Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zu den Friedhöfen im Regierungsbezirk Schwaben  
  

Nördlingen (Landkreis Donau-Ries) 
Jüdische Friedhöfe  
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
     
Siehe Seite zur Synagoge in Nördlingen (interner Link)  
     
     
Zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe 
   
Bereits im Mittelalter waren drei Friedhöfe vorhanden (das Nachfolgende nach Art. "Nördlingen" in Germania Judaica III,2 S. 978 und Anm.). Der erste Friedhof  lag im Gebiet der Stadterweiterung des 14. Jahrhunderts innerhalb des jüngeren, äußeren Stadtmauerrings und diente der jüdischen Gemeinde in der 1. und in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis in die 1370er-Jahre als Begräbnisplatz. Bei der Stadterweiterung wurde er durch christliche Überbauung des umliegenden Geländes so beengt, dass Beerdigungen nicht mehr möglich waren. 1378 wurde auf einem den Juden gehörigen Platz anscheinend im selben Gebiet ein neuer Friedhof angelegt, dessen Benutzung 1384 bei der Unterbrechung der Judensiedlung endete. 1415 wies die Stadt der jüdischen Gemeinde ein ihr gehöriges Grundstück außerhalb und südwestlich der Mauer am Henkel- oder Galgenberg (heute Marienhöhe) als Begräbnisstätte zu. Diesen dritten Friedhof, den "Judenacker", benutzte die Judenschaft bis zur Vertreibung von 1506/07.
Nachweislich wurden auf dem Friedhof des 15. Jahrhunderts aus folgenden Orten jüdische Verstorbene beigesetzt: aus dem Bereich des Ries aus Baldingen, Bopfingen, Hainsfarth, Kleinerdlingen, Löpsingen, Maihingen, Marktoffingen, Oettingen, Pflaumloch und Wemding; außerhalb des Ries aus Dischingen, Donauwörth, Ellwangen, Feuchtwangen, Gunzenhausen, Weißenburg/Bayern und Welden.    
  
Erst die im 19. Jahrhundert neu entstehende jüdische Gemeinde konnte wieder einen Friedhof anlegen, nachdem in den ersten Jahren der Neuansiedlung die Toten auf umliegenden Friedhöfen beigesetzt wurden (nach einem Vertrag von 1870 vor allem in Mönchsdeggingen; teilweise wurden die in Nördlingen zugezogenen jüdischen Personen jedoch in ihren Heimatorten beigesetzt). Der 1877 angelegte jüdische Friedhof in Nördlingen befindet sich unweit des allgemeinen städtischen Friedhofes am Nähermemminger Weg beziehungsweise am Stegmühlweg. Auch ein "Leichenhaus" (Taharahaus zur rituellen Waschung) wurde erbaut und am 7. September 1877 eingeweiht. 
  
In der NS-Zeit wurde der Friedhof teilweise abgeräumt. Auch die Umfassungsmauer wurde abgebrochen, um das Material zum Bau von Behelfsheimen zu verwenden. Viele Grabsteine wurden wahllos abtransportiert und zur Herstellung von Treppen und Grenzsteinen benutzt. 1947 wurden 200 Grabsteine auf Betreiben des Bürgermeisters und der amerikanischen Militärregierung wieder aufgerichtet. 
  
Das ursprünglich links des Eingangs befindliche Taharahaus diente mit den Räumen im Erdgeschoss sowie dem ausgebauten Dachraum auch als Wohnung für den Friedhofspfleger. Der letzte Friedhofspfleger hatte diese Arbeit im Jahre 1924 von seinem Vater übernommen und bis zum Jahre 1973 durchgeführt. 1978 musste das Gebäude wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Auf dem freien Platz setzt man einen Gedenkstein mit der Inschrift: "DEN TOTEN ZUR EHRE UND ZUM EWIGEN GEDENKEN AN DIE JÜDISCHEN BÜRGER AUS NÖRDLINGEN UND UMGEBUNG, DIE IN DEN VERFOLGUNGSJAHREN 1933-1945 GRAUSAM UMGEKOMMEN SIND. UNS LEBENDEN ZUR MAHNUNG, DEN KOMMENDEN GESCHLECHTERN ZUR EINDRINGLICHEN LEHRE. ERRICHTET IM JAHRE 1979 VOM LANDESVERBAND DER ISRAELITISCHEN KULTUSGEMEINDEN IN BAYERN".   
  
Die bislang letzte Beisetzung in diesem Friedhof war 1986 (Samuel Levite).
  
  
Texte 
 
a) aus Julius Heller s. Lit. S. 57 (freundlicher Hinweis von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries): "Ein israelitischer Friedhof befand sich bis 1378 in der Vorstadt vor dem alten Reimlingertor, auf dem heutigen Brettermarkt; ein anderer von da an in der Talbreite 'bei der Lehmgrube'. Dieser bestand bis 1506 und wurde auch von benachbarten Orten viel in Anspruch genommen. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an bildete sich allmählich wieder eine israelitische Gemeinde innerhalb der Stadt. Ihre Toten wurden bis zur Errichtung eines eigenen Friedhofes (1877) in die benachbarten Orte Wallerstein, Pflaumloch und Aufhausen übergeführt."
  
b) aus Georg Monninger s. Lit. S. 51: "Die Juden hatten zuerst einen Friedhof in der Vorstadt außerhalb des alten Reimlingertores, auf dem späteren Viehmarkt, dem jetzigen Brettermarkt. Der im 15. Jahrhundert den Juden vom Rate eingeräumte Friedhof in der Talbreite, am Henkel- oder Galgenberg gelegen, 'der Judenacker' diente als Begräbnisstätte für einen weiten Umkreis..." 
B 268 Vor dem Bergertor: "Das im Jahre 1877 erbaute israelitische Leichenhaus bei der Bergmühle wurde am 7. September der Benützung übergeben". 
     
     
Lage des Friedhofes  

Lage des jüdischen Friedhofes in Nördlingen auf dem dortigen Stadtplan: oben anklicken 
und unter "Behörden und öffentliche Einrichtungen" weiterklicken zu "Friedhof, israel."

     
     
Link zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)    
   

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Fotos
Historische Fotos 

Historische Fotos aus der Zeit vor 1945 sind nicht bekannt, über Hinweise freut sich der 
Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite

Neuere Fotos
Fotos in den 1990er-Jahren

(Foto: R. Hofmann, Stuttgart, harburgproject):

   Noerdlingen Friedhof 201.jpg (94879 Byte)  
   Ansicht des Friedhofes - damals noch 
beschattet von zahlreichen Bäumen
 
     
Noerdlingen Friedhof 200.jpg (58630 Byte) Noerdlingen Friedhof 202.jpg (76253 Byte) Noerdlingen Friedhof 203.jpg (60907 Byte)
Grabstein für Elias Bühler, 
Zigarrenhändler 
(1854 Kleinerdlingen- 1908 Nördlingen) 
Grabstein für Leopold Gerstle, Viehhändler
 (1848 Ichenhausen - 1918 Nördlingen),
 Kriegsteilnehmer 1870/71 
Grabstein für Samuel Steinbock,
 Getreidehändler (1832 Cronheim -
 1915 Nördlingen) 
     

Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 12.3.2004)  

Noerdlingen Friedhof 107.jpg (65922 Byte) Noerdlingen Friedhof 111.jpg (52433 Byte) Noerdlingen Friedhof 100.jpg (109788 Byte)
Eingangstor Tafel am Eingangstor Kindergräber
     
Noerdlingen Friedhof 108.jpg (84276 Byte) Noerdlingen Friedhof 102.jpg (81851 Byte) Noerdlingen Friedhof 109.jpg (68256 Byte)
Teilansichten des Friedhofes
   
Noerdlingen Friedhof 110.jpg (77218 Byte) Noerdlingen Friedhof 103.jpg (74061 Byte) Noerdlingen Friedhof 104.jpg (67879 Byte)
Teilansicht  
  
Grabstein für Ephraim Oettinger (Eisenhändler
 in Nördlingen), der ehrenamtlich als Beschneider
 tätig war, daher das Messer als Symbol auf 
dem Grabstein. Dazu in der Mitte die Kanne 
der aus dem Stamm Levi Abstammenden.
Abgebrochene Säule für ein viel zu 
früh verstorbenes Mädchen
   
     
  
     
Noerdlingen Friedhof 105.jpg (85606 Byte)    Noerdlingen Friedhof 101.jpg (76966 Byte)    
Grabstein für Ludwig Ascher 
(1876-1935) und 
Josi Ascher (1888-1960)  
Gedenkstein für die in der NS-Zeit
 ermordeten jüdischen Nördlinger an 
der Stelle des früheren Tahara-Hauses
 (Inschrift siehe oben)
   
  
     
Noerdlingen Friedhof 290.jpg (148981 Byte)    Noerdlingen Friedhof 291.jpg (107897 Byte)       Noerdlingen Friedhof 292.jpg (140531 Byte)
Der Gedenkstein auf dem herbstlichen Friedhof Anfang November 2007 
(Fotos: Manuela Hofmann-Scherrers, Aufnahmedatum: 4.11.2007)
     
     
Entdeckte Grabsteinfragmente 2007
(Fotos: Manuela Hofmann-Scherrers)
 
Zur Geschichte dieser Fragmente: Während des Zweiten Weltkrieges wurden - wie oben dargestellt - Grabsteine des jüdischen Friedhofes entfernt und u.a. zum Bau von Befehlswohnheimen verwendet. Sie dienten zur Fundamentierung und als Treppenstufen. Eines dieser Häuser wurde bereits vor einigen Jahren abgebrochen, ohne dass auf diese Fragmente geachtet wurde. Im Mai 2007 wurde ein weiteres Haus abgebrochen. Es konnten noch zwei Grabsteinfragmente geborgen werden. Eine Rückführung auf den Friedhof ist geplant.
Noerdlingen Grabsteine 901.jpg (83532 Byte) Noerdlingen Friedhof 433.jpg (66240 Byte) Noerdlingen Friedhof 434.jpg (92024 Byte)
Die beiden 
Grabsteinfragmente 
"Seine/ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens", darüber ist (links) 
die hebräische Jahreszahl erkennbar: vermutlich: "657 nach der kleinen Zählung", 
d.i. 1896/97 
   
     
Bau von Behelfswohnheimen 1944 
in Nördlingen - zur Fundamentierung
 wurden Grabsteine des jüdischen
 Friedhofes verwendet 
Noerdlingen 1944 01.jpg (75886 Byte) Noerdlingen 1944 02.jpg (62308 Byte)
   (Quelle der Fotos: Stadtarchiv Nördlingen, Fotosammlung) 
   
   Noerdlingen 1944 03.jpg (85764 Byte) Noerdlingen 1944 04.jpg (63711 Byte)
       
      
Das Taharahaus -
abgebrochen 1978 
Noerdlingen Friedhof 230.jpg (63999 Byte) Noerdlingen Friedhof 231.jpg (59180 Byte)
    Die aus Privatbesitz stammenden Fotos wurden durch Manuela Hofmann-Scherrers vermittelt. 
Das Taharahaus wurde 1978 abgebrochen, nachdem ein Kostenvoranschlag einer Baufirma ergab,
 dass für die Instandsetzung des Hauses 7.215 DM inkl. MWSt hätten aufgebracht werden müssen.
 Die Sanierung wurde nicht durchgeführt. 
         

Gefallene des Ersten Weltkrieges aus Nördlingen 
(erstellt von R. Hofmann, Harburgprojekt: Extrakt aus der Dokumentation im Stadtarchiv Nördlingen)

Noerdlingen Friedhof 106.jpg (94558 Byte) Noerdlingen Soldaten 01.jpg (49628 Byte) Noerdlingen Soldaten 02.jpg (69888 Byte)
Gedenkstein für die Gefallenen des 
Ersten Weltkrieges aus Nördlingen 
im jüdischen Friedhof; 
Näheres zur Biographie der Gefallenen: 
hier anklicken   
Jakob Bühler (27.9.1890-11.7.1916),
 Kaufmann in Nördlingen, Sohn des
 Lederhändlers Abraham Bühler in
 Nördlingen. Jäger im Jäger-Regiment 3
 des Deutschen Alpen-Korps, einberufen 
am 8.2.1915, gefallen am 11.7.1916 
beim Sturmangriff auf das Festungswerk
 Souville der Festung Verdun, tödliche
 Verletzung durch Granatsplitter, 
Grab unbekannt  
Albert Regensteiner (4.3.1896-26.9.1918),
 Handelsmann in Nördlingen, Sohn des 
1916 verstorbenen Viehhändlers 
Joel Regensteiner. Meldereiter im 8. 
Bayerischen Chevaux Regiment, einberufen
 am 20.10.1915, gefallen am 26.9.1918 
auf einem Melderitt mit mehreren
 Kameraden südlich von Vouziers bei 
Reims in der Champagne, Grab unbekannt.
Träger des EK II  
  

   
    

Links und Literatur

Links:

Belegungsliste - Gesamt-Dokumentation zu allen im jüdischen Friedhof Nördlingen beigesetzten Personen von Rolf Hofmann sowie Plan zu den erhaltenen Gräbern im jüdischen Friedhof Nördlingen von Rolf Hofmann (zip-Datei): hier anklicken 
Website der Stadt Nördlingen 
Die Namen der jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte   
Zur Seite über die Synagoge Nördlingen (interner Link)    
Genealogische Seiten zu den jüdischen Familien Nördlingens - Jewish Family Sheets Noerdlingen  erarbeitet von/compiled by Rolf Hofmann, HarburgProject  

Literatur:  

Dietmar-H. Voges: Zur Geschichte der Juden in Nördlingen. In: Rieser Kulturtage Dokumentation Band III/1980.
Dietrich Bösenberg: Jüdische Friedhöfe im Ries. Am 7. April 2003 gehaltenes Referat (Universität Ulm, Zentrum für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung. Arbeitskreis Nördlinger Ries). Dieses Referat ist online verfügbar: hier anklicken 
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Nördlingen/Schwaben. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 11.Jg. Nr. 72 März 1997 S. 19f.
Georg Monninger: Was uns Nördlinger Häuser erzählen. Nördlingen 1915 Reprint 1984.  
Julius Heller: Nördlinger Gotteshäuser. Mit einem Anhang: Das Klösterle / Nördlinger Begräbnisstätten. Nördlingen 1920.   

  
Bericht vom Europäischer Tag der jüdischen Kultur am 4. September 2005 in Nördlingen und Oettingen mit Rundgängen über die Friedhöfe unter Begleitung von Rolf Hofmann (aus den Rieser Nachrichten vom 6.9.2005 S. 26):  

Noerdlingen 2005 1.jpg (147088 Byte) Oettingen 2005 2.jpg (81095 Byte)

     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 16. Oktober 2013