Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wenkheim (Gemeinde Werbach, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge
      

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen und Fürsten von Löwenstein-Wertheim gehörenden Wenkheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1576 und 1591 Juden am Ort genannt. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 105 jüdische Einwohner (14,0 % von insgesamt 752), 1875 160 (17,2 % von 930);
höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1880 mit 181 Personen (knapp 20 % der Ortsbevölkerung); 1900 92 (11,7 % von 786). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war (bis 1897) Lehrer Hofmann über 50 Jahre lang als Lehrer, Vorbeter und Schochet in der Gemeinde tätig. Seit 1827 gehörte die jüdische Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Wertheim
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Maier Lehmann (geb. 24.6.1889 in Wenkheim, gef. 11.9.1916). 
 
Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und den Bedarfsartikeln des bäuerlichen Haushalts. 1933 gehörten ihnen noch unter anderem drei Textilwarengeschäfte, ein Kolonial- und Eisenwarengeschäft, eine Mazzenbäckerei, zwei Viehhandlungen. Im einzelnen handelte es sich um die folgenden Betriebe: Viehhandlung Bernhard Grünebaum (Lindenstraße 24), Viehhandlung und Metzgerei Louis Grünebaum (Pfarrgasse 4), Viehhandlung Samuel Grünebaum, Levis Sohn (Herrenstraße 6), Viehhandlung/Landwirtschaft Samuel Grünebaum III (Herrenstraße 7), Altwarenhandlung Samuel Grünebaum IV (Frankenstraße 14), Viehhandlung und Metzgerei Simon Grünebaum (Obertorstraße 21), Textilgeschäft Abraham Hubert (Frankenstraße 10), Handelsmann Lippmann Karpf (Obertorstraße 11), Mazzenbäckerei Sigmund Lehmann (Lindenstraße 33), Textilgeschäft Hermann Schartenberg (Breite Straße 5 und Lindenstraße 31, beides abgebrochen), Kaufmann Jakob Schuster (Hindenburgstraße 1).     
  
Um 1925, als noch 80 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (8 % von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), gehörten dem Synagogenvorstand an: die Herren Abraham Hubert, Hermann Schartenberg, Jakob Schuster und Louis Grünebaum. Als Lehrer, Kantor und Schochet war bis zu seiner Auswanderung 1933 Heinrich Kohn, danach bis 1936 Heinrich Grünebaum tätig. Im Schuljahr 1924/25 gab es noch 14 schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde. Kohn unterrichtete auch die Kinder in einigen umliegenden Gemeinden, z.B. in Unteraltertheim. An jüdischen Vereinen gab es einen Frauen-Toraverein, einen Männer-Toraverein sowie als Stiftung die Vereinigte Armenfondsstiftung (Ziel Unterstützung von Ortsarmen). 1932 war Vorsteher der jüdischen Gemeinde Abraham Hubert. Als Schriftführer war Hermann Schartenberg tätig. 
  
1933 lebten noch 46 jüdische Personen in Wenkheim. Bis 1937/38 konnte die jüdischen Geschäfte noch großenteils weitergeführt werden, dann mussten sie aufgegeben werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.). Bis 1940 konnte über die Hälfte der jüdischen Einwohner emigrieren (22 in die USA, 8 nach Palästina). Die letzten 11 jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Sie hatten zuvor im Haus der Familie Wolf Bravmann zusammenziehen müssen.   
      
Von den in Wenkheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilde Abeles geb. Heymann (1895), Regine Bergenthal geb. Lehmann (1869), Käthe Bravmann geb. Lissberger (1892), Wolf Bravmann (1890), Zerline Brückheimer (1889), Helene Grünebaum geb. Samuel (1881), Ida Grünebaum (1895), Jakob Grünebaum (1870), Käthe Grünebaum, Renate Grünebaum (1912), Samuel Grünebaum I (1872), Samuel Grünebaum II (1882), Sigmund Grünebaum (1872), Simon Grünebaum (1881), Jeanette Halle geb. Lehmann (1861), Bela (Bertha) Heinemann geb. Grünebaum (1866), Margot Hes (1924), Karoline (Lina) Heymann (1885), Martha Hirschhorn geb. Kapf (1905), Lippmann Karpf (1873), Rosa Karpf geb. Richter (1877), Jenni Kissinger geb. Schuster (1908), Eva Krebs geb. Grünebaum (1868), Therese Lehmann (1874), Therese Löser geb. Lehmann (1878), Babette Mai (1868), Ida Oppenheimer geb. Karpf (1900), Regine Rosenthal geb. Lehmann (1876), Rosa Rosenthal geb. Grünebaum (1891), Flora Slivja geb. Karpf (1902), Fanny Sommer geb. Karpf (1875), Frieda Seemann geb. Friedmann (1877), Itta Steinhard geb. Lehmann (1882), Luise Sündermann geb. Lehmann (1876), Regine Wolfsheimer geb. Lehmann (1874).   
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1900 / 1909 / 1911 / 1922 / 1924 / 1929 / 1933 / 1936     

Wenkheim Israelit 03051900.jpg (65463 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Vakanz. Die mit einem festen Gehalt von 700 Mark, freier Wohnung und etwa 400 Mark Nebenverdienst verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Wenkheim, ist baldigst zu besetzen. Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Gesuche innerhalb 14 Tagen bei uns einreichen.
Mosbach, 29. April 1900. Die Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein."     
   
Wenkheim Israelit 14011909.jpg (58355 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1909: "Wir suchen zum sofortigen Eintritt einen Kantor, Religionslehrer und Schochet und wollen Reflektanten ihre Bewerbungen unter Vorlage von Zeugnissen an den unterzeichneten Vorstand baldmöglichst einreichen. Gehalt beträgt 900 Mark, ferner 600 Mark. Nebenverdienst sowie freie Wohnung mit großem Garten. 
Vorstand der Israelitischen Gemeinde Wenkheim (Baden) Samson Lehmann."
  
Wenkheim Israelit 07091911.jpg (46954 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1911: "Die israelitische Gemeinde Wenkheim in Baden sucht per sofort einen Lehrer, Vorbeter und Schochet mit Mark 900.- Fixum, Mark 600.- garantiertes Nebeneinkommen, mit Filiale Hochhausen Mark 220.- nebst freier Wohnung und großen Garten. 
Der Synagogenrat."
  
Wenkheim FrfIsrFambl 15091911.jpg (27001 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Frankfurt am Main. Vakanzen. - … Wenkheim, Lehrer, Kantor und Schächter per sofort, Einkommen über 1700 Mark und freie Wohnung."
   
Wenkheim Israelit 02021922.jpg (72378 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Vakanz. Der Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterdienst bei der Gemeinde Wenkheim mit Filiale Grünsfeld ist sofort zu besetzen. Freie Dienstwohnung mit großem Garten, Wasserleitung und elektrische Beleuchtung stehen zur Verfügung. Das Einkommen regelt sich nach der vom Oberrat der Israeliten aufgestellten Gehaltsskala. Verheiratete, streng religiöse, seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften versehenen Gesuche baldigst dem Synagogenrat in Wenkheim (Baden) zugehen lassen. 
Mosbach, den 30. Januar 1922. Die Bezirkssynagoge. Dr. Löwenstein."  
  
Wenkheim Israelit 07081924.jpg (56218 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1924: "Die israelitische Gemeinde Wenkheim (Baden) sucht einen religiösen Religionslehrer, Schauchet und Vorbeter bei freier Dienstwohnung, Garten und Nebenverdienste. Das Gehalt regelt sich nach der Besoldungsvorschrift des Oberrats der Israeliten in Karlsruhe in Baden. Zwei bayrische Gemeinden, ½ Stunde von hier entfernt, könnten eventuell mitbedient werden und ca. 1.500 Mark einbringen. Meldungen sind sofort an den Synagogenrat in Wenkheim, Baden, zu richten. 
Die Bezirkssynagoge. I.V.: Cahn." 
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 7. August 1924
derselbe Text wie in der Ausschreibung in der Zeitschrift "Der Israelit" (siehe oben)   
    
Wenkheim Israelit 11041929.jpg (65200 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1929: "In der Gemeinde Wenkheim (Baden) ist die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets bis 1. Juni zu besetzen. Die Gehaltsfrage wird in Angleichung an die Besoldungsordnung des Oberrates der Israeliten Badens geregelt. Es kommen eventuell auch größere Nebeneinnahmen in Betracht. Seminaristisch gebildete, streng religiöse Bewerber wollen alsbald ihre Zuschriften mit lückenlosen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisabschrift, Referenzangabe) durch Vermittlung des Synagogenrates Wenkheim an das unterzeichnete Bezirksrabbinat senden.  
Bezirksrabbinat Mosbach (Baden)."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1933: "In der Gemeinde Wenkheim (Baden) ist die Stelle eines Religionslehrers und Kantors sofort zu besetzen. Es kommt nur ein pensionierter Lehrer in Betracht. Anstellung durch Privatvertrag mit der Gemeinde, Gehalt nach Vereinbarung mit der Gemeinde. Dienstwohnung mit Garten ist vorhanden. Streng religiöse Bewerber wollen alsbald ihre Zuschriften mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Referenzangaben an den Synagogenrat Wenkheim (Baden) richten. 
Bezirksrabbinat Mosbach (Baden)
."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1936
"In der Gemeinde Wenkheim ist die Stelle eines streng orthodoxen 
Religionslehrers und Kantors 
sofort zu besetzen. Anstellung durch Privatvertrag mit der Gemeinde, Gehalt nach Vereinbarung mit der Gemeinde. Freie Dienstwohnung mit Garten ist vorhanden. Bewerber wollen alsbald ihre Zuschriften mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Referenzangaben an den Synagogenrat Wenkheim (Baden) richten
Bezirksrabbinat Mosbach (Baden)
."      

 
Lehrer Hofmann geht in den Ruhestand (1897)

Wenkheim AZJ 18061897.jpg (96430 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juni 1897: "Aus Baden, im Juni (1897). Am 1. dieses Monats wurde in Wenkheim, Amt Wertheim, Herr Religionslehrer Hofmann nach mehr denn fünfzigjähriger Tätigkeit am dortigen Orte durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein – Mosbach in den wohl verdienten Ruhestand versetzt. Zur Feier waren außer der jüdischen Kultusgemeinde noch der Bürgermeister, der Ortsgeistliche, die Volksschullehrer und die jüdischen Nachbarkollegen erschienen. Es ist dies der erste Fall, dass ein Religionslehrer vom Großherzoglichen Oberrat der Israeliten durch eine jährliche Pension bedacht wird. Dieser Fortschritt in der materiellen Besserstellung des Religionslehrers, der von der eifrigen Fürsorge der obersten Religionsbehörde für die ihr unterstehenden Lehrer beredtes Zeugnis abgibt, wird darum in der badischen Lehrerwelt mit Freuden begrüßt. Wenn auch das Ruhegehalt vor der Hand noch sehr dürftig ist, sodass der an Entbehren gewöhnte Lehrer in seinen alten Tagen nicht mehr übermütig werden kann. So sind die Religionslehrer doch von ganzem herzen ihrer Oberbehörde dankbar für diesen Akt des Wohlwollens und geben sich der angenehmen Hoffnung hin, dass der Großherzogliche Oberrat der Israeliten mit Einverständnis der Synode die Pensionsverhältnisse noch weiter regele, damit auch der jüdische Kultusbeamte mit einem weniger sorgenvollen Blicke der Zukunft entgegensehen darf."

 
50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Hofmann (1897)

Wenkheim AZJ 21061897.jpg (66573 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Juni 1897: "Wenkheim. Jüngst feierte Herr Lehrer Hofmann sein 50jähriges Amtsjubiläum. Herr Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner in Mosbach, wie auch mehrere Kollegen aus der Nähe erschienen zu der Feier. Herr Dr. Löwenstein schilderte in schwungvoller Rede die guten Eigenschaften und Leistungen des Jubilars. Möge es Herrn Hofmann gegönnt sein, mit Lebensfrische noch lange den Ruhegehalt, der ihm von höchster Stelle wohlverdienter Weise gewährt wurde, zu genießen. Herr Hofmann ist noch einer der wenigen, die mit Scharfsinn das Lehren verstehen. Von höchster Stelle wurde ihm eine goldene Denkmünze mit dem Bildnisse des Großherzogs überreicht. Herr Dr. Löwenstein erneuerte die Chofer (Auszeichnung als Chower, Gelehrter), die ihm sein seliger Vater verliehen hatte. S. Fuchs."

 
Zum Tod von Lehrer Hofmann (1902)

Wenkheim Israelit 27021902.jpg (64219 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1902: "Wenkheim (Baden), 23. Februar (1902). Vergangenen Freitag, 21. dieses Monats, trug man die irdischen Reste des Lehrers Hofmann von hier zu Grabe. Er erreichte ein Alter von 78 Jahren. Über 50 Jahre wirkte er an hiesigem Orte und die jetzigen Gemeindemitglieder sind sämtlich Schüler von ihm gewesen. Er verstand es, religiösen Sinn seinen Schülern einzupflanzen, der heute noch vorhanden ist. Anlässlich seines 50jährigen Dienstjubiläums fand eine größere Feier statt und erhielt er damals von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog den Verdienstorden."

   
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   

Purimfeier in der Gemeinde (1903) 
 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Wenkheim (Baden), 30. März (1903). Am 21. dieses Monats fand in der hiesigen israelitischen Gemeinde eine Purimfeier statt, welche alle Teilnehmer in hohem Maße befriedigte. Theater, Gesänge und Vorträge machten den Abend zu einem sehr vergnügten. Das Erfreuendste an dieser Feier aber ist, dass sowohl Protestanten, als auch Katholiken, insbesondere die Herren Lehrer beider Konfessionen sich um das Gelingen der Feier sehr verdient gemacht haben. Es ist dies ein Beweis des guten, gesunden Geistes, der in der Gemeinde herrscht."   

    
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Ernestine Lehmann (1887)

Wenkheim Israelit 26091887a.jpg (249203 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1887: "Wenkheim, im September (1887). ‚In den Verdiensten der frommen Frauen vollenden sich unsere Stammmütter ist eine alte rabbinische Behauptung. Und wie wahr, wie vielfach geschichtlich bestätigt ist dieser Satz! Welchen wichtigen Anteil hatten unsere Stammmütter an der Größe und Bedeutung unserer Nation! Welches Verdienst die frommen, für den nationalen Gedanken begeisterten Frauen in Ägypten, ihre gedrückten, geplagten Männer in der Ausdauer, in dem Mut und dem Vertrauen auf Gottes Hilfe zu bestärken! Auf dem Zuge durch die Wüste, im heiligen Lande, durch die ganze Geschichte des jüdischen Volkes, welches hohe Verdienst hatten die Frauen, um die Erhaltung des göttlichen Glaubens und um die treue Beobachtung des heiligen Gesetzes durch Worte der Ermunterung und der Begeisterung, durch Abmahnung vom Bösen und Sündhaften! In der Tat, welchen mächtigen Einfluss übt eine Fromme, in Liebe und Glaubensstärke sich Gott hingebende Frau auf Gatte, Kinder und ihren engeren Kreis! Wie damals durch ‚Frauen-Verdienst’ es möglich geworden, dass unsere Vorfahren vom Sklavenjoch befreit und zu dem höchsten Ideale, zum reinsten Glauben, zur höchsten Stufe menschlicher Wahrnehmung hingeführt wurden, so ist es noch heute das Verdienst eines frommen, biederen Weibes, auf ihren Kreis in heilsamster, gottgefälliger Weise zu wirken, im eigenen hause Frömmigkeit, Sitte, Nächstenliebe und Wohl tun als die Stützen d3es Lebens aufzurichten und diesen Sinn auch auf andere Kreise durch Wort und Beispiel zu übertragen. Wenn doch diese Aufgabe der Frau, ihre Stellung und Bedeutung nach dieser Richtung überall begriffen würde, wie ganz anderes stände es um das religiöse Leben unseres Volks. Und wenn nun Einzelne diese Aufgabe in ihrem vollen Maße begreifen und erfüllen und wenn sich die Erfolge vor aller Augen zeigen, verdienen es nicht solche Beispiele auch ferneren Kreisen vorgehalten zu werden? Darum gestatten Sie mir in Ihrem viel gelesenen Blatte einer solchen Edlen zu gedenken, die zum Schmerze ihrer Angehörige, zum innigen Bedauern aller ihrer Freunde und Bekannten so frühzeitig aus dem irdischen Dasein schied. Es ist Frau Ernestine Lehmann dahier, welche am 12. dieses Monats in ihrem 49. Lebensjahr nach kurzem Leiden in das bessere Jenseits einging, um dort zu ernten, was sie hier reichlich gesät. Ernestine Lehmann hat ihre Aufgabe begriffen und sie sowohl in ihrer Familie selbst als nach außen im schönsten Maße zur Ausführung gebracht. Ihren religiösen gottvertrauenden Sinn wusste sie mit dem nötigen Ernst und entschiedenen Willen auf ihre Kinder zu übertragen, sie, obwohl mit Glücksgütern gesegnet, zur Häuslichkeit und Tätigkeit, zur Einfachheit und Sparsamkeit anzuhalten, für Bildung und Kenntnisse, für Wohl tun und Teilnahme zu ermuntern und zu begeistern, sodass ihr Haus, das von jener und besonders durch ihre edle, an Wohltätigkeit und Tugenden ausgezeichnete Schwiegermutter, als ein frommes, gastfreundliches und wohltätiges galt, dies in hohem Grade geblieben. Ihren durch Liebe zu Tora und Gebote sowie durch Wohltätigkeit sich auszeichnenden Gatten stand sie in diesem seinen religiösen Streben, sowie in seinem bürgerlichen berufe treu und eifrig zur Seite und war ihm eine weise Beraterin, eine zuverlässige Stütze. Sie war die Krone der Familie, eine Zierde der Gemeinde, in der sie als langjährige Vorsteherin des Frauenvereins segensreich wirkte. Schwer ist daher ihr Verlust, schmerzerfüllt beweinen sie der sich nun wie vereinsamt denkende Gatte, die verwaisten Kinder, der greise Vater, die zahlreichen Verwandten und Bekannten. Sie alle wurden von dem so unerwartet hereinbrechenden Ereignis tief erschüttert, überallhin verbreitete die Nachricht von dem raschen Ableben der edlen Frau Trauer und erregte die wärmste Teilnahme. Die zahlreiche Beteiligung an dem Leichenbegängnis legte Zeugnis hiervon ab; aus der Ferne eilten die Verwandten herbei, unter ihnen der Schwiegersohn, Herr Distriktsrabbiner Dr. Hermann Deutsch von Burgpreppach, bei dessen Hochzeit vor wenigen Monaten sich die selig Entschlafene noch so himmlisch freue und sich glücklich schätzte, einen Toragelehrten als Schwiegersohn zu besitzen. In  fast einstündiger Rede, von tiefer Rührung erregt, widmete derselbe der teuren Dahingeschiedenen Worte der Anerkennung und des Dankes, der Trauer und des Schmerzes, aber auch des Trostes und der gläubigen Ergebung. Er schilderte mit Zugrundelegung des Verses (Hiob 30,31)
Wenkheim Israelit 26091887b.jpg (69529 Byte)Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied’ den raschen Umschwung der Freude in Trauer, des Glückes in Schmerz und Kummer, entrollte hierauf ein treues Lebensbild der Dahingeschiedenen, kennzeichnete ihren Verlust für Familie und Gemeinde, forderte die Kinder zur treuen Nachahmung der Mutter, den trostlosen Gatten zum Vertrauen auf Gott und zu seinem unerforschlichen Ratschlusse auf; die Teure habe in ihren wenigen Jahren ihre Aufgabe voll gelöst und war als frühreife Frucht, als Erstlingsfrucht der Erde zum herrlichen Opfer, für den Allvater ausersehen. Wie unser Stammvater Abraham in der Bindung (Isaaks), so zeige auch er sich als ein standhafter Glaubensheld. In ihrem Werke lebe sie fort und bleibt im ewigen Andenken. – Die mit vieler Rührung und in schönster Form gegebenen Worte fanden in dem Herzen der Zuhörer ein treues Echo, ließen Tränen der Trauer fließen, richteten andererseits das Gemüt auf und flößten Trost und Vertrauen ein. Der hereinbrechende Abend nötige den verehrten Redner zum Schlusse und so wurde die teure Entschlafene in die Erde gebettet, um dort zu ruhen bis zum Ende der Tage, ihr Geist aber ist eingegangen in die lichten Höhen der Seligkeit. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod von Michael Lehmann (1894)

Wenkheim Israelit 28061894a.jpg (90882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1894: "Wenkheim in Baden. Der schöne Spruch ‚ganz Israel sind Brüder’ bewährt sich nicht nur im Leben, sondern auch nach dem Tode, und je mehr sich der Einzelne dem Ganzen angeschlossen, je mehr er im leben dem Namen Israel Ehre gemacht, desto mehr wird das Scheiden desselben von der Gesamtheit empfunden. Heißt es doch auch bei dem Tode der Söhne Arons: ‚das ganze Haus Israel soll beweinen diesen Brand’. Dadurch gelangt auch die Zusammengehörigkeit zum Bewusstsein, die Wahrheit und Tugend zur Anerkennung. Von dieser Seite aus betrachtet, dürfte es auch wohl berechtigt sein, von dem Hinscheiden eines Frommen öffentlich Kenntnis zu geben respektive ihm ein ehrendes Denkmal damit zu setzen. Gewiss wird hierzu der ‚Israelit’ gern den Raum gewähren, umso mehr, als derjenige, dem diese Gedächtnisworte gelten, ein treuer Verehrer desselben war. Gestatten Sie daher, geehrter Herr Redakteur, in Ihrem geschätzten Blatte eines Mannes zu gedenken, der
Wenkheim Israelit 28061894b.jpg (299859 Byte)als Jehudi und Mensch unsere volle Anerkennung verdient, der beides im besten Sinne des Wortes, ein frommer und geradsinniger (Mann) war, einer, der rechtschaffen gewandelt und das Gerechte getan hat. Herr Michael Lehmann von hier beschloss am 17. dieses Monats nach längerem Leiden im 61. Lebensjahre seine irdische Laufbahn zum unsäglichen Schmerze der Seinigen, zum Leidwesen seiner Gemeinde und zahlreichen Bekannten und Freunde. Und wohl mit Rechte, denn sie herrlichsten Eigenschaften zeichneten ihn aus, Liebe und Gerechtigkeit, Geradheit und Schlichtheit waren die Grundzüge seines Charakters. Von Jugend auf zeigte er schon viel Sinn für alles Höhere, Wahre und Gute und so war es ihm möglich, trotz  frühzeitigster Inanspruchnahme vom Geschäfte ein höheres Maß von Bildung in sich zu vereinigen. Erfüllt von Liebe zur Tora und Wahrheit gab es sich um deren Verständnis Mühe und übte die Gebote mit Freude, Innigkeit und Hingebung; dabei wahrte er das ‚demütig wandeln mit Gott’ im vollsten Sinne, denn nichts lag ihm ferner als Ehrsucht und Scheinheiligkeit. Ebenso war es als (hebräisch und deutsch:) Wohltäter;  er schloss sich nicht nur allen öffentlichen Sammlungen in hervorragender Weise an, sondern übte Wohltaten im Stillen und stand Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat bei. Kein Wunder, dass sich einem solchen Manne auch das öffentliche Vertrauen und Ansehen zuwandte; er war Jahrzehntelang Vorstand der hiesigen Gemeinde, an deren Interessen er den regesten Anteil nahm und deren religiösen friedlichen Sinn er zu fördern suchte; auch bei seinen übrigen Mitbürgern stand er in Ansehen und fand seine Biederkeit vollste Anerkennung. Diese seine Gesinnung und Charakterfestigkeit kam auch bei der Erziehung seiner Kinder zur Geltung, die dem edlen Beispiele folgten, und zeigte sich bei der Wahl seiner Schwiegersöhne; er rechnete sich’s als besonderes Verdienst, Herrn Rabbiner Dr. Deutsch in Burgpreppach Schwiegersohn nennen zu können. Derselbe eilte denn auch auf die Trauernachricht an die Bahre seines geliebten Schwiegervaters und gab unter der zahlreichen Beteiligung der Gemeindemitglieder und Bürger dort den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, ob des schweren Verlustes, der Anerkennung und Verehrung für den teuren Hingeschiedenen den beredtesten Ausdruck. Nicht besser, hob der gewandte Redner hervor, könne er ein Lebensbild von dem Verblichenen geben als in den Worten des Psalmisten Kapitel 112, in welchen der wahrhaft Fromme geschildert wird; denn auch von Michael Lehmann konnte man sagen: ‚wohl dem gottesfürchtigen Mann, der an den Geboten Gottes Freude hat’, sowie alle übrig dort erwähnten Eigenschaften auf ihn anwendbar seien. Sehr treffend war auch die angewandte Midrasch Stelle: Als der fromme König Josia die Gebeine der Baals-Priester zu verbrennen sucht, kam er auch an eine Grabmal, an dessen einer Seite Dornen und Disteln, und dessen anderer Seite Myrthen und Gewürzkräuter wuchsen. Verwundert fragte der König, was ist doch dies für ein Grabmal, das von so gegensätzlichen Gewächsen umgeben ist? Da ward ihm die Antwort: ‚Hier liegt ein Mann Gottes.’ Die Erklärung zu den gegensätzlichen Gewächsen mag die sein, dass der Fromme für sich im Leben nur Dornen und Disteln hat, indem er sich keine Freuden, keine Genüsse gönnt, nur Mühe und Entbehrung sich auferlegt, andere hingegen freudig Genüsse bietet, ein duftendes Feld, ein Feld, das Gott gesegnet hat, ist. Hierin glich der Hingeschiedene ebenfalls dem wahrhaft Frommen, denn für sich war er der anspruchsloseste, einfachste Mensch seiner Familie, seinen Nebenmenschen suchte er Gutes und Angenehmes in jeder Weise zu erweisen. Darum seien auch des Psalmisten Worte hier angebracht: das Andenken eines solchen Frommen wird ein dauerndes sein, er hat für die Ewigkeit gelebt und gewirkt und wird stets im gesegneten Andenken bleiben. Auch wir schließen uns dem Redner hierin an, das Andenken Michael Lehmanns wird hier stets ein gesegnetes sein. Das Andenken an den Frommen ist zum Segen."

 
Zum Tod von Sara Grünebaum (1915) 

Wenkheim Israelit 02121915.jpg (40030 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1915: "Wenkheim, 23. November (1915). Am 18. November starb Frau Sara Grünebaum. Sie zeichnete sich durch Frömmigkeit und Edelsinn aus uns war stolz auf ihre Kinder, die in gleichen Wegen wandeln und von denen der älteste Sohn seit Kriegsausbruch im Felde steht. Am Grabe schilderte der Lehrer der Gemeinde in bewegten Worten den Verlust, den Gatte, Kinder und Gemeinde erlitten haben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
Leo Grünebaum erhält das Eiserne Kreuz (1916)  

Wenkheim FrfIsrFambl 28041916.jpg (12884 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1916: "Wenkheim (Baden). Leo Grünebaum, Sohn von Samuel Samson Grünebaum, erhielt das Eiserne Kreuz."   

  
Zum Tod von Mirjam Grünebaum (1931)  

Wenkheim Israelit 15011931.jpg (53607 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Wenkheim, 3. Januar. Wieder hat der Tod eine Lücke in unsere kleine Gemeinde gerissen. Am 11. Dezember starb Frau Mirjam Grünebaum im Alter von 93 1/2 Jahren. sie war die älteste Frau in Wenkheim. Frau Grünebaum erfreute sich bis zu ihrem Hinscheiden ihrer vollständigen Geistesfrische. Es war ihr gegönnte, Enkel, Urenkel und Ururenkel zu sehen. Sie war stets eine treu besorgte Mutter, Führerin und Beraterin ihrer Lieben. Ihr regstes Interesse, bis zu den letzten Tagen ihres Lebens, halt den religiösen Obliegenheiten unserer Gemeinde. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

     
25jähriges Amtsjubiläum von Synagogenrat Abraham Hubert (1936)

Wenkheim Israelit 26051936.jpg (56703 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1936: "Wenkheim, 21. Mai (1936). Am 2. Juni feiert Herr Synagogenratsvorsteher Abraham Hubert sein 25jähriges Jubiläum als Synagogenrat. Herr Hubert hat sich in seiner bisherigen Amtsperiode um die Geschicke der Israelitischen Gemeinde Wenkheim sehr verdient gemacht. Die Instandsetzung des alten ehrwürdigen Friedhofs, sowie die Renovierung der Synagoge vor einigen Jahren, legen beredtes Zeugnis von seiner emsigen Tätigkeit in der Gemeinde ab. Möge es Herrn Hubert vergönnt sein, noch recht lange Jahre für das Wohl der Gemeinde zu wirken. (Alles Gute) bis 120 Jahre." 


Weitere Personen: 

Über den aus Wenkheim stammenden Lehrer Lazarus Lehmann (geb. 1841 in Wenkheim, gest. 1930 in Lichtenau) siehe Berichte bei Lichtenau.
Hinweis auf den aus Wenkheim stammenden Lehrer Samson Lehmann (geb. 1847 Wenkheim, gest. 1915 in Würzburg): war 1870 bis 1878 Lehrer und Kantor der Israelitischen Kultusgemeinde Mönchengladbach und wurde im November 1878 als Kantor und Sekretär der Israelitischen Kultusgemeinde nach Würzburg berufen; daneben war er Fachlehrer für das Kantorat an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg;. 

 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Verlobung- und Heiratsanzeige von Jenni Schuster und Julius Kissinger (1930) 

Wenkheim Israelit 02011930.jpg (24593 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1930: 
"Statt Karten – mit der Hilfe Gottes  
Jenni Schuster – Julius Kissinger – Verlobte. 
Wenkheim Baden – München Tattenbachstraße 8. Chanukka 5691."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1930: "Gott sei gepriesen
Julius Kissinger - Jenni Kissinger geb. Schuster. Vermählte. 
München Tattenbachstraße 3 - Wenkheim (Baden). 
Trauung: Dienstag, den 22. April 1930, 1 Uhr  Würzburg, Bahnhofshotel."   

  
Haus mit Mazzenbäckerei zu verkaufen (1925)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1925: "Achtung! Existenz! 
Frei werdendes Haus mit Mazzenbäckerei und guter Kundschaft, wegzugshalber zu verkaufen. 
Arthur Grünebaum, Wenkheim in Baden."     

  
Anzeige des Bezirksrabbinats Mosbach (1931)  

Wenkheim Israelit 15011931b.jpg (27229 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Unter Aufsicht des Bezirksrabbinats Mosbach stehen folgende Mazzenfabriken: J. Israel, Wertheim. S. Lehmann, Wenkheim."  

           
           
           

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
      
   
Schon seit dem 17. Jahrhundert war in Wenkheim sehr wahrscheinlich ein Betsaal vorhanden. Allerdings wird erst in einer Wenkheimer Güterbeschreibung aus dem Jahr 1764 von einer "Judenschule" geredet. Es ist nicht bekannt, wo sich diese damals befand. Als in den 1830er Jahren die Zahl der Gemeindeglieder stark zunahm und die alte Synagoge zunehmend baufällig geworden war, beschloss die jüdische Gemeinde den Neubau einer Synagoge. Am 3. April 1839 wurde dieser Wunsch auf dem Wenkheimer Rathaus zu Protokoll gegeben, wozu alle israelitischen Bürger erschienen waren. Ein Bauausschuss wurde gebildet, der die weitere Planung und Bauausführung zu verantworten hatte. Im Herbst 1839 konnte die Planung abgeschlossen werden. Maurermeister Wenzel aus Neubrunn wurde beauftragt, den Bau für 2900 Gulden auszuführen. Man fragte bei der großherzoglichen Bauinspektion nach, ob der von Wenzel aufgestellte Ausführungsplan akzeptiert werden könne. Die Genehmigung ging Mitte Januar 1840 ein. Die Aufsicht über die Bauarbeiten behielt sich wie üblich die Bezirks-Bau-Inspektion vor. Im Synagogengebäude wurde im Vordergebäude zur Straße hin die Wohnung des Vorsängers und Lehrers eingerichtet; im östlichen Teil war der Betsaal mit der Frauenempore; im Untergeschoss wurde ein rituelles Bad eingebaut.
   
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte waren einige Reparaturen nötig. So sind 1858 zwei Fenster eingebaut worden, damit die Frauenempore mehr Licht erhielt. Einige Baumaßnahmen standen auch 1878 sowie am Anfang des 20. Jahrhunderts an.
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von einheimischen und auswärtigen SA-Leuten aus Tauberbischofsheim und Großrinderfeld verwüstet und geplündert. Der führende SA-Mann aus Tauberbischofsheim versuchte, die Synagoge in die Luft zu sprengen, was ihm nicht gelang. Die goldenen Leuchter der Synagoge wurden abmontiert und mit dem Auto abtransportiert. Da Gebetbücher und Torarollen geschändet waren, wurden diese wenig später von der jüdischen Gemeinde mit Erlaubnis des Bürgermeisters und nach jüdischem Brauch im Friedhof begraben. Kurz darauf sind die Bücher von zwei SA-Leuten wieder ausgegraben worden; diese haben die Bücher danach verbrannt, nach einer anderen Version beiseite geschafft. Das Synagogengebäude wurde am 10. November 1938 durch den Wenkheimer Ortsgruppenleiter "in Beschlag genommen und verschlossen". Er erteilte der Hitlerjugend die Weisung, in den Wohnräumen des Gebäudes ihre Heimabende abzuhalten. Der "Oberrat der Israeliten" protestierte beim badischen Finanz- und Wirtschaftsminister gegen diese Beschlagnahmung. Doch erst am 13. April 1939 forderte das Landratsamt die politische Gemeinde zu einer Stellungnahme auf. Bürgermeister Thoma bekundete in seiner Antwort das Interesse der politischen Gemeinde an dem Gebäude, doch sei diese nicht bereit, mehr als 1.000 Reichsmark für das Gebäude zu bezahlen. Die Gemeinde wollte das Gebäude dann als SA- und HJ-Heim zur Verfügung stellen und den ehemaligen Betsaal als Versammlungs- und Aufführungsraum für Filme usw. verwenden. Tatsächlich wurde in den Kriegsjahren das Gebäude dann als Kriegsgefangenenlager für belgische Gefangene genützt. Nach dem Krieg wurden schließlich Wohnräume in die Synagoge eingebaut und der Betsaal als Lager verwendet.   
  
Trotz der verschiedenen Umbauten wurde an der ehemaligen Synagoge äußerlich nur wenig verändert. Schon über dem Eingang erinnerte weiterhin die hebräische Inschrift aus Psalm 118,20 an die Vergangenheit des Gebäudes. Im Dezember 1984 wurde in Wenkheim der "Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum" gegründet. Als eine der vordringlichsten Aufgaben wurde in der Satzung formuliert, die Wenkheimer Synagoge als wertvolles kulturgeschichtliches Denkmal zu erhalten. Nach langjährigen Bemühungen der Gemeinde Werbach und des Vereins um die Finanzierung und Nutzung des Projektes "Synagoge Wenkheim" konnte Anfang 1991 unter Betreuung durch Norbert Bongartz vom Landesdenkmalamt mit der Restaurierung der ehemaligen Synagoge begonnen werden. In welch schlechtem Zustand das Haus inzwischen war, zeigt ein Pressebericht vom 9. November 1990: "Das Frauenbad im Keller ist heute eine stinkende Kloake, der Boden des Betsaal reißt klaffend auf, unterm Dach wachsen die Hügel muffigen Fledermauskots".   
 
Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten Anfang 1992 konnte der ehemalige Betsaal und die Vorsängerwohnung als Kultur- und Dokumentationszentrum eröffnet werden. Auf der ehemaligen Frauenempore befindet sich seitdem eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte der Region. Die unteren Räume der Vorsängerwohnung werden von Gruppen der katholischen Kirchengemeinde genützt.   
   
   
   
 
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
 

Fotos um 1985 - 
vor der Restaurierung
(Fotos: R. Rasemann)
Wenkheim Synagoge 009.jpg (137827 Byte) Wenkheim Synagoge 008.jpg (108692 Byte)
  Ehemalige Synagoge Wenkheim Synagogengebäude von Osten
     
Wenkheim Synagoge 007.jpg (103252 Byte) Wenkheim Synagoge 010.jpg (81149 Byte) Wenkheim Synagoge 011.jpg (82758 Byte)
Portalinschrift aus Psalm 118,20: 
"Dies ist das Tor zum Ewigen, Gerechte
 ziehen durch es hinein" 
Innenraum der ehemaligen 
Synagoge mit Blick nach Osten 
(Bereich Toraschrein)
Blick von der Frauenempore 
zum Eingang der Synagoge 
   
      
     
Nach der Restaurierung 
Mitte der 1990-Jahre 
(Fotos: Verein zur Erforschung...)
Wenkheim Synagoge 004.jpg (52578 Byte) Wenkheim Synagoge 001.jpg (52231 Byte)
  Eingang nach Restaurierung Innenaufnahme
     
Wenkheim Synagoge 005.jpg (96118 Byte) Wenkheim Synagoge 006.jpg (98569 Byte) Wenkheim Synagoge 003.jpg (63643 Byte)
Blick zum Eingang 
in den Betsaal
Blick nach Osten 
(Bereich ehemaliger Toraschrein)
Ausstellung auf der 
Frauenempore
     
Wenkheim Synagoge 002.jpg (50429 Byte) Wenkheim Synagoge 400.jpg (56277 Byte) Wenkheim Synagoge 180.jpg (62661 Byte)
Die Mikwe im Untergeschoss 
der Synagoge (2002)
Konzert der Gruppe "Artikuss" in der
 ehemaligen Synagoge 17.5.2002, 
weitere Fotos s.u.* 
Eine Gruppe von Kindern besucht im 
August 2002 während eines 
Zeltlagers die ehem. Synagoge 
  
     
        
Fotos 2002 
(Foto: A. Winkler):
Wenkheim Synagoge außen.jpg (22685 Byte) Wenkheim Synagoge innen.jpg (31218 Byte)
Synagoge Wenkheim von Süden Synagoge - Innenansicht
     
     
Fotos 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003)
  
Wenkheim Synagoge 153.jpg (58021 Byte) Wenkheim Synagoge 152.jpg (33503 Byte) Wenkheim Synagoge 155.jpg (27335 Byte)
Die Ostfassade der ehemaligen Synagoge Eingangstür (Neue) Mesusa an der Eingangstüre
     
Weitere Fotos der Mikwe (2004) 
Fotos: Michael Helget, Bad Mergentheim)
Wenkheim Mikwe 87.jpg (45773 Byte) Wenkheim Mikwe 88.jpg (43919 Byte) Wenkheim Mikwe 90.jpg (47306 Byte)
Die Mikwe mit Tauchbecken Blick zum Nebenraum Das Tauchbecken
           
     
Die Einweihung der restaurierten Mikwe 
am 24. Juli 2005
(Fotos: Hahn)
Wenkheim Synagoge 321.jpg (54537 Byte) Wenkheim Synagoge 322.jpg (55975 Byte)
        
     
Wenkheim Synagoge 320.jpg (41021 Byte) Wenkheim Synagoge 319.jpg (35614 Byte) Wenkheim Synagoge 315.jpg (71544 Byte)
Den musikalischen Rahmen gestaltete 
ein Instrumentalensemble der 
Musikschule Tauberbischofsheim
Johannes G. Ghiraldin, 1. Vorsitzender 
des Vereins zur Erforschung jüdischer
 Geschichte bei seiner Ansprache
Neue Hinweistafel 
am Eingang
     
Wenkheim Synagoge 317.jpg (49182 Byte) Wenkheim Synagoge 316.jpg (39278 Byte) Wenkheim Synagoge 318.jpg (32730 Byte)
Blick in den Betsaal 
von der Empore
Blick in den Betsaal 
mit Kassettendecke
Unter den Gästen: Dr. Josef Schuster,
 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde
 Würzburg
      
     
Wenkheim Mikwe 013.jpg (47334 Byte) Wenkheim Mikwe 011.jpg (51675 Byte) Wenkheim Mikwe 012.jpg (54674 Byte)
Tauchbecken Blick zum alten Eingang 
in die Mikwe
An der Wand: Spuren der Befeuerung 
zur Erwärmung des Wassers
    
     
Wenkheim Mikwe 015.jpg (47613 Byte) Wenkheim Mikwe 014.jpg (57816 Byte) Wenkheim Mikwe 010.jpg (54839 Byte)
Hinweistafeln in den Räumen der Mikwe

*Fotos von einem Konzert am 7.11.1999 in der ehem. Synagoge Wenkheim
*Fotos von einem Konzert in der Synagoge am 23.7.2000 in der ehem. Synagoge Wenkheim 
*Fotos von einem Konzert am 17.5.2002 in der ehem. Synagoge Wenkheim

Fotos von ehemaliger Synagoge und Mikwe und von ehemaligen jüdischen Häusern am Ort 
(Fotos vom 25. Juli 2010, Hahn) 

Wenkheim Ort 191.jpg (52681 Byte) Wenkheim Synagoge 2010170.jpg (120101 Byte) Wenkheim Synagoge 2010179.jpg (78082 Byte)
Hinweis an der 
Durchgangsstraße
Die ehemalige 
Synagoge
Johannes G. Ghiraldin bei der Begrüßung 
in der ehemaligen Synagoge am 
25. Juli 2010 (Bericht unten)
    
     
Wenkheim Synagoge 2010171.jpg (67805 Byte) Wenkheim Synagoge 2010172.jpg (74136 Byte) Wenkheim Synagoge 2010173.jpg (86163 Byte)
Im ehemaligen Betsaal - Blick zum Eingang
 und zur Frauenempore (mit Uhr)
Dieses Foto in höherer Auflösung 
Im ehemaligen Betsaal - Blick 
zum Bereich des Toraschreines  
Blick von der Frauenempore 
Dieses Foto in höherer Auflösung  
        
   
Wenkheim Synagoge 2010174.jpg (87820 Byte) Wenkheim Synagoge 2010177.jpg (62685 Byte) Wenkheim Synagoge 2010178.jpg (68670 Byte)
Blick von der Frauenempore Die geschändete Torarolle vor dem Bereich des ehemaligen Toraschreines
     
Wenkheim Synagoge 2010175.jpg (87493 Byte) Wenkheim Synagoge 2010176.jpg (95968 Byte)  
Das rituelle Bad im Untergeschoss der Synagoge  
     
     
Wenkheim Ort 180.jpg (126442 Byte) Wenkheim Ort 181.jpg (128755 Byte) Wenkheim Ort 182.jpg (86018 Byte) Wenkheim Ort 185.jpg (86368 Byte) Wenkheim Ort 186.jpg (93977 Byte) Wenkheim Ort 187.jpg (128778 Byte)
Das ehemalige jüdische Schlachthaus 
mit der Wohnung des Schochet
Ehemalige jüdische 
Wohnhäuser 
Ehemalige jüdische 
Wohnhäuser  
Wenkheim Ort 189.jpg (111993 Byte) Wenkheim Ort 190.jpg (101139 Byte) Wenkheim Ort 192.jpg (86837 Byte) Wenkheim Ort 188.jpg (104800 Byte) Wenkheim Ort 184.jpg (78852 Byte)
Ehemalige jüdische 
Wohnhäuser
Aus dem Foto rechts: das Gebäude der
 ehemaligen Mazzenbäckerei Lehmann
Oben: vor diesem (nichtjüdischen) Haus
 mussten sich die jüdischen Einwohner bei
 der Verhaftung zur Deportation mit
 erhobenen Händen und dem Gesicht 
zur Wand aufstellen.
   
   
     
     
Erinnerung an die Deportationen 
(Foto von Bernhard Kukatzki, 
Aufnahme von 2013) 
Wenkheim Gurs BK 020.jpg (199427 Byte)
  Foto des Grabsteines für Samuel Grünebaum (1872-1942) in Gurs (Südfrankreich; 
Grabstein im Hintergrund links ); Samuel Grünebaum wurde am 20./22. Oktober 1940 nach 
Gurs deportiert, wo er am 16. Februar 1942 umgekommen ist.  

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2009: Neues Heimatbuch zu Wenkheim in der ehemaligen Synagoge vorgestellt  
Artikel vom 28. November 2009 in den "Fränkischen Nachrichten" (Artikel): 
"Präsentation: Heimatbuch "Wenkheim - ein fränkisches Dort im Laufe seiner Geschichte" offiziell vorgestellt.
Lebensäußerungen eines kleinen Ortes. 
Wenkheim.
Als am Donnerstagabend der Arbeitskreis "Dorfgeschichte Wenkheim" in die ehemalige Synagoge in Wenkheim lud, war jeder Stuhl besetzt. Viele waren gekommen, um sich ein erstes Bild von der neuen Dorfchronik zu machen. An diesem Abend wurde das knapp 600 Seiten umfassende Buch "Wenkheim - ein fränkisches Dorf im Laufe seiner Geschichte" zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt..." 
  
Juli 2010: Bericht zum Jubiläum - Rückblick auf 25 Jahre     
Artikel in der "Südwestpresse " (Lokal: Main-Tauber-Kreis) (Artikel): "Ein langer Weg bis zur Renovierung
Der Wenkheimer "Synagogenförderverein" feiert sein 25-jähriges Bestehen. Das ehemalige jüdische Gotteshaus wurde in Wenkheim zum Mittelpunkt der Erinnerung. Tag der offenen Tür ist am Sonntag, 25. Juli. 

Als vor mehr als einem Vierteljahrhundert Schuldekan Johannes Ghiraldin mit einer Schulklasse in den etwas heruntergekommenen Innenraum der ehemaligen Synagoge in der Ortsmitte schaute, war der Gedanke für die Renovierung des 1840/41 errichteten Gebäudes geboren. Es dauerte aber noch bis 1985, bis der Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum gegründet wurde. Die ehemalige Synagoge in Wenkheim hatte die Pogromnacht von 1938 mit nur leichten Schäden überstanden. Ein kleiner Teil der Inneneinrichtung fiel der Zerstörungswut der Nationalsozialisten zum Opfer. In seiner Gesamtheit blieb das Gebäude als typische Landsynagoge jedoch erhalten, da man es nicht niederbrennen wollte, weil dadurch eng angebaute landwirtschaftliche Scheunen stark in Mitleidenschaft gezogen worden wären. 
Nach der Pogromnacht wurde das Gebäude als Vereinsheim der Hitlerjugend genutzt. Ab 1940 waren belgische Kriegsgefangene dort untergebracht. 1945 zogen dann Heimatvertriebene ein, die bis Ende der 1970er Jahre dort wohnten. Bei der Gründung des Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum am 4. Dezember 1984 waren neben zahlreichen Wenkheimer Bürgern auch Schuldekan Johannes Ghiraldin aus Tauberbischofsheim, der Leiter des Ganztagsgymnasiums in Osterburken, Dr. Elmar Weiss, Schuldekan Eggert Hornig aus Bad Mergentheim und Archivar Erich Langguth aus Wertheim anwesend. Ortsvorsteher Ernst Thoma, Gemeinderat Walter Schmidt, Ulrich Haas, Klaus Reinhart und Käthe Semel waren die aktiven Kräfte aus dem Ort Wenkheim. 
Zum ersten Vorsitzenden wurde Johannes Ghiraldin gewählt, Dr. Elmar Weiss wurde zu seinem Stellvertreter gewählt, Käthe Semel übernahm das Amt des Kassiers, Klaus Reinhart wurde Schriftführer. Als Beisitzer wurden Ulrich Haasss und Eggert Hornig gewählt. Nach der Gründung dauerte es noch sieben Jahre, bis das Gebäude seiner neuen Bestimmung als Mahnmal, Dokumentationsstätte, Kulturzentrum und katholisches Gemeindehaus übergeben werden konnte. In zahlreichen Sitzungen musste zuerst ein Konzept über die künftige Nutzung erarbeitet werden. "Das Gebäude muss mit Leben erfüllt werden", war die Forderung der potenziellen Geldgeber wie Landesdenkmalamt, Landkreis, Denkmalstiftung, Gemeinde und Geldgeber aus der Wirtschaft.
Nach rund fünf Jahren stand das Konzept zur Renovierung des ehemaligen Synagogengebäudes. Zuvor hatten die Wenkheimer Vereinsmitglieder damit begonnen, den ehemaligen Gebetsraum wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Die holzvergitterte Frauenempore hatte die letzten 50 Jahre fast unversehrt überstanden. Die Stuckkassettendecke hatte durch das defekte Dach in einem Viertel sehr gelitten, konnte später aber wieder im Originalzustand hergestellt werden, nachdem das Dach durch die Gemeinde Werbach erneuert worden war. 
In den Jahren 1990 und 1991 konnte der Gebetsraum nach und nach renoviert werden. Unter der Leitung von Ortsvorsteher Ernst Thoma, einem gelernter Schreiner, konnten zahlreiche Innenarbeiten an der Wandvertäfelung, am Fußboden und bei den Türen in Eigenregie durch den Förderverein kostengünstig ausgeführt werden. Im Frühjahr 1992 wurde die ehemalige Synagoge an drei Sonntagen mit Feierlichkeiten ihrer neuen Bestimmung übergeben. Dr. Elmar Weiss, der beauftragt worden war eine Festschrift zur Übergabe der ehemaligen Synagoge zu entwerfen, sammelte soviel Material aus Archiven, dass aus der Festschrift ein 140 Seiten starkes Taschenbuch "Zeugnisse jüdischer Existenz in Wenkheim" wurde, das die Geschichte der ehemals jüdischen Gemeinde von Wenkheim erstmals näher beleuchtet. 
Die ehemalige Synagoge wurde schnell zum kulturellen Mittelpunkt von Wenkheim. Konzerte mit jiddischer Musik, Vorträge mit Holocaustüberlebenden, Seminare zu verschiedenen Themen, zahlreiche kirchliche und private Feiern bis hin zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sorgten dafür, dass das Gebäude auch mit Leben erfüllt wurde. Immer wieder kamen Schulklassen, Jugendgruppen, Frauen- und Männervereinigungen, um die Synagoge zu besichtigen. Johannes Ghiraldin, Ernst Thoma, Walter Schmidt, Eggert Hornig und Klaus Reinhart gaben während der Führungen sachkundig Hinweise zum Gebäude und zur früheren jüdischen Gemeinde in Wenkheim. Dabei konnte schon bald auf den Judaicakoffer zurückgegriffen werden, in dem zahlreiche typische jüdische Gegenstände (Thorarolle, Kippa, Gebetsschal, Gebetsriemen, Purimrassel) in Miniatur enthalten sind. 
Eine Bilderausstellung auf der Empore zeigt früheres jüdisches Leben im badischen und württembergischen Frankenland und wurde durch Dr. Elmar Weiss vom Ganztagsgymnasium in Osterburken zur Verfügung gestellt. Nach und nach kamen auch die Nachkommen von ehemaligen jüdischen Mitbürgern aus Israel und den USA nach Wenkheim zurück, um die Wurzeln ihrer Vorfahren zu erkunden. 
Neben der Renovierung der ehemaligen Synagoge war es auch ein Anliegen des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum, den weit außerhalb liegenden jüdischen Bezirksfriedhof zu erhalten und zu erforschen. So konnten dort bei Besuchen von Gästen aus Israel und den USA Gräber lokalisiert werden. Auch das Grab eines preußisch-jüdischen Soldaten, der bei den Kämpfen im Deutschen Bruderkrieg 1866 im nahen bayerischen Helmstadt nach schwerer Verwundung starb, konnte ausfindig gemacht werden. 
Aus finanziellen Gründen konnte der Förderverein die Renovierung der Mikwe (rituelles Frauenbad) im Kellergeschoss erst im 21. Jahrhundert angehen und vollenden. Sie ist seit 2005 für Besucher begehbar und ist ein weiteres Juwel des jüdischen Landlebens, das erhalten werden konnte. 
Unter der Federführung des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum wurde im Kloster Bronnbach eine Ausstellung über das Lager Gurs in Südfrankreich betreut. Dorthin waren die jüdischen Mitbürger von Wenkheim 1940 deportiert worden."   
      
Juli 2010: Über die Jubiläumsfeier am 25. Juli 2010  
Artikel in der "Main-Post" (Lokalteil Main-Tauber) vom 27. Juli 2010 (Artikel): 
"WENKHEIM. Synagogenförderverein feierte sein 25-jähriges Bestehen. Eine Stätte gegen das Vergessen 
Mit einer großen Anzahl interessierter Gäste feierte der Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum sein 25-jähriges Bestehen in und um die ehemalige Synagoge in Wenkheim. Auf dem weit außerhalb liegenden jüdischen Friedhof fanden interessante Führungen statt. 
Nach einem musikalischen Auftakt durch das Streicherquartett der Tauberbischofsheimer Musikschule unter der Leitung von Johannes Wienand, erinnerte der Vorsitzende des Vereins ('Synagogenförderverein'), Johannes Ghiraldin, nochmals an die Anfänge im Jahr 1984/85, als geschichtsbewusste Männer und Frauen sich daran machten, die ehemalige Landesynagoge in der Welzbachgemeinde vor dem totalen Verfall oder einer Fremdnutzung zu bewahren.
Viel Mühe habe es gekostet, bis das Konzept für die künftige Nutzung und die Finanzierung endgültig feststand. Nach über fünf Jahren war alles unter Dach und Fach und 1992 konnte die ehemalige Synagoge ihrer neuen Bestimmung übergeben werden. 
Johannes Ghiraldin dankte allen, die seit 25 Jahren im Verein mitarbeiten und appellierte gleichzeitig an die Jugend, sich dafür einzusetzen, dass derartiges Unrecht nie wieder geschehen dürfe. 
Ort des Gedenkens. Bürgermeister Ottmar Dürr freute sich darüber, dass sich vor 25 Jahren Männer und Frauen bereit erklärt hatten, das Wagnis der Geschichtsaufarbeitung – verbunden mit dem Wiederaufbau der ehemaligen Synagoge – eingingen und mit viel Durchhaltevermögen ans Ziel kamen. Er hob hervor, dass es einer gewachsenen und bewusst wahrgenommenen Demokratie bedarf, um von deutschem Boden aus nie wieder derartiges Unrecht an Minderheiten zuzulassen. Dürr erinnerte an das grauenhafte Schicksal ehemaliger Wenkheimer Bürger, die Verfolgung und Tod erleiden mussten. 'Die ehemalige Synagoge ist ein Ort des Gedenkens und der versöhnenden Gespräche geworden', so das Fazit des Werbacher Gemeindeoberhaupts. Zum Abschluss übergab er dem Synagogenförderverein ein kleines Geburtstagsgeschenk – verbunden mit der Aufforderung, in Wenkheim weiter Geschichte zu erforschen und Denkmäler zu pflegen.
Landrat Reinhard Frank überbrachte den Dank des Main-Tauber-Kreises und lobte ebenfalls das Wirken des Vereins. Er stellte seine Ausführungen unter die Gedanken 'Das Geheimnis der Versöhnung ist die Erinnerung' und 'Wer vergisst, tötet zum zweiten Mal'.
Für die Landeszentrale für politische Bildung sprach deren Leiter Konrad Pflug. Er freute sich darüber, dass hier 'lebendige Arbeit zur Aufarbeitung der Geschichte vor Ort' geschehe. Dr. Joachim Hahn von der 'Alemannia Judaica' lobte das Engagement der Vereinsmitglieder und wies darauf hin, dass die jüdische Geschichte in Deutschland nicht in Vergessenheit geraten dürfe. 
Der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Georg Haas, dankte für gute Zusammenarbeit mit dem Wenkheimer Synagogenförderverein.
Im Anschluss an den Festakt fand eine erste Führung in der Synagoge und in der Mikwe statt. Zahlreiche Interessierte hatten sich eingefunden, um Neues über das ehemals jüdische Leben in Wenkheim und über das 170 Jahre alte Gebäude zu erfahren.  Dabei wurden auch zahlreiche kulturelle Gegenstände wie zum Beispiel Schächtmesser, Gebetsriemen, Kippa, und Purimrassel ausgestellt und erklärt. 
Jüdische Märchen. Die Märchenstunde von Susanne Waldmann, in der jüdische Märchen und Geschichten erzählt wurden, fand ebenfalls guten Anklang. Schuldekan i.R Eggert Hornig aus Bad Mergentheim erläuterte auf dem jüdischen Friedhof im Kirywald Sitten und Gebräuche bei jüdischen Beerdigungen und erklärte Zeichen und hebräische Schriften auf den Jahrhunderte alten Grabsteinen. Insgesamt konnten mehr als 150 Interessierte bei den Feierlichkeiten zum 25- jährigen Bestehen des Fördervereins registriert werden." 
     
September 2010: Beitrag über einen Toraschrein-Vorhang aus der Synagoge Wenkheim und seine Stifter     
Wenkheim Toravorhang 080.jpg (113861 Byte)Foto links aus der im Artikel genannten Wenkheimer Orts-Chronik von Elmar Weiß. 
Artikel von Erich Langguth in den "Fränkischen Nachrichten" vom 4. September 2010 (Artikel in fnweb.de): 
"Judentum in Wenkheim: Samson Nathan und seine Frau Gitel stifteten den Thoravorhang in der ehemaligen Synagoge
Einer der vermögendsten Juden der Grafschaft. 
Wenkheim.
In der vor Jahresfrist erschienenen Wenkheimer Orts-Chronik wartete Autor Elmar Weiß mit einer Überraschung auf. Er zeigte im Bild den Thoravorhang, der einst zur Innenausstattung der Wenkheimer Synagoge gehört hatte. Durch eine glückliche Fügung war das Foto aus Israel übermittelt worden. Vermisst wurde allerdings eine Übertragung der Inschrift, die den Vorhang ziert, denn daraus sollte Auskunft über die Entstehungszeit und den oder die Stifter zu erwarten sein. Dies hat sich in der Tat bewahrheitet. Die nicht ganz einfache Entzifferung ist Mergentheims früherem evangelischen Schuldekan Eggert Hornig in fachkundigem Austausch mit Joachim Hahn, dem Bearbeiter der "Alemannia Judaica", weitgehend gelungen.
Der Text lässt sich demnach etwa folgendermaßen wiedergeben: Errichtet hat der Ewige uns Weisung / Krone der Thora (dazu das übliche Symbol mit zwei Löwen) / Dies hat gestiftet / der begüterte Mann, Gemeindevorsteher und ehrenwerte Herr Schimschon / Sohn des Nathan HaLewi (dazu Symbol der Leviten: Kanne mit Schale, für kultische Waschungen) seligen Andenkens / und seine Frau, die wohlhabende Frau Gitel / Tochter des ehrwürdigen Josef HaLewi / sein Andenken zum Segen, im Jahr 541 / nach der kleinen Zählung (= 1780/81) / aus der Heiligen Gemeinde Wenkheim.
Eingehende Archivforschungen über die Wenkheimer Juden des 17. und 18. Jahrhunderts, die Otto Langguth 1938/39 in jüdischem Auftrag durchführte, gewähren Auskunft über das Stifterpaar des Thoravorhangs.
In Archiven geforscht. Danach begegnet Schimschon, Sohn des Leviten Nathan, in den hiesigen Quellen (StAWt-R, Rep. 41f bzw. R 95) als Samson Nathan, seine Frau Gitel als Gundel/Gütle. Samson war mit ihr etliche Tage nach Petri Cathedra (22. Februar) 1754 getraut worden. Als Einzugsgeld erlegte er für sie 7 fl. 30 xr. Sein eigenes Einzugsgeld hatte er 1753/54 mit 15 fl entrichtet, war damals also als Schutzjude aufgenommen worden. Seinen Vater Nathan, den Leviten, lernt man als Nathan Samson kennen. Er spezifizierte 1727 sein Vermögen auf 1592 Taler, musste indessen 1750/51 wegen "erlittenen Brandts" um Schutzgeld-Nachlass bitten. Am 27. März 1754 beklagte er sich erfolgreich, dass er anlässlich seiner zweiten Eheschließung erneut eine Taxe zahlen solle. Die Regierung gab ihm recht und strich die Forderung. Zehn Jahre später, im April 1764, ist er gestorben. Der wohlhabende Sohn Samson Nathan, der 1780/81 als Vorsteher der jüdischen Wenkheimer Gemeinde zusammen mit seiner Frau für den Thoraschrein den Vorhang stiftete, wird in einem Dokument von 1793 zu den vermögendsten Juden der Grafschaft gezählt. In einer Eheschließungssache für einen seiner Söhne verwendete sich sogar Fürst Constantin bei den gräflichen Mitregenten damals für ihn. Hier heißt es über Samson Nathan, er sei "notorischer Weise der Reichste in Wenkheim". Über ein Jahrzehnt später sollte sich das Bild ins Gegenteil verkehrt haben. Samson Nathans Witwe Gitel/Gütle suchte am 15. August 1805 um Erlass des Schutzgeldes nach, da sie, wie sie schreibt, "alles Handels beraubt" ist. Die Zinsen seien so niedrig, dass sie vom Kapital zehren müsse. Von letzterem habe aber einen merklichen Anteil ihr Sohn Nathan Samson erhalten, um die Schande nicht zu erleben, "daß er fallieren", also zahlungsunfähig werden sollte. Als 70-Jährige habe sie lediglich 600 fl. von ihrem Heiratsgut; wenn Gott ihr noch länger das Leben schenke, müsse sie betteln gehen. Aus einem Bericht des Ortsschultheißen erfährt man, dass ihr immerhin noch die halbe Schäferei gehört. Die Regierung stellte sie schließlich von der Vermögenssteuer frei und gewährte ihr ein ermäßigtes Kopfgeld. Im Zeitalter der Napoleonischen Wirren setzte sich die Talfahrt weiter fort. 
Nathan Samson, der älteste Sohn, schildert in einer Eingabe vom 22. September 1810 an den Fürsten Löwenstein: "Unglück und Hauskreuz bei den ohnehin schlechten und harten Zeiten sind über mich Schlag auf Schlag so sehr eingestürmet, dass ich zu einem armen Mann trotz allen Bestrebens .... heruntergesunken bin und öfters der traurige Fall eintritt, daß ich für meine Familie - Frau und 4 noch kleine Kinder - manchen Tag das trockene Brot nicht habe und den bittersten Hunger leiden muss." Laut Attest des Schultheißen sollten sogar Haus und Mobilien verkauft werden.
Grünebaum als Nachname. Damals trugen Nathan Samson und seine Bruder Leser Samson bereits die durch badisches Edikt im Frühjahr 1809 angeordneten Familiennamen. Nathan Samson hatte am 10. Mai 1809 für sich und seine Familie zunächst den Familiennamen "Wolf" angenommen, entschied sich jedoch fünf Tage später, dem Beispiel seines Bruders Leser folgend, für "Grünebaum". 
Damit gewinnt die Untersuchung die Erkenntnis, dass Schimschon (Samson Nathan) und Gitel, die Stifter des Thoravorhangs, auch als Ahnherrenpaar aller danach so zahlreichen Wenkheimer Grünebaums zu gelten haben."
  
  
  Rechts: Das Programm 
zum Jubiläum - Veranstaltungen 
am 18. Juli (Festkonzert) und
am 25. Juli 2010 (Festtag)
Wenkheim Juli 2010lo.jpg (28103 Byte) Wenkheim Juli 2010pa.jpg (152226 Byte) Wenkheim Juli 2010pb.jpg (158382 Byte)

      

Juni 2011: Auszeichnung für Johannes Ghiraldin  
Artikel von "rei" in den "Fränkischen Nachrichten" vom 1. Juli 2011 (Artikel): 
"Besondere Auszeichnung: Ehrenpreis des Main-Tauber-Kreises für Pfarrer Johannes Ghiraldin. 
Glücksfall für die ehemalige Synagoge
Wenkheim.
In der ehemaligen Synagoge wurde von Landrat Reinhard Frank der Ehrenpreis des Main-Tauber-Kreises an Johannes Ghiraldin aus Tauberbischofsheim verliehen. Gewürdigt wurde damit das große Engagement Ghiraldins um den Erhalt der ehemaligen Synagoge. Zur Feierstunde waren neben der Familie und Freunden von Johannes Ghiraldin zahlreiche Kreisräte, Bürgermeister, Gemeinderäte, Ortsvorsteher und Wegbegleiter gekommen. Den Festvortrag hielt der frühere Marktheidenfelder Bürgermeister Dr. Leonhard Scherg zum Thema "Das Landjudentum - ein bestimmendes Element der deutschen Geschichte". Wenkheims früherer Kreisrat und Ortsvorsteher Walter Schmidt dankte Ghiraldin für sein Engagement bei der Renovierung des 1938 geschändeten jüdischen Gotteshauses.
Johannes Ghiraldins ehrenamtliches Engagement gilt besonders dem "Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum", dem er seit der Gründung 1984 als Vorsitzender vorsteht. Bereits seit dem 16. Jahrhundert hat es bis 1938 eine jüdische Gemeinde in Wenkheim gegeben. Etwa um 1840 musste eine neue Synagoge gebaut werden, da die jüdische Gemeinde stark angewachsen war. Diese wurde beim Novemberpogrom 1938 im Innern zerstört. Eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins, und somit auch seines Vorsitzenden, war, die Synagoge in Wenkheim als wertvolles kulturgeschichtliches Denkmal zu renovieren und zu erhalten. Johannes Ghiraldin konzipierte mit seinen Mitstreitern die künftige Nutzung der Synagoge. Dafür galt es, ehemalige Schlafräume zu entrümpeln, Fußböden und Wände grundzureinigen, den Keller zu entrümpeln sowie den ehemaligen Gebetsraum wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen.
Sieben Jahre nach der Gründung des Vereins wurde das Synagogengebäude der neuen Bestimmung als Mahnmal, Dokumentationsstätte, Kulturzentrum und katholisches Gemeindehaus übergeben. In einem Teil der früheren Wohnung des Kantors (Vorsänger) wurde ein kleines Dokumentationszentrum eingerichtet, einen anderen Teil nutzt die katholische Kirchengemeinde Wenkheim als Gemeindehaus. Des Weiteren ist auf der Frauenempore eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte der Region untergebracht. 2005 wurde die Mikwe, das rituelle Frauenbad wieder begehbar gemacht. In der Synagoge finden Konzerte, Vorträge, Seminare sowie private Feiern statt. Johannes Ghiraldin und seine Mitstreiter führen immer wieder durch das Gebäude und informieren sachkundig und fundiert über die frühere jüdische Gemeinde in Wenkheim sowie die Synagoge. Neben der Renovierung der Synagoge hat sich Johannes Ghiraldin auch bei der Erhaltung und Erforschung des außerhalb von Wenkheim liegenden jüdischen Bezirksfriedhofs verdient gemacht. Bestimmte Gräber konnten dadurch lokalisiert, Inschriften auf Grabsteinen entziffert und somit der Nachwelt erhalten werden.
Landrat Reinhard Frank hob hervor, dass Johannes Ghiraldin sich auch international im Ehrenamt betätigt. So betreut und unterstützt er Einrichtungen von "Avicres", einer Hilfsorganisation, die sich vor allem der Straßenkinder in brasilianischen Elendsvierteln annimmt, und reiste mit Schülergruppen nach Brasilien.
"Besonders hervorzuheben ist Ghiraldins vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Bei seinen Tätigkeiten geht es ihm um die Bewahrung des kulturellen, geschichtlichen und geistigen Erbes der Region sowie um die Menschen selbst. Er ist ein von Schülern, Kollegen und Eltern vor allem für seine Menschlichkeit und von Fürsorge geprägtes Wirken, hoch geschätzter Mensch", lobte Frank. Er überreichte ihm die Verleihungsurkunde und das Unikat einer eigens für den Jubilar geschaffenen Skulptur.
Johannes Ghiraldin dankte für die Ehrung und gab einen Großteil des Lobes an die Mitglieder des "Synagogenfördervereins" weiter. Er lobte besonders das Engagement der bereits verstorbenen Mitglieder Ortsvorsteher Ernst Thoma, Erich Semel und Dr. Elmar Weiss, der seit der Gründung des Vereins das Amt des zweiten Vorsitzenden bekleidete. Für die Verstorbenen wurde ein kurzes Totengedenken gegeben. Abschließend appellierte er an jüngere geschichtsbewusste Menschen, Mitglied im Verein zu werden und die Erinnerung an das jüdische Leben in Wenkheim auch künftig wach zu halten.
Auf das besondere gesellschaftliche Engagement des Jubilars für den Ort Wenkheim ging auch der ehemalige Ortsvorsteher Walter Schmidt in seinem Grußwort ein. Er bezeichnete Ghiraldin als Glücksfall, Ideengeber und Motor für die Erhaltung der ehemaligen Synagoge. "Durch Sie und andere engagierte Vereinsmitglieder ist es gelungen, in Wenkheim ein Stück deutscher Geschichte lebendig zu halten", so Walter Schmidt.
Musikalisch umrahmt wurde die Verleihung des Ehrenpreises durch das Blockflötenensemble der Musikschule Werbach unter der Leitung von Anja Schultes. Dabei wurden zum Abschluss auch mehrere jiddische Musikstücke vorgetragen.
Im Anschluss an die Feier des Ehrenpreises gab es die Möglichkeit, das ehemalige jüdische Gotteshaus zu besichtigen und auf dem Vorplatz mit geschichtsbewussten Zeitgenossen Gedanken und Anregungen auszutauschen."     
   
Januar 2012: Beitrag über Manfred Grünebaum und Manfred Bravmann   
Artikel von Klaus Reinhart in den "Fränkischen Nachrichten" (fnweb.de) vom 12. Januar 2012: "FN-Serie 'Heimat': Holocaustüberlebende jüdische Mitbürger Manfred Grünebaum und Manfred Bravmann hatten immer Sehnsucht nach der Heimat. Im Herzen stets Wenkheimer geblieben..."  
Link zum Artikel.     
 
September 2013: Die Eröffnung eines Museums in der Synagoge ist für Sommer 2014 geplant   
Artikel von Carolin Lemuth in der "Main-Post" (Lokalausgabe Main-Tauber) vom 23. September 2013 (Link zum Artikel): 
"WENKHEIM. Museum zieht in Synagoge ein. Johannes Ghiraldin plant Eröffnung in Wenkheim für Sommer 2014
Bisher stehen erst drei mit jüdischem Kulturgut bestückte Vitrinen im zukünftigen Museumszimmer. Glasschränke mit Literatur sollen errichtet und an den Wänden sollen nach frischer Renovierung Informationstafeln mit der Geschichte der Wenkheimer Juden angebracht werden. 'Wir planen eine kultische und liturgische Ausstellung', erklärt Johannes Ghiraldin, Vorsitzender des Wenkheimer Synagogenfördervereins.
Mit Sederteller, Tefillin und Tallit sind bereits erste Gebrauchsgegenstände anschaulich dargestellt. Zudem sollen jüdische Schriftstücke, restaurierte Bücher und rituale Gegenstände im Museum Platz finden. Ghiraldin geht geruhsam durch das ehemalige Religionszimmer im ersten Obergeschoss. 'Durch den Teilrückzug der katholischen Gemeinde ist der Raum frei geworden.'
Der pensionierte Lehrer hat die Synagoge bei einem Schulausflug 1980 zufällig entdeckt und über Jahre mit vielen Helfern gemeinsam restauriert. 'Vieles war damals zerstört und verbaut. Wände mussten eingerissen und viel Schutt abtransportiert werden.' Vorher habe sich niemand um die 170 Jahre alte Synagoge gekümmert. Viel Eigenarbeit stecke in der Instandsetzung. Der Gebetsraum wurde zu Kriegszeiten als Flüchtlingswohnheim genutzt. Laut Ghiraldin sei beim Vorfinden alles intakt, allerdings stark verwahrlost gewesen. Ein schmaler Treppenstieg führt in den Keller des Gebäudes. Die Mikwe, ein Bad zur rituellen Waschung, musste aufwendig freigeräumt werden. 'Der Raum war fast vollständig zugeschüttet.' Heute steht man beeindruckt auf dem verzinkten Eisengitter, während eine indirekte Beleuchtung das Gemäuer einfärbt. Das Grundwasser ist in dem knapp 1,20Meter tiefen Becken noch immer vorhanden. Allerdings sei der Wasserstand nach Straßenarbeiten zurückgegangen.
Erst 2005 waren sämtliche Arbeiten abgeschlossen. Der Prozess der Erneuerung soll ebenfalls Teil der Museumsausstellung werden. 'Wir möchten viel Wert auf die Ortsbezogenheit legen.' Der ehemalige Religionslehrer ist selbst erst durch den Unterricht mit dem Judentum in Berührung gekommen. Seither hat er sich immer tiefer eingearbeitet, Reisen nach Jerusalem unternommen. 'Aufbereitung und Aufklärung ist immer wichtig – auch und gerade heute.' Daher ist er besonders froh, dass die Idee des Museums in der Judenschule endlich umgesetzt werden kann. Für die gesamte Maßnahme werden voraussichtlich 5000 Euro benötigt. 'Wir werden die Pläne noch an das Landeszentrum für Politische Bildung in Stuttgart reichen und hoffen auf Unterstützung.' Die Eröffnung ist für Sommer 2014 geplant."  
  

    
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Werbach  
Zur Seite über den Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum e.V. (interner Link)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Wenkheim (interner Link)  

Literatur:

Germania Judaica III,2 S. 1583.  
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 292-293.
Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987. S. 81ff.  
Elmar Weiss: Zeugnisse jüdischer Existenz in Wenkheim. 1992.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  
Wenkheim Lit 016.jpg (82737 Byte)Elmar Weiss: Wenkheim. Ein fränkisches Dorf im Laufe seiner Geschichte. Osterburken 2009. Insbesondere Abschnitt "Die Juden in Wenkheim" S. 441-452; Abschnitt "Der jüdische Friedhof" S. 453-462; Abschnitt "Die Synagoge" S. 463-468; Abschnitt "Die jüdische Suche nach den Würzeln" S. 471-474.      

      
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wenkheim Baden. Jews were present in the 14th-15th centuries. The community grew to 160 (total 930) in 1875 and subsequently declined to 46 in 1933. Twenty-two emigrated to the United States and eight to Palestine. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and the last 13 Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; five survived the Holocaust.
    
   

                   
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Stand: 05. April 2014