein, L. Schönemann und J. Frankfurter. Als Wahlkommissar fungierte der Großherzogliche Bürgermeister Winter. Vom Großherzoglichen Kreisamte Offenbach wurden dieselbe sodann am 10. dieses Monates bestätigt und verpflichtet."

     
     
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde
Zum 85jährigen Geburtstag des langjährigen Vorstehers Joseph Fürth 1892  

Heusenstamm Israelit 24031892.jpg (45364 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1892: "Aus dem Kreis Offenbach. Dieser Tage feierte der Kaufmann Herr J. Fürth zu Ysenburg in seltener Rüstigkeit sein 85 Wiegenfest. Herr Fürth ist als Israelit und Mitbürger in weiten Kreisen hochgeachtet und geehrt. Über 40 Jahre hat derselbe das Amt des 1. Vorstehers in Heusenstamm mit äußerster Gewissheit zum Wohle der ganzen Gemeinde geführt. Er war der Begründer des Chewra HaNaschim; seiner Initiative war es zu verdanken, dass daselbst eine neue Synagoge hergestellt wurde. Möge er den Abend seines Lebens wie bisher in ungestörter Ruhe im Kreise seiner Lieben verbringen. Bis hundert Jahre!"

  
Zum Tod des langjährigen Vorstehers Hirsch Rollmann 1892  

Heusenstamm Israelit 21041892.jpg (42990 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1892: "Vermischtes. Die israelitische Gemeinde zu Heusenstamm hat durch den am 6. Nissan erfolgten Hintritt des Herrn Hirsch Rollmann einen schmerzlichen Verlust erlitten. Derselbe bekleidete viele Jahre hindurch das Amt des ersten Vorstandes in der Gemeinde mit Gewissenhaftigkeit und Treue. Bei seiner Beerdigung, an der sich sehr viele Nichtjuden und der Großherzogliche Bürgermeister beteiligte, musste wegen des Chodesch Nissan von einer Trauerrede abgesehen werden."

 
Silberne Hochzeit von Is. Frankfurter und Bertha geb. Rohrheimer (1903)

Heusenstamm FrfIsrFambl 04121903.jpg (63924 Byte)Artikel im "Frankfurter Israeliten Familienblatt" vom 14. Dezember 1903: "Aus Hessen. Am 13. dieses Monats feiern die Eheleute Is. Frankfurter und Bertha geb. Rohrheimer das Fest der silbernen Hochzeit. Nicht nur bei der jüdischen, sondern auch bei der christlichen Einwohnerschaft Heusenstamms erfreut sich der Jubilar und die Jubilarin einer allgemeinen Beliebtheit. Schon seit vielen Jahren wird er von den Mitgliedern des Turnvereins in den Vorstand gewählt und wurde ihm das Kleinod des Vereins, die Fahne, anvertraut, die er auch bei den Turnfesten zu Hamburg und wiederholt in Nürnberg vorangetragen. Herr Frankfurter begleitet ferner auch das Amt eines 2. Vorstehers in der Gemeinde und verstand es, die Interessen der Gemeinde jederzeit aufs beste zu vertreten. Möge dem Jubelpaare einstens die goldene beschieden sein." 

  
Zum Tod von Sara Doiny geb. Feist (1903)   

Heusenstamm FrfIsrFambl 18121903.jpg (63202 Byte)Aus dem "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1903: "Aus der Provinz Starkenburg. Dieser Tage verstarb die älteste jüdische Frau in der israelitischen Gemeinde zu Heusenstamm, Frau Witwe Sara Doiny geborene Feist im hohen Alter von 75 Jahren. Es sei hierbei erwähnt, dass diese Frau in Mitzwah misassek b'mes groß war und ihres gleichen suchte. Reichtümer hinterließ sie nicht; sie hatte stets einen guten Humor und gab schlagfertige jüdische Antworten. Sie war auf die Mildtätigkeit edeldenkender Menschen und auf Unterstützungen der Wohltätigkeitskassen angewiesen und flossen ihr Gaben reichlich zu. Stets besorgt um den jom hamisoh, bestellte sie schon bei Lebseiten den Grabstein. - Von ihrer Schwiegermutter in Mannheim, einer hohen Neunzigerin, wird sie noch überlebt, gewiss eine Seltenheit." 

  
Zum Tod von Bertha Frankfurter geb. Rohrheimer (1918)

Heusenstamm FrfIsrFambl 08111918.jpg (28128 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. November 1918: "Heusenstamm. Bertha Frankfurter geb. Rohrheimer, Tochter des hoch geachteten Moritz Rohrheimer, seligen Andenkens und Nichte des unvergesslichen Lehrers Rohrheimer seligen Andenkens in Biblis, ein Biederweib im altjüdischen Sinne, ist verschieden."  

     
M. Gutenstein wird als Vorsteher der jüdischen Gemeinde wiedergewählt (1921)        

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Juni 1921: "Kreis Offenbach. Die Wiederwahl des bisherigen 1. Vorstehers der israelitischen Religionsgemeinde zu Heusenstamm, M. Gutenstein, auf weitere 3 Jahre erhielt die Bestätigung des Hessischen Kreisamtes."          

  
85. Geburtstag von Caroline Rollmann (1921)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1921: "Heusenstamm. Frau Caroline Rollmann beging ihren 85. Geburtstag. Sie ist die Tochter des 1849 verstorbenen hiesigen Rechners Isaak Levy und Witwe des hiesigen 1. Vorstehers S. H. Rollmann".         

  
Spende von Leo Frankfurter für die Gemeinde (1921)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1921: "Kreis Offenbach. Leo Frankfurter in Musoogee (Oglahoma; gemeint Muskogee in Oklahoma), ein Enkel des Predigers Frankfurter seligen Andenkens in Rendsburg, hat in treuer Anhänglichkeit an seine Heimat in Heusenstamm in Gemeinschaft von mehreren Gönnern und Freunden eine hochherzige Spende von mehreren tausend Mark der israelitischen Gemeinde überwiesen, sodass dieselbe in den Stand gesetzt ist, ihr Gotteshaus mit elektrischer Beleuchtung zu verzieren und den Wiederaufbau der verfallenen Friedhofsmauer herzustellen."        

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   

Heiratsanzeige von Sally Reinhardt und Fanny geb. Eckmann (1903)
   

Wachenbuchen FrfIsrFambl 11091903.jpg (21554 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1903: "Als Vermählte empfehlen sich: 
Sally Reinhardt - Fanny Reinhardt geb. Eckmann  Wachenbuchen - Heusenstamm."    

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge     
    
Bereits 1650 wurde mit der Erlaubnis des Schlossherrn eine Synagoge erbaut. Ob es noch dieselbe war, die 1829 renoviert und am 29. August 1829 durch den damaligen Offenbacher Oberrabbiner Gottlieb Metz (gestorben 1842) wieder eingeweiht worden war, ist nicht bekannt. Der Nachfolger auf der Stelle des Offenbacher Oberrabbinates wurde Dr. Salomon Formstecher (gest. 1889 in Offenbach). Er hat die 1880/81 erbaute neue Synagoge in Heusenstamm eingeweiht. 
 
Einweihung der neuen Synagoge (1881)      

Heusenstamm Israelit 05101881.jpg (209024 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1881: "Heusenstamm bei Offenbach, 13. September (1881). In unserer kleinen Gemeinde fand heute die Einweihung der neuen Synagoge statt.
An dieser Feier beteiligten sich fast sämtlich Einwohner des Ortes und würde das innige Zusammenleben aller Konfessionen selbst die besten Anhänger Stöckers außer Fassung gebracht haben. Im Bethause nahm neben dem Rabbinen Herrn Dr. Formstecher, der hochwürdige katholische Geistliche seinen Sitz, an dessen Seite der Oberamtmann, der Bürgermeister und die Gemeinderäte.
Nach Herr Durlacher aus Frankfurt den liturgischen Teil in ergreifender Weise vorgetragen hatte, bestieg Dr. Formstecher die Kanzel und beleuchtete in einer trefflichen Weise das Judentum, das keine politische Tendenz kenne und keinen Staat im Staate bilde, sondern einen Juden, wes Glauben er auch angehören möge, gestatte, den Gottesdienst im Tempel mitzufeiern. Der Redner schloss mit einem ergreifenden Gebet für das Wohl des Kaisers und des Großherzogs.
Nach der Feier begaben sich der Bürgermeister und der Gemeinderat in das Haus des Vorstehers Herrn Fürth, um dort an einem kleinen Imbiss teilzunehmen. Hier hatten wir Gelegenheit eine Rede zu hören, welche wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten können. Herr Gemeinderat Ohlig schilderte in beredten Worten das gute Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen des Ortes und hob speziell - im Hinblick auf die gegenwärtige verabscheuungswerte Bewegung der Antisemiten hervor, dass das Verhältnis der christlichen Bevölkerung den Juden gegenüber seit seiner Kindheit ein äußerst kordiales (= herzliches) gewesen sei. Die Beliebtheit und Achtung, die seine jüdischen Mitbürger mit Recht verdienen, bürgten für die ewige Dauer dieses Einvernehmens. Er schloss mit den Worten: 'Hier wird nicht gestöckert!'
Herr Salomon Levy aus Frankfurt hob hervor, dass die zivilisierte Residenzstadt von den Bewohnern eines unbedeutenden Dorfes die wahrhafte Menschenliebe erlernen könne.   
Herr Schwarzschild aus Frankfurt gedacht der dahingegangenen Lehrer Heusenstamms, die sich um die Erziehung vieler anwesenden Männer Verdienste erworben und hob die Verdienste des würdigen Vorstehers Herrn Fürth besonders hervor. 
Schließlich haben wir noch einer Widmung zu erwähnen, welche der anwesende Sohn des seligen Oberrabbiners Metz - das Gedenken an den Gerechten sei zum Segen - der israelitischen Gemeinde Heusenstamms zum ewigen Andenken überließ."
Es war dies die hübsch eingebundene Rede, welche der selige Oberrabbiner am 29. August 1829 bei damaliger Renovationsfeier der Synagoge hielt. - Dem Geber wurde der Dank der Gemeinde in herzlichen Ausdrücken zuteil. 
Um 7 Uhr trennte sich die fröhliche Gesellschaft, da ein großer Teil der Gäste von Frankfurt zur Beiwohnung dieser erhabenen Feier erschienen war, und die Rückkehr antreten musste."  

Die Synagoge wurde entsprechend der inzwischen klein gewordenen Gemeinde mit 34 Männer- und 12 Frauenplätzen eingerichtet. Es handelte sich um einen eingeschossigen Massivbau mit Satteldach.
 
Auf Grund der 1921 genannten Spende von Leo Frankfurter konnte vermutlich die elektrische Beleuchtung in der Synagoge eingeführt werden (s.o.).  

Ein böse Überraschung erlebte die Gemeinde in der Purimwoche 1924, als plötzlich die Decke der Synagoge einstürzte. Zur teilweise Beschaffung der für die Renovierung notwendigen Mittel wandte sich der Gemeindevorstand auch an die jüdische Öffentlichkeit: 

Heusenstamm Israelit 17041924s.jpg (80370 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Aufruf! In der Purimwoche ist leider die Decke unserer Synagoge eingestürzt. Der Schaden ist groß. Die Herstellung derselben sowie eines neuen Dachstuhles macht sich erforderlich. Es ist leider der kleinen, aus 8-9 Familien bestehenden israelitischen Gemeinde nicht möglich, die Kosten hierfür aufzubringen. Wohltätige israelitische Glaubensgenossen - helfet uns bald dieses schöne Werk zu vollenden. Die Expedition des Israelit sowie der unterzeichnete Vorstand sind gern bereit, Gaben hierfür in Empfang zu nehmen und hierüber zu quittieren.
Heusenstamm, (Hessen). Der Vorstand: J. Frankfurter."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge mit ihren teils sehr wertvollen Ritualien zerstört und das Gebäude beschädigt. Wenig später wurde es verkauft und zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut. An dem Gebäude erinnert durch den Umbau nichts mehr an die frühere Nutzung. 
    
    
Adresse/Standort der Synagogendie alte (1829 renoviert) und die neue Synagoge standen auf dem Grundstück Kirchstraße 20 (frühere Eckgasse)  
    
    
Fotos
(Quelle: Foto links bei Arnsberg. Bilder S. 91; Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2008) 

   Historische Aufnahmen sind noch nicht vorhanden; über Zusendungen freut sich der 
Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite.
        
Die ehemalige Synagoge
um 1970/1985 
Heusenstamm Synagoge 200.jpg (61791 Byte) Heusenstamm Synagoge 201.jpg (73015 Byte)
   Die ehemalige Synagoge (Vorderhaus) 
um 1970 
Die ehemalige Synagoge 1985; nach Altaras
 ist der Vorderteil des Gebäudes vermutlich
 später angebaut worden.
  
     
Die ehemalige Synagoge
im Sommer 2008 
Heusenstamm Synagoge 170.jpg (84924 Byte) Heusenstamm Synagoge 174.jpg (75069 Byte)
    Die ehemalige Synagoge  Die ehemalige Synagoge (Mitte); das
 Grundstück links - 1985 noch
 Gartengrundstück (siehe oben) -
 ist inzwischen bebaut
 
       
         Heusenstamm Synagoge 173.jpg (76879 Byte)

    
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Heusenstamm  
Seite zum jüdischen Friedhof in Heusenstamm (interner Link) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Heusenstamm 

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Heusenstamm mit Orten der Umgebung 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Heusenstamm sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,424   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Heusenstamm  1849 - 1876   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3055102      
   
Zu Hausen sind vorhanden:  
HHStAW 365,437  Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Hausen  1832 - 1873 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2146536      
    
Zu Obertshausen sind vorhanden:    
HHStAW 365,667   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Obertshausen: jüdisches Geburtsregister  1835 - 1875, jüdisches Trauregister  1835 - 1867, jüdisches Sterberegister 1835 - 1874  
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2753696      

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 365-367.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 91. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 173. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 276. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 169-170. 
Alfred Dittrich: Geschichte der jüdischen Kultusgemeinde in Heusenstamm. In: Heusenstammer Stadtpost Nr. 18.20.22.24.25.  1972. 
Sabine Richter-Rauch:  "Sie wohnten neben uns" - Die jüdischen Familien in Heusenstamm zwischen 1930 und 1945. Selbstverlag 2008. 116 Seiten. ISBN: 978-3-00-023025-7.    Bestellmöglichkeit im "Buchladen am Markt" Offenbach   

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Heusenstamm  Hesse. Established before 1650, the community numbered 89 (11 % of the total) in 1828-49. Jews from nearby Obertshausen also attended the synagogue, which was badly damaged on Kristallnacht (9-10 November 1938). Most of the remaining 26 Jews fled to other German towns and probably died in the Holocaust. 
   
     

                   
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Stand: 16. Mai 2016