Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Impfingen (Stadt Tauberbischofsheim, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bischöflich-würzburgischen Impfingen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung im Juni 1913. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./Anfang des 18. Jahrhundert zurück. 1590 wird Mose Jud von Impfingen in einer Urkunde in Wenkheim genannt, 1591/92 die beiden Juden Berlin und Mosse, 1704 bis 1717 Löw, Mayer und Sambsel. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder wie folgt:  1826 37 jüdische Einwohner, 1833 44, 1838 52, 1841 57 (höchste Zahl), 1864 36, 1871 30, 1875 41, 1880 41, 1885 37, 1990 24, 1895 25, 1900 18, 1905 11, 1910 14.  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war. Im 19. Jahrhundert war über 50 Jahre lang - von 1836 bis zu seinem Tod 1886 Lehrer Levi (Löb) Neumann in Impfingen tätig. Nach seinem Tod wurde die Stelle des Lehrers gemeinsam mit Hochhausen ausgeschrieben (siehe unten Ausschreibung von 1887). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Wenkheim beigesetzt (vgl. Bericht zum Tod von Lehrer Levi Neumann). 1827 wurde Impfingen dem Bezirksrabbinat Wertheim zugeteilt (bei der Ausschreibung der Lehrerstelle 1835/36 unterzeichnet allerdings der Bezirksrabbiner von Merchingen, s.u.), das 1850 bis 1864 vorübergehend seinen Sitz in Tauberbischofsheim hatte.   
      
1933 lebten noch drei jüdische Personen am Ort. Zwei davon starben vor 1938: Ida Ehrlich, die ein Kolonialwarengeschäft am Ort betrieben hatte, sowie Sophie Heumann, die im Altersheim in Gailingen am 5. März 1937verstorben ist (Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof in Gailingen). Henriette Heimann wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert und ist umgekommen.   
      

Von den in Impfingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Gutmann (1878), Josef Gutmann (1908), Henriette Heimann (1875), Sanchen Heimann geb. Heumann (1880), Emma Kuttner geb. Gutmann (1874).
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers (1835/36 / 1838 / 1840 / 1847 / 1851)    
(Quelle: erhalten aus dem Stadtarchiv Donaueschingen)   
Anmerkung: Auf die Ausschreibung von 1840 hin wird sich Lehrer Levi (Löb) Neumann beworben haben, der über 50 Jahre lang in Impfingen geblieben ist.  

Impfingen Anzeigenblatt 06011836.jpg (108374 Byte)Anzeige im Großherzoglichen Anzeigenblatt für den Seekreis vom 6. Januar 1836: "Erledigte Stelle. 
Bei der israelitischen Gemeinde zu Impfingen ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 22 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.
Merchingen, den 27. Dezember 1835. Großherzogliche Bezirks-Synagoge."     
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1838 S. 81: "Merchingen (Vakante israelitische Schulstelle). Bei der israelitischen Gemeinde Impfingen ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 33 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge allda zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Merchingen, den 24. Januar 1838. Großherzogliche Bezirks-Synagoge."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1840 S. 182: "Bei der israelitischen Gemeinde zu Impfingen ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 36 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge allda zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 17. Februar 1847: "Vakante Schulstellen.
[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Impfingen ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 45 fl., nebst freier Kost und Wohnung und dem Schulgelde, welches bei einer Zahl von etwa 10 Schulkindern auf 48 kr. für das Kind festgesetzt ist, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Merchingen zu melden.  
Auch wird bemerkt, im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 28. Mai 1851: "Vakante Schulstellen. Die mit einem festen Gehalte von 46 fl., nebst freier Kost und Wohnung, und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Impfingen, Synagogenbezirks Merchingen, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."  

 
Zum Tod von Karoline Neumann, der Frau von Lehrer Neumann (1881)  

Impfingen Israelit 20071881.jpg (70922 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1881: "Nachruf
Impfingen
bei Tauberbischofsheim. Die israelitische Gemeinde dahier hat einen schmerzlichen Verlust zu beklagen. Karoline, die Frau des Herrn Lehrer Neumann dahier, ist nicht mehr. Am 7. Tammus (4. Juli 1881) hauchte sie ihren Geist aus. Unsere Lebensjahre das sind siebzig Jahre sagt König David in seinen Psalmen (Psalm 90,10). Dieses Lebensziel hatte sie nahezu erreicht und eine 25 Jahre lange zufriedene glückliche Ehe verlebt. Sie war noch eine jener Frauen, von denen das jetzige Zeitalter leider nur sehr wenig aufzuzählen hat.  In Bescheidenheit und Frömmigkeit wandelte sie den Pfad des Lebens. Möge der Allgütige, der das Heilmittel für die Wunde geschaffen, bevor er sie schlägt, Balsam streuen auf die Wunden den nun alleinstehenden fast trostlosen Mannes, und die Dahingeschiedene in Frieden ruhen lassen und weitere Unglücksfälle von uns abwenden. 
Nathan Heumann
."    

    
Zum Tod von Lehrer Levi Neumann (1886)  

Impfingen Israelit 13091886.jpg (184150 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1886: "Nekrolog. 
Impfingen
bei Tauberbischofsheim. Niedergebeugt von Kummer und Schmerz ergreife ich die Feder, um den Lesern Ihres geschätzten Blattes die traurige Nachricht zu verkünden, dass es der Wille des Höchsten war, unsern vielgeliebten und allgemein verehrten Lehrer Levi Neumann nach kurzem Leiden am Freitag vor dem Heiligen Schabbat mit der Parascha Reeh (d.h. am Freitag, 27. August 1886) in das Jenseits abzurufen.  
Groß ist unser Schmerz, unausfüllbar diese für uns eingerissene Lücke.  
Mit einem kärglichen Einkommen und einfacher Wohnung sich begnügend, verwaltete der Verewigte ein halbes Jahrhundert hindurch die hiesige Stelle als Lehrer, Vorbeter und Schochet zur völligen Zufriedenheit der ganzen Gemeinde. Sein Bestreben ging nur dahin, Tora zu lernen und zu verbreiten. Er machte es sich zu Aufgabe, seine Schüler als wahre und echte Jehudim zu erziehen und heranzubilden. Am 12. Mai dieses Jahre feierte der teure Dahingeschiedene sein 50-jähriges Dienst-Jubiläum, an welchem er nicht nur von der hiesigen Gemeinde, sondern auch von unseren Nachbargemeinden Tauberbischofsheim und Hochhausen mit wertvollen Geschenken beehrt wurde. Auch seitens des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten kam ihm seiner treuen langjährigen Dienste wegen, ein Anerkennungsschreiben mit einem Geldgeschenke von 100 Mark zu. 
Was der Verstorbene für die Armen des heiligen Landes getan, ist vielen und besonders den Lesern dieses Blattes bekannt. Er versäumte keine Gelegenheit zu sammeln; er spendete selbst und veranlasste andere zu spenden... 
Überall, wohin die traurige Kunde von dem Dahinscheiden des Verstorbenen gelangte, war man bestürzt, niedergeschlagen und in tiefe Trauer versetzt. Und warum sollte man es nicht sein? Sind doch Männer, die an Gelehrsamkeit und strenger Religiosität hervorragen, leider jetzt so selten zu finden...
Zur Beerdigung, welche am Rosch Chodesch Elul (31. August 1886) Nachmittags 3 Uhr stattfand, hatte sich fast alle Mitglieder unserer Nachbargemeinden mit Frauen und Kindern eingefunden; jeder wollte dem dahingeschiedenen, der die Mitte der 70 überschritten, die letzte Ehre noch erzeigen. Die Leiche wurde in die Synagoge vor das Allerheiligste getragen, wo der Verewigte so oft in größter Andacht sein Gebet zum Allmächtigen empor geschickt hatte. Hier sprach Herr Lehrer Driesen aus Tauberbischofsheim schöne und ergreifende Worte über das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen. Auf dem Friedhof in Wenkheim, woselbst sich auch viele Mitglieder der Nachbargemeinden Neubrunn, Oberaltertheim und Unteraltertheim eingefunden, hielt Herr Lehrer Neumann aus Altertheim eine kurze schöne Ansprache, wobei kein Auge tränenleer blieb. Möge der Allgütige der nun alleinstehenden Witwe Trost und Beruhigung senden und weitere Unglücksfälle von unserer kleinen Gemeinde abwenden."   

   
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1887  

Hochhausen TBB Israelit 24111887.jpg (51744 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1887: "Vakanz. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Hochhausen a.T. mit Filial Impfingen, mit einem festen Einkommen von Mark 500 und Nebenverdienst von ca. Mark 350, soll durch einen ledigen jungen Mann baldigst besetzt werden. Geeignete Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Gesuche an den Unterzeichneten richten. 
Mosbach, 22. November 1887. Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner."

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1913)  

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1913: "Die drei Gemeinden Hochhausen an der Tauber und im Synagogenbezirk Mosbach ... und Impfingen sind für aufgelöst erklärt worden."   

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Lehrer Bernhard Heumann aus Impfingen erhält das Eiserne Kreuz (April 1915)  

Impfingen Israelit 15041915.jpg (17992 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1915: "Impfingen, 10. April (1915). Vizefeldwebel der Reserve, Lehrer Bernhard Heumann aus Impfingen Amt Tauberbischofsheim, hat das Eiserne Kreuz erhalten."    

  
Lehrer Bernhard Heumann wird zum Offizier befördert (Dezember 1915) 

Impfingen Israelit 16121915.jpg (15582 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1915: "Impfingen, 13. Dezember (1913). Herr Lehrer Bernhard Heumann von hier wurde zum Offizier befördert."     

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales/der Synagoge         
   
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich ein Betsaal im 2. Stock des Hauses von Löb Ehrlich. 1850 wurde allerdings sehr darüber geklagt, dass dieser Betsaal mehr "einer alten Kammer als einem Gotteshaus gleich sieht". Der Raum sei in einem "sehr bedauerlichen Zustand" und so klein, dass die Frauen außerhalb des eigentlichen (Männer-)Betsaales unter dem Ziegeldach stehen müssten, "was der Gesundheit sehr nachteilig" sei, weil sie hier "der Kälte und der Hitze ausgesetzt" seien. Man sehnte sich in der Gemeinde nach einer Synagoge. Die Voraussetzungen waren allerdings gerade um 1850 sehr schwierig. Die relativ wenigen Gemeindemitglieder hatten großenteils wenig oder gar kein Vermögen. Zudem war es um die anderen Einrichtungen der Gemeinde noch schlechter bestellt. Ein rituelles Bad war seit Jahren nicht mehr vorhanden und das kleine israelitische Schulhaus war 1848 abgebrannt. 
   
Aber die Gemeinde gab trotzdem nicht auf und wandte sich in dieser Notlage an die Behörden. Dazu erschienen am 22. Januar 1850 die Impfinger Synagogenräte Fälklein Gutmann und Bärmann Gutmann auf dem Oberamt und trugen das Anliegen der Gemeinde vor. Die Schwierigkeiten des Gemeindelebens könnten nach ihrer Meinung leicht gelöst werden, wenn ein Haus mit Betsaal, Schule, Lehrerwohnung und rituellem Bad vorhanden wäre. Das Bezirksamt Tauberbischofsheim ließ sich überzeugen und schrieb am 22. Februar 1850 einen Bericht an die Oberbehörden zur Notlage der Impfinger Gemeinde. Beim Oberrat der Israeliten und bei der Regierung des Unterrheinkreises fragte das Bezirksamt nach, ob der Impfinger Gemeinde wenigstens eine Kollekte zum Bau einer Synagoge genehmigt werden könnte. Der Oberrat sprach sich dafür aus und gab den Antrag an das Ministerium des Inneren weiter. Die Kollekte wurde genehmigt und konnte erfolgreich durchgeführt werden, sodass Synagogenvorsteher Marx Haymann in einem Schreiben an das Bezirksamt im März 1851 glücklich vermelden konnte, dass der Bau "durch menschenfreundliche Spendungen ausgeführt werden kann". Die Gemeinde hatte sich inzwischen einen Kostenvoranschlag für das Synagogengebäude in Höhe von 1.424 Gulden erstellen lassen, von denen die Versicherung 295 Gulden für das abgebrannte Schulhaus übernahm. Der Bau war zunächst auf dem Platz der abgebrannten Schule geplant, doch suchte die Gemeinde nach einem günstiger gelegenen Grundstück, da das Schulhaus in einem Bereich des Ortes stand, wo man regelmäßig mit Überschwemmungen der Tauber zu rechnen hatte. Auch war der Platz sehr schmal für die geplante Synagoge. Einen neuen Bauplatz konnte man auf den heutigen Grundstück Am Baumgarten 7 finden. Im Mai 1851 genehmigte Oberbauinspektor Moosbrugger den Bauplan mit einigen Veränderungsvorschlägen, sodass in den folgenden Monaten die Bauarbeiten vergeben und im Laufe des Jahres 1852 durchgeführt werden konnten. Am 17. Januar 1853 wurde das neue Synagogengebäude Impfingens feierlich eingeweiht. Im Gebäude waren auch das Schulzimmer, die Lehrerwohnung und das rituelle Bad untergebracht. Trotz der erfolgreich durchgeführten Kollekte hatte die Gemeinde allerdings noch jahrelang damit zu tun, ihr Darlehen zurückzuzahlen, das zur Begleichung der restlichen Kosten aufgenommen werden musste.
      
Die Synagoge wurde bis zur Auflösung der jüdischen Gemeinde 1913 genutzt, 1919 verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut. 
  
1920 war - offenbar mit Zustimmung des Oberrates in Karlsruhe - geplant, einen Teil der Synagogengegenstände in einer öffentlichen Versteigerung zu verkaufen, doch wurde dies auf Grund des Protestes jüdischer Familien verhindert. Hierzu berichtet die orthodoxe Zeitschrift "Der Israelit" in einem kritischen Artikel:     

Impfingen Israelit 19021920.jpg (184823 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1920: "Zwei Anfragen an den Oberrat der Israeliten. Karlsruhe, 3. Januar (1920). Vor etwa 14 Tagen wurde in Tauberbischofsheim durch den Bezirksältesten Rechtsanwalt Spiegel daselbst öffentlich bekannt gegeben, dass auf dem Rathaus israelitische Kirchengegenstände versteigert werden sollen. Bei näherer Erkundigung jüdischer Bürger, erfuhren diese, dass es sich um Synagogengegenstände, Mäntelchen (sc. für Torarollen), Wimpeln, Leuchter und Schofar handele, die aus der aufgelösten Gemeinde Impfingen herstammten. Darob große Erregung unter der jüdischen Bevölkerung. Und erst als bei dem Bezirksältesten Protest eingelegt wurde, hat sich diese bewogen gefühlt, von einem Verkauf der Mäntelchen, Wimpeln und Schofar, Abstand zu nehmen.   
Warum nimmt der Oberrat auf jüdisches Empfinden nicht soviel Rücksicht, die Gegenstände der Gemeinde in Tauberbischofsheim zuzuweisen, (an die er ja auch die noch in Impfingen verbleibenden Familien überwiesen hat), anstatt Geld aus solchem Verkauf herauszuschlagen?"
Die zweite Anfrage bezieht sich auf praktische Schwierigkeiten der jüdischen Lehrerausbildung in Tauberbischofsheim.  


Das Synagogengebäude wurde nach 1990 abgebrochen; das Grundstück ist neu bebaut (Am Baumgarten 7).  
    
    
    
Fotos 
Historische Pläne: 
Zur Synagoge sind keine historischen Fotos oder Pläne bekannt, jedoch gibt es Pläne zur "Erbauung eines Frauenbades der Israelitischen Gemeinde Impfingen" von 1864:
(Quelle: GLA Karlsruhe 380/4117-4119)

Impfingen Mikwe 04.jpg (57912 Byte) Impfingen Mikwe 03.jpg (84618 Byte)
Ansicht des Grundstückes an der Tauber (links:
 Gras- und Baumgarten des Christian Müller), 
wo das rituelle Bad als Anbau zu einem 
jüdischen Wohnhaus erstellt wurde.
"Durchschnitt" durch den Anbau, in 
dem das rituelle Bad (auf Grundstücksplan 
als "Badloch" bezeichnet) 
erstellt wurde.

    
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
 
 
 
 
Impfingen Synagoge 003.jpg (67718 Byte) Impfingen Synagoge 001.jpg (52208 Byte) Impfingen Synagoge 002.jpg (74003 Byte)
Die ehemalige 
Synagoge Impfingen
Eingang zur 
ehemaligen Synagoge
Das einzige auffallende Merkmale ist das
 kleine Rundfenster im Giebel
     
Foto 2003:
(Foto: Hahn, 
Aufnahmedatum 22.9.2003)
Impfingen Synagoge 150.jpg (46861 Byte)
Das Nachbarhaus zur ehemaligen Synagoge ist geblieben (vgl. oben); 
das Synagogengrundstück ist neu bebaut

     
    

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Tauberbischofsheim 

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 271. 
Eine Abbildung des Grabsteines der am 5. März 1937 verstorbenen Sophie Heumann ist in der Dokumentation von Naftali Bar Giora Bamberger: "Der jüdische Friedhof in Gailingen". 1994 Bd. 2 S. 506 Nr. 819 zu finden.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 354 (Anhang zum Artikel Tauberbischofsheim).  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
      

                   
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Stand: 12. Juli 2013