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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Lützelsachsen (Stadt Weinheim, Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Lützelsachsen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937. Ihre Entstehung geht in
die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1825 wurden 97 jüdische Einwohner gezählt, 1832 94, 1830 90, 1864 120,
1871 122 (Höchstzahl jüdischer Einwohner), 1875 85, 1885 63, 1895 43, 1900 29,
1905 23, 1910 23. Die jüdischen
Familien lebten vor allem vom Handel mit Vieh und Textilwaren.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und
eine jüdische Schule (Religionsschule). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war - zumindest zeitweise im 19. Jahrhundert ein jüdischer Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die
Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Hemsbach
beigesetzt. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg
zugeteilt.
1933 wurden noch 13 jüdische Einwohner gezählt. An ehemaligen, bis in die
1920er-Jahre, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
in jüdischem Besitz sind bekannt:
Koschere Metzgerei Jonas und Emanuel Bär (Sommergasse 73, Gebäude besteht
nicht mehr), Viehhandlung Beni und Max Benjamin (Wintergasse 61, Gebäude
besteht nicht mehr), Textilgeschäft Emil Neu (Weinheimer Straße 11),
Pelzhandlung Neu (Weinheimer Straße 32), Mehl- und Futtermittelgeschäft David
Sommer (Weinheimer Straße 23, Gebäude besteht nicht mehr), Eisenhandlung und
Lebensmittelgeschäft Alfred Weil (Sommergasse 83).
Zwischen 1933 und 1938 mussten die jüdischen Geschäfte aufgegeben
werden. Drei der jüdischen Einwohner starben nach 1933 noch in Lützelsachsen,
vier konnten in die USA emigrieren, zwei sind 1939 nach Weinheim verzogen (nach
der Deportation umgekommen). Die jüdische Gemeinde wurde offiziell durch einen
Beschluss des Badischen Staatsministeriums vom 12. Oktober 1937 aufgelöst. Die
letzten fünf jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs
deportiert. Von ihnen wurde einer befreit, drei starben im Alter zwischen 78 und
82 Jahren in Gurs, die fünfte Person wurde in ein Vernichtungslager
weiterdeportiert.
Von den in Lützelsachsen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Beni Benjamin
(1862), David Benjamin (1871), Max Benjamin (1858), Recha Heil geb. Neu (1867),
Berta Lindheimer geb. Sommer (1861), Leopold Loeb (1879), Ferdinand (Fritz,
Fred) Neu (1878), Clementine Weil geb. Lederer (1887), Heinrich Weil
(1875).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Lützelsachsen gefunden. |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Seit dem 18. Jahrhundert (1797
erste Nennung) bestand eine Synagoge ("Judenschule") in der
Sommergasse 80. Nach der Einrichtung der neuen Synagoge 1841 wurde das Gebäude
zu einem Wohnhaus umgebaut. Bis kurz vor 1933 wohnte in ihm die jüdische Witwe
Jonas. Das Gebäude ist bis heute erhalten.
1840 bot sich der jüdischen Gemeinde ein geeignetes Haus
als künftige Synagoge an. Die ehemalige lutherische Kirche in der Wintergasse
(heute Wintergasse 77) stand zum Verkauf an. Diese Kirche war 1809 aus Steinen
der katholischen Weinheimer Deutschordenskapelle erbaut worden. Sie wurde bis
1822 als Kirche genutzt. Danach kaufte sie der Lützelsachsener Bürger Heinrich
Jost für 1510 Gulden und baute sie zu einem Wohnhaus um. Er brachte an dem Gebäude
sein Namenszeichen an (Jahreszahl 1823, darüber H für Heinrich, darunter E für
Eva Jost). 17 Jahre später entschloss sich Heinrich Jost, dieses Bauwerk an die
jüdische Gemeinde für 1700 Gulden zu verkaufen. Der Kaufvertrag wurde am 8.
Juli 1840 von folgenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde unterschrieben: L.
Mayer, Moses Kaufmann, Maier Wolff, Abraham Bachmann, Mendel Bär, David Bär,
Emanuel Neu, Aron Neu, David Kaufmann, Hersch Lewenberger. Die jüdische
Gemeinde übernahm die ehemalige Kirche, jetzt zweistockiges Wohnhaus samt einer
Scheune und einer Stallung. Nach den Notizen des Gemeindeschreibers im Jahr 1865
bildetet der Betsaal ein Viereck, in dem sich die Stühle der Israeliten auf der
nördlichen, östlichen, südlichen und westlichen Seite befanden.
Bis in die 1930er-Jahre wurden in der Synagoge
Gottesdienste abgehalten. Am 6. Mai 1938 wurde das Gebäude an Erich Fath verkauft
und von diesem zu einem Wohnhaus umgebaut. Dadurch entging das Gebäude der
Zerstörung in der Pogromnacht im November 1938.
Von der ehemaligen Deutschordenskapelle stammte das "Lamm
Gottes" am Giebel zur Straßenseite der Wintergasse (16. Jahrhundert), das
bei der umfassenden Renovierung des Hauses 1987/88 durch eine Kopie ersetzt
wurde (Original inzwischen im Museum Weinheim).
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey Abb. 128) |
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Die ehemalige Kirche/Synagoge
von der Westseite |
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Die ehemalige Kirche/Synagoge
von der Nordseite |
Ansicht des Gebäudes
von Süden |
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| Hauseingang auf der Nordseite:
eine Mesusaritze erinnert an die Zeit als jüdisches Haus; auf dem
Türsturz das Namenszeichen von Heinrich und Eva Jost von 1823 (siehe
oben) |
Der Chorraum
der ehemaligen
Kirche |
Das "Lamm Gottes"
von der
Deutschordenskapelle - noch im Original |
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Fotos nach der Restaurierung
des Gebäudes:
(Fotos: Hahn, oberes Foto links vom August 1988; Aufnahmedatum
der anderen Fotos: 11.9.2003) |
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| Ansichten der
ehemaligen Kirche/Synagoge wie oben; ein neben dem Gebäude stehendes Haus
wurde abgebrochen (vgl. mit oben) |
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Der Chorraum der
ehemaligen
Kirche |
Das "Lamm Gottes",
nur noch eine Kopie des im Museum befindlichen Originals |
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Das Gebäude im März 2010
(Fotos: Michael Ohmsen, vgl. Website
von M. Ohmsen mit
Fotos aus Weinheim und Stadtteilen) |
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| Hinweistafel |
Bei
den oben eingestellten Fotos handelt es sich um hochauflösende
Fotos
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb) |
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Text
der Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge. Das Gebäude wurde 1811 als
lutherische Kirche erbaut.
Das Baumaterial und die Lamm-Gottes-Darstellung an der Giebelseite stammen
von der abgebrochenen Deutschordenskirche
in Weinheim. Ab 1821 diente das Gebäude als Wohnhaus. 1840 richtete die
israelitische Gemeinde hier die Synagoge ein.
Seit Mai 1938 wird das Gebäude wieder als Wohnhaus genutzt." |
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Das
Gursdenkmal
(Fotos: Michael Ohmsen;
Aufnahmedatum: Oktober 2011) |
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| Gursdenkmal
am Eingang zum allgemeinen Friedhof der Gemeinde mit Hinweistafel: "Dieser Gedenkstein wurde im Rahmen des
Ökumenischen Jugendprojektes Mahnmal zur Erinnerung an die deportierten
Juden aus Baden am 22. Oktoebr1940 in das Lager Gurs, Frankreich
errichtet. Viele starben dort oder wurden in Auschwitz ermordet." Ein
identisches Denkmal wird in der zentralen Gedenkstätte
Neckarzimmern aufgestellt. |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Oktober 2010:
Veranstaltungen des Arbeitskreises "Juden in
Lützelsachsen" |
Foto
links: Stolpersteine wie diese 2009 verlegten spielen mittlerweile auch in Lützelsachsen eine Rolle. Bild:
Pressearchiv.
Artikel in vom Oktober 2010 (Artikel): "Lützelsachsen - 70 Jahre später.
Lützelsachsen. Am 22. Oktober 1940 wurden fünf Lützelsachsener Bürger gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt und nach Südfrankreich ins Lager Gurs deportiert. Das geschah, weil sie jüdischen Glaubens waren. Es waren die Brüder Max und Benni Benjamin, Cilly Vollweiler, Bertha Lindheimer und Thekla Maier. Nur Thekla Maier hat das Lager überlebt. Genau 70 Jahre später, am 22.Oktober 2010, lädt der Arbeitskreis
'Juden in Lützelsachsen' zu einem Erinnerungsweg durch Lützelsachsen ein. Er beginnt um 18.30 Uhr am Mahnmal vor dem Friedhof, führt an den
'Stolpersteinen' vorbei, die in der Weinheimer Straße vor den ehemaligen Häusern der Verschleppten liegen, zur früheren Synagoge in der Wintergasse.
Dort wird eine Tafel der Öffentlichkeit übergeben, die auf die Geschichte dieses besonderen Gebäudes hinweist. Der Weg mündet ins evangelische Gemeindehaus. Hier wird um 20 Uhr der Film "Menachem und Fred" gezeigt. Er erzählt die Geschichte von zwei Brüdern, die als Kinder aus Hoffenheim nach Gurs verschleppt wurden und sich als alte Männer wieder treffen. Nach dem Film steht Albrecht Lohrbächer, der am Zustandekommen des Films mitbeteiligt war, für ein Gespräch zur Verfügung." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 178-179. |
 | Josef Fresin: Ortschronik von Lützelsachsen. Weinheim 1965. S. 57-64. |
 | Rainer Gutjahr: Weinheimer und Lützelsachsener Juden im 18.
Jahrhundert: eine Nachlese. In: Unser Museum 12 2001. S. 9-11.
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 | ders.: Vier Dokumente zur Geschichte der Juden in
Lützelsachsen an der Bergstraße. In: Unser Museum. Mitteilungen des
Förderkreises des Museums Weinheim Nr. 18 2007 S. 24-30.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Luetzelsachsen Baden. A Jewish community of nearly 100
was present in 1825. Thirteen remained in 1933, of whom four emigrated to the
United States and seven were deported to the Gurs concentration camp on 22
October 1940. Two survived.

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