Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kleineicholzheim (Gemeinde Schefflenz, Neckar-Odenwald-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen       
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
  
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton Kraichgau gehörenden Kleineicholzheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 35 jüdische Einwohner (15,0 % von insgesamt 234 Einwohnern), höchste Zahl um 1864 mit 107 Personen (über ein Drittel der damaligen Ortsbevölkerung), 1875 93 (32,7 % von 284), 1887 86, 1900 74 (33,2 % von 223), 1910 51 (23,8 % von 214). Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Vieh, Pferden und Textilwaren.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde in dem 1843 von einem jüdischen Bewohner erworbenen ehemaligen Schloss der Grafen von Waldkirch ihre Synagoge (s.u.), eine jüdische Konfessionsschule (bis 1876, danach Religionsschule) mit einer Lehrerwohnung. Ein rituelles Bad lag am westlichen Ortsrand am Eberbach (Gebäude ist erhalten und in Privatbesitz). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Bödigheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit Großeicholzheim - ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war. Solange der Lehrer seinen Wohnsitz in Kleineicholzheim hatte (bis zur Einweihung der neuen Synagoge in Großeicholzheim 1885), übernahm er hier auch die Vorbeterdienste, danach wurde dieser Dienst durch ein Gemeindeglied übernommen. Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Mosbach zugeteilt.    
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Lissberger als einer der sechs jüdischen Kriegsteilnehmer des Ortes. Auf dem Kriegerdenkmal 1914/18 in Kleineicholzheim und auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofs Bödigheim finden sich auch die Namen der Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges. 
 
Um 1924 gehörten noch 35 Personen zur jüdischen Gemeinde (13,6 % von insgesamt 256 Einwohnern). Damals waren die Gemeindevorsteher Samuel Böttigheimer III, Theodor Böttigheimer und Daniel Bär. Als Vorbeter war Samuel Böttigheimer tätig. Lehrer Scheuermann aus Großeicholzheim unterrichtete die beiden schulpflichtigen jüdischen Kinder in Religion. 1932 war Gemeindevorsteher Moses Böttigheimer. 
 
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Textilgeschäft Max Bär (Seckacher Straße 3), Vieh- und Pferdehandlung Moses Böttigheimer mit Gastwirtschaft "Krone" (Odenwaldstraße 19), Metzgerei Samuel Böttigheimer (Odenwaldstraße 7), Vieh- und Pferdehandlung Theodor Böttigheimer (Odenwaldstraße 18), Gemischtwarenhandlung Malchen Lißberger (Odenwaldstraße 16), Gastwirtschaft "Engel", Inhaber Manuel Kahn (Seckacher Straße 1, abgebrochen), Textilgeschäft Rosenstock (Seckacher Straße 2).    
  
1933 lebten noch 28 jüdischen Personen in Kleineicholzheim. Trotz der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind zunächst nur einzelne der jüdischen Einwohner aus dem Ort verzogen beziehungsweise ausgewandert. Der Großteil der nichtjüdischen Einwohner blieb den jüdischen Einwohnern gegenüber freundlich gesonnen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Einwohner jedoch von auswärtigen SA-Leuten misshandelt, die Inneneinrichtung der Synagoge und einige Wohnungen demoliert. 1939 emigrierten mehrere der jüdischen Einwohner in die USA und Argentinien. Die 15 letzten jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.
   
 Von den in Kleineicholzheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Daniel Baer (1884), Mathilde Baer geb. Lissberger (1889), Katharina (Käthe) Bravmann geb. Lissberger (1892), Bernhard Böttigheimer (1886), Berta Böttigheimer (1873), Elise Böttigheimer (1864), Elsa Böttigheimer (1890), Günter Böttigheimer (1898), Israel Böttigheimer (1869), Mathilde Böttigheimer (1874), Selma Böttigheimer (1890), Zilli (Cilli) Gutmann geb. Lissberger (1880), Julia (Julchen) Gutmann geb. Böttigheimer (188), Hedwig Hirschfeld geb. Kaufmann (1879), Emanuel Kahn (1870), Fanni Kahn geb. Kaufmann (1873), Mina Kahn geb. Lissberger (1882), Ludwig Kaufmann (1886), Michael Lissberger (1878), Laura Lissberger (1886), Max Lissberger (1888), Helene Mayer (1875), Lina Metzger (1884), Max Sinsheimer (1884), Salomon Sinsheimer (1877). Auf dem jüdischen Friedhof in Bödigheim ist eine Gedenktafel für acht der in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Personen aus Kleineicholzheim vorhanden
.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1847 (nur für Kleineicholzheim) und 1876 / 1885 (gemeinsam mit Großeicholzheim)   

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 21. Juli 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bei der israelitischen Gemeinde Kleineicholzheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Jahresgehalt von 135 fl., sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Mosbach zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."  
 
Grosseicholzheim Israelit 27091876.jpg (88436 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1876: "Auskündigung einer Religions-Schulstelle. Die beiden vereinigten Religionsschulstellen bei den israelitischen Gemeinden Groß- und Klein-Eichholzheim, Rabbinatsbezirks Mosbach am Necker, Großherzogtum Baden, mit welchen ein fester jährlicher Gehalt von 400 Gulden, ein jährliches Schulgeld von 2 Mark für jedes Schulkind, nebst freier Wohnung mit dem Wohnsitze in Klein-Eichholzheim, sowie der Vorständer- und Schächterdienst mit den davon abfließenden Gefällen verbunden ist, sind sofort zu besetzen. Qualifizierte Bewerber werden andurch aufgefordert, ihre Zeugnisse über ihre seitherige Lehrtätigkeit und ihren religiös-sittlichen Lebenswandel anher einzusenden. Hierbei wird dem Bewerber schließlich bemerkt, dass er sich auch einer Prüfung in den zur Versehung eines Religionsschuldienstes erforderlichen Kenntnissen bei unterzeichneter Stelle zu unterziehen habe. 
Mosbach am Neckar (Baden). Das Großherzogliche Bezirksrabbinat: S. Weil."
    
  
Grosseicholzheim Israelit 27041885.jpg (88861 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1885: "Auskündigung einer Religionsschul-Stelle.  Die vereinigte Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle bei den israelitischen Gemeinden Groß- und Kleineichholzheim, diesseitigen Synagogenbezirks, mit dem Wohnsitze in Großeichholzheim, mit einem festen Gehalte von 700 Mark und ca.  500 Mark angeblichen Gefällen pro anno ist mit dem 15. Juni dieses Jahres neu zu besetzen. Qualifizierte Bewerber wollen ihre desfallsigen Meldungen unter Anschluss amtlich beglaubigter Zeugnisabschriften über Befähigung und sittlich religiöse Führung binnen vier Wochen portofrei anher einsehenden. 
Mosbach in Baden, 23. April 1883. Das Großherzogliche Bezirksrabbinat: S. Weil." 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod von Lazarus Lißberger (1895)   

Kleineicholzheim Israelit 24061895.jpg (85113 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1895: "Kleineicholzheim. Am 19. Ijar (= 13. Mai 1895) verschied nach kurzem Leiden der geachtete hiesige Bürger Herr Lazarus Lißberger – er ruhe in Frieden – im 89. Lebensjahr. Trotz seines hohen Alters war derselbe bis vor kurzer Zeit gesund und rüstig, und genoss durch seinen Biedersinn und seine Anspruchslosigkeit den ehrenhaftesten Ruf. Er lebte stets als glaubenstreuer Jehudi, versäumte keinen Gottesdienst und hielt streng an den Satzungen unserer alten und heiligen Wahrheit. Dabei war er ein glühender Patriot und, wie er selbst ehemals Soldat war, so zeigte er besonderes Interesse für die Entwicklung des Wehrstandes. Mehrere Militärvereine und eine große Zahl von Jung und Alt fanden sich bei seinem Leichenbegängnisse ein, um dem ältesten Ortsbürger die letzte Ehre zu erweisen. Der Präsident des Militärvereins widmete dem Verstorbenen einen ehrenden Nachruf und Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein von Mosbach sprach am Hause vor Abhang des Leichenzugs, sowie am Friedhofe in Bödigheim würdige Worte zu Ehren des Heimgegangenen, zum Troste der Hinterbliebenen und zur Aneiferung für die Glaubensgenossen."  

   
Zum Tod von Karoline Lißberger (1896)  

Kleineicholzheim Israelit 11061896.jpg (110104 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1896: "Kleineicholzheim, im Tammus. Wieder ist eine Perle aus der Reihe der frommen Frauen dahingegangen. Frau Karoline Lißberger, eine wackere Frau in des Wortes vollster Bedeutung ist am 13. Siwan (= 25. Mai 1896) zum Grab gebracht worden. Sie, die so viele Tränen durch ihre im Stillen geübten Wohltaten getrocknet, hat trotz langem und schweren Krankenlager der Armen nicht vergessen. So hat die Verblichene unter anderen wohltätigen Vermächtnissen, auch für den Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden eine größere Summe gestiftet mit der Bestimmung, dass jährlich an ihrem Todestage das Kaddisch-Gebet für sie verrichtet werde. Ihren seligen Gatten, dessen in diesen Blättern seinerzeit ehrenvoll gedacht wurde und den die fromme Heimgegangene mit unendlicher Geduld und größter Aufopferung pflegte, hat sie nur etwas länger als Jahresfrist überlebt. Unser verehrter Bezirksrabbiner, Herr Dr. Löwenstein – sein Licht leuchte – in Mosbach, hat in seiner an der Bahre gehaltenen tief ergreifenden und tief empfundenen Predigt nach Anerkennung ihrer vielen Vorzüge auf Letzteres hingewiesen mit den Worten: 'Die Geliebten und Holden in ihrem Leben, auch in ihrem Tode waren sie nicht getrennt' (2. Samuel 1,23). Mögen ihresgleichen viele Frau erstehen in Israel. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Amen."

  
Zum Tod von Isaac Lißberger (1908)  

Kleineicholzheim Israelit 06081908.jpg (118420 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1908: "Klein-Eicholzheim (Baden), 30. Juli (1908). Am Erew Schabbat hat man in unserer kleinen Gemeinde einen Mann zu Grabe getragen, der es verdient, auch in diesen Blättern genannt zu werden. Herr Isaac Lißberger, der den Seinigen nach längerem, schwerem Leiden im Alter von 61 Jahren durch den Tod entrissen wurde, war ein guter pflichtgetreuer Jehudi. Trotz seiner Leiden, die ihn seit Jahren an der Ausübung seines Berufes verhinderten, versäumt er keinen Gottesdienst und keine gebotene Pflicht, so schwer ihm auch dieses fiel. Mit gottergebener Geduld und Demut trug er jahrelang seine Leiden ohne Klage, den Seinigen und allen, die ihn kannten, ein leuchtendes Vorbild treuer Pflichterfüllung und gottgefälligen Lebenswandels. Durch seinen verträglichen und friedlichen Charakter war er eine Zierde der Gemeinde, die ihm ihr Vertrauen dadurch bewies, dass sie ihn für lange Zeit in ihre Verwaltung wählte. Er war ein Freund und Förderer edler und gemeinnütziger Bestrebungen und übte die edle Pflicht der Wohltätigkeit in reichstem Maße. Bei der Beisetzung sprach der Ortslehrer, Herr Scheuermann, in Vertretung des Rabbiners warm empfundene Worte. Die Trauer der Familie brachte der Schwiegersohn, Herr Lehrer Mayer in Niederhochstadt, zum Ausdruck. Am Grabe, auf dem Friedhof in Bödigheim widmete Herr Lehrer Fleischmann als Vertreter der Chewra Kadischa (Beerdigungs- und Wohltätigkeitsverein), der der Dahingeschiedene seit langer Zeit angehörte, zu Herzen gehende Abschiedsworte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Goldene Hochzeit von J. Böttigheimer I und Rebecka geb. Löwenstein (1910)  

Kleineicholzheim FrfIsrFambl 12081910.jpg (39256 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. August 1910: "Kleineicholzheim (Baden). Die Eheleute J. Böttigheimer I. und Frau Rebekka geb. Löwenstein feierten in voller körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer Kinder und Enkel die goldene Hochzeit. Das Jubelpaar erhielt u.a. von dem Großherzoglichen Paare und der Kultusgemeinde Glückwünsche." 

  
Zum Tod von Emil Lißberger (1920)  

Kleineicholzheim Israelit 21101920.jpg (101503 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1920: "Kleicheicholzheim (Baden), 17. Oktober (1920). Nach kurzem schwerem Krankenlager starb in Würzburg Herr Emil Lißberger, Inhaber der Fa. J. Lißberger und Sohn dahier. Mit ihm verlor die Familie einen liebevollen, treu besorgten Gatten und Vater, die Gemeinde einen strebsamen, tüchtigen Bürger und speziell die israelitische Gemeinde ein Mitglied, das in selbstlosester Weise seine Kraft in den Dienst der Allgemeinheit stellte. So versah er viele Jahre hindurch das Amt eines Vorbeters und Baal Tokea (Schofarbläser), bis ihn ein Leiden überfiel, das ihm die Ausübung dieser Tätigkeit unmöglich machte. Trotz seines Gesundheitszustandes stand er seinem Geschäfte in musterhafter Weise vor und alle Kreise, die mit ihm in Berührung kamen, rühmten seine strenge Rechtlichkeit und seinen geraden Sinn. Bei der Beerdigung, die in Höchberg stattfand, sprach Herr Seminarlehrer Dr. Feinberg, indem er dem unersetzlichen Verluste der Familie in beredten Worten Ausdruck gab. Möge der Allgütige die trauernde Witwe und Tochter trösten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod der aus Kleineicholzheim stammenden Minna Eisemann geb. Böttigheimer (1928)
  

Binau Israelit 25101928.jpg (89998 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1928: "Binau bei Mosbach (Baden), 20. Oktober (1928). In der Nacht zum Fest Hoschana Rabba (Nacht zum 5. Oktober 1928) wurde im Alter von 82 Jahren Frau Minna Eisemann geb. Böttigheimer, in die Ewigkeit abberufen. Aufgewachsen in einer frommen Umgebung in Kleineicholzheim, war sie ihr Leben lang erfüllt von jüdischem Fühlen und Denken. Besonders bedacht war sie auf die religiöse Einstellung der Kinder und Enkelkinder. Trotz Abratens ließ sie es sich nicht nehmen, am letzten Jom Kippur (24. September 1928) noch zu fasten. Ihr Heimgang bedeutet für die ohnehin kleine Gemeinde einen besonderen Verlust, gehörte die Verstorbene doch noch zu jenem alten Schlage der wirklich edlen, rechtschaffenen, echt jüdischen Frauen. Die Beisetzung fand an 'Simchas Tora' (7. Oktober 1928) statt und musste daher jede Klage und jeder Nachruf unterbleiben. Alle, die sie kannten, werden aufrichtig sagen können, das Andenken einer Gerechten ist zum Segen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
Goldene Hochzeit von Samuel Böttigheimer und Hermine geb. Fleischer (1937)  

Kleineicholzheim CV-Zeitung 27051937.jpg (17530 Byte)Mitteilung in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 27. Mai 1937: "Samuel Böttigheimer und Frau Hermine geb. Fleischer (Klein-Eichholzheim/Baden) feiern am 1. Juni ihre goldene Hochzeit."   

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Eisenhandlung Heinrich Kaufmann (1901)    

Kleineicholzheim Israelit 21031901.jpg (41729 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901: "Für mein Eisenwaren-Geschäft, Samstags und Feiertage geschlossen, suche einen Lehrling
Eintritt nach Ostern. Heinrich Kaufmann, Eisenhandlung, Kleineicholzheim in Baden."    

   
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Sigmund Kaufmann (1901)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1901: "Lehrling gesucht. Ein braver, fleißiger Junge für mein nach Sukkoth in Mosbach (Baden) zu errichtendes Manufakturwaren-Geschäft unter günstigen Bedingungen gesucht. Samstags und Feiertage geschlossen. Selbstgeschriebene Offerten erwünscht 
Sigmund Kaufmann
, Kleineicholzheim, Baden."     

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge             
    
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. Nach dem Bericht des Synagogenrates Lazarus Lisberger vom 14. Juli 1843 fühlte die Gemeinde jedoch "schon längst das Bedürfnis eines eigentlichen Synagogen-, Schul-, Lehrerwohnungs- und Badgebäude". 1843 sollte sich der Wunsch erfüllen. Damals stand das zunächst von einem jüdischen Gemeindeglied erworbene ehemalige Schloss der Grafen von Waldkirch zum Verkauf frei. Zwei Teile dieses Schlosses wurden von der jüdischen Gemeinde übernommen: zum einen der neuere (untere) Teil des Schlossgebäudes samt eines dabei liegenden Gartens, in dem sich auch ein Springbrunnen befand, den man zu einem rituellen Bad umbauen wollte. Dieser Teil, den man als Schule mit Lehrerwohnung nutzen wollte, kostete 1.960 Gulden. Zum anderen kaufte man zur Einrichtung der Synagoge einen Teil des alten Schlossgebäudes (den Mittelteil) samt dem Garten, der mit dem neuen Schlossgebäude zusammengebaut war, zu einem Betrag von 1.000 Gulden. Synagogenrat Lazarus Lisberger betonte zwar, welch günstigen Kauf die jüdische Gemeinde hierbei gemacht habe, dennoch war es innerhalb der jüdischen Gemeinde nicht unumstritten. Bei einer Gemeindeversammlung sprachen sich 14 von 18 stimmberechtigten Gemeindegliedern für den Ankauf aus. Die anderen vier meinten, dass die Gemeinde besser zum Preis von 3.000 Gulden eine neue Synagoge gebaut hätte, wofür sogar schon ein Bauplatz vorhanden war. Beim Neubau wäre man auf lange Jahre hinaus von Kosten für Reparaturen verschont geblieben; bei einem alten Schlossgebäude müsse man immer mit solchen Kosten rechnen. Dennoch setzte die Mehrheit der Gemeinde durch, dass die Gemeindeeinrichtungen 1844/45 in den beiden Teilen des Schlosses eingerichtet wurden. Im Herbst 1845 war der Umbau abgeschlossen. Zur Finanzierung musste die Gemeinde ein Kapital von 1.500 Gulden aufnehmen, was von der Regierung des Unterrheinkreises genehmigt wurde. In den folgenden Jahren hatte die Gemeinde tatsächlich immer wieder mit Reparaturen des Gebäudes zu tun. So standen größere Reparaturen in den 1870er-Jahren an, bei denen unter anderem 1878 die Balken unter dem Betsaal herausgenommen und durch neue Hölzer ersetzt werden mussten. Auch der Speicherboden wurde damals neu hergestellt. Die jüdische Schule bestand bis zur Auflösung der Konfessionsschulen bis 1876 im Schlossgebäude. Im oberen Teil des Schlosses, der nicht der Gemeinde gehörte, wohnte bis vor 1914 eine jüdische Familie.  
   
Am 10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von auswärtigen SA-Leuten völlig demoliert. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war das ehemalige Schloss- und Synagogengebäude von Mannheimer Familien, nach dem Friedhof von Flüchtlingsfamilien bewohnt. Seit den 1950er Jahren ist das Gebäude völlig umgebaut worden, in seiner Bausubstanz jedoch erhalten.
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Kleineicholzheim Synagoge 001.jpg (54618 Byte) Kleineicholzheim Synagoge 002.jpg (74992 Byte)
   Das ehemalige Schloss der 
Grafen von Waldkirch 
Im Mittelteil des Schlosses 
befand sich die Synagoge 
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.9.2003;
 die Fotos mit * vom 11.5.2004)  
Kleineicholzheim Synagoge 151.jpg (46138 Byte) Kleineicholzheim Synagoge 152.jpg (55679 Byte)
  Blick auf das ehemalige Schlossgebäude. Der linke und mittlere Teil waren zugleich 
der ältere Teil des Schlosses. Der rechte Teil war ein späterer Anbau, in dem bis 
1876 die israelitische Konfessionsschule und die Lehrerwohnung eingerichtet war. 
   
Kleineicholzheim Synagoge 153.jpg (54719 Byte) Kleineicholzheim Synagoge 171.jpg (45864 Byte) Kleineicholzheim Synagoge 170.jpg (47136 Byte)
Der Mittelteil 
(ehemalige Synagoge) 
Eine Gedenktafel wurde an 
dem der ehemaligen Synagoge
 gegenüberliegenden Rathaus 
angebracht* 
Blick vom Rathaus zum ehemaligen Schloss
 / der Synagoge; die Gedenktafel ist links
 zwischen den Fenstern des  
Erdgeschosses angebracht*
 
     
  Kleineicholzheim Mikwe 010.jpg (91811 Byte)  
  Das Gebäude der ehemaligen Mikwe
 am Eberbach, Nähe Odenwaldstraße 
(Foto: W. Schumacher) 
 

   
     

Links und Literatur 

Links: 

Website der Gemeinde Schefflenz 

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 156-157. 
Siegfried Großkopf: Schefflenz in den vergangenen 50 Jahren, in: Edwin Roedder (Hg.), 774-1974 Gemeinde Schefflenz. 1974. S. 280-281.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 481-482.   
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kleineicholzheim Baden. Jews were present from the first quarter of the 18th century and constituted a community of 35 in 1825, purchasing a few sections of the local castle in 1843 to set up a synagogue and community facilities. They numbered 93 in 1895 (total 284). In 1933, 28 remained, operating two department stores, two hotels, and a farm that also served for pioneer training; all these operations were liquidated by 1938 under the Nazi economic boycott. Seven Jews emigrated to the U.S. in 1933-1938 and seven more after Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue and Jewish homes were vandalized. Fifteen were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; four survived.  
   
     

                     
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. April 2014