Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gunzenhausen (Kreis Weißenburg - Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Zur jüdischen Geschichte in Gunzenhausen siehe insbesondere 
die diesbezüglichen Seiten der Stephani-Volksschule in Gunzenhausen 
 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   
   

   Es gibt eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Gunzenhausen (interner Link) 
          
   An dieser Seite wird noch gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   

In Gunzenhausen lebten Juden bereits im Mittelalter. Genannt wird die Stadt im Zusammenhang mit der sog. "Rintfleisch"-Verfolgung 1298, bei der die jüdischen Einwohner vermutlich ermordet oder vertrieben wurden. In den 1340-Jahren gab es wiederum jüdische Einwohner. Namentlich genannt werden 1343 in Nürnberg Jud Lewe von Gunzenhausen sowie 1344 Jud Mosse von Gunzenhausen, gesessen zu Baldern. Bei der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden die Juden der Stadt wiederum ermordet oder vertrieben. 
  
Erst 1374/75 - die Stadt war inzwischen im Besitz der Burggrafen von Nürnberg - werden wieder jüdische Einwohner in der Stadt genannt. 1384 wird ein Jude aus Gunzenhausen in Rothenburg ob der Tauber genannt, 1403 einer in Wien, zwei weitere in Nürnberg 1416 und 1452. Die jüdischen Gewerbetreibenden lebten vor allem vom Geldhandel, teilweise vom Viehhandel. 1460 wird eine jüdische Augenärztin genannt. Zwei hebräische Drucker (Vater und Sohn) mit Zusammen "Gunzenhauser" arbeiteten 1487-1492 in Neapel. Vor 1495 unterhielt R. Eisik Stein in Gunzenhausen "während vielen Jahren" ein Jeschiwa, in der vor allem das Buch "SeMaG" (von Moses ben Jakob aus Coucy in Frankreich) studiert wurde. 
  
1488 und wiederum 1539, nach anderen Quellen 1560, waren die Juden der Stadt von den allgemeinen Ausweisungsbefehlen aus der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach betroffen.
  
Ab 1593 konnten wieder Juden in der Stadt zuziehen (2 jüdische Einwohner genannt). Anfang des 17. Jahrhunderts neun jüdische Familien in der Stadt (Familienvorstände waren Maier I Judt, Nathan Judt, Maier II Judt, Jesse Gottseelig, Ascher Judt, die alte Heim Jüdin, Joel Judt, Hess Judt Hausgenossen). In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sollen fast alle Juden abgewandert sein, wenn sie nicht Krankheiten oder den Kriegsereignissen zum Opfer gefallen sind. 
  
Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Zahl der jüdischen Einwohner in der Stadt zu. Durch Zuzug aus anderen Orten sowie durch polnische Flüchtlinge, die vor den Chmelnicki-Kosaken geflohen waren und durch einige Familien, die nach 1670 aus Wien gekommen waren, entwickelte sich Gunzenhausen zu einer der größten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden im Bereich der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach und wurde zu einem Hauptort des Ansbachischen Rabbinates. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Gunzenhausen einen eigenen Rabbiner, der bis 1693 das Amt des markgräflichen Oberrabbiners innehatte, danach noch als Orts- und Bezirksrabbiner innerhalb des Ansbacher Oberrabbinates tätig war.   

Die Gunzenhäuser Rabbiner waren unter anderem (Amtszeit in Gunzenhausen in Klammer; es waren noch weitere Rabbiner tätig, die u.a. im Cronheimer Memorbuch genannt werden, deren Amtszeit jedoch bislang nicht klar bestimmt werden kann): 
Schlomoh ben Todros Josef (vor 1659 Rabbiner)
Schmuel David ben Ja'akow Grunam (1659 bis 1675) 
Jirmijahu ben Jehuda Lejb Gump (1680 bis 1693): nach 1693 zunächst Rabbiner in Schnaittach, danach Oberrabbiner des Rabbinatsbezirks Würzburg mit Sitz in Aub, gest. 1702 in Neubreisach.  
Joseph Eisl bar Moschel (nach 1693 bis 1698), gest. 1704 und in Bechhofen beigesetzt.
Schim'on Akiba ben Josef Bär (1698-1724), stammte aus Wien, von wo er 1670 vertrieben worden war; gest. 1724 und in Bechhofen beigesetzt. 
Jakob ben Schmuel Steinhardt: war 42 Jahre Bezirksrabbiner für Gunzenhausen und die umliegenden Gemeinden. 
Mordechai ben Eliezer haLevi (bzw. Marx Lazarus, ca. 1796-1813).
Samuel Idlinger (Anfang des 19. Jahrhunderts).
Abraham ben haChawer Jehuda Boeheim (bzw. Abraham Böhm; 1814-1845): zunächst Rabbinatsverweser, dann ständig angestellt; unterhielt eine bekannte Talmud-Tora-Schule, in der u.a. die Rabbiner Aron Bär Grünbaum (später Ansbach), Elieser Bergmann (später Jerusalem) und David Weiskopf (später Wallerstein) lernten. Vgl. Artikel auf Textseite.          

Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien in der Stadt weiter zu von 28 Familien im Jahr 1714 auf 55 Familien im Jahr 1755.
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1813 wurden für Gunzenhausen 55 Matrikelstellen festgeschrieben.         
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809/10 235 jüdische Einwohner (10,7 % von insgesamt 2.189 Einwohnern), 1911/12 197 (9,7 % von 2.030), 1837 270 (10,4 % von 2.600), 1867 170 (5,2 % von 3.254), 1880 260 (6,9 % von 3.755), 1890 291 (7,5 % von 3.853), 1900 284 (6,3 % von 4.503), 1910 291 (5,5 % von 5.278). 
  
Die Gunzenhäuser Juden waren als Kaufleute, Händler, Bankiers und Ärzte tätig, die in der Stadt weitestgehend integriert waren. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten viele von ihnen offenen Läden und Geschäfte in der Stadt eröffnet. Zu einzelnen jüdischen Familien siehe die Dokumentation der Stephani-Grund- und Hauptschule.      
      
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (1882 bis 1938 Jüdische Volksschule; jüdisches Schulhaus bei der Synagoge 1882 neu gebaut, Hafnermarkt 18, Gebäude wurde um 1980 zur Anlage einer Tiefgarage und Neubebauung abgebrochen), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren - nach Auflösung des Rabbinates 1845 -  ein Lehrer (Elementarlehrer, zugleich I. Kantor) und ein (II.) Kantor angestellt, der meist zugleich als Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stellen auf der Textseite). An Lehrern werden genannt: um 1850 Lehrer Ottenstein, 1894 bis 1922 Lehrer Moses Marx, 1922 bis 1938 Lehrer Max Levite. An (II.) Kantoren/Schochetim werden genannt: 1883-1907 Herr Warschauer (danach in Fürth), Kantor Rehfeld (bis zur Pensionierung 1933, danach wird die Stelle nicht mehr besetzt beziehungsweise die Aufgaben durch Lehrer Max Levite übernommen).    
Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach.     
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier Victor Bermann (geb. 25.4.1881 in Gunzenhausen, gef. 16.8.1916), Kommandantur Arzt Dr. David Rueck (gef. 9.12.1918), Gefreiter Ludwig Seller (geb. 16.11.1898 in Gunzenhausen, gef. 9.8.1917), Gefreiter Oskar Seller (geb. 13.8.1893 in Gunzenhausen, gef. 26.7.1918). Außerdem sind gefallen: David Rosenau (geb. 1. Oktober 1884 in Gunzenhausen, vor 1914 in Augsburg wohnhaft, gef. 21.6.1918), Leutnant Max Seller (geb. 25.11.1890 in Gunzenhausen, vor 1914 in Bayreuth wohnhaft, gef. 24.6.1915). Die Namen der Gefallenen (dreimal Seller und Dr. Rück stehen auf der Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege von Gunzenhausen am Hindenburgplatz, direkt neben dem Verkehrsübungsplatz in der Nähe der Stephani-Grund- und Hauptschule.      
   
Um 1925, als zur Gemeinde 219 Personen gehörten (5,5 % von insgesamt 5.424 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Alb. Hellmann, Abraham Gutmann, M. Levite, K. Weinmann, Salo Walz und Jakob Seller. Den Unterricht der jüdischen Kinder an der Jüdischen Volksschule erteilte Hauptlehrer Max Levite (wohnt in der Mariusstraße), als Kantor war Markus Rehfeld tätig. An der Jüdischen Volksschule hatte es noch 16 Kinder; durch Lehrer Levite erhielten an den höheren Schulen 20 weitere Kinder den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Wohltätigkeitsverein Chewra G'milus Chassodim (gegründet 1740, 1924 unter Vorsitz von Hermann Feuchtwanger mit 35 Mitgliedern, 1932 unter Vorsitz von Joseph Seeberger mit 37 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen), den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1750; 1924 unter Vorsitz von Frida Joelsohn mit 30 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Meta Sommer mit 57 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge, Unterstützung hilfsbedürftiger Frauen, Bestattungswesen), die Zedokohkasse (Träger Israelitische Kultusgemeinde, 132 unter Vorsitz von Heinrich Neumann; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), eine Ortsgruppe des Central-Vereins (1932 unter Leitung von Prof. Kurzmann), den Verein Harmonie (1932 unter Vorsitz von Karl Weinmann) und den Jüdischen Jugendverein (1932 und Vorsitz von Richard Hellmann). An Stiftungen bestanden u.a. die Rosenausche Stipendienstiftung (1932 und Vorsitz von Max Levite, Zweck: Unterstützung Talmud-Thora-Studierender). 1932 waren die Gemeindevorsteher Heinrich Neumann (Marktplatz 40, 1. Vors.), Abraham Gutmann (Bahnhofstraße, 2. Vors.), Karl Weinmann (Burgstallstraße, 3. Vors. und Schatzmeister). Weiterhin waren in der Gemeinde Hauptlehrer Max Levite und Kantor und Schochet Markus Rehfeld tätig.   
    
1933 wurden 184 jüdische Einwohner in Gunzenhausen gezählt (3,3 % von insgesamt 5.608 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der gewaltsamen Ausschreitungen gegen die jüdischen Einwohner bereits seit 1934 (s.u.), der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien, ging die Zahl der jüdischen Einwohner zunächst langsam, nach 1937 schnell zurück. An jüdischen Einwohnern wurden gezählt: am 1.1.1935 150 Personen, 1.1.1937 101, 9.11.1938 53, 1.1.1939 3, 25.1.1939 2, 26.1.1939 0.  
  
Der 25. März 1934 ging als "Blutpalmsonntag" in die Geschichte Gunzenhausens ein; die Vorgänge an diesem Abend blieben als "Palmsonntagspogrom" in schauriger Erinnerung. Bis zu 1.500 Einwohner der mittelfränkischen Kleinstadt waren auf der Straße, als unter Führung der örtlichen SA etwa 30 Juden aus ihren Häusern verschleppt und unter Schlägen und Tritten zum Gefängnis geführt wurden. Es war der größte Gewaltakt in Bayern seit der "Machtergreifung" Hitlers. Zwei jüdische Männer kamen an diesem Abend ums Leben, der 65-jährige Privatier Max Rosenau und der 30-jährige Kaufmann Jakob Rosenfelder. In der Literatur wurde das Ableben der beiden als Selbstmord oder als ungeklärt dargestellt.   
Weitere Geschichte - einschließlich Novemberpogrom 1938 muss noch dargestellt werden.      
   
Von den in Gunzenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ilse Bacharach geb. Theilheimer (1903), Clara Bachmann geb. Joelsohn (1870), Amalie Bauer geb. Neuburger (1893), Sigmund Bermann (1882), Alex Berwin (1895), Bertha Blumenstein (1872), Jenny Blumenthal geb. Gutmann (1872), Hedwig Buxbaum geb. Guggenheimer (1899), Kurt Moses Dottenheimer (1915), Sigmund Dottenheimer (1887), Werner Dottenheimer (1923), Meta Dreyfuß geb. Rosenfelder (1885), Adolf Eichbaum (1884), Friedrich (Fritz) Eichbaum (1888), Zion Eichbaum (1883), Jakob Eisen (1879), Sofie Emden geb. Warschauer (1891), Sofie Firnbacher geb. Bermann (1884), Elise Fleischmann geb. Wertheimer (1865), Johanna Freudenthal geb. Joelsohn (1861), Harry Goldstein (1877), Luise Goldstein geb. Bing (1880), Berta Gross geb. Eisen (1878), Joseph (Josef) Guggenheimer (1874), Emilie Hausmann geb. Rosenau (1878), Betty Heimann geb. Bergmann (1888), Hilmar Heinemann (1904), Betty Hellmann (1894), Dora Hellmann (1898), Friedrich Hellmann (1888), Hermann Hellmann (1890), Julius Hellmann (1903), Marta Hellmann (1896), Marta Hellmann (1896), Martin Hellmann (1895), Max Hellmann (1886), Paula Hellmann (1904), Siegfried Hellmann (18979), Sigmund Hellmann (1898), Martha Höchster geb. Seeberger (1893), Margarete Jaffa geb. Lewy (1881), Elkan Joelsohn (1867), Benno Kellermann (1883), Hilde Liebenstein geb. Gerst (1897), Bella Löwy geb. Kellermann (1878), Ida Luchs geb. Bermann (1888), Frieda Mattenheimer geb. Rosenfelder (1867), Frieda Mohr (1898), Frieda Nattenheimer geb. Rosenfelder (1887), Sofie Neumann geb. Blumenthal (1887), Rosa Oberdorfer geb. Hellmann (1875), Klara Rohrheimer geb. Warschauer (1884), Martin Rosenau (1887), Max Rosenau (1869), Joseph Rosenfeld (1898), Albert Rosenfelder (1882), Emanuel Rosenfelder (1889), Jakob Rosenfelder (1904), Samuel Rosenfelder (1907), Karoline Rothschild geb. Kellermann (1867), Louise Schapiro (1879), Regina Schloß geb. Hellmann (1895), Betty Schloßmann (1880), Mina Schloßmann (1881), Jette Schuler (1865), Melitta Schwabe geb. Waldmann (1898), Else Seller (1889), Martha Stein geb. Rosenau (1893), Simon Strauss (1868), Karoline Tachauer geb. Kellermann (1873), Heinrich Waldmann (1902), Emil Walz (1890), Irma Walz (1901), Klothilde Weglein geb. Seeberger (1889), Bella Wieseneck geb. Rosenfelder (1895), Bella Wolf geb. Hellmann (1895).                 
  
An die jüdische Gemeinde erinnert eine Gedenksäule im Höfchen des ehemaligen Schächterhauses, dem heutigen Fremden- und Touristenzentrum der Stadt. 
    
       

     

Zur Geschichte der Synagoge     
  
Über die Geschichte der Beträume und Synagogen vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert liegen keine Informationen vor. Wenig bekannt ist auch über die Synagoge, in der bis zur Einweihung der neuen Synagoge 1883 Gottesdienste abgehalten wurden. Immerhin erfährt man einmal von der Einführung des deutschen Gebetes für den König und die Gemeinde und die Anschaffung einer prachtvollen Uhr in der Synagoge im Jahr 1853: 
        
Einführung des deutschen Gebets für den König und die Gemeinde und einer Uhr in der Synagoge (1853)

Gunzenhausen AZJ 12091853.jpg (53999 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September 1853: "Die in unserm Junibericht gemeldete Einführung des deutschen Gebets für den König und die Gemeinde in der Synagoge zu Gunzenhausen durch den Vorstand, Herrn Sämann, - derselbe ließ neulich auch eine prachtvolle Uhr in der Synagoge aus eigenen Mitteln anbringen - erhielt nachträglich die schriftliche Zustimmung des zuständigen Rabbiners, Herrn Grünbaum in Ansbach, mit dem Beisatz, dass er, da die Gemeinde mit dieser Anordnung zufrieden, umso weniger etwas dagegen habe, als er ein Freund des Fortschritts sei. K."   

Eine neue Synagoge wurde 1882/83 durch den Fürther Baumeister Evora erbaut. Das Gebäude mit seinen beiden Doppeltürmen wurde schnell zu einem der Gunzenhäuser Wahrzeichen. Die Einweihung der Synagoge war am 19. Oktober 1883 durch Distriktsrabbiner Aron Bär Grünbaum aus Ansbach. Die Predigt schloss mit den Worten: "Auch dieses Haus, das als herrliches Baudenkmal der hiesigen Stadt zur Zierde, und unserer Gemeinde zur Ehre gereicht, wird dann erst mit seinen Kuppeln hinausragen, wenn die Lehre: Ein Gott und eine Menschheit bei allen Besuchern zu Fleisch und Blut geworden ist, wenn das Hauptgebot: Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen wie Dich selbst, oder wie andere den Worten die Deutung geben: Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen, denn jeder ist wie Du, jeder ist ein Gebilde Gottes, als die Grundlehre unserer Religion von allen erkannt wird, und wenn diese Grundlehre den Wegweiser für das ganze Leben bildet."        
  
Nur ein halbes Jahrhundert war die neue Synagoge in Gunzenhausen eine "Zierde der Stadt". Nationalsozialisten in dem immer wieder als "Hochburg des Antisemitismus" beschriebenen Gunzenhausen richteten Gewaltaktionen alsbald gegen die Synagoge. 1928 wurden Fenster der Synagoge eingeworfen.      
  
Weitere Geschichte in der NS-Zeit und bis zum Abbruch des ehemaligen Synagoge 1980 ist noch darzustellen     
   

Adresse/Standort der Synagoge    Bühringerstraße (hier heute Tiefgarage; 1932: Mariusstraße)       




Fotos

Historische Ansichtskarte 
von Gunzenhausen mit Darstellung 
der Synagoge
Gunzenhausen Synagoge 202.jpg (163735 Byte) Gunzenhausen Synagoge 203.jpg (80105 Byte)
  Ansichtskarte aus der Zeit um 1900 Die Synagoge
      
Photographie 
der Synagoge
Gunzenhausen Synagoge 199.jpg (63464 Byte)   
     
     
 Einige Erinnerungen an die jüdische Geschichte der Stadt
(Fotos: Hahn; Aufnahmen vom März 2010) 
 
Der Standort der 
ehemaligen Synagoge
Gunzenhausen Synagoge 155.jpg (78588 Byte) Gunzenhausen Synagoge 153.jpg (61348 Byte)
   Blick auf den Standort der ehemaligen Synagoge; rechts Gedenkstätte
        
Gunzenhausen Synagoge 150.jpg (105701 Byte) Gunzenhausen Synagoge 152.jpg (61714 Byte) Gunzenhausen Synagoge 152a.jpg (86771 Byte)
Straßenschild  Inschrift der Gedenktafel: "Zur Erinnerung an die an dieser Stelle in den Jahren 1882-1883 errichtete Synagoge und Schule der ehemaligen Israelitischen Kultusgemeinde Gunzenhausen. Nach der sogenannten 'Kristallnacht' im Jahre 1938 wurde die östliche Turmhaube herabgestürzt und das Gebäude profanen Zwecken zugeführt. Die Synagoge und Schule musste von der Israelitischen Kultusgemeinde Gunzenhausen im Jahre 1938 aus politischen Gründen an die Stadt veräußert werden. In der ehemaligen Synagoge waren von 1942-1945 französische Kriegsgefangene untergebracht, von 1947-1949 fand sie als Kaufhalle und von 1953-1980 als Werkhalle Verwendung. Die ehemalige Schule wurde bis 1969 als Wohnhaus und von 1969-1980 als Bürogebäude verwendet. Der Abbruch und die Wiederbebauung erfolgten im Jahre 1981." 
 
 
 
 
 
     
Gunzenhausen Stadt 150.jpg (81465 Byte) Gunzenhausen Stadt 158.jpg (88243 Byte) Gunzenhausen Stadt 153.jpg (94717 Byte)
Das 1753 erbaute und seit 1834 im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde befindlichen Haus, in dem sich seit 1883 
auch das rituelle Bad (Mikwe) befand. Es kam nach der Schändung 1938 in den Besitz der Stadt Gunzenhausen und 
wird seit 1990 als Kreisverkehrsamt genutzt.
     
Gunzenhausen Stadt 154.jpg (78636 Byte) Gunzenhausen Stadt 155.jpg (89574 Byte) Gunzenhausen Stadt 156.jpg (75948 Byte)
Gedenksäule für die jüdische Gemeinde im Höfchen des oben beschriebenen Hauses (heutiges Kreisverkehrsamt)
      
    Gunzenhausen Stadt 161.jpg (74231 Byte) Gunzenhausen Stadt 159.jpg (125734 Byte)
   Haus Brunnenstraße 10, das sich über viele Jahrzehnte in jüdischem Besitz befand 
(siehe Hinweistafel rechts)
        

   
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Gunzenhausen    
Katharina Krug/Tobias Meister: Projekt der Stephani-Volksschule Gunzenhausen: "Jüdisches Leben in Gunzenhausen"      
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Gunzenhausen (interner Link)  
Weiteres zum Palmsonntagpogrom 1934: http://www.hagalil.com/archiv/2006/03/palmsonntagspogrom.htm.
Zu den Gefallenen des Ersten Weltkriegs besteht eine Seite zu Gunzenhausen in der Website des Hauses der Bayerischen Geschichte   

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 310-311; III,1 S. 485-486.   
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 161. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 288-293. 
Michael Schneeberger: Die Juden von Gunzenhausen. In: Jüdisches Leben in Bayern. 19. Jahrgang Nr. 94 vom April 2004 S. 22-30.
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Gunzenhausen S. 350-371.   

        
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gunzenhausen  Middle Franconia.  Jews were victims of the Rindfleisch massacres of 1298 and the community was wiped out in the Black Death persecutions of 1348-49. The renewed settlement was subjected to partial expulsions in 1539 and 1560. Toward the end of the 16th century Jews came under the protection of the margrave Georg Friedrich von Brandenburg, forming one of the leading communities in the Ansbach principality and in its Landjudenschaft organization. In 1827 a Jewish public school was opened and a new synagogue was dedicated in 1883. In 1890 the Jewish population was 291 (total 3.853). In the 1920s Gunzenhausen was one of the hotbeds of Bavarian antisemitism. In 1928 windows were smashed in the synagogue and in 1929 the cemetery was desecrated. The number of Jews in 1933 was 184. The Zionist Organization, Central Union (C.V.) and Agudat Israel were active. Jews were already being attacked in the streets in early 1933 and in 1934 a full-scale pogrom was staged under SA auspices with the participation of 1.000-1.500 townsmen. Jews were severely beaten and 35 were arrested. Two weeks later windows were smashed in Jewish homes and stores. By 1938 over two-thirds of the town's Jews had left. The rest left shortly after Kristallnacht (9-10 November 1938), when rioters damaged the synagogue and wrecked Jewish homes. In all, 52 emigrated, including 22 to the United States and 18 to Palestine, and 116 left for other German cities. Seven were sent to the Dachau concentration camp.             

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. Dezember 2011