Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Griesheim (Kreis Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
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Sonstiges  
Kennkarte aus der NS-Zeit       
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Griesheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten in dem damaligen Bauerndorf Griesheim einzelne Juden, die u.a. in den "Weidgeldlisten" verzeichnet sind. Sie lebten insbesondere vom Viehhandel. Die erste namentliche Nennung liegt von 1656 vor ("Hertz der Jude"", der einen Viehhandel und einen Kramladen betrieb), danach von 1683 ("Jud Mosche" mit Vieh- und Warenhandel). Mehrere jüdische Familien lassen sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen, u.a. die Familien Elias bzw. Joseph und Mayer. Der Stammvater der Familie Elias-Joseph war Elias Joseph (geboren 1756 in Griesheim, gestorben 1831 ebd.). Dessen Sohn Elias Joseph junior (geboren 1783) war als Handelsmann und Gastwirt tätig (verheiratet seit 1836 in zweiter Ehe mit der Schwester des Darmstädter Landrabbiners Dr. Auerbach, Hanche Auerbach). Eines seiner drei Kinder war Elias Joseph II. (geboren 1837, gestorben 1902), der über mehrere Jahrzehnte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde in Griesheim war. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1823 44 jüdische Ortsbürger (zusammen 110 jüdische Einwohner von insgesamt 2.148 Einwohnern), 1828 121 jüdische Einwohner (von 2.179 Einwohnern), 1853 Höchstzahl von 195 (von 3.048), 1861 174 (5,3 % von 3.265 Einwohnern), 1880 112 (2,9 % von 3.834), 1900 127, 1910 112 (1,6 % von 6.841). Die jüdischen Familienvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Vieh- und Warenhändler, Kaufleute sowie als Geldverleiher. Es gab auch jüdische Metzger und Bäcker. 1880 waren 23 Häuser am Ort in jüdischem Besitz.  
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Groß Gerau beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts - ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet tätig war. Von 1875 bis 1893 war Lehrer Samuel Montag in Griesheim tätig (zuvor in Rüsselsheim, danach bis zu seinem Tod 1903 in Friedrichstadt), von 1907 bis zu seinem Tod 1932 Lehrer Jakob Strauß. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Leo Joseph (geb. 2.6.1896 in Griesheim, gef. 6.2.1916), Julius Marxsohn (geb. 10.8.1893 in Griesheim, gef. 3.9.1916), Friedrich Emanuel Mendel (geb. 7.12.1890 in Griesheim, gef. 1.12.1914), Siegfried Mendel (geb. 22.7.1895 in Griesheim, gef. 31.10.1918), Siegfried Meyer (geb. 6.2.1889 in Griesheim, gef. 2.1.1917) und Unteroffizier Ludwig Wolff (geb. 13.8.1877 in Griesheim, gef. 3.7.1917). An sie erinnerte eine in der Synagoge angebrachte und beim Novemberpogrom 1938 zerstörte Gedenktafel. Nach dem Ersten Weltkrieg wanderten einige Familien aus (nach Südafrika und Palästina).   
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch 66 Personen gehörten (1,0 % von insgesamt 6.915 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf May, L. Löb und W. Wolff. Als Lehrer, Kantor und Schochet war der bereits genannte Jakob Strauß tätig. Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde zwei Kinder. Auch in umliegenden Orten wie Gräfenhausen, Leeheim, Nauheim, Erfelden unterrichtete Jakob Strauß die jüdischen Kinder. An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra Kadischa (Israelitische Brüderschaft e.V., Wohltätigkeits- und Bestattungsverein; 1823 gegründet - siehe Bericht zur 100-Jahr-Feier unten; 1924 unter Leitung von J. Joseph mit 12 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Wilhelm Wolff; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Sorge für den Minjan, d.h. die für Gottesdienst und Gebet nötigen 10 jüdischen Männer) sowie den Israelitischen Frauenverein (1924/32 unter Leitung der Witwe von M. L. Wolff; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit für Gemeindemitglieder). 1932 waren die Gemeindevorsteher Willy May (1. Vors.), Moritz Dahlerbruch (2. Vors.) und Wilhelm Wolff (3. Vors.). Als Lehrer war noch bis zu seinem Tod im August 1932 Jakob Strauß tätig (siehe Bericht unten), als Schochet ein Herr Groß. An der Religionsschule der Gemeinde erhielten im Schuljahr 1931/32 fünf Kinder den Religionsunterricht.   
 
Anfang des 20. Jahrhunderts, teilweise bis nach 1933 gab es mehrere für das wirtschaftliche Leben von Griesheim bedeutsame jüdische Gewerbebetriebe und Handelsgeschäfte (vgl. dazu exemplarisch die Anzeigen der Gewerbebetriebe unten). Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es auch einen Uhrmacher, einen Bäcker (in der ehemaligen Bäckerei Löb befindet sich heute das Heimatmuseum von Griesheim), einen Metzger, einen Seifenfabrikanten. Bekannt war das 1895 von den Gebrüdern Löb errichtete Kaufhaus (Manufaktur- und Schuhwarengeschäft) in der Groß-Gerauer Straße. Fast alle jüdischen Familien in Griesheim hatten eigenen Hausbesitz (über 40). Es gab einen jüdischen Arzt in Griesheim (nach dem 1930 verstorbenen Dr. Josef Heilbronn aus Tann/Rhön [siehe Bericht unten] praktizierte Dr. Henry Buxbaum aus Friedberg; Anmerkung: zu den ersten und besonders aktiven "Nazis" gehörten die beiden christlichen Ärzte). 
  
1933 lebten noch 62 jüdische Personen in Griesheim (0,8 % von insgesamt 8.131 Einwohnern).
In den folgenden
Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Von 84 auf einer Liste genannten jüdischen Personen, die 1933 bzw. nach 1933 in Griesheim lebten, sind 16 in die USA emigriert (darunter 1937 Dr. Buxbaum), fünf nach Südafrika, vier nach Paraguay, zwei nach Frankreich. Sieben Personen starben nach 1933 noch am Ort. Die meisten der übrigen Personen sind innerhalb Deutschlands verzogen, hauptsächlich nach Darmstadt und Frankfurt (1939/40; letzte Abmeldung am 2. November 1940 nach Darmstadt). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Kaufhaus von Otto Löb (Groß-Gerauer Straße 18) wurde von einer Menschenmenge überfallen und ausgeplündert; der hochbetagte Otto Löb wurde kurz danach erhängt in den Büttelborner Hecken aufgefunden.  
  
Von den in Griesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; die Liste ist unvollständig): Haty (Hatty, Datty) David geb. Löb (1884, siehe Kennkarte unten), Adolf Levi (1862), Bella Libmann geb. Joseph (1892), Gustav Löb (1883), Gustav Marxsohn (1886), Johanna Mayer geb. Lichtenstein (1874), Leopold Mayer (1904), Irma Mendel (1901), Isaak Mendel (1885), Max Markus Mendel (1882), Johanna Rothschild geb. Joseph (1866), Johanna Sternfels geb. Rosenberg (1896), Lotte Sternfels (1929), Ludwig Sternfels (1931), Samuel Sternfels (1891), Walter Sternfels (1926), Malchen Wolff geb. Wolf (1868). 
 
1945 kehrte als Militärarzt Dr. Henry Buxbaum aus den USA nach Griesheim zurück. Er blieb jedoch nur für ein Jahr und kehrte danach zu seiner Familie in den USA zurück (gestorben 1973).   
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1865 / 1867 / 1870 / 1872 / 1875 / 1893 / 1901 / 1902 / 1907
Anmerkung: wie bereits an den Ausschreibungen 1865 deutlich wird, tat sich die Gemeinde teilweise schwer, eine geeignete Person für das Amt zu finden: Nach monatelanger erfolgloser Ausschreibung wurde dann das Gehalt im November 1865 von 500 aus 550 Gulden erhöht. 
Von 1865 bis 1901 unterzeichnete immer der Vorsteher Elias Joseph (gestorben 1902; 1901 unterzeichnet Elias Joseph II, evtl. sein Sohn); 1902 unterzeichnet Isaac Wolf II, 1907 Leopold Rosenberg.

Griesheim Israelit 18011865.jpg (42804 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1865: "Konkurrenzeröffnung. Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters bei der israelitischen Gemeinde Griesheim bei Darmstadt mit einem jährlichen Gehalte von circa 500 Gulden ist erledigt. Bewerber wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse alsbald an den Unterzeichneten wenden. Der Vorstand. Elias Joseph."
 
Griesheim Israelit 05071865.jpg (29811 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1865: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle bei der israelitischen Gemeinde Griesheim bei Darmstadt ist erledigt und alsbald zu besetzen. Gehalt circa 500 Gulden. Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Elias Joseph."
 
Griesheim Israelit 22111865.jpg (41063 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1865: "In hiesiger israelitischer Gemeinde ist die Stelle eine Religionslehrers, Vorbeters und Schächters erledigt und sofort zu besetzen. Gehalt circa 550 Gulden. Reflektierende blieben ihre Anmeldungen, unter Beischluss ihrer Zeugnisse, alsbald an den Unterzeichneten einzusenden. Griesheim bei Darmstadt, den 5. November 1865. Für den Vorstand: Elias Joseph."
 
Griesheim Israelit 29051867.jpg (44835 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1867: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters beider israelitischen Gemeinde zu Griesheim bei Darmstadt mit einem jährlichen Einkommen von circa 500 Gulden nebst freier Wohnung, ist erledigt und alsbald zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse sofort bei dem Unterzeichneten melden. Für den Vorstand: Elias Joseph".
  
Griesheim Israelit 30101867.jpg (44539 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1867: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters bei der israelitischen Gemeinde zu Griesheim bei Darmstadt mit einem jährlichen Einkommen von circa 500 Gulden nebst freier, neu erbauter Wohnung und Hausgarten ist erledigt und alsbald zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten melden. Für den Vorstand: Elias Joseph".
  
Griesheim Israelit 15061870.jpg (58198 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1870: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle bei der israelitischen Gemeinde Greisheim – nebst freier sehr schöner Wohnung und Hausgarten ist erledigt und kann sofort, wenn verlangt auch in einigen Monaten, besetzt werden. Bewerber wollen sich alsbald unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden. Unverheiratete Konkurrenten sind nicht ausgeschlossen. Griesheim bei Darmstadt, im Mai 1870. Der Vorstand Elias Joseph".
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1872: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle bei der israelitischen Gemeinde Griesheim bei Darmstadt ist erledigt und kann sofort besetzt werden. - Gehalb 324 Gulden nebst freier sehr schöner Wohnung mit Hausgarten. - Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse alsbald bei dem Unterzeichneten melden. Der Vorstand. Elias Joseph."      
 
Griesheim Israelit 03031875.jpg (42735 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1875: "Die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist noch vakant und kann sofort besetzt werden. Jährlicher Gehalt nach Leistungen 600 bis 700 Mark, freie Wohnung und ca. 250 Mark Nebeneinkommen. Meldungen nimmer Unterzeichneter entgegen. Griesheim bei Darmstadt, im Februar 1875. Der Vorstand: Elias Joseph."
 
Griesheim Israelit 20111893.jpg (58114 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1893: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle bei der hiesigen israelitischen Gemeinde mit einem fixen Gehalt von Mark 700. – nebst schöner Wohnung und nicht unbeträchtlichen Nebeneinkommen ist erledigt und kann alsbald besetzt werden. Bewerber wollen sich gefälligst unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten melden. Griesheim bei Darmstadt, 15. November 1893. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Elias Joseph."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1901
"Die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle mit einem jährlichen Einkommen von ca. Mark 1.400 nebst freier Wohnung und Garten, ist alsbald zu besetzen. Reflektanten wollen sich an den Unterzeichneten wenden. 
Griesheim bei Darmstadt, den 29. November 1901. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: 
Elias Joseph II
."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1902
"Die Stelle eines 
Religionslehrers

Vorsängers, verbunden mit dem Schächteramt in unterzeichneter Gemeinde ist erledigt und kann sofort oder längstens bis zum 31. Januar 1903 besetzt werden. Das Gehalt beträgt per Jahr 800 Mark, das Schächteramt trägt circa 500 Mark ein, sowie noch Nebenverdienste, nebst freier, schöner Wohnung und Garten. Bewerbungen wollen gegen Einsendung ihrer Zeugnisse sich baldigst bei uns melden. 
Griesheim bei Darmstadt, 3. November (1902). 
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde: Isaac Wolf II.
"    
 
Griesheim Israelit 10101907.jpg (75179 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1907: "Für Griesheim nächster Nähe von Darmstadt ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters mit einem Fixum von Mark 900.- und ca. Mark 500.- Nebeneinkommen bei freier Wohnung und Garten per 1. Januar, eventuell auch früher zu besetzen. Verheiratete, seminaristisch gebildete Herren werden bevorzugt. Vorstand der israelitischen Gemeinde Leopold Rosenberg."
Auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Jakob Strauß. Über den in der Anzeige genannten Vorsteher Leopold Rosenberg siehe Bericht unten zu seinem Tod 1930.  

   
Anzeige von Lehrer Samuel Montag (1876)  

Ruesselsheim Israelit 14061876.jpg (64528 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1876: "Zur gefälligen Notiznahme. Da die Koscher- Zichorie in der Engelhardtschen Fabrik in Rüsselsheim nicht mehr unter meiner Aufsicht fabriziert wird, und ich so überhaupt in keiner Beziehung mehr zu dieser Fabrik stehe, so kann ich für das Kaschrut desselben keine Verantwortlichkeit übernehmen und halte es für meine Pflicht, diejenigen, welche noch jetzt aus dieser Fabrik koscher Zichorie beziehen, darauf aufmerksam zu machen. Samuel Montag, Lehrer, früher in Rüsselsheim, jetzt in Griesheim bei Darmstadt."

      
Zum Tod des Kultusbeamten Samuel Montag (1903 in Friedrichstadt)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1903: "Friedrichstadt, 30. April (1903). Plötzlich und unerwartet starb heute am Herzschlag im Alter von 55 Jahren der Kultusbeamte, Herr Samuel Montag, gebürtig in Crumstadt. Derselbe war hier 9 1/4 Jahre, vorher 19 Jahre in Griesheim bei Darmstadt. Herr Ober-Rabbiner Dr. Lerner aus Altona kam zur Beerdigung und hielt am Grabe eine ergreifende Rede. Frau und Kinder des Heimgegangenen sind nun plötzlich ihres Ernährers beraubt. Hoffentlich nimmt sich die Gemeinde der Witwe und Waisen an."        

  
Zum Tod des Lehrers Jakob Strauß (1932)  

Griesheim Israelit 25081932.jpg (109913 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1932: "Griesheim am Main, 20. August (1932). Kurz vor Vollendung seines 60. Geburtstages, seines 40jährigen Jubiläums als Lehrer und seiner 25-Jahrfeier als Beamter seiner Ortsgemeinde verschied am 9. Aw Lehrer Jakob Strauß, Griesheim bei Darmstadt nach längerem Leiden. Ein Mann von vorbildlichem Fleiß in der Ausübung seines Amtes, von besonderer Herzensgüte und Bescheidenheit, der sich die Freundschaft vieler zu erwerben wusste und der mit ganzer Kraft zur Erhaltung von Tora und den Geboten in seinen Gemeinden zu wirken sich bemühte, ist mit ihm hingegangen. In einer schlichten Abschiedsfeier in der Griesheimer Synagoge am Sonntag der Schiwa (Trauerzeit) kam die Trauer zum Ausdruck, die wegen der Nähe des Schabbat bei der Beisetzung verstimmen musste. Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, zeichnete das Lebensbild des Verschiedenen und tief die Gemeinde zur Heilighaltung ihrer Tradition auf. Es sprachen Herr May als 1. Vorsitzender der Gemeinde, Griesheim, Herr Lehrer Kahn, Höchst i.O. im Namen der hessischen Lehrerversbände und des Bundes gesetzestreuer Lehrer Deutschlands, Herr Groß als amtierender Schochet warme Worte des Gedenkens. Dem Schmerz der Familie gab der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Herr Goldschmidt - Wiesbaden, herzlichen Ausdruck. Es möge der Verschiedene in der kommenden Welt das vergolten sehen, was er an Leidvollem in dieser Welt zu tragen hatte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod von Jettchen Strauß geb. Bergmann, Frau des Lehrers Jakob Strauß (1936)

Griesheim Israelit 23011936.jpg (49898 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1936: "Griesheim bei Darmstadt, 20. Januar (1936). Am 16. Teweth verschied im 63. Lebensjahre Frau Jettchen Strauß geb. Bergmann. Aus einer alten frommen bayerischen Familie stammend, war ihr ganzes Leben hingebende Liebe, nie hat sie auch nur eine Stunde an sich gedacht. In ihrem gastfreien Hause war jedermann willkommen. Vor drei Jahren wurde ihr Gatte, der allgemein verehrte Lehrer Jakob Strauß – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in die Ewigkeit abberufen. Dadurch war sie in ihrem Innersten zerbrochen. Auch anderer Kummer schwerster Art hat ihren Lebensnerv zu früh zerstört. Mit ihrer Familie trauert die ganze Gemeinde um den unersetzlichen Verlust. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

    
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Spendenaufruf für eine in Not geratene Familie (1890)   

Griesheim Israelit 04081890.jpg (85342 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1890: "Aufruf! Ein wackerer, frommer Jehudi, der in sehr drückenden Verhältnissen lebt, indem er eine aus 12 Personen bestehende Familie zu ernähren hat, besitzt einen Sohn, der vermöge seines Fleißes und seiner Anlagen eine tüchtiger Lehrer, Vorbeter und Schochet zu werden verspricht. Da ihm nun die Mittel, die zur Ausbildung desselben nötig sind, nicht zu Gebote stehen, bittet er edel denkende Glaubensgenossen, ihn durch reichliche Gaben derartig zu unterstützen, dass sein Sohn mit Gottes Hilfe sein Ziel erreichen kann. Gaben werden von der Expedition dieses Blattes und von Herrn Lehrer Samuel Montag in Griesheim bei Darmstadt dankend entgegengenommen. 
Diesen Aufruf glauben wir mit Recht unseren werten Glaubensgenossen empfehlen zu können, da ein sehr gutes Zeugnis des Vorstandes der Gemeinde und des orthodoxen Rabbiners uns vorliegt. 
Die Expedition des ‚Israelit und Jeschurun’."

   
100jähriges Bestehen der Chewra Kadischa (1923)  

Griesheim Israelit 08021923.jpg (76172 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1923: "Griesheim bei Darmstadt, 28. Januar. Am Rosch Chodesch Schewat (1. Schewat = ) feierte die Chewra Kadischa das Fest ihres 100jährigen Bestehens, zu welcher auch der hiesigen Frauenverein, sowie alle dem Verein nicht angehörigen verheirateten Personen der Gemeinde geladen waren. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Joseph, begrüßte die Anwesenden und wie auf die Bedeutung dieses denkwürdigen Tages hin, ausgehend von dem Satze in den Sprüchen unserer Väter: ‚Auf drei Dingen besteht die Welt, auf Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit.’ Nachdem man von der eigentlichen Feier zum gemütlichen Teil übergegangen war, der in Gesängen und Vorträgen aller Art bestand, trennte man sich in früher Morgenstunde mit dem Bewusstsein, eine herrliche, in langer Erinnerung bleibende Feier verlebt zu haben."

    
   
Berichte zu einzelnen Personen in der Gemeinde  
Zum Tod von Rickchen Joseph (1921)  

Griesheim Israelit 24111921.jpg (93324 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1921: "Griesheim, 13. November (1921). Eine Zierde der Frauen wurde in Frau Rickchen Joseph im noch nicht vollendeten 61. Lebensjahre am vergangenen Rosch Chodesch zur ewigen Ruhe bestattet. Das große Leichenbegängnis legte beredtes Zeugnis ab von der großen Liebe und Wertschätzung, deren sich die Verstorbene erfreute. In ihr vereinigten sich die schönsten und edelsten Tugenden einer Frau, wie sie auf dem Lande immer seltener werden. Mit echter Frömmigkeit und Herzensgüte ausgestattet, war sie durchdrungen von der Treue zu unserer Heiligen Tora, deren Vorschriften sie peinlichst genau beobachtete, sodass sie mit Recht als eine wahrhaft fromme und gottesfürchtige Frau galt. Trotz der schweren Schicksalsschläge, die auch ihrer Familie durch den Krieg nicht erspart geblieben sind, blieb sie standhaft und gottergeben im Vertrauen zu Gott. Infolge des Rosch Chodesch war es nicht möglich, sie durch eine Trauerrede zu ehren, wie sie es verdient hatte. Möge Gott die Hinterbliebenen in ihrem Schmerze wieder aufrichten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Zacharias Rosenthal (1925)  

Griesheim Israelit 29101926.jpg (132912 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1925: "Griesheim (bei Darmstadt), 25. Oktober (1925). von einem schweren Schicksalsschlag ist unsere Gemeinde kurz vor Festausgang durch den Heimgang des Zacharias Rosenthal betroffen worden, nachdem derselbe noch an beiden Tagen, wenn auch bereits im 76. Lebensjahre stehend, jedoch in völliger Gesundheit und Rüstigkeit die Schacharit-Gebete vorgetragen und die Gemeinde, wie immer an den ehrfurchtgebietenden Tagen, durch seine meisterhafte Vortragsweise hingerissen hatte. Ja, es war ihm sogar noch vergönnt, mit hinaus zum Taschlich-Gebet zu gehen, um so rein vor seinem Schöpfer erscheinen zu können, von dem er, kaum zu Hause angekommen, durch einen unerwartet schnellen Tod angerufen wurde. Was er als Jehudi sowie als Mensch war, wissen alle diejenigen zu würdigen, die ihn gekannt und ihm nahe gestanden hatten. Ein echter Jehudi von altem Schrot und Korn war Zacharias Rosenthal, der es mit der Erfüllung der Gebote genau nahm, als erster das Gotteshaus besuchte und als letzter wieder verließ, dabei ein Mensch von edlem, geradem Charakter, der sich bei allen seinen Nebenmenschen beliebt zu machen wusste. In seinem Familienkreise bestand wie wohl selten in einer Familie das schönste und harmonischste Einvernehmen. Die durch ihn hinterlassene Lücke ist unauffüllbar und der Schmerz sehr groß. Möge Gott insbesondere der einzigen Tochter, die so sehr an ihrem Vater - seligen Andenkens - hing, sowie allen Familienmitgliedern und Verwandten reichen Trost spenden. seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.


Zum Tod von Leopold Rosenberg, langjähriger Gemeindevorsteher und mehrere Jahre Vorsitzender der Chewra Kadischa (1930)  

Griesheim israelit 06021930.jpg (119619 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1930: "Griesheim bei Darmstadt, 2. Februar (1930). Am vergangenen Freitag wurde das Mitglied unserer Gemeinde, Leopold Rosenberg, im 67. Jahre zur ewigen Ruhe bestattet. Ein ungeheurer Leichenzug, wie man ihn noch selten hier gesehen haben dürfte, bewegte sich durch unseren Ort. Aus nah und fern war ein großer Kreis von Freunden und Bekannten herbeigeeilt, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, ein Beweis dafür, welcher Beliebtheit und Wertschätzung er sich überall erfreute. An der Bahre entwarf Herr Rabbiner Dr. Merzbach aus Darmstadt ein Lebensbild, wie der Verblichene seiner Familie und seinen Mitmenschen gegenüber war. Um ihn trauert eine fromme, treue Gattin, die den Schmerz in ihrer wahren Frömmigkeit mit seltener Gottergebenheit erträgt, sowie fünf wohl erzogene Kinder, die ermessen könne, was sie in dem Vater verloren haben. Er bekleidete ferner 21 Jahre das Amt eines israelitischen Gemeindevorstandes und war auch ein musterhafter Führer seiner Gemeinde dadurch, dass er, durchdrungen von einem wahren Frömmigkeitsgefühl, zu jeder Zeit ihr als erster im Gotteshause mit leuchtendem Beispiel voranging. Außerdem stand er auch einige Jahre an der Spitze der hiesigen Chewra Kadischa. Der Verstorbene, der noch vor mehreren Wochen seinem Alter entsprechend noch rüstig war, wurde plötzlich auf das Krankenlager geworfen, auf dem er einer tückischen Krankheit erlag. - Möge Gott die Anverwandten trösten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
Zum Tod von Jonas Stern (1930)          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1930: "Griesheim bei Darmstadt, 15. Juni (1930). Wie ein Lauffeuer durcheilte die Schreckenskunde unseren Ort, dass Jonas Stern, der noch am Schabbat Behar Bechukotai (das war Schabbat, 24. Mai 1930) den Gottesdienst in der Synagoge in völliger Gesundheit besuchte, in der Nacht auf Sonntag im erst vollendeten 42. Lebensjahre infolge eines Herzschlages unverhofft in ein besseres Jenseits abgerufen wurde. Die Teilnahme an dem schweren Schlage, von dem die Familie, eine junge Witwe mit einem zweijährigen Kinde, sowie die alten Eltern und Geschwister des so früh Dahingegangenen betroffen wurden, ist eine allgemeine, das der Heimgegangene der Haupternährer der Familie war und sich allüberall wegen seines leutseligen Wesens großer Beliebtheit erfreute. Dafür legte das Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ab, an dem sich eine unübersehbare Menschenmenge beteiligte. An der Nahre hob Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, unter anderem die Eigenschaften und Verdienste hervor, die der Verstorbene als Jehudi und Mensch besessen. Mit seinem Heimgang ist in der Familie sowie auch in der ganzen Gemeinde eine große Lücke gerissen worden, die nicht mehr ausgefüllt werden kann. Möge Gott die junge Gattin, Eltern und Angehörigen in ihrem Schmerz wieder aufrichten und trösten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        


Zum Tod des praktischen Arztes Dr. Josef Heilbronn (1930)  

Griesheim Israelit 30101930.jpg (106429 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1930: "Griesheim bei Darmstadt, 26. Oktober (1930). Von einem schweren Schlag wurde die hiesige Israelitische Gemeinde, wie auch ein großer Teil der hiesigen Bevölkerung durch das Ableben des praktischen Arztes Dr. med. Josef Heilbronn betroffen. Einer frommen Familie aus Thann in der Rhön entstammend, ließ er sich im Jahre 1903 hier nieder und übte seine ärztliche Praxis als ein tüchtiger Arzt aus. Und wie er ein Meister darin war und dadurch volles Zutrauen genoss, so verstand er es auch durch sein gutmütiges Wesen und seinen liebenswürdigen mit Humor gewürzten Charakter sich beliebt zu machen. Ein tückisches, plötzlich aufgetretenes Herzleiden hatte ihm im noch mannhaften Alter von erst 54 Jahren ein jähes Ende bereitet, von dem er in den Kliniken Darmstadt und Heidelberg vollständige Wiedergenesung erhoffte, die aber leider nicht in Erfüllung gehen sollte. Bei dem großen Leichenbegängnis, das von der Beliebtheit des Verstorbenen beredtes Zeugnis ablegte, hoben Herr Rabbiner Dr. Bienheim, sowie insbesondere ein Vetter und Studienkollege, Herr Dr. med. Stern in Darmstadt, die hervorragenden Eigenschaften des Verblichenen hervor, wie auch die hiesigen Kollegen und ein Vertreter des Darmstädter Ärztevereins seiner in tief empfundener Weise gedachten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
80. Geburtstag der Frau von Josef Mendel (= Fanny Mendel geb. Reinheimer, 1931)   

Griesheim Israelit 22011931.jpg (13221 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931: "Griesheim bei Darmstadt, 18. Januar (1931). Am 28. Januar wird Frau Josef Mendel, hier, Obendorferstraße 68, 80 Jahre alt."  

   
Zum Tod von Fanny Mendel geb. Reinheimer (1933)  

Griesheim Israelit 27041933.jpg (58298 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1933: "Griesheim, 26. April (1933). Am 1. April verschied nach längerem Kranksein Frau Fanny Mendel geb. Reinheimer im Alter von 82 Jahren. Die Dahingeschiedene hatte sich durch ihren lauteren Lebenswandel und ihre Menschenfreundlichkeit die Liebe und Achtung ihres näheren und weiteren Bekanntenkreises erworben. Als gottesfürchtige Frau war sie bis zu ihrer Erkrankung die erste eifrigste Besucherin der Synagoge. Auf Gottes Hilfe vertraute sie stets und in seinem Sinne ging sie ihre Wege. Mit ihr verliert die Gemeinde eine gottergebene, pflichtbewusste und jederzeit hilfsbereite Frau. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

    
        
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Lehrlingssuche des Holz-, Eisen- und Düngergeschäftes von Elias Joseph (1890)  

Griesheim Israelit 11091890.jpg (30804 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1890: "Ich suche für mein Holz-, Eisen- und Düngergeschäft, Schabbat und Feiertag geschlossen, einen Lehrling oder angehenden Commis. Eintritt kann sofort erfolgen. 
Elias Joseph, Griesheim bei Darmstadt."   

   
Anzeige der Metzgerei J. Katzenstein (1900)  

Griesheim Israelit 26111900.jpg (33738 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1900: "Prima koscher Landwurst
per Pfund 1 Mark, versendet gegen Nachnahme 
J. Katzenstein, Griesheim bei Darmstadt."  

  
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes von Wolf Löb (1900)

Griesheim Israelit 13061900.jpg (44891 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1900: "Junges, braves Mädchen 
für Hausarbeit, dem auf Wunsch Gelegenheit geboten ist, sich im Geschäfte auszubilden, suche per sofort oder später. Gefällige Offerten und Gehaltsansprüche an 
Wolf Löb, Manufakturwaren, Griesheim bei Darmstadt."    

  
Anzeige von Metzgermeister Hermann Levi (1901)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901: 
"Ein braver anständiger Junge 
kann die Metzgerei unter günstigen Bedingungen gründlich erlernen. Eintritt kann sofort erfolgen. 
Hermann Levi,
Metzgermeister, Griesheim bei Darmstadt."    

    
Anzeige der Metzgerei von Adolf Levi (1904)   

Griesheim Israelit 04021904.jpg (34987 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1904: "Ein braver Junge 
kann die Metzgerei und Wurstlerei gründlich erlernen. Eintritt auf Ostern. Samstags und Feiertage geschlossen. 
Adolf Levi, Metzger, Griesheim bei Darmstadt."   

  
Anzeige des Metzgermeisters J. Katzenstein (1904)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1904: 
"Suche per sofort einen Lehrling
der bei mir die Schlachterei und Wurstlerei gründlich erlernen kann, unter günstigen Bedingungen. Samstags und Feiertage geschlossen. 
J. Katzenstein
, Griesheim bei Darmstadt."         

  
Anzeige des Manufaktur- und Schuhwarengeschäfte von Wolf Löb (1918)  

Griesheim FrfIsrFambl 04101918.jpg (34830 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Oktober 1918: "Für mein Manufaktur- und Schuhwarengeschäft (Samstag und Feiertage geschlossen) sowie zur Stütze der Hausfrau eine tüchtige Verkäuferin gesucht. Angebote mit Gehaltsansprüchen sowie Bild (freie Station im Hause) an Wolf Loeb, Griesheim bei Darmstadt." 

    
    
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Meyer Mayer aus Griesheim (1839 ? - 1885)      
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Griesheim NY Cyprus 1767.jpg (75353 Byte)   Grabstein für  
"my beloved husband 
and our dear father Meyer Maye
born in Griesheim Hessen-Darmstadt 
Dec. 2, 1839 (?)  
Died March 29, 1885".  

       

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Griesheim 
geborenen Haty David geb. Löb und der 
in Griesheim wohnhaften Johanna Mayer
geb. Lichtenstein
 
 Griesheim KK MZ David Haty.jpg (86821 Byte) Gross-Umstadt KK MZ Mayer Johanna.jpg (96611 Byte)
  Kennkarte (ausgestellt i Mainz 1939) für Haty David geb. Löb (geb. 17. Juli 1884
 in Griesheim bei Darmstadt)  wohnhaft in Mainz, am 25. März 1942 
deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen  
   
   
 KK (Darmstadt 1939) für Johanna Mayer 
geb. Lichtenstein
(geb. 15. Februar 1874), wohnhaft
 in Griesheim, am 27. September 1942 deportiert
 ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, wo 
sie am 3. Februar 1943 umgekommen ist   

      
      
   
   
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Zunächst war ein Betsaal vorhanden (Standort im sogenannten "Judenhof", offenbar ein Gemeindehaus mit Lehrerwohnung und Betraum). 
  
Eine Synagoge bestand seit 1812. Die Synagoge wurde 1902 umgebaut und hatte danach 57 Männer- und 30 Frauenplätze.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Leute (Standarte 115 der SA-Brigade Starkenburg) demoliert, die Kultgegenstände wurden verbrannt. Die Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Griesheimer Juden wurde zerschlagen. Das Synagogengebäude blieb erhalten, bis es im August 1944 bei beim Luftangriff zerstört wurde.
  
1984 wurde von der Stadt im Rahmen des Parkplatzausbaus an der Ecke Hintergasse/Gäßchen (Synagogenstandort) eine Gedenktafel angebracht. Zunächst enthielt sie nur den Text: "Hier stand die Synagoge mit der jüdischen Schule bis zu ihrer Zerstörung beim Bombenangriff im August 1944". Inzwischen lautet der Text der Gedenktafel: "Hier stand seit 1812 die Synagoge und Judenschule. 1938 durch Nationalsozialisten entweiht, die Einrichtung zerstört. 1944 durch Bombenangriff vernichtet."     
  
  
Adresse/Standort der Synagoge            Hintergasse 11         
  
  
Fotos  

     
Es sind noch keine Fotos/Darstellungen der Synagoge in Griesheim vorhanden; 
über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
 Adresse siehe Eingangsseite
 
   
Gedenktafel für die Synagoge (2005)
(Quelle: Martin Krapp, Malchen; aus: www.synagogen.info
Griesheim Synagoge 150.jpg (85438 Byte)  
   
   
Im ehemaligen jüdischen Kaufhaus Loeb 
an der Groß-Gerauer Straße befindet 
sich heute das Museum der Stadt
(Quelle: www.museum-griesheim.de
Griesheim Haus Loeb 010.jpg (75503 Byte)  
   
   

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Mai 2010: Verlegung von "Stolpersteinen" in Griesheim (erneute Verlegung im März 2013)  
Anmerkung: es wurden Stolpersteine verlegt für Ludwig und Otto Löb vor dem früheren Kaufhaus der Familie Löb in der Groß-Gerauer-Straße. Diese Stolpersteine wurden im November 2012 von unbekannten Personen aus dem Pflaster entwendet. Ersatz-Stolpersteine wurden am 11. März 2013 neu verlegt.     
Artikel in "Echo-online.de" vom 27. April 2010 (Artikel): "Was geschah mit Griesheimer Juden?
Geschichtsunterricht: Projekt von GHS-Gymnasialklassen findet mit Stolpersteinverlegung am 4. Mai seinen Abschluss
GRIESHEIM.
Zur Erinnerung an die ehemals in Griesheim lebende jüdische Kaufmannsfamilie Loeb werden am Dienstag (4.), 9.30 Uhr, zwei so genannte 'Stolpersteine' vor dem Loeb'schen Haus in der Groß-Gerauer-Straße 18, dem heutigen Sitz des Heimatmuseums, verlegt..."  
*Hinweis: Das Ergebnis des Schulprojektes der Gerhart-Hauptmann-Schule "Griesheim in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)" ist als pdf-Datei eingestellt.  
   
Mai bis November 2010: Ausstellung über "Juden in Griesheim"  
Artikel in der Website des Museums Griesheim (Artikel): "Gegen das Vergessen: Juden in Griesheim
Vom 16. Mai bis 09. November 2010 war die Ausstellung sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
An folgenden Sonntagen fand jeweils um 15.00 Uhr eine Führung durch die Ausstellung statt: 23. Mai, 20. Juni, 22. August, 12. September, 3. Oktober, 7. November. 
Das Museum Griesheim befindet sich in einem Wohn- und Geschäftshaus, das am Anfang des 20. Jahrhunderts von einem jüdischen Geschäftsmann errichtet wurde..."     
 
Mai 2014: Zweite Verlegung von 12 weiteren "Stolpersteinen" in Griesheim  
Anmerkung: es wurden am 30. Mai 2014 insgesamt 12 Stolpersteine verlegt in der Oberndorfer Straße 68 für Joseph, Isaak und Markus Mendel, in der Hintergasse 13 für Gustav, Martha und Ludwig Löb sowie den Lehrer Leopold Posnansky und in der Wilhelm-Leuschner-Straße 22 für die fünfköpfige Familie Sternfels: Samuel und Johanna Sternfels mit ihren Kleinkindern Ludwig, Walter und Lotte.       
Stummer Aufruf gegen den Hass (veröffentlicht am 02.06.2014 00:06 auf echo-online.de)  
 
September 2016: Dritte Verlegung von 13 weiteren "Stolpersteinen" in Griesheim  
Anmerkung: es wurden Stolpersteine verlegt in der Wilhelm-Leuschner-Str. 20 für Hermine und Arnold Mayer, in der Wilhelm-Leuschner-Str. 18 für Julius, Alice, Günther und Helmut Rosenberg, in der Pfungstädter Str. 21 für Wilhelm, Zerline, Ludwig, Alma und Minna Wolff, in der Pfungstädter Str. 14 für Johanna und Leopold Mayer.     
Artikel von Peter Keller in echo-online.de vom 3. September 2016: "Griesheim. Erinnerung an jüdische Mitbürger. 
STOLPERSTEINE Am Dienstag werden 13 weitere Mahnmale vor ehemaligen Wohnorten verlegt
GRIESHEIM -
Dreizehn weitere Stolpersteine verlegt der Künstler Gunter Demnig in Griesheim. Er kommt dazu am Dienstag, 6. September, in die Stadt. Die Mahnmale aus Messingtafeln auf gegossenen Betonwürfeln werden vor den Anwesen verlegt, in denen die von den Nazis verfolgten Menschen jüdischer Abstammung ihren letzten Wohnort hatten, bevor sie fliehen mussten. Auftakt der Veranstaltung ist um 9.30 Uhr im Ausstellungsraum des Griesheimer Museums. Dort können Gedenkblätter für die internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ausgefüllt werden. Das Programm wird gestaltet von der AG 'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage' der Gerhart-Hauptmann-Schule.
Danach befestigt Gunter Demnig die Stolpersteine im Pflaster. Erster Anlaufpunkt ist um 11.30 Uhr die Wilhelm-Leuschner-Straße 20, wo an den Journalisten Arnold Mayer und seine Mutter Hermine gedacht werden. Um 11.40 Uhr geht es an der Wilhelm-Leuschner-Straße 18 weiter, wo an die Familie von Julius Rosenberg erinnert wird, der Teilhaber des Textilgeschäfts Libmann-Levi war. Danach geht um 12.15 an die Pfungstädter Straße 21. Dort existierte dereinst die alteingesesse Kohlenhandlung Wolff. An der Pfungstädter Straße 14 wird an Johanna und Leopold Mayer um 12.40 Uhr gedacht, die Erben der Seifenfabrik 'Gebrüder Mayer'. Beide kamen in Konzentrationslagern der Nazis ums Leben..."  
Link zum Artikel:  Erinnerung an jüdische Mitbürger (Echo Online, 03.09.2016)  
Link zum Artikel: Erinnerungsarbeit im Knien (Echo Online, 07.09.2016)
Link zur Website der Gerhart-Hauptmann-Schule Griesheim - Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage    
 

       
       
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Griesheim  
Website des Museums Griesheim im ehemaligen jüdischen Kaufhaus Loeb  
Website von "Denkzeichen Güterbahnhof" in Darmstadt mit einer Seite "Jüdische Familien in Griesheim bei Darmstadt"  (erstellt von Jacqueline Rauschkolb) 
Griesheim in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945). Ein Projekt Griesheimer Schülerinnen und Schüler der Gerhart-Hauptmann-Schule. 
Ergebnisse: Vorstellung auf schulserver.hessen.de 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Griesheim 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 279-281. 
Keine Abschnitte bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 35.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 147-148. 
Griesheim - 100 Jahre in Bildern. 1999. 
Griesheim - von der steinzeitlichen Siedlung bis zur modernen Stadt. 1991. 
Ein Rundgang durch das alte Griesheim - mit Erläuterungen von Karl Knapp: pdf-Datei, online zugänglich.   
Mit Erwähnung einiger jüdischer Häuser sowie der Gedenkstätte für die ehemalige Synagoge. 

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Griesheim Hesse. A mere handful of Jews lived there from the 17th century. Numbering 174 (5 % of the total) in 1861, the community played a major role in Griesheims development. While the Nazis won only 11 % of the 1930 Reichstag vote, in the July 1932 elections they reached 32 %. Persecution of local Jews began in March 1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA troops from Darmstadt vandalized the synagogue and townspeople destroyed Jewish property. After 1933, more than half the remaining 62 Jews emigrated, the rest settling elsewhere in Germany. 
      
        

                   
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Stand: 14. Januar 2017