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Rüsselsheim mit
Stadtteil Bauschheim sowie Raunheim (Kreis
Groß-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Rüsselsheim bestand eine jüdische
Gemeinde bis Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. 1660 werden namentlich die Juden Beith und Jacob genannt. 1713
lebten 22 jüdische Personen in Rüsselsheim (3,0 % von insgesamt 722
Einwohnern); 1770 wurden 10 jüdische Familien gezählt (von insgesamt 154
Familien), 1784 46 jüdische Einwohner (4,6 % von insgesamt 996 Einwohnern). 1735
war Isaak von Rüsselsheim Vorsteher über die Juden aus der Region
Darmstadt-Starkenburg.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1817 105 jüdische Einwohner (7,7 % von insgesamt 1.370), 1830 83, 1843
85 (5,0 % von 1.659), 1861 113 (5,8 % von 1.932), 1871 147 (6,4 % von 2.279),
1871 124, 1880 112 (4,2 % von 2.625), 1900 62 (1,6 % von 3.939), 1910 62
(1,0 % von 6.099).
Zur jüdischen Gemeinde in Rüsselsheim gehörten Anfang des 19. Jahrhunderts
auch die in Bauschheim, Bischofsheim
(bis 1826), Königstädten (später zu
Nauheim), Ginsheim
(bis 1826) und Raunheim lebenden jüdischen Personen, später nur noch diejenigen in Raunheim
und Bauschheim (in Raunheim 1830 16, 1905 9 jüdische Personen; um 1930
lautete die offizielle Bezeichnung der Gemeinde: 'Israelitische
Religionsgemeinde Rüsselsheim mit Raunheim'; in Bauschheim lebten
Juden seit dem 16./17. Jahrhundert; 1895 noch 3 jüdische Einwohner, nach 1900
keine mehr).
Die jüdischen Familien lebten zunächst vom Handel mit Vieh und Landesprodukten
(Getreide). Im Laufe des 19. Jahrhunderts waren auch Handwerker unter den
jüdischen Einwohnern (Schuhmacher, Schneider).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im
jüdischen Friedhof
in Groß-Gerau beigesetzt. 1923 wurde in
Rüsselsheim als Teil des allgemeinen Friedhof der Stadt (Waldfriedhof) ein jüdischer
Friedhof eingerichtet, auf dem in der Folgezeit sechs Beisetzungen
stattfanden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
Die Stelle war häufig neu zu besetzen (siehe Ausschreibungstexte unten). Unter
den Stelleninhabern werden u.a. Lehrer Löwenthal (um 1868), Samuel Montag (um 1875) und Markus Schatz genannt (bis 1893, danach in
Endingen); dazu Lehrer Vooß, der 1896 mit dem Rabbiner aus Darmstadt die Einweihung
der Synagoge in Kelsterbach vornahm. Die Neueinweihung der 1929 renovierten Synagoge nahm Lehrer Sami Stern
(= Jakob Samson Stern, siehe unten "Erinnerungsarbeit"
- Artikel vom April 2010) vor. Die
Gemeinde gehörte seit Ende des 19. Jahrhunderts zum orthodoxen Bezirksrabbinat
Darmstadt. 1928 erfolgte ein Wechsel zum liberalen Bezirksrabbinat ebd.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Vizefeldwebel Julius
Nachmann (geb. 1.5.1882 in Rüsselsheim, vor 1914 in Aachen wohnhaft, gef.
15.7.1916) und Max Nachmann (geb. 1.4.1888 in Rüsselsheim, vermisst seit
20.3.1915). Zwei Söhne der Familie Reinheim wurden mit dem EK I
ausgezeichnet.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 59 Personen gehörten, war
Gemeindevorsteher L. Schott. 1929/33 waren die Gemeindevorsteher Bertram
Mayer, Moritz Reinheimer und Emanuel Nachmann.
1933 lebten noch 47 jüdische Personen in Rüsselsheim. Es handelte
sich im einzelnen um Familie Benny Adler (Kolonialwarengeschäft Mainzer Straße
8), Familie des Futtermittelhändlers Hermann Gottschall (Schäfergasse 20),
Familie Guttenstein-Forst (bis 1935 Lebensmittelgeschäft Haßlocher Straße
24), Familie Josef Grau (Schäfergasse 3), Familie des Opelhändlers Moses Linz
(Mainstraße 15), Familie Bertram Mayer (Schuh- und Bekleidungsgeschäft
Bahnhofstraße 15), Familie Emanuel Nachmann (Tankstelle und Kfz-Werkstatt
Mainzer Straße 8, hier heute ein Parkplatz), Familie des Schuhhändlers Wolf Naumann (Darmstädter
Straße 5), Familie des Opelarbeiters Moritz Reinheimer (Marktplatz 11), Familie
des Religionslehrers Sami Stern (Jakob Samson Stern, Schäfergasse 4), Ehepaar Alfred und Katharina
Löw (Friseurgeschäft Waldstraße 65), Familie Robert Wohlfeiler (Schuh- und
Ledergeschäft Bahnhofstraße 12).
In
den Jahren nach 1933 sind die meisten der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). Auch die
Wohnung von Religionslehrer Sami Stern in der Schäfergasse 4 wurde völlig
verwüstet; seine gesamte wertvolle Bibliothek wurde auf einen Lastwagen
geladen, zum Mainufer gefahren und dort verbrannt (siehe Bericht unten "Erinnerungsarbeit"
- Artikel vom April 2010). Im Mai 1939 wurden noch 13 jüdische Einwohner am Ort gezählt, im
September 1939 noch neun, die nun gemeinsam in das Haus von Hermann Gottschall
(Schäfergasse 20) ziehen mussten ("Judenhaus"; Gebäude
wurde 1992 von der Stadt Rüsselsheim abgebrochen; die Idee, hier einen
Gedenkort einzurichten, wurde nicht weiter verfolgt). 1942 wurden
bei den Deportationen im März beziehungsweise September insgesamt sechs jüdische
Einwohner nach Polen beziehungsweise Theresienstadt deportiert.
Von den in Rüsselsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Angaben bei
Schleindl s.Lit.): Benno
Adler (1883), Hermann Adler (1878), Jenny (Fanny) Adler (1867), Max Adler (1878), Esther
Baumgart geb. Adler (1882), Abraham Bruchfeld (1854), Ludwig Eisen (1903),
Amalie Forst (1878), Mendel Forst (1875), Hermann Gottschall (1860), Mathilde Gottschall geb. Bruchfeld (1865),
Hilde Grau (1926), Josef Grau (1862), Ida Grau geb. Wassermann (1886), Richard Grau
(1922), Irma Hertog geb. Stern (1909), Henriette Herz geb. Adler (1874), Nanette Kahn geb. Ling (1896), Fanny Lang geb. Laufer (1884),
Karl Linz (1898),
Melanie Linz (1904), Setta Lonnerstädter geb. Adler (1883), Bertha Manasse geb.
Schott (1873), Emanuel Nachmann (1885), Ida Nachmann geb. Mannheimer (1884), Ludwig Nachmann (1886), Rosa Neumann geb. Marxsohn (1864), Cäcilie
Nussbaum geb. Adler (1886), Lilli Oliven geb. Kiritz (1905), Hertha Reinheimer
(1924), Irene Reinheimer (1921), Moritz Reinheimer (1888), Regina (Recha) Reinheimer geb. Nachmann (1890), Emanuel
Roman (1883), Toni Rothschild geb. Schott (1876), Alice Ryczywol (1929), Rosel
Ryczywol geb. Gottschall (1893), Auguste Schaffner geb. Schott (1859), Ludwig
Schott (190), Markus
Schott (1864), Max Tschornick (1903), Klara Wohlfeiler geb. Kahn (1871).
Eine Gedenktafel für die jüdische Gemeinde enthält die Inschrift:
"Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Dem Andenken an die während der
NS-Zeit verfolgten jüdischen Bürger Rüsselsheims. Der mahnenden Erinnerung an
die Zerstörung der Rüsselsheimer Synagoge am 10. November 1938. Dem Gedenken
an die Rüsselsheimer Bürger, die wegen ihrer Gegnerschaft zum NS-Regime
Konzentrationslager, Leid, Angst und Tod erleiden müssten. 'Als die Nazis die
Kommunisten holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Kommunist. Als sie die
Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein
Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert:
Ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der
protestierte...' Martin Niemöller."
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1862 /
1869 / 1877 / 1878 / 1882 / 1884 / 1886 / 1890 / 1893 / 1901 / 1903 / 1909
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1863: "Lehrer-Stelle
vakant! In der israelitischen Gemeinde zu Rüsselsheim im Großherzogtum
Hessen ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters
sofort zu besetzen. Das Einkommen beträgt 350 Gulden. Bewerber wollen
unter Beifügung ihrer Zeugnisse sich melden beim Vorstand. J. Adler I." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1869: "Die Stelle eines
Religionslehrers, Vorbeters und Schächters bei der israelitischen
Gemeinde zu Rüsselsheim, mit einem jährlichen Einkommen von 400 Gulden,
ist erledigt und sofort zu besetzen. Bewerber dafür wollen sich mit Beifügung
ihrer Zeugnisse bei dem Vorstand daselbst melden." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1877: "Die israelitische
Gemeinde zu Rüsselsheim bei Mainz wünscht sofort einen Religionslehrer,
Schochet und Chasan zu engagieren und wollen sich Bewerber an den Vorstand
wenden. Einkommen 1.200 Mark." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1878: "Die
israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Rüsselsheim
am Main ist zum 15. September laufenden Jahres zu besetzen. Jährliches
Einkommen 1.200 Mark. Ein unverheirateter Mann wird bevorzugt. Meldungen
nimmt der Vorstand entgegen." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1882: "Die hiesige
Vorbeter-, Religionslehrer- und Schächterstelle ist per 1. Oktober zu
besetzen. Einkommen beträgt Mark 1.000 bis Mark 1.100. Deutsche Bewerber
erhalten den Vorzug und wollen sich Reflektierende an den Vorstand wenden.
Rüsselsheim, den 5. Juli 1882." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1884: "Die hiesige
israelitische Gemeinde sucht per 1. Februar dieses Jahres einen
Religionslehrer, Vorsänger und Schächter. Einkommen Mark 900 – 1000.
Ledige Bewerber wollen sich bei unterzeichnetem Vorstand melden. Rüsselsheim
am Main, Januar 1884. Em. Schott." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1886: "Die hiesige
Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle ist per 1. Juni zu
besetzen. Einkommen Mark 900. Reflektierende wollen sich an den
unterzeichneten Vorstand wenden. Rüsselsheim, 15. April 1886. Em. Schott." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1890: "Die hiesige
Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochet-Stelle ist per 1. September
laufenden Jahres zu besetzen. Reflektierende wollen sich an den hiesigen
Vorstand wenden. Freie Wohnung und ca. 900 Mark. Einkommen. Rüsselsheim,
10. Juni 1890. Der Vorstand Abraham Linz." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1890:"Die
hiesige Religionslehrer, Vorsänger- und Schochet-Stelle ist
per 1. Februar 1891 zu besetzen. Reflektanten wollen sich an den hiesigen
Vorstand wenden. Freie Wohnung und ca. 900 Mark Einkommen.
Rüsselsheim am Main. Der Vorstand: Abraham Linz." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1893: "Die
Religionslehrer-, Kantor- und Schochetstelle in Rüsselsheim am Main ist
per sofort zu besetzen. Einkommen 900-1.000 Mark nebst freier Wohnung und
Garten. Meldungen erbittet Der Vorstand.
Zufolge meiner Berufung nach Neu-Endingen
verlasse diese Stelle, in welcher ich 2 ½ Jahre war und kann ich dieselbe
meinen Kollegen bestens empfehlen. Markus Schatz, Kantor." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901:
"Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle
ist per 1. Oktober dieses Jahres zu besetzen. Einkommen ca. 900 Mark,
eventuell 1100 Mark, nebst freier Wohnung. Reflektanten wollen sich an den
unterzeichneten Vorstand wenden. Verheiratete Beamten mit kleiner Familie
bevorzugt.
H. Schott, Rüsselsheim am
Main." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1903:
"Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle
ist per sofort zu besetzen. Einkommen ca. 900 Mark nebst freier Wohnung.
Reflektanten wollen sich an den unterzeichneten Vorstand wenden.
Verheiratete Beamte mit kleiner Familie bevorzugt.
H. Schott, Rüsselsheim am Main." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7.
Januar 1909: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und
Schochetstelle ist pro 1. März 1909 zu besetzen. Einkommen 900 Mark
eventuell 1.200 Mark nebst freier Wohnung und Garten. Reflektanten wollen
sich an den endstehenden Vorstand wenden. Diejenigen, die eine Religionsprüfung
bereits bestanden haben sowie verheiratete Beamten mit kleiner Familie
bevorzugt.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Rüsselsheim a.M.
H. Schott." |
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
Erfolglose Antisemitenversammlung in Rüsselsheim (1893)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1893: "Rüsselsheim am Main,
10. Juni (1893). In einer heute dahier stattgehabten
Antisemitenversammlung wurde dem antisemitischen Reichstagskandidaten Hugo
Welcker aus Ulm von den zahlreich erschienenen Sozialdemokraten durch
Zwischenrufe zugunsten der Juden, Pfeifen und Zischen derart
heimgeleuchtet, dass dieser nach einer halben Stunde seinen Vortrag schließen
musste." |
Restaurierung des rituellen Bades (1901)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1901: "Rüsselsheim am Main.
Auf Veranlassung des Rabbiners Herrn Dr. Marx und unter Mitwirkung des
hiesigen Vorstandes, ist die Mikwe,
welche mehrere Jahre in vernachlässigtem Zustande war, wieder nach den
rituellen Vorschriften hergestellt worden." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1901: "Rüsselsheim. In
einer Ihrer jüngsten Nummern brachten Sie eine Notiz, dass unter
Mitwirkung des Herrn Rabbiner Dr. Marx in Darmstadt und des Vorstandes,
die hiesige Mikwo, welche seit Jahren vernachlässigt war, wieder rituell
hergestellt sei. Dies ist dahin zu berichtigen, dass ohne Mithilfe des
Vorstandes nur aus ganz privaten, oder aus den Mitteln des hiesigen
Frauenvereins für die Mikwo etwas getan wurde. An eine vollständige
rituelle Instandsetzung ist bis jetzt noch nicht zu denken und müssen
deshalb, die Besucher derselben bei strengster Kälte, um der Mizwoh
(Gebot) Genüge zu leisten, bis heute noch, nach Mainz oder Frankfurt
reisen. Auch ist von Seiten des Herrn Rabbiners Dr. Marx weder eine
Besichtigung noch eine Begutachtung erfolgt. Es kann daher von einer
rituellen Herstellung vorerst noch keine Rede sein. Es wäre sehr zu wünschen,
wenn endlich einmal Schritte getan würden, dass diese Mizwoh (Gebot) erfüllt
werden kann, denn durch eine derartige Vernachlässigung wird der
Bequemlichkeit halber diese große Mizwoh nicht geübt." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod der Witwe von Jonas Adler I
(1891)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1891: "Rüsselsheim am
Main,
25. Januar (1891). Am vergangenen Schabbat
Paraschat Bo (d.i. der Schabbat mit der Toralesung Bo = 2.
Mose 10,1 - 13,16; dies war am 17. Januar 1891) schied hier im Alter von 79 Jahren eine Frau aus diesem
leben, die jedem frommen Jehudi
als leuchtenden Vorbild dienen kann. Wiewohl dieselbe nie auf Anerkennung
Anspruch gemacht hat, so war sie doch würdig, dass ihrer nach ihrem Tod gedacht werden.
Die Verstorbene, Frau Jonas Adler I Witwe, zeichnete sich durch ihre Güte
und Menschenfreundlichkeit, besonders aber durch ihre hervorragende Frömmigkeit
und ihr Gott geweihtes Leben ganz besonders aus. (Sie fastete trotz ihres
hohen Alters alle Fastentage,
selbst den letzten 10. Tewet
einen ganzen Tag). Früh verwaist, wurde sie im Hause des Raw
Hirsch Cannstatt – das Andenken an den Fromm ist zum Segen – in
Mainz an Kindesstatt erzogen, woselbst sie durch das Vorbild Liebe zu Tora,
Gottesdienst und Wohltätigkeit gewann, was sie auch ihren Kindern übertrug.
(Am Vorabend ihres Todes rezitierte sie noch auf die diesbezügliche Frage
ihres Sohnes, den Inhalt der Sidra
Bo sowie denjenigen des Sidra
Beschalach). Die Armen und Bedrängten verlieren an ihr eine Wohltäterin
im edelsten Sinne des Wortes.
Auch war sie I. Vorsteherin des hiesigen israelitischen Frauenvereins,
welchen dieselbe seit einer großen Reihe von Jahren mit der größten Pünktlichkeit
verwaltete. Ihr Lieblingsgang war der Besuch der Synagoge, in welcher sie sogar den ganzen Jom Kippur stehend verbrachte, und zeugte die Innigkeit, mit der sie
ihre Gebete sprach, von ihrer Gesinnung und dem Verständnis der Gebete.
Welche Hochachtung die Verklärte durch ihren tugendhaften Lebenswandel
erworben, das bewies die Menschenmenge, welche von nah und Fern
herbeieilte, um ihr das letzte Geleite zu geben. Möge dieselbe Jenseits
den Lohn empfangen, dessen sie sich hienieden verdient gemacht hat, "Es
sei ihre Seele eingebunden und den Bund des Lebens. Amen." |
Goldene Hochzeit von Mordechai May in Roßdorf mit der
aus Bauschheim stammenden Jettchen geb. Lippmann (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1902:
"Aus Hessen. In Roßdorf
feierten am Mittwoch, 17. Dezember (1902), Herr Mordechai May und
dessen Ehefrau Jettchen geb. Lippmann aus Bauschheim, im
engsten Familienkreise das seltene Fest der goldenen Hochzeit, eine Feier,
welche in hundert Jahren hier nicht vorgekommen ist. Möge es dem
Jubelpaare, das sich noch bester Gesundheit und Rüstigkeit erfreut,
beschieden sein, auch das diamantene Jubiläum zu feiern. - N. -" |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Koschere Zichorien in der Engelhardt'schen Fabrik 1868 / 1876 / 1901
Anmerkung: die Zichorienfabrik lag auf einem Grundstück an der
Straße Am Maindamm
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1868: "Koscher
- Zichorie in Rüsselsheim, Großherzogtum Hessen. Auf vielseitiges
Verlangen lasse ich von jetzt an Koscher-Zichorie von
vorzüglichster Qualität unter Aufsicht des Herrn Lehrer Löwenthal
dahier fabrizieren und empfehle meine preiswürdige Ware denjenigen
geehrten jüdischen Abnehmern, welcher darauf reflektieren, dass sie nach
jüdischem Gesetze erlaubte, ohne Beimischung von Schweinefett bereitete
Zichorie erhalten. Rüsselsheim, den 14. Mai 1868. Fr. Engelhardt.
Der Unterzeichnete bezeugte, dass er bei der Fabrikation der Koscher-Zichorie
die strengste Aufsicht führt, sodass bei den mit seinem Stempel
versehenen Paketen eine verbotene Zutat nicht zu fürchten
ist.
Lehrer Löwenthal in Rüsselsheim.
Herr Lehrer Löwenthal in Rüsselsheim ist mir als religiöser,
zuverlässiger Jehudi bekannt, dem volles Vertrauen gebührt.
Dr. Lehmann in Mainz." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1876: "Zur gefälligen
Notiznahme. Da die Koscher-
Zichorie in der Engelhardtschen Fabrik in Rüsselsheim nicht mehr unter
meiner Aufsicht fabriziert wird, und ich so überhaupt in keiner Beziehung
mehr zu dieser Fabrik stehe, so kann ich für das Kaschrut
desselben keine Verantwortlichkeit übernehmen und halte es für meine
Pflicht, diejenigen, welche noch jetzt aus dieser Fabrik koscher Zichorie beziehen, darauf aufmerksam zu machen. Samuel
Montag, Lehrer, früher in Rüsselsheim, jetzt in Griesheim
bei Darmstadt." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1901: "Koscher zu Pessach Zichorien Koscher
zu Pessach. Langjährige Fabrikation, eingerichtet nach Vorschrift des
Herrn Rabbiner Dr. Marx in Darmstadt und unter Aufsicht eines von
demselben ernannten Schomer.
Bestellungen auf Pessach erbitte
sofort. Die Versandkisten werden außerdem unter Aufsicht des Schomer gepackt und gesiegelt, worauf ich noch besonders aufmerksam
mache. Fried Engelhardt Zichorienfabrik (gegründet 1819) Rüsselsheim am
Main. Export nach allen Ländern. 16 Medaillen und Diplome." |
Stellungnahme des Schomer Leo Adler - Beauftragter des
Rabbinates zur Beaufsichtigung der Zichorienfabrik (1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903:
"Rüsselsheim, 23. November (1903). Bezugnehmend auf Ihre in
Nr. 92 Ihres geschätzten Blattes einem Herrn L. in Frankfurt am Main
erteilte Antwort betreffs Bezug von Koscher-Zichorie, fühle ich mich
verpflichtet, Ihre darin gemachten Auseinandersetzungen in einigen Punkten
zu berichtigen.
Ich bin seit langen Jahren Schomer bei der hiesigen Zichorienfabrik von
Friedr. Engelhard, und kann auf Gewissen von den von diesem Hause als
koscher ausgehenden Zichorien behaupten, dass diese es auch wirklich sind.
Die zur Fabrikation nötigen Maschinen, ein Brenner und eine Mühle,
werden vor jedesmaliger Koscher-Fabrikation gründlich gereinigt und
geglüht, und nehmen diese Vorbereitungen stets Dreivierteltag in
Anspruch. Das Einfüllen der fertigten Ware in Tüten, welches sonst
ebenfalls mit Maschinen geschieht, wird bei der Koscher-Ware mit der Hand
besorgt.
Vorgesagtes geschieht alles auf Anordnung des hochgeehrten Herrn Rabbiners
Dr. Marx - Darmstadt, und dass auch alles nach Vorschrift gehandhabt wird,
dafür wohne ich der Fabrikation von Anfang bis Ende bei - selbst dem
Versand, wenn es sich um Zichorie Koscher al Pessach handelt - und rechne
es mir zur Gewissenssache, da sich doch die orthodoxe jüdische Welt
hierin auf mich verlässt.
Leo Adler, Schomer." |
Zur Geschichte der Synagoge
Nach Angaben bei Paul Arnsberg s. Lit. soll möglicherweise schon Anfang
des 17. Jahrhunderts und damit vor dem Dreißigjährigen Krieg in Rüsselsheim
eine Synagoge bestanden haben. Nach Angaben bei Angelika Scheindl s.Lit. soll um
1650 eine Synagoge vorhanden gewesen sein.
1822 wird eine schon längere Zeit am Ort bestehende Synagoge genannt,
die sich Anfang der 1840er-Jahre in sehr schlechtem baulichen Zustand befand.
1844/45 wurde ein neues Gebäude erstellt. Nur auf Grund von Spenden (u.a.
durch Amschel Baron von Rothschild) und
Kollekten in den umliegenden jüdischen Gemeinden konnte das Gebäude damals von den in durchweg armseligen
Verhältnissen lebenden jüdischen Familien erstellt werden. 1870 wurde das 25jährige Synagogenjubiläum gefeiert.
Nach einem Inventarverzeichnis von 1875 befanden sich in der Synagoge:
sechs Torarollen, eine Haftara, eine Esterrolle, drei Gebetbücher für die
hohen Feiertage, 21 Toramäntel, 2 Stangen, ein Leuchter mit 27 Armen, einer mit
sechs Armen, zwölf Wandleuchter mit vier Armen, zehn Wandleuchter mit drei
Armen, ein Kandelaber, ein Schofar, drei Torazeiger mit Haken, Kette und Ring,
eine Besomimbüchse, ein Kidduschbecher und einiges mehr.
Um 1895 wurde das
Gebäude renoviert. 1913 brach ein Brand aus, der jedoch
glücklicherweise keinen allzu großen Schaden anrichtete. 1928/29 wurde
mit mit Hilfe von einer Spende der Familie Opel die Synagoge erneut gründlich renoviert.
Brand in der Synagoge 1913
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1913: "Rüsselsheim,
Am Samstag brach in der Synagoge ein Brand aus. Das Feuer kam, wie man
vermutet, durch Funkenflug in der Wohnung des israelitischen
Religionslehrers zum Ausbruch. Da es jedoch bald bemerkt und Hilfe rasch
zur Stelle war, so konnte es bald gelöscht werden." |
Restaurierung der Synagoge 1928
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1929: "Die renovierte Rüsselsheimer
Synagoge. Die hier im Bilde gezeigte Synagoge zu Rüsselsheim am Main
dankte ihre Wiederaufrichtung der hochherzigen Hilfe der Firma Adam Opel
A.G. Rüsselsheim. Sie wurde auf Kosten der Firma völlig renoviert. Es
ist der Gemeinde Bedürfnis, den Dank, den sie dem Hause Opel schuldet,
auch hier zum Ausdrucke zu bringen.
Bildunterschrift:
‚Die Synagoge von Rüsselsheim, für deren vollständige Erneuerung die
Automobil-Werke Adam Opel eine beträchtliche Summe stifteten." |
Einweihung der renovierten Synagoge (1929)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1929: "Synagogenweihe in
Rüsselsheim. Wie wir seinerzeit bekannt gaben, hat die Firma Opel der jüdischen
Gemeinde in Rüsselsheim zu einer gründlichen Renovierung ihrer Synagoge
verholfen. An einem der letzten Sonntage konnte die neu ausgestattete
Synagoge unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und vieler
auswärtiger Gäste, wie der nichtjüdischen Bürger der Stadt, eingeweiht
werden. Die Gemeindevorstände überbrachten die Torarollen in die
Synagoge, die unter Gesängen des Herrn Lehrer Stern in den heiligen
Schrein gehoben wurden. Nach weiteren Gebeten begrüßte der Vorsteher der
Gemeinde, Herr Kaufmann Mayer, die Festversammlung. Es wurden dann mehrere
Begrüßungen der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden
verlesen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Binheim, Darmstadt, hielt darauf die
Weiherede, worauf noch Herr Rabbiner Levi – Mainz, im Namen der Mainzer
Gemeinde eine Ansprache hielt. Herr Kommerzienrat Kronenberger sprach im
Namen des Landesverbandes und dankte insbesondere dem hause Opel für die
hochherzige Stiftung. Neben dem ‚ewigen Lichte’ wurde eine Ehrentafel
für die im Weltkriege gefallenen Söhne der jüdischen Gemeinde von Rüsselsheim
aufgehängt. Herr Lehrer Rothschild – Großgerau sprach den Dank des
Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten aus. Mit entsprechenden Gebeten
erhielt die würdige Feier ihren Abschluss." |
Bei der Rüsselsheimer Synagoge handelt es
sich um einen zweigeschossigen Massivbau aus Bruchsteinen mit einem Satteldach.
Das Gebäude steht von der Mainzer Straße zurückgesetzt, sodass ein Hof vor
dem Gebäude entstand. Im Erdgeschoss befand sich auf der linken Seite eine
Schulstube, in der wochentags und im Winter Gottesdienste abgehalten wurden, da
dieser Raum heizbar war. Ein rituelles Bad war vermutlich in einem
selbständigen Bau im Garten auf der Rückseite des
Synagogengebäudes.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden durch
SA-Leute (SA Standarte 221 der SA Brigade Starkenburg, die auch die
Zerstörung/Demolierung der Synagogen in Groß Gerau, Dornheim und Wolfskehlen
durchführte) die Türen der Synagoge aufgebrochen und ihre
Inneneinrichtung völlig zerstört. Die Torarollen und Ritualien wurden am
Mainufer verbrannt. Das Gebäude selbst blieb erhalten, vermutlich, da eine
nichtjüdische Familie in der Wohnung über den ehemaligen Schulraum wohnte.
Bereits am 21. November 1938 ging das Gebäude per Kaufvertrag in Privatbesitz
über (der Kaufvertrag durch einen Notar aus Groß-Gerau getätigt; die grundbuchamtliche
Umschreibung erfolgte am 31. August 1939). Besitzer des Gebäudes wurde dadurch ein Architekt
aus Wiesbaden, der - bei einem Wert des Grundstückes und des Gebäudes
in Höhe von 10 - 12.000 RM - 4.000 RM bezahlte. Der Kaufpreis kam auf ein Sperrkonto und
dadurch an das Reich.
Nach 1945
wurde das Gebäude - nach Klärung des Restitutionsverfahrens durch die Jewish
Restitution Successor Organization (JRSO, Regionalbüro Frankfurt) im
November 1949 (es waren als Ausgleich zwischen der Zwangsverkaufssumme und dem
tatsächlichen Wert des Gebäudes und des Grundstückes 7.886,90 DM
nachzuzahlen) - an einen Viehhändler, später an einen Rechtsanwalt verkauft. Letzterer
richtete in dem Gebäude eine Wohnung und Büros ein. Die Fassade des Gebäudes
wurde durch Umbauten stark verändert.
2005 gab es Bemühungen von Bürgern der Stadt ("Projektgruppe Alte
Synagoge"), in der ehemaligen Synagoge eine Gedenk- und Begegnungsstätte einzurichten.
Im November 2005 ging das Gebäude im Auftrag des Magistrats in den
Besitz der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft über. Umbauarbeiten
wurden 2006 vorgenommen. Das Erdgeschoss des Gebäudes übernahm von Juni 2006
bis April 2011 die
UNICEF-Gruppe Rüsselsheim. Seit 2007 fanden mehrere Gedenkveranstaltungen,
Feiern jüdischer Feiertage u.a.m. in und um das Gebäude statt. Seit Auszug der
UNICEF-Gruppe im April 2011 wird das Gebäude großenteils für Wohnzwecke verwendet.
Adresse/Standort der Synagoge: Mainzer Straße
19
Fotos
| Die Synagoge nach der
Renovierung 1928 (aus: "Der Israelit" vom 14. Februar 1929) |
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| Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge 2006/07 |
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| Blick von der Mainzer Straße |
Fotos von Manfred
Teubler aus einem Bericht der "Frankfurter Neuen Presse" (Quelle) |
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| August 2008:
Die Unterhaltung der Alten Synagoge wird durch eine Stiftung
gesichert |
Artikel von Alexandra Dehne im "Main-Rheiner"
vom 2. August 2008 (Artikel):
Dauerhafter Erhalt gesichert - Gewobau gründet Stiftung zur Unterhaltung der alten Synagoge.
Die einstige Gestaltung der Fassade auf den gepflasterten Hof zu
projizieren, dies ist eine von mehreren Ideen, die anhand kleiner Modelle
entworfen werden. Durch die Gründung einer Stiftung ist die alte Synagoge
an der Mainzer Straße nun dauerhaft gesichert. Die städtische
Wohnbaugesellschaft Gewobau, die seit 2005 Eigentümerin ist, stellt
jährlich ein Stiftungsvermögen von mindestens 30 000 Euro zur
Verfügung....". |
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| April 2009:
Erste Projekte der Stiftung Alte Synagoge -
Dauerausstellung geplant |
Artikel von Alexandra Dehne im "Main-Rheiner" vom 18. April
2009 (Artikel):
Suche nach historischem Material - Stiftung Alte Synagoge hat erste Projekte
begonnen / Dauerausstellung zum jüdischen Leben
RÜSSELSHEIM. "Begegnen - Erinnern - Forschen". Diesen drei Punkten hat sich die Stiftung Alte Synagoge verschrieben, die im August 2008 gegründet wurde, um die alte Synagoge an der Mainzer Straße dauerhaft zu sichern....".
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| Juli 2009: Stiftung
Alte Synagoge in Rüsselsheim beginnt Arbeit |
Artikel von Alexandra Ehrhardt in der
"Main-Spitze" vom 1. Juli 2009 (Artikel):
Stiftung Alte Synagoge in Rüsselsheim beginnt Arbeit.
RÜSSELSHEIM. Die alte Synagoge stehe für einen schmerzlichen Umgang mit der Geschichte und Vergangenheit Rüsselsheims, ein zeitgemäßes und zukunftsweisendes Erinnern in der Gegenwart und biete eine Chance für ein nachhaltiges und innovatives Lernen aus der Historie, so Stiftungsratsvorsitzender Stefan Gieltowski bei der Eröffnung der Alten
Synagoge...". |
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| Juli 2009:
Amerikanische Studenten zu Gast in der Alten
Synagoge |
Artikel von Ralf Schuster in der "Main-Spitze" vom 29.
Juli 2009: "Amerikanische Studenten beziehen Quartier in Alter Synagoge.
Rüsselsheim. Die Alte Synagoge in der Mainzer Straße, Anfang des Monats erst offiziell eingeweiht, wird dem Motto der sie tragenden Stiftung - Begegnen, Erinnern und Forschen - gleich zum Start in mehreren Punkten gerecht: Eine Gruppe von Studenten aus Amerika hat für einige Tage Unterkunft in dem historischen Gebäude gefunden..."
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| März
2010: Weitere
"Stolpersteine" werden in Rüsselsheim verlegt |
Artikel von Michael Wien in der "Main-Spitze" vom 5. März 2010
(Artikel):
"Ruiniert, verschleppt und ermordet
RÜSSELSHEIM. STOLPERSTEINE - Weitere Verlegungen zum Gedenken an Opfer der NS-Zeit / Ergebnisreiche Recherchen Rolf Strojeks.
Im Rahmen des Projektes des Kölner Bildhauers Gunter Demnig werden am 24. April und 1. Mai weitere 19 "Stolpersteine" vor Rüsselsheimer Häusern in den Boden eingelassen, zum Gedenken an Rüsselsheimer, die von Nazis verfolgt, ruiniert, gefoltert, verschleppt, gar ermordet wurden, weil sie jüdischen Glaubens waren oder Widerstand gegen das Regime, seine Handlanger, stillen Teilhaber und Profiteure leisteten...". |
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April
2010: Zur Verlegung der
"Stolpersteine" am 24. April 2010 -
Erinnerung an Lehrer Stern und seine Familie sowie an Familie Neumann |
Artikel in "Echo-online.de" vom 1. April 2010 (Artikel): ",,Fast zwei Tage lang brannten Bücher"
Stolpersteine: Erinnerung an jüdische Familien, denen 1938 die Flucht ins Exil und ein Überleben im Ausland gelang.
Das Gedenken der Rüsselsheimer Bürger jüdischen Glaubens, die Opfer des Nationalsozialistischen Terror-Regimes wurden, bildete den Auftakt der
'Stolperstein-Aktion', die 2007 auch hier von einem Initiativkreis um Rolf Strojec umgesetzt wurde. In der Fortsetzung am 24. April wird an weitere jüdische Einwohner mit einer Steinverlegung erinnert, von denen 1933 noch 47 in der Stadt lebten. Während Familien wie Reinheimer, Grau oder Nachmann deportiert und in Konzentrationslagern ermordet und damit ausgelöscht wurden, gelang anderen selbst 1938 noch die Flucht ins Exil und ein Überleben im
Ausland...". |
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| Weiterer Artikel
zur Verlegung der "Stolpersteine" in der Main-Spitze.de vom 26.
April 2010 als pdf-Datei |
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| Mai 2010:
Rundgang auf den Spuren der
jüdischen Geschichte in Rüsselsheim und andere
Veranstaltungen |
Artikel von Detlef Volk in der "Main-Spitze" vom Mai 2010 (Artikel):
"Jiddische Musik und Geschichte
RÜSSELSHEIM. LÖWENPLATZ Auftritt der Gruppe 'Terz' im Rahmen der Samstagsreihe mit einer Stadtführung verbunden.
Mit der fröhlichen und zugleich traurigen Klezmer-Musik setzte die Veranstaltungsreihe
'Samstags auf dem Löwenplatz' einen besonderen Akzent. Erst konnten die Besucher der Klezmer-Musik vom Trio
'Terz' zuhören und die Ausstellung 'Jüdisches Leben in Rüsselsheim' der Stiftung Alte Synagoge ansehen. Später konnten Interessenten am geführten Stadtrundgang teilnehmen...". |
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| Juli 2010:
Die SPD informiert sich über die Planungen der
Alten Synagoge |
Artikel von Dieter Ackermann-Girschik in der
"Main-Spitze" vom 29. Juli 2010 (Artikel):
"SPD informiert sich in Rüsselsheim über Planungen der Alten Synagoge.
Rüsselsheim. Mit Hochachtung würdigten etwa 15 Sozialdemokraten, die im Rahmen ihrer Sommerreise Gast der
'Stiftung Alte Synagoge' waren, die Arbeit jener im August 2008 gegründeten Organisation, die es sich zur Aufgabe macht, die Erinnerung an die Geschichte und das Schicksal der jüdischen Gemeinde in Rüsselsheim zu bewahren..." |
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| Oktober 2010:
MitarbeiterInnen zur Erstellung einer
Dokumentation zu den "Stolpersteinen" in Rüsselsheim gesucht |
Artikel von Michael Wien in der
"Main-Spitze" vom 2. Oktober 2010 :
"Köpfchen und Herz willkommen.
VON NAZIS VERFOLGT. 'Stolperstein'-Initiative lädt Menschen
unterschiedlichster Begabungen und Altersgruppen zur Mitwirkung ein."
(Link
zum Artikel) . |
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| April 2011:
Über das aktuelle Kulturprogramm und weitere
Pläne der Stiftung "Alte Synagoge" |
Artikel von Stefanie Grimm in der
"Main-Spitze" vom 1. April 2011: "Stiftung 'Alte
Synagoge' bietet vielfältiges Kulturprogramm"
(Link
zum Artikel) . |
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| April 2011:
Dritte
Verlegung von "Stolpersteinen" in Rüsselsheim |
| Artikel von "ww" in "Echo-online.de"
vom 31. März 2011: "Rüsselsheim. 'Erinnerung ist Gedenken an die
Opfer'. Stolßpersteine: An drei neuen Stellen in Rüsselsheim wird seit
gestern auf Verfolgte des Naziregimes hingewiesen. (Link
zum Artikel) |
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Stolpersteine-Verlegung in Rüsselsheim
auf Videos in Youtube:
Video 1
Video 2
Video 3 |
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| Mai 2011:
Stolpersteine-Verlegung in der Mainzer
Straße - Erinnerung an Ida und Emanuel Nachmann |
Zwei Artikel von Michael Wien: vom 20. Mai
2011 in der "Main-Spitze" (Link
zum Artikel)
und vom 21. Mai 2011 in
der "Main-Spitze", (Link
zum Artikel)
Artikel von Detlef Volk vom 23. Mai 2011 in
der "Main-Spitze", (Link
zum Artikel) |
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| Juli 2011:
Nach Auszug der UNICEF-Gruppe - Überlegungen
für Veränderungen am Synagogengebäude |
| Artikel von Michael Wien vom 21. Juli 2011
in der "Main-Spitze": "Schönheitskur: Rüsselsheimer
Synagoge soll wieder im alten Glanz erstrahlen" (Link
zum Artikel) |
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| Juli 2011:
"Zwei Neue im Stiftungsrat Alte
Synagoge" |
| Artikel in der "Main-Spitze" vom
29. Juli 2011 (Link
zum Artikel) |
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| August 2011:
In Raunheim wurden "Stolpersteine"
verlegt |
Artikel (red) in der "Main-Spitze"
vom 29. August 2011 (Artikel):
"Heute Stolperstein-Verlegung
RAUNHEIM (red). Vor den Häusern Schulstraße 5 und Frankfurter Straße 17 werden am heutigen Montag, 29. August, insgesamt vier Stolpersteine verlegt.
Das Projekt Stolpersteine erinnert an die Opfer der NS-Zeit. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst dort wohnten. Auch in Raunheim gab es Opfer. Treffpunkt zur Verlegung der Stolpersteine ist um 9 Uhr auf dem Parkplatz am Rathaus in der Schulstraße 2. Alle Bürger sind dazu eingeladen." |
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Bericht über die Stolperstein-Verlegung
in Raunheim: Artikel von Oliver Heil: Stolpern mit dem
Herzen. Kunst-Aktion: Gunter Demnig verlegt in Raunheim Gedenksteine,
die an verfolgte jüdische Bürger erinnern sollten.
Artikel in Echo-online.de vom 30.8.2011 (Link
zum Artikel) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 241-242. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 182. |
 | Wolfram Heitzenröder: Juden in Rüsselsheim.
Katalog zur Ausstellung vom 12. Oktober - 31. Dezember 1980. Rüsselsheim
1980. |
 | Angelika Schleindl: Verschwundene Nachbarn.
Jüdische Gemeinden und Synagogen im Kreis Groß-Gerau. Hg. Kreisausschuss
des Kreises Groß-Gerau und Kreisvolkshochschule. Groß-Gerau 1990.
Insbesondere S. 266-276 und 352-353. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 140-141. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 118. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 172-177. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 308-309. |
 | zahlreiche Presseartikel zur Frage der Nutzung der Rüsselsheimer Synagoge
2005/2008. |
 | Jens
Scholten: Jüdisches Leben in Rüsselsheim. Einladung zu einem
Rundgang. Verlag Medien und Dialog www.medien-und-dialog.de
in Haigerloch Erschienen 2011. ISBN 3-933231-42-6 5.- € |
Hinweis auf ein familiengeschichtliches Werk
Nathan M. Reiss
Some Jewish Families
of Hesse and Galicia
Second edition 2005
http://mysite.verizon.net/vzeskyb6/ |
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In diesem Werk
eine Darstellung zur Geschichte der jüdischen Familie Lippmann in Bauschheim
("The LIPPMANN Family of Bauschheim" S. 261-268) (Nachkommen bis ca.
2000) mit Abbildungen
u.a.m. |
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Anmerkung: der
Stammvater der später an verschiedenen Orten (Fürth, Roßdorf
u.v.m.) lebenden Familie Lippmann: Joseph Lippmann lebte mit seiner
Familie Anfang des 19. Jahrhunderts in Bauschheim, wo der Sohn Elieser und
die Tochter Jette (geb. ca. 1827 in Bauschheim, verh. May in Roßdorf)
geboren ist. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ruesselsheim
Hesse. Established in the early 18th century, the community numbered 147 (6 % of
the total) in 1871. Its synagogue, built in 1844, housed 125 Torah scrolls.
During the Weimar Republic, a branch of the Jewish War Veterans Association was
established. The community changed its affiliation from the Orthodox to the
Liberal rabbinate of Darmstadt and the synagogue's renovation in 1929 was
generously funded by the Opel automobile manufacturing family. In 1933 the
Jewish population had declined to 47. SA men destroyed the synagogue's interior
and burned the Torah scrolls on Kristallnacht (9-10 November 1938). The
remaining Jews mostly emigrated or left by 1939; seven were deported during
Worldwar II.

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