Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lützelsachsen (Stadt Weinheim, Rhein-Neckar-Kreis) 
Betsaal/Synagoge

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Lützelsachsen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1825 wurden 97 jüdische Einwohner gezählt. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Hemsbach beigesetzt. Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wurde um 1871 mit 122 Personen erreicht. Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Vieh und Textilwaren. 1933 gab es noch zwei jüdische Viehhändler am Ort. Dazu gehörten ein Mehl- und Futtermittelgeschäft, ein Kolonialwarengeschäfte, ein Textilgeschäfte und eine koschere Metzgerei jüdischen Einwohnern. 
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Lützelsachsen wohnhaften 13 jüdischen Personen mindestens fünf ums Leben.
  

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Seit dem 18. Jahrhundert (1797 erste Nennung) bestand eine Synagoge ("Judenschule") in der Sommergasse 80. Nach der Einrichtung der neuen Synagoge 1841 wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. Bis kurz vor 1933 wohnte in ihm die jüdische Witwe Jonas. Das Gebäude ist bis heute erhalten. 

1840 bot sich der jüdischen Gemeinde ein geeignetes Haus als künftige Synagoge an. Die ehemalige lutherische Kirche in der Wintergasse (heute Wintergasse 77) stand zum Verkauf an. Diese Kirche war 1809 aus Steinen der katholischen Weinheimer Deutschordenskapelle erbaut worden. Sie wurde bis 1822 als Kirche genutzt. Danach kaufte sie der Lützelsachsener Bürger Heinrich Jost für 1510 Gulden und baute sie zu einem Wohnhaus um. Er brachte an dem Gebäude sein Namenszeichen an (Jahreszahl 1823, darüber H für Heinrich, darunter E für Eva Jost). 17 Jahre später entschloss sich Heinrich Jost, dieses Bauwerk an die jüdische Gemeinde für 1700 Gulden zu verkaufen. Der Kaufvertrag wurde am 8. Juli 1840 von folgenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde unterschrieben: L. Mayer, Moses Kaufmann, Maier Wolff, Abraham Bachmann, Mendel Bär, David Bär, Emanuel Neu, Aron Neu, David Kaufmann, Hersch Lewenberger. Die jüdische Gemeinde übernahm die ehemalige Kirche, jetzt zweistockiges Wohnhaus samt einer Scheune und einer Stallung. Nach den Notizen des Gemeindeschreibers im Jahr 1865 bildetet der Betsaal ein Viereck, in dem sich die Stühle der Israeliten auf der nördlichen, östlichen, südlichen und westlichen Seite befanden. 

Bis in die 1930er-Jahre wurden in der Synagoge Gottesdienste gefeiert. Am 6. Mai 1938 wurde das Gebäude an Erich Fath verkauft und von diesem zu einem Wohnhaus umgebaut. Dadurch entging das Gebäude der Zerstörung in der Pogromnacht im November 1938. 

Von der ehemaligen Deutschordenskapelle stammte das "Lamm Gottes" am Giebel zur Straßenseite der Wintergasse (16. Jahrhundert), das bei der umfassenden Renovierung des Hauses 1987/88 durch eine Kopie ersetzt wurde (Original inzwischen im Museum Weinheim).
  

Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey Abb. 128)
Luetzelsachsen Synagoge 050.jpg (81442 Byte)
Die ehemalige Kirche/Synagoge von der Westseite
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Luetzelsachsen Synagoge 100.jpg (62414 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 103.jpg (51110 Byte)
Die ehemalige Kirche/Synagoge von der Nordseite Ansicht von Süden
Luetzelsachsen Synagoge 102.jpg (78757 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 104.jpg (52905 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 101.jpg (85909 Byte)
Hauseingang auf der Nordseite: eine Mesusaritze erinnert an die Zeit als jüdisches Haus; auf dem Türsturz das Namenszeichen von Heinrich und Eva Jost von 1823 (siehe oben)  Der Chorraum der ehemaligen Kirche Das "Lamm Gottes" von der Deutschordenskapelle - noch im Original
Fotos nach der Restaurierung des Gebäudes:
(Fotos: Hahn, oberes Foto links vom August 1988; Aufnahmedatum der anderen Fotos: 11.9.2003)
Luetzelsachsen Synagoge 180.jpg (55724 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 151.jpg (47054 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 152.jpg (36418 Byte)
Ansichten der ehemaligen Kirche/Synagoge wie oben; ein neben dem Gebäude stehendes Haus wurde abgebrochen (vgl. mit oben)
Luetzelsachsen Synagoge 150.jpg (24555 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 153.jpg (72482 Byte)
Der Chorraum der ehemaligen Kirche Das "Lamm Gottes", nur noch eine Kopie des im Museum befindlichen Originals

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Weinheim

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 178f.
Josef Fresin: Ortschronik von Lützelsachsen. Weinheim 1965. S. 57-64.
Rainer Gutjahr: Weinheimer und Lützelsachsener Juden im 18. Jahrhundert: eine Nachlese. In: Unser Museum 12 2001. S. 9-11.


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Luetzelsachsen  Baden.  A Jewish community of nearly 100 was present in 1825. Thirteen remained in 1933, of whom four emigrated to the United States and seven were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Two survived.

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. Oktober 2006