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Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Groß-Umstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück.
Bereits 1548 werden Juden in "Umbstadt" genannt. Im 17. Jahrhundert
lebten drei bis fünf jüdische Familien am Ort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1800 sieben jüdische Familien, 1834 44 jüdische Einwohner, 1861 69 (2,5 %
von insgesamt 2.741 Einwohnern), 1880 81 (2,8 % von 2.844), 1905 87 (2,4 % von
3.573), 1910 77 (2,0 %
von 3.743). Zur jüdischen Gemeinde in Groß-Umstadt gehörten auch die
wenigen in Klein-Umstadt lebenden jüdischen
Personen (1924-32 jeweils sechs Personen); diese hatten zunächst zu der um 1870
aufgelösten Gemeinde in Raibach gehört. Von
den in Raibach
lebenden jüdischen Familien sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere
nach Groß-Umstadt gezogen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde
wurden auf dem jüdischen Friedhof in Dieburg
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe
Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde gehörte zum (orthodoxen)
Rabbinatsbezirk Darmstadt II.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde der Gefreite Jakob Kahn
(geb. 3.11.1889 in Groß Umstadt, gef. 22.8.1914) und
Moritz Lichtenstein (geb. 20.3.1885 in Groß Umstadt, gef. 27.4.1915).
Um 1924, als zur
Gemeinde 87 Personen gehörten (2,2 % von insgesamt etwa 4.000 Einwohnern),
waren die Gemeindevorsteher Albert Rapp, Baruch Lichtenstein II und Berthold
Lindheimer. Als Religionslehrer und Schochet kam regelmäßig Lehrer Hermann
Kahn aus Höchst im Odenwald nach Groß-Umstadt. 1924 unterrichtete er an der
Religionsschule 14 Kinder. 1932 waren die Gemeindevorsteher Albert Rapp (1.
Vors.), Berthold Lindheimer (2. Vors.). Weiterhin erteilte Lehrer Kahn aus
Höchst den Religionsunterricht in Groß-Umstadt. Im Schuljahr 1931/32 hatte er
sechs Kinder zu unterrichten.
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (1933: 57 Personen, d.u. 1,4 %
von insgesamt 4.062 Einwohnern) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge und ihre Einrichtung demoliert (s.u.), danach wurden
von Groß-Umstädter SA-Leuten und Nationalsozialisten - zusammen mit
zahlreichen anderen Einwohnern - die jüdischen Wohnungen überfallen,
geplündert oder demoliert sowie viele der jüdischen Einwohner misshandelt
(siehe Bericht unten).
Drei jüdische Männer - die Brüder Arthur und Alfred Rapp sowie Max Östreich
- wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Viele der jüdischen Einwohner
verließen nach diesen Ausschreitungen endgültig Groß-Umstadt. 1939 waren nur
noch sieben jüdische Personen am Ort. In der Schulstraße 19 wurde ein
"Judenhaus" eingerichtet, in dem die letzten jüdischen Einwohner
zusammenziehen mussten. 1942 und 1943 wurden die letzten jüdischen Einwohner
deportiert.
Von den in Groß-Umstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Ehrmann geb.
Lichtenstein (1865), Ida Flörsheimer geb. Rapp (1882), Karola Fontein geb.
Rothschild (1908), Lina Hammerschlag (), Rosa Korn geb. Lichtenstein (1876),
Berthold Lichtenstein (1898), Emilie Lichtenstein (), Ernestine Lichtenstein (),
Jenny Lichtenstein (1899), Melitta Lichtenstein (1901), Simon LIchtenstein (),
Sophie Lichtenstein (), Mina Liebmann (1871), Thirza Löb (), Jettchen Mayer
geb. Rapp (1868), Johanna Mayer geb. Lichtenstein (1874), Alfons Rapp (1923),
Else Rapp (1922), Friedrich (Fritz) Rapp (1888), Gustav Rapp (1883), Julius
Isaak Rapp (1877), Margot Rapp (1922), Berta Reichenberg geb. Rapp (1888), Hilde
Rothschild geb. Rapp (1891), Julius Rothschild (1886), Rosa Rothschild geb.
Strauß (1880), Wilhelm (Willy) Rothschild (1911), Rebecka Schwan geb.
Lindheimer (1872), Rosa Sichel geb. Klipstein (1877), Jettchen Stein (), Adele
Willner (1885), Bartel Willner (), Ida Willner (), Josef Willner (), Uscha
Willner (), Emma Wolff geb. Rapp (1869, Fanny Wolf (1930), Herbert Wolf
(1927)).
Einige Namen wurden von der Zusammenstellung auf dem Gedenkstein übernommen
(Namen oben ohne Angabe des Geburtsjahres).
Aus Klein-Umstadt sind umgekommen: Bertha Bickert geb. Grünebaum (1879),
Blanka Brück geb. Blumhof (1896), Adolf Strauß (1872), Johanna Strauss (1877),
Wilhelm Strauss (1875), Elisabeth (Elsa, Elise, Maria) Szedlisker geb. Bickert
(1897).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 /
1881 / 1920 / 1922
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1879: "In hiesiger
Gemeinde wird ein seminaristisch geprüfter Lehrer und Schächter zu
engagieren gesucht, welcher sogleich eintreten kann. Gehalt mit Nebeneinkünften
Mark 1.200. Groß-Umstadt bei
Darmstadt.
Der Vorstand: Feist Rapp." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1881: "Die hiesige
Lehrer- und Schächterstelle ist vakant. Gehalt bei freier Wohnung Mark
500 und ca. Mark 600 Nebeneinkünfte. Bewerber um diese Stellung, von
orthodoxer Richtung, seminaristisch geprüft und tüchtig in Schechita,
wollen sich sofort bei unterzeichnetem Vorstand melden. Groß-Umstadt, den
12. Juni 1881.
Feist Rapp (Reisevergütung erhält nur Derjenige, welcher
engagiert wird)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898: "Vakanz.
Die hiesige Lehrer- und Kantorstelle ist bis zum 1. Dezember
laufenden Jahres anderweitig zu besetzen. Dieselbe trägt an fixem Gehalt
Mark 600 und an Schechita und Nebenakzidenzien mindestens Mark 500
ein.
Seminaristisch gebildete Bewerber, die von orthodoxen Rabbiner die Autorisation
haben, wollten ihre Offerten nebst Zeugnissen einreichen.
Groß-Umstadt, 7. September 1898.
Für den Vorstand:
M. Rapp." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1920: "Unterzeichnete
Gemeinde sucht einen jüngeren Religionslehrer und Schochet. Offerten mit
Gehaltsansprüchen erbeten.
Groß-Umstadt, 31. Januar 1920.
Der Vorstand
Albert Rapp." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1922:
"In der israelitischen Gemeinde Groß-Umstadt (Hessen) ist die Stelle
eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets zu besetzen. Gehalt
ca. Mark 10.000.- Gefällige Offerten an den
Vorsteher Albert Rapp.
Groß-Umstadt, 31. Januar 1922." |
Anzeige des Schülerpensionats von Lehrer Levi Stein (1899)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1899: "Schülerpensionat
Groß-Umstadt. Großherzogliche Real-, Landwirtschaftsschule und Töchterpensionat.
Auch schwächere Schüler finden Aufnahme, Vorbereitung, Nachhilfe, streng
religiöse Erziehung und Beaufsichtigung. Honorar sehr mäßig. Prima
Referenzen. Nähere Auskunft erteilt
Levi Stein, Lehrer." |
Lehrer Levi Stein erlässt einen
Hilfsaufruf für einen verarmten alten Juden in Crainfeld (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Aufruf.
Einem armen, hochbetagten Israeliten in Crainfeld,
Oberhessen, ist von der Polizei aufgegeben worden, bis zum 15. Juni
laufenden Jahres sein Wohnhaus renovieren zu lassen oder würde es von der
Behörde geschlossen. Dieser arme Mann ist nicht in der Lage auch nur das
Geringste leisten zu können und muss darum die Beihilfe edler, guter
Menschen anrufen. Erlaube mir darum, im Namen dieses Mannes, an edle
Herzen die dringende Bitte zu richten, diesem hart bedrängten Greise eine
Beisteuer zukommen zu lassen, der liebe Gott wird es lohnen. Milde Gaben
wolle man an den Unterzeichneten richten, welcher öffentlich quittieren
wird. Auf Verlangen kann der Name des Mannes genannt werden.
Groß-Umstadt, Hessen, im April 1900. Levi Stein, Lehrer und
Kantor." |
Anzeige des Lehrers Levi Stein (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1901: "Für
meinen Sohn, mit der einjährigen Berechtigung, gut entwickelt, suche
in einem Schabbat und Feiertag streng geschlossenen Geschäfte, am
liebsten Laden, bei freier Station eine Lehrstelle.
Levi Stein, Lehrer, Groß-Umstadt, Hessen." |
Anzeige des Knaben-Pensionates von Lehrer Levi Stein
(1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1901:
"Israelitisches Knaben-Pensionat. Knaben, welche die hiesige
vorzügliche Realschule besuchen sollen, finden in meinem Hause, bei
bester Pflege Aufnahme; Aufsicht und Nachhilfe in allen Fächern. Auch
schwächere Schüler finden Aufnahme. Referenz Gr. Realschuldirektor Herr
Dr. Lahm.
Groß Umstadt, 25. März (1901).
Levi Stein, Lehrer." |
Aufruf von Lehrer Stein zu Spenden für eine in Not geratene jüdische
Familie in Kleestadt (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1902:
"Bitte um schnelle Hilfe! Am 20. April wütete in der Gemarkung
Kleestadt bei Babenhausen ein furchtbares Unwetter. Gewaltige
Wassermassen stürzten von den Bergen auf das Häuschen des dort
wohnenden, einzigen Glaubensgenossen. Sein ganzes Hab und Gut stand unter
Wasser. Die Spezereiwaren in seinem Lädchen sind fast alle verdorben, das
angekaufte Brennholz ist fortgeschwemmt. Da nun von Seiten des Staates
oder der Versicherungsgesellschaft eine Entschädigung nicht geleistet
wird, so wenden wir uns an das edle Herz braver und wohltätiger Menschen
und bitten um rasche Beihilfe.
Julius Seewald, Babenhausen (Hessen) und Lehrer Stein,
Groß-Umstadt. |
Nachfolger von Lehrer Levi Stein wird Lehrer Kahn aus Orb
(1913)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. September 1913: "Aus
Hessen. Jüngst verschied in Wenings der sehr beliebte Lehrer Baruch
Stern, 70 Jahre alt. - In Groß-Umstadt ist als Nachfolger des
verstorbenen Lehrers Stein, der in der Synagoge plötzlich verschied,
Lehrer Kahn aus Orb gewählt worden." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Hilferuf nach einer großen Feuersbrunst in der Stadt
(1887)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1887: "Hilferuf! Durch
eine große Feuersbrunst, welche vergangene Nacht hier wütete, ist leider
einer unserer Glaubensgenossen mit großer Familie schwer heimgesucht
worden, indem sein ganzes Haus ein Raub der Flammen geworden. Der Mann,
welcher seine Familie seither zwar kümmerlich aber redlich ernährte, ist
durch dieses Unglück vollständig dem Ruin preisgegeben. Schnelle Hilfe
ist daher sehr am Platze, zumal der Winter vor der Türe ist. Möge diese
günstige Gelegenheit um dem Armen
zu geben… von recht vielen unserer Glaubensgenossen, deren edle
Gesinnung sich ja immer bei derartigen Fällen betätigt, benützt werden.
Gepriesen derjenige, der dem Armen Gutes tut. Groß Umstadt, 12. Dezember
1887. Zur Entgegennahme von Spenden sind bereit:
A. Scheuer, Lehrer. M. Rapp, Vorsteher. Feist Rapp.
Auch wir sind bereit, Gaben weiterzuleiten und weiterzubefördern. Die
Expedition des ‚Israelit’." |
Antisemitenprozess (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1890: "Groß-Umstadt,
26. Oktober (1890). Am 22. dieses Monats wurde an hiesigem
Schöffengerichte ein Fall verhandelt, aus dem die Antisemiten die Lehre
ziehen können, dass sie Juden nicht ungestraft beleidigen dürfen. Einer
der treuesten Anhänger Böckels, Heinrich Stab, Sohn des
Schneidermeisters August Stab dahier, beleidigte in einer öffentlichen
Wirtschaft einen hiesigen Glaubensgenossen dadurch, dass er sagte: 'Die
Juden sind eine schlechte Bande.' Vor Gericht suchte der Anwalt, zugleich
Schwager des Beklagten, diese Äußerung als eine Kollektiv-Beleidigung
hinzustellen, worin eine persönliche Beleidigung nicht zu erblicken. Der
klägerische Anwalt war jedoch anderer Meinung und verlangte die
Bestrafung des Beklagten, indem er noch als erschwerende Momente
hervorhob, dass ein junger Mann, der Anspruch auf Bildung erhebt, diese
Äußerung getan, ferner dass dieselbe öffentlich und an öffentlichem
Orte geschah, sowie, dass der Kläger sehr friedlicher Natur und niemals
Veranlassung zu einer derartigen Äußerung gegeben habe. Das Gericht
schloss sich diesen Ausführungen an und verurteilte Staab in die
Geldbuße von 20 Mark sowie Tragung sämtlicher Kosten; auch wurde dem
Kläger das Publikationsrecht
zugesprochen." |
Über
die Vorgänge beim Novemberpogrom 1938
| Zitiert nach "Heimatgeschichtlicher
Wegweiser" s. Lit. S. 37 (Recherchen des Vereins zur Bewahrung der
Groß-Umstädter Synagoge": "Begonnen hat dies alles in der
Karlstraße. Unter dem Beifall einer johlenden Menge fingen Umstädter
SA-Leute, gefolgt von Helfershelfern, in das Haus der Gebrüder Rapp und
zerstörten die Inneneinrichtung... Danach wälzte sich die Menge in die
Schulstraße und demolierte das Haus von Simon Lichtenstein, dem
jüdischen Pferdehändler... Anschließend zog man in die Curtigasse und
verwüstete das Haus der Jenny Lichtenstein, einer bekannten und beliebten
jüdischen Bürgerin. Danach waren die Wohnungen von Berta Reichenberg und
Jetty Stein in der Unteren Marktstraße an der Reihe. Das mutige Eintreten
des Hausbesitzers Brenner verhinderte größeren Schaden. Das Haus der
Amalie Götz in der Entengasse konnte von besonnenen Bürgern vor
größerem Unheil bewahrt werden. Malchen Götz, die in bestem
Einvernehmen mit ihren Mietern lebte, hatte ihnen schon zu Lebzeiten ihr
Haus vermacht. Sie starb wenig später eines natürlichen Todes in
Frankfurt. Nur 50 m weiter lebte zu dieser Zeit Minna Liebmann in der
Brunnengasse. Sie wurde für drei Tage aus ihrer Wohnung vertrieben, ihr
Hab und Gut zerstört." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Chava Rapp (1892)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1892: "Groß-Umstadt. Unter
zahlreicher Beteiligung von Nah und Fern wurde Erew Rosch Chodesch Elul, die irdische Hülle der in ihrem 69.
Lebensjahre dahingeschiedenen Frau Chava Rapp zur Ruhe getragen. Ausgerüstet
mit den schönsten Tugenden einer Eschet
Chajil (wackeren Frau), wandte sie neben Tora und Gottesdienst ihre
größte Aufmerksamkeit der Ausübung von Wohltätigkeit
zu. Den Ausspruch unserer Weisen ‚es
seien die Armen die Kinder deines Hauses’ betätigte die
Heimgegangene in des Wortes wahrster Bedeutung. Als Beraterin stand sie
jederzeit den Hilfesuchenden zur Seite; manches herbe Leid hat sie
gemildert, manche Träne getrocknet. Herr Rabbiner Dr. Marx – Darmstadt
schilderte in bekannter, meisterhafter Weise die Verdienste der
Verstorbenen. Sch." |
Zum Tod des Schlossverwalter M. Simon - 61 Jahre im Dienst der Freiherren von
Wambolt (1893)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Januar 1893: "Aus Hessen,
16. Januar (1893). In Groß-Umstadt (Odenwald) starb am 1. dieses Monats
im Alter von 76 Jahren Herr Schlossverwalter M. Simon. Der Verstorbene hat
einundsechzig Jahre hindurch als Verwalter der ausgedehnten Güter der
hiesigen Schlossherrschaft der Freiherren von Wambolt gewirkt. Das
unbegrenzte Vertrauen, dessen er sich von Seiten derselben zu erfreuen
hatte, ist umso bemerkenswerter, als die Herren von Wambolt zum Odenwälder
Uradel und den hervorragendsten Repräsentanten des strengsten
Katholizismus in Hessen und Baden gehören. Der strenge Katholizismus
hinderte aber die Herren von Wambolt nicht, Herrn Simon, einen Juden, mit
der Verwaltung ihrer ausgedehnten Groß-Umstädter Besitzungen 61 Jahre
hindurch zu betrauen. Herr Simon kam schon als 16jähriger Knabe aufs
Schloss. Er machte später den Kursus eines Geometers durch, kehrte aber
nach Ablegung des Examens in seinen früheren Wirkungskreis zurück, dem
er bis an sein Lebensende treu blieb. In dem gleichen Maße wie das
Vertrauen der Schlossherrschaft besaß er die Achtung und Liebe der
gesamten Bevölkerung in hiesiger Gegend. Das zeigte sich auch bei seinem
Leichenbegängnis, an dem u.a. auch die beiden Pastoren des Ortes, der
katholische wie der evangelische, teilnahmen." |
Zum Tod von Bulle Kahn (1904)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1904: "Groß-Umstadt. Am
ersten Tag Chanukka wurde unter Teilnahme eines großen Trauergefolges der
irdische Teil der Frau Bulle Kahn, Gattin des Herrn Moses Kahn, zur ewigen
Ruhestätte gebracht. Die Verewigte, die ein Alter von 72 Jahren
erreichte, war von Jugend auf fromm und gottesfürchtig und erzog mit
ihrem Gatten ihre Kinder und Enkel zu braven, frommen Jehudim. Den Armen
war sie eine edle Freundin und übte Zedoko
(Gerechtigkeit) und Gemilus Chasodim
(Wohltätigkeit) in des Wortes schönster Bedeutung. Mit Recht konnte sie
vor ihrem Hinscheiden sagen: ich kann ruhig sterben, ich habe keinen
Feind. Mögen ihr Gatte, ihre Kinder und Enkel Trost und Beruhigung finden
in dem Verdienst ihrer frommen
Mutter, ihr Andenken aber bleibt zum Segen." |
Gemeindevorsteher Julius Rapp zieht nach Mainz (1911)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. August 1911: "Groß-Umstadt, 14.
August 1911. Ende dieses Monats verzieht Herr Julius Rapp von hier nach
Mainz. Mit Herrn Rapp verlieren wir nicht nur ein gesetzestreues Mitglied
unserer Gemeinde, sondern auch unseren Führer, unseren Vorstand. Dieses
Amt verwaltete er rein zur Ehre
Gottes. Der Schule und der Gemeinde widmete er seine Interessen im höchsten
Maße. Wie wir Herrn Rapp und Frau ungern scheiden sehen, so bedauert auch
das ganze Städtchen diesen Wegzug. - Möchte reicher Segen den
Scheidenden an die neue Stätte seines Wirkens begleiten, und ihm
Befriedigung nach jeder Richtung beschieden sein." |
Zum Tod von Rosa Kahn geb. Lichtenstein (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1915: "Frau
Anselm Kahn - Friede sei mir ihr. Am 19. April ist Frau Rosa
Kahn geb. Lichtenstein, im 69. Lebensjahre nach einem langen, schweren,
aber mit stillem Heldentum und wahrer Gottergebenheit ertragenen Leiden,
verschieden. Sie entstammte der hoch angesehenen Familie Lichtenstein in
Groß-Umstadt, die weit und breit wegen ihrer Wohltätigkeit und
Frömmigkeit geschätzt wurde. Mit ihr ist eine von den wohltätigen
Frauen dahingegangen; den Frauen, deren ganzes Leben von Liebe und Wohl tun
ausgefüllt ist. Fast ein halbes Jahrhundert hatte sie an der Seite des
ihr vor zwei Jahren im Tode vorausgegangenen, frommen, allgemein
geschätzten Gatten, Herrn Anselm Kahn, ihrem Hause vorgestanden. Aber
auch über den engen Kreis ihres Hauses, dem sie das Gepräge
altjüdischer Frömmigkeit und Gastfreundlichkeit aufdrückte, hinaus
erfreute sich diese edle Frau in allen Kreisen der Frankfurter jüdischen
Gesellschaft infolge ihres grundgütigen, stets hilfsbereiten Wesens und
ihres geraden, wahrhaftigen Sinne allgemeiner Achtung und Wertschätzung,
die auch bei ihrem stattgehabten Leichenbegängnis zum Ausdruck gelangten.
Durch ihren Tod sind die Frankfurter gesetzestreuen Kreise um eine wackere
Frau in des Wortes wahrstem Sinne ärmer geworden. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Max Rapp (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1928: "Groß-Umstadt,
15. Oktober (1928). Am Ausgange des Schabbat Schuwa (= 22.
September 1928) hauchte Max Rapp, eines der ältesten und angesehensten
Mitglieder unserer leider immer kleiner werdenden Gemeinde, seine reine
Seele aus. Herr Rabbiner Dr. Merzbach - Darmstadt schilderte vor dem
Trauerhause den Verlust, den Familie und Gemeinde durch den Heimgang
dieses noch in den altbewährten Bahnen der Tradition wandelnden Mannes
erlitt, der trotz mancher Missgeschicke, von denen das Leben auch ihn
nicht verschonte, stets das Gottvertrauen als oberstes Gebot der
Stunde erachtete und so all den Seinen ein leuchtendes Vorbild war. Ganz
besonders betrauert die Gemeinde ihren langjährigen Vorbeter, der
verständnisvoll, mit echter klarer und angenehmer Stimme die
Gebete vorzutragen verstand. Die Gemeinde ehrte ihn dadurch, dass sie ihm
einige Bücher (sc. evtl. sogar Torarollen) die unbrauchbar
geworden waren, mit ins Grab gab, als Wahrzeichen dafür, dass der fromme
Mensch den Büchern insofern gleich, als der Körper wohl verwese,
aber der Geist, der Lebensinhalt an guten Taten und an Tora
für alle Zeiten weiterbestehe. Möge die hochbetagte Gattin, die ein
halbes Jahrhundert in Liebe und Treue mit ihrem Gatten - er ruhe in
Frieden - verbunden war und die zahlreiche Kinderschar, die einen
treusorgenden und liebenden Vater verlor, den wahren Trost in dem Gedanken
finden, dass der Entschlafene im Garten Eden weilt, um den Lohn
seines Erdenwallens entgegenzunehmen. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe
und Privatpersonen
Lehrlingssuche des Manufaktur-, Kurz- und
Schuhwarengeschäftes Feist Rapp (1884 / 1890 / 1891 / 1901)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1884: "In meinem
Manufaktur-, Kurz- und Schuhwarengeschäft wird bis zum 1. April laufenden
Jahres die Stelle eines Lehrlings offen. Samstag und Feiertage
geschlossen. Kost und Logis im Hause.
Auch würde ich per sogleich einen
angehenden Commis, welcher sich als Detail-Reisender für Landkundschaft
gut eignet, engagieren. Groß-Umstadt, 24. Januar 1884. Feist Rapp." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1890:
"Lehrlings-Gesuch.
In meinem Manufaktur- und
Schuhwaren-Geschäft (samstags und Feiertage geschlossen) wird per 15.
November laufenden Jahres eine Lehrlingsstelle frei. Kost und Logis im
Hause.
Groß-Umstadt (Großherzogtum Hessen). Feist Rapp." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1891: "Lehrlings-Gesuch.
Für
mein Manufaktur- und Schuhwarengeschäft suche ich einen Lehrling.
Samstags und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause.
Feist Rapp, Groß-Umstadt (Großherzogtum Hessen)." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
30. Dezember 1901:
"Für mein an Samstag und israelitischen Feiertagen streng
geschlossenes Manufaktur- und Modewaren-Geschäft suche zum
alsbaldigen Eintritt einen
Lehrling mit guten Schulkenntnissen.
Feist Rapp, Groß-Umstadt, Hessen." |
Anzeige des Hauptkollekteurs der
Hessisch-Thüringischen Staatslotterie Feist Rapp (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1904: "Die Ziehung
der I. Klasse der IV. Hessisch-Thüringischen Staatslotterie findet
am
14. und 16. Mai laufenden Jahres
statt und halte mich für den Bezug der Lose bestens empfohlen. - Prompte,
diskrete Bedienung.
Feist Rapp, Groß-Umstadt, Hauptkollekteur der Hessisch-Thüringischen
Staatslotterie." |
Lehrlingssuche des Manufaktur-, Ausstattungs- und
Möbelgeschäfts Leopold Rapp (1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1908: "In
meinem Manufaktur-, Ausstattungs- und Möbelgeschäft wird für einen Lehrling
mit guter Schulbildung eine Stelle frei.
Samstags geschlossen. Freie Station im Hause.
Leopold Rapp, Groß-Umstadt, Hessen." |
Anzeige des Manufaktur- und Schuhwarengeschäftes Isaak Rapp (1915)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1915: "In
meinem Sabbat geschlossenen Manufaktur- und Schuhwaren-Geschäft ist eine
Lehr- und Commissstelle per 1. Oktober frei. Offerten erwünscht.
Isaak Rapp. Groß-Umstadt." |
Verlobungsanzeige von Rosel Ganz und Hans Begach
(1930)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1930: "
Rosel Gans - Hans Begach Apotheker. Verlobte.
Frankfurt am Main, Hermesweg 14 - Groß-Umstadt (Hessen).
Zu Hause, den 10. Mai 1930." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine ältere Synagoge war vorhanden. In dem Gebäude
war auch die Wohnung des Lehrers eingerichtet. In der Mitte
des 19. Jahrhunderts bemühte sich die Gemeinde über mehrere Jahre, einen
Neubau zu errichten, nachdem die bisherige Synagoge in einen immer
baufälligeren Zustand geraten war. Doch tat sich die Gemeinde bereits schwer im
Blick auf eine Restaurierung des Gebäudes. 1866 schließlich ist das alte
Synagogengebäude offenbar auf Grund des schlechten Bauzustandes in sich
zusammengefallen. Die Ruine konnte nicht mehr renoviert werden. Da die Gemeinde
nicht die notwendigen Eigenmittel für einen Neubau hatte, wandte sich sich in
einem über mehrere Wochen erschienenen Hilferuf an die jüdische
Öffentlichkeit mit der Bitte um Spenden.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1867: "Aufruf
zur Mildtätigkeit. Teure Glaubensgenossen, geliebte Brüder und
Schwestern! Unsere israelitische Gemeinde befindet sich in großer
Not. Wir hatten bisher eine kleine, armselige Hütte, in welcher unsere
Andachten gehalten wurden und der Lehrer höchst traurig wohnte. Jahrelang
haben wir und unsere Väter uns damit gequält, jahrelang die Restauration
des der Erbauung gewidmeten Hauses verschoben; aber es war nicht möglich,
früher zu helfen. Alter und Gebrechlichkeit, Regen, Schnee und Sturm
haben endlich das klägliche Gebäude in Trümmer geworfen - unsere
Synagoge ist eine Ruine!
Nun wollen und müssen wir bauen, wollen und müssen ein, wenn auch nur
bescheidenes Haus aufrichten, das als Synagoge, Schule und Lehrer-Wohnung
dienen soll. Aber unsere pekuniären Mittel, da wir nicht viele Familien
und darunter viele mit geringem Vermögen sind, reichen bei weitem nicht
hin, das gute Werk auszuführen. Mit Anstrengung aller unserer Kräfte
haben wir selbst circa 400 Thaler als Fundamentalsumme aufgebracht -
allein nun fehlen noch 2.000 Thaler! Nun wenn unsere lieben
Glaubensgenossen uns beistehen und uns nach ihren Verhältnissen milde,
brüderliche Gaben spenden, nur dann werden wir unser heiß ersehntes Ziel
erreichen.
Teure Brüder und Schwestern! Ihr habt ja schon so oft und so vielen geholfen,
o darum bitten auch wir Euch herzlich und dringend: Helfet uns ein
Gotteshaus bauen. Zuversichtlich hoffen wir darauf und danken Euch
ewiglich schon im Voraus dafür. Und der Herr wird's Euch vergelten. Die
Gaben wolle man an den unterzeichneten Vorstand senden.
Groß-Umstadt, Provinz Starkenburg, im Dezember 1866. Der israelitische
Vorstand M. Lichtenstein. Löb Kilb." |
Bereits 1866 wurde das Neubauprojekt von den Behörden genehmigt.
Allerdings brauchte es auf Grund der schwierigen Finanzierungssituation mehrere
Jahre, bis die Bauarbeiten durchgeführt werden konnten. Erst am 21. Mai 1874
konnte
eine neue Synagoge feierlich durch den Landesrabbiner eingeweiht werden. Die neue Synagoge hatte 45 Plätze für Männer. Frauenplätze
waren auf der Empore.
Über 60 Jahre war diese neue Synagoge Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in
Groß-Umstand. Das Gebäude war jedoch bereits 1913 in einem schlechten
baulichen Zustand, da sie am Stadtrand auf sumpfigem Gelände errichtet worden
war und sich Schwamm in den Mauern gebildet hatte.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge vollkommen zerstört. Das nicht mehr benutzbare Gotteshaus wurde vom
letzten Vorstandsmitglied an den benachbarten Bauern verkauft, der das Gebäude
als Lagerraum verwendete, es aber insgesamt dem Verfall überließ. In den
1970er-Jahren kam es zu engagierten Diskussionen in der Stadt um die Zukunft des
inzwischen vernachlässigten Gebäudes. 1978 stellte der Besitzer einen Antrag
auf Abbruch, der genehmigt wurde. Die ehemalige Synagoge ging daraufhin, mit dem
Zweck der Umsetzung in das Freilichtmuseum Hessenpark, in Landesbesitz über.
Der damals gegründeten "Verein zur Bewahrung der Groß Umstädter
Synagoge" engagierte sich für den Erhalt des Gebäudes. 1979 brach das
Dach des ehemaligen Synagogengebäudes ein.
1beschloss die Groß-Umstädter Stadtverordnetenversammlung: "Der
Aufbau einer Synagoge im Stadtgebiet wird von der Stadt Groß-Umstadt nicht mehr
weiter verfolgt. Der Kulturausschuss wird beauftragt, einen Vorschlag für den
Standort und die Gestaltung eines Mahnmals zu erarbeiten". Das Mahnmal
wurde am Darmstädter Schloss in der Hanauer Gasse 1985 eingeweiht.
Nach dem Abbruch der Synagoge in Groß-Umstadt wurde 1983 mit ihrem Wiederaufbau im
Freilichtmuseum Hessenpark begonnen, Dieser konnte 1988 abgeschlossen werden
(siehe Fotos unten). Die erhaltenen
Teilstücke wie Türbögen, Fenster, Simse etc. wurden einbezogen.
Einer Dauerausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde wurde 1995
im Groß-Umstädter Museum "Gruberhof" eröffnet. Eine Dauerausstellung
zum jüdischen Leben im ländlichen Hessen in der ehemaligen Synagoge im
Hessenpark ist ab Mai 2012 zu sehen.
Adresse/Standort der Synagoge: untere
Marktstraße 38; heute im Freilichtmuseum
Hessenpark, Neu Anspach innerhalb der "Baugruppe Südhessen"
Fotos
| Historische Fotos |
Historische Fotos
der Synagoge vor 1938 sind noch nicht vorhanden;
über Hinweise bzw.
Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Fotos der Synagoge nach
1945
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 79) |
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Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge um 1970 - als Lagerraum zweckentfremdet |
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Ehemalige jüdische
Gewerbebetriebe
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 79) |
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Ehemaliges
Manufaktur-, Ausstattungs- und Möbelgeschäft von Leopold Rapp,
der 1907
Vorsitzender der jüdischen Gemeinde war (Bismarckstraße). |
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Denkmal für
die jüdische Gemeinde und die Synagoge beim Darmstädter Schloss
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 17.8.2008) |
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Blick auf das
Darmstädter Schloss
(rechts), links davon die
Gedenkstätte für die
frühere Synagoge |
Blick
auf die Gedenkstätte mit Menora (siebenarmiger Leuchter), dahinter
Inschriften
und rechts Hinweistafel auf die Portalinschrift:
"Die linke Tafel ist eine Nachbildung
der Inschrift über dem
Türeingang der Synagoge. Heute steht die Synagoge zur
Mahnung im
Hessischen Freilichtmuseum und enthält eine Dokumentation
über das
Schicksal der Juden in unserer Heimat. |
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Portalinschrift
aus 1. Mose 28,17:
"Wie ehrfurchtgebietend ist dieser Ort.
Hier ist
nichts anderes als ein Gotteshaus,
und dies ist die Pforte des
Himmel" |
Gedenkinschrift:
"Zu Ehren unserer
jüdischen Mitbürger und zur Erinnerung
an die
Synagoge, die 1874 erbaut und
am 9. Nov. 1938 durch Rassenwahn
entweiht
wurde." |
Die Menora
(siebenarmiger Leuchter) |
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Blick auf den Gedenkstein
mit
den Namen der aus
Groß Umstadt ermordeten Juden |
Die
Namen: Lichtenstein: Ernestine Melita Jenny
Berthold Simon Emilie Jenny Sophie Willner:
Uscha Adele Josef Ludwig Ida Bartel Liebmann:
Minna Rapp: Abraham Lina Margarete
Auguste Ludwig Lina Else Alfons Julius
Gustav Reichenberg: Berta Löb:
Thirza Hammerschlag: Lina Stein
Jettchen Rothschild: Julius Rosa Willi Fontein:
Karola. |
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| Blick auf das
Kriegerdenkmal 1870/71 |
Unter den
Kriegsteilnehmern auch Namen jüdischer Personen (S. Lindheimer) |
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Die ehemalige
Synagoge von Groß-Umstadt im Freilichtmuseum "Hessenpark"
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.4.2010) |
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| Im
"Hessenpark" ist die ehemalige Synagoge aus Groß-Umstadt das
erste Gebäude in der Baugruppe Südhessen. Der Wiederaufbau wurde 1983
bis 1988 durchgeführt. Weitere Gebäude der Baugruppe Südhessen warten
noch auf ihren Wiederaufbau. In der ehemaligen Synagoge wird ab Mai 2012 eine
Ausstellung des jüdische Leben im ländlichen Hessen dokumentieren. Oben
Hinweistafeln im Hessenpark zur Baugruppe Südhessen. |
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| Blick auf die ehemalige
Synagoge, ein Massivbau in Bruchsteinmauerwerk |
Blick auf das Gebäude
von Nordosten |
Blick auf das Gebäude
von Süden |
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Rundbogenfenster
an der Nordseite |
Rundbogenfenster
an der Südseite |
Inschrift
"Haus des Gebets Israel";
hinter dem Fenster ist der Aufgang
zur
Frauenempore erkennbar |
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Eingangsportal an der
Westseite
mit Inschriftentafel |
Detailansicht: die
historische Eingangstüre |
Inschrift über
dem Eingangsportal und Rundfenster aus 1. Mose 28,17: "Wie
ehrfurchtgebietend ist dieser Ort. Hier ist nichts anderes als ein
Gotteshaus und dies ist die Pforte des Himmels". |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| März 2011:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Groß-Umstadt |
Artikel in "echo-online.de" vom 1. April 2011 (aus;
Artikel):
"Acht Stolpersteine in Umstadt
Gedenken: Bildhauer Gunter Demnig markiert ehemalige Wohnorte ermordeter Juden – Eindringliche Szenen
GROSS-UMSTADT. 'Groß-Umstadt war eine Hochburg der NSDAP', steht auf dem Flugblatt, das der Groß-Umstädter Kunsthistoriker und Denkmalaktivist Norbert Kottmann an Passanten verteilt. Die wundern sich an diesem Donnerstagvormittag über einen besonderen Stadtrundgang mit großer Beteiligung.
Ehrenbürgermeister Wilfried Köbler führt Schüler der Max-Planck-Schule und andere interessierte Bürger zu den ehemaligen Wohnorten und Wirkungsstätten der Juden, von denen viele in der Zeit der Nazi-Herrschaft deportiert und ermordet wurden..." |
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| August 2011:
Die
ehemalige Synagoge Groß-Umstadts im Hessenpark wird zentrale
Erinnerungsstätte für das jüdische Landleben in Hessen vor dem
Holocaust |
Artikel in
der "Frankfurter Rundschau" vom 29. August 2011 (Artikel):
"Freilichtmuseum Hessenpark:
Wie die Landjuden lebten
Die ehemalige Synagoge von Groß-Umstadt wird im Freilichtmuseum Hessenpark zur zentralen Erinnerungsstätte für das jüdische Landleben in Hessen vor dem Holocaust.
Einsam steht sie am Rande des 40 Hektar großen Hessenparks. Seit mehr als 20 Jahren ist sie ein Rohbau, wurde als Lagerraum genutzt. Dabei stellt die Synagoge aus Groß-Umstadt etwas Besonderes dar. Mit der 1996 im Hessenpark wiederaufgebauten Synagoge aus Nentershausen im Westerwald steht sie als einziges jüdisches Gotteshaus in einem deutschen Freilichtmuseum. Nun sind Handwerker vor Ort. Ab Mai 2012 soll das Gebäude zentrale Erinnerungs-Stätte an das jüdische Landleben in Hessen vor dem Holocaust sein..." |
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| Siehe hierzu auch eine Seite
bei hr-online.de mit Link zu einem Audio-Beitrag des Hessischen
Rundfunks (29.8.2011) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 296-299. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 79. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S.143-144. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 122 (keine weiteren
Informationen) |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bänden. 2007². S.
310-311. |
 | Gross-Umstadt. Zur Geschichte der Juden und ihrer Synagoge.
Verein zur Bewahrung der Gross-Umstädter Synagoge. Gross-Umstadt
1988. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S.
36-37. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 133-134.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gross-Umstadt
Hesse. Numbering 69 (2 % of the total) in 1861, the community grew to 87 in 1905
and was affiliated with the Orthodox rabbinate of Darmstadt. On Kristallnacht
(9-10 November 1938) Nazis destroyed the synagogue's interior and conducted a
pogrom. Nearly all of the 57 Jews living there in 1933 fled (21 emigrating)
before Worldwar II. In 1983 a reconstruction of the synagogue was added to the
Hessenpark outdoor museum in Neu Anspach.

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