Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lützelsachsen (Stadt Weinheim, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Lützelsachsen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 wurden 97 jüdische Einwohner gezählt, 1832 94, 1830 90, 1864 120, 1871 122 (Höchstzahl jüdischer Einwohner), 1875 85, 1885 63, 1895 43, 1900 29, 1905 23, 1910 23. Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Vieh und Textilwaren. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und eine jüdische Schule (Religionsschule). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise im 19. Jahrhundert ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Hemsbach beigesetzt. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt. 
  
1933 wurden noch 13 jüdische Einwohner gezählt. An ehemaligen, bis in die 1920er-Jahre, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben in jüdischem Besitz sind bekannt: Koschere Metzgerei Jonas und Emanuel Bär (Sommergasse 73, Gebäude besteht nicht mehr), Viehhandlung Beni und Max Benjamin (Wintergasse 61, Gebäude besteht nicht mehr), Textilgeschäft Emil Neu (Weinheimer Straße 11), Pelzhandlung Neu (Weinheimer Straße 32), Mehl- und Futtermittelgeschäft David Sommer (Weinheimer Straße 23, Gebäude besteht nicht mehr), Eisenhandlung und Lebensmittelgeschäft Alfred Weil (Sommergasse 83).
  
Zwischen 1933 und 1938 mussten die jüdischen Geschäfte aufgegeben werden. Drei der jüdischen Einwohner starben nach 1933 noch in Lützelsachsen, vier konnten in die USA emigrieren, zwei sind 1939 nach Weinheim verzogen (nach der Deportation umgekommen). Die jüdische Gemeinde wurde offiziell durch einen Beschluss des Badischen Staatsministeriums vom 12. Oktober 1937 aufgelöst. Die letzten fünf jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Von ihnen wurde einer befreit, drei starben im Alter zwischen 78 und 82 Jahren in Gurs, die fünfte Person wurde in ein Vernichtungslager weiterdeportiert.   
      
Von den in Lützelsachsen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Beni Benjamin (1862), David Benjamin (1871), Max Benjamin (1858), Recha Heil geb. Neu (1867), Berta Lindheimer geb. Sommer (1861), Leopold Loeb (1879), Ferdinand (Fritz, Fred) Neu (1878), Clementine Weil geb. Lederer (1887), Heinrich Weil (1875).     
      
  
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Lützelsachsen gefunden.   

        
   
    

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Seit dem 18. Jahrhundert (1797 erste Nennung) bestand eine Synagoge ("Judenschule") in der Sommergasse 80. Nach der Einrichtung der neuen Synagoge 1841 wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. Bis kurz vor 1933 wohnte in ihm die jüdische Witwe Jonas. Das Gebäude ist bis heute erhalten. 
        
1840 bot sich der jüdischen Gemeinde ein geeignetes Haus als künftige Synagoge an. Die ehemalige lutherische Kirche in der Wintergasse (heute Wintergasse 77) stand zum Verkauf an. Diese Kirche war 1809 aus Steinen der katholischen Weinheimer Deutschordenskapelle erbaut worden. Sie wurde bis 1822 als Kirche genutzt. Danach kaufte sie der Lützelsachsener Bürger Heinrich Jost für 1510 Gulden und baute sie zu einem Wohnhaus um. Er brachte an dem Gebäude sein Namenszeichen an (Jahreszahl 1823, darüber H für Heinrich, darunter E für Eva Jost). 17 Jahre später entschloss sich Heinrich Jost, dieses Bauwerk an die jüdische Gemeinde für 1700 Gulden zu verkaufen. Der Kaufvertrag wurde am 8. Juli 1840 von folgenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde unterschrieben: L. Mayer, Moses Kaufmann, Maier Wolff, Abraham Bachmann, Mendel Bär, David Bär, Emanuel Neu, Aron Neu, David Kaufmann, Hersch Lewenberger. Die jüdische Gemeinde übernahm die ehemalige Kirche, jetzt zweistockiges Wohnhaus samt einer Scheune und einer Stallung. Nach den Notizen des Gemeindeschreibers im Jahr 1865 bildetet der Betsaal ein Viereck, in dem sich die Stühle der Israeliten auf der nördlichen, östlichen, südlichen und westlichen Seite befanden.
       
Bis in die 1930er-Jahre wurden in der Synagoge Gottesdienste abgehalten. Am 6. Mai 1938 wurde das Gebäude an Erich Fath verkauft und von diesem zu einem Wohnhaus umgebaut. Dadurch entging das Gebäude der Zerstörung in der Pogromnacht im November 1938.
     
Von der ehemaligen Deutschordenskapelle stammte das "Lamm Gottes" am Giebel zur Straßenseite der Wintergasse (16. Jahrhundert), das bei der umfassenden Renovierung des Hauses 1987/88 durch eine Kopie ersetzt wurde (Original inzwischen im Museum Weinheim).
  
    

Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey Abb. 128)
Luetzelsachsen Synagoge 050.jpg (81442 Byte)  
  Die ehemalige Kirche/Synagoge 
von der Westseite
  
     
     
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Luetzelsachsen Synagoge 100.jpg (62414 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 103.jpg (51110 Byte)
  Die ehemalige Kirche/Synagoge 
von der Nordseite
Ansicht des Gebäudes 
von Süden
     
Luetzelsachsen Synagoge 102.jpg (78757 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 104.jpg (52905 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 101.jpg (85909 Byte)
Hauseingang auf der Nordseite: eine Mesusaritze erinnert an die Zeit als jüdisches Haus; auf dem Türsturz das Namenszeichen von Heinrich und Eva Jost von 1823 (siehe oben)  Der Chorraum 
der ehemaligen Kirche
Das "Lamm Gottes" von der
 Deutschordenskapelle - noch im Original
   
   
     
Fotos nach der Restaurierung des Gebäudes:
(Fotos: Hahn, oberes Foto links vom August 1988; Aufnahmedatum der anderen Fotos: 11.9.2003)
Luetzelsachsen Synagoge 180.jpg (55724 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 151.jpg (47054 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 152.jpg (36418 Byte)
Ansichten der ehemaligen Kirche/Synagoge wie oben; ein neben dem Gebäude stehendes Haus wurde abgebrochen (vgl. mit oben)
   
   Luetzelsachsen Synagoge 150.jpg (24555 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 153.jpg (72482 Byte)
   Der Chorraum der 
ehemaligen Kirche
Das "Lamm Gottes", nur noch eine Kopie des im Museum befindlichen Originals
 Das Gebäude im März 2010
(Fotos: Michael Ohmsen, vgl. Website 
von M. Ohmsen mit 
Fotos aus Weinheim und Stadtteilen
    
Luetzelsachsen Denkmal 133.jpg (115152 Byte)  Luetzelsachsen Synagoge 410.jpg (386023 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 160.jpg (352333 Byte) Luetzelsachsen Synagoge 185.jpg (249251 Byte)
 Hinweistafel  Bei den oben eingestellten Fotos handelt es sich um hochauflösende Fotos 
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb)  
  
 Text der Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge. Das Gebäude wurde 1811 als lutherische Kirche erbaut. 
Das Baumaterial und die Lamm-Gottes-Darstellung an der Giebelseite stammen von der abgebrochenen Deutschordenskirche 
in Weinheim. Ab 1821 diente das Gebäude als Wohnhaus. 1840 richtete die israelitische Gemeinde hier die Synagoge ein. 
Seit Mai 1938 wird das Gebäude wieder als Wohnhaus genutzt."    
   
 Das Gursdenkmal 
(Fotos: Michael Ohmsen; 
Aufnahmedatum: Oktober 2011)
 
Luetzelsachsen Denkmal 120.jpg (564905 Byte) Luetzelsachsen Denkmal 134.jpg (181211 Byte) Luetzelsachsen Denkmal 130.jpg (224294 Byte) Luetzelsachsen Denkmal 131.jpg (201735 Byte) Luetzelsachsen Denkmal 132.jpg (277238 Byte)
Gursdenkmal am Eingang zum allgemeinen Friedhof der Gemeinde mit Hinweistafel: "Dieser Gedenkstein wurde im Rahmen des Ökumenischen Jugendprojektes Mahnmal zur Erinnerung an die deportierten Juden aus Baden am 22. Oktoebr1940 in das Lager Gurs, Frankreich errichtet. Viele starben dort oder wurden in Auschwitz ermordet." Ein identisches Denkmal wird in der zentralen Gedenkstätte Neckarzimmern aufgestellt.  
      

    
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Oktober 2010: Veranstaltungen des Arbeitskreises "Juden in Lützelsachsen"  
Luetzelsachsen Sto 110.jpg (23904 Byte)Foto links: Stolpersteine wie diese 2009 verlegten spielen mittlerweile auch in Lützelsachsen eine Rolle. Bild:  Pressearchiv.   
Artikel in vom Oktober 2010 (Artikel): "Lützelsachsen - 70 Jahre später. 
Lützelsachsen
. Am 22. Oktober 1940 wurden fünf Lützelsachsener Bürger gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt und nach Südfrankreich ins Lager Gurs deportiert. Das geschah, weil sie jüdischen Glaubens waren. Es waren die Brüder Max und Benni Benjamin, Cilly Vollweiler, Bertha Lindheimer und Thekla Maier. Nur Thekla Maier hat das Lager überlebt. Genau 70 Jahre später, am 22.Oktober 2010, lädt der Arbeitskreis 'Juden in Lützelsachsen' zu einem Erinnerungsweg durch Lützelsachsen ein. Er beginnt um 18.30 Uhr am Mahnmal vor dem Friedhof, führt an den 'Stolpersteinen' vorbei, die in der Weinheimer Straße vor den ehemaligen Häusern der Verschleppten liegen, zur früheren Synagoge in der Wintergasse.
Dort wird eine Tafel der Öffentlichkeit übergeben, die auf die Geschichte dieses besonderen Gebäudes hinweist. Der Weg mündet ins evangelische Gemeindehaus. Hier wird um 20 Uhr der Film "Menachem und Fred" gezeigt. Er erzählt die Geschichte von zwei Brüdern, die als Kinder aus Hoffenheim nach Gurs verschleppt wurden und sich als alte Männer wieder treffen. Nach dem Film steht Albrecht Lohrbächer, der am Zustandekommen des Films mitbeteiligt war, für ein Gespräch zur Verfügung."   
 
 

 


    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Weinheim

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 178-179.
Josef Fresin: Ortschronik von Lützelsachsen. Weinheim 1965. S. 57-64.
Rainer Gutjahr: Weinheimer und Lützelsachsener Juden im 18. Jahrhundert: eine Nachlese. In: Unser Museum 12 2001. S. 9-11.
ders.: Vier Dokumente zur Geschichte der Juden in Lützelsachsen an der Bergstraße. In: Unser Museum. Mitteilungen des Förderkreises des Museums Weinheim Nr. 18 2007 S. 24-30.   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Luetzelsachsen  Baden.  A Jewish community of nearly 100 was present in 1825. Thirteen remained in 1933, of whom four emigrated to the United States and seven were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Two survived. 
    

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Oktober 2011