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Eppertshausen (Kreis
Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eppertshausen bestand eine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück.
Auf Grund der 1468 genannten Flurbezeichnung "am Judenrain" wurde
schon vermutet, dass bereits im 15. Jahrhundert Juden in der Gegend von
Eppertshausen lebten.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1828 63 jüdische Einwohner (7,3 % von insgesamt 894 Einwohnern), 1871
47, 1880 51 (4,1 % von 1.250), 1900 36 (2,7 % von 1.328), 1910 29 (1,8 % von
1.583). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind mehrere jüdische Familien des
Ortes in die USA ausgewandert. An jüdischen Familiennamen gab es insbesondere
am Ort: Rothschild, Strauß, Reis, Wolf, Moses, Adler.
Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es Viehhändler, Händler / Kaufleute
für Textilien, Kolonialwaren, Landesprodukte, Schuhwaren und Althandel. Mehrere
der jüdischen Familien betrieben Handlungen / Läden.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und
ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Dieburg beigesetzt. Im 19. Jahrhundert hatte die Gemeinde zeitweise einen
eigenen Lehrer. So wird 1821 ein Lehrer aus Galizien am Ort genannt. Die Gemeinde
gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt
II.
Um 1924, als noch 34 jüdische Einwohner am Ort gezählt wurden (1,9 % von
insgesamt 1.748 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Moritz Reis. Die damals
sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht
durch Lehrer David Kaufmann aus Dieburg. 1932
waren die Gemeindevorsteher Moritz Reis (1. Vors.), Moses Adler (2. Vors.) und
Max Rothschild (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 waren sechs jüdische Kinder in
Religion zu unterrichten.
1933 lebten noch 28 jüdische Personen in Eppertshausen (1,5 % von
insgesamt 1.889 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 wurden unter Führung des damaligen Bürgermeisters Helfrich, zusammen
mit 10 bis 12 SA-Männern und einigen Hitlerjungen die noch in Eppertshausen
lebenden jüdischen Familien überfallen, ihre Wohnungen verwüstet und
geplündert. Es traf die Wohnungen der Familie Bernhard Moses und der Familie
Max Rothschild (Doppelhaus Schulstraße 12-14), der Familie Abraham Strauß
(Hauptstraße 8; hier wohnten auch der Adoptivsohn Benjamin Siegel mit seiner
jungen Frau Klara und dem vier Monate alten Sohn Salomon), der Familie Moritz
Reis (Hauptstraße 52), der Familie Moses Adler (Hauptstraße 25) und der
Familie Josef Reis (Hauptstraße 81). Fünf der jüdischen Männer wurden
verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt (Bernhard Moses, Moritz Reis,
Jakob und Josef Rothschild sowie Benjamin Siegel). Das Baby von Benjamin und
Klara Siegel, das nach einem Bericht von SA-Leuten durch ein Fenster auf die
Straße geworfen wurde (nach einem anderen Bericht war versucht worden, das Kind
in einem Bettuch auf die Strauße hinuntergleiten zu lassen), starb einen Monat
später an den Folgen der beim Novemberpogrom erlittenen Verletzungen. Bis Ende
Dezember 1938 (letztes Abmeldedatum am 27 Dezember 1938) hatten alle jüdischen Familien Eppertshausen verlassen, die
meisten zogen nach Frankfurt.
Von den in Eppertshausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moses Adler (1873),
Treidchen (Treitchen) Edinger geb. Rothschild (1869), Max Jakob Moses (1882),
Amalie Rothschild (1875), Hermann Rothschild (1878), Jakob Rothschild (1914),
Max Rothschild (1870), Regina Strauß (1872), Hedwig Vollweiler geb. Rothschild
(1909).
Berichte aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Tödlicher Verkehrsunfall (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. August
1903: "Aus dem Amte Langen, 11. August (1903). Einem braven und
rechtschaffenen Jehudi in Eppertshausen, Herrn L. Rothschild, ist dieser
Tage ein trauriger Vorfall passiert. Als er mit einem mit Mais beladenen
Fuhrwerk durch die Straße fuhr, kaum ein neunjähriges Kind unter die
Räder des Wagens und wurde derart verlehrt, dass es bald darauf verstarb.
Herr Rothschild, der ein hochbetagter Mann, taub und von
Schicksalsschlägen sehr heimgesucht, indem ihm viele große Kinder
starben, ist sehr zu bedauern und kann gewiss sagen: jodenu lo schofchu es
hadom haseh / unsere Hände haben nicht vergossen dieses Blut (5.
Mose 21,7" |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Bernhard Moses (1934)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1934:
"
Gesucht zum sofortigen Eintritt str. frommes Mädchen für
Haushalt.
Bernhard Moses Eppertshausen bei Darmstadt." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum vorhanden. 1790 bis 1792 wurde
eine Synagoge erbaut, über deren Geschichte nur wenige Informationen
vorliegen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge durch die bereits oben genannten SA-Leute unter Führung des damaligen
Bürgermeisters Helfrich und wohl auch den Jungen der Hitlerjugend geschändet
und verwüstet. Das Gebäude selbst blieb erhalten, kam vorübergehend in
nichtjüdischen Besitz. Es wurde 1939 abgebrochen.
Gegenüber dem Standort der ehemaligen Synagoge erinnert ein Gedenkstein an die
jüdische Gemeinde Eppertshausen und ihre Synagoge.
Adresse/Standort der Synagoge: Schulstraße
19 (Gedenkstein auf Grundstück gegenüber)
Fotos
(Quelle: Zeichnung links bei www.eppertshausen.de,
rechts bei Arnsberg Bilder s.Lit. 49)
| Zeichnungen der ehemaligen
Synagoge |
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Oben: die Skizze wurde von
Peter Krickser angefertigt |
Oben: die bei Arnsberg 1971
wiedergegebene Abbildung wurde von J. Müller angefertigt |
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Synagogenstandort und
Gedenkstein
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009) |
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| Blick entlang der
Schulstraße; die Synagoge stand rechts auf dem Grundstück des von der
Straße zurückgesetzten neuen Wohnhauses |
Gedenkstein /
Gedenktafel mit Inschrift: "Zum Gedenken an unsere
jüdischen
Mitbürger, die dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer fielen.
Hier in dieser Strasse stand ihre Synagoge". |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 163-164. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 49. |
 | Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. |
 | Karl J. Müller: Damit wir sie nicht vergessen. Das
Schicksal der jüdischen Bürger von Eppertshausen. Münster
1985. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 34. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 78-79. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eppertshausen
Hesse. The community, numbering 63 (7,3 % of the total) in 1828, later
declined. The Nazis received only 5 % of local votes in July 1932, but all the
Jews (numbering 28 in 1933) fled after Kristallnacht (9-10 November
1938).

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