Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  

Zur jüdischen Geschichte in Weinheim siehe vor allem auch die Seiten bei  
www.juden-in-weinheim.de 

      
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der "Israelitischen Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben" sowie der "Bildungsanstalt für israelitische Lehrer"  
Einzelne Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Stadt Weinheim bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Zwischen 1228 und 1391 werden Juden in der Stadt genannt. In den Jahren 1298 und 1348/49 fanden Judenverfolgungen statt.  
 
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. In und nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden - zunächst vereinzelt - Juden aufgenommen. Ende des 17. Jahrhunderts lebten bereits 16 jüdische Familien in der Stadt. 

Im 18. Jahrhundert ging die Zahl der Juden zurück. 1722 lebten zehn, 1743 zwölf jüdische Familien in der Stadt. Im 18./19. Jahrhundert lebten die Weinheimer Juden vor allem vom Kram- und Viehhandel oder waren als Metzger tätig. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1800 8 jüdische Familien, 1825 54 jüdische Einwohner (1,2 % von insgesamt 4.693 Einwohnern), 1875 129 (1,9 % von 6.723), 1900 155 (1,4 % von 11.167). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1905 mit 192 Personen erreicht, um danach langsam zurückzugehen: 1910 188 jüdische Einwohner (1,3 % von insgesamt 14.170 Einwohnern). 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem zentralen Friedhof in Hemsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Besondere, das Gemeindeleben prägende Lehrerpersönlichkeiten waren: in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Elkan Schreiber, der von 1852 oder 1853 an über mehrere Jahrzehnte in der Gemeinde wirkte und 1892 sein 40-jähriges Ortsjubiläum feiern konnte (siehe Texte unten) sowie im 20. Jahrhundert Kantor Marx Maier, der 1904 den Synagogenchorverein Weinheim und 1918 den Kammermusikverein Weinheim gründete. Die Gemeinde gehörte (bereits seit 1827) zum Rabbinatsbezirk Heidelberg.      
 
Einige Jahre war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Weinheim ein Zentrum orthodoxen jüdischen Lernens, nachdem der hoch anerkannte jüdische Gelehrte Dr. Hirsch Plato (ein Schwiegersohn von Samson Raphael Hirsch) 1861 in Weinheim ein Lehrerseminar (Bildungsanstalt für israelitische Lehrer), verbunden mit einer "Israelitischen Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben" eröffnete (vgl. Artikel unten).  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde David Karl (geb. 20.7.1876 in Weinheim, gest. 9.11.1917 in Gefangenschaft), Gefreiter Bernhard Lehmann (geb. 8.11.1887 in Weinheim, gef. 15.2.1917), Max Lehmann (geb. 25.1.1879 in Weinheim, gef. 6.7.1915), Siegmund Rothschild (geb. 3.11.1883 in Weinheim, gef. 27.6.1916) und Gefreiter Moritz Rothschild (geb. 23.8.1889 in Weinheim, gef. 27.8.1917). Ihre Namen stehen auf den Gedenktafeln des Ehrenmales für die Gefallenen in der Bahnhofstraße. Außerdem sind gefallen: Robert Neu (geb. 13.6.1890 in Weinheim, vor 1914 in Stuttgart-Bad Cannstatt wohnhaft, gef. 24.8.1914) und Moritz Mendel (geb. 16.2.1890 in Weinheim, vor 1914 in Flamersheim wohnhaft, gef. 20.2.1916).    
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 160 Personen gehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde Dr. Moritz Pfälzer, David Benjamin und Jakob Bloch. Als Hauptlehrer an der Simultanschule der Stadt und als Kantor wirkte der bereits genannte Marx Maier. Er erteilte 1924 insgesamt 45 Kindern an öffentlichen Schulen den Religionsunterricht (im Schuljahr 1931/32 noch 22 Kindern). An jüdischen Vereinen bestanden der Bruderverein (Chewrah) Bikkur Cholim (Israelitische Krankenunterstützungs- und Sterbekassenverein, 1868 gegründet, 1924 unter Leitung von David Benjamin mit 18 Mitgliedern),  der Synagogenchorverein (1924 unter Leitung von Adolf Braun mit 20 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von K. Maier), ein Jüdischer Frauenbund (gegründet 1928; 1932 Vorsitzende Betty Liebmann mit 29 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), ein Jüdischer Jugendbund (1932 unter Leitung von Ruth Maier), ein Verein "Kameraden" (1932 unter Leitung von Hannah Lichtenstein). 1932 waren die Vorsteher weiterhin Dr. Moritz Pfälzer (1. Vor.), Jakob Bloch (2. Vors.) und David Benjamin (3. Vors.). Es bestand neben dem Vorstand eine Repräsentanz der Gemeinde mit dem 1. Vorsitzenden Max Hirsch und dem 2. Vorsitzenden Isak Weil.        
    
Bis nach 1933 gehörte eine große Zahl von Gewerbe- und Handelsbetrieben jüdischen Familien, darunter Textilgeschäfte, ein Warenhaus und andere Geschäfte. Von besonderer Bedeutung war die Lederfabrik Hirsch, die bedeutendste Rosslederfabrik Deutschlands mit bis zu 400 Beschäftigten. Folgende Geschäfte und Betriebe können in Auswahl genannt werden
:
Mehl- und Getreidehandlung Ludwig Altstädter (Tannenstraße 13), Mehl- und Getreidehandlung Nathan Altstädter (Hauptstraße 50), Modehaus Bergen, Inh. Siegfried Bergen (Hauptstraße 96), Eisenhandlung Moritz Hamburger (Entengasse 4), Textilgeschäft Isaak Heil (Hauptstraße 63), Fa. Lederwerke Sigmund Hirsch (im Gewann "Zwischen den Dämmen"), Inh. Artur Hirsch (Bismarckstraße 4), Julius Hirsch (Bismarckstraße 5), Max Hirsch (Bergstraße 6), Metzgerei Hermann Hirsch (Müllheimer Talstraße 24), Textilgeschäft Gabriel Lehmann (Hauptstraße 17), Textilgeschäft Heinrich Liebmann (Hauptstraße 97), Viehhandlung Moses Maas (Nördliche Hauptstraße 70), Warenhaus Geschw. Mayer (Institutsstraße 3), Holz- und Kohlenhandlung Louis Oppenheimer (Lindenstraße 16), Praktischer Arzt Dr. Friedrich Reiss (Bahnhofstraße 21), Textilhaus Hugo Rothschild (Hauptstraße 75), Schuhhandlung Leopold Schloß (Grundelbachstraße 18), Schuhmacherei Samuel Simon (Amtsgasse 2), Textilgeschäft Ferdinand Stiefel (Amtsgasse 3), Textilgeschäft Josef Wetterhahn (Hauptstraße 69) sowie der Rechtsanwalt Dr. Moritz Pfälzer (Ehretstraße 10).   
   
1933 lebten 168 jüdische Personen in Weinheim. Die Nationalsozialisten hatten sich bereits Jahre zuvor bemerkbar gemacht. 1927 hatte ein Gemeinderatsmitglied die Einführung des wahlfreien hebräischen Unterrichts im Realgymnasium abgelehnt. 1933 wurde jüdische Geschäfte im Zusammenhang mit den Boykottmaßnahmen teilweise durch gelbe Kreise an den Schaufenstern gekennzeichnet. Auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts sind in den folgenden Jahren 102 der jüdischen Einwohner - überwiegend in die USA emigriert; 25 verzogen in andere Städte. Die letzten 47 wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Ein Großteil von ihnen ist in der Folgezeit in Frankreich beziehungsweise nach dem Weitertransport in das KZ Auschwitz umgekommen / ermordet worden. 
 

Von den in Weinheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Altstädter geb. Hirsch (1893), Ludwig Altstädter (1892), Rosa Altstädter, Leopold Assenheim (1898), Arthur Auerbacher (1898), Berthold Auerbacher (1927), Herbert Auerbacher (1931), Johanna Auerbacher geb. Freund (1896), Emil Bär (1877), Flora Bär (1902), Louis Bär (1881), Richard Bär (1886), Rudolphine Bär (1879), David Benjamin (1871), Emilie Benjamin geb. Blüm (1870), Friederike Böhm geb. Lehmann (1888), Elsa Brand geb. Neu (1888), Sigmund Brückmann (1875), Helene Dahl (1895), Fritz Dalsheim (1892), Johanna Dalsheim geb. Oppenheimer (1892), Willi David (1880), Albert Eckhaus (1912), Felicitas Eckstein geb. Freudenberger (1892), Lore Eckstein (1921), Josef Friedhaber (1906), Minna Frohmann (1898), Hermine Gladtke geb. Neu (1879), Emil Haberer (1874), Recha Heil geb. Neu (1867, Foto des Grabsteines in Gurs siehe unten), Betty Hirsch geb. Herzog (1879), Martha Recha Hirsch (1910), Rudolf (Raphael) Hirsch (1877), Rosa Hirsch geb. Herzog (1883), Frieda Kahn geb. Oppenheimer (1885), Jettchen Kahn (1873), Berta Kassel geb. Marx (1885), Paul Kassewitz (1900), Berta Kaufmann (1883), Herbert Kaufmann (1884), Julius Kiefer (1898), Charlotte Kirschbaum geb. Hirsch (1912), Anna Krell geb. Kapustin (1907), Emma (Ella) Lehmann geb. Götter (1857), Gustav Lehmann (1880), Erna Leiser geb. Joachimszyk (1886), Bella Lichtenstein (1901), Heinrich Liebmann (1875), Berta Lindheimer geb. Sommer (1862), Amalie Lörsch geb. Müller (1897), Daniel Marx (1860), Salomon Marx (1892), Therese Marx geb. Krämer (1886), Joachim Hans Milkuschütz (1910), Lieselotte Mirjam Milkuschütz (1914), Alfred Neu (1895), Ferdinand Neu (1878), Hanchen Neu (1882), Hedwig Neu geb. Rauner (1884), Max Neu (1878), Rosalie Neu geb. Meyer (1880), Elise Oppenheimer geb. Schimann (1882), Friderika Oppenheimer geb. Lehmann (1885), Henny Oppenheimer (1896), Louis Oppenheimer (1864), Regina Oppenheimer (1906), Sara Oppenheimer (1883), Friedrich Rapp (1888), Tilly Rapp geb. Heil (1902), Heinrich Rosenberg (1878), Selma Rosenberg geb. Levi (1883), Julius Rothschild (1867), Sophia Rothschild (1880), Helene Schiff geb. Lehmann (1879), Gertrud Schloss geb. Haas (1899), Leopold Schloss (1898), Lina Schnirer geb. David (1873), Bernhard Schreiber (1871), Leo Schwarzschild (1871), Rosa Schwarzschild (), Heinrich Seelig (1874), Max Selig (1893), Fanny Margarete (Grete) Sondheim geb. Altstädter (1901), Harry Sonnenberg (1897), Martha Sonnenberg geb. Levi (1897), Ruth Sonnenberg (1926), Ferdinand Stiefel (1878), Berta Strauß geb. Altstädter (1896), Berta Weichsel (1881), Clementine Weil geb. Lederer (1887), Heinrich Weil (1875), Bernard Marcel Weill (1885), Lucie Zeilberger geb. Altstädter (1901).   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers/Vorbeters (1847 / 1853)   
  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 10. Februar 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bei der israelitischen Gemeinde Weinheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 135 fl. sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Heidelberg zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 30. März 1853 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Durch die von großherzoglichem Oberrate dem Religionslehrer Strauß auf Ansuchen bewilligte Dispensation von seinem Amte ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters bei der israelitischen Gemeinde Weinheim, mit einem Gehalt von 135 fl., einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes schulpflichtige Kind und den übrigen Gefällen erledigt. 
Die Bewerber haben sich unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen sechs Wochen durch das betreffende Rabbinat an die Bezirkssynagoge Heidelberg zu wenden."        

  
50-jähriges Dienstjubiläum sowie 40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Elkan Schreiber (Lehrer in Weinheim seit 1852) 
Anmerkung: auf Grund der Ausschreibung oben vom März 1853 war Elkan Schreiber vermutlich erst ab 1853 in Weinheim.      

Weinheim Israelit 28041892.JPG (136518 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1892: "Weinheim. Eine Freuden- und Festesfeier beging am 2. April die hiesige israelitische Gemeinde zu Ehren ihres Lehrer Herrn Elkan Schreiber, welcher an diesem Tage sein 50jähriges Dienstjubiläum beging und bereits 40 Jahre in hiesiger Gemeinde wirkt. Morgens 1/2 9 Uhr versammelte sich die israelitische Gemeinde in der Synagoge zum Festgottesdienst. Die Gemeinde hatte Festgewand angelegt. Der unter Leitung des Herrn Hauptlehrers Bomhard gut geschulte Kinderchor sang die Festgesänge in ergreifender Weise. Herr Lehrer Lehmann, Schwiegersohn des Jubilars, hielt die Festpredigt. Herr Schreiber hielt sodann eine Anrede an die Gemeinde, in welcher er einen kurzen Rückblick auf das Entstehen der Gemeinde warf; mit Dank an Gott und Gemeinde schloss seine Rede. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab sich die Schuljugend unter Begleitung des Synagogenrates und vieler Gemeindemitglieder in die Wohnung des Jubilars, wo der gesamte Synagogenrat seine Glückwünsche unter gleichzeitiger Überreichung eines silbernen Tafelaufsatzes, darbrachte. Der Schüler Leopold Rosenfeld beglückwünschte den Jubilar im Namen der jetzigen und früheren Schüler und übergab demselben einen Ruhesessel. Den zweiten Teil der Feier bildete das Abends 9 Uhr im Gasthause zum grünen Laub abgehaltene Bierbankett. Fast sämtliche Gemeindemitglieder mit ihren Familien waren erschienen. Verschiedene Toaste wurden ausgebracht, Gesang- und  Musikstücke wechselten ab, erst morgens 1 Uhr trennte man sich mit dem Bewusstsein, einen schönen Tag verlebt zu haben. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange in hiesiger Gemeinde zu wirken."

 
  
Zur Geschichte der "Israelitischen Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben" sowie der "Bildungsanstalt für israelitische Lehrer"  
Anzeigen für die beiden Einrichtungen (1861-1863)  

Weinheim AZJ 29011861.jpg (87969 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Januar 1861: "Die Lehr- und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben in Weinheim an der Bergstraße (Baden) ist am 1. November dieses Jahres unter Leitung des Herrn Dr. Plato eröffnet worden. - Vier Klassenlehrer erteilen den Unterricht - Eine Hausmutter sorgt für die körperliche Pflege der Zöglinge. - Anmeldungen beliebe man an den Direktor zu adressieren. 
Karlsruhe, den 26. Dezember 1860. Das provisorische Komitee der Gesellschaft zur Unterhaltung des israelitischen Institutes zu Weinheim. J. Henlé."
 
Weinheim Israelit 21081861n.jpg (125629 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1861: "Die vom Großherzoglichen Badischen Ministerium genehmigte Bildungsanstalt für israelitische Lehrer in Weinheim an der Bergstraße wird am 1. Oktober dieses Jahres eröffnet werden. - Die Oberaufsicht führt der Großherzogliche Oberrat der Israeliten. - Der Unterricht beschäftigt sich mit der Befestigung und Erweiterung der elementaren Kenntnisse und Fertigkeiten - namentlich durch Einführung in die vaterländische Literatur - und umfasst außerdem: Seelenlehre, Unterrichts- und Erziehungswissenschaft, französische Sprache, kaufmännische Buchführung, das biblische und rabbinische Schrifttum in dem für den Religionslehrer wünschenswerten Umfange und theoretische und praktische Anweisung zu den mit dem Amte eines solchen in der Regel verbundenen Funktionen. - Gelegenheit zur praktischen Ausbildung im Unterrichts- und Erziehungsfache bietet das mit dem Seminar verbundene Pensionat. - Die Anstalt steht auf dem Boden des traditionellen Judentums und erwartet von ihren Angehörigen einen jüdisch-religiösen Lebenswandel. - Für Wohnung, Kost und Unterricht jährlich 180 Gulden rhein. - Eine Anzahl unbemittelter Alumnen kann unentgeltlich aufgenommen werden. - Aspiranten wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse baldigst an den Unterzeichneten wenden. - 
Weinheim
, 13. August 1861. Dr. H. Plato."
  
Weinheim AZJ 18031862.jpg (77592 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. März 1862: "Lehr- und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben in Weinheim a.d. Bergstraße (Baden). Beginn des Sommerkursus am 27. April. - 60 Zöglinge werden von sechs ordentlichen Lehrern und einem Hilfslehrer unterrichtet. - Unterrichtsgegenstände: Hebräisch, Deutsch, Schönschreiben, kaufmännisches Rechnen, kaufmännische Buchführung, Französisch, Englisch, Mathematik, Naturkunde, Geographie, Geschichte, Zeichnen, Gesang. - Wöchentlich 44 Stunden. - Sorgfältige körperliche Pflege. - 
Jährliche Pension 250 Gulden rhein. - Nähere Auskunft und Anmeldungen bei Dr. H. Plato in Weinheim."  
 
Weinheim AZJ 07101862.jpg (202610 Byte)Anzeigen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Oktober 1862: "Bildungsanstalt für israelitische Lehrer in Weinheim an der Bergstraße (Großherzogtum Baden). Das Ziel der Anstalt ist die Ausbildung tüchtiger jüdischer Reallehrer. - Der Unterricht umfasst daher in einem dreijährigen Lehrkursus das biblische und rabbinische Schrifttum in dem für den Religionslehrer wünschenswerten Umfang, die deutsche, englische und französische Sprache, Rechnen, Geometrie, Algebra, Geographie, Geschichte, Naturgeschichte, Physik, Zeichnen, Turnen, Gesang und Violinspiel. - Die Anstalt steht auf dem Boden des traditionellen Judentums, und erwartet von ihren Angehörigen einen jüdisch-religiösen Lebenswandel. - Der Unterricht wird von 8 Lehrern in 45 wöchentlichen Stunden erteilt. - Für Kost, Wohnung und Unterricht jährlich 250 Gulden rhein. - Eine Anzahl unbemittelter Alumnen kann unentgeltlich aufgenommen werden. Der Direktor Dr. H. Plato
Lehr - und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben in Weinheim an der Bergstraße (Großherzogtum Baden). Der Unterricht wird in wöchentlich 44 Stunden von 6 ordentlichen und drei Hilfslehrern erteilt. - Unterrichtsgegenstände: Hebräisch, Deutsch, Schönschreiben, kaufmännisches Rechnen, kaufmännische Buchführung, Französisch, Englisch, Mathematik, Naturkunde, Geographie, Geschichte, Zeichnen, Gesang und Turnen. - Sorgfältige körperliche Pflege. - Jährliche Pension inklusive Schulgeld 250 Gulden rheinisch. Beginn des Wintersemesters am 26. Oktober. Der Direktor Dr. H. Plato."
Weinheim AZJ 07041863.jpg (53662 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. April 1863: "Israelitische Lehr- und Erziehungs-Anstalt für Knaben in Weinheim an der Bergstraße (Großherzogtum Baden). Unterrichtsgegenstände: Hebräisch, Deutsch, Schönschreiben, kaufmännisches Rechnen, kaufmännische Buchführung, Französisch, Englisch, Mathematik, Naturkunde, Geographie, Geschichte, Zeichnen, Gesang und Turnen. - Der Unterricht wird in drei Klassen von 10 Lehrern erteilt. - Sorgfältige körperliche Pflege. - Jährliche Pension inklusive Schulgeld 250 Gulden rhein.  Dr. H. Plato".   
 
Verlegung der Einrichtung nach Karlsruhe (1863)    
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1863: "Unsere Lehr- und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben wird von Weinheim nach Karlsruhe verlegt und im Oktober dieses Jahres daselbst eröffnet werden.
Durch den Ankauf eines geräumigen Hauses mit Turnplatz und Garten in gesunder und schöner Lage sind wir im Stande, den Zöglingen die Annehmlichkeiten des Landlebens zu bereiten und ihre körperliche Entwicklung in heilsamer Weise zu fördern.  
Unterrichtsgegenstände: Hebräisch, Deutsch, Schönschreiben, Rechnen, Französisch, Englisch, Mathematik, Naturkunde, Geographie, Geschichte, Zeichnen, Turnen, Gesang; für Handelsbeflissene auch kaufmännische Buchführung und Handels-Korrespondenz in deutscher, französischer und englischer Sprache. - Jährliche Pension 250 fl.  
Weinheim, den 6. September 1863. Dr. H. Plato."     

   
Bericht über die "Lehr- und Erziehungsanstalt" (1861)  

Weinheim Israelit 26061861.jpg (119558 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1861: "Aus Baden. Die im November vorigen Jahres in Weinheim a.d. Bergstraße gegründete Unterrichts- und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben, hat, trotz der Anfeindung, auf welche sie noch vor ihrem Erstehen gestoßen, trotz der Vorurteile, welche schon der Idee ihrer Stiftung hinderlich in den Weg traten, ihre Existenz zu sichern gewusst, und zwar nur durch die wahren Verdienste um die jüdische Jugend, welche sie an den Tag gelegt. Wir waren bei der nach kurzer Zeit des Bestehens schon vorgenommenen öffentlichen Prüfung, und konnten den selbst in den Realien erhielten großen Fortschritten, unsern vollkommenen Beifall zollen. Denn die Schüler nicht nur der höheren Klasse, sondern selbst die der niedrigsten 5. Klasse, die doch im strengsten Sinne des Wortes Nichts mitgebracht haben, zeigten nicht nur im Hebräischen und Rabbinischen, sondern auch in der Geschichte, Geographie, der deutschen Sprache, im Französischen etc. etc., erstaunliche Fortschritte. Besteht auch das ganze Lehrerpersonal aus lauter akademisch gebildeten Männern, und ist auch der Herr Direktor Dr. Plato eine anerkannte Persönlichkeit, so muss man doch gestehen, dass das Vollbrachte nur durch gänzliche Hingebung und selbstverleugnende Aufopferung hat erreicht werden können. Als Augenzeuge des Berichteten fühlen wir uns verpflichtet, Obiges der Öffentlichkeit zu übergeben, und das jüdische Publikum auf diese Anstalt, welche jetzt schon circa 50 Schülern den Unterricht erteilt, aufmerksam zu machen. Sch."
  
Weinheim Jeschurun 1861 S599-600.JPG (136571 Byte)Derselbe Artikel erschien in der Zeitschrift "Jeschurun" Jg. 1861 S. 599-600.    

   
Prüfung an der Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben (1862)  

Weinheim Israelit 30041862a.jpg (131348 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1862: "Weinheim, im April (1862). Die diesjährige öffentliche Prüfung an der hiesigen Lehr- und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben unter Leitung des Herrn Dr. Plato, fand am 30. und 31. März, 1., 2. und 3. April dieses Jahres statt. Die Anstalt, welche erst seit 1 ½ Jahren, unter schwierigen Verhältnissen, gegründet wurde, umfasste am Schlusse dieses Semesters 64 Schüler, welche je nach ihren Fähigkeiten in drei verschiedene Klassen und deren Unterabteilungen, eingeteilt sind. Das Nähere diese Einteilung, sowie überhaupt die Unterrichtsgegenstände, sind in der eigens zu diesem Zwecke herausgegebenen Einladungsschrift, ausführlich angegeben. Die Prüfung der Zöglinge nahm die ersten 3 Tage in Anspruch, und fiel glänzend in allen Beziehungen, zur außerordentlichen Zufriedenheit der Eltern, Behörden und Lehrer aus. Von der Großherzoglichen Regierung wurden drei Prüfungskommissionen ernannte, mit der Bestimmung, der Prüfung auf Staatskosten beizuwohnen und über die Leistungen dieses Instituts, die zur Anwendung gebrachte Lehrmethode und dergleichen mehr, der höchsten Behörde des Landes amtlich Bericht zu erstatten. Von diesen drei Prüfungskommissionen waren bei der Prüfung anwesend: Herr Oberkirchenrat Mühlhäuser, Herr Oberrat Altmann von Karlsruhe und Herr Konferenz- und Bezirksrabbiner Fürst von Heidelberg. Außer diesen Herren waren ein Teil der Eltern der Zöglinge, sonstige Freunde der Anstalt, Herr Oberamtmann von Teuffel, der Herr Stadtbürgermeister, Freiherr von Schwarzkoppen und noch viele christliche, jüdische, hiesige und auswärtige Notabilitäten bei der Prüfung anwesend, welche mit vielem Interesse und großer
Weinheim Israelit 30041862b.jpg (174765 Byte)Aufmerksamkeit den Resultaten der Prüfung folgten. Überraschend war das Wissen der Schüler, keine Frage blieb unbeantwortet, und die Leistungen der Lehrer und der Schüler sind ausgezeichnet zu nennen. Die Regierungskommissare, sowie die Eltern waren sehr zufrieden mit der Ausbildung der Zöglinge, und letztere gingen mit dem frohen Bewusstsein nach Haus, dass die auf sie verwandte Mühe reichliche Früchte getragen habe. Mit dieser Lehr- und Erziehungsanstalt ist noch eine Bildungsanstalt für israelitische Lehrer verbunden, welche von 6 Zöglingen besucht wird, und welche am 2. und 3. April öffentlich geprüft wurden. Da es unserer hohen Regierung besonders darum zu tun ist, tüchtige Lehrer zu bekommen, und diese Zöglinge die ersten sind, welche sich dem Lehrerfache an dieser Anstalt widmen, so hat schon einen Tag vorher der Herr evangelische Oberkirchenrat Mühlhäuser die Seminaristen einer Privatprüfung unterzogen, um sich genau von der Unterrichtsweise, dem Lehrgang und der wissenschaftlichen Ausbildung dieser jungen Leute besonders zu überzeugen. Die Privatprüfung und die öffentliche Prüfung bei den Seminaristen fiel ebenfalls gut aus, und es war nur eine Stimmung der Anerkennung bei allen Anwesenden zu vernehmen. Endlich wurde es Donnerstagabend 6 Uhr, und zwei vorgetragene vierstimmige Gesänge zeigten an, dass der Schluss der Prüfung herangekommen war. Nach Beendigung des Gesanges hielt Herr Direktor Dr. Plato eine kurze Ansprache mit der Bemerkung, dass die eigentliche Schlussrede Herr Oberrat Altmann sich auserbeten habe, und letzterer drückte in seiner glanzvollen Rede seine Zufriedenheit mit dem Resultat der Prüfung, sowie seinen Dank für das Wirken der Lehrer an dieser Anstalt mit beredten Worten aus, denn nur durch vereintes Wirken der Lehrer konnten solche erfreuliche Resultate wie sie die vorübergegangene Prüfung offen darlegte, erzielt werden. Alle Anwesenden verließen in gehobener Stimmung das Prüfungslokal mit dem Wunsche, dass diese Anstalt unter Gottes Segen noch weiter gedeihen und um Segen für Israel fortblühen möge."  

  
80. Geburtstag von Dr. Hirsch Plato (Köln, 1902)
  
Anmerkung: Die Seiten werden nicht ausgeschrieben, da es keine direkten Zusammenhänge mit der jüdischen Geschichte in Pfungstadt gibt; bei Interesse zum Lesen bitte anklicken.  

Pfungstadt Israelit 28081902.jpg (320192 Byte) Pfungstadt Israelit 28081902a.jpg (453515 Byte) Pfungstadt Israelit 28081902b.jpg (172215 Byte) Pfungstadt Israelit 28081902g.jpg (401616 Byte) Pfungstadt Israelit 28081902h.jpg (457757 Byte)

   
Doktor-Jubiläum von Rabbiner Dr. Plato (1903)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1903: "Köln, 7. August (1903). (Doktor-Jubiläum). Der Vorsteher des israelitischen Lehrer-Seminars, Herr Rabbiner Dr. Plato, feiert heute die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an dem er auf der Universität Jena zum Doktor promovierte. Der Jubilar wurde im Jahre 1822 in Halberstadt geboren, besuchte das Gymnasium daselbst und später die Universität Jena, die er 1853 verließ. Nachdem er mehrere Jahre als Religionslehrer am israelitischen Realgymnasium in Frankfurt am Main gewirkt, leitete er später eine Knaben-Erziehungsanstalt in Weinheim an der Bergstraße, und wurde 1867 an das israelitischen Lehrerseminar für Rheinland und Westfalen berufen, das sich erst in Düsseldorf, dann in Ehrenfeld befand und nunmehr seit einer Reihe von Jahren in Köln besteht. Als Direktor dieser Anstalt hat Herr Dr. Plato eine außerordentlich wirksame und segensreiche Tätigkeit entfaltet und ist auch literarisch hervorgetreten. Seine Leutseligkeit und sein Wohltätigkeitssinn sind stadtbekannt und so nehmen die weitesten Kreise an dem Jubelfeste des bewährten und hoch angesehenen Mannes lebhaften Anteil. 
Soweit die Berichte der Kölnischen Tagesblätter. Wir fügen hinzu, dass Dr. Plato eine der Säulen des wahren Judentums ist, für dieses stets seine ganze Kraft eingesetzt hat und dass jeder echte Jude dem Jubilar heute den Wunsch nicht vergessen wird: Haschem haarich jomow isch'naußof. Red. d. 'Israelit'."        

 
Zum ersten Todestag von Dr. Hirsch Plato (1911)  

Weinheim Israelit 16031911a.jpg (615964 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1911: "Zum ersten Jahrzeitstage Dr. H. Platos - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. (25. Ador). Im vorigen Jahre, als der Lenz seinen Einzug zu halten sich vorbereitete, haben wir ihn verloren, den herrlichen Lehrer, den väterlichen Freund, den treuen Berater, den Fürsten der Tauro (Tora) und des Friedens. Stolz waren die Zöglinge des Kölner Lehrerseminars, den meister der Halachah, der auch in den gesetzeskundigsten Kreisen der Diaspora als Gaon geachtet und geehrt war, den ihrigen nennen zu dürfen. Dankbare Schülerpflicht regte daher auch die ehemaligen Kölner an, mit Genehmigung der Familien ihrem Dr. Plato den Stein (Grabstein) zu setzen, um dem Wanderer, der auch den ältesten Teil des Friedhofes der Colonia Agrippina betritt, zu künden: 'Noch sind dankbare Erkenntlichkeit und Liebe bis über den Tod nicht ausgestorben.' Der Text der Mazewoh-Inschrift soll später veröffentlicht werden. Hier möge in kurzen Zügen nochmals der Lebenslauf des großen Heimgegangenen kurz geschildert werden. Als Spross einer Familie, welche ihren Stammbaum auf M. R. Moses Isserles (Remo; in Krakau 1510-1572) zurückführte, am 23. August 1822 in Halberstadt geboren, empfing er dort, zugleich mit seinem gleichaltrigen, in innigster Freundschaft ihm verbunden gebliebenen Heimatgenossen Israel Hildesheimer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, in der Haschaarath Zewi-Schule einen über das Mittelmäßige weit hinaus gebenden Unterricht in den hebräischen und in den profanen Fächern. Den frommen Eltern stand es fest, den einzigen Sohn einer Talmudhochschule zuzuführen. Preßburg wurde erwählt. Man musste es den Verklärten selbst erzählen hören, wie dieser Plan mitten auf der beschwerlichen, langen Reise aufgegeben wurde und der jugendliche Knabe von der ihn begleitenden Mutter Abschied nahm, um in Braunschweig zu lernen. Dort wirkte damals Rabbi Sawel Eger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - eine der bedeutendsten rabbinischen Autoritäten jener Zeit, Verfasser scharfsinniger Novellen zu mehreren Talmudtraktaten. Der Greis war erblindet und nach antiker Weise erzog er den Knaben zu seinem Famulus, der beständig um ihn war, ihm 'vorlernt' und das ganz geistige Leben des Meisters teilte. Hier legte der Jugendliche die Grundlage zu seinem umfassenden, talmudischen Wissen, das mit nimmer rastendem Fleiß ein langes Menschenleben hindurch aufgebaut, entwickelt und vertieft, den Heimgegangenen zu einem wahrhaften Gaon, zu einer Autorität in allen halachischen Fragen machen, als welche er schon früher allgemein anerkannt war. Aber auch in weiterer Hinsicht wurde der Braunschweiger Aufenthalt entscheidend und richtunggebend für sein Leben: Die Neuerungsbestrebungen, die damals schon in Braunschweig sich regten, haben in dem empfänglichen Gemüte des hoch begabten Jünglings als Reaktion eine unerschütterliche Festigkeit, ein seelisches Festsaugen an dem Born aller Kraft und Größe unseres Volkes, eine unauslöschliche Ehrfurcht vor dem geschichtlichen Judentum ausgelöst. Diese Lehrjahre mit ihrer Einsamkeit gedankenhafter Arbeit trugen dazu bei, das Eigentümliche seiner Wesensart zu entfalten und zur Reihe zu bringen, jenen vornehmen, aristokratischen Zug auszubilden, der dem Entschlafenen zeitlebens eignete. 
Nachdem er seine Gymnasial- und dann in Jena seine Universitätsstudien im Jahre 1853 beendet hatte, trat er 2 Jahre später als Lehrer in die neu begründete Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main ein, wo er mit einer Arbeit über 'Machiavelli's religiöse und politische Gesinnung' literarische debütierte. Hier ward ihm das größte Glück seines Lebens zuteil: die ebenbürtige Tochter Samson Raphael Hirschs - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - als Gattin heimzuführen, die als sein guter Genius ihm das tiefste Verständnis entgegenbrachte, als Priesterin der Menschenliebe an seiner Seite wirkte und noch lange wirken möge. Der Plato wäre sicherlich, wie kaum einer, berufen gewesen, als religiöses Oberhaupt an der Spitze der größten Gemeinde zu treten; aber in richtiger Erkenntnis der Forderung der Zeit zog er es vor, Jugendbildner zu sein und zu erziehen. Als er die Entscheidung über seinen künftigen Beruf zu treffen hatte, tagte in Braunschweig jene famose Rabbinerversammlung, die sich sakrilegisch vermaß, an die Stelle des Judentums, wie es den Sturm der Jahrtausende überdauert hatte, ein willkürlich erklügeltes Machwerk des Menschengeistes setzen zu wollen, die den lächerlichen Gedanken hegte, durch Orgelklang und ähnliche armselige Mittelchen die Krankheit der Zeit heilen zu können. Angesichts dieser Zerstörungsorgien möchte in manchen die sorgenvolle bange Frage sich regen, wie es mit der Zukunft des Judentums in Deutschland bestellt sein würde. Dr. Plato war einer jener einsichtsvollen Männer, die diese Frage rechtzeitig sich stellten, und seiner inneren Anlage gemäß beantwortete er sie so, wie nach einem bekannten Berichte des Talmuds Rabbi Chija einst die Frage, was geschehen müsse, wenn in den Tagen des Verfalls die Tora vergessen werden könnte, geantwortet hat: 'Ich werde... dorthin gehen, wo es an Kinderlehrern fehlt und selbst den Unterricht der Jugend übernehmen.'  
Von diesem Verlangen beseelt, gründete der Heimgegangene in Weinheim (Baden), eine Knabenerziehungsanstalt und gliederte derselben unter namhaften finanziellen Opfern ein Lehrerseminar an, dessen Leistungen in den behördlichen Prüfungsbescheiden höchstes Lob fanden. Im Jahre 1861 folgte er dem Rufe an das von Rabbiner Dr. Feilchenfeld begründete jüdische Lehrerseminar in Düsseldorf, welches später, nachdem Dr. Plato die Leitung übernommen hatte, nach Ehrenfeld und dann im Jahre 1877 nach Köln verlegt wurde. 'Die Herren Dr. Plato und Schwarzschild', so heißt es in einem Prüfungsbescheid, 'sind Schulmeister in des Wortes herrlichster Bedeutung'. Hier gründete der Entschlafene mit wenigen gesinnungstüchtigen Männern eine Religionsgesellschaft, die heute so kräftige erstarkte Synagogengemeinde 'Adass Jeschurun' und den segensreich wirkenden Wohltätigkeitsverein 'Kossnaus Or'...     der weitere Artikel wird nicht ausgeschrieben, da er nicht in Zusammenhang mit der Weinheimer jüdischen Geschichte steht - bei Interesse anklicken. 
Weinheim Israelit 16031911b.jpg (97177 Byte)....
So ist der gottbegnadete, der einzigartige Mann durchs Leben gewandelt; so wird seine Erinnerung in treuer Hut fortleben über das Grab hinaus. Noch lange wird seine Lieblingsschöpfung, das Kölner Lehrerseminar, das in diesen Tagen zum erstenmal die Entlassungsprüfung selbst abzunehmen so glücklich ist, Schüler und Lehrer in alle Richtungen der Welt hinaussenden, die Platos Namen dadurch zu Ruhm und Ehrebringen, dass sie neben beruflicher Tüchtigkeit und vaterländischer Gesinnung das unverfälschte Gotteswort künden..."

      
Zum Tod von Lehrer Mathias Apelt, zeitweise Lehrer am Dr. Plato'schen Seminar in Weinheim (1907)  
Anmerkung: zu den genannten Feiertagen: tischo-boaw vgl. Wikipedia-Artikel TischabeAv, Asoro-betewes vgl. Wikipedia-Artikel Assara beTevet, Schiwo-osor-betamus vgl. Wikipedia-Artikel Schiwa Assar beTammus. Golus meint die jüdische Diaspora, vgl. Wikipedia-Artikel Jüdische Diaspora.    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1907: "Frankfurt am Main. Herr Mathias Apelt, ein Lehrer-Veteran, der in seiner mehr als 50-jährigen Dienstzeit das Muster treuer Pflichterfüllung gewesen ist, ist im Alter von 71 Jahren von seiner irdischen Wirksamkeit abberufen worden. 
Treffend zeichnete des Verblichenen Persönlichkeit Herr Rabbinats-Assessor G. Posen, der in Vertretung des im Bade weilenden Herrn Rabbiners Dr. Breuer an der Bahre sprach. Der ehrwürdige Redner nahm seinen Ausgang vom Tischo-boaw, dem Tage unserer nationalen Trauer. Der diesmalige Tischo-boaw habe der Religionsgesellschaft ein ihr wahrhaft ergebenes Mitglied und Hunderten von Mitgliedern der Religionsgesellschaft den Verlust ihres ehemaligen Lehrers gebracht. An den nationalen Verlust, den unser armes, gedrücktes Volk mit der Vertreibung aus dem Lande der Väter erlitten hat, erinnern die Fasttage Asoro-betewes und Schiwo-osor-betamus; Tischo-boaw sei aber nicht nur ein Fasttage, sondern auch ein Tag der Aweilus, der Trauer um das Golus, in der sich unsere Tora befindet und an dieses Golus werden wir erinnert, wenn aus der licht gewordenen Zahl der Frommen wieder einer der alten Garde dahingeht. Mathias Apelt war ein Mann seltener Pflichttreue, ein von inniger Liebe zu den ihm anvertrauten Kindern beseelter Lehrer und ein seinen Stolz in der Erfüllung des heiligen Torawortes suchender Jude. Ihm ward das Glück zuteil, in einen Söhnen, Töchtern und Schwiegersöhnen eine Nachkommenschaft zu erhalten, die gleichfalls in der Treue zu der Tora ihre heiligste Aufgabe erblickt. - Hierauf widmete Herr Direktor Dr. Lange im Namen des Schulrates und des Lehrerkollegiums Worte des Nachrufes, und dann wurde die sterbliche Hülle der Erde übergeben. - 
M. Apelt besuchte in Halberstadt das damalige israelitische Seminar, war zuerst Lehrer in Moisling und Lübeck, dann Lehrer an dem ehemaligen Dr. Plato'schen Seminar in Weinheim und Karlsruhe, darauf an der Talmud-Tora-Schule in Hamburg und trat 1868 in das Lehrerkollegium der Israelitischen Realschule in Frankfurt am Main ein, dem er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1904 angehörte."       

   
    
Einzelne Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Antisemitische Aktivitäten und wie sich Weinheimer Bürger dagegen wehrten (1890)  

Weinheim Israelit 01051890.jpg (214949 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1890: "Weinheim. Der in Handschuhsheim lebende russisch-polnische Untertan Dr. Hentschel, seines Zeichens ein gewesener Chemiker, hat sich zu gestern in Weinheim angemeldet, um die Lehre vom unverfälschten urgermanischen Antisemitismus zum Besten zu geben, was dieser russisch-nihilistische Apostel der Böckelei und Stöckerei zu seiner, wie er sagt, Lebensaufgabe gemacht hat, seitdem der Verkauf eines Patents ihn in den Stand gesetzt, seinen äußeren Menschen mit einem weißen Strohhut und einem neuen Regenschirm verschönern zu können. 
Die Versammlung war auf 3 ½ Uhr festgesetzt und das Lokal drückend voll. 
In diesem Moment betritt ein kleines, unscheinbares Männchen mit weißem Strohhut und neuem baumwollenem Regenschirm, an der Seite dreier grüner Bürschchen im Alter von 15-16 Jahren, zweier oder dreier Couleurstudenten, die aus der interessanten Gegend der Kikeritze und Itzenplitze stammen mögen und die ihre studentischen Abzeichen auch hier, den Universitätsgesetzen zum Trotz zur Schau tragen, sowie der Lehrer Sturm und Bernhard vom Bender’schen Institut in Weinheim und des bekannten antisemitischen Lehrers Sevin aus Ladenburg den Saal, richtiger die Wirtsstuben. 
Das ist das Signal zum Sturm. Hundert Fäuste erheben sich, aus hunderten Kehlen dringen allerlei unartikulierte Laute, eigenartige Koseworte oder hie und da kernige Flüche heraus. Weinheimer Bürger und Arbeiter wollten den Schimpf noch dulden, den ihrem Orte ein ‚Polacke aus Russland’ angetan, sie wollten einen Apostel des Hasses nicht zu Worte kommen lassen, denn der Friede unter den Konfessionen steht ihnen höher, als die eben geschilderte Gesellschaft. Das Pfeifen und Johlen wollte kein Ende nehmen und als dem Ruf: ‚Jagt ihn zum Ort hinaus’, ‚wirft ihn aus dem Saal’, die Tat zu folgen schien, verschaffte die Stimme des Arbeiterführers Süßkind sich Gehör und er bat um Ruhe, damit der illustre Redner aus Lodz in Russland seine slawische oder deutsche Litanei in Formvollendung herunter lesen könne, ‚dann kommen könne, ‚dann kommen wir daran’, schloss Herr Süßkind. 
Und Ruhe trat ein: mäuschenstill verhielt sich das Publikum, das die beiden zusammenhängenden geräumigen Wirtsstuben überfüllte. ‚Ich bin Dr. Hentschel (vielstimmige Rufe: Pfui! Pfui! Runner mit ihm! Jagt ihn zum Städtle raus! Wir brauchen keine Russen!) … Ich bin – hebt der Redner noch einmal an – Dr. Hentschel aus Handschuhsheim und habe das Lokal gemietet…’ 
Weiter kam der be-rühmte Mann nicht. Ein Gejohle entstand nun, das jeder Beschreibung spottet. An jedem Tisch kam es zu ernsten lauten Debatten gegen den Einberufer. Einem Diskurs, dem der Schreiber dieses an einem der Tische beiwohnte, entnehmen wir: ‚Ja’, sagt einer der wenigen Begleiter Hentschels zu seinem Tischnachbar, ‚so sind die Lumpen, die sich mit Bier bezahlen lassen.’ ‚Lumpen’ sind wir für Euch Lotterbuwn wohl
Weinheim Israelit 01051890b.jpg (166371 Byte)nur, weil wir nichts von Euch wissen wollen’, gibt ein baumstarker, gut gekleideter und dem antisemitischen Anrempler in jeder Beziehung überlegener Weinheimer Arbeiterführer zur Antwort: ‚Ja, wenn wir nach Eurem Rezept bei den Juden einbrechen und plündern wollten, da würden wir keine Lumpen, sondern Ehrenmänner nach Eurem Herzen sein. Im Übrigens verbitt’ ich mir, dass Sie mich duzen; mit Tagedieben wir Sie, duze ich mich nicht.’ 
So und ähnlich waren die Zwiegespräche, bis Herr Hentschel an einem der zur Überwachung erschienenen wackeren Weinheimer Polizeiwachmann – die Polizei benahm sich mustergültig – herantrat und ihn bat, ihm und seinen Freunden zum Tor hinaus zu verhelfen, damit sie ungesehen verduften könnten. 
Der Bitte wurde gerne willfahrt. Ein Gendarm oder Polizeiwachtmann – im Gedränge konnte man die Uniform nicht sehen, sagte sehr treffend zu dem Antisemitenhäuptling: 
‚Da sehen Sie, mein Herr, am besten, wohin Aufwiegeleien führen; gewöhnlich haben die Ruhestörer zu allermeist unter der Unruhe zu leiden.’ 
Herr Hentschel hatte nicht die nötige Sammlung, um sich in einen Disput einzulassen; er war froh, unter Bewachung das Lokal verlassen zu können, denn die Rufe: ‚Bübchen, das nächste Mal gibt’s Keile’, wurden immer allgemeiner; er schlüpfte durch die Hofeinfahrt weg, rettete sich in das Haus des Bender'schen Instituts und jagte nachher zur Bahn, um den halb 5 Uhr Zug zur Flucht zu benützen. 
Die anwesende Sozialdemokratie, deren Führer Herrn Hentschel vor ‚handgreiflicher Berührung’ schützten, gab inzwischen die nötige Illustration zu den Worten des hessischen Staatsministers Finger, ‚dass die Frucht der antisemitischen Saat die Sozialdemokratie pflückt.’
Während Dr. Hentschel unter Polizeibedeckung ins Freie klitschte, bestieg Herr Süßkind eine improvisierte Tribüne und hielt hierauf eine 1 ½ stündige stürmisch akklamierte Rede über Antisemitismus und Sozialismus, über Puttkammerei und Stöckerei im Gegensatz zu den Zielen der Sozialdemokratie, darauf hinweisend, dass die Gesellschaft Böckel-Pickenbach-Hentschel zwar dem Agrarier- und Junkertum in die Hände arbeiten wolle, aber tatsächlich für anarchistische Zwecke und Ziele wirke".    

    
Überschwemmung der Stadt mit antisemitischen Flugschriften (1919)  

Weinheim AZJ 19121919.jpg (82578 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Dezember 1919: "Weinheim, 12. Dezember (1919). In einer starb besuchten Sitzung des Bürgerausschusses brachte Rechtsanwalt Dr. Pfälzer eine Interpellation ein, in welcher er unter eingehender Begründung Schutz der jüdischen Bürgerschaft gegen die Überschwemmung der Stadt mit antisemitischen Flugschriften fordert. Professor Keller (Dem.) sprach sich auf das schärfste gegen die vergiftende Hetzpropaganda der Antisemiten aus. Die Sprecher der Deutschnationalen Fraktion erklärten, der antisemitischen Propaganda fernzustehen, wurden aber von dem Mehrheitssozialisten Schäfer und dem Unabhängigen Eller des verkappten Antisemitismus bezichtigt. Die mehrstündige Debatte gestaltete sich zu einem scharfen Protest gegen den infamen Unfug des antisemitischen Zettelanklebens an die Häuser. Bürgermeisterstellvertreter Fichtner erklärte, dass die Schutzmannschaft Anweisung erhielt, gegen jene Zettelankleber rücksichtslos vorzugehen."   

  
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Beleidigungsprozess des Weinheimer jüdischen Arztes Dr. Haußmann gegen einen antisemitischen Kollegen (1906)
Vorbemerkung: der jüdische Arzt Dr. Hausmann war in Weinheim außerordentlich geschätzt und beliebt. Vermutlich gerade deswegen richtete sich der Hass der Antisemiten gegen ihn. Bei Daniel Horsch s.Lit. S. 16 ist über den Arzt zu lesen: "Es gibt wohl auch keinen alten Weinheimer, der sich nicht an den Volksarzt Dr. Hausmann erinnern könnte, der im Hause Dr. Schegtental in der Bahnhofstraße (21) bis zu seinem Tode am 25. Dezember 1923 sehr segensreich wirkte. Er brachte Frohsinn in jedes Krankenzimmer. Seine Praxis führte in seinem Sinne sein Schwiegersohn, Dr. med. Friedrich Reiss, weiter, der in der furchtbaren Bedrängnis 1936 nach Israel auswanderte, wo seine Frau unter dem nagenden Heimweg stark."

Weinheim FrfIsrFambl 09111906.jpg (104640 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. November 1906: "Weinheim. Ein Beleidigungsprozess des hiesigen jüdischen Arztes Dr. Haußmann gegen einen antisemitischen Kollegen ist jetzt nach mehreren Verhandlungen zugunsten des Klägers entschieden worden. Demselben lag folgendes zugrunde. Das Dienstmädchen des Kaufmanns O. in Hemsbach bei Weinheim erkrankte an Diphteritis, und der Hausherr ersuchte den behandelnden Arzt, Dr. Ebner, öfter nach demselben zu sehen, wenn er auch außer der Ortskrankenkasse es aus seiner Tasche bezahlen müsse. Dieses Angebot aber schlug Dr. Ebner aus und im Laufe der Unterhaltung und Auseinandersetzung ließ er die Worte fallen: 'Sie haben mich bestechen wollen, da müssen Sie zum Juden Haußmann gehen, der nimmt Geld an.' Diese Äußerung bildete nun den Gegenstand der Klage seitens des Herrn Dr. Haußmann, der in dem vorliegenden Krankheitsfalle überhaupt nicht zugezogen war und daher von Dr. Ebner willkürlich beleidigt wurde. Der antisemitische Jünger Äskulaps wurde vom Gericht zu Mark 75 Geldstrafe und sämtlichen Kosten verurteilt."

  
Zum Tod des Fabrikanten und Begründers der Rosslederfabrik Sigmund Hirsch (1908) 
Anmerkung: Familie Hirsch und die Lederfabrik spielten in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Weinheims über mehrere Jahrzehnte eine herausragende Rolle. Das Unternehmen hat sich aus kleinsten Anfängen heraus (siehe folgenden Artikel) zu einer Weltfirma entwickelt. Hauptabsatzmärkte der Firma waren Holland und Belgien, doch auch auf dem übrigen Weltmarkt hatten sich die Hirsch'schen Rossleder einen Namen erworben. Nach dem Tod von Sigmund Hirsch führten die beiden Sohne - Max und Julius Hirsch - das Unternehmen weiter. Unmittelbar nach 1933 hatte die Firma 350 bis 400 Beschäftigte. Unter dem nationalsozialistischen Druck musste die Firma 1938 liquidiert werden. Max und Julius Hirsch konnten 1939 in die USA emigrieren, wo sie 1950 beziehungsweise 1955 starken. Sowohl Siegmund als auch Max Hirsch waren Mitglieder des Gemeinderates der Stadt.

Weinheim AZJ 11091908.JPG (240884 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. September 1908: "Weinheim a.d. Bergstraße, im September (1908). Unsere Gemeinde hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Am 24. vorigen Monats verstarb nach kurzer Krankheit der Vorsteher, Herr Sigmund Hirsch. Mit ihm ist einer jener Männer, die immer seltener werden, aus dem Leben geschieden. Ausgestattet mit einer unvergleichlichen Begeisterungsfähigkeit für alles Schöne und Gute, verband er mit dieser Eigenschaft ein warmes Herz und stets offene Hand. Der Lebensweg des Verstorbenen ist kein leichter gewesen. Im Jahre 1868 kam der junge, in Neukalen in Mecklenburg gebürtige Gerbergeselle nach der Bergstraße und gründete hier eine Gerberei. Der jugendliche, 23jährige Meister hatte anfangs mit manchen Widerwärtigkeiten zu kämpfen, aber dank seiner außerordentlichen Willens- und Schaffenskraft gelang es ihm, doch aus seinem kleinen Betrieb mit der Zeit eine angesehene Fabrik zu schaffen und heute gehört die 'Rosslederfabrik Sigmund Hirsch' zu den bedeutendsten ihrer Branche. Noch vor wenigen Monaten war es dem Verstorbenen vergönnt, sein 40jähriges Geschäftsjubiläum zu feiern, aus dessen Anlass er für seine Arbeiter 20.000 Mark als Pensionsfonds stiftete. Es würde zu weit führen, hier in dem beschränkten zur Verfügung stehenden Raum all die guten und segensreichen Werke zu erwähnen, die er in der hiesigen Gemeinde, an deren Spitze er stand, schuf. Wir alle wissen, dass die Lücke, die er hinterlassen wird, kaum je wird ausgefüllt werden können. Wer das Glück hatte, dem Verstorbenen im leben näher zu treten, wer sein wohlwollendes und stets freundlich dreinblickendes Auge einmal auf sich ruhen sah, wird den Verklärten, ein Bild edelster Männlichkeit und Ritterlichkeit, niemals vergessen können. Die Beerdigung, die in Heidelberg stattfand, gab Zeugnis von der Wertschätzung und Verehrung, die Herr Sigmund Hirsch im Leben in nah und fern genoss. Kopf an Kopf gedrängt stand die Menge, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß hielt eine tief zu Herzen gehende Trauerrede, in der er in trefflichen Worten ein Charakterbild des Heimgegangenen, seines lieben Freundes, entrollte. In der Synagoge, deren Mitglied Herr Hirsch war, trat er besonders für die materielle Besserstellung der Religionslehrer und Kantoren ein und so verlieren dieselben in ihm einen warmen Freund und Fürsprecher. Religiös gehörte der Verstorbene der liberalen Richtung an, war aber immer Gegner jedweder Spaltung. Sein Ziel war, dass die verschiedenen religiösen Richtungen des Judentums in Friede und Eintracht für die Gesamtinteressen unserer Glaubensgemeinschaft arbeiten. Dieses Ideal suchte er wie kaum ein zweiter, im leben zu betätigen. Die Gemeinde, für die er in ganz außerordentlicher Weise stets gesorgt hat, wird ihm ein dauerndes und dankbares Andenken bewahren."  
  
Weinheim FrfIsrFambl 28081908.jpg (67631 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. August 1908: "Weinheim. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten: Siegmund Hirsch, unser hoch geschätzter erster Vorsteher und Mitglied der Israelitischen Synode, ist nicht mehr. 
1845 in Neukalen (nicht: Neu-Kalm) in Mecklenburg geboren, ging Hirsch schon früh auf die Wanderschaft und kam als zünftiger Gerbergeselle nach Heidelberg und bald darauf nach hier, wo er - erst 23 Jahre alt - eine Gerberei errichtete. Mit einem Gesellen fing er an, nach einem Jahre hatte er bereits 6 Gesellen, und heute beschäftigt seine Fabrik 260 Arbeiter. Zwischen ihm und seinen Arbeitern herrschte ein geradezu patriarchalisches Verhältnis. Für gute Zwecke hatte er stets eine offene Hand. In unserem Weinheim ist sein Andenken ein dauerndes." 
  
 Weiteres Dokument zu den
Lederwerken Hirsch (Firmenkarte 1923)  
(Aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim /Ries)
Weinheim Dok 610.jpg (82469 Byte) Weinheim Dok 610a.jpg (110921 Byte)
     Die Firmenkarte der Lederwerke Sigmund Hirsch wurde am 24. Oktober 1923 versandt; sie musste zur damaligen Inflationszeit mit 4 Millionen Mark frankiert werden.

             
Zum Tod von Rechtsanwalt Dr. Moritz Pfälzer (1936)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1936: "Mannheim, 15. März (1936).  ... Im nahen Weinheim wurde am 17. Adar der Parnes (Gemeindevorsteher), Rechtsanwalt Dr. Moritz Pfälzer von einer großen Zahl von Freunden zur letzten Ruhe geleitet. Nach langmonatlichem Krankenlager war er an Purim in Frankfurt am Main von schwerem Leiden erlöst worden, und in den Worten, die von einer ganzen Reihe von Vertretern verschiedener Körperschaften gesprochen wurden, entstand noch einmal das Bild dieses außergewöhnlichen Mannes, dieses Isch jehudi (sc.: überzeugter und bekennender jüdischer Mann), dessen Lebens-Megila (Schriftrolle) an Purim zu Ende gerollt wurde. Rabbiner Dr. Grünewald, Mannheim, zeichnete in prägnanter Formulierung das Leben und Wirken Dr. Pfälzers, der Vorsitzende des Oberrats der Israeliten Badens, Prof. Dr. Stein, nahm bewegt Abschied von dem Kollegen im Oberrat, der ein treuer und tätiger, unermüdlicher Diener des badischen Judentums war. Die Gemeinde beklagte ihren guten Hirten und Führer, die Berufskollegen den echten Wahrer des Rechts, die Zionisten und Gesetzestreuen in baden wussten Dank dem Manne, dem die Liebe zur Tradition und die Sehnsucht nach Erez Israel - er durfte es vor zwei Jahren sehen und in sich aufnehmen - eingewurzelt war. Alle die sprachen, wussten eine andere Seite des Heimgegangenen zu rühmen. Und dann trugen sie ihn von dem Garten seines Hauses, in dem an einem Vorfrühlingstage der Sarg aufgebahrt war, hinaus und geleiteten ihn zum Dorfe, aus dem er gekommen war. Im Hemsbach, wo das alte Bes Olom (Friedhof) seit Jahrhunderten die Ruhestätte der Toten der vielen Kleingemeinden ist, ruht nun auch Oberrat und Parnes Dr. Moritz Pfälzer aus Weinheim. Die Wandernden, die zum letzten Mal in tiefer Bewegung die Stätte betreten, an der ihre Väter und Großväter und Ahnen ruhen, werden auch am Kewer (Grab) dieses Mannes, der die kleinen Gemeinden und ihre Sorgen gekannt und sich um sie rastlos gemüht hat, eine stille Weile verharren. Sein Andenken und die Erinnerung an ihn werden sie mit hinausnehmen in die fernen Länder. Die aber, die nach Erez Israel ziehen, werden das heilige Land grüßen von einem, der es geliebt hat mit solcher Liebe zum Land, dass um ihretwillen Gott den um Dr. Pfälzer Trauernden Seinen Trost senden möge. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1936: "Am 14. Adar 5696 (8. März 1936, Purim) verschied nach langer schwerer Krankheit unser geliebter, unvergesslicher Mann, Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Rechtsanwalt Dr. Moritz Pfälzer 
im Alter von 66 Jahren. 
Weinheim a.d. Bergstraße, Bürgermeister Ehretstraße 10. Die trauernden Hinterbliebenen."    

    
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Foto des Grabsteines für Recha Heil geb. Neu      

Luetzelsachsen Gurs BK 021.jpg (183979 Byte)Luetzelsachsen Gurs BK 020.jpg (173976 Byte) Grabstein (jeweils rechts im Vordergrund) im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für 
Racha (Recha) Heil geb. Neu,   
geb. am 17. August 1867 in Lützelsachsen, später wohnhaft in Weinheim
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo sie am 16. Dezember 1940 umgekommen ist.    

     
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeigen des Modewaren-, Herren- und Damen-Konfektionsgeschäftes J. Heil (1901 / 1902 / 1905 / 1906) 
 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901: "Für mein Herren- und Damen-Konfektionsgeschäft suche zum sofortigen Eintritt eine Verkäuferin, sowie ein Lehrmädchen bei freier Station. 
J. Heil,
Weinheim, Baden."    
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1902: "Für mein Manufaktur-, Herren- und Damen-Konfektionsgeschäft suche ich zum sofortigen Eintritt ein 
Lehrmädchen

Kost und Logis im Hause. 
J. Heil,
Weinheim in Baden."   
  
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Juni 1905: "Für mein Modewaren-, Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft suche ich zum sofortigen Eintritt ein 
Lehrmädchen

Kost und Wohnung im Hause. Weinheim (Bergstraße), J. Heil."    
   
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. November 1906: "1 Lehrling und 1 Lehrmädchen 
für mein Manufaktur-, Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft gesucht. 
J. Heil, Weinheim,
Bergstraße."    

  
Anzeigen von A. Kaufmann Söhne (1901 / 1902) 

  Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901: "Koscher - Fruchtin - Zum Backen und Braten 
Unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Schiffer, Karlsruhe, ist das beste, billigste und ausgiebigste Pflanzenfett für Milch und Fleischspreisen; in jedem rituell (geführten) Haushalt unentbehrlich. Hergestellt von 
A. Kaufmann Söhne, Weinheim in Baden

Wo nicht vertreten direkt Versandt von 4 1/2 Ko. Postcolli. Proben gratis. Wiederverkäufer gesucht." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: 
"Backet und bratet mit 
Koscher - Fruchtin - Pflanzenbutter
Erstklassiges Produkt, unter Aufsicht. Jedem rituellen Haushalt für Milch- und Fleischspeisen unentbehrlich. 
Direkt zu beziehen von 
A. Kaufmann Söhne, Weinheim

Wiederverkäufer gesucht."   

     
Anzeige der Fa. Gebr. Kaufmann (Ladenburg) für die Filiale in Weinheim (1903)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1903: "Für unser Möbel- und Bettengeschäft in Weinheim suchen per sofort tüchtigen, branchekundigen 
Geschäftsführer

Offerten sind Zeugnisabschriften und Gehaltsanspruch beizufügen. Samstage und Feiertage geschlossen. 
Gebr. Kaufmann,
Ladenburg."   

  
  Anzeige eines Café-Restaurant, "sehr geeignet für jüdisches Café-Restaurant und kleines Hotel" (1911)   

Weinheim FrfIsrFambl 15121911.jpg (75407 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1911: 
"Weinheim (Baden). 'Perle der Bergstrasse.
Am hiesigen Platze (15.000 Einwohner), mit hoch entwickelter Fremden- und Reisefrequenz bedeutendem Handels- und Gewerbeverkehr, ausgezeichneter Bahnverbindung, (30 Minuten von Mannheim und Heidelberg, 40 Minuten von Darmstadt, 50 Minuten von Worms, 1 Stunde 10 Minuten von Frankfurt am Main, 40 Minuten von Ludwigshafen am Rhein, 1 Stunde 20 Minuten von Karlsruhe) schönes Haus in vorzüglicher Lage, sehr geeignet für jüdisches Café-Restaurant und kleinem Hotel, in der Nähe der Bahnhöfe, zu verkaufen; trotz Bedürfnisses und vieler Nachfragen kein gleiches Geschäft am Platze. 
Weinheim an der Bergstrasse.  Immobilien-Bureau Kraut."    

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge           
   
Mittelalter  
 
Eine erste Synagoge stand in Weinheim bereits im 13. Jahrhundert. Bei der Judenverfolgung, die am 20. September 1298 von den Horden des Ritters Rindfleisch in Weinheim veranstaltet wurde, verbrannten 79 Juden in der Synagoge, darunter Männer, Frauen und Kinder. Von diesem grausamen Ereignis berichtet das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches, in dem die Orte aufgezählt werden, in denen die "Judenschläger" des Ritters Rindfleisch Juden ermordeten. Möglicherweise waren die Juden Weinheims in die Synagoge geflüchtet, worauf diese von den Verfolgern angezündet wurde. Unter den Märtyrern waren der Rabbiner Mevorach ben Kalonymos, seine Frau Bela, seine Söhne Jehuda, Meschullam, Kalonymos und David, seine Schwiegermutter, die Hebamme Perla und deren Kinder. Zum Standort dieser ersten Synagoge lässt sich vermuten, dass bereits sie in der späteren "Judengasse" stand.   
  
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wohnten wieder einige jüdische Familien in Weinheim. Insgesamt waren es in Weinheim, Heppenheim und Bensheim 15 Familien. Die Verfolgung in der Pestzeit vernichtete 1349 auch die kleine Weinheimer Gemeinde. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheinen wieder Juden zugezogen zu sein. 1355-1371 sind Schutzbriefe für mindestens neun Familien genannt. Sie konnten sich in der Judengasse eine Synagoge erbauen (die zweite Synagoge Weinheims, im Bereich des Büdinger Hofes/Nebengebäude, Judengasse 15-17). Als "Judenschule" wird sie bei der Ausweisung der Juden aus der Kurpfalz 1391 erstmals genannt. An der Stadtmauer wurde 1878 ein steinerner Torbogen mit einer hebräischer Inschrift entdeckt, die vermutlich über dem Eingang der mittelalterlichen Synagoge stand. Leider wurde die Fundstelle damals wieder zugemauert.  

Fotos aus dem Bereich der Judengasse
(Fotos - außer den Postkarten: Hahn, Aufnahmedatum 11.9.2003; die Fotos zweite Zeile rechts und dritte Zeile links entstanden im August 1988; die Fotos mit *) wurden von J. Krüger, Karlsruhe im Sommer 2004 erstellt)

Historische Ansichtskarten: 
die Judengasse in Weinheim
(rechte Karte aus der Sammlung von
 Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 
Weinheim Judengasse 040.jpg (36912 Byte) Weinheim Dok 611.jpg (140259 Byte)
  Die Judengasse auf einer historischen Ansichtskarte 
     
Die Judengasse 
in der Gegenwart 
Weinheim Judengasse 041.jpg (61533 Byte) Weinheim Judengasse 190.jpg (49897 Byte)
   Die Judengasse - Blickrichtung stadtauswärts (rechts *) 
    
Weinheim Judengasse 181.jpg (79456 Byte) Weinheim Judengasse 042.jpg (51475 Byte) Weinheim Judengasse 043.jpg (53884 Byte)
Judengasse  Straßenschild  Hinweistafel am unteren Ende der
 Judengasse, wo der "Judenturm" stand 
     
     
Weinheim Judengasse 044.jpg (36028 Byte) Weinheim Synagoge 190.jpg (34865 Byte) Weinheim Judengasse 045.jpg (72361 Byte) Weinheim SH 01.jpg (55701 Byte)
Weitere Hinweise (rechts *)  Reste des Judenturms (in der 
rechten hinteren Ecke 
des Rasenstückes) 
Am Ende der Judengasse ist der
 Sigmund-Hirsch-Platz, benannt nach dem
 bekannten jüdischen Fabrikanten der Stadt 
  

  
Neuzeit

Bis nach der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wohnten nur vereinzelt jüdische Personen in der Stadt. Dann zogen mehrere Familien zu, um 1680/90 waren es bereits 15 Familien. Ihr Vorsteher Mayer Oppenheim und sein Sohn Mordche, der später ebenfalls Vorsteher war, errichteten 1680 bis 1690 mit eigenen Mitteln eine neue Synagoge in der heutigen Hauptstraße 143 (vor der Umnummerierung der Hauptstraße 1935 trug das Gebäude die Hausnummer Hauptstraße 12). 1683 verfassten Mayer, Abraham und Mardochai, deren Familien damals den Kern der Weinheimer Gemeinde bildeten, einen Bittbrief an den Kurfürsten, den Bau finanziell zu unterstützen. Der Kurfürst lehnte jedoch ab. So hatte die Familie Oppenheim fast alleine die neue Synagoge zu finanzieren und spendete auch noch einen gestickten Vorhand für den Toraschrein und wahrscheinlich auch einen Kronleuchter. Diese Synagoge in der Hauptstraße sollte der Weinheimer jüdischen Gemeinde fast 300 Jahre als Gotteshaus dienen.   
  
Mehrmals wurde das Synagogengebäude renoviert. 1792 und 1802 brachte die Gemeinde etwa 900 Gulden auf, um es instand zu setzen. Trotzdem war es 1812 in einem so baufälligen Zustand, dass die Synagoge polizeilich geschlossen werden musste. Da die Gemeinde damals nicht den Betrag von 1420 Gulden für einen Neubau aufbringen konnte, wurde der Gottesdienst in einem Behelfsraum in der Hauptstraße abgehalten. Die günstigeren Verhältnisse um die Jahrhundertmitte erlaubten Ende der 1860er Jahre eine Wiederherstellung und Vergrößerung des alten Synagogengebäudes (Hauptstraße 143). Damals wurden der Almemor und die Ständer entfernt und feste Bänke aufgestellt. Auch 1888 wurde sie nochmals notdürftig erweitert, indem der Raum der Sukka (Laubhütte) in den Betraum miteinbezogen wurde. Nach dem Bau der neuen Synagoge wurde das Gebäude der alten Synagoge mit Kaufvertrag vom 18. Januar 1906 an Privatleute verkauft. Ein gutes Jahre später erwarb mit Kaufvertrag vom 25. Februar 1907 Bäcker Hermann Dell das Gebäude und richtete dort eine Bäckerei ein. Größere Umbaumaßnahmen, unter anderem eine Neugestaltung der Fassade, waren die Folge.
  
Nach jahrelangen Planungen konnte eine neue Synagoge 1905/06 in der (Bürgermeister-)Ehret-Straße 5 nach Plänen des Frankfurter Architekten Max Seckbach erbaut werden. Die Finanzierung war vor allem auf Grund einer großzügigen Förderung durch den Lederfabrikanten Hirsch möglich. Der stattliche Bau wurde am 2. August 1906 eingeweiht. Um 9 Uhr an diesem Tag hatte ein Abschiedsgottesdienst in der bisherigen Synagoge stattgefunden. Danach bewegte sich ein großer Festzug zur neuen Synagoge. Die Einweihungsfeier war ein Fest für die ganze Stadt.  
   
Einweihung der Synagoge 1906  

Weinheim AZJ 24081906.jpg (212097 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. August 1906: "Weinheim, 4. August (1906). Hier fand vorgestern die Einweihung der neuen Synagoge statt. Bezirksrabbiner Dr. Pinkus, Heidelberg hielt die Festpredigt, die alle Herzen tief bewegte. Der Nachmittag brachte zunächst ein Festdiner im 'Pfälzer Hof', das einen glänzenden Verlauf nahm. - Vor Beginn desselben begrüßte der Vorsitzende des Synagogenrates Herr Hirsch im Namen der israelitischen Gemeinde die Anwesenden, ganz besonders die Herren Vertreter der Behörden und die Delegierten der Nachbargemeinden. Der Großherzogliche Oberrat Stockheim übermittelte die Glückwünsche des Ministeriums des Kultus und des Unterrichts, sowie der Synagogengemeinde Mannheim. Er wünschte der hiesigen israelitischen Gemeinde Wachsen, Blühen und Gedeihen. Herr Berthold Kaufmann verlas das Huldigungstelegramm an den Großherzog, das folgenden Wortlaut hat: 'Die zur Einweihung ihrer neuen Synagoge festlich versammelte jüdische Gemeinde Weinheim bringt ihrem hochverehrten und geliebten Landesfürsten ihre ehrfurchtsvollste Huldigung mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue dar.' Später gab derselbe ein Bild der Geschichte der israelitischen Gemeinde Weinheims, das höchst aufmerksame Zuhörer fand. Herr Ernst Karlebach - Heidelberg überbrachte die Glückwünsche der Bezirkssynagoge und der israelitischen Gemeinde Heidelberg und toastete auf die Gemeinde Weinheim und dessen Synagogenräte. Bürgermeister Ehret sprach den Dank der Ehrengäste und die Glückwünsche des Gemeinderates aus. Er betonte, dass die jüdische Gemeinde jederzeit beigetragen habe, den religiösen Frieden zu wahren. Der Hoffnung, dass es so bleiben möge, galt sein Glas. Lehrer Maier als letzter Redner widmete anerkennende Worte und Dank den drei Synagogenräten, den Herren Sigmund Hirsch, Berthold Kaufmann und Wolf Lehmann. Während des Balles traf die Antwort des Großherzogs aus St. Moritz ein, die folgendermaßen lautet: 'Ich danke der festlich versammelten jüdischen Gemeinde Weinheim für die mir kundgegebene treue Gesinnung.' Mit brausenden Hochrufen wurde der Inhalt des Telegramms begrüßt und aus frohem Herzen stieg im gemeinsamen Chor das Lied: 'Heil, unserem Fürsten Heil!' Die neue Synagoge befindet sich inmitten der Stadt, deren Schmuck sie jetzt bildet, und zwar in der vornehmsten Straße."   
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. August 1906: "Weinheim a. Bergstraße. Letzten Freitag fand unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt, nachdem am Donnerstag der Abschiedsgottesdienst in der über 200 Jahre alten Synagoge abgehalten worden war. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Pinkuß - Heidelberg."    

Nur 32 Jahre blieb die neue Synagoge Zentrum des jüdischen Lebens in der Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die neue Synagoge in der Ehret-Straße am Vormittag des 10. November 1938 (nicht - wie in manchen Darstellung zu lesen ist - am 8. November) durch eine Sprengung mit 25 kg Donarit-Gelatine weitgehend zerstört. Zuvor hatten SA-Leute die Inneneinrichtung mit Äxten und Pickeln demoliert.  Im April 1939 wurde die jüdische Gemeinde aufgefordert, die Synagogenruine abbrechen zu lassen, was sich allerdings über längere Zeit hinzog. 
  
Das Grundstück wurde nach 1945 neu überbaut. Eine Gedenktafel an einem Nachbarhaus erinnert an das Schicksal der Synagoge. Sie wurde 1967 am Gebäude des Grundbuchamts, Ehret-Straße 14 angebracht und 1988 an das Gebäude der Volkshochschule Badische Bergstraße, Luisenstraße 1 (Ecke Ehret-Straße) versetzt (die Eigentümer des Hauses Ehret-Straße 5 gestatteten keine Anbringung der Gedenktafel an ihrem Haus, dem Standort der früheren Synagoge).  Zudem ist am Ende der Ehret-Straße seit 1999 eine "Mahnmal für die Opfer von Gewalt, Krieg und Verfolgung" eingerichtet. Dieses Mahnmal dient in erster Linie zur Erinnerung an die Opfer der Jahre 1933 bis 1945, ist jedoch auch allen anderen Opfern von Gewalt, Krieg und Verfolgung gewidmet. Veranstaltungen an diesem Mahnmal finden regelmäßig am 9. November statt. Weitere Gedenkveranstaltungen standen in Zusammenhang mit der Erinnerung an die Deportation der Juden nach Gurs (22. Oktober 1940), für die Opfer des 11. September 2001 u.a.m. 
   
   
    
Fotos 
Historische Fotos:  

Das Gebäude der alten Synagoge um 1900
(Foto/Repro: Stadtarchiv Weinheim)  
Weinheim Synagoge a143.jpg (69710 Byte) Weinheim Synagoge a142.jpg (90974 Byte)
   Die alte Synagoge von der Stadtmühlgasse aus gesehen; 
rechts eine Vergrößerung des Fotos.
   
Das Gebäude der alten Synagoge um 1950
(Foto/Repro: Stadtarchiv Weinheim)
Weinheim Synagoge a141.jpg (70777 Byte) Weinheim Synagoge a140.jpg (40603 Byte)
   Die alte Synagoge aus anderer Perspektive von der Stadtmühlgasse aus gesehen;
 rechts eine Vergrößerung des Fotos. Die Rundbogenfester sind inzwischen 
verändert und zur Hälfte zugemauert worden.
   
Die neue Synagoge, erbaut 1905/06
(Fotos/Repros: Stadtarchiv Weinheim)
Weinheim Synagoge 005.jpg (61265 Byte) Weinheim Synagoge n141.jpg (63613 Byte) Weinheim Synagoge n140.jpg (70268 Byte)
Die 1905/06 erbaute Synagoge in Weinheim in der Ehret-Straße Innenansicht
   
Die zerstörte Synagoge nach der Pogromnacht im November 1938
(Fotos/Repros: Stadtarchiv Weinheim)
 
Weinheim Synagoge n143.jpg (66311 Byte) Weinheim Synagoge n142.jpg (68053 Byte) Weinheim WN101138.jpg (72674 Byte)
    Artikel in den "Weinheimer Nachrichten"
 vom 10. November 1938


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Weinheim Synagoge 100.jpg (94301 Byte) Weinheim Synagoge 101.jpg (62795 Byte)
  Gebäude Ehret-Straße 14, schräg
 gegenüber der ehemaligen Synagoge, 
an der 1967 eine Gedenktafel 
angebracht werden konnte  
Die Gedenktafel für die ehemalige
 Synagoge; 1988 wurde sie versetzt an 
eine Mauer bei der Volkshochschule
 Luisenstraße 1/Ecke Ehret-Straße  
     
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 11.9.2003
 bzw. mit *) von J. Krüger, Karlsruhe 
im  Sommer 2004) 
Weinheim Synagoge a010.jpg (46006 Byte) Weinheim Synagoge a011.jpg (56742 Byte) Weinheim Synagoge a190.jpg (47445 Byte)
   Das Gebäude der alten Synagoge Hauptstraße 143; frisch renoviert 
im Sommer 2004 (rechts *) 
   
Weinheim Synagoge 191.jpg (33883 Byte) Weinheim Synagoge 150.jpg (37002 Byte) Weinheim Synagoge 151.jpg (55528 Byte)
Gedenktafel in der Ehret-Straße gegenüber
 dem ehemaligen Synagogengrundstück* 
Ehemaliges Synagogengrundstück in der Ehret-Straße, 
überbaut mit einem Wohnhaus 
   
Weinheim Gst 010.jpg (50649 Byte) Weinheim Gst 011.jpg (47491 Byte) Weinheim Gst 012.jpg (81372 Byte)
Das "Mahnmal für Opfer von Gewalt, Krieg und Verfolgung" am Ende der Ehret-Straße, das 1999 errichtet und mit dem Gedenken 
an die Reichspogromnacht am 9. November 1999 eingeweiht wurde. Es ist nach einem Entwurf von Hubertus von der Goltz realisiert
 worden. "Die Menschengruppe als Silhouette dargestellt, ist orientierungslos, entwurzelt und versucht, Balance zu halten in dem Moment
 zwischen Vergangenheit und Zukunft" (Hinweistafel) 

   
 
  
Text der Urkunde zur Grundsteinlegung der Synagoge 1905  

Text zur Grundsteinlegung bei dem Neubau der Synagoge der israelitischen Gemeinde Weinheim i.J. 5665, nach der allgem. Zeitrechnung i.J. 1905, im 17. Regierungsjahre Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. und im 53. Regierungsjahre unseres geliebten Landesfürsten Sr. König. Hoheit des Großherzogs Friedrich von Baden.
Die ungenügenden Platzverhältnisse und die hohe Feuersgefahr in der seither benützten Synagoge Hauptstr. No.12 wiesen seit einer längeren Reihe von Jahren gebieterisch auf einen Neubau hin und hatte auch den Synagogenrat schon seit Jahren veranlasst, einen Fond zu einem Neubau zu begründen, welcher bis heute ein Höhe von 9150 Mark erreicht. Als sich im vergangenen Jahr Gelegenheit bot, einen äußerst günstigen Bauplatz, fast im Mittelpunkt der Stadt und doch außerhalb jedes störenden Verkehrs an der Ehretstraße gelegen, zu erwerben, gelang es durch die Opferwilligkeit unserer Gemeindeangehörigen binnen weniger Tage nicht nur die Kaufsumme für diesen Bauplatz mit 7500 Mark, durch Schenkungen aufzubringen, sondern auch noch eine beträchtliche Summe für den Bau zu erübrigen. Durch dieses erfreuliche Resultat konnte der Synagogenrat und mit ihm das, auf Wunsch des letzteren , gewählte Baukomité die Lösung der inzwischen dringend gewordenen Neubauangelegenheit vornehmen.
Synagogenrat und Baukomité hatten sich nach einer Reihe von Sitzungen in kurzer Zeit über die einschlägigen Fragen des Neubaues geeinigt und wurde mit dessen Ausarbeitung und Ausführung unser Glaubensgenosse, Herr Architekt Max Seckbach in Frankfurt a.M. betraut. Die Vorlagen des vereinigten Synagogenrats und Baukomités hatten in allen Fällen die volle Billigung der Gemeinde gefunden und so wurde er ermöglicht, am 5. Tage des Monats Thamus, d.i. am 7. Juli 1905 von den 6 ältesten Gemeindeglieder die ersten Spatenstiche ausführen zu lassen.
Für den Neubau war eine Gesamtsumme von 41 500 Mark einschließlich Architektenhonorars festgesetzt und von dieser Summe etwa die Hälfte durch die Beiträge zum Baufond und Überschüsse der Sammlungen in der Gemeinde und auch auswärts, sowie durch den Verkaufswert der alten Synagoge reichlich gedeckt. Der fehlende Betrag wird durch eine Hypothek bei Fertigstellung des Baues, wozu die Genehmigung von Seiten des Großherzoglichen Oberrats des Israeliten, sowie des Ministeriums und des Großherzoglichen Bezirksamtes dahier, bereitwilligst erteilt wurde, aufgenommen.
Das Bauvorhaben, an dessen gedeihlicher Lösung die Gemeindemitglieder, fast ohne Ausnahme, mit größtem Interesse mitarbeiteten, fand die schnellste Erledigung durch das innige Zusammenwirken des derzeitigen Synagogenrates der Herrn Wolf Lehmann, Berthold Kaufmann und Ferdinand Rotschild, sowie der Mitglieder des Baukomités der Herren Siegmund Hirsch, Dr. Moritz Pfälzer und Isaak Heil, deren Geschäftsleitung auf Wunsch der beiden Körperschaften Herr Berthold Kaufmann übernommen hatte. Dem Vorhaben der Gemeinde brachte auch der derzeitige Bezirksrabbiner Herr Dr. Hermann Pinkuss ein reges Interesse entgegen, wie auch mit Dank der Geneigtheit der kirchlichen und weltlichen Behörden hiermit Erwähnung geschieht.
Weinheim Synagoge 190.jpg (87630 Byte)Die Erd- und Maurerarbeit wurde von dem hiesigen Baumeister Herr Friedrich Reiboldt ausgeführt.
Die hiesige Gemeinde besteht zur Zeit aus 158 Mitgliedern, worüber eine besondere Liste dieser Urkunde beigefügt wird, ebenso wird derselben eine Liste der Spender aus der hiesigen Gemeinde (siehe Abbildung links) wie auch der auswärtigen Gönner hier beigegeben. 

Diese Urkunde wurde angefertigt vom derzeitigen Lehrer und Cantor der hiesigen Gemeinde, Marx Maier.

Weinheim, den 14. August 1905 (13. Ab 5665).
Der Synagogenrat: Wolf Lehmann, Berthold Kaufmann, Ferdinand Rothschild
Die Baukommission: Sigmund Hirsch, Dr. Moritz Pfälzer, Isaak Heil

   
   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2009 bis Januar 2010: Ausstellung "200 Jahre jüdische Religionsgemeinschaft in Baden" 
Weinheim Ausstellung 2009.jpg (162952 Byte)Ausstellung "Gleiche Rechte für Alle? - 200 Jahre jüdische Religionsgemeinschaft in Baden
vom 3. November 2009 bis 10. Januar 2010 
im Museum der Stadt Weinheim, Amtsgasse 2, 69469 Weinheim E-Mail 
Informationen über www.museum-weinheim.de  
Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag 14-17 Uhr  Sonntag 10-17 Uhr und für Gruppen und Schulklassen auf Anfrage 
   
Link zur Seite des Landesarchivs Baden-Württemberg mit Informationen über diese Ausstellung  
Schülerarbeitsblätter zur Ausstellung (pdf-Datei, zum Herunterladen) 
    

      

Links und Literatur   

Links:    

Website der Stadt Weinheim - über Suchfunktion "Juden" finden sich einige Informationsseiten  . 
Gemeinsame Seite des Förderkreises des Museums der Stadt Weinheim und des Stadtarchivs Weinheim: www.juden-in-weinheim.de  
Friendship Association Weinheim - Ramat Gan (Israel)  

Literatur:   

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 289.
Germania Judaica II,2 S. 870f; III,2 S. 1563-1565. 
Denkschrift zur Erinnerung an die Einweihung der neuen Synagoge in Weinheim an der Bergstrasse. Gewidmet seinen Gemeindemitgliedern und Gönnern vom Synagogenrat. Weinheim 1906. 
J. G. Weiß: Geschichte der Stadt Weinheim. Weinheim 1911. 
Josef Fresin: Die Geschichte der Stadt Weinheim. Nachdruck Weinheim 1982 der Ausgabe Weinheim 1962. 
Daniel Horsch: Sie waren unsere Bürger. Die jüdische Gemeinde in Weinheim an der Bergstraße. Weinheimer Geschichtsblatt 26 (1964). 
Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Mannheim, in: Die Kunstdenkmäler Badens X,3 (1967) S. 348, 350, 431, 434, 465. 
Claudia Fischer: Geduldet, vertrieben, ermordet - Die Juden in Weinheim bis 1933, in: Stadt Weinheim (Hg.): Die Stadt Weinheim zwischen 1933 und 1945. Weinheim 2000 (Weinheimer Geschichtsblatt Nr. 38) S. 351-444.
Christina Modig: Die jüdischen Bürger Weinheims 1933-1945, in: ebd. S. 445-567. 

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zur Synagoge in Weinheim: S. 38-42.    

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   

Weinheim Baden. Jewish communities existing during the 13th and 14th centuries were destroyed in the Rindfleisch massacres of 1298 and the Black Death massacres of 1348-49. Subsequently Jewish refugees from Worms and Speyer settled under the protection of Rupert I, earning their livelihood as moneylenders. All were expelled by Rupert II in 1391 with the rest of the Jews of the Palatinate. A new Jewish community was formed in the late 17th century. During the 19th century the Rothschild, Kaufmann and Hirsch families became prominent in the city. Jacob Rothschild started a textile business in 1856 and was head of the community for many years. Sigmund Hirsch (1845-1908) operated what became the largest horsehide-processing plant in Europe. The community reached an peak population of 188 (total 14,170) in 1910. In 1933, 168 Jews remained, operating 19 business establishments and the Hirsch shoe and leather factory with its 400 workers. By November 1938, 43 Jews had emigrated (a third to the United States) and 21 had left for other German cities. After the synagogue was blown up on Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish homes and stores were damaged and most Jewish men detained in the Dachau concentration camp. Twenty-four emigrated and 15 left for other German cities. On 22 October 1940, 46 were deported to the Gurs concentration camp, most perishing. Another 26 Jews from the local insane asylum were put to death at Heppenheim. 
     
        

                   
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Stand: 21. Februar 2014