Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Friedhöfe in Sachsen
Jewish Cemeteries in Saxonia

Übersicht:   

Jüdische Friedhöfe (bzw. jüdische Grabstätten*) gibt es in folgenden Orten:  
     
Annaberg-Buchholz (ERZ)   Delitzsch (TGO)   *Johanngeorgenstadt (ERZ)   Plauen (V)  
*Bad Gottleuba - Berggießhübel (PIR)   *Drebach (ERZ)   *Langhennersdorf (FG)   Schneeberg/ Erzgebirge (ERZ)  
Bautzen (BZ)  
Unterseite  
Dresden (DD)   Leipzig (L)   *Thum - Herold (ERZ)  
*Bautzen-Salzenforst (BZ)   *Freiberg/Sachsen (FG)   Meißen (ehem. mittelalterlich) (MEI)   *Venusberg (Verwaltungsverband Grüner Grund, ERZ)  
*Berthelsdorf- Rennersdorf (GR)   Görlitz (GR)  
Unterseite  
*Niederschöna (FG)   *Zinnwald (PIR)  
Burgstädt (FG)     *Hohenstein- Ernstthal (Z)  *Oederan (FG)     Zwickau (Z)  
Chemnitz (C)        Zittau (GR)  
Unterseite  
       
Die Kreise: Bautzen (BZ), Chemnitzer Land (GC), Erzgebirgskreis (ERZ), Freiberg (FG), Görlitz (GR), Meißen (MEI), Nordsachsen (TGO), Sächsische Schweiz - Osterzgebirge (PIR), Vogtlandkreis (V), Zwickau (Z) sowie die kreisfreien Städte Chemnitz (C), Dresden (DD) und  Leipzig (L).  

 

Annaberg-Buchholz (ERZ)

Zur Geschichte des Friedhofes: 1901 stellte die Israelitische Vereinigung in Annaberg bei den Behörden den Antrag auf Anlage eines jüdischen Friedhofes. 1902 konnte ein geeignetes Grundstück erworben werden. Bis Frühjahr 1903 war der Friedhof angelegt. Die letzte Beisetzung fand am 5. April 1935 statt. 1938 wurde der Friedhof geschändet, 1940 eingeebnet. Die Friedhofshalle wurde gesprengt. Die 16 damals noch in Annaberg lebenden Juden mussten das Gelände kostenlos der Stadt überlassen. Die Überführung der Leichen nach Chemnitz wurde von den Behörden erlaubt. 
Seit dem 9. November 1988 erinnert auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofes ein Gedenkstein. 17 erhaltene Grabsteine des Friedhofes wurden 1956 auf den Neuen Friedhof der Stadt gebracht. In einem Rondell wurden sie um einen hohen Gedenkstein für die in der NS-Zeit ermordeten Juden aufgestellt.

Lage: Der ehemalige Friedhof befand sich am Ortsausgang in Richtung Schönfeld-Wiesa (Chemnitzer Straße) gegenüber dem Krankenhaus (Erzgebirgs-Klinikum) zwischen der Chemnitzer Straße und dem 1956 angelegten neuen städtischen Friedhof. Die erhaltenen Grabsteine stehen auf dem neuen Friedhof.

Ungefähre Lage des jüdischen Friedhofes in Annaberg auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Straßenverzeichnis zur "Chemnitzer Straße". Der Friedhof ist jedoch nicht eingetragen; der "Neue Friedhof" ist über das Verzeichnis der "Behörden und öfftl. Einrichtungen" eingetragen.

Link: Homepage der Stadt Annaberg-Buchholz   
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 215; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 232f.
  
  
  

*Bad Gottleuba - Berggießhübel (PIR)

Zur Geschichte jüdischer Grabstellen: In Bad Gottleuba erinnert seit den 1970er-Jahren auf dem evangelischen Friedhof eine Gedenktafel, die unter anderem an den Tod von sechs ungarischen jüdischen Frauen in der Stadt erinnert.   
    
Fotos   
(erhalten von Katharina Hahne, Aufnahmedatum 29.07.2008) 

Die Gedenktafel auf dem 
evangelischen Friedhof
Gottleuba Gedenktafel 010.jpg (78395 Byte) Gottleuba Gedenktafel 011.jpg (128954 Byte)
   Inschrift: "Unvergessen bleiben die Opfer des 2. Weltkrieges, die in der Stadt Bad Gottleuba ihre letzte Ruhestätte fanden. Darunter Häftlinge von Bergen-Belsen und anderen Konzentrationslagern: Esther Pinter aus Ungarn 28.05.1945, Rosa Grundstein aus Ungarn 23.08.1945, Magda Reismann aus Ungarn 24.07.1945, Isabella Antal aus Ungarn 23.11.1945,  Lili Gross aus Ungarn 17.10.1945,  Magda Österreich aus Ungarn 1945 sowie Bombenopfer von Dresden"

Lage: Auf dem evangelischen Friedhof am Ortsausgang Richtung Oelsen.   

Link: Homepage der Stadt Bad Gottleuba  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 375.
  
    
    

Bautzen (Budysin, BZ)

Bautzen Friedhof 171.jpg (141904 Byte) Zum Friedhof in Bautzen besteht eine Unterseite (interner Link): hier anklicken

   
  

Bautzen-Salzenforst (Slona Borsc, BZ)

Zur Geschichte des Friedhofes: Ein 1949 aufgestelltes Mahnmal am Chorberg trägt die folgende Inschrift: "Hier ruhen 43 jüdische Frauen aus Deutschland, Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei. Sie wurden im Februar 1945 auf dem Wege von Auschwitz nach Buchenwald von SS-Horden ermordet".

Lage: Das Mahnmal befindet sich auf einer Grünfläche innerhalb eines mit Gehölzen gestalteten Rondells am Osthang des Chorberges.

Link: Homepage der Stadt Bautzen  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 589.

  
  

 

*Berthelsdorf-Rennersdorf (Rynarjecy, ZI)

Zur Geschichte der Grabstätte: In Rennersdorf wurden im März 1945 durch SS-Männer zehn jüdische KZ-Häftlinge ermordet.  Sie erhielten ein Gemeinschaftsgrab (mit Davidstern) unmittelbar vor der Kirche auf dem örtlichen Friedhof.
(Bei mehreren Todesmärschen, u.a. aus dem KZ Görlitz ins Rennersdorfer Ausweichlager kamen 1945 wahrscheinlich hunderte von jüdischen Häftlingen ums Leben. Das Rennersdorfer Lager befand sich wahrscheinlich auf dem am Eichler gelegenen Gut Oberrennersdorf).

Lage: Örtlicher Friedhof

Link: Homepage der Gemeinde Berthelsdorf  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 573.


    

Burgstädt (MW)

Zur Geschichte des Friedhofes: Über den alten Friedhof an der Chemnitzer Straße wird 1928 von einer Friedhofschändung berichtet:

Burgstaedt Israelit 09021928.jpg (46144 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Berlin. In Burgstädt (Sachsen) haben drei Schulknaben im Alter von 11, 9 und 8 Jahren auf dem alten Friedhof an der Chemnitzer Straße etwa 100 Grabstätten zerstört, indem sie die Grabfiguren zerschlugen und die Schrifttafeln zertrümmerten oder von den Steinen herunterrissen."   

Lage:  

Link: Website der Stadt Burgstädt  
Literatur:   
     
       

Chemnitz (C)

Zur Geschichte des Friedhofes: Der jüdische Friedhof in Chemnitz wurde 1879 angelegt. Bereits 1898 musste er erweitert werden. 1882 wurde im Zentrum des Friedhofes auf einer Erhöhung eine Trauerhalle gebaut (1968 renoviert). Während der NS-Zeit kam es nur vereinzelt zu Schändungen. Nach dem Krieg wurden bei Schändungen mehr als 50 Grabsteine zum Teil stark beschädigt. Hinter der Friedhofshalle erinnert ein Obelisk an die Ermordung von sechs Millionen jüdischer Menschen in der NS-Zeit. Die Friedhofsfläche umfasst etwa 30 ar. Insgesamt sind etwa 1.250 Grabstellen vorhanden. Der Friedhof wird bis zur Gegenwart belegt.

Lage: Der Friedhof liegt westlich des Stadtzentrums auf halber Höhe des Kassbergs neben dem christlichen Matthäus-Friedhof (Straße "Hoher Weg")

Lage des jüdischen Friedhofes in Chemnitz auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, jüd.. Hoher Weg". Der Friedhof ist als jüdischer Friedhof markiert.

Link: Homepage der Stadt Chemnitz  mit Seite zur alten und neuen Synagoge 
Tage der jüdischen Kultur Chemnitz  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 217-221; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 281-285. 
Jürgen Nitsche / Ruth Röcher: "Juden in Chemnitz". Michel Sandstein Verlag Dresden 2002 (hierin Beiträge zum jüdischen Friedhof der Stadt).

  
  
  

Delitzsch (DZ)

Zur Geschichte des Friedhofes: Die im 19. Jahrhundert in Delitzsch entstandene jüdische Gemeinde bemühte sich 1861 um die Anlage eines eigenen Friedhofes. Damals konnte die Gemeinde für 106,5 Taler einen Teil des Wirtschaftsgeländes der Brauereigenossenschaft erwerben. Im August 1865 fand die erste Beisetzung statt. 1911 und 1928 wurden angrenzende Grundstücke zur Friedhofsweiterung gekauft. 1928 ist eine Friedhofshalle erbaut worden. Sie wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Heute sind noch 34 Grabsteine erhalten. Die Friedhofsfläche umfasst 10,93 ar. Weitere Steine liegen an der Mauer. Ein Gedenkstein für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten ist vorhanden. 

Lage: Am Ende der Hainstraße/Ecke Rosental gegenüber dem St.-Maria-Altenheim

Lage des jüdischen Friedhofes in Delitzsch auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, Delitzsch, Rosental". Der Friedhof ist als jüdischer Friedhof markiert.

Link: Homepage der Stadt Delitzsch  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 221f; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 

  

*Drebach (Verwaltungsverband Grüner Grund, MEK)

Das einzige jüdische Grab auf dem Friedhof in Drebach (Mittlerer Erzgebirgskreis) wurde im Frühjahr 2002 von Unbekannten geschändet. Dabei wurde der Grabstein umgeworfen und die Bepflanzung herausgerissen.
(Freie Presse Chemnitz, Polizeibericht 10.4.02 bzw. Quelle

Link: Homepage der Gemeinde Drebach

  
  

Dresden (DD)

Dresden Friedhof 100.jpg (16455 Byte)Zur Geschichte der Friedhöfe: In Dresden gab es bereits im Mittelalter einen jüdischen Friedhof. Er lag vermutlich nahe dem "Judenteich", der sich vor dem Kreuztor außerhalb der Stadt (heute Georgplatz) befand.

Der alte jüdische Friedhof in Dresden ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof in Sachsen. Er konnte auf Grund einer Genehmigung durch den sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. 1751 auf einem Platz inmitten der Äußeren Neustadt angelegt werden. 1869 war er voll belegt und wurde geschlossen. Bis dahin waren 1.250 Gräber angelegt worden. Er umfasst eine Fläche von 31,60 ar. In der NS-Zeit wurde der Friedhof nicht zerstört, sodass bis heute der Großteil der Grabsteine erhalten ist.

Nachdem die volle Belegung des alten Friedhofes absehbar war, wurde 1867 in der Neustadt ein neuer jüdischer Friedhof in unmittelbarer Nachbarschaft zum evangelischen Trinitatisfriedhof angelegt. Die erste Beisetzung war 1868. 1920 wurde der Friedhof erweitert. Damals kaufte die jüdische Gemeinde das Gelände der früheren Stadtgärtnerei. Der Friedhof umfasst heute über 4.000 Grabstätten. Im Zweiten Weltkrieg wurde er beschädigt, aber nach 1945 wieder hergerichtet. Die Trauerhalle des Friedhofes brannte nach den Bombenangriffen 1945 vollkommen aus. 1950 wurde an deren Stelle die Übergangssynagoge errichtet (genutzt bis zur Fertigstellung der neuen Synagoge 2001). Inzwischen (Stand Anfang 2005) ist der neue Friedhof weitgehend belegt. Die Grabstellen reichen noch bis etwa 2008/09. Eine Erweiterung des Friedhofes durch den Erwerb eines Nachbargrundstück ist geplant. 

Lage: Alter jüdischer Friedhof: Pulsnitzer Straße 12; Neuer jüdischer Friedhof: Fiedlerstraße 3.

Link:  Homepage der Stadt Dresden mit Seite zum alten Friedhof (mit Plan und Foto s.o.); weitere Infoseiten zum alten jüdischen Friedhof: Link 1  Link 2  Link 3   360°-Panoramaansicht  
Informationsseite zur jüdischen Geschichte in Dresden  
Literatur: Germania Judaica III,1 S. 249-254; Zeugnisse jüdischer Kultur S. 222-230; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 303-313; Nora Goldenbogen: Der alte Dresdner Jüdische Friedhof. Zeugnis der Geschichte der Juden in Dresden und Sachsen. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächs. Heimatschutz 1994, 4, S.57-64; Alter jüdischer Friedhof in der Dresdner Neustadt. Hg. von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Frank Thiele. Dresden 2000; Neuer jüdischer Friedhof in der Dresdner Johannstadt. Hg. von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Frank Thiele. Dresden 2003; Art. "Dicht an dicht" in: "Jüdische Allgemeine Nr. 23/04 vom 10.6.2004 S.20.


  
  

*Freiberg/Sachsen (FG)

Zur Geschichte der Friedhöfe: In Freiberg gab es zwei jüdische Friedhöfe, über deren Geschichte wenig bekannt ist. Der alte jüdische Friedhof befand sich außerhalb der Stadtmauern. Er wurde vermutlich schon Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben und in die Stadtplanung einbezogen. Bei den 1965/66 durchgeführten Umbauarbeiten des Hauses Roter Weg 2, das um 1900 erbaut wurde, fanden sich Bruchstücke von Grabsteinen. Der neue jüdische Friedhof befindet sich im städtischen Friedhof (Donatsfriedhof) hinter der Altstadt. Grabsteine sind erhalten.

Lage:  Der alte Friedhof Grundstück Roter Weg 2; der neue Friedhof im städtischen Friedhof (Donatsfriedhof).

Lage des jüdischen Friedhofes in Freiberg auf dem dortigen Stadtplan. Alter Friedhof ungefähre Lage: über Straßenverzeichnis zu "Roter Weg"; neuer Friedhof über "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Donatsfriedhof".

Link: Homepage der Stadt Freiberg  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 346.
  

    

  
Görlitz (GR)

Goerlitz Friedhof 175.jpg (126657 Byte) Zum Friedhof in Görlitz besteht eine Unterseite (interner Link): hier anklicken 

    
    
      
*Hohenstein-Ernstthal (GC)

Zur Geschichte der Grabstätten: In Hohenstein-Ernstthal gab es keinen jüdischen Friedhof. Jedoch sind auf dem kommunalen Friedhof Grabstellen jüdischer Personen vorhanden. Ein Gedenkstein erinnert daran. Dieser ist Teil einer Gedenkstätte für eine unbekannte Zahl von Kriegsopfern aus verschiedenen Ländern. Es ist nicht bekannt, ob die hier begrabenen Personen frühere jüdische Einwohner der Stadt waren oder während des Zweiten Weltkrieges ums Leben kamen, als in Hohenstein-Ernstthal ein Durchgangslager für Juden (Barackenlager mit Stacheldraht und Scheinwerfern) bestand.

Lage: Auf dem allgemeinen Friedhof der Stadt.

Lage des allgemeinen Friedhofes auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und weiter unter "Behörden und öffentl. Einrichtungen".

Link: Homepage der Stadt Hohenstein-Ernstthal   
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 421.
  
  
  

*Johanngeorgenstadt (ASZ)

Jüdisches Familiengrab. In Johanngeorgstadt befindet sich auf dem allgemeinen Friedhof ein Urnenbegräbnis für den früheren Gründer der Handschuhindustrie Levi Cohn (1836-1915). Dieses Urnenbegräbnis wurde 1918 ehrenhalber vom Stadtrat errichtet. Mit Levi Cohn sind hier die Urnen begraben von Anna Cohn geb. Otto (1854-1924) und dem Sohn Hans Otto (1879-1929).

Lage: Auf dem allgemeinen Friedhof an der Hospitalstraße.

Link: Homepage der Stadt Johanngeorgenstadt   
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 429.
  
  
   
  

*Langhennersdorf (FG) 

Zur Geschichte der jüdischen Grabstätte: Auf dem städtischen Friedhof befinden sich neun Gräber jüdischer Häftlinge aus dem KZ Auschwitz, die während der Überführung in das KZ Buchenwald am 12.3.1945 von der SS ermordet wurden.

Lage: Auf dem städtischen Friedhof

Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 446.
  

  
  

Leipzig (L)

Zur Geschichte des Friedhofes: Die in Leipzig verstorbenen Juden wurden bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Friedhöfen in Dessau oder Naumburg beigesetzt. Seit 1798 gab es Bemühungen zur Anlage eines jüdischen Friedhofes in der Stadt, vor allem von Seiten polnischer Juden aus Brody, die regelmäßig die Messen besuchten. 1814 wurde von Seiten der Stadt die Genehmigung zur Anlage eines Friedhofes erteilt. Auf dem daraufhin angelegte alten jüdischen Friedhof I an der Stephanstraße wurde bereits am 28. November 1814 die erste Beisetzung (Alexander Mendel aus Danzig) vorgenommen. Bis zur offiziellen Schließung 1864 fanden 334 Beisetzungen auf diesem Friedhof statt. In der NS-Zeit wurde der Friedhof von Seiten der Stadt gekündigt mit der Begründung, dass an dieser Stelle ein Volkspark entstehen würde. Die jüdische Gemeinde erhielt gerade noch die Erlaubnis zur Umbettung der Toten in ein Gemeinschaftsgrab auf den Neuen jüdischen Friedhof.

1862 konnte die jüdische Gemeinde ein neues Gelände zur Anlage eines Friedhofes erwerben. Am 2. März 1864 fand die erste Beisetzung statt (Ephraim Friedemann aus Tikin/Russland). Über 60 Jahre wurden auf diesem aus heutiger Sicht alten jüdischen Friedhof die Toten der jüdischen Gemeinde beigesetzt, darunter mehrere prominente Persönlichkeiten der Stadt. 1864 wurde eine Friedhofshalle erbaut. Die Friedhofsfläche umfasst 198,28 ar. In der NS-Zeit wurde der Friedhof teilweise verwüstet. Beim Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 gab es Zerstörungen (vermutlich wurde damals auch die Friedhofshalle zerstört). Der Zustand der Grabsteine ist sehr unterschiedlich.

Um 1900 bemühte sich die Gemeinde wiederum um die Anlage eines Friedhofes, da die volle Belegung des alten Friedhofes absehbar war. Seit 1922 konnte der Plan umgesetzt werden. 1925 begannen die Pflanzungen des beim Krankenhaus St. Georg erworbenen Gelände. Am 6. Mai 1928 wurde der Friedhof eingeweiht. In der NS-Zeit wurde der Friedhof teilweise verwüstet. Die Feierhalle mit ihrer über 21,5 m hohen Kuppel - ein Meisterwerk der funktionellen Architektur der 1920er-Jahre - wurde in der Pogromnacht 1938 in Brand gesetzt und im Februar 1939 abgebrochen. Der Friedhof wurde auch nach 1945 (und bis zur Gegenwart) belegt. Es sind über 1.000 Grabstellen angelegt. Die Friedhofsfläche umfasst 43,20 ar. 

Zu einer Schändung kam es am 14. Februar 2003 (30 Grabsteine wurden auf dem Friedhof umgeworfen).

Lage: Alter Friedhof: Berliner Str. 123; Neuer Friedhof: Delitzscher Str. 224.

Fotos des alten Friedhofes Berliner Straße:
(Fotos von Inge Laidig, Keltern-Weiler, Aufnahmedatum April 2004)

Leipzig Friedhof a100.jpg (49430 Byte) Leipzig Friedhof a101.jpg (55893 Byte) Leipzig Friedhof a102.jpg (60024 Byte)
Grabstein für Falk Kohen (1859-1927) und Fanny Kohen geb. Sygmand (1870-1935) Gefallenengrabmäler 
mit Gedenkstätte
Teilansicht
 
      
Leipzig Friedhof a103.jpg (52674 Byte) Leipzig Friedhof a104.jpg (48003 Byte) Leipzig Friedhof a105.jpg (45227 Byte)
Grabstätte Oskar Blümlein und Jakob Freifeld und Gedenkstätte für Angehörige Grabstätte für 
Abraham Segall
Grabstätte für Alexander Strauss und Agnes Strauss geb. Speyer
     
Leipzig Friedhof a109.jpg (57004 Byte) Leipzig Friedhof a108.jpg (54589 Byte) Leipzig Friedhof a107.jpg (60936 Byte)
Grabstätte für Rabbinerfamilie Dr. Goldschmidt Grabstein für Salomon Siegismund Süßermann (1830-1888) Grabmal (Säule/Stamm?) für Adolf Brenner

Link: Homepage der Stadt Leipzig       
Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur e.V. an der Universität Leipzig
Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig  
Anfragen zur Belegung des jüdischen Friedhofs sind möglich: Adresse hier anklicken  
Leipzig Buch 004.jpg (63185 Byte)Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 234-248; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 448-471: Juden in Leipzig. Eine Dokumentation zur Ausstellung 1988.

  
  
  
   
   

Meißen (MEI) 
nur ehemaliger mittelalterlicher Friedhof

Zur Geschichte des Friedhofes: In Meißen bestand im Mittelalter ein jüdischer Friedhof. Er wird in den Quellen allerdings erst 1455 und 1457 genannt ("judenkirchhof"). Er befand sich am Hang des "Jüdenberges" und wurde vermutlich bereits seit der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 von den Christen teilweise als Weingarten, teilweise als Viehweide genutzt. Die Mauer und die Grabsteine des Friedhofes wurden als Baumaterial in der Stadt verwendet. An den "Jüdenberg" erinnert heute noch die "Jüdenbergstraße", die von der Görnischen Gasse in Serpentinen hinauf bis zur Nossener Strasse führt. In der NS-Zeit wurde die "Jüdenbergstraße" in "Theodor-Fritsch-Straße" umbenannt. Bis spätestens 1950 erfolgte eine Rückbenennung. 1952 wurde am Jüdenberg das Grab eines kleinen Mädchens gefunden, das die Existenz des mittelalterlichen Friedhofes an dieser Stelle belegte. 

Lage:  

Ungefähre Lage des jüdischen Friedhofes in Meißen auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und weiter über das Straßenverzeichnis zur "Jüdenbergstraße".

Link: Homepage der Stadt Meißen   
Literatur: Germania Judaica II,2 S. 855f; Zeugnisse jüdischer Kultur S. 248; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 500f.

  
  
  

*Niederschöna (FG)

Zur Geschichte der Grabstätte: In Niederschöna besteht im örtlichen Friedhof ein Grabstein für ein unbekannt gebliebenes jüdisches Mädchen. Dieses war am 19. Februar 1945 auf dem Todesmarsch von Häftlingen zusammengebrochen und verstorben. Der Gedenkstein wurde im November 1989 u.a. mit Vertretern der jüdischen Gemeinde Dresden eingeweiht.   
    
Lage: Auf dem örtlichen Friedhof  
   
Fotos   
(erhalten von Katharina Hahne, Aufnahmen vom Sommer 2009)  

Niederschoena Friedhof 130.jpg (198388 Byte) Niederschoena Friedhof 131.jpg (173473 Byte) Niederschoena Friedhof 133.jpg (120706 Byte)
Blick über den Friedhof Niederschöna Grabstein mit Inschrift: "Hier ruht ein unbekanntes jüdisches Mädchen, umgekommen am 19.2.1945 in Hutha"

Link: Website der Gemeinde Niederschöna
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 248-249 (Anmerkung: hier wird versehentlich Oberschöna als Ort des Grabes angegeben). 
  
  

    
*Oederan (FG)

Zur Geschichte der Grabstätte: In Oederan besteht im städtischen Friedhof ein Ehrengrab für drei KZ-Häftlinge, vermutlich jüdische Frauen, die auf einem Transport in Oederan (Bahnhof) starben oder ermordet worden. 

Lage: Auf dem städtischen Friedhof an der Freiberger Straße.

Link: Homepage der Gemeinde Oederan
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 534.
  

  

  
Plauen (PL)

Zur Geschichte der Friedhöfe: In Plauen bestand bereits im Mittelalter ein jüdischer Friedhof. Er wird in Urkunden als "Judengarten" bezeichnet (1412, 1438/39, 16 Jh.) und vermutlich nach 1350 außerhalb der Stadtmauer vor dem Straßberger Tor angelegt. Es ist jedoch nicht ganz geklärt, ob "Judengarten" und jüdischer Friedhof identisch sind, möglicherweise lagen sie nahe beieinander. 1543 wurden die Juden der Stadt vertrieben. Der Friedhof wird damals zerstört worden sein.
1884 konnte wieder eine jüdische Gemeinde begründet werden. 1898 kaufte sie von dem Rittergutsbesitzer E. Klopfer aus Kauschwitz am nördlichen Stadtrand ein Grundstück zur Anlage eines neuen Friedhofes. Auch eine kleine Friedhofshalle wurde gebaut, die die NS-Zeit überstand und 1987/88 zu einer Mahn- und Gedenkstätte mit einer Ausstellung zur Geschichte der Juden in Plauen umgestaltet wurde. Es sind 132 Grabstätten vorhanden. Auch nach 1945 gab es vereinzelt Beisetzungen (David Stiefel, gest. 1957, letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Plauen). Die Friedhofsfläche umfasst 35,90 ar. Im Mai 2000 enthüllten Nachkommen ehemaliger Plauener Juden einen Gedenkstein für die zahlreichen Opfer, die ohne Grab und Ruhestätte geblieben sind. 

Lage: Der Friedhof liegt nordwestlich der Stadt auf der Gemarkung Kauschwitz an der Straße "Am Tannenhof" (Oberjößnitzer Weg).

Lage des jüdischen Friedhofes in Plauen auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, jüd.".

Link: Homepage der Stadt Plauen   
Adresse der Gedenkstätte Flieshalle Jüdischer Friedhof Plauen:  Am Tannenhof 08525 Kauschwitz Tel: 03741/484912 (Hauptfriedhof Plauen) Fax: 03741/484948  Nähere Informationen
Die Ausstellung in der Friedhofshalle ist eine Außenstelle des Vogtlandmuseums Plauen
Literatur: Germania Judaica II,2 S. 1112-1114 (Lit.); Waltraud Schmidt: Der jüdische Friedhof in Plauen. Geschichte, Gräber, Schicksale. Hg. vom Verein für vogtländische Geschichte. Volks- und Landeskunde 1988.2003; Zeugnisse jüdischer Kultur S. 250-252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 551-555.

  
  
  

Schneeberg/Erzgebirge (ASZ)

Zur Geschichte des Friedhofes/der Grabstellen: Ob es in Schneeberg einen jüdischen Friedhof gab, ist nicht bekannt. Nach einem Bericht von 1988 lag ein solcher Friedhof "in Richtung Schlema, am Zechenplatz und Gärten vorbei, in einem Waldstück". Dort bestand seit 1966 eine Müllhalde. Der jüdische Friedhof sei vor Anlage der Müllhalde vermutlich eingeebnet worden. 

Lage:  s.o.

Ungefähre Lage eines vermuteten jüdischen Friedhofes in Schneeberg. Auf dem Stadtplan ist - zur Orientierung im Blick auf die obige Beschreibung - östlich von Schneeberg in Richtung Schlema der "Zechenplatz" eingezeichnet.

Link: Homepage der Stadt Schneeberg  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 596.
  
  
  

*Thum - Herold (ERZ)

Jüdisches Einzelgrab: Auf dem städtischen Friedhof von Herold besteht das gekennzeichnete Grab einer unbekannten ungarischen Jüdin. Sie wurde am 7.2.1945 hier bestattet und gehörte zum damaligen Zwangsarbeitslager Venusberg-Spinnerei.

Lage: Auf dem städtischen Friedhof. 
Link
: Homepage der Stadt Thum 
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 419.

  

  
  

*Venusberg (Verwaltungsverband Grüner Grund, MEK)

Friedhof und Gedenkstätte: Im Ortsteil Spinnerei befindet sich ein Friedhof mit einer Gedenkstätte für über 100 Frauen aus osteuropäischen Ländern, die dort im ehemaligen Zwangsarbeitslager 1944/45 ums Leben kamen. Unter ihnen waren auch jüdische Frauen.

Lage: Im Ortsteil Spinnerei 

Link: Homepage des Verwaltungsverbandes Grüner Grund  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 649.
  

  
  
*Zinnwald (DW)

Jüdisches Familiengrab: Auf dem Friedhof der evangelischen Wehrkirche, unweit des Grenzübergangs zur Tschechischen Republik, befindet sich das Grabmal der Familie Perutz. Es wurden hier in den 1920er-Jahren vier Mitglieder dieser jüdischen Kaufmanns- und Mäzenatenfamilie beigesetzt.

Lage: Friedhof an der Teplitzer Straße. 

Link: Homepage der Gemeinde Zinnwald (noch im Aufbau) 
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 

    
  

Zittau (GR)

Zittau Friedhof 174.jpg (133884 Byte) Zum Friedhof in Zittau besteht eine Unterseite (interner Link): hier anklicken 

    
  

Zwickau (Z)

Zur Geschichte des Friedhofes: Nachdem die Israelitische Religionsgemeinde Zwickau 1904 gegründet wurde, konnte sie 1905 auf einem etwa 10 ar großes Grundstück an der Straße nach Schneppendorf östlich des alten Pölbitzer Friedhofes einen Begräbnisplatz anlegen. Der Friedhof wurde mit einem Holzzaun umgeben. 1938 wurden von nationalsozialistischen Vandalen die Grabsteine umgeworfen und später auch die Messingbuchstaben von den Grabsteinen abgeschlagen. Auch die kleine Friedhofshalle wurde 1938 zerstört (Fundament noch erhalten). Seit 1945 werden noch vereinzelt Beisetzungen vorgenommen (zuletzt 1989). Es sind 64 Grabsteine erhalten. Ein Denkmal erinnert an die in der NS-Zeit ermordeten Juden der Stadt. Die Friedhofsfläche umfasst 14,50 ar.
Im April 2003 wurde der Friedhof schwer geschändet. Von den 64 Grabsteinen wurden 54 umgeworfen und 5 schwerst beschädigt. Bis zum Herbst 2003 wurden die Spuren der Schändung durch Mittel aus dem städtischen Haushalt und erhebliche Eigenleistungen des Garten- und Friedhofsamtes in Höhe von ca. 42.000 € beseitigt. Fünf Grabsteine mussten völlig neu hergestellt werden. Bericht zur Instandsetzung des Friedhofes. 

Lage: An der Thurmer Straße/Schneppendorfer Straße

Lage des jüdischen Friedhofes in Zwickau auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und unter "Behörden und öffentl. Einrichtungen" weiter zu "Friedhof, Pölbitz". Der jüdische Friedhof ist rechts davon an der Thurmer Straße eingetragen (versehentlich mit einem "Kreuz" markiert)

Link: Homepage der Stadt Zwickau  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252-254; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 684-686.

  
  

 

Links und Literatur:

Hatikva logo.jpg (20076 Byte)Hatikva: Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Kultur und Geschichte Sachsen e.V.
Hier auch Seite zu Literatur und Forschungsbeiträge von Hatikva (Schwerpunkt: Dresden)

  

  

Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig  
Hier auch eine Literaturübersicht zu Publikationen der Ephraim Carlebach Stiftung (Schwerpunkt: Leipzig)

  

  

Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig

 

 

 

Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales über die Betreuung der verwaisten Friedhöfe der ehemaligen jüdischen Gemeinden im Freistaat Sachsen (VwV verwaiste jüdische Friedhöfe) vom 27. Dezember 2002:  hier anklicken

 

Allgemeine Literatur:

Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Projektleitung: Kathrin Wolff. Gesamtredaktion: Cordula Führer. Berlin 1992.
Michael Brocke/Eckehart Ruthenberg/Kai Uwe Schulenburg: Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin). Berlin 1994.
Michael Brocke/Christiane E. Müller: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Leipzig 2001.

 

 

 

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Stand: 08. Februar 2010