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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Hochhausen (Stadt Tauberbischofsheim, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis 1803 zur Kurmainz gehörigen Hochhausen bestand
eine jüdische Gemeinde bis 1913. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhundert zurück. 1706 werden vier Juden aus Hochhausen genannt, die jeweils
zehn Gulden Schutzgeld zu bezahlen hatten.
Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wurde um 1875 mit 103 Personen erreicht.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (im nicht mehr bestehenden jüdischen Schulhaus Ecke
Judengasse/Schmiedegasse), ein rituelles Bad (am Mühlenwehr, kam um 1920 in den
Besitz der Mühle, besteht nicht mehr) und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe
Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde Hochhausen dem
Bezirksrabbinat Wertheim zugeteilt, das 1850 bis 1864 vorübergehend seinen Sitz
in Tauberbischofsheim hatte.
Erhalten ist das Gebäude der ehemaligen "Judenmetzgerei" (zugleich
Wohnhaus des jüdischen Metzgers) unterhalb der Ecke Judengasse /
Schmiedegasse.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen
Einwohner durch Aus- und Abwanderung schnell zurück. 1900 wurden nur noch 33 jüdische
Einwohner gezählt (1925: drei). In der Ausschreibung der Lehrerstelle 1887
(s.u.) wird Impfingen als Filiale
(Filialgemeinde) zu Hochhausen genannt; 1911 wird Hochhausen in der
Ausschreibung der Lehrerstelle von Wenkheim
als Filiale zu Wenkheim aufgeführt.
An ehemaligen jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnhäusern sind u.a.
bekannt: Kolonialwarenladen Frieda Rosenstock (Neue Gasse 3, abgebrochen);
Wohnhaus Familie Emanuel Rosenstock war bis um 1920 Neue Gasse 1, Wohnhaus
Familie Samuel Rothschild bis um 1930 Rathausstraße 8, Wohnhaus Familie
Bernhard Stiefel Rathausstraße 2, Familie Weinstock im Mühlenwörth.
1933 lebten noch zwei jüdische Frauen in Hochhausen:
Frieda Rosenstock (gestorben 1934) betrieb mit ihrer Tochter den schon genannten
kleinen
Kolonialwarenladen. Die Tochter verzog 1934 nach Frankfurt am Main.
Von den in Hochhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Daniel geb.
Weinstock (1875), Marie Münster geb. Stiefel (1874), Flora Oppenheimer geb.
Rosenstock (1887), Lotte Reinstein geb. Stiefel (1866), Julius Rothschild
(1908), Salomon Rothschild (1865), David Stiefel (1869), Emil Stiefel (1872),
Siegmund Stiefel (1879).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872 /
1877 / 1882 ( 1884 / 1887 / 1811
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1872:
"Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Hochhausen
a.d. Tauber ist vakant und baldigst wieder zu besetzen. Fixer Gehalt
Gulden 275. Die Nebenverdienste belaufen sich ebenso hoch und können auf
Verlangen garantiert werden. Qualifizierte Bewerber wollen sich melden bei
dem Vorstande J. Stiefel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1877:
"Hochhausen, Amt Tauberbischofsheim. Die Religionslehrer-,
Vorsänger- und Schächterstelle wird hierdurch bei freier Wohnung, einem
festen Gehalte von jährlich 550 Mark nebst üblichem Schulgelde zur
Bewerbung ausgeschrieben. Ein Nebeneinkommen aus dem Schächter- und
Vorsängerdienste von 400-500 Mark wird in Aussicht gestellt. Meldungen
unter Beilage von Zeugnissen sind baldigst an den Unterzeichneten
einzureichen. Der Synagogenrat: Stiefel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1882:
"Die israelitische Religionsschulstelle, verbunden mit dem
Vorsänger- und Schächterdienst, wird hierdurch mit einem festen
jährlichen Gehalt von Mark 550, freier Wohnung, dem gesetzlichen
Schulgeld von circa 24 Schülern und üblichem Nebeneinkommen aus dem
Vorsänger- und Schächterdienst von circa Mark 500 zur Bewerbung
ausgeschrieben. Bewerbungen und Zeugnisse sind binnen 4 Wochen an den
Unterzeichneten einzureichen.
Hochhausen a.d. Tauber, 12. Juni 1882. Der Synagogenrat. J. Stiefel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1882:
"Die israelitische Religionsschulstelle, verbunden mit dem
Vorsänger- und Schächterdienst, wird hierdurch mit einem festen
jährlichen Gehalt von Mark 600, freier Wohnung, dem gesetzlichen
Schulgeld von circa 24 Schülern und üblichem Nebeneinkommen aus dem
Vorsänger- und Schächterdienst von circa Mark 500 zur Bewerbung
ausgeschrieben. Bewerbungen und Zeugnisse sind binnen 4 Wochen an den
Unterzeichneten einzureichen.
Hochhausen a.d. Tauber, im September 1882. Der Synagogenrat. J. Stiefel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1884:
"Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle
in Hochhausen a.T., mit einem festen Gehalt von 600 Mark nebst ca. 400
Mark Nebeneinkommen und freier Wohnung soll zum 15. August dieses Jahres
neu besetzt werden. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen
binnen 3 Wochen anher melden.
Merchingen, den 10. Juli 1884. Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim. Dr. L.
Heilbut." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1887:
"Vakanz. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in
Hochhausen a.T. mit Filial Impfingen,
mit einem festen Einkommen von Mark 500 und Nebenverdienst von ca. Mark
350, soll durch einen ledigen jungen Mann baldigst besetzt werden.
Geeignete Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Gesuche an
den Unterzeichneten richten.
Mosbach, 22. November 1887. Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1911:
"Die
israelitische Gemeinde Wenkheim in Baden
sucht per sofort einen Lehrer, Vorbeter und Schochet mit Mark 900.- Fixum,
Mark 600.- garantiertes Nebeneinkommen, mit Filiale Hochhausen Mark
220.- nebst freier Wohnung und großen Garten. Der Synagogenrat." |
Aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1913)
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1913:
"Die drei Gemeinden Hochhausen
an der Tauber und im Synagogenbezirk Mosbach ... und Impfingen sind
für aufgelöst erklärt worden." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Die Einrichtungen der Gemeinde
befanden sich im heute noch sogenannten "Judengässle" bzw. der "Judengasse".
Hier wurde um 1770 eine Synagoge erbaut, über deren Baugeschichte
bislang nichts bekannt ist. Auch über das gottesdienstliche Leben in der
Hochhausener Synagoge liegen kaum Berichte vor. Immerhin erzählt der aus Würzburg
stammende und in Halle lehrende Professor Ulrich Gerhardt in seinen
Tagebuchnotizen von einem Besuch des Schabbat-Morgengottesdienstes am 17. August
1907 in Hochhausen. Er schilderte die Synagoge als klein. Sechs
Torarollen seien dort vorhanden, die freilich keinen besonderen Schmuck trugen.
Vorbeter war damals ein Lehrer Stiefel aus Mannheim,
Die Tora wurde von einem im benachbarten Impfingen
wohnenden und aus Ettlingen stammenden
Lehramtskandidaten gelesen. Auch ein polnischer Jude habe mitgebetet, wobei
dieser auffallenderweise keinen Gebetsschal trug. Der Gottesdienst wurde nach
den Traditionen des alten aschkenasischen Minhag gefeiert. So fiel Gerhardt auf,
dass der Vorbeter nach einer in vielen Gemeinden nicht mehr eingehaltenen alten
Vorschrift den Gebetsschal (Tallit) zu Beginn des Gottesdienstes noch auf der
Schulter trug und erst beim Hymnus "Boruch Scheamar" anlegte. Beim Ausheben der
Tora habe man kein Schema Jisrael gesprochen.
Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen
Gemeindeglieder stark zurückgegangen waren, konnte nur noch sehr schwer die
Zehnzahl der zum Gottesdienst nötigen Männer erreicht werden. Bis 1914 wurde
die Synagoge noch genutzt, dann verkauft. Die wenigen noch in Hochhausen
lebenden Juden besuchten seitdem die Synagoge in Tauberbischofsheim.
Das Synagogengebäude wurde in den folgenden Jahren teilweise abgetragen; die
erhaltenen Umfassungsmauern (bis zur Höhe des ersten Stocks) sind heute
Lagerhaus einer Schreinerei.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Die "Judengasse" in Hochhausen mit Blick Richtung ehemalige
Synagoge |
Die ehemalige Synagoge, umgebaut zu einer Werkstatt |
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Eingang zum Gebäude (auch zur ehemaligen Synagoge??) |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) |
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Die "Judengasse" in Hochhausen mit Blick Richtung ehemalige
Synagoge |
Eingang zum Gebäude (auch zur ehemaligen Synagoge??) |
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| Blick auf das ehemalige
Synagogengebäude |
Seitenansichten
des ehemaligen Synagogengebäudes zum "Judengäßle" hin |
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| Das unmittelbar an
die ehemalige Synagoge anschließende Gebäude |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 271. |

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