|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
Zurück zur Übersicht: "Jüdische
Friedhöfe in der Region"
Zur Übersicht: Jüdische Friedhöfe in Baden-Württemberg
Pflaumloch (Gemeinde
Riesbürg, Ostalbkreis)
Der jüdische Friedhof
Zu Seite 2 mit einer Auswahl von Fotos noch lesbarer Grabsteine
(April 2008)
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Siehe Seite zur Synagoge in
Pflaumloch (interner Link)
Zur Geschichte des Friedhofes
Im 15. Jahrhundert wurden mehrere Pflaumlocher Juden in Nördlingen
beigesetzt. Bis 1833 wurden die Toten zum Friedhof im bayerischen Wallerstein (Landkreis
Donau-Ries) gebracht. Seither bestand ein eigener Friedhof in der Flur "Platten"
(Flurstück 284, Fläche 5,68 a) unmittelbar beim heutigen Gemeindefriedhof. Der
Friedhof wurde letztmals 1916 belegt. Im März 1926 erfolgte eine
schwere Schändung des Friedhofes: elf Schüler und Schülerinnen der
evangelischen Volksschule in Pflaumloch warf 18 Grabsteine um, die teilweise
zerbrachen (siehe Artikel unten).
Um den früher inmitten von Feldern
gelegenen Friedhof ist seit den 1980er-Jahren ein Wohn- und Gewerbegebiet
entstanden (heute Straßen Daimler- und Heerstraße).
Aus der Geschichte des Friedhofes
Die Schändung des Friedhofes im März 1926
Artikel
in der "CV-Zeitung" vom 23. April 1926: "Kinder als
Friedhofsschänder. Verwüstungen auf dem israelitischen Friedhof
Pflaumloch. Rabbiner Dr. Kroner (Oberdorf-Bopfingen) schreibt uns: Der
behördlich aufgestellte christliche Güter des Friedhofes der
eingegangenen israelitischen Gemeinde Pflaumloch (Rabbinat Oberdorf,
Württemberg) berichtete mir am 27. März, dass auf dem dortigen Friedhofe
in den letzten Tagen starke Verwüstungen vorgekommen seien, die scheinbar
von ruchloser Hand herrühren. Ich gab sofort Auftrag, das Landjägeramt
in Pflaumloch davon zu unterrichten und die Untersuchung aufzunehmen. Die
Sache selbst ließ mich aber nicht ruhen, und so fuhr ich am Vorabend des
Pessachfestes noch nach Pflaumloch, um mich selbst von dem Vorgefallenen
zu überzeugen.
Da zeigte sich nun auf dem Friedhofe ein grauenhaftes Bild. Achtzehn
umgeworfene Grabsteine, darunter mehrfach gebrochene, also ein Viertel des
Friedhofes demoliert! Der Landjäger hatte bereits die Spur aufgenommen
und festgestellt, dass es sich um einen jugendlichen Anstifter handle,
einen noch nicht vierzehnjährigen Schüler der dortigen evangelischen
Volksschule. Die sofort weitergeführte Untersuchung, der ich selbst
beiwohnen durfte, ergab, dass ungefähr elf Kinder, alle Schüler dieser
Schule, Knaben und Mädchen, im Alter von elf bis vierzehn Jahren, sich an
diesem frevelhaften Werke beteiligt hatten! Die Kinder hatten die Mauer
des Friedhofes überstiegen, um auf dem Judenfriedhofe, 'wie
alljährlich', Immergrün für die Konfirmationskränze zu sammeln. Bei
dieser Gelegenheit hatte der Hauptmatador bemerkt, dass einige Grabsteine
nicht mehr ganz fest stehen. Kurzerhand war er entschlossen, gründliche
Arbeit zu leisten, und warf vier Grabsteine um. Das reizte und weckte die
Lust zu weiteren Kraftleistungen, und so waren in kurzer Zeit von Knaben
und Mädchen im leichtsinnigsten Übermut und zur Befriedigung der
angeregten Laune bald achtzehn Steine umgeworfen! Der Landjäger hat
sofort der Staatsanwaltschaft in Ellwangen eingehenden Bericht erstattet.
Der Beschluss der Staatsanwaltschaft vom 1. April lautet: 'Die
Beschuldigten sind strafunmündig. Wegen des entstandenen Schadens wird
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Die Akten werden dem Jugendamt
und Vormundschaftsgericht übermittelt zwecks Erwägung eventuelles
Erziehungsmaßnahmen.' Der Oberrat der Israeliten Württembergs hat nun
auch seinerzeit Schritte getan, um die evangelische Ortsschulbehörde zu
einer bestimmten Stellungnahme zu veranlassen. Wie leicht die Kinder das
ganze Zerstörungswerk genommen haben, geht auch daraus hervor, dass die
betreffenden Eltern erst aus der später erschienenen Zeitungsnotiz,
welche diese Freveltat übrigens mit aller Schärfe verurteilte, von der
traurigen Arbeit ihrer Kinder vernommen haben! Es muss zu Ehren der Eltern
und der Bevölkerung gesagt werden, dass sie mit Entrüstung von diesem
jugendlichen Vandalismus Kenntnis nahmen, und dass einzelne Mütter beim
Rabbinat ihr großes Bedauern und ihre starke Erregung ausdrückten und -
um eine Berücksichtigung ihrer wirtschaftlichen Notlage bei Ansetzung des
Schadensersatzes baten.
Wird man nun der Sache gerecht, wenn man wie die genannte Zeitungsnotiz
das traurige Vorkommnis betitelt: 'Jugend von heute', oder sind dabei noch
andere Imponderabilien wirksam, die in den Herzen der Kinder auch schon
schlummernd vorhanden sind?" |
| |
Artikel in der " Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. April 1926: "Pflaumloch: In der Nacht von Mittwoch, den 24., auf Donnerstag, den
25. März, sind auf dem hiesigen israelitischen Friedhof achtzehn Grabsteine
umgestürzt worden, von denen sechs zwei- bis dreifach gebrochen sind. Bei zwei
Grabsteinen sind sogar die Steinsockel ausgehoben worden. Die Verwüstungen sind
von 11 Schülern der evangelischen Volksschule, Knaben und Mädchen von elf bis
vierzehn Jahren, verursacht worden. Die Kinder hatten die steinerne Mauer des
geschlossenen Friedhofes überstiegen, um im Friedhof Immergrün für die
Kränze zur Ausschmückung der Kirche anlässlich der Konfirmation zu holen. Ein
Knabe hatte bei dieser Gelegenheit mutwillig vier Steine umgeworfen und dadurch
die anderen Kinder zu weiteren Zerstörungen angereizt. Die Kinder haben bei der
Vernehmung durch den Landjäger erklärt, dass es alter Brauch sei, das
Immergrün für die Konfirmation "auf dem Judenfriedhof" zu holen. Da
keiner der eigentlichen sechs Täter das 14. Lebensjahr erreicht hat, kann nur
eine zivilrechtliche Verfolgung der Angelegenheit erfolgen, zu der die Schritte
bereits eingeleitet sind. Ungefähr der vierte Teil der auf dem altehrwürdigen
Friedhof befindlichen Steine ist zerstört.
Wir unterlassen es mit ernster Absichtlichkeit, uns über die schmachvolle
Verwüstung des Pflaumlocher Friedhofs zu äußern. Wir erwarten, dass der
Lehrer der evangelischen Volksschule und der evangelische Ortsgeistliche zu
dieser Angelegenheit Stellung nehmen!" |
| |
Rückblick
auf Friedhofschändungen 1926 in einem Artikel in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 17. Februar 1927: "März 1926.
Pflaumloch (Süddeutschland). Auf dem jüdischen Friedhof wurden 18
Grabsteine umgestürzt und mehrfach zerbrochen, zum Teil die Steinsockel
ausgehoben. Täter: elf Schüler der evangelischen Volksschule." |
| |
Rückblick
auf Friedhofschändungen 1926 in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins) vom 28. Januar
1927: "März 1926. Pflaumloch (Süddeutschland): Auf dem
jüdischen Friedhof wurden 18 Grabsteine umgestürzt und mehrfach
zerbrochen, zum Teil die Steinsockel ausgehoben. Täter: elf
Schüler der evangelischen Volksschule." |
Dokument zu einem der Grabsteine
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; auch die Fotos
und der Untertext von P. K. Müller) )
 |
 |
 |
| Links ist die
Rechnung der (jüdischen) Fa.
Koppel in Nördlingen für einen Grabstein für Mina Rosenthal
abgebildet. Mina (Malka) Rosenthal geb. Essinger (geboren am 25. März 1820 in
Oberdorf; gestorben am 18. Januar 1891
in Pflaumloch) war seit dem 11. Juli 1848 (in Unterdeufstetten)
verheiratet mit Leopold (Loew) Rosenthal. Leopold Rosenthal starb am 30. August 1888 in
Unterdeufstetten und wurde in
Schopfloch beigesetzt . Die Rechnung wurde ausgestellt am 2. Februar 1892 und beinhaltet als Grabstein
eine Granitpyramide mit Sandsteinsockel für die selige Frau Mina Rosenthal, inclusive Schrift, Transport und Setzen.
Die Rechnung wurde ausgestellt an Herrn Oberdorfer von Pflaumloch und quittiert von Max Koppel von Nördlingen. |
Die Lage des Friedhofes
|
Links: Lage des jüdischen Friedhofes Pflaumloch (durch
Pfeil markiert) - der Plan zeigt die Situation in den 1970er-Jahren
ohne die inzwischen in der Umgebung des Friedhofes erfolgte Bebauung durch
Wohnhäuser und Industrie
(Karte kann durch Anklicken
vergrößert werden) |
Link zu den Google-Maps
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)
Größere Kartenansicht
Fotos
Historisches Foto
(Quelle: Jüdische Friedhöfe und Gotteshäuser in
Württemberg. Hg. vom Oberrat der Israeliten in Württemberg 1932)
|

|
| Der Pflaumlocher Friedhof um
1930 |
Neue Fotos:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003)
 |
 |
 |
In den vergangenen Jahren hat
wurde
der allgemeine Friedhof der Gemeinde
bis zum jüdischen Friedhof
erweitert |
Der separate Eingang
zum
jüdischen Teil |
Blick über den jüdischen
Friedhof
von der Mauer zum allgemeinen Teil |
| |
|
| |
|
|
 |
 |
 |
| Teilansichten |
Zwei "abgebrochene
Säulen" als Symbol für
mitten aus dem Leben gerissene Menschen |
| |
| |
|
 |
 |
 |
|
Symbole: Messer des Mohel (Beschneider)
und Buch für einen schriftgelehrten
Menschen |
Grabstein für Hayum (Chaim) Pflaum,
dessen Familie sich nach dem
Ort Pflaumloch nannte |
| |
|
|
Der Friedhof im
Herbst 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.09.2007) |
|
 |
 |
 |
| Eingang zum Friedhof |
Grabsteine des
Friedhofes werden derzeit renoviert, daher das aufgebaute Dach |
Ältere Fotos: Winteraufnahmen Mitte der 1980er-Jahre
(Fotos: Hahn)
 |
 |
 |
| Blick auf den Friedhof |
Teilansichten |
| |
|
 |
 |
 |
| Teilansichten |
Zwei Fotos von R. Klotz, um
1970 |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Gert Wildensee: Grunddokumentation des Friedhofes in
Pflaumloch. Zugänglich im Zentralarchiv
der Juden in Deutschland (Heidelberg) und im Rathaus der Stadt Riesbürg.
Erstellt 1990er-Jahre. |
 | Felix Sutschek: Zur Geschichte der Juden in Pflaumloch, in: Geschichte
und Kultur der Juden in Schwaben II, 2000. |

vorheriger Friedhof zum ersten
Friedhof nächster Friedhof
|