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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Dittigheim (Stadt Tauberbischofsheim, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift Würzburg
gehörenden Dittigheim bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung
im November 1881. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.
Nach einer mündlichen Überlieferung der ehemaligen jüdischen Gemeinde sollen
die ersten Juden in Dittigheim aus Spanien geflohen sein.
Erste Hinweise auf die
Existenz von Juden in Dittigheim liegen aus den Jahren 1542 bis 1555 vor,
wonach es damals zu einem längeren Streit zwischen Pfarrer Hans zu Dittigheim
und des Juden Jekhel Frau gekommen ist. 1573 und 1578 wird der
Jude Nehem(b) genannt, der damals wohl der einzige jüdische Bewohner
Dittigheims war. Um 1600 war ein Jude Benjamin am Ort, Stammvater der bis ins 19.
Jahrhundert hier lebenden Familie Strauss. 1622 wird Mosche von Didichen
genannt.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg
konnten sich weitere Juden am Ort niederlassen. 1699 lebten nach einem
Bericht des Grünsfelder Amtes folgende Schutzjuden (teilweise mit Familien) am
Ort: Moyses aus Königshofen (seit 24
Jahren in Dittigheim), Lämlein aus Mosbach
(seit 1675 am Ort), Joseph von Dittigheim, Fälklein aus Wertheim,
Hirschlein von Dittigheim. 1737 wohnten 19 jüdische Personen am Ort
(sieben Männer, sechs Frauen, vier Jungen und zwei Mädchen). 1763
werden neun jüdische Familien genannt (Familienoberhäupter Samson, Jakob,
Samson der Jüngere, Eysig, Löw Hersch, Josef Schmuel, Moyses Joseph, Samuel
Jakob, Abraham Schmuel).
Im 19. Jahrhundert erhielt als erster Jude des Ortes Samuel Strauß 1816
das Bürgerrecht der Gemeinde. Er hat zunächst einen umfangreichen
Getreidehandel, später einen Weinhandel betrieben. 1849 ist er nach Tauberbischofsheim
gezogen, wo er 1864 unter Hinterlassung einer großen Stiftung für wohltätige
Zwecke starb. Die Zahl der jüdischen Einwohner in Dittigheim stieg zunächst
weiter an: 1825 87, 1840 120 und erreichte 1854 mit 172 jüdischen Einwohnern
die höchste Zahl (über 15 Prozent der Ortsbevölkerung).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen
Einwohner durch Aus- und Abwanderung stark zurück.
An Einrichtungen waren eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Religionsschule (nach 1840 einige Jahre eine jüdische Konfessionsschule) und eine Mikwe vorhanden. Die Toten der jüdischen Gemeinde
wurden in Allersheim beigesetzt, nach 1875
auch in Tauberbischofsheim. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise - ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungen von 1836
und 1841 unten). 1827 wurde Dittigheim dem Bezirksrabbinat
Wertheim
zugeteilt, das 1850 bis 1864 vorübergehend seinen Sitz in Tauberbischofsheim
hatte. Im Jahr ihrer Auflösung 1881 hatte die Gemeinde noch 14 Gemeindeglieder,
von den zehn inzwischen in Tauberbischofsheim lebten. Die anderen vier wurden
damals auch der Gemeinde Tauberbischofsheim zugewiesen.
Kurz nach 1900 lebten
keine Juden mehr am Ort.
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrer und
Vorsängers (Februar und Juli 1836)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" von 1836 S. 173 (Quelle: Stadtarchiv
Donaueschingen): "Erledigte Stelle. Bei der
israelitischen Gemeinde zu Dittigheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht
der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 100 Gulden nebst freier Wohnung
sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden
ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer
Genehmigung zu besetzen.
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert,
unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren
sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der
Bezirks-Synagoge dahier zu melden.
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch
Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener
Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.
Merchingen, den 16. Februar 1836.
Großherzogliche Bezirks-Synagoge. |
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Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" von 1836 S. 689 (Quelle: Stadtarchiv
Donaueschingen): "Erledigte Stelle. Bei der
israelitischen Gemeinde zu Dittigheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht
der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 100 Gulden nebst freier Wohnung
sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden
ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer
Genehmigung zu besetzen.
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert,
unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren
sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der
Bezirks-Synagoge dahier zu melden.
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch
Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener
Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.
Merchingen, den 28. Juli 1836.
Großherzogliche Bezirks-Synagoge. |
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Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" von (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Merchingen
(Dienstantrag).
Bei der israelitischen Gemeinde Dittigheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht
der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 120 bis 150 Gulden (je nachdem sich
tüchtig qualifizierte Subjekte darum bewerben werden) nebst freier
Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen
verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter
höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert,
unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren
sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der
Bezirks-Synagoge dahier zu melden.
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch
Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach
erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden.
Merchingen, den 5. August 1841. Großherzogliche
Bezirks-Synagoge. Staadecker,
Bezirksrabbiner." |
Der Schulkandidat Adler wird Religionslehrer und
Vorsänger in Dittigheim (1840)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" von 1840 S. 593 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):
"Dienst-Nachrichten.
Die mit dem Vorsängerdienste verbundene Lehrstelle an der
neukonstituierten öffentlichen Schule bei der israelitischen Gemeinde Dittigheim,
Amtsbezirks Tauberbischofsheim, wurde dem dasigen Religionsschullehrer und
Vorsänger, Schulkandidaten Adler, übertragen." |
Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge
Eine Synagoge
beziehungsweise ein Betsaal bestand seit dem 18. Jahrhundert. Im Dezember 1745 wurde die
Judenschaft zu einer Strafe von zwölf Reichstalern verurteilt, weil es bei der
Einweihung einer neuen Torarolle derart zugegangen sei ("zu großes Gepränge"),
dass dies ein öffentliches Ärgernis erregt hatte. Nach einem Bericht des
Pfarrers Adam Fleischmann hätten die Dittigheimer Juden ihre "so
genannten 10 gebott und die 4 bücher Mojsy unter einem kleinen himel
öffentlich in ihr betthauß getragen", womit eine Prozession zur
Einbringung der Torarollen in die Synagoge gemeint war. Bei der Untersuchung der
Angelegenheit berichteten die vernommenen Juden am 19. Januar 1746: "sie
hetten keineswegs die zehen Gebott unter einem Himmel (gemeint Baldachin) über
die gassen getragen, sondern es hette Jud Jeckoff welche aus seinem Hauß unter
Einem Mantel bis an das Thor, worinnen die Synagog seye, getragen, wo so dann
anerst, weilen unter freyem himmel solche zu tragen ihr gesetz nicht leide, mit
einem auff 3 stangen gemachten führhang bedeckhet und in die schuel getragen".
Ein christlicher Beobachter der Prozession sagte aus, er habe "gesehen,
dass eine Prozession Juden, und zwar die unverheirateten voran, die
Verheirateten hinnach gegangen, worunter einer unter einem Himmel von rothen
Caton oder Taffet etwas getragen, worauff die weiber gefolget". 1746
berichtet Pfarrer Fleischmann, dass die Juden "keine ordentliche Synagog
hätten, ihre gewöhnliche Zusammenkünft und Schul in einem vorhin gewesenen
Christenhaus halteten". Auch die Juden aus dem benachbarten Dittwar
würden nach Dittigheim zur Synagoge kommen.
1769 wollten die Dittigheimer Juden eine neue Synagoge bauen. Samuel ben Jakob (Strauss) hatte den Bau veranlasst.
Der für den Bau vorgesehene Platz war mit der hier stehenden Scheuer des
Moyses, die zur "Schul" umgebaut werden sollte, bereits 130 Jahren in
jüdischem Besitz. Die Judenschaft erklärte sich gegenüber den Behörden
bereit jährlich einen Reichstaler für das "Schulrecht" zu bezahlen;
vom Amt aus würden jährlich zwei Reichstaler festgelegt.
Über
100 Jahre diente diese Synagoge als gottesdienstliches Zentrum der jüdischen
Gemeinde. Als in den 1870-Jahren bereits die meisten der jüdischen Bewohner
abgewandert waren und kaum mehr die zum Gottesdienst notwendige Zehnzahl der Männer
zustande kam, wurde die Synagoge immer weniger benutzt und schließlich
geschlossen. Seitdem besuchten die noch in Dittigheim lebenden Juden die
Synagoge in Tauberbischofsheim. Im
Februar 1881 wurde das Synagogengebäude
verkauft. Es ist als Wohnhaus/landwirtschaftliches Gebäude in der
Synagogengasse 4 erhalten; ein farbig bemalter Hochzeitsstein erinnert an die
Vergangenheit des Gebäudes. 1979 wurde dieser als Kulturdenkmal von besonderer
Bedeutung in das Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg eingetragen.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos 2001:
(Fotos: Hahn) |
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Die ehemalige Synagoge
in Dittigheim |
Der Hochzeitsstein an der ehemaligen
Synagoge ist die einzige äußerlich
auffallende Erinnerung an die
jüdische Geschichte |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) |
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Ansichten des
Gebäudes der ehemaligen Synagoge, das schon länger
zu einem
landwirtschaftlichen Gebäude umgebaut wurde |
Der Hochzeitsstein |
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Straßenschild
"Synagogengasse" |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 270. |
 | Die Juden in Dittigheim. In: Elmar Weiß:
Dittigheim. Geschichte einer alten Siedlung im Taubertal. Hg. von der
Interessengemeinschaft Heimatbuch Dittigheim. Tauberbischofsheim 1987. S.
326-346. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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