Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Alsbach-Hähnlein (Landkreis Darmstadt-Dieburg) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  

Siehe Seite zur Synagoge in Alsbach (interner Link)   
 
    

Zur Geschichte dieses Friedhofes 

Der erste Hinweis auf den jüdischen Friedhof in Alsbach findet sich in einem alten Alsbacher Gerichtsbuch, wonach 1616 den Alsbacher Juden ein Begräbnisplatz zugeteilt wurde. In Rechnungsbüchern des 15. und 16. Jahrhunderts finden sich jedoch noch ältere Hinweise (erstmals 1423, auch 1563). Die Friedhofsanlage, die ursprünglich nur knapp einen halben Morgen betrug, hat in den Jahren 1743, 1793 und 1858 Erweiterungen erfahren und umfasst jetzt die Fläche von 226,72 ar (über 2.000 Grabsteine). Der Friedhof steht im Eigentum des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen.  Landgraf Ludwig der VIII. (1739-1768) gab 1741 die Erlaubnis, das Judenbegräbnis mit einer Mauer zu umgeben. Der beim Judenpogrom 1615 aus Worms vertriebene berühmte Rabbiner Abraham Samuel ben Isaak Bacharach starb am 2. Mai 1615 in Gernsheim und wurde in Alsbach begraben. Diese Tatsache zog nach sich, dass der Alsbacher Friedhof zur zentralen Begräbnisstätte für den südhessischen Raum wurde und führte letztendlich dazu, dass Juden aus 14 Synagogengemeinden mit Mitgliedern aus 32 bürgerlichen Gemeinden hier bestattet wurden (Alsbach, Auerbach, Bensheim, Biblis, Biebesheim, Bürstadt, Crumstadt, Eberstadt, Elmshausen, Eschollbrücken, Gernsheim, Goddelau, Groß- und Kleinhausen, Groß-Rohrheim, Hahn, Hähnlein, Heppenheim, Hofheim, Jugenheim, Lorsch, Pfungstadt, Nordheim, Reichenbach, Schönberg, Seeheim, Schwanheim, Stockstadt, Zwingenberg). 
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Friedhof durch SA-Leute geschändet. Zahlreiche Grabsteine wurden zertrümmert sowie das Totenhäuschen geprengt. Dabei wurde das Register aller Toten, die dort seit 300 Jahren bestatt worden waren, verbrannt. Bis 1940 wurden noch beigesetzt: Julius Bauer aus Bensheim, gest. an den Folgen der KZ-Haft im Dezember 1938 und seine Frau Hedwig, gest. am 15. Februar 1939 an Suizid; Hermann Kanthal aus Worms, zuvor Biblis, gest. 12. Dezember 1938; Max Hahn aus Gernsheim, gest. 12. Juni 1940 und Rosa Hahn aus Auerbach, gest. 31. Oktober 1940. Bis 1945 blieb der Friedhof verwüstet; Steinmetze und Privatleute holten sich bei Bedarf Steine und richteten sie für ihre Zwecke her. 
  
1945 wurde der Friedhof auf Anregung eines US-amerikanischen Soldaten (der aus Reichenbach emigriert war und dessen Eltern im Friedhof beigesetzt sind) wiederhergestellt. Nationalsozialisten hatten die Grabsteine aufzurichten und die Inschriften zu säubern. Im Ostteil des Friedhofes waren jedoch inzwischen viele Grabsteine verloren gegangen. 

Nach 1945 erfolgten noch einige wenige Beisetzungen, u.a. eine polnischen Jüdin und zwei Kinder, die im Lager für Displaced Persons in Bensheim-Auerbach gestorben waren.   

Hinweis: Nach dem Verzeichnis der durch die "Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen" bearbeiteten hessischen Friedhöfe ergibt sich für den Friedhof in Alsbach die Zahl von 2.128 vorhandenen Grabsteinen aus der festgestellten Belegzeit von (1615) 1682-1940, 1947/48. Siehe landesgeschichtliches Informationssystem Hessen - Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen und Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg: Dokumentation der jüdischen Friedhöfe in Hessen - Online zugänglich 

   
  
Die Lage des Friedhofes   
  
Der Friedhof liegt unmittelbar westlich der Bundesstraße 3 (Zufahrt über einen von der B 3 abzweigenden Weg) und östlich der Bahngleise - zwischen der südlich gelegenen Bahnhofstraße und der nördlich gleichfalls von der B 3 abzweigenden Straße "In der Pfarrtanne".  
  
  
Link zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)  
  

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Artikel zur Geschichte des Friedhofes       
Bericht über die Beisetzung von Rabbi Salomon Bodenheimer aus Biblis (1886)

Alsbach Israelit 01031886f.jpg (52145 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1886: "Alsbach (an der Bergstraße), 24. Februar (1886). Eine zahlreiche Menschenmenge aus Darmstadt, Frankfurt am Main und aus der ganzen Umgegend hatte sich heute auf dem israelitischen Friedhofe eingefunden, um dem verewigten Rabbi Salomon Bodenheimer - er ruhe in Frieden - aus Biblis das letzte Geleit zu geben. 

 
30-jähriges Jubiläum von Marum Kiefer als Kontrolleur des Friedhofes (1911)  

Alsbach Israelit 26101911.jpg (38648 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1911: "Alsbach (Hessen), 23. Oktober. Seite 30 Jahren versieht Herr Marum Kiefer, Hähnlein, Vorstandsmitglied des Friedhofsverbandes Alsbach das Amt eines Kontrolleurs. Auch ist derselbe langjähriges Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde. Aus diesem Anlasse wurde ihm am Rosch Chodesch Cheschwan (Monatsanfang Cheschwan = 23. Oktober 1911) im Beisein sämtlicher Vorstandsmitglieder durch den Vorstand, Herrn L. David hier, ein prachtvoller Sessel überreicht."

  
Schändung des jüdischen Friedhofes (1925)    

Alsbach JuedlibZtg 21081925.jpg (27531 Byte)Artikel in der "Jüdischen liberalen Zeitung" vom 21. August 1925: "In den letzten Tagen haben Unholde den israelitischen Friedhof bei Alsbach (Bergstraße) geschändet. Elf Grabsteine wurden umgeworfen und zertrümmert. Der israelitische Friedhofsverband in Alsbach hat für die Ermittlung der Täter eine Belohnung ausgesetzt."   
  
Mitteilung der der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins) vom 28. Januar 1927: "August 1925. Alsbach a.d. Bergstraße: Auf dem israelitischen Friedhof wurden elf Grabsteine umgeworfen und zertrümmert."    

 

Wissenschaftliche Diskussion um einen Grabstein
Artikel über Rabbiner Samuel Bacharach und sein Grab in Alsbach
(Beitrag von J. Kunreuther in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1862)

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Beitrag von Rabbiner Dr. W. Feilchenfeld (Düsseldorf) auf den Beitrag von J. Kunreuther 
(Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1862)

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Antwort auf den Beitrag von Rabbiner Lilienfeld von J. Kunreuther 
(Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1863)

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Schändungen des Friedhofes 2004 / 2005

Anfang Juni 2004 und Anfang September 2005 wurde der Friedhof geschändet: 
07.06.2004 Pressemeldung des Polizeipräsidiums Südhessen - Darmstadt (Quelle)

Darmstadt (ots) - Alsbach-Hähnlein, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Wie am Sonntag (6.6.2004) gemeldet, haben unbekannte Täter in der Zeit von Dienstag (1.6.2004) bis Freitag (4.6.2004) den jüdischen Friedhof im Ortsteil Sandwiese aufgesucht, die dortige mannshohe Mauer überstiegen und zwei Grabsteine umgeworfen. Die Grabsteine sind dabei zerbrochen. Außerdem haben die Täter in die Frontseiten von sieben weiteren Grabsteinen, möglicherweise mit einem spitzen Stein, Kakenkreuze eingeritzt. 
Beamte der Polizeistation Pfungstadt und der Kriminalpolizei haben Spuren gesichert und entsprechende Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe, gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen aufgenommen. 
Im Zusammenhang mit dieser Friedhofsschändung bittet die Polizei um sachdienliche Hinweise an das Polizeipräsidium Südhessen, Tel. 06151/969 3030. 

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Fotos von den geschändeten Grabsteinen (Quelle: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge)

06.09.2005 - 09:59 Uhr, Pressemeldung des Polizeipräsidiums Südhessen - Darmstadt (Quelle)

Alsbach-Hähnlein (ots) - Mit Hakenkreuzen, SS-Runen und dem Schriftzug "Heil Hitler" haben am Montag bislang unbekannte Täter ihr Unwesen auf dem Jüdischen Friedhof in Alsbach-Hähnlein getrieben und die Außenmauer verunstaltet. Dazu benutzten sie orangefarbenen Sprühlack. Die Tatzeit liegt zwischen 15.10 Uhr und 23.30 Uhr. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Sachbeschädigung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Der Jüdische Friedhof war in der jüngeren Vergangenheit bereits dreimal durch Unbekannte geschändet worden. Erst Mitte Juli und im April dieses Jahres sowie Anfang Juni 2004 hatten die Täter dort Schändungen begangen.

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Fotos von NS-Symbolen am Friedhofseingang

     
   
     

Fotos des Friedhofes
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.9.2003) 

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Eingangstor (vom Friedhof aus gesehen) Hinweistafel am Tor Informationstafel am Eingang
     
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Teilansichten
 
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Teilansichten
 
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Teilansichten
 
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Teilansicht Einzelner Grabstein Zusätzliche Namenstafeln auf Rückseite
     
Alsbach Friedhof 110.jpg (84903 Byte) Alsbach Friedhof 111.jpg (57944 Byte)    
Neuere Gräber 
aus den 1930er-Jahren
Grabstein für Max Kallmann aus 
Bensheim - wie überall im Friedhof sind
 die Lebensdaten ausschließlich nach
 jüdischer Jahreszahl angegeben
   
 
 
       
Fotos 2011 
(Fotos: Michael Ohmsen, die Fotos in höherer Auflösung 
auf der Website von M. Ohmsen: Fotos zu Alsbach-Hähnlein)  
 
Alsbach Friedhof 844.jpg (200713 Byte) Alsbach Friedhof 847.jpg (160924 Byte) Alsbach Friedhof 842.jpg (89319 Byte)
Weg zum Friedhofseingang Eingangshalle Hinweistafel am Eingang
     
Alsbach Friedhof 843.jpg (126533 Byte) Alsbach Friedhof 840.jpg (104744 Byte) Alsbach Friedhof 841.jpg (128814 Byte)
Informationstafeln am Eingang in deutsch, englisch und Iwrit 
     
Alsbach Friedhof 845.jpg (146591 Byte) Alsbach Friedhof 846.jpg (179323 Byte)
Teilansichten des Friedhofes

  
    

Links und Literatur

Website der Gemeinde Alsbach-Hähnlein  
Infoseite zum Friedhof bei "Sehenswürdigkeiten im Odenwald"    
Zur Seite über die Synagoge in Alsbach (interner Link)  
Link zum "Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge", dort Informationen und Fotos zum Friedhof Alsbach  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Alsbach / Alsbach-Hähnlein 

Literatur:

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 30-31.
Hartmut Heinemann/Christa Wiesner: Der jüdische Friedhof in Alsbach an der Bergstrasse. Wiesbaden 2001.
Alsbach Broschuere.jpg (46266 Byte)Johannes Mingo / Fritz Kilthau: "Beth Olam - Haus der Ewigkeit" - Gang über den jüdischen Friedhof in Alsbach an der Bergstraße
Dieser Führer enthält in Kurzform Informationen zur Geschichte des Friedhofs, den Gräbern und Grabsteinen mit ihren Symbolen, den Beerdigungsriten, Informationen zum Gedenkstein für den berühmten Rabbi Samuel Bacharach, zum Totenhaus und zur Reichspogromnacht. 12 Seiten, 19 Abbildungen. Preis: 1.- € 
Verkauf bei Führungen über den Friedhof oder auf Anfrage via Webseite des "Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge"
Es gibt auch eine englische Ausgabe: Beth Olam - House of Eternity - A visit to the Jewish cemetery in Alsbach on the Bergstraße 
Michael Brocke/Christiane E. Müller: Haus des Lebens. Jüdische Friedhof in Deutschland. Leipzig 2001. S. 153.
   
   

       

                   
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Stand: 18. Dezember 2011