Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Aub (Landkreis Würzburg) 
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Aub (Stadtrechte seit 1404) lebten Juden bereits im Mittelalter. Erstmals wird der Ort anlässlich der Judenverfolgung durch die Horden des "Ritters Rindfleisch" 1298 genannt. 1327 wurde der Jude Man von Aub in Nürnberg als "Judenbürger" aufgenommen. Ein Saul von Aub wird 1333 in Köln genannt. Im Juli 1336 wurden während der Armleder-Verfolgung wiederum Juden in Aub erschlagen (Martyrologium des Nürnberger Memorbuches: "In dem 1336. Jahr uf Montag den 29. Heumonat, dergleichen am folgenden Dienstag und Mittwochen entböret sich der gemeine Mann zu Röttingen, Awe (= Aub), Mergentheim, Uffenheim, Krautheim und anderen mehr Orten und erschlugen die Juden bei ihnen"). Danach schweigen für einige Zeit die Quellen.

Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde unter dem Schutz der Grafen von Hohenlohe-Brauneck und ihren Nachfolgern (bis 1810 gab es deutschordische und würzburgische Juden in der Stadt) geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. 1574 wird Lew Jud von Aub genannt. Um 1600 lebten im Haus "Goldener Trichter" in der Frankfurter Judengasse Juden aus Aub (Quelle). 1608 wurde ein Memorbuch angelegt (fortgeführt bis ins 20. Jahrhundert), geschrieben vom Sofer (Toraschreiber) Chajim ben Nathan Levi. In ihm wird davon berichtet, dass Aub bereits seit dem 16. Jahrhundert Sitz eines Rabbinates war. Aub war zeitweise der Sitz des Landesrabbinates Würzburg. 1623 lebten etwa 50 jüdische Personen am Ort. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Gemeinde schwer zu leiden. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden mehrfach Juden aus Orten aufgenommen, in denen sie vertrieben worden waren, u.a. aus Hammelburg 1671, Neustadt an der Waldnaab 1684, Worms 1689.

Von den Rabbinern sind u.a. bekannt: 
R. Elieser Lippmann (Sohn des Rabbiners Jekutiel, Schwiegersohn des Mannheimer Rabbiner Isaak Brilin), der in Aub eine Jeschiwa (Talmudhochschule) leitete. Ab 1678 war Lippmann Rabbiner in Mannheim wo er 1680 starb.
R. Jirmijahu ben Jehuda Lejb Gump, der zunächst (1680-1693) Rabbiner in Gunzenhausen war, danach in Schnaittach, später in Aub; gest. 1702 in Neubreisach.    
R. Jechiel Isaak, seit 1751 Rabbiner in Wertheim und Aub, ab 1782 Rabbiner in Jebenhausen.
R. Lazarus Ottensoser (1798-1876): 1821 von Scheinfeld nach Aub berufen (als "More zädäk" genannt), 1828 nach Höchberg (war 1841 der Gründer der dortigen Israelitischen Präparandenschule).      
R. David Seligmann Weiskopf (1798-1882), seit 1830 Rabbiner in Aub, danach seit 1847 Rabbiner in Wallerstein (Vater von Rabbiner Mose/Maurice Weiskopf s.u.).
R. Dr. Julius Fürst (1826-1899), vor 1880 zeitweise Rabbiner in Aub, ab 1880 Rabbiner an der Klaus in Mannheim.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 103 jüdische Einwohner (10,1 % von insgesamt 1.021), 1837 96 (9,5 % von insgesamt 1.015), 1867 65 (7,0 % von 926), 1880 110 (9,4 % von 1.074), 1890 115 (10,8 % von 1.062), 1900 106 (9,1 % von 1.159), 1910 (8,6 % von 1.201). Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein fast ausschließlich vom Vieh- und Warenhandel. Um 1810 war die jüdische Gemeinde Aub die wohlhabendste im Amt Röttingen, zu dem auch die Gemeinden Allersheim, Bütthard, Gaukönigshofen und Tauberrettersheim gehören.  
 
Im Zusammenhang mit der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Aub auf insgesamt 23 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Veitel Hirsch Mannheimer (Vieh- und Häutehandel), Simon Oscher Schuhlein (Kleinhandel), Maier Aron Siegel (Viehhandel und Schmusen), Simon Baer Löw Heidelberger (Kleinhandel), Samuel Hirsch Rödelberger (Handel mit Schnittwaren), David Behr Henoch Birnstiel (Viehhandel), Kallmann Isack Ehrlich (Vieh- und Warenhandel), Samuel Gabriel Trauben (Handel mit Schnittwaren), Laemmlein David Holzlaub (Schmusen), Abraham Simon Zucker (geringer Wolle- und Häutehandel), Bela Maier Hirsch Mannheimer (Witwe, lebt von ihrem Vermögen), Kosel Abraham Zucker (Handel mit Schnittwaren), Moses Hieronymus Herzfeld (Vieh- und Häutehandel), Joseph Samuel Elive (geringer Warenhandel und Schmusen), Henoch Hirsch Mannheimer (Vieh- und Häutehandel), Marum Pfeuffer Nachmann (geringer Warenhandel), Elias Maier Siegel (Viehhandel und Schmusen), Joel Maier Siegel (Schmusen), Henna Itzig Neustaedler (Kleinhandel), Zierla, Witwe von Enzlein Hirsch Oppenheimer (Handel mit Schnittwaren), Marx Veitel Mandelbaum (Vieh- und Häutehandel), Itzig Henoch Friedheim (Kleinhandel), Veitel Laemmlein Holzlaub (Warenhandel).  .    
   
An Einrichtungen waren vorhanden: eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war (möglicherweise erst nach Auflösung des Rabbinates) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Von 1830 bis 1848 war als prominenter Lehrer der spätere Bezirksrabbiner von Wallerstein, David Weißkopf, Lehrer am Ort. 1859 wird Benjamin Falk als Lehrer genannt, um 1890 Salomon Falk, um 1908 Lehrer Blumenthal. 
  
Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Waren-Handlungen im Besitz jüdischer Familien, die von großer Bedeutung für das wirtschaftliche Leben des Ortes waren (vgl. u.a. Anzeige des Eisen- und Kolonialwarengeschäftes Heimann s.u.). 1881 wurde mit Julius Sichel erstmals ein jüdischer Einwohner in den Auber Stadtrat gewählt.  
  
Im Krieg 1870/71 nahmen aus der jüdischen Gemeinde auch Meier Oppenheimer und Veit Oppenheimer teil. Ihre Namen stehen auf einem Kriegerdenkmal für die Kriegsteilnehmer und Gefallenen des Krieges 1870/71 rechts des Eingangs in den örtlichen Friedhof an der Uffenheimer Straße. Unmittelbar daneben steht die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Aus der jüdischen Gemeinde fielen in diesem Krieg Ludwig Heimann (geb. 9.5.1893 in Aub, gef. 2.11.1914), Oskar Oppenheimer (geb. 11.3.1891 in Aub, gef. 15.9.1916), Emil (Emanuel) Oppenheimer (geb. 6.12.1889 in Aub, gef. 25.10.1916) und Hugo Mannheimer (geb. 13.8.1880 in Aub, gef. 9.6.1917). Außerdem ist gefallen: Offz.St. Fritz Oppenheimer (geb. 29.3.1889 in Aub, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 20.4.1915 in Gefangenschaft). Ein weiteres Denkmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges steht auf dem jüdischen Friedhof am Harbachweg.   
   
Um 1924, als 84 jüdische Einwohner gezählt wurden (6,0 % von insgesamt etwa 1.400 Einwohnern), waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde David Schönfärber, Sally Heimann und Abraham Ottenheimer. Den Religionsunterricht der damals 12 jüdischen Kinder hielt Lehrer Julius Bravmann in Gaukönigshofen. An jüdischen Vereinen gab es: die Chewra Kadischa ("Heilige Bruderschaft") aktiv im Bereich der Wohltätigkeit und des Bestattungswesens (langjähriger Vorsitzender war Abraham Oppenheimer) sowie die Talmud-Thora-Stiftung (Zweck: Unterstützung der Talmud-Schüler der Gemeinde Aub, Vorsteher gleichfalls Abraham Oppenheimer). Den jüdischen Religionsunterricht besuchten im Schuljahr 1931/32 noch 6 Kinder. 1932 war erster Vorsteher der Gemeinde David Oppenheimer, zweiter Vorsteher Arnold Rosenfeld (zugleich Rechnungsführer), 3. Vorsteher Samuel Mannheimer. Als Lehrer und Schächter war (seit 1928) Abraham Kannenmacher angestellt. Die Gemeinde gehörte - vermutlich bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - zum Distriktsrabbinat in Kitzingen

1933 lebten noch 73 jüdische Personen in Aub. In diesem Jahr beantragte die Gemeinde die Einrichtung von Hebräisch-Kursen für neun Mitglieder, die nach Palästina auswandern sollten. Nach einem Bericht des israelitischen Kultusvorstandes vom Oktober 1935 war die Gemeinde zu einem Drittel zionistisch geprägt. Der langjährige Gemeindevorsteher Abraham Ottenheim, Inhaber der Agentur der Bayerischen Notenbank, verließ 1934 den Ort. 1935 hatten noch neun Familien am Ort einen Gewerbeschein für den Viehhandel. Zudem bestanden die Lederhandlung von Samuel Mannheimer, das Schuh- und Schnittwarengeschäft Regina Rosenfeld, das Manufakturwarengeschäft Moritz Sicher, der Schnittwarenhandel Willy Grünfeld, die Eisen- und Gemischtwarenhandlung Hirsch Oppenheimer, später David Oppenheimer. Beim Novemberpogrom 1938 erschienen SA- und SS-Männer mit Schusswaffen und Stöcken in der Stadt, verwüsteten die Synagoge und demolierten die Einrichtungen der jüdischen Wohnungen. Sieben jüdische Männer kamen in das Gefängnis nach Ochsenfurt. Nach diesen Ereignissen verließ der Großteil der jüdischen Einwohner den Ort. 1940 wurde die Gemeinde aufgelöst.      
      
Von den in Aub geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Clementine (Tina) Appel geb. Mannheimer (1886), Olga Buxbaum geb. Oppenheimer (1892), Maximilie (Maxi) Eichberg geb. Oppenheimer (1894), Erna F. Fleischmann (1923), Günther Fleischmann (1924), Max Fleischmann (1891), Sofie Fleischmann (1879), Salomon Goldmann (1885), Alfred Grünfeld (1930), Hannelore Grünfeld (1928), Rosalie Heimann (1888), Salomon (Sally) Heimann (1885), Irma Herz geb. Mannheimer (1891), Bertha Hirsch geb. Mannheimer (1894), Lina Jüngster geb. Oppenheimer (1889), Abraham Kannenmacher (1901), Martha Kannenmacher geb. Rosenfeld (1906), Senta Kannenmacher (1929), Regina Künstler geb. Oppenheimer (1875), Helene Liebreich (1882), Therese Maier geb. Mannheimer (1890), Martha Mannheimer (1902), Max Mannheimer (1882), Paula Dora Mannheimer (1889), Marga Marx geb. Rosenfeld (1909), Ruthi Marx (1929), Mathilde Mohr geb. Rosenfeld (1874), Berta Oppenheimer geb. Rindsberg (1890), Inge Oppenheimer (1924), Max Oppenheimer (1884), Moritz Oppenheimer (1881), Sophie Oster geb. Mannheimer (1893), Alfred Rosenfeld (geb. ?), Heinrich Rosenfeld (1902), Kathi Rosenfeld geb. Liebreich (1875), Martel Rosenfeld (geb. ?), Meier Rosenfeld (1873), Milly Rosenfeld (geb. ?), Regina Rosenfeld geb. Neuburger (1872), Fanny Sichel geb. Mandelbaum (1879), Julius Sichel (1895), Ludwig Sichel (1907), Moritz Sichel (1871), Berta Stern geb. Fleischauer (1885), Clara (Klara) Wurzinger geb. Mannheimer (1892), Frieda Wurzinger geb. Rosenfeld (1879).        
   
  
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1927 / 1936

Aub BayrGZ 13121927.jpg (54581 Byte)Anzeige in "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13. Dezember 1927: "Seminaristisch gebildeter, reichsdeutscher Religionslehrer, Vorbeter und Schochet wird von der unterzeichneten Gemeinde ab 1. Januar 1928 gesucht. Gehalt nach der Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungs-Offerten mit Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Lichtbild an den Vorstand der 
Israelitischen Kultusgemeinde Aub bei Würzburg. Abraham Oppenheimer."
  
Aub Bayr GZ 15031936.jpg (35501 Byte)Anzeige in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1936: "In Aub soll die Stelle des Religionslehrers und Kantors am 1. Mai 1936 neu besetzt werden. Bewerbungen bis 31. März 1936 an den 
Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Aub." 

  
Religionslehrer David Weißkopf wird Distriktsrabbiner in Wallerstein (1848)
   
Anmerkung: David Weißkopf war von 1830 bis 1848 Religionslehrer der jüdischen Gemeinde in Aub; weitere Texte zu ihm siehe auf der Seite zu Wallerstein    

Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 26. April 1848: "Aub in Unterfranken, den 17. April (1848). Vor Kurzem ist unserem sehr geehrten Religionslehrer, Herrn David Weißkopf die königliche Regierungsbestätigung zum Distriktsrabbiner in Wallerstein, im Kreise Schwaben und Neuburg mitgeteilt worden. Derselbe wird sogleich nach dem Pessachfeste seinen neuen Wirkungskreis antreten, und wird die Zukunft, die von uns gleich bei seiner Wahl (vgl. No. 7 vorigen Jahres) ausgesprochene Charakterzeichnung als so wahr erwiesen, dass sie den seiner geistlichen Obhut Empfohlenen die freudige Überzeugung gewähren wird, wie sehr die Amtsführung dieses orthodoxen Rabbinern für den ganzen Distrikt heilbringend sei. - Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne zugleich auf die Wahrhaftigkeit des bekannten bayerischen Korrespondenten des 'Israeliten' aufmerksam zu machen, der vor kurzer Zeit in jenem Blatte triumphierend meldete, wie es einer der ersten Akte des neuen Ministeriums gewesen sei, die Wahl des Rabbiners Weißkopf für Wallerstein zu annullieren. Freilich, wenn es dem Herrn Korrespondenten des 'Israeliten' nachginge -; doch was unser Ministerium vor allem schützt, ist die Freiheit und Selbstständigkeit unserer Gemeinden."   

    
Besetzung der Religionslehrerstelle mit Lehrer Abraham Kannenmacher (1928)

Hassfurt BayrGZ 15051928.jpg (15791 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1928: "Die Religionslehrerstelle Haßfurt wurde dem Lehrer Lothar Stein, bisher in Baisingen (Württemberg), die Religionslehrerstelle Aub dem Lehrer Kannenmacher übertragen."


  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Mirjam Falk (Frau des Lehrers Salomon Falk) (1896)    

Aub Israelit 07121896.jpg (236529 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1896: "Aub (Unterfranken). Wenn ein Menschenherz seine irdische Laufbahn beendet, reich an Tugenden und Verdiensten, in stets gottgefälligem Wandel Licht und Segen verbreitend, dann erhebt sich die Trauer, um den herben Verlust weit über den familiären Kreis der Hinterbliebenen und wächst an zu einer allgemeinen, alle Herzen umfassenden, welche Zeugen dieses edlen frommen Wirkens gewesen und dessen Früchte genannt habe.
Solch schmerzliche Klage erfüllte uns beim Hinscheiden unserer geliebten Mirjam Falk seligen Angedenkens, der allgemein verehrten Gattin des hiesigen Lehrers Salomon Falk, welche am Mittwoch dem 20. Kislev im 76. Lebensjahre ihre reine Seele aushauchte.   
Ein Biederweib im herrlichsten Sinne des Wortes ist mit der Verstorbenen dahingeschieden. Hervorragend durch Tugend und Frömmigkeit, ausgezeichnet durch seltene Klarheit des Geistes und erstaunliche Kenntnis der Tora, opferfreudig und hilfsbereit gegen alle Arme und Leidende, bildete ihr Leben nur eine Kette fortgesetzter Liebeswerk. Ihr Wahlspruch war stets: 'Gott ist mit mir unter meinen Helfern' (Psalm 118,7) und wie glänzend bewährte sich derselbe in ihrem an Prüfungen und herben Schickungen so reichen Leben.
In Kleinerdlingen, aus frommem, gelehrtem Hause geboren, war die Verblichene in erster Ehe mit dem gelehrten und verdienstvollen Mehorar (unser Lehrer, Herr und Meister = Rabbiner) Jakob Braunschweig - das Gedenken an den Gerechten sei zum Segen - verheiratet. leider dauerte dieses Glück nicht lange, denn bald stand dieselbe als trauernde Witwe mit drei unmündigen Kindern allein. Aber ihr felsenfestes Gottvertrauen, ihre eiserne Energie ließen sie inmitten der ungünstigsten Verhältnisse nicht verzagen, und als die teuere Hingeschiedene in ihrem zweiten Gatten, Salomon Falk, wieder einen liebenden Lebensgefährten gefunden hatte, da gestaltete sich ihr wiedererstandenes Haus zu einem Mikdasch meat (kleinen Tempel), wo Liebe und Gottesfurcht herrschten, wo die Armen Hausfreunde waren, wo das innig religiöse Walter der Verblichenen die Erziehung der Kinder belegte und den allgemein verehrten Mittelpunkt der Gemeinde bildete. 
Deshalb trauern um ihren Heimgang Kinder, Enkel und Urenkel, welche die edle Verstorbene als Zierde der Familie, so heiß verehrten, alle Kreise ihrer Gemeinde, welchen sie stets eine begeisternde Führerin und Beraterin gewesen war, sowie alle, deren Not die Verstorbene so oft linderte, besonders die von ihr reich bedachten Armen des Landes Israel
Von dieser Beliebtheit legte die Beerdigung, woran sich die ganze jüdische Gemeinde, sowie weite Kreise der politischen Gemeinde beteiligten, beredtes Zeugnis ab. Leider konnten nicht alle Verwandten rechtzeitig eintreffen, darum gab namens derselben der Enkel der Verstorbenen, Herr Lehrer Lebermann - Würzburg, im Trauerhause dem tiefen Schmerz der Familie innigen Ausdruck, das gottgefällige Streben der teuren Großmutter - das Gedenken sei zum Segen -. als einer tüchtigen Trau und Mutter in Israel mit dem Hinweis auf die erhebenden Eigenschaften der großen Mirjam beleuchtend. Am Grabe selbst widmete der Sohn Hermann Falk seiner geliebten Mutter tiefbewegte Worte des Abschieds. 
Möge der Allgütige den Hinterbliebenen seinen reichsten Trost senden, möge der Geist der Frömmigkeit und des Gottvertrauens, welchen die teure Verblichene auf ihre sechs Kinder übertrug, alle Glieder der trauernden Familie in liebendem, innigem Andenken an dieselbe vereinigen und zu gleich hingebenden Wirken entflammen. Dann wird in vollen Sinne das Gedenken an sie zum Segen sein usw."  

     
Auszeichnung für Simon Oppenheimer für 25jährige Dienstzeit bei der freiwilligen Feuerwehr in Aub (1901)

Aub Israelit 10011901.jpg (19687 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1901: "Sonderhofen. Die Herren H. Blumenfeld in Marktheidenfeld am Main und Herr Simon Oppenheimer in Aub erhielten das königliche Ehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit bei der freiwilligen Feuerwehr."   

  
Zum Tod von Hirsch Oppenheimer (1925)   

Aub Israelit 03091925.jpg (75033 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Aub, 20. August (1925). Am 19. Aw verschied nach kurzem Leiden im Alter von 66 Jahren ein treues Mitglied unserer Gemeinde, Hirsch Oppenheimer - seligen Andenkens. Sein Kinder beklagen in ihm einen liebevollen und treubesorgten Vater, der ihnen in seinem fleißigen Streben stets ein leuchtendes Vorbild sein wird. Durch seinen gesunden Humor und seine Hilfsbereitschaft in Rat und Tat hat er sich die Liebe und Achtung weiter, auch nichtjüdischer Kreise erworben. Die jüdische Gemeinde Aub verliert in ihm ein frommes und rühriges Mitglied. Trotz seines Beinleidens war er ein fleißiger Synagogenbesucher voll inniger Teilnahme an Leid und Freud. Die Renovierung des Friedhofes war nicht zuletzt sein Verdienst. Die israelitische Gemeinde wird ihm ein treues Andenken bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zum Tod von Karoline Zucker geb. Mayer (1928)  

Aub Israelit 15031928.jpg (213875 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928_ "Aub, 9. März (1928). Mit der am Donnerstag, den 9. Adar, im Alter von 73 Jahren hier zur Beisetzung gekommenen Frau Karoline Zucker geb. Mayer ist eine Frau von alter Prägung dahingegangen. Sie entstammte einem Hause, in dem die echte jüdische Frömmigkeit heimisch war. Als die Mutter früh starb, musste die noch nicht Erwachsene als ältestes Kind an ihre Stelle treten. Sie wurde der Schar der jüngeren Geschwister eine Mutter, soweit eine Mutter überhaupt ersetzt werden kann. So konnte sich schon damals an ihr jene Mütterlichkeit enthalten, die sich an ihr bewährte, wie sie später als Frau und Mutter dem eigenen Haus vorstand. Wer dieses Haus betrat, fühlte sich heimisch, ob er als Verwandter oder Bekannter oder ob er als fremder Gast kam. Etwas Anheimelndes umgab ihn, etwas Ganzes und Geschlossenes, das in der Zerrissenheit unserer Zeit Geborgensein bedeutete. Das war nicht die Mütterlichkeit der Hausfrau allein, die so wirkte, es war vielmehr der Grundzug ihres Wesens, von dem die Mütterlichkeit nur ein Ausfluss war, ihre Jiroh (Gottesfurcht). Sie war von einer seltenen schlicht-peinlichen Gottesfurcht erfüllt. Jeder Schritt ihres Lebens wurde von ihr mit jüdischem Maß gemessen, es gab kein Lebensgebiet, das sie nicht bewusst der Tora unterordnete. (hebräisch und deutsch) Ganz war sie mit Gott verwachsen, ob es sich um die Beurteilung geschäftlicher Angelegenheiten handelte, an die sie die strengsten sittlichen Anforderungen stellte, ob es die täglichen Gebete anging, die sie mit beispielloser, bei ihren Bekannten sprichwörtlich gewordenen Gewissenhaftigkeit verrichtete, oder ob es die Maßerpflicht betraf, deren Erfüllung sie mit genauer Buchführung überwachte. In diesem Sinne erzog sie ihre Kinder, mit solche geschlossener jüdischer Persönlichkeit war sie der Umwelt ein leuchtendes Vorbild. 
Sie hat manchen der ihr Nahestehenden überlebt. Vor bald 12 Jahren verlor sie den Gefährden ihrer Ehe, drei Brüder starben vor ihr. Die letzten Jahre verbrachte sie in Würzburg, umhegt von der Liebe der Kinder und Enkel und nur getrübt durch die Krankheit, die sie um die Mitte des letzten Jahres überfiel und von der sie nachhaltig nicht mehr genesen sollte. Möge Gott so in uns sein, wie er in dieser jüdischen Frau war. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

   
Zum Tod von Ernst Mandelbaum (1931)

Aub BayrGZ 01111931.jpg (135296 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. November 1931: "Aub bei Würzburg. Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde durch den zu frühen Heimgang eines unserer Besten zu beklagen. Auf der Mittagshöhe seines Lebens entschlief am 15. Oktober Herr Ernst Mandelbaum, Bruder des Oberarztes am Münchner Schwabinger Krankenhaus, Dr. M. Mandelbaum. Herr Lehrer A. Kannenmacher aus Aub schreibt uns dazu: Ernst Mandelbaum besaß einen empfänglichen Geist für alle Gute und Hohe. Als bewusster Jude empfand er Ehrfurcht vor den Leistungen seiner jüdischen Ahnen und Zeitgenossen; mit dem allgemeinen jüdischen Wissen verband er unbegrenzte Hochschützung für deutsches Kulturgut. Auf seinem ausgedehnten ländlichen Besitztum verrichtete er unermüdlich angestrengte körperliche Arbeit; als Geschäftsmann erfreute er sich wegen seiner unbeugsamen Lauterkeit eines in allen Kreisen hoch angesehenen Namens. Man erinnert sich hier in Aub kaum einer so allgemeinen Trauerkundgebung wie am Grabe des Entschlafenen und schätzt die Beteiligung auf 1.200 Personen. Am Grab sprach zunächst Herr Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemut, Kitzingen, Worte des Schmerzes und Trostes. Herr Lehrer Kannenmacher schilderte den Verstorbenen als Freund und zuverlässigen Berater. Der Vorsitzende des Unterfränkischen Viehhändlervereins, Herr Weikersheimer in Gaukönigshofen, schilderte des Verblichenen Verdienste um die ideelle und materielle Hebung des Standes. Herr Professor Freudenberger, Würzburg, sprach im Namen der Frankenloge, Würzburg; namens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten widmete Herr Rechtsanwalt Dr. Schloß, Würzburg, dem Kameraden ehrende Worte des Gedenkens. Als sein früherer Lehrer hob sodann Herr Lehrer Simon Blumenthal, Neustadt a.d. Aisch, die besonderen geistig-seelischen Eigenschaften Ernst Mandelbaums hervor. Zuletzt folgte noch ein tief empfundener Nachruf von Herrn Max Pfeuffer, Giebelstadt, für den Berufsgenossen."

      
Abschied von Abraham Oppenheimer (1934)   

Aub BayrGZ 15011934.jpg (62469 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1934: "Aub (Unterfranken). Am 1. Januar 1934 hat Herr Abraham Oppenheimer, unser langjähriger 1. Vorstand, unser Städtchen verlassen. Der Wegzug dieses Mannes reißt eine tiefe Lücke in unsere Reihen und bedeutet für unsere Gemeinde einen unersetzlichen Verlust. Von seinem aufopfernden Sinn und seiner Tatkraft zeugen u.a. die pietätvolle Umgestaltung unseres Friedhofes durch eine massive Umfassungsmauer, ferner das darin errichtete Kriegerdenkmal, auf dem auch der Name seines auf dem Felde der Ehre gefallenen ältesten Sohnes verewigt ist, der kostbare aus dem 17. Jahrhundert stammende Toravorhang, der heute die Synagoge ziert. Wir werden unseres hochverdienten Mitgliedes stets gedenken! Israelitische Kultusgemeinde Aub."

    
   
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe
Salomon Falk sucht eine Haushälterin (1890)

Aub Israelit 02061890.jpg (26234 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1890: "Ein älterer, alleinstehender Witwer sucht per sofort eine religiöse Haushälterin. Meldungen mit Zeugnissen an Salomon Falk, Aub (Bayern)."

    
J. Heimann sucht für sein Eisen- und Kolonialwaren- bzw. Metallwarengeschäft einen Lehrling (1884/91)    

Aub Israelit 16101884.jpg (42914 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1884: "Für unser Eisen- und Kolonialwarengeschäft, welches Samstags und Feiertage streng geschlossen ist, suchen wir unter günstigen Bedingungen einen tüchtigen jungen Mann als Lehrling. Eintritt per sofort oder 1. November. 
Aub
im Oktober 1884. Gebr. Heimann".   
    
Aub Israelit 08011891.jpg (48290 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Offene Lehrlingsstelle. In meinem Eisen- und Metallwarengeschäft wird zur Besetzung für sogleich oder in den nächsten zwei Monaten eine Stelle frei. Kost und Wohnung im Hause. Samstag und Feiertage geschlossen. J. Heimann, Aub (Bayern) bei Ochsenfurt."
   
Aub Israelit 28051900.jpg (35173 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1900: "Aub. Für mein Eisen- und Metallwarengeschäft suche per sofort unter günstigen Bedingungen einen tüchtigen Jungen aus achtbarer Familie als Lehrling. 
J. Heimann,
Aub bei Ochsenfurt am Main."  

      
Hochzeitsanzeige für Leo Hirsch und Bertha geb. Mannheimer (1921) 

Aub Israelit 02061921.jpg (37941 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1921: Leo Hirsch - Bertha Hirsch geb. Mannheimer. Vermählte.  Darmstadt - Aub bei Würzburg. Trauung: Dienstag, den 7. Juni 1921 - 1. Siwan. 12.30 Uhr. 
Aschaffenburg, 'Restaurant Kulp'".  

  
        
Persönlichkeiten  

Aus Aub stammt Rabbiner Maurice Weiskopf, der 1936 in Paris seinen 100. Geburtstag feiern konnte (jedoch noch im selben Jahr starb) und aus diesem Anlass zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde. Maurice Weiskopf war Vater u.a. von Joseph Weiskopf (1881-1970, der sich Georges Gombault nannte und ein prominenter Vertreter des Sozialismus in Frankreich wurde. Zum Stammbaum der Familie Weiskopf (interner Link). 

Aub Israelit 30011936.jpg (71715 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1936: "Rabbiner M. Weiskopf, Paris, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Paris, 27. Januar (1936). Rabbiner Maurice Weiskopf, der weit über die Kreise der französischen Judenheit bekannte orthodoxe Rabbiner zu Paris, wohl unter den zeitgenössischen orthodoxen Rabbinen der Älteste, feiert am 16. Februar dieses Jahres seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
Rabbiner Weiskopf ist am 19. Februar 1836 zu Aub geboren, und ist seit 75 Jahren Rabbiner. Er war Professor an dem Rabbiner-Seminar zu Kolmar und später vereidigter Übersetzer. Er ist noch heute amtierender Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in der Rue Cadet zu Paris. Trotz seiner hohen Alters erfreut sich der Jubilar einer seltenen geistigen und körperlichen Jugendfrische". 

   
Den Familiennamen Aub trug eine Familie, aus der bekannte Rabbiner und andere Persönlichkeiten hervorgingen. Vorfahren stammten aus der jüdischen Gemeinde in Aub; Stammvater ist ein Abraham Meyer aus Aub, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Baiersdorf (?) den Namen Aub als Familiennamen annahm:
Hirsch Aub (1796 in Baiersdorf - 1875 in München), seit Dezember 1825 Rabbinatskandidat, drei Jahre später Rabbiner in München; blieb in diesem Amt bis zu seiner Zurruhesetzung im Mai 1871.
Sohn von Hirsch Aub war Dr. jur. Max Aub (1828-1901), der ein erfolgreicher Notar, Anwalt und liberaler Politiker war
Enkel von Hirsch Aub war Ludwig Aub (1862-1926): Münchner Dialektdichter und Literaturwissenschaftler.
Unter den Nachkommen von Hirsch Aub (Enkel von Dr. jur. Max Aub) ist auch der spanische Theaterschriftsteller Max Aub (1903-1972): sein Vater war der deutsche Handelsvertreter Friedrich Aub (1875-1951) aus München. Wikipedia-Artikel über Max AubSeite im "Exil-Archiv" mit zahlreichen Links.
Cousin von Hirsch Aub war Dr. Joseph Aub (1804 in Baiersdorf - 1880 in Berlin): Sohn des Simon und der Therese Aub: 1829 Distriktsrabbiner in Bayreuth, 1852 Rabbiner in Mainz, 1866 bis 1879 Rabbiner in Berlin (hielt 1866 die Einweihungspredigt in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße), zugleich Dozent an der Veitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt.  Lexikon-Artikel (BBKL) zu Dr. Joseph Aub

  
    
   
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge 

Eine Synagoge war nach dem Memorbuch der Gemeinde bereits um 1600 vorhanden. Nach dem "Verzeichnis des Königlichen Landgerichts Röttingen über die Synagogen und Bethäuser" von etwa 1817 wird mitgeteilt, dass 1744 die Synagoge "von der Straße an den entfernteren Platz verlegt wurde". Somit wurde in diesem Jahr eine neue Synagoge erbaut. 1879 und 1927 wurde sie renoviert. 
 
In der Synagoge wurden kostbare Ritualien aufbewahrt, darunter ein Toravorhang von 1669, der in den 1920er-Jahren wiederentdeckt und durch den Vorsteher Abraham Oppenheimer und seinem Sohn restauriert wurde.

Aub BayrGZ 13121927.jpg (81404 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 13. Dezember 1927: "Thoravorhang in der Synagoge Aub. Von Aub wird uns folgendes berichtet: Von dem jetzt in Neustadt a.d.Aisch amtierenden Lehrer Blumenthal wurde der Vorhang vor etwa zehn Jahren auf dem hiesigen Synagogenboden unter altem Gerümpel hervorgezogen. Der Grundstoff, gestreifter Seidenplüsch, war noch leidlich gut erhalten, dagegen die prachtvolle Stickerei sehr ruiniert. Die Schrift, Perlenstickerei, war noch ziemlich gut erhalten. Der Vorhand wurde durch die Bankiers Abraham und Otto Oppenheimer in Aub renoviert. Die Inschrift wurde von Herrn Dr. Wohlgemuth (Kitzingen) übersetzt und lautet: 'Sein Licht möge leuchten. Der Teuere und Erhabene, der Parnos und Rabbi Juda G. ist sein Hort der Sohn des Nathan seligen Angedenkens und seine teuere Ehefrau Rosel, die Tochter des alten Herrn Abraham G. ist sein Hort.   Keser Tora.  Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst.'
Das Wort 'Mischpot' in helleren Farben gehalten, soll die Jahreszahl 5429 darstellen, die dem Jahre 1669 entspricht. Die Inschrift im Mittelstück ist neu und heißt: Renoviert von neuem durch Abraham Oppenheimer und seinen Sohn Otto 5687. Die exakte künstlerische Arbeit wurde ausgeführt von der Schwester der katholischen Arbeitsschule in Aub."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA- und SS-Leuten teilweise beschädigt, die Inneneinrichtung mit den Ritualien zerstört. Das Gebäude blieb jedoch erhalten und wird nach verschiedenen Umbauten bis heute als Wohnhaus verwendet. 

Die ältere Synagoge steht am Eingang zur "Judengasse" und befand sich 2003 in einem baufälligen Zustand.


Adresse der Synagoge: alte Synagoge: am Eingang der Neuertgasse/Ecke Hauptstraße 21; neue Synagoge: Neuertgasse 12

Weitere Sehenswürdigkeit: Am Westchor der Stadtpfarrkirche, der aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt, ist ein bärtiger Mann mit Spitzhut dargestellt (charakteristische Darstellung eines Juden im Mittelalter). Sein Gesicht wird von den Krallen einer Bestie entstellt. Der dargestellte Jude schaut auf die ehemals darunter liegenden jüdischen Wohnhäuser. 


Fotos 
Historische Fotos: 
(Historische Aufnahmen/Foto von Theodor Harburger, Aufnahmedatum um 1928; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. 1998 S. 24-28)

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Der Toravorhang von 1669 (beschrieben oben im Text "zur Geschichte der Synagoge") Tora-Schild (Tass) aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts Chanukka-Leuchter aus dem Eigentum des Gemeindevorstehers Abraham Oppenheimer
   
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Seder-Aufsatz aus dem Eigentum des Gemeindevorstehers Abraham Oppenheimer  


Fotos aus neuerer Zeit:  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.11.2003)

Die "Judengasse" in Aub
(früher: "obere Judengasse")
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   Blick in die "Judengasse"    Straßenschild
     
Die alte Synagoge (bis 1744) an der Hauptstraße 21/ Ecke Neuertgasse, früher "untere Judengasse") Aub Synagoge a152.jpg (55320 Byte) Aub Synagoge a153.jpg (66991 Byte)
       
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Die neue Synagoge (nach 1744) 
in der Neuertgasse 12
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Haus am Markt 
mit Mesusa-Spur 
(Foto von Dorothee Lottmann-Kaeseler)
Aub Markt Haus 080.jpg (73183 Byte) Aub Markt Haus 081.jpg (22643 Byte)
Am Eingang eines Hauses am Markt mit aufwändigem Portal und Türe findet sich die Spure einer Mesusa

  

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Januar 2010: In Aub werden "Stolpersteine" verlegt    
Aub Foto 1926.jpg (35635 Byte)Foto links von Adam Menth: Jüdisches Leben in Aub 1926: Das Foto zeigt den Auber Viehhändler David Schönfärber genannt "Hofjud" mit dem Ziegelmeister und Landwirt Johann Betz.   
Artikel von Hannelore Grimm in der "Main-Post" vom 22. Januar 2010 (Artikel): 
"AUB. Auf dem Marktplatz werden Stolpersteine verlegt - Steine gegen das Vergessen. 
So genannte Stolpersteine erinnern an das Schicksal von 20 jüdischen Bürgern, die unter den Nationalsozialisten Opfer des Antisemitismus geworden sind. 
Der Initiative 'Stolpersteine in Aub' ist es, laut Pastoralreferent Burkard Fleckenstein, ein Anliegen, dass mit den Steinen ein Stück Geschichte im alltäglichen Leben sichtbar wird. Die Stolpersteine werden am Montag, 25. Januar, ab 9 Uhr am Marktplatz vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt.
Die Opfer des NS-Regimes sollen auf diese Weise aus der Anonymität herausgeholt werden an den Orten, wo sie zuhause waren und gelebt haben. 
Auf den zehn mal zehn Zentimeter großen Steinen steht jeweils 'Hier wohnte ...' und darunter der Name und das Geburtsjahr sowie der Ort und das Datum der Ermordung. Finanziert wird die Aktion durch Patenschaften, die Auber Privatpersonen ebenso übernommen haben wie Institutionen und Vereine. 
Die Gollachstadt zählt in Bayern zu den Orten, deren Geschichte über Jahrhunderte hinweg durch jüdische Kultur und Religion mitgeprägt worden ist.
Seit dem hohen Mittelalter gab es eine jüdische Gemeinde, die ohne nennenswerte Unterbrechung bis in die Jahre 1938/39 bestanden hat. Zeitweise umfasste die Zahl der jüdischen Mitbürger etwa zehn Prozent der Stadtbewohner. 
Nach den Ereignissen und den Übergriffen in der Pogromnacht verließen im Sommer 1939 die letzten Juden ihre angestammte Heimat. Einigen der ehemaligen Auber gelang es noch, ins Ausland zu emigrieren während der Großteil von ihnen wenige Jahre später in Vernichtungslager deponiert und ermordet wurden. Sichtbar gemacht wird mit den Stolpersteinen ein Stück der jüdischen Geschichte, die einstmals der Auber Adam Menth (1899-1982) vor dem Vergessen bewahrt hat. Auf den beeindruckenden Aufnahmen hielt der bekannte Fotograf die alte Synagoge ebenso fest wie die Häuser in dem Viertel, in dem über Jahrhunderte hinweg Juden lebten. Eines der zahlreichen Bilder, die Einblick geben in das Leben und den Alltag der jüdischen Mitbürger, erinnert auch an David Schönfärber, der unter dem Namen 'Hofjud' in die Auber jüdische Geschichte einging."
 
 

 

  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Aub
Gefallenendenkmäler für die jüdischen Gefallenen in Aub auf einer Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte 
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Aub: pdf-Datei hier anklicken
Zum Friedhof in Aub (interner Link)
MAYER-WEISKOPF.jpg (53346 Byte)Family sheet Mayer Weiskopf of Aub + Wallerstein + Fischach + Fuerth   

Literatur:

Germania Judaica II,1 S. 30.
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. München 1988. S. 37.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 260-261.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 382-384.
Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988 S. 53-54.
Georg Pfeuffer: Die jüdische Gemeinde von Aub. Reihe: Auber Geschichtsblätter. Beiträge zur Auber Stadtgeschichte Nr. 9 1. Jg. (Hg. vom Heimatverein Aub).   Online einsehbar  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 229-230.   
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Aub. Jews are mentioned as victims of the Rindfleisch massacres of 1298. The modern community is known from the early 17th century, and suffered greatly in the Thirty Years War. During the 17th century many Jewish refugees from the Wuerzburg bishopric and other localities settled there. A synagogue was erected in 1754. In 1890, the Jewish population war 115 (total 1,062) and in 1933, 73. On Kristallnacht (9-10 Nov. 1938), SA and SS troops destroyed Jewish homes and beat Jewish men. Forteen Jews left in the next two months and the last 23 by around mid 1939. In all, 21 emigrated, 16 of them to the U.S., and 55 left for other German cities, including 25 for Wuerzburg.

   

                   
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Stand: 13. März 2010