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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Messelhausen (Stadt Lauda-Königshofen, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts der Familie
Zobel von Giebelstadt gehörenden Messelhausen bestand eine jüdische Gemeinde
bis 1931. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhundert zurück. 1783 bis
1788 wurden fünf jüdische Familien am Ort aufgenommen. Der erste 1783
aufgenommene Jude Faißt betätigte sich in der Heilkunde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1825 35 jüdische Einwohner (7,0 % von insgesamt 502
Einwohnern), 1871 Höchstzahl von 86, 1900 54 (9,2 % von 588), 1910 29
(5,5 % von 529). Die jüdischen Familien lebten vom Handel bzw. von Handlungen mit Ellenwaren,
Spezereiwaren, Textilien und Fellen. 1809 waren im Ort in jüdischem
Besitz: ein kleiner Kramladen mit Ell- und Spezereiwaren, ein Handel mit alten
Kleidern, ein Handel mit Ellwaren und Hasenfellen und ein Trödelhandel. Einige
Zeit gehörte auch ein mittleres Bauerngut einer jüdischen Familie. Zeitweise
gab es eine jüdische Metzgerei.
An ehemaligen jüdischen Familien des 18./19. Jahrhundert und von ihnen in dieser Zeit erbauten und bewohnten
Häusern sind bekannt: Familie Lazarus Faißt (1783 bis 1796 wurde von
dieser Familie erbaut beziehungsweise war von ihnen bewohnt:
Freiherr-von-Zobel-Straße 10,12 und 13); Alexander Löb (1839, St.-Burkhard-Straße
3), Schmul Löb (nach 1786, Freiherr-von-Zobel-Straße 6), Frum Stein (nach 1788, Löhlein 3), Jakob Stein (seit 1811,
Freiherr-von-Zobel-Straße 19 und 40), Moritz Stein (seit 1866,
Freiherr-von-Zobel-Straße 20), Metzgerei Sender Stein (Freiherr-von-Zobel-Straße
36), Wolf Stein (seit ca. 1820, Freiherr-von-Zobel-Straße 15 und 26), Wolf Stein und/oder Mosche/Leopold Stern
(Kirchholzstraße 7), Josef Strauß (nach 1820, Kirchholzstraße 5). Einige andere
ehemalige jüdische Wohnhäuser sind abgebrochen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) eine
Religionsschule sowie ein jüdisches Bad. Der Religionsunterricht für die Kinder fand zunächst abwechselnd in
jüdischen Häusern statt, seit 1858/59 im Synagogengebäude, in dem sich auch
eine Lehrer-/Vorbeterwohnung befand. Unter den Lehrern ist u.a. bekannt: 1879
bis 1882 Salomon Seligmann (mehr zu ihm auf der Seite zu Müllheim).
Die Toten der Gemeinde wurden in Allersheim
beigesetzt. 1827 wurde die jüdische Gemeinde dem
Rabbinatsbezirk Wertheim zugeteilt, der seit 1886 von
Mosbach aus verwaltet
wurde.
Um 1924, als noch 13 jüdische Einwohner gezählt wurde (2,6 % von 501
Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Jakob Reiß, Lazarus Stein II und
Leopold Stern. Als 1931 die Zahl der jüdischen Familien auf zwei
zurückgegangen war, wurde die Gemeinde aufgelöst.
1933 wurden noch sechs jüdische Einwohner gezählt (1,3 % von 476). In
den folgenden Jahren wurde auch für sie auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien Eine jüdische Frau konnte mit ihrer Familie in
die USA emigrieren. Der Kaufmann Jakob Reis starb vor Beginn der Deportation. Im
Oktober 1940 wurden die letzten drei jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert.
Von den in Messelhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lina Ehrlich geb.
Stein (1888), Emma Fleischhacker geb. Wildberg (1882), Fanny Furchheimer geb.
Luck (1861), Lina Gundelfinger geb. Stein (1863), Lina Rapp geb. Stein (1894),
Helene Reis geb. Stein (1866), Johanna Rosenstein geb. Stein (1874), Ida
Sinsheimer geb. Stein (1876), Abraham Stein (1863), Albert Stein (1868),
Heinrich Stein (1905), Hermine Stein geb. Wildberg (1874), Lazarus Stein (1866),
Max Stein (1865), Nathan Stein (1870), Wilhelm Stein (1872), Leopold Stern
(1860), Nanette Stern geb. Stein
(1876).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Auszeichnung für die Feuerwehrleute Isak Stein und Samuel Stein (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892: "Aus
Baden. Ein Beweis, wie unbegründet der Vorwurf der Antisemiten ist,
dass sich die Juden gerne von anstrengenden, mit Gefahr verbundenen
Arbeiten zurückziehen, ist, dass von dem Großherzoge die folgenden
Herren das Ehrenzeichen für 25jährige Dienste als Feuerwehrleute
erhalten haben: Bernhard Katz aus Bruchsal, Isak Stein, Kaufmann und
Samuel Stein, Handelsmann aus Messelhausen bei
Tauberbischofsheim." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Die Gottesdienste wurden zunächst in einem Privathaus abgehalten, das
1796 von Lazarus Faißt (bzw. Feist, ab 1809: Familienname Salba, gest. 1810)
gekauft worden war. Im zweiten Stock dieses Hauses befand sich ein Betsaal,
im Keller ein rituelles Bad. In
seinem Testament vom 20. August 1809 verfügte Lazarus Salba, dass der Betsaal
in seinem Haus auch nach seinem Tod der Judenschaft in Messelhausen zur
Abhaltung der Gottesdienst unentgeltlich "für alle Zeiten" zur Verfügung
stehe. Dieses Recht wurde am 19. Juni 1812 in das Grundbuch der Gemeinde
eingetragen. Das Gebäude dieses ersten Betsaales ist heute als Wohnhaus
erhalten (Freiherr-von-Zobel-Straße 13).
1858/59 wurde von der jüdischen Gemeinde eine Synagoge
erbaut. Sie konnte am 16. September 1859 feierlich eingeweiht werden. Den Platz
zum Neubau dieser Synagoge hatte Wolf Stein, Sohn des Frum, um 550 Gulden von
Peter Wundling gekauft und ihn, samt einem später dazu erworbenen Garten, der jüdischen
Gemeinde geschenkt. Die Kosten des Neubaus in Höhe von ca. 8.400 Gulden wurden
von den jüdischen Familien nach ihren jeweiligen Vermögensverhältnissen
aufgebracht. Da es bei der relativ kleinen Zahl jüdischer Familien in
Messelhausen in den Jahrzehnten darauf immer wieder schwierig war, zum
Gottesdienst zehn jüdische Männer anwesend zu haben, wurden gerne über
Schabbat wandernde Betteljuden im Ort aufgenommen. Waren solche nicht da, ließ
man Glaubensgenossen von Königshofen, Grünsfeld oder Edelfingen kommen, die über
Schabbat freie Unterkunft und Verpflegung sowie einen Lohn von zwölf Kreuzer
erhielten. In der Synagoge wurden bis um 1930 Gottesdienste gehalten.
Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1931 wurde die Synagoge am 2. Juli 1931 zugunsten des
Pensionsfonds der Israelitische Religionsgemeinschaft Badens in Karlsruhe
verkauft. Am 17. Januar 1933 kam das Gebäude in den Besitz eines Gastwirtes in
Messelhausen, der es zum Gasthof "Deutsches Haus" umbaute.
In den 1990er-Jahren wurde das ehemalige Synagogengebäude
zu einem Wohnhaus umgebaut (Freiherr-von-Zobel-Straße 24). Äußerlich erinnern
noch die Rundbogenfenster und die Bögen des Synagogeneingangs an die
Vergangenheit des Gebäudes.
Fotos / Plan
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
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Plan von Messelhausen mit Markierung des ehemaligen
Synagogengebäudes und des "Judenbades" (alte Synagoge) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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| Ehemalige Synagoge Messelhausen um 1985 (noch
Gasthaus "Deutsches Haus) |
Eingangsbereich |
Seitenansicht |
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Fotos Juni 2003:
(Fotos: Hahn) |
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| Ehemalige Synagoge Messelhausen
(seit den 1990er-Jahren umgebaut zu einem Wohnhaus) |
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| Die nachstehenden Fotos von Eva Maria Kraiss.
Die Verwendung dieser Fotos für publizistische Zwecke bedürfen der Genehmigung. Informationen bei
Eva Maria Kraiss: E-Mail |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 200-201. |
 | Johann Anton Zehnter: Geschichte des Ortes Messelhausen. 1901. S.
251-260 (mit sehr präzisen Angaben zur Geschichte der jüdischen Familien
am Ort). |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 407. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Messelhausen
Baden. The Jewish community was founded in the late 18th century* and
numbered 86 in 1871. Six Jews remained in 1933 (total 476). Two left for the
United States in the Nazi era and three were deported to the Gurs concentration
camp on 22 October 1940.
Encyclopedia reads: 19th century

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