Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wenkheim (Gemeinde Werbach, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen und Fürsten von Löwenstein-Wertheim gehörenden Wenkheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1576 und 1591 Juden am Ort genannt. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 105 jüdische Einwohner (14,0 % von insgesamt 752), 1875 160 (17,2 % von 930);
höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1880 mit 181 Personen (knapp 20 % der Ortsbevölkerung); 1900 92 (11,7 % von 786). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war (bis 1897) Lehrer Hofmann über 50 Jahre lang als Lehrer, Vorbeter und Schochet in der Gemeinde tätig. Seit 1827 gehörte die jüdische Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Wertheim
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Maier Lehmann (geb. 24.6.1889 in Wenkheim, gef. 11.9.1916). 
 
Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und den Bedarfsartikeln des bäuerlichen Haushalts. 1933 gehörten ihnen noch unter anderem drei Textilwarengeschäfte, ein Kolonial- und Eisenwarengeschäft, eine Mazzenbäckerei, zwei Viehhandlungen.  Im einzelnen handelte es sich um die folgenden Betriebe: Viehhandlung Bernhard Grünebaum (Lindenstraße 24), Viehhandlung und Metzgerei Louis Grünebaum (Pfarrgasse 4), Viehhandlung Samuel Grünebaum, Levis Sohn (Herrenstraße 6), Viehhandlung/Landwirtschaft Samuel Grünebaum III (Herrenstraße 7), Altwarenhandlung Samuel Grünebaum IV (Frankenstraße 14), Viehhandlung und Metzgerei Simon Grünebaum (Obertorstraße 21), Textilgeschäft Abraham Hubert (Frankenstraße 10), Handelsmann Lippmann Karpf (Obertorstraße 11), Mazzenbäckerei Sigmund Lehmann (Lindenstraße 33), Textilgeschäft Hermann Schartenberg (Breite Straße 5 und Lindenstraße 31, beides abgebrochen), Kaufmann Jakob Schuster (Hindenburgstraße 1).     
  
Um 1925, als noch 80 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (8 % von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), gehörten dem Synagogenvorstand an: die Herren Abraham Hubert, Hermann Schartenberg, Jakob Schuster und Louis Grünebaum. Als Lehrer, Kantor und Schochet war bis zu seiner Auswanderung 1933 Heinrich Kohn, danach bis 1936 Heinrich Grünebaum tätig. Im Schuljahr 1924/25 gab es noch 14 schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde. Kohn unterrichtete auch die Kinder in einigen umliegenden Gemeinden, z.B. in Unteraltertheim. An jüdischen Vereinen gab es einen Frauen-Toraverein, einen Männer-Toraverein sowie als Stiftung die Vereinigte Armenfondsstiftung (Ziel Unterstützung von Ortsarmen). 1932 war Vorsteher der jüdischen Gemeinde Abraham Hubert. Als Schriftführer war Hermann Schartenberg tätig. 
  
1933 lebten noch 46 jüdische Personen in Wenkheim. Bis 1937/38 konnte die jüdischen Geschäfte noch großenteils weitergeführt werden, dann mussten sie aufgegeben werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.). Bis 1940 konnte über die Hälfte der jüdischen Einwohner emigrieren (22 in die USA, 8 nach Palästina). Die letzten 11 jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Sie hatten zuvor im Haus der Familie Wolf Bravmann zusammenziehen müssen.     

Von den in Wenkheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilde Abeles geb. Heymann (1895), Regine Bergenthal geb. Lehmann (1869), Käthe Bravmann geb. Lissberger (1892), Wolf Bravmann (1890), Zerline Brückheimer (1889), Helene Grünebaum geb. Samuel (1881), Ida Grünebaum (1895), Jakob Grünebaum (1870), Käthe Grünebaum, Renate Grünebaum (1912), Samuel Grünebaum I (1872), Samuel Grünebaum II (1882), Sigmund Grünebaum (1872), Simon Grünebaum (1881), Jeanette Halle geb. Lehmann (1861), Bela (Bertha) Heinemann geb. Grünebaum (1866), Margot Hes (1924), Karoline (Lina) Heymann (1885), Martha Hirschhorn geb. Kapf (1905), Lippmann Karpf (1873), Rosa Karpf geb. Richter (1877), Jenni Kissinger geb. Schuster (1908), Eva Krebs geb. Grünebaum (1868), Therese Lehmann (1874), Therese Löser geb. Lehmann (1878), Babette Mai (1868), Ida Oppenheimer geb. Karpf (1900), Regine Rosenthal geb. Lehmann (1876), Rosa Rosenthal geb. Grünebaum (1891), Flora Slivja geb. Karpf (1902), Fanny Sommer geb. Karpf (1875), Frieda Seemann geb. Friedmann (1877), Itta Steinhard geb. Lehmann (1882), Luise Sündermann geb. Lehmann (1876), Regine Wolfsheimer geb. Lehmann (1874).   
     

   
  

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1900 / 1909 / 1911 / 1922 / 1924 / 1929   

Wenkheim Israelit 03051900.jpg (65463 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Vakanz. Die mit einem festen Gehalt von 700 Mark, freier Wohnung und etwa 400 Mark Nebenverdienst verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Wenkheim, ist baldigst zu besetzen. Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Gesuche innerhalb 14 Tagen bei uns einreichen.
Mosbach, 29. April 1900. Die Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein."     
   
Wenkheim Israelit 14011909.jpg (58355 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1909: "Wir suchen zum sofortigen Eintritt einen Kantor, Religionslehrer und Schochet und wollen Reflektanten ihre Bewerbungen unter Vorlage von Zeugnissen an den unterzeichneten Vorstand baldmöglichst einreichen. Gehalt beträgt 900 Mark, ferner 600 Mark. Nebenverdienst sowie freie Wohnung mit großem Garten. 
Vorstand der Israelitischen Gemeinde Wenkheim (Baden) Samson Lehmann."
  
Wenkheim Israelit 07091911.jpg (46954 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1911: "Die israelitische Gemeinde Wenkheim in Baden sucht per sofort einen Lehrer, Vorbeter und Schochet mit Mark 900.- Fixum, Mark 600.- garantiertes Nebeneinkommen, mit Filiale Hochhausen Mark 220.- nebst freier Wohnung und großen Garten. 
Der Synagogenrat."
  
Wenkheim FrfIsrFambl 15091911.jpg (27001 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Frankfurt am Main. Vakanzen. - … Wenkheim, Lehrer, Kantor und Schächter per sofort, Einkommen über 1700 Mark und freie Wohnung."
   
Wenkheim Israelit 02021922.jpg (72378 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Vakanz. Der Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterdienst bei der Gemeinde Wenkheim mit Filiale Grünsfeld ist sofort zu besetzen. Freie Dienstwohnung mit großem Garten, Wasserleitung und elektrische Beleuchtung stehen zur Verfügung. Das Einkommen regelt sich nach der vom Oberrat der Israeliten aufgestellten Gehaltsskala. Verheiratete, streng religiöse, seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften versehenen Gesuche baldigst dem Synagogenrat in Wenkheim (Baden) zugehen lassen. 
Mosbach, den 30. Januar 1922. Die Bezirkssynagoge. Dr. Löwenstein."  
  
Wenkheim Israelit 07081924.jpg (56218 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1924: "Die israelitische Gemeinde Wenkheim (Baden) sucht einen religiösen Religionslehrer, Schauchet und Vorbeter bei freier Dienstwohnung, Garten und Nebenverdienste. Das Gehalt regelt sich nach der Besoldungsvorschrift des Oberrats der Israeliten in Karlsruhe in Baden. Zwei bayrische Gemeinden, ½ Stunde von hier entfernt, könnten eventuell mitbedient werden und ca. 1.500 Mark einbringen. Meldungen sind sofort an den Synagogenrat in Wenkheim, Baden, zu richten. 
Die Bezirkssynagoge. I.V.: Cahn." 
    
Wenkheim Israelit 11041929.jpg (65200 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1929: "In der Gemeinde Wenkheim (Baden) ist die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets bis 1. Juni zu besetzen. Die Gehaltsfrage wird in Angleichung an die Besoldungsordnung des Oberrates der Israeliten Badens geregelt. Es kommen eventuell auch größere Nebeneinnahmen in Betracht. Seminaristisch gebildete, streng religiöse Bewerber wollen alsbald ihre Zuschriften mit lückenlosen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisabschrift, Referenzangabe) durch Vermittlung des Synagogenrates Wenkheim an das unterzeichnete Bezirksrabbinat senden.  
Bezirksrabbinat Mosbach (Baden)."  

 
Lehrer Hofmann geht in den Ruhestand (1897)

Wenkheim AZJ 18061897.jpg (96430 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juni 1897: "Aus Baden, im Juni (1897). Am 1. dieses Monats wurde in Wenkheim, Amt Wertheim, Herr Religionslehrer Hofmann nach mehr denn fünfzigjähriger Tätigkeit am dortigen Orte durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein – Mosbach in den wohl verdienten Ruhestand versetzt. Zur Feier waren außer der jüdischen Kultusgemeinde noch der Bürgermeister, der Ortsgeistliche, die Volksschullehrer und die jüdischen Nachbarkollegen erschienen. Es ist dies der erste Fall, dass ein Religionslehrer vom Großherzoglichen Oberrat der Israeliten durch eine jährliche Pension bedacht wird. Dieser Fortschritt in der materiellen Besserstellung des Religionslehrers, der von der eifrigen Fürsorge der obersten Religionsbehörde für die ihr unterstehenden Lehrer beredtes Zeugnis abgibt, wird darum in der badischen Lehrerwelt mit Freuden begrüßt. Wenn auch das Ruhegehalt vor der Hand noch sehr dürftig ist, sodass der an Entbehren gewöhnte Lehrer in seinen alten Tagen nicht mehr übermütig werden kann. So sind die Religionslehrer doch von ganzem herzen ihrer Oberbehörde dankbar für diesen Akt des Wohlwollens und geben sich der angenehmen Hoffnung hin, dass der Großherzogliche Oberrat der Israeliten mit Einverständnis der Synode die Pensionsverhältnisse noch weiter regele, damit auch der jüdische Kultusbeamte mit einem weniger sorgenvollen Blicke der Zukunft entgegensehen darf."

 
50jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Hofmann (1897)

Wenkheim AZJ 21061897.jpg (66573 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Juni 1897: "Wenkheim. Jüngst feierte Herr Lehrer Hofmann sein 50jähriges Amtsjubiläum. Herr Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner in Mosbach, wie auch mehrere Kollegen aus der Nähe erschienen zu der Feier. Herr Dr. Löwenstein schilderte in schwungvoller Rede die guten Eigenschaften und Leistungen des Jubilars. Möge es Herrn Hofmann gegönnt sein, mit Lebensfrische noch lange den Ruhegehalt, der ihm von höchster Stelle wohlverdienter Weise gewährt wurde, zu genießen. Herr Hofmann ist noch einer der wenigen, die mit Scharfsinn das Lehren verstehen. Von höchster Stelle wurde ihm eine goldene Denkmünze mit dem Bildnisse des Großherzogs überreicht. Herr Dr. Löwenstein erneuerte die Chofer (Auszeichnung als Chower, Gelehrter), die ihm sein seliger Vater verliehen hatte. S. Fuchs."

 
Zum Tod von Lehrer Hofmann (1902)

Wenkheim Israelit 27021902.jpg (64219 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1902: "Wenkheim (Baden), 23. Februar (1902). Vergangenen Freitag, 21. dieses Monats, trug man die irdischen Reste des Lehrers Hofmann von hier zu Grabe. Er erreichte ein Alter von 78 Jahren. Über 50 Jahre wirkte er an hiesigem Orte und die jetzigen Gemeindemitglieder sind sämtlich Schüler von ihm gewesen. Er verstand es, religiösen Sinn seinen Schülern einzupflanzen, der heute noch vorhanden ist. Anlässlich seines 50jährigen Dienstjubiläums fand eine größere Feier statt und erhielt er damals von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog den Verdienstorden."

  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Ernestine Lehmann (1887)

Wenkheim Israelit 26091887a.jpg (249203 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1887: "Wenkheim, im September (1887). ‚In den Verdiensten der frommen Frauen vollenden sich unsere Stammmütter ist eine alte rabbinische Behauptung. Und wie wahr, wie vielfach geschichtlich bestätigt ist dieser Satz! Welchen wichtigen Anteil hatten unsere Stammmütter an der Größe und Bedeutung unserer Nation! Welches Verdienst die frommen, für den nationalen Gedanken begeisterten Frauen in Ägypten, ihre gedrückten, geplagten Männer in der Ausdauer, in dem Mut und dem Vertrauen auf Gottes Hilfe zu bestärken! Auf dem Zuge durch die Wüste, im heiligen Lande, durch die ganze Geschichte des jüdischen Volkes, welches hohe Verdienst hatten die Frauen, um die Erhaltung des göttlichen Glaubens und um die treue Beobachtung des heiligen Gesetzes durch Worte der Ermunterung und der Begeisterung, durch Abmahnung vom Bösen und Sündhaften! In der Tat, welchen mächtigen Einfluss übt eine Fromme, in Liebe und Glaubensstärke sich Gott hingebende Frau auf Gatte, Kinder und ihren engeren Kreis! Wie damals durch ‚Frauen-Verdienst’ es möglich geworden, dass unsere Vorfahren vom Sklavenjoch befreit und zu dem höchsten Ideale, zum reinsten Glauben, zur höchsten Stufe menschlicher Wahrnehmung hingeführt wurden, so ist es noch heute das Verdienst eines frommen, biederen Weibes, auf ihren Kreis in heilsamster, gottgefälliger Weise zu wirken, im eigenen hause Frömmigkeit, Sitte, Nächstenliebe und Wohl tun als die Stützen d3es Lebens aufzurichten und diesen Sinn auch auf andere Kreise durch Wort und Beispiel zu übertragen. Wenn doch diese Aufgabe der Frau, ihre Stellung und Bedeutung nach dieser Richtung überall begriffen würde, wie ganz anderes stände es um das religiöse Leben unseres Volks. Und wenn nun Einzelne diese Aufgabe in ihrem vollen Maße begreifen und erfüllen und wenn sich die Erfolge vor aller Augen zeigen, verdienen es nicht solche Beispiele auch ferneren Kreisen vorgehalten zu werden? Darum gestatten Sie mir in Ihrem viel gelesenen Blatte einer solchen Edlen zu gedenken, die zum Schmerze ihrer Angehörige, zum innigen Bedauern aller ihrer Freunde und Bekannten so frühzeitig aus dem irdischen Dasein schied. Es ist Frau Ernestine Lehmann dahier, welche am 12. dieses Monats in ihrem 49. Lebensjahr nach kurzem Leiden in das bessere Jenseits einging, um dort zu ernten, was sie hier reichlich gesät. Ernestine Lehmann hat ihre Aufgabe begriffen und sie sowohl in ihrer Familie selbst als nach außen im schönsten Maße zur Ausführung gebracht. Ihren religiösen gottvertrauenden Sinn wusste sie mit dem nötigen Ernst und entschiedenen Willen auf ihre Kinder zu übertragen, sie, obwohl mit Glücksgütern gesegnet, zur Häuslichkeit und Tätigkeit, zur Einfachheit und Sparsamkeit anzuhalten, für Bildung und Kenntnisse, für Wohl tun und Teilnahme zu ermuntern und zu begeistern, sodass ihr Haus, das von jener und besonders durch ihre edle, an Wohltätigkeit und Tugenden ausgezeichnete Schwiegermutter, als ein frommes, gastfreundliches und wohltätiges galt, dies in hohem Grade geblieben. Ihren durch Liebe zu Tora und Gebote sowie durch Wohltätigkeit sich auszeichnenden Gatten stand sie in diesem seinen religiösen Streben, sowie in seinem bürgerlichen berufe treu und eifrig zur Seite und war ihm eine weise Beraterin, eine zuverlässige Stütze. Sie war die Krone der Familie, eine Zierde der Gemeinde, in der sie als langjährige Vorsteherin des Frauenvereins segensreich wirkte. Schwer ist daher ihr Verlust, schmerzerfüllt beweinen sie der sich nun wie vereinsamt denkende Gatte, die verwaisten Kinder, der greise Vater, die zahlreichen Verwandten und Bekannten. Sie alle wurden von dem so unerwartet hereinbrechenden Ereignis tief erschüttert, überallhin verbreitete die Nachricht von dem raschen Ableben der edlen Frau Trauer und erregte die wärmste Teilnahme. Die zahlreiche Beteiligung an dem Leichenbegängnis legte Zeugnis hiervon ab; aus der Ferne eilten die Verwandten herbei, unter ihnen der Schwiegersohn, Herr Distriktsrabbiner Dr. Hermann Deutsch von Burgpreppach, bei dessen Hochzeit vor wenigen Monaten sich die selig Entschlafene noch so himmlisch freue und sich glücklich schätzte, einen Toragelehrten als Schwiegersohn zu besitzen. In  fast einstündiger Rede, von tiefer Rührung erregt, widmete derselbe der teuren Dahingeschiedenen Worte der Anerkennung und des Dankes, der Trauer und des Schmerzes, aber auch des Trostes und der gläubigen Ergebung. Er schilderte mit Zugrundelegung des Verses (Hiob 30,31)
Wenkheim Israelit 26091887b.jpg (69529 Byte)Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied’ den raschen Umschwung der Freude in Trauer, des Glückes in Schmerz und Kummer, entrollte hierauf ein treues Lebensbild der Dahingeschiedenen, kennzeichnete ihren Verlust für Familie und Gemeinde, forderte die Kinder zur treuen Nachahmung der Mutter, den trostlosen Gatten zum Vertrauen auf Gott und zu seinem unerforschlichen Ratschlusse auf; die Teure habe in ihren wenigen Jahren ihre Aufgabe voll gelöst und war als frühreife Frucht, als Erstlingsfrucht der Erde zum herrlichen Opfer, für den Allvater ausersehen. Wie unser Stammvater Abraham in der Bindung (Isaaks), so zeige auch er sich als ein standhafter Glaubensheld. In ihrem Werke lebe sie fort und bleibt im ewigen Andenken. – Die mit vieler Rührung und in schönster Form gegebenen Worte fanden in dem Herzen der Zuhörer ein treues Echo, ließen Tränen der Trauer fließen, richteten andererseits das Gemüt auf und flößten Trost und Vertrauen ein. Der hereinbrechende Abend nötige den verehrten Redner zum Schlusse und so wurde die teure Entschlafene in die Erde gebettet, um dort zu ruhen bis zum Ende der Tage, ihr Geist aber ist eingegangen in die lichten Höhen der Seligkeit. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod von Michael Lehmann (1894)

Wenkheim Israelit 28061894a.jpg (90882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1894: "Wenkheim in Baden. Der schöne Spruch ‚ganz Israel sind Brüder’ bewährt sich nicht nur im Leben, sondern auch nach dem Tode, und je mehr sich der Einzelne dem Ganzen angeschlossen, je mehr er im leben dem Namen Israel Ehre gemacht, desto mehr wird das Scheiden desselben von der Gesamtheit empfunden. Heißt es doch auch bei dem Tode der Söhne Arons: ‚das ganze Haus Israel soll beweinen diesen Brand’. Dadurch gelangt auch die Zusammengehörigkeit zum Bewusstsein, die Wahrheit und Tugend zur Anerkennung. Von dieser Seite aus betrachtet, dürfte es auch wohl berechtigt sein, von dem Hinscheiden eines Frommen öffentlich Kenntnis zu geben respektive ihm ein ehrendes Denkmal damit zu setzen. Gewiss wird hierzu der ‚Israelit’ gern den Raum gewähren, umso mehr, als derjenige, dem diese Gedächtnisworte gelten, ein treuer Verehrer desselben war. Gestatten Sie daher, geehrter Herr Redakteur, in Ihrem geschätzten Blatte eines Mannes zu gedenken, der
Wenkheim Israelit 28061894b.jpg (299859 Byte)als Jehudi und Mensch unsere volle Anerkennung verdient, der beides im besten Sinne des Wortes, ein frommer und geradsinniger (Mann) war, einer, der rechtschaffen gewandelt und das Gerechte getan hat. Herr Michael Lehmann von hier beschloss am 17. dieses Monats nach längerem Leiden im 61. Lebensjahre seine irdische Laufbahn zum unsäglichen Schmerze der Seinigen, zum Leidwesen seiner Gemeinde und zahlreichen Bekannten und Freunde. Und wohl mit Rechte, denn sie herrlichsten Eigenschaften zeichneten ihn aus, Liebe und Gerechtigkeit, Geradheit und Schlichtheit waren die Grundzüge seines Charakters. Von Jugend auf zeigte er schon viel Sinn für alles Höhere, Wahre und Gute und so war es ihm möglich, trotz  frühzeitigster Inanspruchnahme vom Geschäfte ein höheres Maß von Bildung in sich zu vereinigen. Erfüllt von Liebe zur Tora und Wahrheit gab es sich um deren Verständnis Mühe und übte die Gebote mit Freude, Innigkeit und Hingebung; dabei wahrte er das ‚demütig wandeln mit Gott’ im vollsten Sinne, denn nichts lag ihm ferner als Ehrsucht und Scheinheiligkeit. Ebenso war es als (hebräisch und deutsch:) Wohltäter;  er schloss sich nicht nur allen öffentlichen Sammlungen in hervorragender Weise an, sondern übte Wohltaten im Stillen und stand Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat bei. Kein Wunder, dass sich einem solchen Manne auch das öffentliche Vertrauen und Ansehen zuwandte; er war Jahrzehntelang Vorstand der hiesigen Gemeinde, an deren Interessen er den regesten Anteil nahm und deren religiösen friedlichen Sinn er zu fördern suchte; auch bei seinen übrigen Mitbürgern stand er in Ansehen und fand seine Biederkeit vollste Anerkennung. Diese seine Gesinnung und Charakterfestigkeit kam auch bei der Erziehung seiner Kinder zur Geltung, die dem edlen Beispiele folgten, und zeigte sich bei der Wahl seiner Schwiegersöhne; er rechnete sich’s als besonderes Verdienst, Herrn Rabbiner Dr. Deutsch in Burgpreppach Schwiegersohn nennen zu können. Derselbe eilte denn auch auf die Trauernachricht an die Bahre seines geliebten Schwiegervaters und gab unter der zahlreichen Beteiligung der Gemeindemitglieder und Bürger dort den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, ob des schweren Verlustes, der Anerkennung und Verehrung für den teuren Hingeschiedenen den beredtesten Ausdruck. Nicht besser, hob der gewandte Redner hervor, könne er ein Lebensbild von dem Verblichenen geben als in den Worten des Psalmisten Kapitel 112, in welchen der wahrhaft Fromme geschildert wird; denn auch von Michael Lehmann konnte man sagen: ‚wohl dem gottesfürchtigen Mann, der an den Geboten Gottes Freude hat’, sowie alle übrig dort erwähnten Eigenschaften auf ihn anwendbar seien. Sehr treffend war auch die angewandte Midrasch Stelle: Als der fromme König Josia die Gebeine der Baals-Priester zu verbrennen sucht, kam er auch an eine Grabmal, an dessen einer Seite Dornen und Disteln, und dessen anderer Seite Myrthen und Gewürzkräuter wuchsen. Verwundert fragte der König, was ist doch dies für ein Grabmal, das von so gegensätzlichen Gewächsen umgeben ist? Da ward ihm die Antwort: ‚Hier liegt ein Mann Gottes.’ Die Erklärung zu den gegensätzlichen Gewächsen mag die sein, dass der Fromme für sich im Leben nur Dornen und Disteln hat, indem er sich keine Freuden, keine Genüsse gönnt, nur Mühe und Entbehrung sich auferlegt, andere hingegen freudig Genüsse bietet, ein duftendes Feld, ein Feld, das Gott gesegnet hat, ist. Hierin glich der Hingeschiedene ebenfalls dem wahrhaft Frommen, denn für sich war er der anspruchsloseste, einfachste Mensch seiner Familie, seinen Nebenmenschen suchte er Gutes und Angenehmes in jeder Weise zu erweisen. Darum seien auch des Psalmisten Worte hier angebracht: das Andenken eines solchen Frommen wird ein dauerndes sein, er hat für die Ewigkeit gelebt und gewirkt und wird stets im gesegneten Andenken bleiben. Auch wir schließen uns dem Redner hierin an, das Andenken Michael Lehmanns wird hier stets ein gesegnetes sein. Das Andenken an den Frommen ist zum Segen."

 
Zum Tod von Sara Grünebaum (1915) 

Wenkheim Israelit 02121915.jpg (40030 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1915: "Wenkheim, 23. November (1915). Am 18. November starb Frau Sara Grünebaum. Sie zeichnete sich durch Frömmigkeit und Edelsinn aus uns war stolz auf ihre Kinder, die in gleichen Wegen wandeln und von denen der älteste Sohn seit Kriegsausbruch im Felde steht. Am Grabe schilderte der Lehrer der Gemeinde in bewegten Worten den Verlust, den Gatte, Kinder und Gemeinde erlitten haben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
Leo Grünebaum erhält das Eiserne Kreuz (1916)  

Wenkheim FrfIsrFambl 28041916.jpg (12884 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1916: "Wenkheim (Baden). Leo Grünebaum, Sohn von Samuel Samson Grünebaum, erhielt das Eiserne Kreuz."   

  
Zum Tod von Mirjam Grünebaum (1931)  

Wenkheim Israelit 15011931.jpg (53607 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Wenkheim, 3. Januar. Wieder hat der Tod eine Lücke in unsere kleine Gemeinde gerissen. Am 11. Dezember starb Frau Mirjam Grünebaum im Alter von 93 1/2 Jahren. sie war die älteste Frau in Wenkheim. Frau Grünebaum erfreute sich bis zu ihrem Hinscheiden ihrer vollständigen Geistesfrische. Es war ihr gegönnte, Enkel, Urenkel und Ururenkel zu sehen. Sie war stets eine treu besorgte Mutter, Führerin und Beraterin ihrer Lieben. Ihr regstes Interesse, bis zu den letzten Tagen ihres Lebens, halt den religiösen Obliegenheiten unserer Gemeinde. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

     
25jähriges Amtsjubiläum von Synagogenrat Abraham Hubert (1936)

Wenkheim Israelit 26051936.jpg (56703 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1936: "Wenkheim, 21. Mai (1936). Am 2. Juni feiert Herr Synagogenratsvorsteher Abraham Hubert sein 25jähriges Jubiläum als Synagogenrat. Herr Hubert hat sich in seiner bisherigen Amtsperiode um die Geschicke der Israelitischen Gemeinde Wenkheim sehr verdient gemacht. Die Instandsetzung des alten ehrwürdigen Friedhofs, sowie die Renovierung der Synagoge vor einigen Jahren, legen beredtes Zeugnis von seiner emsigen Tätigkeit in der Gemeinde ab. Möge es Herrn Hubert vergönnt sein, noch recht lange Jahre für das Wohl der Gemeinde zu wirken. (Alles Gute) bis 120 Jahre." 


Weitere Personen: 

Über den aus Wenkheim stammenden Lehrer Lazarus Lehmann (geb. 1841 in Wenkheim, gest. 1930 in Lichtenau) siehe Berichte bei Lichtenau. 
   
 

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Verlobungsanzeige von Jenni Schuster und Julius Kissinger (1930) 

Wenkheim Israelit 02011930.jpg (24593 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1930: "Statt Karten – mit der Hilfe Gottes – Jenni Schuster – Julius Kissinger – Verlobte. Wenkheim Baden – München Tattenbachstraße 8. Chanukka 5691."  

       
Anzeige des Bezirksrabbinats Mosbach (1931)  

Wenkheim Israelit 15011931b.jpg (27229 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Unter Aufsicht des Bezirksrabbinats Mosbach stehen folgende Mazzenfabriken: J. Israel, Wertheim. S. Lehmann, Wenkheim."  

    
   
     

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Schon seit dem 17. Jahrhundert war in Wenkheim sehr wahrscheinlich ein Betsaal vorhanden. Allerdings wird erst in einer Wenkheimer Güterbeschreibung aus dem Jahr 1764 von einer "Judenschule" geredet. Es ist nicht bekannt, wo sich diese damals befand. Als in den 1830er Jahren die Zahl der Gemeindeglieder stark zunahm und die alte Synagoge zunehmend baufällig geworden war, beschloss die jüdische Gemeinde den Neubau einer Synagoge. Am 3. April 1839 wurde dieser Wunsch auf dem Wenkheimer Rathaus zu Protokoll gegeben, wozu alle israelitischen Bürger erschienen waren. Ein Bauausschuss wurde gebildet, der die weitere Planung und Bauausführung zu verantworten hatte. Im Herbst 1839 konnte die Planung abgeschlossen werden. Maurermeister Wenzel aus Neubrunn wurde beauftragt, den Bau für 2900 Gulden auszuführen. Man fragte bei der großherzoglichen Bauinspektion nach, ob der von Wenzel aufgestellte Ausführungsplan akzeptiert werden könne. Die Genehmigung ging Mitte Januar 1840 ein. Die Aufsicht über die Bauarbeiten behielt sich wie üblich die Bezirks-Bau-Inspektion vor. Im Synagogengebäude wurde im Vordergebäude zur Straße hin die Wohnung des Vorsängers und Lehrers eingerichtet; im östlichen Teil war der Betsaal mit der Frauenempore; im Untergeschoss wurde ein rituelles Bad eingebaut. 
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte waren einige Reparaturen nötig. So sind 1858 zwei Fenster eingebaut worden, damit die Frauenempore mehr Licht erhielt. Einige Baumaßnahmen standen auch 1878 sowie am Anfang des 20. Jahrhunderts an.
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von einheimischen und auswärtigen SA-Leuten aus Tauberbischofsheim und Großrinderfeld verwüstet und geplündert. Der führende SA-Mann aus Tauberbischofsheim versuchte, die Synagoge in die Luft zu sprengen, was ihm nicht gelang. Die goldenen Leuchter der Synagoge wurden abmontiert und mit dem Auto abtransportiert. Da Gebetbücher und Torarollen geschändet waren, wurden diese wenig später von der jüdischen Gemeinde mit Erlaubnis des Bürgermeisters und nach jüdischem Brauch im Friedhof begraben. Kurz darauf sind die Bücher von zwei SA-Leuten wieder ausgegraben worden; diese haben die Bücher danach verbrannt, nach einer anderen Version beiseite geschafft. Das Synagogengebäude wurde am 10. November 1938 durch den Wenkheimer Ortsgruppenleiter "in Beschlag genommen und verschlossen". Er erteilte der Hitlerjugend die Weisung, in den Wohnräumen des Gebäudes ihre Heimabende abzuhalten. Der "Oberrat der Israeliten" protestierte beim badischen Finanz- und Wirtschaftsminister gegen diese Beschlagnahmung. Doch erst am 13. April 1939 forderte das Landratsamt die politische Gemeinde zu einer Stellungnahme auf. Bürgermeister Thoma bekundete in seiner Antwort das Interesse der politischen Gemeinde an dem Gebäude, doch sei diese nicht bereit, mehr als 1.000 Reichsmark für das Gebäude zu bezahlen. Die Gemeinde wollte das Gebäude dann als SA- und HJ-Heim zur Verfügung stellen und den ehemaligen Betsaal als Versammlungs- und Aufführungsraum für Filme usw. verwenden. Tatsächlich wurde in den Kriegsjahren das Gebäude dann als Kriegsgefangenenlager für belgische Gefangene genützt. Nach dem Krieg wurden schließlich Wohnräume in die Synagoge eingebaut und der Betsaal als Lager verwendet.   
  
Trotz der verschiedenen Umbauten wurde an der ehemaligen Synagoge äußerlich nur wenig verändert. Schon über dem Eingang erinnerte weiterhin die hebräische Inschrift aus Psalm 118,20 an die Vergangenheit des Gebäudes. Im Dezember 1984 wurde in Wenkheim der "Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum" gegründet. Als eine der vordringlichsten Aufgaben wurde in der Satzung formuliert, die Wenkheimer Synagoge als wertvolles kulturgeschichtliches Denkmal zu erhalten. Nach langjährigen Bemühungen der Gemeinde Werbach und des Vereins um die Finanzierung und Nutzung des Projektes "Synagoge Wenkheim" konnte Anfang 1991 unter Betreuung durch Norbert Bongartz vom Landesdenkmalamt mit der Restaurierung der ehemaligen Synagoge begonnen werden. In welch schlechtem Zustand das Haus inzwischen war, zeigt ein Pressebericht vom 9. November 1990: "Das Frauenbad im Keller ist heute eine stinkende Kloake, der Boden des Betsaal reißt klaffend auf, unterm Dach wachsen die Hügel muffigen Fledermauskots".   
 
Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten Anfang 1992 konnte der ehemalige Betsaal und der Vorsängerwohnung als Kultur- und Dokumentationszentrum eröffnet werden. Auf der ehemaligen Frauenempore befindet sich seitdem eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte der Region. Die unteren Räume der Vorsängerwohnung werden von Gruppen der katholischen Kirchengemeinde genützt.
  

Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Quellen: SW-Fotos vor Restaurierung Fotograf: R. Rasemann; Farbfotos nach Restaurierung vom Verein zur Erforschung... Wenkheim; Foto der Mikwe: Hahn) 

Fotos um 1985 - 
vor der Restaurierung:
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  Ehemalige Synagoge Wenkheim Synagogengebäude von Osten
     
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Portalinschrift aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum Ewigen, Gerechten ziehen durch es hinein"  Innenraum der ehemaligen Synagoge mit Blick nach Osten (Bereich Toraschrein) Blick von der Frauenempore zum Eingang der Synagoge 
      
     
Nach der Restaurierung 
Mitte der 1990-Jahre 
Wenkheim Synagoge 004.jpg (52578 Byte) Wenkheim Synagoge 001.jpg (52231 Byte)
  Eingang nach Restaurierung Innenaufnahme
     
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Blick zum Eingang in den Betsaal Blick nach Osten (Bereich ehemaliger Toraschrein) Ausstellung auf der Frauenempore
     
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Die Mikwe im Untergeschoss der Synagoge (2002) Konzert der Gruppe "Artikuss" in der ehemaligen Synagoge 17.5.2002, weitere Fotos s.u.*  Eine Gruppe von Kindern besucht im August 2002 während eines Zeltlagers die ehem. Synagoge; Quelle: hier anklicken
     
        
Fotos 2002 
(Foto: A. Winkler):
Wenkheim Synagoge außen.jpg (22685 Byte) Wenkheim Synagoge innen.jpg (31218 Byte)
Synagoge Wenkheim von Süden Synagoge - Innenansicht
     
     
Fotos 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003)
  
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Die Ostfassade der ehemaligen Synagoge Eingangstür (Neue) Mesusa an der Eingangstüre
     
Weitere Fotos der Mikwe (2004) 
Fotos: Michael Helget, Bad Mergentheim)
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Die Mikwe mit Tauchbecken Blick zum Nebenraum Das Tauchbecken
           
     
Die Einweihung der restaurierten Mikwe 
am 24. Juli 2005
(Fotos: Hahn)
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Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Instrumentalensemble der Musikschule Tauberbischofsheim Johannes G. Ghiraldin, 1. Vorsitzender des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte bei seiner Ansprache Neue Hinweistafel am Eingang
     
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Blick in den Betsaal von der Empore Blick in den Betsaal 
mit Kassettendecke
Unter den Gästen: Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Würzburg
     
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Tauchbecken Blick zum alten Eingang in die Mikwe An der Wand: Spuren der Befeuerung zur Erwärmung des Wassers
     
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Hinweistafeln in den Räumen der Mikwe

*Fotos von einem Konzert am 7.11.1999 in der ehem. Synagoge Wenkheim
*Fotos von einem Konzert in der Synagoge am 23.7.2000 in der ehem. Synagoge Wenkheim 
*Fotos von einem Konzert am 17.5.2002 in der ehem. Synagoge Wenkheim

   
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2009: Neues Heimatbuch zu Wenkheim in der ehemaligen Synagoge vorgestellt  
Artikel vom 28. November 2009 in den "Fränkischen Nachrichten" (Artikel): 
"Präsentation: Heimatbuch "Wenkheim - ein fränkisches Dort im Laufe seiner Geschichte" offiziell vorgestellt.
Lebensäußerungen eines kleinen Ortes. 
Wenkheim.
Als am Donnerstagabend der Arbeitskreis "Dorfgeschichte Wenkheim" in die ehemalige Synagoge in Wenkheim lud, war jeder Stuhl besetzt. Viele waren gekommen, um sich ein erstes Bild von der neuen Dorfchronik zu machen. An diesem Abend wurde das knapp 600 Seiten umfassende Buch "Wenkheim - ein fränkisches Dorf im Laufe seiner Geschichte" zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. "Wenkheim hat eine reiche und bewegte Geschichte, die einfach aufgeschrieben werden musste", begründete Wendelin Bopp vom Arbeitskreis "Dorfgeschichte" die Entstehung des Buches. Doch von der Idee bis zum Buch war es ein langer und geschichtsträchtiger Weg. Als Motor für die Herausgabe des Heimatbuches gilt Walter Schmidt vom Arbeitskreis. Und der skizzierte in groben Zügen die Entstehungsgeschichte des Heimatbuches. Seinen Ursprung hat das Buch in einer kleinen Broschüre mit dem Titel "Die Geschichte des Marktfleckens Wenkheim", aufgeschrieben vom Pfarrer Heinrich Neu im Jahr 1893, anlässlich der 100-Jahrfeier der Wenkheimer Kirche. Im Jahr 1982 erschien eine zweite Auflage des Neu-Büchleins. Zu der Zeit reifte zum ersten Mal der Gedanke an eine Heimatchronik.
Eine Zeitreise durch die Geschichte konnten die Wenkheimer dennoch machen. Anlässlich der 850-Jahrfeier des Ortes wurde im Jahr 2000 von den Mitgliedern des Arbeitskreises eine Ausstellung zum Thema Heimatgeschichte organisiert. "Bei dieser Aufbereitung des Materials wurde uns schnell klar, unsere Möglichkeiten für das Verfassen einer Dorfgeschichte reichen nicht aus", so Schmidt.
Was lag näher, als an Dr. Elmar Weiß aus Osterburken heranzutreten? Weiß ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum und Historiker. Mit seiner Hilfe gelang nicht nur die damalige Ausstellung. Er wurde als renommierter Autor für die jetzt vorliegende Heimatgeschichte gewonnen. "Die Faszination für die Geschichte resultiert aus der Vielfalt der Ereignisse. Dabei hat auch Wenkheim mit seiner Geschichte einen Platz. Und es wäre falsch, dies als klein und unerheblich zu bezeichnen", so Dr. Elmar Weiß. Der Historiker nahm alle Gäste mit auf eine kurze Reise durch die Geschichte des Ortes: von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, von den Gussformen aus den Hügelgräbern über die Hexenprozesse bis zu neuen Erkenntnissen über die Geschichte der Juden in Wenkheim. Lust zum Lesen sollte sein Vortrag machen, das wünschte sich Weiß: "Vielleicht regt es ja den einen oder anderen an weiterzuforschen, um bisher ungeklärte Fragen zu lösen."
Sowohl Bürgermeister Ottmar Dürr als auch der stellvertretende Ortsvorsteher Andreas Herrmann gaben in ihren Grußworten unumwunden zu, dass sie voller Faszination schon in dem Heimatbuch gelesen haben. "Ich hätte deswegen fast einen Folgetermin verpasst, so gefesselt war ich", bemerkte Dürr. Er bezeichnete das Buch als Spiegelbild des unverwechselbaren Gesichtes von Wenkheim. "In unserer schnelllebigen Zeit haben wir einfach die Verpflichtung unsere Geschichte für kommende Generationen aufzuschreiben", so Dürr.
Auch Johannes Ghiraldin, Vorsitzender des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum, brachte seine Freude über das Heimatbuch zum Ausdruck: "Diese Buch trägt seinen Teil zu Frieden und Toleranz bei." Er sprach von einer friedlichen Koexistenz der evangelischen und katholische Kirche sowie der Synagoge in Wenkheim.
Noch während der Autor Dr. Elmar Weiß und die Arbeitskreismitglieder Glückwünsche von den Gästen entgegennahmen, bildete sich schon eine kleine Schlange am Verkaufsstand. Nicht wenige verließen an diesem Abend die ehemalige Synagoge mit der Wenkheimer Heimatgeschichte unter dem Arm. Das Buch von Elmar Weiß mit dem Titel "Wenkheim - ein fränkisches Dorf im Laufe seiner Geschichte" umfasst 598 Seiten mit zahlreichen Fotos und Abbildungen, wurde mit einer Stückzahl von 750 Exemplaren gedruckt. Das Werk ist in der Volksbank in Wenkheim, bei den Arbeitskreismitgliedern oder unter mail rei.wenkheim@gmx.de  erhältlich.
Am Sonntag, 29. November, wird von 11 bis 17 Uhr in ehemaligen Synagoge das Heimatbuch und zahlreiche Exponate aus der Dorfgeschichte noch einmal einem breiten Publikum präsentiert."
 

  

   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Werbach
Zum Fachbetrieb des Restaurators der Mikwe: hier anklicken (Michael Helget, Hand-in-Hand-Werker GmbH, 97980 Bad Mergentheim)
Zur Seite über den Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum e.V. (interner Link)
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Wenkheim (interner Link)

Literatur:

Germania Judaica III,2 S. 1583.
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 292-293.
Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987. S. 81ff.
Elmar Weiss: Zeugnisse jüdischer Existenz in Wenkheim. 1992.
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    

      
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wenkheim Baden. Jews were present in the 14th-15th centuries. The community grew to 160 (total 930) in 1875 and subsequently declined to 46 in 1933. Twenty-two emigrated to the United States and eight to Palestine. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and the last 13 Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; five survived the Holocaust.
  

                   
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Stand: 01. Dezember 2009