Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg 


Hochhausen (Stadt Tauberbischofsheim, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem bis 1803 zur Kurmainz gehörigen Hochhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1913. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhundert zurück. 1706 werden vier Juden aus Hochhausen genannt, die jeweils zehn Gulden Schutzgeld zu bezahlen hatten. 
   
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1875 mit 103 Personen erreicht. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (im nicht mehr bestehenden jüdischen Schulhaus Ecke Judengasse/Schmiedegasse), ein rituelles Bad (am Mühlenwehr, kam um 1920 in den Besitz der Mühle, besteht nicht mehr) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde Hochhausen dem Bezirksrabbinat Wertheim zugeteilt, das 1850 bis 1864 vorübergehend seinen Sitz in Tauberbischofsheim hatte. Erhalten ist das Gebäude der ehemaligen "Judenmetzgerei" (zugleich Wohnhaus des jüdischen Metzgers) unterhalb der Ecke Judengasse / Schmiedegasse. 
  
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung schnell zurück. 1900 wurden nur noch 33 jüdische Einwohner gezählt (1925: drei). In der Ausschreibung der Lehrerstelle 1887 (s.u.) wird Impfingen als Filiale (Filialgemeinde) zu Hochhausen genannt; 1911 wird Hochhausen in der Ausschreibung der Lehrerstelle von Wenkheim als Filiale zu Wenkheim aufgeführt.  
  
An ehemaligen jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnhäusern sind u.a. bekannt: Kolonialwarenladen Frieda Rosenstock (Neue Gasse 3, abgebrochen); Wohnhaus Familie Emanuel Rosenstock war bis um 1920 Neue Gasse 1, Wohnhaus Familie Samuel Rothschild bis um 1930 Rathausstraße 8, Wohnhaus Familie Bernhard Stiefel Rathausstraße 2, Familie Weinstock im Mühlenwörth.

1933 lebten noch zwei jüdische Frauen in Hochhausen: Frieda Rosenstock (gestorben 1934) betrieb mit ihrer Tochter den schon genannten kleinen Kolonialwarenladen. Die Tochter verzog 1934 nach Frankfurt am Main.   
       
Von den in Hochhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Daniel geb. Weinstock (1875), Marie Münster geb. Stiefel (1874), Flora Oppenheimer geb. Rosenstock (1887), Lotte Reinstein geb. Stiefel (1866), Julius Rothschild (1908), Salomon Rothschild (1865), David Stiefel (1869), Emil Stiefel (1872), Siegmund Stiefel (1879).     
     
    

     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872 / 1877 / 1882 ( 1884 / 1887 / 1811

Hochhausen TBB Israelit 17011872.jpg (38458 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1872: "Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Hochhausen a.d. Tauber ist vakant und baldigst wieder zu besetzen. Fixer Gehalt Gulden 275. Die Nebenverdienste belaufen sich ebenso hoch und können auf Verlangen garantiert werden. Qualifizierte Bewerber wollen sich melden bei dem Vorstande J. Stiefel."
  
Hochhausen TBB Israelit 01081877.jpg (63129 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1877: "Hochhausen, Amt Tauberbischofsheim. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle wird hierdurch bei freier Wohnung, einem festen Gehalte von jährlich 550 Mark nebst üblichem Schulgelde  zur Bewerbung ausgeschrieben. Ein Nebeneinkommen aus dem Schächter- und Vorsängerdienste von 400-500 Mark wird in Aussicht gestellt. Meldungen unter Beilage von Zeugnissen sind baldigst an den Unterzeichneten einzureichen. Der Synagogenrat: Stiefel."
 
Hochhausen TBB Israelit 21061882.jpg (51098 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1882: "Die israelitische Religionsschulstelle, verbunden mit dem Vorsänger- und Schächterdienst, wird hierdurch mit einem festen jährlichen Gehalt von Mark 550, freier Wohnung, dem gesetzlichen Schulgeld von circa 24 Schülern und üblichem Nebeneinkommen aus dem Vorsänger- und Schächterdienst von circa Mark 500 zur Bewerbung ausgeschrieben. Bewerbungen und Zeugnisse sind binnen 4 Wochen an den Unterzeichneten einzureichen. 
Hochhausen a.d. Tauber, 12. Juni 1882. Der Synagogenrat. J. Stiefel."
   
Hochhausen TBB Israelit 13091882.jpg (50449 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1882: "Die israelitische Religionsschulstelle, verbunden mit dem Vorsänger- und Schächterdienst, wird hierdurch mit einem festen jährlichen Gehalt von Mark 600, freier Wohnung, dem gesetzlichen Schulgeld von circa 24 Schülern und üblichem Nebeneinkommen aus dem Vorsänger- und Schächterdienst von circa Mark 500 zur Bewerbung ausgeschrieben. Bewerbungen und Zeugnisse sind binnen 4 Wochen an den Unterzeichneten einzureichen. 
Hochhausen a.d. Tauber, im September 1882. Der Synagogenrat. J. Stiefel."
 
Hochhausen TBB Israelit 17071884.jpg (50105 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1884: "Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Hochhausen a.T., mit einem festen Gehalt von 600 Mark nebst ca. 400 Mark Nebeneinkommen und freier Wohnung soll zum 15. August dieses Jahres neu besetzt werden. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen binnen 3 Wochen anher melden. 
Merchingen, den 10. Juli 1884. Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim. Dr. L. Heilbut."
 
Hochhausen TBB Israelit 24111887.jpg (51744 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1887: "Vakanz. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Hochhausen a.T. mit Filial Impfingen, mit einem festen Einkommen von Mark 500 und Nebenverdienst von ca. Mark 350, soll durch einen ledigen jungen Mann baldigst besetzt werden. Geeignete Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Gesuche an den Unterzeichneten richten. 
Mosbach, 22. November 1887. Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner."
 
Wenkheim Israelit 07091911.jpg (46954 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1911: "Die israelitische Gemeinde Wenkheim in Baden sucht per sofort einen Lehrer, Vorbeter und Schochet mit Mark 900.- Fixum, Mark 600.- garantiertes Nebeneinkommen, mit Filiale Hochhausen Mark 220.- nebst freier Wohnung und großen Garten. Der Synagogenrat."

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
 
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1913)  

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1913: "Die drei Gemeinden Hochhausen an der Tauber und im Synagogenbezirk Mosbach ... und Impfingen sind für aufgelöst erklärt worden."   

      
     
   

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Die Einrichtungen der Gemeinde befanden sich im heute noch sogenannten "Judengässle" bzw. der "Judengasse". Hier wurde um 1770 eine Synagoge erbaut, über deren Baugeschichte bislang nichts bekannt ist. Auch über das gottesdienstliche Leben in der Hochhausener Synagoge liegen kaum Berichte vor. Immerhin erzählt der aus Würzburg stammende und in Halle lehrende Professor Ulrich Gerhardt in seinen Tagebuchnotizen von einem Besuch des Schabbat-Morgengottesdienstes am 17. August 1907 in Hochhausen. Er schilderte die Synagoge als klein. Sechs Torarollen seien dort vorhanden, die freilich keinen besonderen Schmuck trugen. Vorbeter war damals ein Lehrer Stiefel aus Mannheim, Die Tora wurde von einem im benachbarten Impfingen wohnenden und aus Ettlingen stammenden Lehramtskandidaten gelesen. Auch ein polnischer Jude habe mitgebetet, wobei dieser auffallenderweise keinen Gebetsschal trug. Der Gottesdienst wurde nach den Traditionen des alten aschkenasischen Minhag gefeiert. So fiel Gerhardt auf, dass der Vorbeter nach einer in vielen Gemeinden nicht mehr eingehaltenen alten Vorschrift den Gebetsschal (Tallit) zu Beginn des Gottesdienstes noch auf der Schulter trug und erst beim Hymnus "Boruch Scheamar" anlegte. Beim Ausheben der Tora habe man kein Schema Jisrael gesprochen.   
  
Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder stark zurückgegangen waren, konnte nur noch sehr schwer die Zehnzahl der zum Gottesdienst nötigen Männer erreicht werden. Bis 1914 wurde die Synagoge noch genutzt, dann verkauft. Die wenigen noch in Hochhausen lebenden Juden besuchten seitdem die Synagoge in Tauberbischofsheim. Das Synagogengebäude wurde in den folgenden Jahren teilweise abgetragen; die erhaltenen Umfassungsmauern (bis zur Höhe des ersten Stocks) sind heute Lagerhaus einer Schreinerei.
    

   
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Hochhausen Synagoge 002.jpg (94155 Byte) Hochhausen Synagoge 005.jpg (64284 Byte)
  
 
 Die "Judengasse" in Hochhausen mit Blick Richtung ehemalige Synagoge  Die ehemalige Synagoge, umgebaut zu einer Werkstatt
     
Hochhausen Synagoge 003.jpg (52218 Byte) Hochhausen Synagoge 004.jpg (59209 Byte) Hochhausen Synagoge 001.jpg (85704 Byte)
Eingang zum Gebäude (auch zur ehemaligen Synagoge??)         
        
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003)
Hochhausen Synagoge 150.jpg (72713 Byte) Hochhausen Synagoge 151.jpg (58036 Byte)
   Die "Judengasse" in Hochhausen mit Blick Richtung ehemalige Synagoge Eingang zum Gebäude (auch zur ehemaligen Synagoge??)
     
Hochhausen Synagoge 154.jpg (53484 Byte) Hochhausen Synagoge 155.jpg (52164 Byte) Hochhausen Synagoge 156.jpg (48012 Byte)
Blick auf das ehemalige Synagogengebäude Seitenansichten des ehemaligen Synagogengebäudes zum "Judengäßle" hin
   
Hochhausen Synagoge 153.jpg (58921 Byte) Hochhausen Synagoge 152.jpg (73781 Byte)  
Das unmittelbar an die ehemalige Synagoge anschließende Gebäude  

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Tauberbischofsheim

Literatur:   

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 271.

    

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

            

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Oktober 2009