Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Biblis mit Ortsteil Nordheim (Kreis Bergstraße)
und Hofheim (Stadt Lampertheim) (Kreis Bergstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Berichte zur Gemeinde und ihrer Schulen in den 1860er-Jahren    
Ausschreibungen der Lehrer-/Vorbeter-/Schochetstellen zwischen 1865 und 1925  
Berichte über Person von Wirksamkeit von Rabbi Salomon Bodenheimer   
Weitere Berichte aus der Geschichte der jüdischen Schulen   
Weitere Ereignisse aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu weiteren Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen    
Sonstiges     
Zur Geschichte der Synagoge  
Fotos  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Erzbistum Mainz gehörenden Biblis bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1668 werden im Jurisdiktionalbuch des Oberamtes Starkenburg die Juden Salomon und Hayum genannt, die ihre festgelegten Abgaben zu bezahlen hatten. Auch 1690 werden in den Amtsrechnungen (Memorbuch Lorsch) Juden am Ort genannt. Im jüdischen Friedhof in Alsbach erinnert der älteste dort erhaltene Stein aus Biblis (heute leider kaum noch lesbar) an "David Salomo, Sohn des Moses Jehuda, Sohn des Gemeindevorstehers Salman, aus Biblis; gestorben 27.10.1692".  1720 werden die Juden Löb, Itzig und Salomon mit ihren Familien genannt: Familie Itzig wohnte in der Bachgasse 10, Löb Salomon in der Darmstädter Straße 21. 1765 waren es zwei jüdische Familien (Löw Salomon, Aron Kalmann). 
   
Im benachbarten Nordheim lebten Juden vermutlich auch seit dem Ende des 17. Jahrhunderts. 1711 wird als jüdischer Einwohner Schlum genannt. 1756 wurde Jehuda (Löb), Sohn des Nathan aus Nordheim im jüdischen Friedhof Alsbach beigesetzt. 1775 wurde der Gemeindevorsteher Mordechai, Sohn des Naftali aus Nordheim beigesetzt. 1843 wurde 43 jüdische Einwohner in Nordheim gezählt (Höchstzahl jüdischer Einwohner am Ort), die meist den Familien Ottenberg, Laufer und Roß angehörten. In Nordheim gab es keine eigene Synagoge, die jüdischen Familien besuchten die Synagoge in Biblis. 1867 wurden 27 jüdische Einwohner gezählt.  Auch in Hofheim lebten wenige jüdische Personen: 1770 bis 1790 wird Leßer ben Josef am Ort genannt. 1861 lebten 27 jüdische Personen in Hofheim, unter anderem die Familie Nordheimer (Salomon Nordheimer): die Tochter Clara war später mit dem Kaufmann Adolf Trum in Gau-Odernheim verheiratet, die Tochter Amalie mit dem Kaufmann Max Bär in Mannheim.      
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Biblis wie folgt: 1806 41 jüdische Einwohner, 1828 75, 1861 182 (8,5 % von insgesamt 2.141), 1871 Höchstzahl von 198, 1880 187 (8,0 % von 2.335), 1900 114, 1910 85 (3,0 % von 2.840). Nach dem unten stehenden Bericht von 1860 wurde die Gemeinde als selbständige jüdische Gemeinde erst um 1845 gegründet.
   
Im 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Gemeinde. Sie war orthodox geprägt und wurde daher dem orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II zugeteilt. Die jüdischen Haushaltsvorstände verdienten ihren Lebensunterhalt zunächst vor allem als Vieh- und Warenhändler, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erweiterte sich das berufliche Spektrum (Kaufleute, weiterhin Viehhändler, zwei Metzger, ein Zahnarzt, zwei Mazzenbäckereien). Insgesamt handelte es sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts um überwiegend wohlhabende jüdische Familien.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, die ab 1855 in eine jüdische Elementarschule verwandelt wurde und ein rituelles Bad. Zu den unter Rabbiner Salomon Bodenheimer gegründeten Einrichtungen siehe nächster Abschnitt. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Alsbach beigesetzt. Bis 1855 war ein Religionslehrer angestellt (Jekuthiel Kunreuter), nach Gründung der Elementarschule zusätzlich ein Elementarlehrer (der erste war Dr. Sander; in den 1860er-Jahren war Jakob Weissbart Lehrer in Biblis; er war danach fast 40 Jahre Lehrer der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, gest. 1909). Ende des 19. Jahrhunderts besuchten die meisten Kinder der jüdischen Familie die allgemeine Volksschule. 1899 war die jüdische Elementarschule eine Privatschule. Sie wurde wenig später aufgelöst, sodass nur noch ein Religionslehrer und keine Elementarlehrer mehr für die Gemeinde gesucht wurde (siehe Ausschreibungen unten ab 1920). 
       
Die prägende Persönlichkeit für das Leben der jüdischen Gemeinde in Biblis war im 19. Jahrhundert Rabbi Salomon Bodenheimer (1813 in Biblis - 1886 in Biblis). Er war ein halbes Jahrhundert Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Biblis und lange Jahre eine weithin anerkannte rabbinische Autorität. Durch die Gründung mehrerer Einrichtungen machte er Biblis zu einem Zentrum orthodox-jüdischen Lebens für die weitere Region. Dazu gehörte vor allem eine Talmud-Tora-Schule sowie die Israelitische Bürgerschule (um 1860 gegründet). Darüber hinaus war Bodenheimer Mitgründer des Israelitischen Erziehungsinstitutes in Pfungstadt. Über die Verdienste Bodenheimers berichtet u.a. ein anlässlich seines Todes 1886 erschienener Artikel (siehe unten).
   
Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich das Ende der Blütezeit der jüdischen Gemeinde ab. Als im November 1897 nach 22 Jahren Lehrer Braunold Biblis verließ, um Lehrer an der Präparandenschule in Burgpreppach zu werden, hieß es in einem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" (vom 2. Dezember 1897, siehe unten):  "Die israelitische Gemeinde nimmt jedoch derart ab, dass sie zwei Lehrer nicht mehr besolden kann. Von vielen Seiten war man dem scheidenden Lehrer aufmerksam, der diese Aufmerksamkeit auch in Folge seiner Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit durchaus verdient hat". Anfang 1900 wurde auch die von Rabbiner Salomon Bodenheimer gegründete Israelitische Bürgerschule geschlossen. Die orthodoxen Kreise konnten diese Entscheidung der Behörden lange nicht akzeptieren.
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Beni Rohrheimer (Sohn des 1908 verstorbenen Lehrers Isak Rohrheimer; geb. 7.4.1884 in Biblis, gef. 24.9.1914) und Gerson Sommer (geb. 15.3.1873 in Crainfeld, gef. 30.7.1917). 
  
Um 1925, als noch 100 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (etwa 3,3 % von insgesamt etwa 3.000 Einwohnern), gehörten dem Synagogenvorstand an: Salomon Fränkel, Arthur Spieß und Emil Dreyfuß. An jüdischen Vereinen bestand ein Frauenverein und ein Brautausstattungsverein. 1932 ist als Vorsteher nur Arthur Spieß eingetragen. Als Lehrer, Kantor und Schochet wird Max Opoljon genannt (war seit 1931 in Biblis).    
    
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 15 Familien mit über 60 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 18. November 1938, eine Woche nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 (s.u. bei der Synagogengeschichte), verließ der letzte jüdische Einwohner den Ort. 
     
Von den in Biblis geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen
(Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Adler geb. Bodenheimer (1877), Bertha Berlinger geb. Braunold (1891), Friedrich Braunold (1888), Max Braunold (1886), Rosa Dahlerbruch geb. Rohrheimer (1874), Elisa Fränkel geb. Schulmann (1868), Leopold Fränkel (1867), Joseph Heymann (1858), Eugenie Hirsch geb. Steiermann (1880), Hermann Kanthal (1881), Jettchen Levi geb. Schönauer (1879), Irmgard Mayer (1921), Moritz Mayer (1870), Bertha Oppenheimer geb. Bodenheimer (1866), Minna Plaut geb. Bodenheimer (1860), Max Rohrheimer (1881), Selma Rosenberg geb. Fränkel (1890), Arthur Spies (1890), Eduard Spies (1894), Elisabeth Spies geb. Hirschler (1851), Elsa Spies (1889), Hermann Spies (1885), Rosalie Spies (1883), Simon Spies (1877), Albert Steiermann (1886), Rosa (Rosel) Steiermann geb. Kahn (1887 oder 1888), Sacky Steiermann (1882), Berta Stein (1889), Amanda Wolf geb. Fränkel (1896), Johanna Wolff geb. Schönauer (1874).  
   
Aus Nordheim sind umgekommen: Karl Laufer (1872, später wohnhaft in Darmstadt), Leopold Laufer (1865, später wohnhaft in Worms), Pauline Schiffer geb. Laufer (1870).   
 
Aus Hofheim ist umgekommen:  Amalie Bär geb. Nordheimer (geb. 1869 in Hofheim, später wohnhaft in Mannheim, umgekommen 1942).    
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Allgemeine Berichte zur Gemeinde und ihrer Schulen in den 1860er-Jahren  
Bericht von 1860  

Biblis Israelit 22081860.jpg (91006 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1860: "Biblis bei Worms, im August. Seit mehr als 15 Jahren hat sich in dem Dorfe Biblis, das wohl, da es circa 3.000 Einwohner zählt, manchem Städtchen an Bedeutung gleichkommt, eine jüdische Gemeinde gebildet. Diese hat sich durch steten Zuzug israelitischer Familien fortwährend vergrößert, sodass jetzt 30 meist wohlhabende jüdische Familien daselbst in seltener Eintracht wohnen. 
Vor fünf Jahren wurde die hiesige Religionsschule erweitert; dem Hauptlehrer derselben, dem würdigen Herrn Kunreuter, stand ein Hilfslehrer zur Seite. Allein das Bedürfnis erforderte eine jüdische Elementarschule; mit großer Bereitwilligkeit dotierte die Gemeinde die Elementarlehrerstelle mit 350 Talern jährlich, nebst freier Wohnung und Heizung. Unter Göttlichem Beistande ist es uns nun auch gelungen, in der Person des Herrn Dr. Sander einen tüchtigen Schulmann zu akquirieren, der die Leitung der Schule übernahm und den Unterricht in der deutschen und französischen Sprache, sowie in der hebräischen Grammatik erteilt, während Herr Kunreuter ihm in den anderen Unterrichtsfächern treulich zur Seite steht. 
Da solche Kräfte wirken, zweifeln wir nicht an dem Gedeihen und Aufblühen unserer Schule. Der Schulvorstand."  

    
Bericht von 1864  

Biblis Israelit 13011864a.jpg (97484 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1864: "Aus der Provinz Starkenburg (Großherzogtum Hessen). Motto: Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun. Goethe.
Wie segensreich bei richtigem Erfassen dieser goldenen Worte des großen Dichters jedes Streben sein muss, ist unbestrittene Tatsache. Unermesslich aber ist die Tragweite, wenn Lehrer der Jugend, die dem erwachenden Geiste Formen geben sollen - wenn diese Bildner der Zukunft, diese große Wahrheit in sich aufgenommen und sie zur Wirklichkeit werden lassen. - 
In dem Leitartikel einer der jüngsten Nummern dieses Blattes wurden diesem Thema von spezifisch jüdischem Standpunkte aus die überzeugendsten und kräftigsten Worte verliehen und die Wichtigkeit des Gegenstandes aufs Eindringlichste an die Herzen der Rabbinen, Lehrer und Gemeinden gelegt. Wenn nun gewiss dieser heiligen Sache nicht genug das Wort geredet werden kann und solche Mahnrufe der Begeisterung nie ohne Wirkung auf die Gemüter bleiben werden, so wird doch auch das lebendige Beispiel nicht weniger zur Nachahmung aneifern, zumal wenn von Erfolg schon die Rede sein kann. 
Ein solches Beispiel anerkennenswerter Opferfähigkeit und Hingabe für des Menschen höchsten Beruf: religiöse und geistige Bildung, glaube ich von der Unterrichtsanstalt der israelitischen Gemeinde zu
Biblis Israelit 13011864b.jpg (181837 Byte)Biblis geben zu sollen. Diese Gemeinde, die sich durch ihre Religiosität und Wohltätigkeit einen Namen zu verschaffen verstand, glaubte eben die Fortdauer und Fortbildung ihrer diesbezüglichen Gesinnung am Herde der Wissenschaft zu finden. Wohlüberzeugt, dass nur von dieser eine echt religiöse und soziale Bildung zu erzielen sei, übersah sie zugleich nicht, dass ... einer bloßen Religionsschule selbst mit großen Opfern nur selten eine erwünschte Forterhaltung gesichert sei. Ihr Streben ging nun dahin, eine Anstalt zu gründen, die sowohl den Ansprüchen der Zeit als auch unserer heiligen Religion in jeder Weise genüge. Sie scheute es daher auch nicht, für die Lehrerbesoldung über 1.000 Gulden zu dotieren, und glaubte in den Herren J. Kunreuter und J. Weißbart als ständigen Lehrern und Herrn Heyder als Fachlehrer diejenigen Kräfte zu besitzen, welche ihr zum Zwecke verhelfen werden. Durch die Bemühung ihres sehr würdigen und einflussreichen Vorstehers Herrn S. Bodenheimer I., der wie jeder anderen guten Sache, so ganz besonders der jüdischen Schule die eifrigste Unterstützung gewährt, gelang es ihr, die Genehmigung zur Errichtung eines Gemeinde-Instituts unter der Leitung des H. Weißbart, von Großherzoglicher Oberstudien-Direktion zu erhalten. Obschon nun die Aufgabe einer derartigen Schule, wo dem Geistigen so wenig als dem materiellen Abbruch geschehen darf, durchaus keine leichte ist, besonders im Verhältnis zu den gebotenen Lehrkräften, so zeigte doch schon das Resultat einer in diesem Herbste stattgefundenen öffentlichen Religions- und Elementarprüfung, welch schöne Erfolge das Unternehmen nach kurzer Zeit schon errungen hat. Nicht allein, dass die Kinder in allen jüdischen Lehrgegenständen überraschend Vieles zu leisten imstande waren, sodass man sichtlich überzeugt sein musste, wie ernst es den Lehrern um das Heil der Jugend die die Wahrung unserer heiligen Tora sei - der Unterrichtsplan umfasst ein reiches Material aus der jüdischen Literatur und dieses wurde dem Geiste der Jugend methodisch zum sicheren Bewusstein und zur Selbsttätigkeit beigebracht -, sondern auch in allen Elementar- und Realgegenständen ward verhältnismäßig ganz Vortreffliches geleistet, sodass sich die anwesende Geistlichkeit und andere Männer von Fach 
Biblis Israelit 13011864b2.jpg (69845 Byte)äußerst befriedigt und anerkennend darüber aussprachen. Kurz, das Ganze hat den besten Eindruck nicht verfehlt und von Neuem bewiesen, was ernster Wille und gutes Streben vermögen und dass auch Landgemeinden nach ihren Verhältnissen mehr für ihre Schulen tun können, wenn sie der Erziehung ihrer Kinder bedeutende Geldopfer und eine größere Aufmerksamkeit zu widmen bemüht sind.
In dieser Beziehung ließe sich namentlich in unserem Großherzogtum noch Vieles tun, wo die Religionsschulen in Folge der geringen Besoldung der Lehrer nicht immer das Nötigste zu leisten imstande sind und überhaupt nicht die ihnen gebührende Stellung einnehmen. Durch regere Teilnahme und Aufbietung der nötigen Mitten von Seiten der Eltern hingegen, ließe sich auch auf diesem Gebiete Größeres erzielen."

     
Kurzbericht von 1868    

Biblis Israelit 26051868.jpg (54604 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1868 innerhalb eines ausführlichen Berichtes über die Situation einiger jüdischer Gemeinde: "Ja, einige dieser Landgemeinden verdienen in dieser Beziehung ganz besonders rühmender Erwähnung. Da ist z.B. die Gemeinde Biblis mit ungefähr 25-30 Familien. Dieselbe hat eine Elementar- und Religionsschule, an welcher zwei Lehrer angestellt sind, die zusammen 15-1600 Gulden Gehalt beziehen. Außerdem wird noch die Witwe des daselbst verstorbenen, allgemein geachteten und geliebten Lehrer K. – er ruhe in Frieden – von der Gemeinde aufs Liebevollste unterstützt."   

    
    
Ausschreibungen der Lehrer-/Vorbeter-/Schochetstellen zwischen 1865 und 1925  

Biblis Israelit 21061865.jpg (56008 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1865: "In hiesiger israelitischer Gemeinde ist die Stelle eines Vorbeters, Schächters und Hilfslehrers sofort anderweitig zu besetzen. 
Reflektierende belieben ihre Anmeldungen unter Beischluss von Zeugnissen über praktische und theoretische Befähigung und ihren streng religiösen Lebenswandel alsbald an den Unterzeichneten einzusenden. Fixer Gehalt 350 Gulden jährlich nebst freier Wohnung und den mit obigen Funktionen verbundenen Emolumenten. Unverheiratete Bewerber erhalten den Vorzug. 
Biblis bei Worms, den 13. Juni 1865. Der israelitische Gemeinde-Vorstand."
   
Biblis Israelit 03101866.jpg (51659 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1866: "Vakante Lehrerstellen
In der israelitischen Gemeinde zu Biblis bei Worms sind folgende Lehrerstellen zu besetzen: 
1. Die eines geprüften Elementar- und Religionslehrers, oder eines solchen, der sich den betreffenden Prüfungen unterzieht. Hiermit ist die Stelle eines Chasan uSchochet (Vorbeter und Schächter) verbunden. Fixer Gehalt 600 Gulden; Nebeneinkünfte bedeutend. 
2. Die eines geprüften Elementar- und Religionslehrers oder eines solchen, der sich den betreffenden Prüfungen unterzieht. Fixer Gehalt 300-400 Gulden; Nebeneinkünfte ebenfalls nicht unbedeutend.
Reflektanten, die sich über Befähigung und streng religiösen Lebenswandel ausweisen können, wollen sich wenden an 
Salomon Bodenheimer I."
  
Biblis Israelit 26061867.jpg (73276 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1867: "Lehrer gesucht! In der israelitischen Gemeinde zu Biblis, Großherzogtum Hessen, soll neben den zwei dort bereits fungierenden Lehrern ein dritter angestellt werden, der den höheren hebräischen (talmudischen) Unterricht und denjenigen im Englischen und Französischen übernehmen soll. Gehalt 600 Gulden nebst freier Wohnung; im Falle die betreffende Persönlichkeit den an sie gestellten Anforderungen entspricht, wird gern ein höherer Gehalt gezahlt. Strengreligiöse, befähigte, unverheiratete Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten werden. 
Salomon Bodenheimer I.
"
  
Biblis Israelit 11111868.jpg (38935 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1868: "Für die israelitische Schule zu Biblis, Großherzogtum Hessen, wird ein dritter Lehrer gesucht; wünschenswert wäre es, wenn derselbe zugleich die Schechitah übernehmen könne. Gehalt 350 Gulden; Einkünfte für die Schechitah 120 Gulden. Befähigte Bewerber wollen Meldungen und Zeugnisse an Salomon Bodenheimer I. richten." 
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1869: "In der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Chasan (Kantors) und Lehrers, der den Unterricht in der Mittelklasse der hiesigen Gemeindeschule übernehmen könnte, sofort zu besetzen. Gehalt 600 Gulden. Nicht unbedeutende Nebeneinkommen. 
Bewerber wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden. 
Biblis bei Worms, im Ellul 5629. Dr. Z. Wolff."         
Anmerkung: Unterzeichnet hat Dr. Zacharias Wolff, vgl. unten.   
 
Biblis Israelit 02111899.jpg (74200 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1899: "Wir suchen per 1. Januar 1900, eventuell auch später, für unsere hiesige jüdische Privatschule einen Elementarlehrer (ledig bevorzugt), der streng fromm und das nötige Staatsexamen gemacht hat. Derselbe hat die Schechitah (Schächterdienst) an hiesigem Platze zu übernehmen, die ein Einkommen von ca. 400 Mark bringt und sich der diesbezüglichen Prüfung bei Herrn Provinzialrabbiner Dr. Marx in Darmstadt zu unterstellen, der sehr gerne bereit ist, Auskunft zu erteilen. Gehaltsansprüche und Zeugnisse sind an den unterzeichneten Vorstand einzusenden. 
Biblis, Hessen. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde."
   
Biblis Israelit 09101899.jpg (63331 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1899: "Wir suchen per 1. Januar 1900 für unsere hiesige jüdische Privatschule einen 
Lehrer
 
(ledig bevorzugt), der orthodox und das nötige Staatsexamen gemacht hat. Derselbe soll Englisch, Französisch und Gesang dabei unterrichten und die Schechita (Schächterdienst) an hiesigem Platz übernehmen, die ein Einkommen von 300-400 Mark bringt. 
Gehaltsanspruche und Zeugnisse sind an den unterzeichneten I. Vorsteher einzusenden. 
Biblis, Hessen im Oktober. 
S. L. Fränkel, Vorsteher."
     
Biblis Israelit 16111899.jpg (55532 Byte)Ergänzend zur Ausschreibung 1899 informierten einige Gemeindeglieder in der Ausgabe der Zeitschrift "Der Israelit" am 16. November 1899: "Israelitische Schulstelle in Biblis. Auf das Ausschreiben obiger Schulstelle, diene den Interessenten zur Nachricht, dass die ganze Schule nur acht Schüler zählt, wovon vier dem I. Vorsteher gehören; zwei sind Ostern nicht mehr schulpflichtig; zwölf andere der nur achtzehn Mitglieder zählenden Gemeinde, besuchen jetzt und auch später die hiesige Volksschule. Diese eigentümlichen Verhältnisse haben deshalb den bisherigen Lehrer Leyenz, der nähere Auskunft erteilen kann, veranlasst, mit dem 1. Januar 1900 sein Amt niederzulegen; dies zur Aufklärung. Mehrere Gemeinde-Mitglieder."
 
Biblis Israelit 15041908a.jpg (54176 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1908: "Die hiesige Stelle als Religionslehrer und Kantor mit einem Fixum von 1.000 Mark und Nebeneinkommen mit Schechita ca. 700 Mark ist alsbald zu besetzen. Bewerber belieben sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten zu wenden. 
Salomon Lazarus Fränkel, Biblis. I. Vorsteher."
Biblis Israelit 22071920.jpg (45094 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1920: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters ist in unserer Gemeinde alsbald zu besetzen. Freie Wohnung steht zur Verfügung. Bewerber wollen Offerten mit Gehaltsansprüchen einsenden an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Biblis Fränkel. Herr Dr. Marx, Landesrabbinat II, Darmstadt erteilt Auskunft."
    
Biblis Israelit 23021922.jpg (50089 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1922: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets, der dabei auch den Rechnerdienst versehen muss, demnächst zu besetzen. Das Gesamteinkommen beträgt bei freier Wohnung mindestens 14.000 Mark per anno. Bewerbungen mit Zeugnissen sind an den unterzeichneten Vorstand der israelitischen Gemeinde zu richten. S.L. Fränkel, Biblis."
 
Biblis Israelit 06031924.jpg (48267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1924: "Wir suchen zum möglichst sofortigen Antritt, gegen zeitgemäßes Gehalt, einen Religionslehrer, Vorbeter, Baltokeah und Schochet, der auch gegen besondere Vergütung die Gemeinderechnung führen soll. Dienstwohnung vorhanden. Bewerbungen mit Zeugnisabschriften bitten zu richten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Biblis (Hessen)."   
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" ( Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 6. März 1924
Text wie in der Zeitschrift "Der Israelit" (siehe oben)    
 
  
Biblis Israelit 09071925.jpg (41880 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1925: "Wir suchen zum baldigen Antritt einen tüchtigen Lehrer, Kantor und Schochet. Wohnung vorhanden. Gehaltsregelung nach Klasse 7. Ausführliche Angebote mit Zeugnissen und Referenzen erbeten an den Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Biblis (Hessen)."

    
    
Berichte über Person und Wirksamkeit von Rabbi Salomon Bodenheimer 
Bericht anlässlich des Todes seiner Frau Jettchen (1886) 
Als 1886 Bodenheimers Frau Jettchen starb, erschien in der orthodox geprägten Zeitschrift "Der Israelit" (Ausgabe vom 11.2.1886) folgender Artikel, in dem auch die jüdische Gemeinde in Biblis charakterisiert wird.

Biblis Israelit 11021886.JPG (77925 Byte)Biblis, 7. Februar (1886). Die israelitische Gemeinde zu Biblis erfreut sich weit und breit eines sehr guten Rufes durch ihre Frömmigkeit und ihre musterhaften Gemeindeinstitutionen. Vor allem ist es die Familie Bodenheimer und an ihrer Spitze wiederum Rabbi Salomon Bodenheimer I., durch die unser kleiner Ort eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Der Letztgenannte hat in den jüngsten Wochen eine schwere Prüfung erfahren. Seine langjährige Gefährtin und Gehilfin, sein edles Weib, die Krone seines Hauptes, ist von ihm hinweggenommen worden. Frau Jettchen Bodenheimer war eine Eschet Chajal ("tüchtige Frau") im wahrsten Sinne des Wortes, eine Mutter der Armen, eine Helferin der Bedrängten, eine Freundin aller Notleidenden. An all dem vielen Guten, das Herr Salomon Bodenheimer zu wirken und zu schaffen sich bemüht, nahm sie stets den regesten Anteil und suchte auch stets ihrerseits mit großer Hingebung Werke der Liebe und Barmherzigkeit zu vollbringen. Möge der allgütige Gott dem vereinsamten Gatten Trost spenden! Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens!.

  
Bericht zum Tod von Rabbiner Salomon Bodenheimer (1886)
  

Biblis Israelit 01031886.jpg (87699 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1886: Rabbi Salomon Bodenheimer n"a (sc. "seine Ruhe sei Wonne" = Eden). Mainz, 24. Februar (1886). Wir kommen soeben von Biblis zurück, wohin wir geeilt waren, um dem verstorbenen teuren Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Von allen Seiten, aus der Nähe und aus der Ferne, waren die Freunde und Verehrer des Verewigten herbeigeeilt, von Frankfurt a.M., Mainz, Darmstadt, Worms, Mannheim, Wiesbaden, Stuttgart, Colmar etc. etc. An der Bahre sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt, ein naher Verwandter des Heimgegangenen. In fast einstündiger Rede entwickelte er ein herrliches Lebensbild des edlen Toten, schildernd, wie derselbe für die Tora begeistert gewesen, wie er die Abodah (sc. Gottesdienst) betätigt, wie er Gemiluth Chassadim (sc. Wohltätigkeit) geübt, stets dabei Aussprüche der heiligen Schrift und der Weisen des Midrasch anwendend und erklärend. - Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Lehmann aus Mainz das Wort, um dem teuren Freunde einige Worte des Nachrufs zu widmen und zugleich die Gemeinde Biblis zu ermahnen, die durch den Tod gerissene Lücke möglichst auszufüllen, Zank und Hader aus ihrer Mitte zu bannen und in Liebe und Eintracht die Institutionen aufrecht zu erhalten, die der Verewigte mit unsäglicher Mühe und unter großen Opfern ins Leben gerufen. -
Biblis Israelit 01031886b1.jpg (175891 Byte)Hierauf feierte Herr Moses Mannheimer aus Worms das Andenken des verewigten Schulfreundes mit einigen warmempfundenen Worten. - Herr Dr. Wolf, Direktor der Rabbiner-Vorbereitungsschule zu Colmar, pries, tiefergriffen, die hohen Tugenden des der ganzen Menschheit entrissenen Frommen. - Herr Salomon Bodenheimer II., ein Neffe des Verewigten, dankte im Namen der Familie und der Gemeinde, den Rednern und Allen, die aus der Nähe und der Ferne herbeigeeilt waren, um das Andenken des Verblichenen zu ehren. Die heute ausgesäte Saat sei auf dankbaren Boden gefallen, und er, wie alle Mitglieder der Familie und der Gemeinde, werden sich bestreben, im Sinne und Geiste des teuren Onkels zu leben und zu wirken. - Wohl wurde gewünscht, dass die anwesenden Rabbiner Dr. Cahn aus Wiesbaden und Dr. Stein aus Worms auch sprechen sollten; allein, die Zeit war schon zu weit vorgerückt, und da der Friedhof (zu Alsbach an der Bergstraße) drei Stunden weit entfernt, so war es höchste Zeit geworden, dass der Trauerzug sich in Bewegung setzte. 
Rabbi Salomon Bodenheimer war im Jahre 1813 in Biblis geboren, der Jüngste von acht Geschwistern (ihn überlebt nur noch eine Schwester.) Bald zeichnete er sich durch hervorragende Eigenschaften des Herzens und des Charakters aus. Eine innige Freundschaft verband ihn mit dem großen, weltberühmten Dr. B. H. Auerbach seligen Angedenkens, Rabbiner zu Darmstadt, später zu Halberstadt. Rabbi Salomon war es, der in Verbindung mit einigen Freunden das Erziehungs-Institut zu Pfungstadt gründete, das noch heute segensreich wirkt. Zugleich gründete er unter großen Opfern eine Talmud-Tora-Schule in seinem Heimatorte. Fast ein halbes Jahrhundert wirkte er als Vorsteher in seiner Gemeinde. Mit seiner treuen Lebensgefährtin, die ihm um wenige Wochen im Tode vorangegangen, gestaltete er sein Haus zu einer Stätte derartiger Gastfreundschaft, wie einst unser Vater Abraham sie geübt. Seine Wohltätigkeit kannte keine Grenzen. Die Hilfesuchenden wurden unterstützt, die Hungrigen gesättigt, die Nackten bekleidet. Wo irgend eine Institution die Zwecke des Judentums förderte, fand sie in dem Verewigten den eifrigsten Teilnehmer und Förderer. Als Mohel (Beschneider) genoss er eines guten Rufes und wurde in der ganzen Umgegend mit dieser heiligen Funktion betraut, die ihm ebenfalls, namentlich bei armen Eltern, große Opfer auferlegte. Bei den vornehmsten Herrschaften seines engern Vaterlandes war er eine hochangesehene Persönlichkeit und konnte in Folge dessen für Arme und Bedrängte manchmal große Erfolge erziehen.
Biblis Israelit 01031886b2.jpg (61615 Byte)Es war ein reiches, reiches Leben, das nunmehr vollendet ist, reich an edlen, guten Taten, reich an wahrhafter Gottesfurcht und unaussprechlicher Menschenliebe. Auch die Armen des heiligen Landes haben in ihm einen treuen Freund und tätigen Helfer verloren. 
Wenn man trauernden Blickes manchmal die so wenig erfreulichen, religiösen Zustände der Gegenwart betrachtete, so wurde es einem warm ums Herz, wenn man sich das Leben und Wirken Rabbi Salomon Bodenheimers vorstellt. Wahrlich, sagte man sich, ein Zeitalter ist nicht verwaist, in welchen solche Männer für Gott und Seine heilige Lehre streben. Nun ist auch er hingegangen zu seinen Vätern. Möge sein Beispiel zu eifriger Nachahmung erwecken! - Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. 

   
   
Weitere Berichte aus der Geschichte der jüdischen Schule in Biblis 
Lehrer Jekuthiel Kunreiter schwer erkrankt (1858) 

Biblis AZJ 13091858.jpg (74726 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1858: Eine sehr rühmliche Tatsache lassen Sie mich noch erwähnen. In Biblis wurde der Lehrer Kunreiter derart krank, dass man wohl bezweifeln muss, dass er je wieder sein Amt als Lehrer antreten kann. Die, wenn auch wohlhabende, doch nicht sehr bedeutende Gemeinde (sie zählt etwa 25 Mitglieder) ließ die Stelle bekanntlich mit 400 Gulden ausschreiben, zahlt jedoch Kunreiter, der übrigens erst seit etwa zwei Jahren dort wirkt, seinen vollen Gehalt unverkürzt fort, obwohl er, nur provisorisch aufgenommen, durchaus keinen Anspruch darauf hat. Das ist eine edle, echt jüdisch religiöse Handlung!"  

   
Zum Tod von Lehrer Jekuthiel Kunreiter (1865)  

Biblis Israelit 10051865.jpg (274510 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1865: "Biblis (Großherzogtum Hessen), im Mai (1865). In einer Zeit, in der die Kämpfer und Eiferer für das wahre und reine Judentum so vereinzelt dastehen, und in welcher das Gesetzesstudium leider vernachlässigt wird, da ist es doppelte Pflicht, die Verdienste derer hervorzuheben und zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, die noch ihr höchstes Lebensziel darin finden, das Wort Gottes zu erforschen und zu lehren und mit aller Selbstverleugnung und Aufbieten ihrer körperlichen Kräfte für unsere heilige Religion einzutreten.
Referent fühlt sich daher veranlasst, hiermit eines Mannes öffentlich zu gedenken, der auch in dieser viel geschätzten Zeitschrift durch mehrere Artikel sich ein ehrendes Denkmal gesetzt, und der sich durch seine gründliche Gelehrsamkeit, seinen heiligen Berufseifer und sein edles Wirken einen Ruf in Israel erworben. Es war dies der gelehrte und fromme Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Rabbi Jekuthiel Kunreuther, welcher am 7. Tag Pesach dieses Jahres in einem Alter von 50 Jahren nach längerem Leiden und nachdem er sich, wie es nur selten vorzukommen pflegt, mit größtem Geistesmut und wie ein Heiliger Israels auf den Augenblick der Scheidung und zum Eintritt in die Ewigkeit vorbereitet hatte, seine irdische Laufbahn schloss. 
Von zartester Jugend an dem Torastudium gewidmet und noch aus der Fürther Schule hervorgegangen, war der Verblichene mit einem seltenen Wissen und Schafsinn in der jüdischen Literatur sowohl wie in der Wissenschaft überhaupt ausgestattet, und diese seine Geistesgüter suchte er zum Wohle seiner Mitwelt nach Kräften zu verwerten. So war er vielfach bemüht, zur Hebung der jüdischen Schule beizutragen, und so war es die literarische Arbeit seiner letzten Jahre, einen leichtfasslichen Kommentar zur Mischna … für die Schule zu verfassen, wovon einige Traktate vollendet und von pädagogischer und gelehrter Seite günstig beurteilt worden sind. Auch werden sich die geehrten Leser dieses Blattes noch seiner schwierigen Entzifferung des Grabsteins von Rabbiner Samuel Bacharach – seligen Andenkens – auf dem Friedhofe zu Alsbach erinnern. Alle seine Ansichten, Bemerkungen und Erklärungen atmen Geist und Gottesfurcht und basieren auf Wahrheit und  Humanität. 
Mit diesen Geistesvorzügen verband der Hingeschiedene noch die erhabensten Eigenschaften des Herzens. Seiner Gemeinde, der er fast während eines Dezenniums vorgestanden, war er ein leuchtendes Beispiel von Frömmigkeit, Friedensliebe und Zufriedenheit; er war ihr ein Vater durch Rat und Teilnahme, ein treuer Hirt in Fürsorge und geistiger Pflege. Seinen Kollegen war er ein wirklicher Freund und ein Ermunterer zur Ausdauer und Hingebung für die heilige Sache ihres Berufes. So erwarb er sich in Nah und Fern zahllose Freunde in insbesondere die Liebe und Hochschätzung seiner Gemeinde und der ganzen Umgegend. 
Kein Wunder nun, dass die Trauer ob des schweren Verlustes eine große und allgemeine ist, wie sich dies namentlich bei dem Leichenbegängnis durch die große Beteiligung und die Bestürzung, die auf allen Gesichtern sichtbar war, deutlich bewies. Wir beklagen darum tief seinen frühen Tod; nicht seiner selbst willen, sondern wegen der Lücke, die abermals entstanden, wegen des schweren Verlustes, der seine Familie – er hinterließ eine Witwe mit fünf erwachsenen und vier unmündigen Kindern -, der seine Gemeinde und die ganze Umgegend getroffen.  
Möge er jedoch noch im Tode wirksam sein, indem seine Lehren und sein Beispiel noch lange im Gedächtnis erhalten bleiben, und die Saat, die er reichlich ausgestreut, sich zur edlen Frucht entwickelt! Möge die Liebe und Verehrung, welche man ihm im Leben zollte, durch die Teilnahme an dem harten Schicksal seiner Familie und die Erleichterung desselben den schönsten Ausdruck finden! –t."

     
Berufung von Lehrer Dr. Zacharias Wolff als Direktor der Rabbinerschule nach Colmar 
und Berufung von Dr. Heilbut als Direktor der jüdische Schule in Biblis (1882)  
Hinweis: Dr. Zacharias Wolff (geb. 1840/41 in Pfungstadt war zuletzt Rabbiner in Bischheim/Elsass, vgl. die dortigen Berichte)  

Biblis Israelit 31051882.jpg (133237 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1882: "Biblis (Hessen), im Mai. (hebräisch und deutsch:) Das Scheiden eines Frommen aus einem Orte lässt eine fühlbare Lücke zurück! 
Die Wahrheit dieses Spruches sollen auch wir tief empfinden; denn ein Mann, ausgezeichnet durch echte Religiosität, hervorragend durch seine Gelehrsamkeit und edle Tugenden, Herr Dr. Wolff sein Licht leuchte, wird in den nächsten Tagen unsere Gemeinde, in der er fast 15 Jahre segensreich wirkte, verlassen, um einem ehrenvollen Rufe an das Rabbinerseminar zu Colmar zu folgen. Wir verlieren in ihm einen Führer voll heiligen Ernstes, voll inniger Liebe und zärtlicher Fürsorge für das Wohl der ihm anvertrauten Gemeinde und Schule. Es ist ein harter, wohl schwer für uns zu ersetzender Verlust, denn sein Einfluss wirkte auf Alle, die mit ihm in Berührung kamen, veredelnd und wohltuend. Nicht allein in religiösen Fragen, sondern auch in jeder anderen Angelegenheit stand dieser edle Mann in Rat und Tat jedem gerne zur Seite. Liebe und Friede war stets seine Aussaat und demgemäß seine Ernte. Durch diese Friedensliebe und Menschenfreundlichkeit gewann er die Herzen Aller und führte sie zu Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit. Hierdurch hat er sich in unserer Gemeinde unsterblich gemacht; seine zahlreichen Schüler werden seiner stets in Liebe und Dankbarkeit gedenken. Seiner geehrten Frau Gemahlin, die eine wackere Frau in des Wortes edelster Bedeutung genannt zu werden verdient, gebührt nicht der kleinste Teil dieser ungeteilten Anhänglichkeit und Liebe, indem ein jeder, ohne Unterschied und zu jeder Zeit, ein freundliches Entgegenkommen und liebevolle Aufmerksamkeit auch ihrerseits fand.  
Möge es ihm gelingen, in seinem neuen Wirkungskreise recht viel des Guten und Edlen zum Wohl und Heil des Judentums zu wirken. Möge er uns ein freundliches Andenken bewahren, sowie auch wir seiner stets in Liebe und Dankbarkeit gedenken werden. Der Ewige mehre seine Tage an Gutem und Angenehmem".
  
Biblis AZJ 05071882.jpg (53842 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juli 1882: "Biblis bei Worms, 3. Juli (1882). Wie bereits in diesen Blättern berichtet wurde, ist Herr Dr. Wolff von hier als Direktor der Rabbinerschule nach Colmar berufen worden. Das Direktorat an der hiesigen jüdischen Schule wurde nunmehr Herrn Dr. L. Heilbut, gegenwärtig Lehrer an der israelitischen Religionsschule zu Frankfurt am Main, übertagen. Der Ruf, der Herrn Dr. Heilbut sowohl in wissenschaftlicher als in religiöser Beziehung vorausgeht, gibt der Hoffnung Raum, dass seine Wirksamkeit unter göttlichem Beistande eine gesegnete sein wird." 

  
Lehrer Braunold geht an die Präparandenschule nach Burgpreppach (1897, war seit ca. 1875 Lehrer in Biblis)  

Biblis Israelit 02121897.jpg (34941 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1897: "Biblis bei Worms. Dieser Tage verließ uns Herr Lehrer Braunold, um die Stelle eines Lehrers an der Präparandenschule zu Burgpreppach zu übernehmen. Herr Braunold hat hier mehr denn 22 Jahre als Lehrer gewirkt. Die israelitische Gemeinde nimmt jedoch derart ab, dass sie zwei Lehrer nicht mehr besolden kann. Von vielen Seiten war man dem scheidenden Lehrer aufmerksam, der diese Aufmerksamkeit auch in Folge seiner Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit durchaus verdient hat."    

    
Vom Ende der Israelitischen Bürgerschule (1900)  
Anfang 1900 wurde die von Rabbiner Salomon Bodenheimer gegründete Israelitische Bürgerschule geschlossen. Die orthodoxen Kreise konnten diese Entscheidung der Behörden nicht akzeptieren, wie aus dem nachstehenden Artikel hervorgeht:

Biblis Israelit 15021900.JPG (75195 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1900: "Biblis (12. Februar 1900). Die durch Herrn Salomon Bodenheimer I. seligen Angedenkens mit vielen Mühen und großer Anstrengung ins Leben gerufene, seit ca. 40 Jahren bestehende israelitische Bürgerschule wurde bereits vor 14 Tagen durch hohe Verfügung Großherzoglichen Ministeriums in Darmstadt aufgelöst. In allen jüdischen Blättern ergeht der Aufruf "errichtet jüdische Schulen", und hier wurde eine solche Schule, die zum Segen der Jugend arbeitete, durch einige Herren, die glaubten, mit der Mode der Zeit gehen zu müssen, zerstört. 
Die Herren des in Ihrem Blatte seinerzeit aufgenommenen Eingesandt, mögen sich freuen, den Sieg baolam hasäh (in dieser Welt = im Diesseits) davon getragen zu haben, aber baolam haba (in der kommenden Welt = im Jenseits) werden sie es zu verantworten haben, und jene, die für den Fortbestand gekämpft, um die Juden auch fernerhin letora uleawoda (zur Tora und zum Gottesdienst) aufzuziehen, werden Trost finden in dem Bewusstsein, das Gute gewollt zu haben. Besonders bedauerlich bleibt es, dass bei der Auflösung der Schule Herren mitgewirkt haben, die ganz besondere Ursache hätten, im Sinne des seligen Herrn Bodenheimer zu wandeln und die auch geschäftlich Anspruch darauf erheben, dass man ihnen in religiöser Beziehung traue. 
 
 
Artikel zur Erinnerung an Salomon Bodenheimer (1900)   
Biblis Israelit 22021900.jpg (124590 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1900: "Aus Süddeutschland. Wenn der Bericht von Biblis in einer der letzten Nummern Ihres geschätzten Blattes über die Auflösung der dortigen israelitischen Bürgerschule schon vom allgemeinen Standpunkte aus, wonach im Interesse unterer heiligen Religion überall, wo nur ausführbar, solche Anstalten zu errichten seien, Bedauern hervorrufen muss, so wird dies umso mehr bei denjenigen der Fall sein, die wie Schreiber dieses Zeuge waren von der hingebungsvollen Tätigkeit, von dem Aufgebote geistiger und materieller Kräfte, unter welchen diese Schule ins Leben gerufen worden. Da Zustandekommen war eine große Tat und ein rühmliches Beispiel für andere Gemeinden, wie überhaupt Biblis in seinen Gemeinde-Institutionen, in seinem religiösen Leben und seiner jüdisch-wissenschaftlichen Bestrebung in weiten Kreisen als Mustergemeinde galt. Und wer war die Seele des Ganzen, wer die Triebfeder zu all diesen herrlichen Erscheinungen? Heute an seinem Sterbetag, am Ausgang des 15. Adar werde der großen Verdienste des unsterblichen Mannes, des selbstlosen, aufopferungsfähigen Gotteskämpfers, des Gemeindevorstehers und Führers Herrn Salomon Bodenheimerdas Andenken an den Gerechten ist zum Segen – wieder gedacht. Was hat er nicht für diese Schule getan, wie lange hat er auf ihre Entstehung hingearbeitet, und wie hat er auf Mittel gesonnen, ihr Dauer und Existenz zu verschaffen. Unablässig und unverdrossen war sein Streben dahin gerichtet, damit eine unversiegbare Quelle materiellen und geistigen Heils für seine Gemeinde zu schaffen und zugleich damit den Fortbestand der religiösen Gesinnung und Betätigung von Tora und Geboten innerhalb der Gemeinde zu sichern. Er hatte das Glück, sein Werk, das Kind seines großen Herzens, erstehen und blühen zu sehen; er durfte auch hoffen, dass es viele Geschlechter überdauern werde. Doch er ging in dieser ihn beglückenden Hoffnung zu weit – und darum ist die nun einmal vollzogene Auflösung der Schule umso mehr zu bedauern."    

  
Silberne Hochzeit von Lehrer Isak Rohrheimer und Frau (1902)   

Biblis Israelit 17031902.jpg (20480 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1902: "Biblis. Gestern feierte Herr Lehrer Rohrheimer mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit, aus welchem Anlasse ihm von vielen Seiten viele Aufmerksamkeit erwiesen wurde."

   
Neujahrswünsche von Lehrer Isak Rohrheimer und Frau (1903)  

Biblis FrfIsrFambl 18091903.jpg (33924 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. September 1909: 
"Freunden und Bekannten wünschen herzlichst eine 
gute Einschreibung und Versiegelung
. 
Lehrer Rohrheimer und Frau, 
Biblis."     

   
Zum Tod von Lehrer Isak Rohrheimer (1908)   
Anmerkung: Lehrer Isak Rohrheimer (geb. 14.7.1841 in Lorsch als Sohn von Löb Rohrheimer und Röschen geb. Heppenheimer) war verheiratet mit Lina geb. Abraham (geb. 3.4.1849 in Kleinhausen, Hessen als Tochter von Salomon Abraham und der Jette geb. Spies); die beiden hatten vier Kinder: Max (1882), Eva J. (1884), Benny (1887, gefallen 1914) und Jenny (gest. 1911). Witwe Lina Rohrheimer geb. Abraham starb am 5. Februar 1927 in Crailsheim und wurde dort beigesetzt. Angaben nach FR RSA Crailsheim J 386 Bü 131 B 187. 

Biblis Israelit 15041908.jpg (152386 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1908: "Darmstadt, 12. April (1908). Eine schmerzliche Veranlassung vereinigte letzten Sonntag eine zahlreiche, von Wehmut erfüllte Trauergemeinde in Biblis. Nach einem gesegneten Wirken von nahezu 40 Jahren war Lehrer Rohrheimer unerwartet zum Schmerz seiner Familie, seiner Gemeinde und der vielen Freunde und Kollegen aus dem Leben geschieden. Lehrer Rohrheimer zählte zu jenen seltenen Naturen, deren Leben die idealste Verkörperung des Prophetenwortes 'Recht tun, Liebe üben und demütig sein' (Micha 6,8) ist. Mit der lautersten Frömmigkeit verband er ein Pflichtgefühl und eine Hingebung an seinen Beruf, welche auch trübe Erfahrungen nicht zu erschüttern vermochten, sowie eine Friedensliebe und Bescheidenheit, welche ihm alle Herzen in Zuneigung gewann. So hat die Gemeinde Biblis, deren Mitglieder fast alle zu seinen Schülern zählen, ihren langjährigen verdienstvollen Beamten, die Jugend den wohlwollenden Erzieher und die heilige Sache ihren bewährten, kenntnisreichen Förderer verloren. Da die Festesstimmung des Erlösungsmonats eine ausführliche Würdigung seines reichen Lebens verbot, gab Herr Rabbiner Dr. Marx, Darmstadt, in wenigen Worten dem allgemeinen Schmerzgefühl  Ausdruck. Namens der Kollegen und der Verwaltung des 'Unabhängigen israelitischen Lehrervereins in Hessen', dem der Verblichene seit der Gründung angehörte, sprach Herr Ledermann - Darmstadt den Dank und die Versicherung aus, dass das Andenken des in Freundschaft erprobten Kollegen, des ideal hochgesinnten Lehrers dauernd fortleben werde, während für die Verwandten Herr Lehrer Keßler - Iserlohn in bewegten Worten Abschied nahm. Mit dem Gefühle allgemeiner Wegmut verband sich der Wunsch, dass der Allgütige den trauernden Hinterbliebenen und der Gemeinde reichen Trost senden möge für das Hinscheiden eines Mannes, von dem mit vollem Recht gesagt werden kann: 'Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen'."   

    
Zum Tod von Bertha Frankfurter geb. Rohrheimer - Nichte von Lehrer Rohrheimer (gest. 1918 in Heusenstamm)  

Heusenstamm FrfIsrFambl 08111918.jpg (28128 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. November 1918: "Heusenstamm. Bertha Frankfurter geb. Rohrheimer, Tochter des hoch geachteten Moritz Rohrheimer, seligen Andenkens und Nichte des unvergesslichen Lehrers Rohrheimer seligen Andenkens in Biblis, ein Biederweib im altjüdischen Sinne, ist verschieden." 

  
  
Weitere Ereignisse aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Rabbiner Dr. Auerbach besucht die Gemeinde (1865 / 1872)

Biblis Israelit 30051865.jpg (74974 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1865: "Biblis (Großherzogtum Hessen), den 18. Mai (1865). Vergangenen Sabbat hatten wir das Vergnügen, Herrn Rabbiner Dr. Auerbach aus Halberstadt in unserer Mitte zu sehen, und hatte derselbe die Güte, die hiesige Gemeinde mit einem längeren religiösen Vortrag in der Synagoge zu erfreuen.
In den treffendsten und ergreifendsten Worten gab der verehrte Redner den Vor- und Grundzügen unserer heiligen Religion den glänzendsten Ausdruck. Möchte doch diese Rede, die so reich an Belehrung war und die einen sichtlich tiefen und hinreißenden Eindruck auf die Zuhörer macht, auch für die Folge ihren erhabenen Zweck nicht verfehlen; hierin würde zugleich der verehrte Redner den schönsten Ausdruck unseres tief gefühlten Dankes finden."
   
Biblis Israelit 05061872.jpg (139377 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1872: "Biblis, 20. Ijar (28. Mai 1872). Unser sehr verehrter Rabbiner Herr Dr. Auerbach, jetzt Rabbiner in Halberstadt, aber dennoch nach wie vor in unseren Herzen wohnend, hatte uns schon seit Jahren die Ehre eines Besuches zugedacht. Vorige Woche wurde uns denn endlich die seltene Freude zuteil, die lang ersehnte Ankunft des geschätzten Mannes begrüßen zu können. Sein Aufenthalt an hiesigem Orte, welcher sich von vergangenem Donnerstag bis gestern erstreckte. Veranlasste eine wahre Feststimmung unter den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde, welche mit unveränderter kindlicher Liebe und Ehrfurcht an ihm hangen. - 
Alte Liebe rostet nicht, und in der Tat scheint auch Herr Dr. Auerbach sich in unserer Gemeinde ganz so heimisch und behaglich zu fühlen, wie man es nur im Kreise der nächsten Familienangehörigen sein kann. Dies zeigte sich auch in der Predigt, mit welcher dieser berühmte Gelehrte uns am Heiligen Schabbat erfreute und erquickte; denn in jedem Worte derselben bekundeten sich die warmen Gefühle, wie sie etwa einen Vater beseelen, der sich nach langjähriger Abwesenheit im trauten Zusammensein mit seinen Kinder beglückt fühlt. – Von einer geistreichen Erklärung der Sefirat HaOmer (das "Omer-Zählen") ausgehend, zeigte der begabte Redner, in welcher Weise die wenigen Tage des Lebens gewürdigt und angewendet werden müssen, und dass dies nur durch liebevolles Hingaben an das Studium unserer heiligen Lehre in Verbindung mit der Bildung, wie sie unsere Zeit von uns verlangt, geschehen könne, und sprach sich dann schließlich anerkennend über die Opferwilligkeit und das wackere Bestreben der hiesigen Gemeinde aus, der Jugend eine Erziehung in diesem Sinne angedeihen zu lassen. Seine belehrenden und liebevollen Worte werden noch lange in unserem Herzen nachklingen. Möge es uns vergönnt sein, unseren väterlichen Freund und Meister bald wieder in unserer Mitte begrüßen zu können!"

  
Wahl von Koppel (Jakob) Hochschild als Gemeindevorsitzender in der Nachfolge von S. Bodenheimer I. (1886)  

Biblis Israelit 10051886.jpg (56741 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1886: "Biblis. Wenn auch, wie in Ihrem viel gelesenen Blatte zur Zeit berichtet wurde, unser kleiner Ort im verflossenen Winter durch den Heimgang des edlen S. Bodenheimer I. – er ruhe in Frieden – einen schweren Verlust erlitten hat, so können wir doch ausrufen: (Jeremia 51,5) Doch nicht verwitwet ist Israel
Mit Gottes Hilfe steht wieder ein Mann an der Spitze unserer Gemeinde, unter dessen Leitung dieselbe getrost der Zukunft entgegen sieht. Herr K. Hochschild kümmert sich nun um die öffentlichen Bedürfnisse in Aufrichtigkeit und so hoffen wir, dass unsere religiösen Anstalten erhalten werden und gedeihen mögen für Gott und (seinen) Ruhm."
  
Biblis Koppel Hochschild 010.jpg (36505 Byte)Links: der oben genannte Koppel Hochschild (1828-1893) war der vierte Sohn von Mosche Hochschild (1788-1864, Foto rechts). Er war verheiratet mit Gustine geb. Bendheim aus Auerbach; ein Brief von Gustine an Koppel Hochschild findet sich auf der Seite zu Gernsheim anlässlich der Einweihung der dortigen Synagoge im Januar 1845.    
Hinweis: der Bruder von Mosche Hochschild - Zodik Hochschild - lebte in Groß-Rohrheim
Fotos erhalten von Uri Rosenan (Yehud, Israel) 
Biblis Moshe Hochschild 010.jpg (33495 Byte)
      
Biblis Herz Hochschild 010.jpg (98362 Byte)Links: im Hof der Familie Herz Hochschild Anfang des 20. Jahrhunderts; Herz Hochschild (1830-1917) war der jüngere Bruder des oben genannten Jakob (Koppel) Hochschild.

Rechts: Erinnerung an die Familie Hochschild: die "Hochschildstrasse" in Biblis (Foto: Michael Ohmsen, Aufnahme 10/2010).    
Biblis Erinnerung 180.jpg (131065 Byte)

    
Zur Tätigkeit des Vereines Achawa (1895)   

Biblis Israelit 24011895.jpg (80964 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1895: "Biblis, 19. Januar (1895). In unserer Zeit, in welcher die Pflege des Torastudiums so sehr im Abnehmen begriffen ist, wo überhaupt der Indifferentismus allem spezifisch Jüdischen gegenüber überhand nimmt, ist es besondere Pflicht, eine jede gegenteilige Erscheinung nicht unerwähnt zu lassen, damit dieses Beispiel Nachahmung finde. Am hiesigen Platz besteht seit einer Reihe von Jahren ein Verein, Achawa, dessen Mitglieder sich die Aufgabe gestellt haben, ihre Torakenntnis zu vervollkommnen und zu erweitern. Zweimal wöchentlich versammeln sich die Vereinsmitglieder in einem dazu bestimmten Lokale, um dortselbst unter den Leitung eines Lehrers Raschi und Kizzur Schulchan Aruch zu lernen.
Möchten doch allerorts solche Vereine sich bilden zu Nutz und Frommen der betreffenden Gemeinde und zum Heile des Gesamtjudentums".

   
   
Berichte zu weiteren Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod von Löb Bodenheimer (1870)  

Biblis Israelit 14091870.JPG (88420 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1870: "Biblis, 6. September. Unsere Gemeinde hat durch den in voriger Woche erfolgten Tod des Herrn Löb Bodenheimer – er ruhe in Frieden – einen schmerzlichen Verlust erlitten. Er gehörte zu jenem Schlage echter, leider immer  seltener werdenden Jehudim, bei denen jeder Schritt im Leben in Beziehung und Harmonie mit unserer heiligen Religion steht. In diesem Sinne leitete er auch die Erziehung seiner Kinder und errichtet in der Gemeinschaft mit seinen Brüdern eine Stiftung zur Hebung des Lernens der Heiligen Tora. Der Verlust dieses Mannes ist für uns um so schmerzlicher, als durch das in vorigem Jahre erfolgte Ableben seiner beiden würdigen Brüder, Anschel und Abraham Bodenheimer, von denen ersterer ein Sohn der Tora, in unserer Gemeinde eine traurige Lücke entstanden war. Wenn der Tod auf solche Weise die Reihe bewährter glaubenstreuer Männer lichtet, so tritt an die jüngere Generation umso ernster die Pflicht heran, diese Lücken als wackere Jehudim mit eben solchem Glaubensmute rüstig aufzufüllen, und freut es mich, bei dieser Gelegenheit erwähnen zu dürfen, dass das religiöse Gefühl in der hiesigen Gemeinde ein reges ist, und dass die Mitglieder derselben kein Opfer scheuen, wo es der Hebung des Jugendunterrichtes und der Förderung des Toralernens gilt."

      
Zum Tod von Frau Bella Bodenheimer (1887) 
(nach Auskunft von Harriet Mayer - verheiratet mit einem Nachkommen der Familie Bodenheimer -  vom 11.8.2008 war Bella Bodenheimer - als Tochter von Mordechai Mainzer von Heppenheim - die Frau des 1870 verstorbenen Löb Bodenheimer; der in diesem und anderen Artikeln genannte Rabbiner Lehmann Marx aus Darmstadt war verwandtschaftlich mit Familie Bodenheimer verbunden: der Sohn von Löb - Herz - war mit Caroline Bendheim verheiratet; von ihren 10 Kindern war die Tochter Rickchen mit Rabbiner Lehmann Marx verheiratet)

Biblis Israelit 26051887.jpg (233105 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1887: "Nekrolog. Biblis. Wieder ist eine jener herrlichen Gestalten aus unserer Mitte geschieden, die unsere Bewunderung erregen, unsere Achtung verdienen und den Menschen in seiner Würde uns schützen lehren. Und wenn es in dem Buche Ruth, das wir demnächst lesen, von Noemi heißt, dass ihr Weggang tief gefühlt wurde und eine schwer empfundene Lücke bildete, so können wir dies gewiss mit Recht auch von dem Hinscheiden eines wahren Biederweibes, einer wackeren Frau im vollen Sinne des Wortes, von Frau Bella Bodenheimer - sie ruhe in Frieden -, die am vergangenen Pessach nach langem Leiden und im Alter von 86 Jahren ihre reine Seele aushauchte, sagen. Schwer, ja unsäglich schwer waren die Verluste, die das vorige Jahr und namentlich der verehrten Familie Bodenheimer in dem so rasch aufeinander folgenden Tode des unvergesslichen, an Frömmigkeit, edlem Charakter und hoher Gesinnung wahrhaft großen Rabbi Salomon Bodenheimer und seiner edlen Gattin - seligen Andenkens - brachte, und wie bald darauf sollten wir in Frau Bodenheimer wiederum eine Zierde, die Krone ihrer Familie scheiden und den teueren Vorangegangenen nachfolgen sehen! Ja, eine Zierde des Frauengeschlechtes war sie, eine ehrwürdige Erscheinung in dem Tempel ihres Wirkungskreises. Mit Weisheit und Emsigkeit, mit Umsicht und Sorgfalt leitet sie ihr Hauswesen, mit seltenem Geschick und hohem Verständnis für alles Wahre, Gute und Schöne erfüllte sie die Pflicht der Erziehung an einer zahlreichen, für Wahrheit und Tugend empfängliche Kinderschar, und ihr Streben und Wirken war von segensreichem Erfolge. Ein seltenes Familienleben lohnte ihre Mühen und spiegelte ihren edlen Sinn in den deutlichsten Zügen ab; in Söhnen und Töchtern, in Enkeln und Enkelinnen, die wir heute zu unsern Besten zählen und die sich der allgemeinen Achtung und Liebe erfreuen, prägte sich unverkennbar ihr und ihres edlen Gatten Charakter aus. Frömmigkeit und Wohl tun, Edelsinn und Friedensliebe zeichneten die Dahingeschiedenen in hohem Grade aus und machten ihr Haus zur Friedensstätte, zum lieblichen Heim und zur gastlichen Einkehr. Und diese ihre Herzensgüte und Freundlichkeit verließen sie auch im hohen Alter nicht; selbst unter schweren Leiden kam Klage nicht über ihre Lippen, bewährte sie ihre Ruhe und belohnte die aufopfernde, liebevolle Pflege ihrer Kinder mit dem Ausdrucke der Zufriedenheit. So schied sie sanft wie ihr Leben aus dem Diesseits, sich nach der ewigen Ruhe sehnend, mit dem Gedanken an Gott, dem sie in Liebe gedient und mit der Hoffnung, dort in Edens Gefilden wieder vereint zu werden mit den Lieben ihres Herzens und zu schauen die Herrlichkeit Gottes in Ewigkeit... Ihre Frömmigkeit hat ihr dahin die Bahn geebnet, denn es geht vor ihr her ihre Gerechtigkeit..
Mögen die trauernden Hinterbliebenen hierin und in dem süßen Bewusstsein, der teueren Heimgegangenen den Tribut der Liebe und der Verehrung im vollsten Maße stets entgegengebracht und ihr Leben dadurch verlängert und verschönert zu haben, Trost und Beruhigung finden!"

  
Zum Tod von Babette Hochschild (1895)  

Biblis Israelit 28031895.jpg (61109 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1895: "Biblis, 10 März (1895). Heute – am Purimfeste – haben wir eine brave Frau zur letzten Ruhestätte beleitet. Babette Hochschild, Frau des Herrn Maier Hochschild, hauchte am 2. Adar ihre reine Seele zu ihrem Schöpfer aus. Ein hartnäckiges Leiden fesselte dieselbe nahezu 10 Jahre an das Krankenbett. Jedoch ihre unentwegte Frömmigkeit, die sie auch stets in der Vollkraft ihres Lebens betätigte, verlieh ihr die moralische Stärke, das schwere Körperleiden in Ergebenheit zu ertragen. Möchte die trauernden Hinterbliebenen in der hingebungsvollen und unermüdlichen Pflege, die sie der Verstorbenen stets zuteil werden ließen, Trost finden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 
  
Biblis BHochschild 010.jpg (50021 Byte)links: Babette Hochschild (gest. 1895) - Foto erhalten von Uri Rosenan (Yehud, Israel)  

  
Zum Tod von Salomon Bodenheimer II (1909)  

Biblis FrfIsrFambl 15101909.jpg (186112 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Oktober 1909: "Biblis. Am Schabbos Bereischis (= Schabbat mit der Toralesung Bereschit, d.h. 1. Mose 1,1-) starb hier Herr Salomon Bodenheimer im Alter von 79 Jahren; diese wenigen Worte genügen, um bei denen, die ihn kannten – und sein Bekanntenkreis ist wahrlich nicht eng – die herzlichsten Gefühle tiefster Trauer auszulösen. – Bei der Beerdigung widmete Seine Ehrwürdigen Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt seinem Onkel warme, tief empfundene Worte des Nachrufs. 'Gefallen ist die Krone von unserem Haupte', so begann er seine Rede; und wie wahr hat er in diesem und in allem gesprochen! Nicht nur das älteste Gemeindemitglied haben wir in ihm verloren, sondern die ganze gesetzestreue Judenheit trauert um diesen herben, unersetzlichen Verlust. Sein Leben war aufgebaut auf "Tauroh, Awaudo und Gemilus Chesed' (Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit). Tauroh studieren, sich in die tiefsten Schichten des Talmuds zu stürzen, das war seine liebste Beschäftigung. Bis in sein hohes Alter hinein lernte er nicht nur am Tage, sondern er wachte Nächte hindurch. – Aber sein Lernen blieb bei ihm nicht totes Wissen, sondern wurde bei ihm in die Tat umgesetzt; er strebte immer nach einer gründlichst gewissenhaften Ausübung der Mizwaus (Gebote), die geringste war ihm bedeutend genug zu ihrer Erfüllung. Und erst in Gemilus Chesed (Wohltätigkeit), da kannte seine freigebige Hand und sein gutes Herz keine Grenzen; die vielen Vereine usw., die in ihm ihren Förderer verlieren, die Armen, die ihren Freund und Unterstützer in ihm beweinen, sie alle trauern um den großen, edlen und frommen Mann. Herr Dr. Marx durfte den ersten Satz der dieswöchentlichen Sidrah voll und ganz mit gutem Recht auf ihn anwenden: Nauach isch Zaddik usw. (Noah war ein gerechter Mann…) Zum Schluss erteilte er dem heimgegangenen Onkel noch den Titel: 'Morenu Raw' (für einen hoch Gelehrten), den zu seinen Lebzeiten anzunehmen, Bescheidenheit ihm verboten hätte. – Auf dem Friedhof rief ihm Herr Lehrer Rohrheimer als Freund und Lerngenosse einen letzten Gruß zu, indem er hervorhob: 'Talmid chochom schemeis hekaul kerauwow_. Jetzt, nachdem uns die Krone vom Haupte gerissen, hat jeder einzelne umso mehr die heilige Pflicht, 'in den Riss zu treten', die Lücke auszufüllen und den Ruf, den unsere Gemeinde draußen geniest, zu rechtfertigen. Wir aber, wir wollen dem verblichenen Bruder ein ehrenvolles Andenken bewahren weit über das Grab hinaus!"
  
Biblis Israelit 28101909.jpg (195034 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1909 (nachfolgender Text ist abgekürzt wiedergegeben): "Biblis, 20. Oktober. Am (Schabbat mit der) Toralesung Bereschit wurde unsere Gemeinde in tiefe Trauer versetzt. Herr Salomon L. Bodenheimer hauchte nach einem langen Krankenlager im 79. Lebensjahre seine reine Seele aus. Unsere Gemeinde verliert in dem Heimgegangenen nicht nur ihr ältestes, sondern auch ihr edelstes, frömmstes Mitglied. Eine Trauerrede war nicht im Sinne des Verstorbenen; dennoch konnte sich Herr Rabbiner Dr. Marx – Darmstadt nicht versagen, trotz aller auferlegten Einschränkung, in einer einstündigen Rede die edlen Eigenschaften und die großen Verdienste des Verstorbenen zu würdigen und darzulegen, was die Gemeinde Biblis in S. L. Bodenheimer beweine, und was das gesamte gesetzestreue Judentum in ihm bedaure, Auf Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit war sein Leben aufgebaut: der Tora widmete er sein Leben. Von früher Jugend an bis wenige Tage vor seinem Tode studierte er sie mit einer innigen Liebe und Hingebung, wie man sie auf dem Lande wohl nicht mehr antrifft; und sinn nach über sie bei Tag und bei Nacht machte er zur buchstäblichen Wirklichkeit; zum 'Lernen' war er immer zu haben, da gebrach es niemals an Zeit. Wenn ganz Biblis schlief, Salomon Bodenheimer 'lernte' und wachte für Biblis. Aber sein Lernen blieb bei ihm nicht aufgespeichertes, totes Wissen sondern zu Lernen um zu Lehren, darauf zu achten um danach zu tun war sein Wahlspruch. Ihm kam es nicht nur darauf an, die Gebote zu erfüllen, sondern sie mit peinlichster Gewissenhaftigkeit und mit sorgfältigster Genauigkeit zu erfüllen. (Dies) waren die Leitsterne, die ihn bei der religiösen Pflichterfüllung lenkten und leiteten. Ganz besonderen Wert legte er auf die Bewahrung der Traditionen, eine schöne Sukka (Laubhütte), schone Tefillin, schönes Tallit… Es war überhaupt ein erhebender Anblick, ihn beim Gebet in Tallit und Tefillin gehüllt zu sehen. … von ihm konnte man den Begriff Andacht beim Gebete lernen. 
Was Salomon Bodenheimer auf dem weiten Felde der Wohltätigkeit getan, das lässt sich nicht annähernd angeben. Nicht nur weil es ihm seine reichen Mittel gestatteten, an Arme reichlich Gerechtigkeit zu spenden, nein, er lehrte und lebte auch den anderen vor: unter den drei geforderten Dingen ist die Wohltätigkeit das wichtigste. Wie gerne öffnete er sein Haus allen, die ihn um Rat fragten, die seine Hilfe erbaten, die mit ihm lernen wollten – immer war sein Haus hierfür offen; da wurden Arme nicht nur liebvoll und gastfeundlich aufgenommen, bewirtet und beherbergt, sondern, wie Herr Rabbiner Dr. Marx sagen konnte, die Armen waren die Kinder seines Hauses, wurden wie Familienmitglieder behandelt und wie herzlich freute er sich, wenn unter ihnen Gelehrte und Sohne der Tora waren, mit denen er 'lernen' konnte, und er wurde oft Gelehrten aufgesucht; von Russland, Ungarn usw. kamen sie und machen sein Haus zu einem Haus für die Weisen. So waren Tora und Gottesdienst und Wohltätigkeit die Grundpfeiler und die granitenen Säulen seines inhaltsreichen Lebens. War er auch oft schwer geprüft, sein unerschütterliches Gottvertrauen verließ ihn nie.  
Biblis Israelit 28101909a.jpg (105735 Byte)So war seine Persönlichkeit eine Krone, die uns vom Haupte gerissen wurde. Jahrelang hat er an den Ehrfurchtgebietenden Tage als Vorbeter gewirkt, den Gottesdienst verschönt und die Andacht der Gemeinde gehoben, und bis zum verflossenen Jahr war er unser Baal Tokea, um den uns jede Gemeinde beneidete, und jahrelang hat er die Weisung erworben, den Wein zum Kiddusch und zu Hawdala zu liefern. Nicht nur die Gemeinde verliert in ihm den Förderer der Interessen ihrer Vereine und des Gemeindelebens, das gesetzestreue Judentum betrauert in ihm den eifrigen, verständnisvollen Unterstützer aller seiner Körperschaften, Vereine und Organisationen. Überhaupt die ganze Judenheit wird in ihm einen Mann vermissen, der seine Hilfe und werktätige Menschenliebe in den Dienst der großen, die gesamte Judenheit umfassenden Institutionen gestellt hatte. Sein ganzes Leben war eine Verkörperung des 'Chai Adam', den er bis in die letzten Jahre seines Lebens dem Abendgebet in der Synagoge öffentlich vorgetragen hatte. Am Schluss seiner Rede erteilte Herr Dr. Marx dem heimgegangenen Onkel den wohlverdienten Titel Morenu HaRaw, den zu seinen Lebzeiten anzunehmen, Bescheidenheit ihm verboten hatte.  
Auf dem Friedhof zu Alsbach sprach Herr Lehrer Rohrheimer noch einige Worte. Nach sinnigen Erklärungen passender Midraschstellen forderte Herr Rohrheimer die Gemeindemitglieder auf, die entstandene Lücke auszufüllen und 'in den Riss zu treten' und rief dem Freund und Lerngenossen einen letzten Scheidegruß zu. Dann bedeckte die kalte Erde das, was sterblich an Salomon Bodenheimer war; aber zum ewigen Gedenken sei der Gerechte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zur Goldenen Hochzeit von Gottschalk Fränkel (1913)  

Biblis FrfIsrFambl 31011913.jpg (120448 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Januar 1913. "Biblis, 26. Januar (1913). Verflossene Woche feierte das Ehepaar Gottschalk Fränkel das Fest der goldenen Hochzeit. Am Sonntagabend brachten der Gesangverein 'Frohsinn', die Kaiserkapelle, die Freiwillige Feuerwehr und der Kriegerverein dem Jubelpaar ein 'Ständchen' dar; die Präsidenten hielten Ansprachen, und Herr Leo Fränkel, der älteste Sohn des Jubelpaares, dankte allen für die seinen Eltern gezollte Ehrung. Eine zahlreiche Menschenmenge umstand das Haus, und als Lehrer Rohrheimer auf die Eintracht und den immer zu wahrenden konfessionellen Frieden hinwies, war die Begeisterung ungemein starb, und tausendstimmig ertönte das 'Hoch' auf das Jubelpaar in die Nacht hinaus.  
Am Dienstag fand in der Frankfurtloge in Frankfurt große Festtafel statt, bei der fast die ganze hiesige israelitische Gemeinde und viele Verwandte und Freunde der Familie Fränkel zugegen waren. Rabbiner Dr. Z. Wolff aus Bischheim (Elsass), ein guter Freund und früherer Nachbar des Jubelpaares, hielt die Festrede. Die israelitische Gemeinde hatte als Festgabe einen goldenen Pokal gestiftet, den der Neffe Moses Fränkel überreichte. Am gestrigen Sabbat fand ein Festgottesdienst in der Synagoge statt, wobei Lehrer Rohrheimer die Festpredigt hielt, die in einen besonderen Mischeberach auf das Jubelpaar und dessen Kinder ausklang. Während des Tages traf auch das Bild Seiner Königlichen Hoheit des Großherzog nebst den besten Wünschen ein."  

  
Zum Tod von Isaak Meyer (1893)  

Biblis Israelit 05101893.jpg (65428 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1893: "Biblis. Ein edler Mensch ist unserer Gemeinde entrissen worden. Am ersten Tage des Neujahrsfestes haucht Isaak Meyer (Sohn Alexander) seine reine Seele aus. Sein Leben war eine ununterbrochene Kette körperlicher Leiden; aber in diesem gebrechlichen Körper wohnte ein starker Geist, der heldenmutig die leiblichen Schmerzen überwand und sich dem Streben nach Gutem und Schönen widmete. Autodidakt hat dennoch einen hohen Graf in der Musik erreicht. Seine Umgangsformen und seine Zuvorkommenheit machten ihn bei Jedermann beliebt, und sein Tod rief bei Juden und Christen großen Schmerz hervor. Als religiöser Mensch und in den heiligen Schriften ziemlich bewandert. Leitete er viele Jahre die religiösen Vorträge des Vereines Achawa! Möge er im Jenseits eine herrliche Belohnung finden!"  

       
Zum Tod von Babette Bodenheimer aus Biblis (1900)  

Biblis Israelit 10051900.jpg (171705 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Würzburg, im Mai (1900). Auf die Worte 'Und sie ging aus dem Ort' (Ruth 1,7), welche bei Noomi stehen, bemerken unsere Weisen: das Scheiden eines Frommen oder einer Frommen aus einem Orte lässt einen Eindruck zurück und eine Lücke erkennen. Auch hier macht das Scheiden einer Frommen, einer 'Lieblichen' in ihren Handlungen, mit dem Tode der Frau Babette Bodenheimer, früher in Biblis wohnhaft, einen tiefen, wehmütigen Eindruck, versetzte die lieben Ihrigen und einen weiten Kreis von Freunden und Bekannten in tiefe Trauer. Und mit Recht; denn wer auch immer nur Gelegenheit hatte, diese Frau kennen zu lernen, der musste sie in ihrer Sanftmut und Freundlichkeit, in ihrer innigen Religiosität und in ihrem Edelsinn als eine patriarchalische Erscheinung bewundern und als den wahren Typus einer wackeren Frau, eines Biederweibs, erkennen. Einer unserer besten, an echter Religiosität hervorragenden Familie angehörig, von frommen, für die Tora und die Wahrheit begeisterten Eltern erzogen und mit einer gediegenen, weiblichen Bildung ausgestattet, zeichnete sie sich schon von Jugend auf in Tugend und Frömmigkeit aus und blieb diesem Streben treu bis ans Ende ihres Lebens, sodass man auch von ihr sagen konnte: wie in ihrer Jugend, so im reiferen und höheren Alter, zeichnete sie sich in Pflichterfüllung aus. Doch den Frommen ist in diesem Leben nicht immer ein ständiges Glück beschieden; auch Frau Bodenheimer sollte sich nicht lange eines ungetrübten Familienglückes erfreuen. Schon nach wenigen Jahren wurde ihr der teuere Gatte durch einen Unglücksfall entrissen, sterbend wurde er ins Haus getragen, den lieben Seinen nur noch einen Schmerzensblick zuwendend. Aber wie eine Tugendheldin ertrug sie den Schicksalsschlag, er konnte ihr häusliches Glück zerstören, doch ihre Willenskraft nicht brechen. Mit doppeltem Ernste übte sie die Mutterpflicht gegen ihre noch zarten Kinder in der Erziehung und Ausbildung derselben, und suchte 'Trost und Stärkung in der ferneren Pflichterfüllung gegen die geliebten Eltern und Angehörigen am Platze. Wie sie diese Pflicht in der langjährigen Pflege ihrer greisen Mutter geübt, bleibt unvergessen und beweist ihre hingebungsvolle Liebe und Pflichttreue. Und als sie diese Kindespflicht nicht mehr üben konnte, da verließ sie ihre     
Biblis Israelit 10051900a.jpg (145765 Byte)Heimat, um dahier ihr edles Wirken im eigenen Familienkreise und überall da, wo es sich um Guttaten handelte, fortzusetzen. Kein Wunder, dass ein solches Leben sich das Wohlgefallen und die Anerkennung Aller erwirbt, und so erfreute sich Frau Bodenheimer seligen Andenkens sowohl hier, als in ihrer früheren Heimat, allgemeiner Beliebtheit. Verstand sie es ja auch, Willenskraft mit Anspruchslosigkeit, Entschiedenheit im Verfolge des Guten und Edlen, mit Sanftmut und ruhigem Gemüte harmonisch zu verbinden, wie es vom der wackeren Frau heißt: Ernst und Würde bilden ihr gemeinsames Gewand. Darum auch konnte die Hingeschiedene stets freudig dem Ende und der einstigen Zukunft entgegen sehen, konnte sie stets das frohe Bewusstsein der Pflichterfüllung haben. Süß wird daher auch ihr Schlaf sein, ob viel oder wenig sie von dem Leben genossen, ob sie auch nicht ein hohes Maß menschlichen Alters erreichte; sanft wird ihre Ruhe sein an der Seite ihre geliebten Heimgegangenen. Ihre Ruhe sei in Ehre. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens! 
Dass die Teilnahme an dem Leichenbegängnisse sowohl hier vom Sterbehause aus bis zur Bahn, als auch am Friedhofe zu Alsbach an der Bergstraße, dem Begräbnisplatze der Familie, eine sehr große war, lässt sich denken. Im Hause gab Herr Seminarlehrer Weißbart (sc. war Lehrer an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg), als ehemaliger Lehrer in Biblis, und Zugrundlegung der Midrasch-Stelle: 'Er sendet dir Hilfe...' seinen und den allgemeinen Trauergefühlen innigen Ausdruck, und am Grabe zu Alsbach sprach Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Marx-Darmstadt in dieser seiner Eigenschaft sowohl, als auch als naher Verwandter, tief empfundene Worte, den Lebensgang und die Tugendfülle der edlen Verblichenen lebenstreu vorführend. Möge den tiefbetrübten Hinterbliebenen und Verwandten Trost werden in dem Gedanken, dass die Entschwundene im besseren Leben weilt um zu essen von den Früchten ihrer Hände und um schauen die Anmut des Ewigen' (vgl. Psalm 27,4)"    

     
Silberne Hochzeit des Gemeindevorstehers Salomon Lazarus Fränkel und seiner Frau (1910)  

Biblis FrfIsrFambl 02091910.jpg (91469 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. September 1910: "Biblis. Am Schabbos Nachamu (der Schabbat Nachamu war 1910 am 20. August) beging Herr Salomon Lazarus Fränkel das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Fränkel ist seit 12 Jahren erster Vorsteher der israelitischen Gemeinde, seit 30 Jahren Rechner des Vereins 'Achawah' und seit 18 Jahren der 'Chewrath Noschim', außerdem seit 8 Jahren Schriftführer der freiwilligen Freuerwehr. Alles dies gibt Kunde von der großen Beliebtheit, deren sich Herr Fränkel hier erfreut. Die freiwillige Feuerwehr ließ es sich nicht nehmen, dem Jubelpaar einen Fackelzug mit 'Ständchen' zu bringen. Kommandant Nock bracht die Glückwünsche der Kameraden dar. Lehrer Rohrheimer hob rühmend den Fleiß des Jubelpaares hervor, dessen Ehe mit 10 Kindern gesegnet ist, und feierte besonders Fränkels Wirken in der Öffentlichkeit. Fast das ganze Dorf hatte sich an der Ehrung beteiligt." 

      
25-jähriges Dienstjubiläum von Alice Fränkel (1927)  

Biblis Israelit 15121927.jpg (17999 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1927: "Personalien. Frl. Alice Fränkel aus Biblis, feiert ihr 25. Dienstjubiläum bei Simon Bodenheimer Ww., Darmstadt. Sie ist schon über 40 Jahre bei ein und derselben Familie tätig."  

   
Zum Tod von Eva Mathilde Steiermann geb. Metzer (1927)  

Biblis Israelit 17111927.jpg (192589 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927: "Aus der Gemeinde Biblis. Unser heute zum Rabbinat Darmstadt gehöriger, in der hessischen Provinz Starkenburg gelegener Ort mit ungefähr 4000 Einwohnern, zählte vor noch nicht ganz einem halben Jahrhundert über 100 jüdische Familien. Er hatte ehedem eigene Rabbiner, deren letzter der als Talmid Chochom wie als Gelehrter bekannte Rabbi Wolff gewesen, der späterhin noch lange Jahre in Colmar im Elsass amtierte. Heute ist die jüdische Bevölkerung hier auf 20 Familien gesunken. Dem Zuge der Zeit folgend ist unsere Jugend schon vor Jahrzehnten zumeist nach den Großstädten abgewandert. Umso schmerzlicher wird es hier empfunden, wenn der unerbittliche Tod in unsere nunmehr nur noch so kleine Gemeinde eine Lücke reißt. Am 8. Marcheschwan (3. November) ist eine Frau von uns geschieden, die es wohl verdient, dass ihr in diesen Blättern ein Denkmal gesetzt werde. Frau Eva Mathilde Steiermann, der frommen Familie Metzger - Weisenau bei Mainz entstammend, führte ein Leben in Frömmigkeit und Tugend, beispielgebend für ihre sechs Söhne und drei Töchter, sowie für die ganze Gemeinde. Ihre Frömmigkeit ward getragen von einer solch felsenfesten Überzeugung, dass, als alle ihre Söhne in den Krieg zogen, ihr Bitochaun (Gottvertrauen) sie aufrecht hielt, alle sind sie ruhm-, ehr- und preisgekrönt, gesund und wohl wieder zuhause angelangt. Trotz ihrer großen Bescheidenheit konnte sie es nicht verhindern, dass man sie in die Chewra (Wohlfahrts- und Beerdigungsverein, Heilige Schwesternschaft) wählte, allwo sie sich mit der ganzen Hingabe, mit der sie alle Mizwaus (Gebote) erfüllte, auch betätigte. Im nächsten Jahre hätte die 77jährige im Verein mit ihrem Gatten, Herrn Moses Steiermann, ihre goldene Hochzeit feiern können, in jenen Höhen aber war es anders beschlossen. Das Leichenbegängnis, zu dem von weither Freunde und Verwandte herbeieilten, zeigte, welch großer Beliebtheit sich die Heimgegangene bei allen Konfessionen erfreute. Die Bürgermeisterei entsandte zur Begleitung der Leiche ihren Beigeordneten, während Bürgermeister und Pfarrer im Hause Besuche abstatteten. Herr Provinzialrabbiner Dr. Merzbach - Darmstadt gab in seinem Nachruf an der Bahre der Dahingeschiedenen den Gefühlen der Hinterbliebenen beredten Ausdruck, er verglich sie mit den 'Frauen im Zelte', anspruchslos, nur für die Kinder und den Vater lebend,  der sie auf Händen trug und mit dem sie ein mustergültiges Eheleben führte. Am letzten Sabbat ihres Lebens hat sie noch die Lichter des heiligen Tages mit einer Kawonoh entzündet, die ihre ganze Liebe zu unserer Emuno (hl. Wahrheit) bekundete. Nun leuchtet ihr Licht dort oben weiter. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
88. Geburtstag von Fanny Haimann geb. Ranis (1936)  

Biblis Israelit 26051936.jpg (22365 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1936: "Biblis, 20. Mai. Frau Fanny Haimann geb. Ranis, wird am 1. Juni 88 Jahre alt. Frau Haimann ist körperlich und geistig sehr rüstig und lässt sich nicht nehmen, jeden Schabbos noch in die Synagoge zu gehen. (Alles Gute) bis 120 Jahre."

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
Anzeige der Bäckerei M. Steiermann (1890)  

Biblis Israelit 22091890.jpg (28173 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Israelit" vom 22. September 1890: 
"Biblis. Sofort gute gangbare Bäckerei, auch Mazzesbäckerei, preisgünstig zu verkaufen. 
M. Steiermann, Bäckerei, Biblis."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: 
"Mazzen-Bestellungen nimmt entgegen M. Steiermann
Biblis bei Darmstadt."    

  
Anzeigen der Bäckerei Salomon Fränkel (1891 / 1900)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1891: 
"Ein Bäckergehilfe und ein Lehrling können sofort eintreten bei 
Salomon Fränkel,
Bäckermeister, Biblis."    
 
Biblis Israelit 26071900.jpg (31469 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1900: "Ein Bäckergeselle  
sowie ein ordentlicher Bäckerlehrling kann sofort eintreten bei 
Salomon Fränkel, Bäckermeister, Biblis bei Worms."  

       
Anzeige der Metzgerei Julius Heimann (1901)   

Biblis Israelit 18031901.jpg (50805 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1901: "Zur Beachtung
Ich mache hiermit das verehrte Publikum darauf aufmerksam, dass ich es bis jetzt noch nicht nötig hatte, mir einen Schomer setzen zu lassen. - Gleichzeitig erlaube mir für Pessach meine Wurst- und Räucherwaren nebst Pökelfleisch in empfehlende Erinnerung zu bringen. 
Julius Heimann, Metzger, Biblis (Hessen)."    

   
Anzeigen der Metzgerei Lazarus Fränkel II. Witwe (1906)    

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Februar 1906: "Die unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Landrabbiners Dr. Marx in Darmstadt stehende Metzgerei und Wurstlerei Lazarus Fränkel II. Witwe   Biblis (Hessen) empfiehlt - koscher - koscher
Ia feine Fleischwurst, Cervelatwurst, Geräucherte und Pökelzunge, Rauchfleisch, Pökelfleisch, Presskopf.  
- koscher al pessach - Für Pessach: Wurst, Rauchfleisch, Pökelfleisch und Zungen."    
   
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. April 1906: "Die unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Landrabbiners Dr. Marx in Darmstadt stehende Metzgerei und Wurstlerei Lazarus Fränkel II. Wwe. Biblis (Hessen) Koscher - empfiehlt - Koscher   
Ia feine Fleischwurst, Cervelatwurst, Geräucherte und Pökelzunge, Rauchfleisch, Pökelfleisch, Presskopf. 
koscher al pessach -
Für Pessach: Wurst, Rauchfleisch, Pökelfleisch und Zungen."       

      
Weitere Persönlichkeiten: 

Zachary Hochschild (1854 Biblis - 1912 Frankfurt a.M.), seit 1872 Mitbegründer, 1878 Prokurist der von Philipp Abraham Cohen in Frankfurt gegründeten Frankfurter Metallgesellschaft AG. (bis 1881 Firma Philipp Abraham Cohen), die weltbekannt im internationalen Metallhandel wurde.
Biblis MHochschild 01.jpg (35339 Byte)Moritz (Mauricio) Hochschild (1881 in Biblis - 1965 in Paris). Neffe von Zachary Hochschild, des Mitbegründers der Frankfurter Metallgesellschaft AG, lebte seit 1911 in Chile und gründete wenige Jahre später den zweitgrößten Minenkonzern von Bolivien. Er galt als "El Magnate Misterioso" und wurde "Don Mauricio" genannt. Während der NS-Zeit half er vielen Verfolgten bei der Auswanderung und wurde damit zum "Oskar Schindler Boliviens". Nach ihm ist 1955 eine Straße in Biblis genannt (nach Angaben der Stadt "gegen eine Spende von 5.000 DM").
Link zur "Mauricio Hochschild S.A.I.C." in Chile:  www.mhochschild.cl (zahlreiche weitere Informationen über Google-Suche recherierbar); der Nachlass befindet sich im Leo-Baeck-Institut New York
An die Familie Hochschild in Biblis erinnert heute u.a. die "Hochschildstrasse" (siehe Foto des Straßenschildes oben).  
Vgl. Artikel in der "Hessenschau" vom 19. März 2017: "Bergbauunternehmer Moritz Hochschild Der "Oskar Schindler Boliviens" kommt aus Biblis.  
Ein Hesse baute sich in den 1920er Jahren in Südamerika ein Bergbauimperium auf - und als der zweite Weltkrieg ausbricht, rettet er tausende Juden vor den Nazis. Aber er erzählt niemandem davon. Erst jetzt wird sein Geheimnis öffentlich.
Mehr als fünf Jahrzehnte nach seinem Tod wird die Geschichte des deutschen Bergbauunternehmers Moritz Hochschild aus Biblis neu geschrieben. "Don Mauricio", wie er in seiner Wahlheimat Bolivien genannt wird, war nicht nur ein erfolgreicher Zinnbaron mit schillerndem Lebenswandel. Er hat durch seine Kontakte zum damaligen Präsidenten German Busch (1937-39) auch tausenden Juden die Flucht vor dem Nationalsozialismus in Europa ermöglicht. Dank der umfangreichen Dokumente, die inzwischen zugänglich sind, wird Mauricio Hochschild damit zum "Oskar Schindler Boliviens".
Schriftsteller und Historiker, getarnt als Bauern. "1938 rechnete Hochschild aus, dass er 2.000 bis 3.000 Juden nach Boliven geholt hatte, 1939 kam er auf 9.000", sagt der Historiker Robert Brockmann, der an einer Biografie des kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs gestorbenen Präsidenten Busch arbeitet. Busch war es, der das südamerikanische Land 1938 für die Einwanderung von Juden öffnete. Offiziell sollten nur Landwirte angelockt werden, aber es kamen auch Akademiker, Schriftsteller und andere Intellektuelle. Hochschild stand für Transportkosten, Einwanderungsformalitäten und die erste Aufnahme auf einem Bauernhof in der Region Yungas ein.Erst nach dem Jahr 2000 machte sich die bolivianische Minengesellschaft (Comibol) daran, die alten Aktenberge der Bergbauunternehmen aufzuarbeiten. Sie waren "vollkommen vernachlässigt" und "der Verwitterung ausgesetzt", wie Archiv-Direktor Edgar Ramírez sagt. Die Unterlagen waren 1952 mit der Verstaatlichung der Unternehmen Hochschilds in öffentlichen Besitz übergegangen.
Die Dokumente gelten als authentisch. Da findet sich etwa ein Arbeitsvertrag von Erico Nagel Thale, der 1904 in Leipzig zur Welt kam und mit 32 Jahren zusammen mit seiner Mutter Ana nach Bolivien gelangte. Oder ein Bittschreiben des Kindergartens Miraflores in La Paz, der wegen der Ankunft zahlreicher jüdischer Kinder um finanzielle Unterstützung für den Ausbau bat. Oder eine Anfrage der französischen Regierung, die fast tausend jüdische Waisenkinder nach Bolivien schicken wollte.
Im vergangenen Oktober hat das Unesco-Weltregister "Memory of the World" den Comibol-Fund als authentisch eingestuft. Der gesamte Fundus soll in diesen Wochen ins Internet gestellt werden.
Bis zu 15.000 Juden in Bolivien. In den 1940er Jahren stieg die Zahl der Juden, die sich in Bolivien niederließen, auf rund 15.000 an. "Wir sind Bolivien sehr dankbar, dass es den Flüchtlingen die Türen öffnete", sagte Monica Blankitny, deren Vater Jacob dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau entkam und anschließend nach Bolivien zog. Archiv-Direktor Ramírez und der Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Boliviens, Ricardo Udler, sehen weitreichende Parallelen zwischen Hochschild und dem Unternehmer Oskar Schindler, der mehr als tausend Juden vor den Nazis rettete und dem der US-Regisseur Steven Spielberg mit seinem Film "Schindlers Liste" 1993 ein Denkmal setzte.
In Biblis ist eine Straße nach Hochschild benannt. Hochschild, ein aus dem hessischen Biblis stammender Jude, war 1921 nach Bolivien ausgewandert. 1944 verließ er das Land wieder - er starb 1965 in Paris, ohne dass er sein Geheimnis preisgegeben hätte. In Biblis ist nach Hochschild auch eine Straße benannt, allerdings aus anderem Grunde: Hochschild sei nach Kriegsende in seinem Geburtsort zu Besuch gewesen, berichtet Rudi Dörr, der als Hobbyhistoriker die Ortsgeschichte schreibt. Er habe seine früheren Nachbarn mit Geld beschenkt und der Gemeinde eine größere Spende gemacht. Daraufhin sei die Straße, an der sein Geburtshaus steht, in Hochschildstraße umbenannt worden. Das Elternhaus gehört heute der Gemeinde - es ist aber baufällig und soll laut Dörr abgerissen werden.
Die meisten Juden, die mit der Hilfe von "Don Mauricio" nach Bolivien gelangten, kehrten dem Land später den Rücken. Heute leben nur noch schätzungsweise 500 Juden in Bolivien. Quelle: José Arturo Cárdenas/AFP"  
Link zu dem Artikel.     

  
  
Sonstiges 
Aus der jüdischen Geschichte in Hofheim: Kaufvertrag von 1930   

Hofheim Dok 1930.jpg (95290 Byte)Es handelt sich um einen am 10. April 1930 unterzeichneten Kaufvertrag. Die beiden in Hofheim geborenen Schwestern Amalie Bär geb. Nordheimer und Clara Trum geb. Nordheimer verkauften an den Schreiner Johann Georg Kreider in Hofheim das bis dahin ihren Familie gehörende Grundstück in der Hofheimer Lindenstraße 27. Amalie Bär wohnte damals mit ihrem Mann, dem Kaufmann Max Bär in Mannheim. Clara Trum lebte mit ihrem Mann, Adolf Trum in Gau-Odernheim
(Dokument erhalten von Rüdiger Glaser
Nach Erinnerungen vor Ort gab es im Bereich eines zur Lindenstraße 27 benachbarten, inzwischen abgerissenen Gebäudes eine auffallende Mulde. Da es sich um ein Grundstück aus früher jüdischem Besitz handelte, wurde schon eine Mikwe in diesem Bereich vermutet.     

Rechts: das Gebäude Hofheimer Straße 27, 
ehemals im Besitz der jüdischen 
Schwestern Nordheimer 
(Fotos erhalten von Rüdiger Glaser) 
 Hofheim Lindenstr 27 010.jpg (29908 Byte)  Hofheim Lindenstr 27 011.jpg (50477 Byte)  Hofheim Lindenstr 27 012.jpg (54487 Byte)
  Historisches Foto   Das Gebäude  

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge         
      
Bereits im 18. Jahrhundert war ein Betsaal beziehungsweise eine erste Synagoge vorhanden. Der erste Betsaal befand sich nach einer Urkunde des Oberamts Starkenburg vom 27. Januar 1768 im Gebäude der Familie von Löb Salomon in der Darmstädter Straße 21.    
  
1821
reichte die jüdische Gemeinde Biblis dem Gemeindevorstand einen Antrag zum Neubau einer Synagoge ein. In den folgenden Jahren, möglicherweise erst 1832 wurde die neue Synagoge in Biblis erbaut. Zum Synagogenbaus und zur weiteren Synagogengeschichte konnten bislang noch keine näheren Informationen gefunden werden.      
       
Am 12. September 1938 verkaufte die jüdische Kultusgemeinde die Synagoge an die Gemeinde Biblis zum Preis von 1.200 Reichsmark. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch die SA-Brigade 50 (Starkenburg) völlig zerstört. Danach wurde das Gebäude durch den Reichsluftschutzbund zweckentfremdet. Unmittelbar nach Kriegsende wurde in der ehemaligen Synagoge eine Volksküche für Ausgebombte und Flüchtlinge eingerichtet (Gaststätte von Heinrich Pieé); später war in ihr eine Schreinerei. 1981/82 wurde das Gebäude auf Grund des baufälligen Zustandes abgebrochen. Auf dem Grundstück erbaute die Gemeinde Biblis im folgenden Jahr ein neues Rathaus. Ein Gedenkstein in der Baunische des Rathauses wurde im November 1982 aufgestellt. Er trägt die Inschrift: "Zur Erinnerung an die Synagoge in der Enggasse 6 1832-1938".      
        
         
Adresse/Standort der Synagoge: Enggasse 6, hinter dem alten Rathaus.   
     
     
Fotos    

Die Synagoge in Biblis - 
abgebildet auf dem Geopunkt der Gemeinde
 zur jüdischen Geschichte in Biblis   
 Biblis Synagoge 010.jpg (31490 Byte)  Biblis Synagoge 011.jpg (18255 Byte)
  Die Synagoge um 1908 (Pfeil)   Rekonstruktion der Synagoge nach Zeitzeugen (Zeichnung Rudi Dörr)  
     
Der Gedenkstein für die 
ehemalige Synagoge in einer 
Baunische des neuen Rathauses 
Biblis Synagoge 100.jpg (75203 Byte) Biblis Synagoge 181.jpg (91945 Byte) Biblis Synagoge 180.jpg (128821 Byte)
   Aufnahme von 1982
(Quelle: Altaras s.Lit.) 
Aufnahmen vom Oktober 2010
(Foto: Michael Ohmsen, Fotoseite zu Biblis)
     
Der Gedenkstein für die ehemalige Synagoge und 
das Geopark-Schild zur jüdischen Geschichte in Biblis
 
(Fotos: Rudi Dörr)   
   
Biblis Gedenken IMG_6261.jpg (276534 Byte)   Biblis Gedenken IMG_6262.jpg (174130 Byte)  Biblis Gedenken IMG_6263.jpg (197886 Byte)
     

      
      
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

März 2010: Bildband 1175-Jahre-Feier geplant - Fotos zur Synagoge gesucht  
Artikel in der "Wormser Zeitung" vom 13. März 2010 (Artikel): "Blick in Historie
BIBLIS - AUFRUF Bildband zur 1175-Jahr-Feier geplant. 

(red). Biblis und Wattenheim feiern im Jahr 2011 ihr 1175-jähriges Bestehen. Zu diesem Zweck soll auch ein Bildband über Biblis mit seinen Ortsteilen herausgegeben werden. Dieser Bildband soll nicht nur neuzeitliche Motive enthalten, sondern auch Aufschluss über die historische Entwicklung der drei Ortsteile geben. Insofern besteht die Absicht, auch altes Bildmaterial aufzuarbeiten und in diesem Band zu präsentieren..."   
  
2017: Ein Geopark-Schild (Geopunkt) erinnert an die jüdische Geschichte in Biblis   
Biblis Geopunkt.jpg (94732 Byte)Zu den Geopunkten in Biblis siehe die Website des Geo-Naturparkes Bergstraße-Odenwald  http://www.geo-naturpark.net/deutsch/wandern/geopunkte/orte/biblis.php    
 

      

    
Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Biblis     (Alte Website)  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Biblis  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 1 S. 68-69. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 120.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 14-15.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 96-97.
Biblis Lit 2012.jpg (94668 Byte)Rudi Dörr / Günter Mössinger: Jüdisches Leben in Biblis und Nordheim. Hrsg. Verein für Heimatgeschichte Nordheim e.V. 2012. 34 S.  Artikel zur Buchvorstellung im morgenweb.de vom 16.11.2012.    

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Biblis Hesse. This Orthodox community, numbering almost 200 (8 % of the total) in 1871, was noted for its Jewish educational work and industrial enterprise. Mauricio Hochschild, whose family ran a metal-trading company, later became one of Bolivia's wealthiest mining magnates. By 18 November 1938, a week after Kristallnacht (9-10 November), the last Jew had fled - mostly emigrating to the United States and Palestine.  
     
      

                   
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Stand: 22. März 2017