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Gunzenhausen
(Kreis Weißenburg - Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Zur jüdischen Geschichte in Gunzenhausen
siehe insbesondere
die diesbezüglichen Seiten der Stephani-Volksschule in Gunzenhausen
Übersicht:
Es gibt eine weitere Seite mit Texten
zur jüdischen Geschichte in Gunzenhausen (interner
Link)
An dieser Seite wird noch gearbeitet -
bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In Gunzenhausen lebten Juden bereits im Mittelalter.
Genannt wird die Stadt im Zusammenhang mit der sog. "Rintfleisch"-Verfolgung
1298, bei der die jüdischen Einwohner vermutlich ermordet oder vertrieben
wurden. In den 1340-Jahren gab es wiederum jüdische Einwohner. Namentlich
genannt werden 1343 in Nürnberg Jud Lewe von Gunzenhausen sowie 1344 Jud Mosse
von Gunzenhausen, gesessen zu Baldern. Bei der Verfolgung in der Pestzeit
1348/49 wurden die Juden der Stadt wiederum ermordet oder vertrieben.
Erst 1374/75 - die Stadt war inzwischen im Besitz der Burggrafen von
Nürnberg - werden wieder jüdische Einwohner in der Stadt genannt. 1384 wird
ein Jude aus Gunzenhausen in Rothenburg ob der
Tauber genannt, 1403 einer in Wien, zwei weitere in Nürnberg 1416 und 1452.
Die jüdischen Gewerbetreibenden lebten vor allem vom Geldhandel, teilweise vom
Viehhandel. 1460 wird eine jüdische Augenärztin genannt. Zwei hebräische
Drucker (Vater und Sohn) mit Zusammen "Gunzenhauser" arbeiteten
1487-1492 in Neapel. Vor 1495 unterhielt R. Eisik Stein in Gunzenhausen
"während vielen Jahren" ein Jeschiwa, in der vor allem das Buch
"SeMaG" (von Moses ben Jakob aus Coucy in Frankreich) studiert
wurde.
1488 und wiederum 1539, nach anderen Quellen 1560, waren die Juden
der Stadt von den allgemeinen Ausweisungsbefehlen aus der Markgrafschaft
Brandenburg-Ansbach betroffen.
Ab 1593 konnten wieder Juden in der Stadt zuziehen (2 jüdische Einwohner
genannt). Anfang des 17. Jahrhunderts neun jüdische Familien in der
Stadt (Familienvorstände waren Maier I Judt, Nathan Judt, Maier II Judt, Jesse
Gottseelig, Ascher Judt, die alte Heim Jüdin, Joel Judt, Hess Judt
Hausgenossen). In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sollen fast alle Juden
abgewandert sein, wenn sie nicht Krankheiten oder den Kriegsereignissen zum
Opfer gefallen sind.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Zahl der jüdischen Einwohner
in der Stadt zu. Durch Zuzug aus anderen Orten sowie durch polnische
Flüchtlinge, die vor den Chmelnicki-Kosaken geflohen waren und durch einige
Familien, die nach 1670 aus Wien gekommen waren, entwickelte sich Gunzenhausen zu einer der größten und
bedeutendsten jüdischen Gemeinden im Bereich der Markgrafschaft
Brandenburg-Ansbach und wurde zu einem Hauptort des Ansbachischen Rabbinates.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Gunzenhausen einen eigenen Rabbiner,
der bis 1693 das Amt des markgräflichen Oberrabbiners innehatte, danach noch
als Orts- und Bezirksrabbiner innerhalb des Ansbacher Oberrabbinates tätig
war.
Die Gunzenhäuser
Rabbiner waren unter anderem (Amtszeit in Gunzenhausen in
Klammer; es waren noch weitere Rabbiner tätig, die u.a. im Cronheimer
Memorbuch genannt werden, deren Amtszeit jedoch bislang nicht klar
bestimmt werden kann):
 | Schlomoh ben Todros Josef (vor 1659 Rabbiner) |
 | Schmuel David ben Ja'akow Grunam (1659 bis
1675) |
 | Jirmijahu ben Jehuda Lejb Gump (1680 bis
1693): nach 1693 zunächst Rabbiner in Schnaittach,
danach Oberrabbiner des Rabbinatsbezirks Würzburg mit Sitz in Aub,
gest. 1702 in Neubreisach. |
 | Joseph Eisl bar Moschel (nach 1693 bis 1698),
gest. 1704 und in Bechhofen beigesetzt. |
 | Schim'on Akiba ben Josef Bär (1698-1724),
stammte aus Wien, von wo er 1670 vertrieben worden war; gest. 1724 und
in Bechhofen beigesetzt. |
 | Jakob ben Schmuel Steinhardt: war 42 Jahre
Bezirksrabbiner für Gunzenhausen und die umliegenden Gemeinden. |
 | Mordechai ben Eliezer haLevi (bzw. Marx
Lazarus, ca. 1796-1813). |
 | Samuel Idlinger (Anfang des 19. Jahrhunderts). |
 | Abraham ben haChawer Jehuda Boeheim (bzw. Abraham
Böhm; 1814-1845): zunächst Rabbinatsverweser, dann ständig
angestellt; unterhielt eine bekannte Talmud-Tora-Schule, in der u.a.
die Rabbiner Aron Bär Grünbaum (später Ansbach), Elieser Bergmann
(später Jerusalem) und David Weiskopf (später Wallerstein)
lernten. Vgl. Artikel
auf Textseite. |
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Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen
Familien in der Stadt weiter zu von 28 Familien im Jahr 1714 auf 55 Familien im
Jahr 1755.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1813 wurden für Gunzenhausen 55
Matrikelstellen festgeschrieben.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1809/10 235 jüdische Einwohner (10,7 % von insgesamt 2.189 Einwohnern),
1911/12 197 (9,7 % von 2.030), 1837 270 (10,4 % von 2.600), 1867 170 (5,2 % von
3.254), 1880 260 (6,9 % von 3.755), 1890 291 (7,5 % von 3.853), 1900 284 (6,3 %
von 4.503), 1910 291 (5,5 % von 5.278).
Die Gunzenhäuser Juden waren als Kaufleute, Händler, Bankiers und Ärzte
tätig, die in der Stadt weitestgehend integriert waren. Seit der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten viele von ihnen offenen Läden und
Geschäfte in der Stadt eröffnet. Zu einzelnen jüdischen Familien siehe die Dokumentation
der Stephani-Grund- und Hauptschule.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule (1882 bis 1938 Jüdische Volksschule;
jüdisches Schulhaus bei der Synagoge 1882 neu gebaut, Hafnermarkt 18, Gebäude
wurde um 1980 zur Anlage einer Tiefgarage und Neubebauung abgebrochen), ein rituelles Bad
und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren - nach Auflösung des
Rabbinates 1845 - ein Lehrer (Elementarlehrer, zugleich I. Kantor) und ein
(II.) Kantor angestellt,
der meist zugleich als Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stellen auf der
Textseite).
An Lehrern werden genannt: um 1850 Lehrer Ottenstein, 1894 bis
1922 Lehrer Moses Marx, 1922 bis 1938 Lehrer Max Levite. An (II.) Kantoren/Schochetim werden genannt:
1883-1907 Herr Warschauer (danach in Fürth), Kantor Rehfeld (bis zur
Pensionierung 1933, danach wird die Stelle nicht mehr besetzt beziehungsweise
die Aufgaben durch Lehrer Max Levite übernommen).
Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen
Gemeinde: Unteroffizier Victor Bermann (geb. 25.4.1881 in Gunzenhausen, gef.
16.8.1916), Kommandantur Arzt Dr. David Rueck (gef. 9.12.1918), Gefreiter Ludwig
Seller (geb. 16.11.1898 in Gunzenhausen, gef. 9.8.1917), Gefreiter Oskar Seller
(geb. 13.8.1893 in Gunzenhausen, gef. 26.7.1918). Außerdem sind gefallen:
David Rosenau (geb. 1. Oktober 1884 in Gunzenhausen, vor 1914 in Augsburg
wohnhaft, gef. 21.6.1918), Leutnant Max Seller (geb. 25.11.1890 in Gunzenhausen,
vor 1914 in Bayreuth wohnhaft, gef. 24.6.1915). Die Namen der Gefallenen
(dreimal Seller und Dr. Rück stehen auf der Gedenkstätte für die Gefallenen
beider Weltkriege von Gunzenhausen am Hindenburgplatz, direkt neben dem
Verkehrsübungsplatz in der Nähe der Stephani-Grund- und Hauptschule.
Um 1925, als zur Gemeinde 219 Personen gehörten (5,5 % von insgesamt 5.424
Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Alb. Hellmann, Abraham Gutmann, M.
Levite, K. Weinmann, Salo Walz und Jakob Seller. Den Unterricht der jüdischen
Kinder an der Jüdischen Volksschule erteilte Hauptlehrer Max Levite
(wohnt in der Mariusstraße), als Kantor war Markus Rehfeld tätig. An
der Jüdischen Volksschule hatte es noch 16 Kinder; durch Lehrer Levite
erhielten an den höheren Schulen 20 weitere Kinder den Religionsunterricht. An
jüdischen Vereinen gab es u.a. den Wohltätigkeitsverein Chewra
G'milus Chassodim (gegründet 1740, 1924 unter Vorsitz von Hermann
Feuchtwanger mit 35 Mitgliedern, 1932 unter Vorsitz von Joseph Seeberger mit 37
Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Bestattungswesen), den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1750; 1924
unter Vorsitz von Frida Joelsohn mit 30 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Meta
Sommer mit 57 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge,
Unterstützung hilfsbedürftiger Frauen, Bestattungswesen), die Zedokohkasse
(Träger Israelitische Kultusgemeinde, 132 unter Vorsitz von Heinrich Neumann;
Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), eine Ortsgruppe
des Central-Vereins (1932 unter Leitung von Prof. Kurzmann), den Verein
Harmonie (1932 unter Vorsitz von Karl Weinmann) und den Jüdischen
Jugendverein (1932 und Vorsitz von Richard Hellmann). An Stiftungen
bestanden u.a. die Rosenausche Stipendienstiftung (1932 und Vorsitz von Max
Levite, Zweck: Unterstützung Talmud-Thora-Studierender). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Heinrich Neumann (Marktplatz 40, 1. Vors.), Abraham Gutmann
(Bahnhofstraße, 2. Vors.), Karl Weinmann (Burgstallstraße, 3. Vors. und
Schatzmeister). Weiterhin waren in der Gemeinde Hauptlehrer Max Levite und
Kantor und Schochet Markus Rehfeld tätig.
1933 wurden 184 jüdische Einwohner in Gunzenhausen gezählt (3,3 % von
insgesamt 5.608 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der gewaltsamen Ausschreitungen gegen die jüdischen Einwohner bereits seit 1934
(s.u.), der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien, ging die Zahl der
jüdischen Einwohner zunächst langsam, nach 1937 schnell zurück. An jüdischen
Einwohnern wurden gezählt: am 1.1.1935 150 Personen, 1.1.1937 101, 9.11.1938
53, 1.1.1939 3, 25.1.1939 2, 26.1.1939 0.
Der 25. März 1934 ging als "Blutpalmsonntag" in die
Geschichte Gunzenhausens ein; die Vorgänge an diesem Abend blieben als
"Palmsonntagspogrom" in schauriger Erinnerung. Bis zu 1.500 Einwohner
der mittelfränkischen Kleinstadt waren auf der Straße, als unter Führung der
örtlichen SA etwa 30 Juden aus ihren Häusern verschleppt und unter Schlägen
und Tritten zum Gefängnis geführt wurden. Es war der größte Gewaltakt in Bayern seit der
"Machtergreifung" Hitlers.
Zwei jüdische Männer kamen an diesem Abend ums Leben, der 65-jährige Privatier Max
Rosenau und der 30-jährige Kaufmann Jakob Rosenfelder. In der Literatur wurde das Ableben der beiden als Selbstmord oder als ungeklärt
dargestellt.
Weitere Geschichte - einschließlich Novemberpogrom 1938 muss noch
dargestellt werden.
Von den in Gunzenhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ilse Bacharach geb.
Theilheimer (1903), Clara Bachmann geb. Joelsohn (1870), Amalie Bauer geb.
Neuburger (1893), Sigmund Bermann (1882), Alex Berwin (1895), Bertha Blumenstein
(1872), Jenny Blumenthal geb. Gutmann (1872), Hedwig Buxbaum geb. Guggenheimer
(1899), Kurt Moses Dottenheimer (1915), Sigmund Dottenheimer (1887), Werner
Dottenheimer (1923), Meta Dreyfuß geb. Rosenfelder (1885), Adolf Eichbaum
(1884), Friedrich (Fritz) Eichbaum (1888), Zion Eichbaum (1883), Jakob Eisen
(1879), Sofie Emden geb. Warschauer (1891), Sofie Firnbacher geb. Bermann
(1884), Elise Fleischmann geb. Wertheimer (1865), Johanna Freudenthal geb.
Joelsohn (1861), Harry Goldstein (1877), Luise Goldstein geb. Bing (1880), Berta
Gross geb. Eisen (1878), Joseph (Josef) Guggenheimer (1874), Emilie Hausmann
geb. Rosenau (1878), Betty Heimann geb. Bergmann (1888), Hilmar Heinemann
(1904), Betty Hellmann (1894), Dora Hellmann (1898), Friedrich Hellmann (1888),
Hermann Hellmann (1890), Julius Hellmann (1903), Marta Hellmann (1896), Marta
Hellmann (1896), Martin Hellmann (1895), Max Hellmann (1886), Paula Hellmann
(1904), Siegfried Hellmann (18979), Sigmund Hellmann (1898), Martha Höchster
geb. Seeberger (1893), Margarete Jaffa geb. Lewy (1881), Elkan Joelsohn (1867),
Benno Kellermann (1883), Hilde Liebenstein geb. Gerst (1897), Bella Löwy geb.
Kellermann (1878), Ida Luchs geb. Bermann (1888), Frieda Mattenheimer geb.
Rosenfelder (1867), Frieda Mohr (1898), Frieda Nattenheimer geb. Rosenfelder
(1887), Sofie Neumann geb. Blumenthal (1887), Rosa Oberdorfer geb. Hellmann
(1875), Klara Rohrheimer geb. Warschauer (1884), Martin Rosenau (1887), Max
Rosenau (1869), Joseph Rosenfeld (1898), Albert Rosenfelder (1882), Emanuel
Rosenfelder (1889), Jakob Rosenfelder (1904), Samuel Rosenfelder (1907),
Karoline Rothschild geb. Kellermann (1867), Louise Schapiro (1879), Regina
Schloß geb. Hellmann (1895), Betty Schloßmann (1880), Mina Schloßmann (1881),
Jette Schuler (1865), Melitta Schwabe geb. Waldmann (1898), Else Seller (1889),
Martha Stein geb. Rosenau (1893), Simon Strauss (1868), Karoline Tachauer geb.
Kellermann (1873), Heinrich Waldmann (1902), Emil Walz (1890), Irma Walz (1901),
Klothilde Weglein geb. Seeberger (1889), Bella Wieseneck geb. Rosenfelder
(1895), Bella Wolf geb. Hellmann
(1895).
An die jüdische Gemeinde erinnert eine Gedenksäule im Höfchen des
ehemaligen Schächterhauses, dem heutigen Fremden- und Touristenzentrum der
Stadt.
Zur Geschichte der Synagoge
Über die Geschichte der Beträume und Synagogen vom Mittelalter
bis zum 18. Jahrhundert liegen keine Informationen vor. Wenig bekannt ist auch
über die Synagoge, in der bis zur Einweihung der neuen Synagoge 1883
Gottesdienste abgehalten wurden. Immerhin erfährt man einmal von der
Einführung des deutschen Gebetes für den König und die Gemeinde und die
Anschaffung einer prachtvollen Uhr in der Synagoge im Jahr 1853:
Einführung des deutschen Gebets für
den König und die Gemeinde und einer Uhr in der
Synagoge (1853)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September
1853: "Die in unserm Junibericht gemeldete Einführung des deutschen
Gebets für den König und die Gemeinde in der Synagoge zu Gunzenhausen
durch den Vorstand, Herrn Sämann, - derselbe ließ neulich auch eine
prachtvolle Uhr in der Synagoge aus eigenen Mitteln anbringen - erhielt
nachträglich die schriftliche Zustimmung des zuständigen Rabbiners,
Herrn Grünbaum in Ansbach, mit dem Beisatz, dass er, da die Gemeinde mit
dieser Anordnung zufrieden, umso weniger etwas dagegen habe, als er ein
Freund des Fortschritts sei. K." |
Eine neue Synagoge wurde 1882/83 durch den
Fürther Baumeister Evora erbaut. Das Gebäude mit seinen beiden Doppeltürmen
wurde schnell zu einem der Gunzenhäuser Wahrzeichen. Die Einweihung der
Synagoge war am 19. Oktober 1883 durch Distriktsrabbiner Aron Bär Grünbaum aus
Ansbach. Die Predigt schloss mit den Worten: "Auch dieses Haus, das als
herrliches Baudenkmal der hiesigen Stadt zur Zierde, und unserer Gemeinde zur
Ehre gereicht, wird dann erst mit seinen Kuppeln hinausragen, wenn die Lehre:
Ein Gott und eine Menschheit bei allen Besuchern zu Fleisch und Blut geworden
ist, wenn das Hauptgebot: Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen wie Dich selbst,
oder wie andere den Worten die Deutung geben: Du sollst lieben Deinen
Nebenmenschen, denn jeder ist wie Du, jeder ist ein Gebilde Gottes, als die
Grundlehre unserer Religion von allen erkannt wird, und wenn diese Grundlehre
den Wegweiser für das ganze Leben bildet."
Nur ein halbes Jahrhundert war die neue Synagoge in Gunzenhausen eine
"Zierde der Stadt". Nationalsozialisten in dem immer wieder als
"Hochburg des Antisemitismus" beschriebenen Gunzenhausen richteten
Gewaltaktionen alsbald gegen die Synagoge. 1928 wurden Fenster der
Synagoge eingeworfen.
Weitere Geschichte in der NS-Zeit und bis zum Abbruch des ehemaligen Synagoge
1980 ist noch darzustellen
Adresse/Standort der Synagoge:
Bühringerstraße (hier heute Tiefgarage; 1932: Mariusstraße)
Fotos
Historische
Ansichtskarte
von Gunzenhausen mit Darstellung
der Synagoge |
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Ansichtskarte aus
der Zeit um 1900 |
Die Synagoge |
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Photographie
der Synagoge |
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Einige
Erinnerungen an die jüdische Geschichte der Stadt
(Fotos: Hahn; Aufnahmen vom März 2010) |
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Der Standort
der
ehemaligen Synagoge |
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Blick
auf den Standort der ehemaligen Synagoge; rechts Gedenkstätte |
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| Straßenschild |
Inschrift
der Gedenktafel: "Zur Erinnerung an die an dieser Stelle in den
Jahren 1882-1883 errichtete Synagoge und Schule der ehemaligen
Israelitischen Kultusgemeinde Gunzenhausen. Nach der sogenannten
'Kristallnacht' im Jahre 1938 wurde die östliche Turmhaube herabgestürzt
und das Gebäude profanen Zwecken zugeführt. Die Synagoge und Schule
musste von der Israelitischen Kultusgemeinde Gunzenhausen im Jahre 1938
aus politischen Gründen an die Stadt veräußert werden. In der
ehemaligen Synagoge waren von 1942-1945 französische Kriegsgefangene
untergebracht, von 1947-1949 fand sie als Kaufhalle und von 1953-1980 als
Werkhalle Verwendung. Die ehemalige Schule wurde bis 1969 als Wohnhaus und
von 1969-1980 als Bürogebäude verwendet. Der Abbruch und die
Wiederbebauung erfolgten im Jahre 1981." |
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Das
1753 erbaute und seit 1834 im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde
befindlichen Haus, in dem sich seit 1883
auch das rituelle Bad (Mikwe) befand. Es kam nach der Schändung 1938 in
den Besitz der Stadt Gunzenhausen und
wird seit 1990 als Kreisverkehrsamt genutzt. |
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| Gedenksäule
für die jüdische Gemeinde im Höfchen des oben beschriebenen Hauses
(heutiges Kreisverkehrsamt) |
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Haus
Brunnenstraße 10, das sich über viele Jahrzehnte in jüdischem Besitz
befand
(siehe Hinweistafel rechts) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 310-311; III,1 S.
485-486. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 161. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 288-293. |
 | Michael Schneeberger: Die Juden von
Gunzenhausen. In: Jüdisches Leben in Bayern. 19. Jahrgang Nr. 94 vom April 2004
S. 22-30. |
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Gunzenhausen S.
350-371. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gunzenhausen Middle
Franconia. Jews were victims of the Rindfleisch massacres of 1298 and the
community was wiped out in the Black Death persecutions of 1348-49. The renewed
settlement was subjected to partial expulsions in 1539 and 1560. Toward the end
of the 16th century Jews came under the protection of the margrave Georg
Friedrich von Brandenburg, forming one of the leading communities in the Ansbach
principality and in its Landjudenschaft organization. In 1827 a Jewish
public school was opened and a new synagogue was dedicated in 1883. In 1890 the
Jewish population was 291 (total 3.853). In the 1920s Gunzenhausen was one of
the hotbeds of Bavarian antisemitism. In 1928 windows were smashed in the
synagogue and in 1929 the cemetery was desecrated. The number of Jews in 1933
was 184. The Zionist Organization, Central Union (C.V.) and Agudat Israel were
active. Jews were already being attacked in the streets in early 1933 and in
1934 a full-scale pogrom was staged under SA auspices with the participation of
1.000-1.500 townsmen. Jews were severely beaten and 35 were arrested. Two weeks
later windows were smashed in Jewish homes and stores. By 1938 over two-thirds
of the town's Jews had left. The rest left shortly after Kristallnacht
(9-10 November 1938), when rioters damaged the synagogue and wrecked Jewish
homes. In all, 52 emigrated, including 22 to the United States and 18 to
Palestine, and 116 left for other German cities. Seven were sent to the Dachau
concentration camp.

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