Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Friedhöfe in Sachsen
Jewish Cemeteries in Saxonia

Übersicht:   

Jüdische Friedhöfe (bzw. jüdische Grabstätten*) gibt es in folgenden Orten:  
     
Annaberg-Buchholz (ERZ)   Delitzsch (TGO)   *Johanngeorgenstadt (ERZ)   Schneeberg/ Erzgebirge (ERZ) 
kein Friedhof - s.u.
   
*Bad Gottleuba - Berggießhübel (PIR)   *Drebach (ERZ)   *Langhennersdorf (FG)   *Thum - Herold (ERZ)
Bautzen (BZ)  
Unterseite  
Dresden (DD)   Leipzig (L)   *Venusberg (Verwaltungsverband Grüner Grund, ERZ)  
*Bautzen-Salzenforst (BZ)   *Freiberg/Sachsen (FG)   Meißen (ehem. mittelalterlich) (MEI)   Weißwasser (GR) 
*Berthelsdorf- Rennersdorf (GR)   Görlitz (GR)  
Unterseite  
*Niederschöna (FG)   *Zinnwald (PIR)  
Burgstädt (FG)     *Hohenstein- Ernstthal (Z)  *Oederan (FG)     Zwickau (Z)  
Chemnitz (C)     Plauen (V)   Zittau (GR)  
Unterseite  
       
Die Kreise: Bautzen (BZ), Chemnitzer Land (GC), Erzgebirgskreis (ERZ), Freiberg (FG), Görlitz (GR), Meißen (MEI), Nordsachsen (TGO), Sächsische Schweiz - Osterzgebirge (PIR), Vogtlandkreis (V), Zwickau (Z) sowie die kreisfreien Städte Chemnitz (C), Dresden (DD) und  Leipzig (L).  

 

Annaberg-Buchholz (ERZ)

Zur Geschichte des Friedhofes: 1901 stellte die Israelitische Vereinigung in Annaberg bei den Behörden den Antrag auf Anlage eines jüdischen Friedhofes. 1902 konnte ein geeignetes Grundstück erworben werden. Bis Frühjahr 1903 war der Friedhof angelegt. Die letzte Beisetzung fand am 5. April 1935 statt. 1938 wurde der Friedhof geschändet, 1940 eingeebnet. Die Friedhofshalle wurde gesprengt. Die 16 damals noch in Annaberg lebenden Juden mussten das Gelände kostenlos der Stadt überlassen. Die Überführung der Leichen nach Chemnitz wurde von den Behörden erlaubt. 
Seit dem 9. November 1988 erinnert auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofes ein Gedenkstein. 17 erhaltene Grabsteine des Friedhofes wurden 1956 auf den Neuen Friedhof der Stadt gebracht. In einem Rondell wurden sie um einen hohen Gedenkstein für die in der NS-Zeit ermordeten Juden aufgestellt.

Lage: Der ehemalige Friedhof befand sich am Ortsausgang in Richtung Schönfeld-Wiesa (Chemnitzer Straße) gegenüber dem Krankenhaus (Erzgebirgs-Klinikum) zwischen der Chemnitzer Straße und dem 1956 angelegten neuen städtischen Friedhof. Die erhaltenen Grabsteine stehen auf dem neuen Friedhof.

Ungefähre Lage des jüdischen Friedhofes in Annaberg auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Straßenverzeichnis zur "Chemnitzer Straße". Der Friedhof ist jedoch nicht eingetragen; der "Neue Friedhof" ist über das Verzeichnis der "Behörden und öfftl. Einrichtungen" eingetragen.

Link: Website der Stadt Annaberg-Buchholz   
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 215; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 232f.
  
  
  

*Bad Gottleuba - Berggießhübel (PIR)

Zur Geschichte jüdischer Grabstellen: In Bad Gottleuba erinnert seit den 1970er-Jahren auf dem evangelischen Friedhof eine Gedenktafel, die unter anderem an den Tod von sechs ungarischen jüdischen Frauen in der Stadt erinnert.   
    
Fotos   
(erhalten von Katharina Hahne, Aufnahmedatum 29.07.2008) 

Die Gedenktafel auf dem 
evangelischen Friedhof
Gottleuba Gedenktafel 010.jpg (78395 Byte) Gottleuba Gedenktafel 011.jpg (128954 Byte)
   Inschrift: "Unvergessen bleiben die Opfer des 2. Weltkrieges, die in der Stadt Bad Gottleuba ihre letzte Ruhestätte fanden. Darunter Häftlinge von Bergen-Belsen und anderen Konzentrationslagern: Esther Pinter aus Ungarn 28.05.1945, Rosa Grundstein aus Ungarn 23.08.1945, Magda Reismann aus Ungarn 24.07.1945, Isabella Antal aus Ungarn 23.11.1945,  Lili Gross aus Ungarn 17.10.1945,  Magda Österreich aus Ungarn 1945 sowie Bombenopfer von Dresden"

Lage: Auf dem evangelischen Friedhof am Ortsausgang Richtung Oelsen.   

Link: Website der Stadt Bad Gottleuba  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 375.
  
    
    

Bautzen (Budysin, BZ)

Bautzen Friedhof 171.jpg (141904 Byte) Zum Friedhof in Bautzen besteht eine Unterseite (interner Link): hier anklicken

   
  

Bautzen-Salzenforst (Slona Borsc, BZ)

Zur Geschichte des Friedhofes: Ein 1949 aufgestelltes Mahnmal am Chorberg trägt die folgende Inschrift: "Hier ruhen 43 jüdische Frauen aus Deutschland, Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei. Sie wurden im Februar 1945 auf dem Wege von Auschwitz nach Buchenwald von SS-Horden ermordet".

Lage: Das Mahnmal befindet sich auf einer Grünfläche innerhalb eines mit Gehölzen gestalteten Rondells am Osthang des Chorberges.

Link: Website der Stadt Bautzen  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 589.

  
  

 

*Berthelsdorf-Rennersdorf (Rynarjecy, ZI)

Zur Geschichte der Grabstätte: In Rennersdorf wurden im März 1945 durch SS-Männer zehn jüdische KZ-Häftlinge ermordet.  Sie erhielten ein Gemeinschaftsgrab (mit Davidstern) unmittelbar vor der Kirche auf dem örtlichen Friedhof.
(Bei mehreren Todesmärschen, u.a. aus dem KZ Görlitz ins Rennersdorfer Ausweichlager kamen 1945 wahrscheinlich hunderte von jüdischen Häftlingen ums Leben. Das Rennersdorfer Lager befand sich wahrscheinlich auf dem am Eichler gelegenen Gut Oberrennersdorf).

Lage: Örtlicher Friedhof

Link: Website der Gemeinde Berthelsdorf  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 573.

     
    

Burgstädt (MW)

Zur Geschichte des Friedhofes: Über den alten Friedhof an der Chemnitzer Straße wird 1928 von einer Friedhofschändung berichtet:

Burgstaedt Israelit 09021928.jpg (46144 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Berlin. In Burgstädt (Sachsen) haben drei Schulknaben im Alter von 11, 9 und 8 Jahren auf dem alten Friedhof an der Chemnitzer Straße etwa 100 Grabstätten zerstört, indem sie die Grabfiguren zerschlugen und die Schrifttafeln zertrümmerten oder von den Steinen herunterrissen."   

Lage:  Chemnitzer Straße     

Link: Website der Stadt Burgstädt  
Literatur:   
     
       

Chemnitz (C)

Zur Geschichte des Friedhofes: Der jüdische Friedhof in Chemnitz wurde 1879 angelegt. Bereits 1898 musste er erweitert werden. 1882 wurde im Zentrum des Friedhofes auf einer Erhöhung eine Trauerhalle gebaut (1968 renoviert). Während der NS-Zeit kam es nur vereinzelt zu Schändungen. Nach dem Krieg wurden bei Schändungen mehr als 50 Grabsteine zum Teil stark beschädigt. Hinter der Friedhofshalle erinnert ein Obelisk an die Ermordung von sechs Millionen jüdischer Menschen in der NS-Zeit. Die Friedhofsfläche umfasst etwa 30 ar. Insgesamt sind etwa 1.250 Grabstellen vorhanden. Der Friedhof wird bis zur Gegenwart belegt.

Lage: Der Friedhof liegt westlich des Stadtzentrums auf halber Höhe des Kassbergs neben dem christlichen Matthäus-Friedhof (Straße "Hoher Weg")

Lage des jüdischen Friedhofes in Chemnitz auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, jüd.. Hoher Weg". Der Friedhof ist als jüdischer Friedhof markiert.

Link: Website der Stadt Chemnitz  mit Seite zur alten und neuen Synagoge 
Tage der jüdischen Kultur Chemnitz  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 217-221; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 281-285. 
Jürgen Nitsche / Ruth Röcher: "Juden in Chemnitz". Michel Sandstein Verlag Dresden 2002 (hierin Beiträge zum jüdischen Friedhof der Stadt).

  
  
  

Delitzsch (DZ)

Zur Geschichte des Friedhofes: Die im 19. Jahrhundert in Delitzsch entstandene jüdische Gemeinde bemühte sich 1861 um die Anlage eines eigenen Friedhofes. Damals konnte die Gemeinde für 106,5 Taler einen Teil des Wirtschaftsgeländes der Brauereigenossenschaft erwerben. Im August 1865 fand die erste Beisetzung statt. 1911 und 1928 wurden angrenzende Grundstücke zur Friedhofsweiterung gekauft. 1928 ist eine Friedhofshalle erbaut worden. Sie wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Heute sind noch 34 Grabsteine erhalten. Die Friedhofsfläche umfasst 10,93 ar. Weitere Steine liegen an der Mauer. Ein Gedenkstein für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten ist vorhanden.   

April 2010: Schändung des Friedhofes 
Delitzsch Friedhof 2001010.jpg (180349 Byte)Foto von Frank Pfütze: Alle Grabsteine sind von ihren Sockeln gestoßen worden. Die Täter haben flächendeckend den jüdischen Friedhof in Delitzsch verwüstet.    
Artikel von Frank Pfütze in der "Leipziger Volkszeitung" vom 8. April 2010 (Artikel): 
"Unbekannte schänden jüdischen Friedhof in Delitzsch. 
Delitzsch.
Der jüdische Friedhof in Delitzsch wurde geschändet. Die Polizei informierte am Montag darüber, dass unbekannte Täter in der Nacht zu Sonnabend die Tür aufhebelten, die Gedenktafel am Eingang zerschlugen und alle Grabsteine umwarfen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Manfred Wilde (parteilos), hofft, dass die Tat schnell aufgeklärt wird und bittet um Mithilfe. 
Um 5.15 Uhr bemerkte am Sonnabend eine Streifenwagenbesatzung, dass die Tür zum Friedhof offen stand und die Gedenktafel zerschlagen am Boden lag. Der jüdische Friedhof zählt zu den Überwachungs-Schwerpunkten in der Stadt. Sehr schnell wurde das Ausmaß des Übergriffs deutlich. Alle Grabsteine lagen am Boden. Gestern Vormittag bat der Delitzscher Oberbürgermeister an den Tatort in die Hainstraße, um den Vandalismus öffentlich zu machen. 
Anwesend war auch der Polizeichef der Stadt, Uwe Greischel. Er sprach von 30 Grabsteinen und schloss in einer ersten Reaktion einen politisch motivierten Hintergrund aus. 'Es gibt dafür keine Anzeichen. Wir hatten viele Feiern und Feste am Osterwochenende. Möglich, dass hier Alkohol der Auslöser war', so der Polizeioberrat. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Ermittelt werde wegen Störung der Totenruhe. Das Strafmaß dafür reiche von einer Geldstrafe bis zu drei Jahre Gefängnis. Der erste Augenschein lässt für Greischel auf eine Tätergruppe schließen, weil einige Steine ziemlich schwer seien: 'Wir haben jede Menge Spuren gesichert, die unsere Kriminal-Techniker nun auswerten. Die Rundumermittlungen laufen auf Hochtouren.' 
Der Delitzscher Oberbürgermeister schüttelte den Kopf: 'Was bewegt Menschen, so etwas zu tun?', fragte er und fügte hinzu: 'Ich hoffe, dass die Polizei die Täter schnell stellt'. Er berief gestern den Arbeitskreis gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt ein. Wilde wusste, dass es 36 Grabsteine auf dem Friedhof gibt. Jährlich einmal müsse laut Vorschrift auf allen Friedhöfen die Standsicherheit der Grabsteine geprüft werden, so dass der Wind als 'Täter' auszuschließen sei.
Die Stadt wolle sich nun mit der israelischen Religionsgemeinde in Verbindung setzen, die Eigentümerin der Ruhestätte ist. Wilde: 'Wir werden selbstverständlich unsere Hilfe beim Aufbau anbieten. Ich appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt, vor Vandalismus nicht die Augen zu verschließen und zur Aufklärung beizutragen. Die Täter müssen gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden.' Nach 1938 und 1976 ist es das dritte Mal, dass dieser Friedhof geschändet wurde. Hinweise nimmt das Polizeirevier in Delitzsch, Telefonnummer 034202/660, oder jedes andere Polizeirevier entgegen."
Meldung der Bild-Zeitung vom 6. April 2010 mit weiterem Foto als pdf-Datei.  

Lage: Am Ende der Hainstraße/Ecke Rosental gegenüber dem St.-Maria-Altenheim

Lage des jüdischen Friedhofes in Delitzsch auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, Delitzsch, Rosental". Der Friedhof ist als jüdischer Friedhof markiert.

Link: Website der Stadt Delitzsch  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 221-222; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 

  

*Drebach (Verwaltungsverband Grüner Grund, MEK)

Das einzige jüdische Grab auf dem Friedhof in Drebach (Mittlerer Erzgebirgskreis) wurde im Frühjahr 2002 von Unbekannten geschändet. Dabei wurde der Grabstein umgeworfen und die Bepflanzung herausgerissen.
(Freie Presse Chemnitz, Polizeibericht 10.4.02 bzw. Quelle

Link: Website der Gemeinde Drebach

  
  

Dresden (DD)

Dresden Friedhof 100.jpg (16455 Byte)Zur Geschichte der Friedhöfe: In Dresden gab es bereits im Mittelalter einen jüdischen Friedhof. Er lag vermutlich nahe dem "Judenteich", der sich vor dem Kreuztor außerhalb der Stadt (heute Georgplatz) befand. 
     
Lage: Alter jüdischer Friedhof: Pulsnitzer Straße 12; Neuer jüdischer Friedhof: Fiedlerstraße 3. 
  
Pressebericht August 2010: Brandanschlag auf den Friedhof   

Artikel in der "Sächsischen Zeitung" (Chemnitzer Morgenpost) vom 30.8.2010 (Artikel): 
"Alte Synagoge angezündet - Brandanschlag auf den Jüdischen Friedhof.  
Schon wieder ein Brandanschlag mit offenbar politischem Hintergrund. Mit ihrer schändlichen Tat störten Chaoten die Totenruhe auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Dresden-Johannstadt. Die Feuerteufel hatten die Tür der ehemaligen Synagoge angezündet. Es entstand ein Schaden von mehr als 5000 Euro. Die Soko Rex wurde eingeschaltet und sucht Zeugen. 
Dresden. Eine Radlerin (66) entdeckte den Brand kurz vor 6 Uhr: Auf der Fiedlerstraße brannte die Begräbnishalle des Neuen Jüdischen Friedhofs! 
Die Flammen loderten an der schweren Eichentür der früheren Synagoge (1950 bis 2002). Die alarmierte Feuerwehr löschte das Feuer, bevor es weiteren Schaden anrichten konnte. Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) sicherten Spuren. Hinweise auf einen Brandsatz fanden sie nicht. 
'Die Soko Rex hat die Ermittlungen zur schweren Brandstiftung übernommen', so LKA-Sprecherin Silvaine Reiche. Viel Arbeit für die Nazi-Jäger des LKA. In den vergangenen Wochen hatte es schon zwei Brandanschläge auf alternative Wohngemeinschaften von linken Jugendlichen gegeben. Es wird vermutet, dass Nazis die Brandsätze geworfen hatten. Beim Synagogen-Brand fanden sich keine Spuren, die auf die Täter schließen lassen. 
Die Polizei sucht Zeugen - Tel. 0800/6 73 81 52. (us)" 
    
Dresden PA 30082010.jpg (36353 Byte)Foto links von Steffen Füssel: Nora Goldenbogen, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, steht neben der angesengten Tür zur Beerdigungshalle. Der Brandanschlag auf die ehemalige Synagoge hat viele Gemeindemitglieder sehr getroffen
Artikel von Claudia Schade in der "Sächsischen Zeitung" vom 31.8. 2010 (Artikel): "Dieser beißende Geruch.
Die Jüdische Gemeinde ist geschockt über den Anschlag vom Sonntag und macht in der Stadt einen aggressiven Antisemitismus aus. Bedroht fühlt sie sich dennoch nicht.

Der Wind rauscht in den Blättern der alten Bäume, die wohlgepflegten Gräber schimmern im Sonnenschein in stiller Würde: Der jüdische Friedhof an der Fiedlerstraße strahlt eine besinnliche Ruhe aus – wäre da nicht dieser beißende Geruch. Nora Goldenbogen, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, hat ihn in der Nase, während sie die beschädigte Eingangstür der Beerdigungshalle betrachtet. Sie streicht mit den Fingern vorsichtig über das verkohlte Holz. Sie wirkt bedrückt. In der Nacht zum Sonntag haben ein oder mehrere Täter die schwere zweiflügelige Holztür in Brand gesetzt. Die Flammen hatten bereits ein Loch hineingefressen, als am frühen Sonntagmorgen eine Radlerin das Feuer entdeckte und Hilfe herbeirief.
Erschreckende Aggressivität. 'Ich bin sehr berührt', sagt Nora Goldenbogen. 'Unsere Gemeinde ist sehr offen, sie lädt zum Besuchen ein. Umso mehr schmerzt es mich, wenn man in bestimmten Abständen wieder merkt, dass es einen aggressiven Antisemitismus gibt.' Daraufhin schweigt sie einen Moment. 'Es ist erschreckend, dass der sich so stark entlädt', fügt sie schließlich hinzu.
Immer wieder hat sich die jüdische Gemeinde in den vergangenen Jahren Anfeindungen gegenüber gesehen. 1993 wurde die Außenwand des Friedhofs auf einer Länge von 60 Metern mit antisemitischen Parolen und Hakenkreuzen beschmiert. Etwa 30 Gräber wurden damals geschändet. Einige wurden umgeworfen, andere mit Hasstiraden und Zeichnungen verunstaltet. In den zwei darauffolgenden Jahren wiederholten sich die Angriffe auf die wehrlosen Toten. Nicht selten erhält die Gemeinde schriftliche Drohungen, neuerdings auch verstärkt per E-Mail. Und erst im vergangenen Jahr beschmierte ein Mann die Außenwand der Synagoge mit Hakenkreuzen. 'Das alles kennen wir', sagt Nora Goldenbogen. 'Aber ein Brandanschlag ist eine andere Kategorie.' Ein Feuer an einer Synagoge weckt die Erinnerung an die brennenden Synagogen in der Reichspogromnacht am 9. November 1938. Damals hatten die Nazis jüdische Gotteshäuser im ganzen Land in Brand gesteckt, Wohnungen und Geschäftshäuser von Juden zerstört und im Anschluss daran mit der Deportation der Menschen in Konzentrationslager begonnen. Diese Bilder laufen bei vielen älteren Mitgliedern der jüdischen Gemeinde vor dem inneren Auge ab, wenn sie nun von einem Brandanschlag hören. 'Viele sind verängstigt', sagt Nora Goldenbogen. Sie hat bereits zahlreiche Telefonate mit beunruhigten Mitgliedern geführt.
Mit der jetzigen Beerdigungshalle ist zudem die Keimzelle der neuen jüdischen Gemeinde in Dresden getroffen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die alte, von Gottfried Semper errichtete Synagoge am Hasenberg total zerstört. An einen Neubau war nicht zu denken. Auch die Beerdigungshalle auf dem Gelände des 1867 gegründeten Friedhofs war von Bomben getroffen. Sie konnte aber 1949/50 mit großem Engagement und der Hilfe vieler Spender auf den alten Fundamenten neu errichtet werden. 'Die Stadt Dresden und das Land Sachsen gaben damals sogar 150000 Mark', sagt Goldenbogen.
Keimzelle der neuen Gemeinde. 51 Jahre lang diente das Gebäude nicht nur als Beerdigungshalle, sondern in einer ungewöhnlichen Doppelnutzung auch als Synagoge. Sie war wichtiger Anlaufpunkt für die damals noch sehr kleine jüdische Gemeinde. Hier wurden die Festtage gefeiert und Familienereignisse zelebriert. Hier konnte nach Leid und Vernichtung des Krieges erstmals wieder jüdisches Leben in seinen zahlreichen Facetten praktiziert werden. Und hier wurzelt auch die Rückkehr des Judentums in das Dresdner Stadtzentrum mit der Weihe der neuen Synagoge am 9. November 2001. Viele Gemeindemitglieder hatten sich im vergangenen Jahr in die Menschenkette gegen Nazis eingereiht. 'Erstmals konnten sie ohne Angst zu haben gegen Rechtsextremismus auf die Straße gehen', erklärt Nora Goldenbogen. Nun hat die gelöste Stimmung wieder einen Dämpfer bekommen. Vor allem die zugewanderten Russland-Deutschen, die in ihrer alten Heimat diskriminiert wurden, seien verängstigt.
Nora Goldenbogen selbst indes will sich nicht beirren lassen. 'Ich gebe mir Mühe, mich nicht bedroht zu fühlen', sagt sie. 'Sonst kann man vieles ja gar nicht mehr machen.'"  
 
Spendenaufruf - Brandanschlag Neuer Jüdischer Friedhof Dresden
Der Freundeskreis Dresdner Synagoge e.V. bittet um Spenden für die Erneuerung des durch den Brandanschlag am 29. August zerstörten Eingangsportals der Begräbnishalle und zur Erhöhung der Sicherheit auf dem Neuen Jüdischen Friedhof.

Die Begräbnishalle (ehemalige Synagoge) auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Dresden-Johannstadt wurde am vergangenen Sonntagmorgen Ziel eines Brandanschlags. Dabei wurde das Eingangsportal zerstört. Dass ein noch größerer Schäden abgewendet werden konnte, ist einer 66-jährigen Passantin zu verdanken, die den Schwelbrand bemerkte und die Feuerwehr informierte. Das Feuer konnte rechtzeitig gelöscht werden, um ein Übergreifen der Flammen auf die einstige Synagoge (1950 - 2001) zu verhindern. Dennoch entstand ein Schaden von 5000 Euro.
Der Vorstand des Freundeskreises Dresdner Synagoge e.V. verurteilt diesen Brandanschlag auch im Namen der Vereinsmitglieder aufs Schärfste. Er ist nicht nur ein Anschlag auf die Jüdische Gemeinde zu Dresden, sondern auch auf die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte und Kultur. Die Vorstandsmitglieder des Freundeskreises rufen deshalb dazu auf, die Jüdische Gemeinde zu Dresden mit einer Spende bei der Beseitigung der Schäden und der Erhöhung der Sicherheit auf dem Neuen Jüdischen Friedhof zu unterstützen.

Spendenkonto: Kontoinhaber: Freundeskreis Dresdner Synagoge e.V. 
Bank: Landeskirchliche Kredit-Genossenschaft Sachsen eG - LKG -
BLZ: 850 951 64   Kontonummer: 10 2756 029  Kennwort: Brandanschlag Jüd. Friedhof   
Die Spende ist steuerlich absetzbar, Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden. Dazu muss auf dem Überweisungsformular Vor- und Nachname sowie die vollständige Adresse angegeben werden.      Quelle: Freundeskreis Dresdner Synagoge e.V" . 

Link:  Website der Stadt Dresden mit Seite zum alten Friedhof (mit Plan und Foto s.o.); 
weitere Infoseiten zum alten jüdischen Friedhof: Link 1  Link 2  Link 3   360°-Panoramaansicht  
Informationsseite zur jüdischen Geschichte in Dresden  
Literatur: Germania Judaica III,1 S. 249-254; Zeugnisse jüdischer Kultur S. 222-230; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 303-313; Nora Goldenbogen: Der alte Dresdner Jüdische Friedhof. Zeugnis der Geschichte der Juden in Dresden und Sachsen. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächs. Heimatschutz 1994, 4, S.57-64; Alter jüdischer Friedhof in der Dresdner Neustadt. Hg. von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Frank Thiele. Dresden 2000; Neuer jüdischer Friedhof in der Dresdner Johannstadt. Hg. von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Frank Thiele. Dresden 2003; Art. "Dicht an dicht" in: "Jüdische Allgemeine Nr. 23/04 vom 10.6.2004 S.20.


  
  

*Freiberg/Sachsen (FG)

Zur Geschichte der Friedhöfe: In Freiberg gab es zwei jüdische Friedhöfe, über deren Geschichte wenig bekannt ist. Der alte jüdische Friedhof befand sich außerhalb der Stadtmauern. Er wurde vermutlich schon Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben und in die Stadtplanung einbezogen. Bei den 1965/66 durchgeführten Umbauarbeiten des Hauses Roter Weg 2, das um 1900 erbaut wurde, fanden sich Bruchstücke von Grabsteinen. Der neue jüdische Friedhof befindet sich im städtischen Friedhof (Donatsfriedhof) hinter der Altstadt. Grabsteine sind erhalten.

Lage:  Der alte Friedhof Grundstück Roter Weg 2; der neue Friedhof im städtischen Friedhof (Donatsfriedhof).

Lage des jüdischen Friedhofes in Freiberg auf dem dortigen Stadtplan. Alter Friedhof ungefähre Lage: 
über Straßenverzeichnis zu "Roter Weg"; neuer Friedhof über "Behörden und öffentl. Einrichtungen" 
zu "Donatsfriedhof".

Link: Website der Stadt Freiberg  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 346.
  

    

  
Görlitz (GR)

Goerlitz Friedhof 175.jpg (126657 Byte) Zum Friedhof in Görlitz besteht eine Unterseite (interner Link): hier anklicken 

    
    
      
*Hohenstein-Ernstthal (GC)

Zur Geschichte der Grabstätten: In Hohenstein-Ernstthal gab es keinen jüdischen Friedhof. Jedoch sind auf dem kommunalen Friedhof Grabstellen jüdischer Personen vorhanden. Ein Gedenkstein erinnert daran. Dieser ist Teil einer Gedenkstätte für eine unbekannte Zahl von Kriegsopfern aus verschiedenen Ländern. Es ist nicht bekannt, ob die hier begrabenen Personen frühere jüdische Einwohner der Stadt waren oder während des Zweiten Weltkrieges ums Leben kamen, als in Hohenstein-Ernstthal ein Durchgangslager für Juden (Barackenlager mit Stacheldraht und Scheinwerfern) bestand.

Lage: Auf dem allgemeinen Friedhof der Stadt.

Lage des allgemeinen Friedhofes auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und weiter unter 
"Behörden und öffentl. Einrichtungen".

Link: Website der Stadt Hohenstein-Ernstthal   
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 421.
  
  
  

*Johanngeorgenstadt (ASZ)

Jüdisches Familiengrab. In Johanngeorgstadt befindet sich auf dem allgemeinen Friedhof ein Urnenbegräbnis für den früheren Gründer der Handschuhindustrie Levi Cohn (1836-1915). Dieses Urnenbegräbnis wurde 1918 ehrenhalber vom Stadtrat errichtet. Mit Levi Cohn sind hier die Urnen begraben von Anna Cohn geb. Otto (1854-1924) und dem Sohn Hans Otto (1879-1929).

Lage: Auf dem allgemeinen Friedhof an der Hospitalstraße.

Link: Website der Stadt Johanngeorgenstadt   
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 429.
  
  
   
  

*Langhennersdorf (FG) 

Zur Geschichte der jüdischen Grabstätte: Auf dem städtischen Friedhof befinden sich neun Gräber jüdischer Häftlinge aus dem KZ Auschwitz, die während der Überführung in das KZ Buchenwald am 12.3.1945 von der SS ermordet wurden.

Lage: Auf dem städtischen Friedhof

Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 446.
  

  
  

Leipzig (L)

Zur Geschichte des Friedhofes: Die in Leipzig verstorbenen Juden wurden bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Friedhöfen in Dessau oder Naumburg beigesetzt. Seit 1798 gab es Bemühungen zur Anlage eines jüdischen Friedhofes in der Stadt, vor allem von Seiten polnischer Juden aus Brody, die regelmäßig die Messen besuchten. 1814 wurde von Seiten der Stadt die Genehmigung zur Anlage eines Friedhofes erteilt. Auf dem daraufhin angelegte alten jüdischen Friedhof I an der Stephanstraße wurde bereits am 28. November 1814 die erste Beisetzung (Alexander Mendel aus Danzig) vorgenommen. Bis zur offiziellen Schließung 1864 fanden 334 Beisetzungen auf diesem Friedhof statt. In der NS-Zeit wurde der Friedhof von Seiten der Stadt gekündigt mit der Begründung, dass an dieser Stelle ein Volkspark entstehen würde. Die jüdische Gemeinde erhielt gerade noch die Erlaubnis zur Umbettung der Toten in ein Gemeinschaftsgrab auf den Neuen jüdischen Friedhof.

1862 konnte die jüdische Gemeinde ein neues Gelände zur Anlage eines Friedhofes erwerben. Am 2. März 1864 fand die erste Beisetzung statt (Ephraim Friedemann aus Tikin/Russland). Über 60 Jahre wurden auf diesem aus heutiger Sicht alten jüdischen Friedhof die Toten der jüdischen Gemeinde beigesetzt, darunter mehrere prominente Persönlichkeiten der Stadt. 1864 wurde eine Friedhofshalle erbaut. Die Friedhofsfläche umfasst 198,28 ar. In der NS-Zeit wurde der Friedhof teilweise verwüstet. Beim Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 gab es Zerstörungen (vermutlich wurde damals auch die Friedhofshalle zerstört). Der Zustand der Grabsteine ist sehr unterschiedlich.

Um 1900 bemühte sich die Gemeinde wiederum um die Anlage eines Friedhofes, da die volle Belegung des alten Friedhofes absehbar war. Seit 1922 konnte der Plan umgesetzt werden. 1925 begannen die Pflanzungen des beim Krankenhaus St. Georg erworbenen Gelände. Am 6. Mai 1928 wurde der Friedhof eingeweiht. In der NS-Zeit wurde der Friedhof teilweise verwüstet. Die Feierhalle mit ihrer über 21,5 m hohen Kuppel - ein Meisterwerk der funktionellen Architektur der 1920er-Jahre - wurde in der Pogromnacht 1938 in Brand gesetzt und im Februar 1939 abgebrochen. Der Friedhof wurde auch nach 1945 (und bis zur Gegenwart) belegt. Es sind über 1.000 Grabstellen angelegt. Die Friedhofsfläche umfasst 43,20 ar. 

Zu einer Schändung kam es am 14. Februar 2003 (30 Grabsteine wurden auf dem Friedhof umgeworfen).

Lage: Alter Friedhof: Berliner Str. 123; Neuer Friedhof: Delitzscher Str. 224.

Fotos des alten Friedhofes Berliner Straße:
(Fotos von Inge Laidig, Keltern-Weiler, Aufnahmedatum April 2004)

Leipzig Friedhof a100.jpg (49430 Byte) Leipzig Friedhof a101.jpg (55893 Byte) Leipzig Friedhof a102.jpg (60024 Byte)
Grabstein für Falk Kohen (1859-1927) und Fanny Kohen geb. Sygmand (1870-1935) Gefallenengrabmäler 
mit Gedenkstätte
Teilansicht
 
      
Leipzig Friedhof a103.jpg (52674 Byte) Leipzig Friedhof a104.jpg (48003 Byte) Leipzig Friedhof a105.jpg (45227 Byte)
Grabstätte Oskar Blümlein und Jakob Freifeld und Gedenkstätte für Angehörige Grabstätte für 
Abraham Segall
Grabstätte für Alexander Strauss und Agnes Strauss geb. Speyer
     
Leipzig Friedhof a109.jpg (57004 Byte) Leipzig Friedhof a108.jpg (54589 Byte) Leipzig Friedhof a107.jpg (60936 Byte)
Grabstätte für 
Rabbinerfamilie Dr. Goldschmidt
Grabstein für Salomon Siegismund Süßermann (1830-1888) Grabmal (Säule/Stamm?) für 
Adolf Brenner

Link: Website der Stadt Leipzig       
Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur e.V. an der Universität Leipzig
Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig  
Anfragen zur Belegung des jüdischen Friedhofs sind möglich: Adresse hier anklicken  
Leipzig Buch 004.jpg (63185 Byte)Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 234-248; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 448-471: Juden in Leipzig. Eine Dokumentation zur Ausstellung 1988.

  
  
  
   
   

Meißen (MEI) 
nur ehemaliger mittelalterlicher Friedhof

Zur Geschichte des Friedhofes: In Meißen bestand im Mittelalter ein jüdischer Friedhof. Er wird in den Quellen allerdings erst 1455 und 1457 genannt ("judenkirchhof"). Er befand sich am Hang des "Jüdenberges" und wurde vermutlich bereits seit der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 von den Christen teilweise als Weingarten, teilweise als Viehweide genutzt. Die Mauer und die Grabsteine des Friedhofes wurden als Baumaterial in der Stadt verwendet. An den "Jüdenberg" erinnert heute noch die "Jüdenbergstraße", die von der Görnischen Gasse in Serpentinen hinauf bis zur Nossener Strasse führt. In der NS-Zeit wurde die "Jüdenbergstraße" in "Theodor-Fritsch-Straße" umbenannt. Bis spätestens 1950 erfolgte eine Rückbenennung. 1952 wurde am Jüdenberg das Grab eines kleinen Mädchens gefunden, das die Existenz des mittelalterlichen Friedhofes an dieser Stelle belegte. 

Lage:  

Ungefähre Lage des jüdischen Friedhofes in Meißen auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und weiter über das Straßenverzeichnis zur "Jüdenbergstraße".

Link: Website der Stadt Meißen   
Literatur: Germania Judaica II,2 S. 855f; Zeugnisse jüdischer Kultur S. 248; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 500f.

  
  
  

*Niederschöna (FG)

Zur Geschichte der Grabstätte: In Niederschöna besteht im örtlichen Friedhof ein Grabstein für ein unbekannt gebliebenes jüdisches Mädchen. Dieses war am 19. Februar 1945 auf dem Todesmarsch von Häftlingen zusammengebrochen und verstorben. Der Gedenkstein wurde im November 1989 u.a. mit Vertretern der jüdischen Gemeinde Dresden eingeweiht.   
    
Lage: Auf dem örtlichen Friedhof  
   
Fotos   
(erhalten von Katharina Hahne, Aufnahmen vom Sommer 2009)  

Niederschoena Friedhof 130.jpg (198388 Byte) Niederschoena Friedhof 131.jpg (173473 Byte) Niederschoena Friedhof 133.jpg (120706 Byte)
Blick über den Friedhof Niederschöna Grabstein mit Inschrift: "Hier ruht ein unbekanntes jüdisches Mädchen, umgekommen am 19.2.1945 in Hutha"

Link: Website der Gemeinde Niederschöna
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 248-249 (Anmerkung: hier wird versehentlich Oberschöna als Ort des Grabes angegeben). 
  
  

    
*Oederan (FG)

Zur Geschichte der Grabstätte: In Oederan besteht im städtischen Friedhof ein Ehrengrab für drei KZ-Häftlinge, vermutlich jüdische Frauen, die auf einem Transport in Oederan (Bahnhof) starben oder ermordet worden. 

Lage: Auf dem städtischen Friedhof an der Freiberger Straße.

Link: Website der Gemeinde Oederan
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 534.
  

  

  
Plauen (PL)

Zur Geschichte der Friedhöfe: In Plauen bestand bereits im Mittelalter ein jüdischer Friedhof. Er wird in Urkunden als "Judengarten" bezeichnet (1412, 1438/39, 16 Jh.) und vermutlich nach 1350 außerhalb der Stadtmauer vor dem Straßberger Tor angelegt. Es ist jedoch nicht ganz geklärt, ob "Judengarten" und jüdischer Friedhof identisch sind, möglicherweise lagen sie nahe beieinander. 1543 wurden die Juden der Stadt vertrieben. Der Friedhof wird damals zerstört worden sein.
1884 konnte wieder eine jüdische Gemeinde begründet werden. 1898 kaufte sie von dem Rittergutsbesitzer E. Klopfer aus Kauschwitz am nördlichen Stadtrand ein Grundstück zur Anlage eines neuen Friedhofes. Auch eine kleine Friedhofshalle wurde gebaut, die die NS-Zeit überstand und 1987/88 zu einer Mahn- und Gedenkstätte mit einer Ausstellung zur Geschichte der Juden in Plauen umgestaltet wurde. Es sind 132 Grabstätten vorhanden. Auch nach 1945 gab es vereinzelt Beisetzungen (David Stiefel, gest. 1957, letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Plauen). Die Friedhofsfläche umfasst 35,90 ar. Im Mai 2000 enthüllten Nachkommen ehemaliger Plauener Juden einen Gedenkstein für die zahlreichen Opfer, die ohne Grab und Ruhestätte geblieben sind.
  
Aus der Geschichte der Friedhöfe    
Schändung des Friedhofes (1925)

Mitteilung der der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins) vom 28. Januar 1927: "5. bis 6. Juni 1925. Plauen: Die neu hergerichtete Leichenhalle wurde nachts über und über mit roter Ölfarbe beschmiert. Beleidigende Äußerungen wurden angemalt."    

Lage: Der Friedhof liegt nordwestlich der Stadt auf der Gemarkung Kauschwitz an der Straße "Am Tannenhof" (Oberjößnitzer Weg).   

Lage des jüdischen Friedhofes in Plauen auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, jüd.".

Link: Website der Stadt Plauen   
Adresse der Gedenkstätte Flieshalle Jüdischer Friedhof Plauen:  Am Tannenhof 08525 Kauschwitz Tel: 03741/484912 (Hauptfriedhof Plauen) Fax: 03741/484948  Nähere Informationen  
Die Ausstellung in der Friedhofshalle ist eine Außenstelle des Vogtlandmuseums Plauen
Literatur: Germania Judaica II,2 S. 1112-1114 (Lit.); Waltraud Schmidt: Der jüdische Friedhof in Plauen. Geschichte, Gräber, Schicksale. Hg. vom Verein für vogtländische Geschichte. Volks- und Landeskunde 1988.2003; Zeugnisse jüdischer Kultur S. 250-252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 551-555.

  
  
   

Schneeberg/Erzgebirge (ASZ)

Zur Geschichte des angeblichen jüdischen Friedhofes: Nach einem Bericht von 1988 lag ein angeblicher "jüdischer" Friedhof "in Richtung Schlema, am Zechenplatz und Gärten vorbei, in einem Waldstück". Dort bestand seit 1966 eine "Müllhalde" (sc. gemeint: Uranbergbauhalde). Der jüdische Friedhof sei vor Anlage dieser Müllhalde eingeebnet worden. 
  
Hinweis: nach einer Mitteilung des Ortschronisten von Bad Schlema - Dr. Oliver Titzmann - vom 4. Mai 2010 gab es in Schneeberg keinen jüdischen Friedhof. Der oben bezeichnete Friedhof ist der alte Friedhof des Ortes Radiumbad Oberschlema, der nach 1952 infolge des Uranbergbaus abgerissen werden musste. Dieser Friedhof ist 1970 planiert worden und liegt in unmittelbarer Nähe einer Uranbergbauhalde.  
           
Link: Website der Stadt Schneeberg  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 596.
  
  
  

*Thum - Herold (ERZ)

Jüdisches Einzelgrab: Auf dem städtischen Friedhof von Herold besteht das gekennzeichnete Grab einer unbekannten ungarischen Jüdin. Sie wurde am 7.2.1945 hier bestattet und gehörte zum damaligen Zwangsarbeitslager Venusberg-Spinnerei.

Lage: Auf dem städtischen Friedhof. 
Link
: Website der Stadt Thum 
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 419.

  

  
  

*Venusberg (Verwaltungsverband Grüner Grund, MEK)

Friedhof und Gedenkstätte: Im Ortsteil Spinnerei befindet sich ein Friedhof mit einer Gedenkstätte für über 100 Frauen aus osteuropäischen Ländern, die dort im ehemaligen Zwangsarbeitslager 1944/45 ums Leben kamen. Unter ihnen waren auch jüdische Frauen.

Lage: Im Ortsteil Spinnerei 

Link: Websitee des Verwaltungsverbandes Grüner Grund  
Literatur: Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 649.
  
   

Weißwasser (GR) 

Zur Geschichte des Friedhofes   Der 1903 angelegt jüdische Friedhof wurde 1982 eingeebnet und 2010 wieder hergestellt.  

Weisswasser Friedhof 180.jpg (57665 Byte)Foto links von Martina Albert: Areal des jüdischen Friedhofes.   
Artikel von Martina Albert in der "Lausitzer Rundschau" vom 28. August 2010 (Artikel): 
"Jüdischer Friedhof in Weißwasser wird am 1. September geweiht
Weißwasser
Fast 30 Jahre hat der Jüdische Friedhof in Weißwasser auf seine Wiedererweckung gewartet, 1982 war er eingeebnet, der Bereich umgestaltet worden. In jahrelanger Kleinarbeit hat die Denkmalkommission der Stadt an seiner Rekonstruktion gearbeitet. Am 1. September wird der Friedhof nun offiziell eingeweiht und durch den Landesrabbiner zur Grabstätte geweiht.
Wie viele Stunden ehrenamtliche Arbeit in das Projekt geflossen sind, kann Günter Segger, Vorsitzender der Denkmalkommission Weißwasser nicht beziffern. 'Es waren in jedem Fall sehr, sehr viele', sagt er. Doch es hat sich gelohnt. Nach jahrelanger Arbeit steht nun mit der Einweihung des Jüdischen Friedhofs das größte Projekt des fünfteiligen Gedenkpfades in Weißwasser vor dem Abschluss. 'Wir sind stolz und zufrieden', so Günter Segger. Denn bis zur nun bevorstehenden Einweihung war es kein einfacher - und zudem ein langer Weg, wie Segger erklärt. Im Jahr 2000 hatte Heimat-historiker Werner Schubert die Idee, den jüdischen Friedhof wiederzubeleben erstmals in den Raum gestellt. 2003 bekannte sich die frischgegründete Denkmalkommission der Stadt schließlich zu dem Ziel, die ehemalige Begräbnisstätte wieder kenntlich zu machen. 
Weisswasser Friedhof 181.jpg (54598 Byte)Foto links: Der Vorsitzende der Denkmalkommission Günter Segger zeigt die Stelle, wo der Grabstein stehen wird.. 
Doch das Projekt blieb kompliziert: Unter anderem war es schwierig, die genaue Lage der jüdischen Begräbnisstätte zu lokalisieren. Im Detail gelang das erst 2007 der damaligen Landau-Gymnasiastin Susann Schmiedgen. Sie schrieb ihre Belegarbeit über die Geschichte des Jüdischen Friedhofs, durchforstete alte Unterlagen - und war erfolgreich. Vergangenes Jahr konnte das Areal schließlich eingezäunt werden, mittlerweile ist auch noch die Grabstelle einer weiteren jüdischen Familie in der Nähe lokalisiert worden. 
Neben einer Informationstafel wird am Jüdischen Friedhof auch ein Grabstein gesetzt. Er trägt 13 Namen. Darunter auch den von Weißwassers Ehrenbürger Joseph Schweig, der das Gelände für die Begräbnisstätte 1903 gekauft hatte. Ebenfalls auf dem Grabstein finden sich die Namen von drei ungarischen Frauen, die 1944 und 1945 im Arbeitslager in Weißwasser ums Leben kamen. 
Wie sehr das Projekt Jüdischer Friedhof nach außen wirkt, zeigt die Liste der Gäste für den 1. September. Neben Landesrabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl ist Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden sowie eine Vertreterin der Jüdischen Gemeinde Dresden zu Gast. Günter Segger hofft nun, dass möglichst viele Weißwasseraner an der Einweihung teilnehmen, um der Feier einen würdigen Rahmen zu geben. 
Zum Thema: 
Alle Weißwasseraner sind zur Einweihung und Weihung des Jüdischen Friedhofsareals in Weißwasser eingeladen. Männer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen, so Günter Segger. Die Festveranstaltung beginnt am 1. September um 11 Uhr auf der Freifläche vor dem Jüdischen Friedhof. Dieser befindet sich im südöstlichen Teil des Friedhofsgeländes."    
 
Artikel in "faktuell.de vom 2. September 2010: "Jüdischer Friedhof geweiht - Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl hat in Weißwasser den jüdischen Friedhof geweiht. Dieser befindet sich auf dem Gelände des Städtischen Friedhofes und war 1982 eingeebnet worden. Die Denkmalkommission der Stadt hatte sich 8 Jahre lang um die Wiederherstellung der Anlage bemüht. Weißwasser selbst hat keine eigene jüdische Gemeinde mehr. Das Areal ist Bestandteil des Denkmalpfads, zu dem vier weitere Stationen gehören.

Lage des Friedhofes: auf dem Gelände des Städtischen Friedhofes  
 
Link: Website der Stadt Weißwasser                 
  
   
  
*Zinnwald (DW)

Jüdisches Familiengrab: Auf dem Friedhof der evangelischen Wehrkirche, unweit des Grenzübergangs zur Tschechischen Republik, befindet sich das Grabmal der Familie Perutz. Es wurden hier in den 1920er-Jahren vier Mitglieder dieser jüdischen Kaufmanns- und Mäzenatenfamilie beigesetzt.

Lage: Friedhof an der Teplitzer Straße. 

Link: Website der Gemeinde Zinnwald     
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 

    
  

Zittau (GR)

Zittau Friedhof 174.jpg (133884 Byte) Zum Friedhof in Zittau besteht eine Unterseite (interner Link): hier anklicken 

    
  

Zwickau (Z)

Zur Geschichte des Friedhofes: Nachdem die Israelitische Religionsgemeinde Zwickau 1904 gegründet wurde, konnte sie 1905 auf einem etwa 10 ar großes Grundstück an der Straße nach Schneppendorf östlich des alten Pölbitzer Friedhofes einen Begräbnisplatz anlegen. Der Friedhof wurde mit einem Holzzaun umgeben. 1938 wurden von nationalsozialistischen Vandalen die Grabsteine umgeworfen und später auch die Messingbuchstaben von den Grabsteinen abgeschlagen. Auch die kleine Friedhofshalle wurde 1938 zerstört (Fundament noch erhalten). Seit 1945 werden noch vereinzelt Beisetzungen vorgenommen (zuletzt 1989). Es sind 64 Grabsteine erhalten. Ein Denkmal erinnert an die in der NS-Zeit ermordeten Juden der Stadt. Die Friedhofsfläche umfasst 14,50 ar.
Im April 2003 wurde der Friedhof schwer geschändet. Von den 64 Grabsteinen wurden 54 umgeworfen und 5 schwerst beschädigt. Bis zum Herbst 2003 wurden die Spuren der Schändung durch Mittel aus dem städtischen Haushalt und erhebliche Eigenleistungen des Garten- und Friedhofsamtes in Höhe von ca. 42.000 € beseitigt. Fünf Grabsteine mussten völlig neu hergestellt werden. Bericht zur Instandsetzung des Friedhofes. 

Lage: An der Thurmer Straße/Schneppendorfer Straße

Lage des jüdischen Friedhofes in Zwickau auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und unter "Behörden und öffentl. Einrichtungen" weiter zu "Friedhof, Pölbitz". Der jüdische Friedhof ist rechts davon an der Thurmer Straße eingetragen (versehentlich mit einem "Kreuz" markiert)

Link: Website der Stadt Zwickau  
Literatur: Zeugnisse jüdischer Kultur S. 252-254; Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 684-686.

  
  

 

Links und Literatur:

Hatikva logo.jpg (20076 Byte)Hatikva: Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Kultur und Geschichte Sachsen e.V.
Hier auch Seite zu Literatur und Forschungsbeiträge von Hatikva (Schwerpunkt: Dresden)

  

  

Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig  
Hier auch eine Literaturübersicht zu Publikationen der Ephraim Carlebach Stiftung (Schwerpunkt: Leipzig)

  

  

Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig

 

 

 

Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales über die Betreuung der verwaisten Friedhöfe der ehemaligen jüdischen Gemeinden im Freistaat Sachsen (VwV verwaiste jüdische Friedhöfe) vom 27. Dezember 2002:  hier anklicken

 

Allgemeine Literatur:

Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Projektleitung: Kathrin Wolff. Gesamtredaktion: Cordula Führer. Berlin 1992.
Michael Brocke/Eckehart Ruthenberg/Kai Uwe Schulenburg: Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin). Berlin 1994.
Michael Brocke/Christiane E. Müller: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Leipzig 2001.

 

 

 

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Stand: 02. September 2010