Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Erfelden (Stadt Riedstadt, Kreis Groß-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
  
In Erfelden bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937. Jüdische Familien lebten seit dem 17. Jahrhundert am Ort. Aufgrund der Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges verlor der damals ansässige Jud Süßkind 1632 seinen gesamten Besitz: das Vieh und sein gesamter Hausrat wurden ihm gestohlen. Frau und Kinder waren ihm wenigstens geblieben. Auch die Vorfahren der bekanntesten jüdischen Familie in Erfelden - Familie Sternfels - waren bereits früh am Ort: der 1705 geborene Itzig der Jud baute 1731 eine Hofreite in Erfelden. 
 
Bis zum 19. Jahrhundert blieb die Zahl der jüdischen Familien am Ort vermutlich immer gering. Auch Anfang des 19. Jahrhunderts (1814) waren nur drei jüdische Familien am Ort. So wurde eine selbständige jüdische Gemeinde erst 1875 in Erfelden  begründet. Damals lebten acht jüdische Familien am Ort.  

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1814 drei jüdische Familien, 1828 25 jüdische Einwohner, 1861 35 (4,3 % von insgesamt 815 Einwohner), 1880 50 (5,8 % von 866), 1900 44 (4,3 % von 1.9024), 1910 46 (3,9 % von 1.165). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Stelle musste häufig ausgeschrieben werden: Lehrer Elias Lippmann, zu dem ein Artikel vorliegt (siehe unten), war immerhin sechs Jahre in der Gemeinde (1896-1902). Die jüdische Gemeinde gehörte zum orthodoxen Rabbinat Darmstadt II.
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gustav Sternfels (geb. 28.5.1872 in Erfelden, gef. 9.12.1917), Isidor Sternfels (geb. 29.8.1894 in Erfelden, gef. 5.4.1915), Max Sternfels (geb. 10.5.1887 in Erfelden, gef. 13.10.1918, beigesetzt im jüdischen Friedhof Groß-Gerau). 
 
Um 1924, als noch 26 jüdische Einwohner gezählt wurden (2,1 % von insgesamt etwa 1.244 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Sternfels, Max Sternfels und Meier Sternfels. Damals gab es drei schulpflichtige Kinder in den jüdischen Familien, die ihren Religionsunterricht durch Lehrer Jakob Strauß aus Griesheim erhielten (1932: vier Kinder). An jüdischen Vereinen gab es einen Beerdigungsverein für Erfelden und Umgebung, 1924/32 unter Leitung von Julius Sternfels. 1932 wurden 31 jüdische Einwohner gezählt. 1. Vorsteher der Gemeinde war weiterhin Julius Sternfels, 2. Vorsteher Isidor Mayer. 
Um 1930 lebten die folgenden jüdischen Familien in Erfelden: Familie Isaak Kahn (Rindsmetzgerei und Viehhandel, Bahnhofstraße 3), Familie Isidor May (Viehhäutehandlung, Bahnhofstraße 10), Familie Abraham Sternfels (de Itzig, Pferdehandel, Spezereihandel, Wilhelm-Leuschner-Straße 65), Familie Abraham Sternfels (Rindsmetzgerei und Spezereihandel, Wilhelm-Leuschner-Straße 40), Familie Julius Sternfels (Vorsteher der Gemeinde, Manufakturwarengeschäft und Getreidehandel, Wilhelm-Leuschner-Strasse 18), Familie Simon (Handel mit Vieh, Butter und Öl, Bahnstraße 22), Martha und Jenny Sternfels (Neugasse 61). 
  
1933 lebten noch 26 jüdische Personen am Ort (2,0 % von 1.292). I
n den folgenden Jahren sind alle jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1935 waren die jüdischen Inhaber von Handlungen und Leben gezwungen, ihre Geschäfte zu schließen. 1939 lebten keine jüdischen Personen mehr am Ort.   
     
Von den in Erfelden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Selma Fleisch geb. Sternfels (1892), Settchen Joseph geb. Sternfels (1865), Rosa Loesermann geb. Sternfels (1871), Adolf Sternfels (1885), August Sternfels (1874), Sally Sternfels (1900). Rosa (Rusa) Säsermann geb. Sternfels (1871).
    
Literarische Erinnerung: Der Schriftsteller Ernst Glaeser (1902-1963 wikipedia-Artikel) verfasste 1928 den Roman 'Jahrgang 1902'-  In diesem beschrieb der Schriftstellen einen jungen Juden aus Erfelden, seinen 1901 geborenen Schulfreund Julius Sternfels (Pseudonym Leo Silberstein). Die beiden hatten gemeinsam die Bürgerschule in Groß-Gerau besucht, die heutige Prälat-Diehl-Schule.  Julius Sternfels war Sohn des Erfelder Manufakturwaren- und Getreidehändlers Julius Sternfels (geb. 1877, vgl. Anzeige unten).
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet 1885 / 1887 / 1889 / 1892 / 1907 / 1909 / 1911 

Erfelden Israelit 03081885.jpg (35973 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1885: "Die Stelle eines Schächters, Vorbeters und Religionslehrers in hiesiger Gemeinde ist zum sofortigen Eintritt vakant. Fester Gehalt Mark 600. Nebeneinkünfte ca. Mark 300. Reiseentschädigung wird nicht vergütet. 
Erfelden am Rhein, 24. Juli 1885. Der Vorstand." 
 
Erfelden Israelit 10021887.jpg (43057 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1887: "Ein Lehrer, Kantor und Schächter wird für unsere Synagogengemeinde gesucht. Gehalt Mark 550 bei freier Wohnung. Nebeneinkünfte ca. Mark 250. Russen und Polen sind ausgeschlossen. 
Erfelden am Rhein, 31. Januar 1887. Der Vorstand Meier Sternfels I."  
  
Erfelden Israelit 07111889.jpg (39923 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1889: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle soll bis 1. Dezember dieses Jahres besetzt werden. Gehalt 550 Mark, freie Wohnung und Heizung und 300 Mark Nebenverdienste. Ledige Bewerber werden bevorzugt. 
Erfelden bei Darmstadt. Der Vorstand: Meier Sternfels".   
  
Erfelden Israelit 22081892.jpg (40709 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1892: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle dahier ist sofort zu besetzen. Gehalt Mark 550. Nebeneinkommen Mark 200 nebst freier Wohnung und Heizung. Ledige Bewerber wollen Offerten und Zeugnisse an den Unterzeichneten einsenden. 
Erfelden am Rhein, 15. August 1892. Der Vorstand M. Sternfels I."  
 
Erfelden Israelit 10111892.jpg (34393 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1892: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle dahier ist zu besetzen. Gehalt Mark 550, Nebeneinkommen Mark 300 nebst freier Wohnung und Heizung. Bewerber wollen Offerten und Zeugnisse einsenden. 
Erfelden am Rhein bei Darmstadt, 7. November 1892. Der Vorstand M. Sternfels I."    
  
Erfelden Israelit 11041907.jpg (63876 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1907: "Die hiesige Religionslehrer, Kantor- und Schächterstelle ist gleich oder später zu besetzen. Gehalt Mark 800, Nebeneinkommen mindestens Mark 400, nebst freier Wohnung und Garten. Seminaristisch gebildete oder geprüfte Religionslehrer wollen sich unter Einreichung von Zeugnisabschriften melden. – 
Erfelden am Rhein bei Darmstadt. 
Der Vorstand: Meier Sternfels I."  
 
Erfelden Israelit 10061909.jpg (37741 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1909: "Wir suchen gleich oder alsbald einen geprüften Religionslehrer, Kantor und Schochet. Gehalt Mark 700, Mark 2-300 garantiertes Nebeneinkommen nebst freier Wohnung. Bewerbungen erbitten an den Vorstand gelangen zu lassen. 
Erfelden bei Darmstadt. 
Der Vorstand Meier Sternfels I."  
  
Erfelden FrfIsrFambl 15091911.jpg (26092 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Frankfurt am Main. Vakanzen. - Erfelden, Lehrer Kantor und Schächter per 1. November, Einkommen 1150 Mark; ..."

      
Anerkennung für Lehrer Elias Lippmann zum Abschied von Erfelden 1902  

Erfelden Israelit 27031902.jpg (76540 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1902: "Erfelden, 14. Adar. Eine freudige Überraschung wurde heute, am Purim, dem Herrn Lehrer Elias Lippmann seitens der hiesigen Gemeinde zuteil. Im Namen der Gemeinde überreichte ihm der erste Vorsteher, Herr M. Sternfels I., einen prachtvollen silbernen Pokal zum Geschenk. Herr Lippmann war bei unserer Gemeinde sechs Jahre als Kantor, Schochet und Lehrer tätig und war er als streng-frommer Jehudi und Sohn der Tora sowie durch seine treue Pflichterfüllung im Amte, sehr geachtet und beliebt, und wird sein Scheiden aus der hiesigen Gemeinde allseitig bedauert. Wir wünschen ihm das beste Glück zum weiteren Fortkommen." 

  
M. Hall wird als Volksschullehrer definitiv angestellt (1915) 

Erfelden Israelit 22041915.jpg (28289 Byte)Meldung aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1915: "Erfelden, 8. April (1915). Das Großherzogliche Ministerium zu Darmstadt hat Herrn M. Hall die Rechte eines Volksschullehrers mit definitiver Anstellung verliehen. Derselbe ist schon seit Monaten an der hiesigen Volksschule angestellt und unterrichtet in allen Fächern."   
  
Gedern Israelit 16091915.jpg (45927 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1915: "Aus Hessen. Die hessische Regierung hat in der jüngsten Zeit wieder zwei jüdischen Religionslehrern die Rechte eines Volksschullehrers verliehen, so Herrn Kollegen Halle in Erfelden (Starkenburg) und vor einigen Tagen Herrn Kollegen Bauer in Gedern (Oberhessen). Ist damit auch der großen Menge der Religionslehrer nicht geholfen, so hat immerhin die Regierung ihren guten Willen gezeigt." 

   
   
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben  
 
Die Gemeinden Wolfskehlen, Goddelau und Erfelden schaffen gemeinsam einen Leichenwagen an und weihen diesen zur zur Beisetzung von Salomon Montag aus Goddelau ein (1885)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1885: "Darmstadt, im Dezember (1885). Es ist als eine recht erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, dass selbst in kleinen jüdischen Landgemeinden, wo man noch den überlieferten Satzungen und Bräuchen mit gewissenhafter Treue anhangt, man in jüngster Zeit bestrebt ist, manchem heiligen Brauche die veraltete Missgestalt abzunehmen, ihn in ein modernes Gewand zu kleinen und auf diese Weise dem Sinne für Anstand und Schicklichkeit Rechnung zu tragen. Ein Beispiel hierzu lieferten dieser Tage die kleinen jüdischen Gemeinden Wolfskehlen, Goddelau und Erfelden. In der Provinz Starkenburg bestehen nämlich ungefähr 5 bis 6 israelitische Friedhofsverbände, von welchen an manchem 10 bis 15 oder gar noch mehr Landgemeinden partizipieren, und von diesen liegen die meisten stundenweit von dem gemeinschaftlichen Begräbnisplatze entfernt. Tritt in einer solchen Gemeinde ein Todesfall ein, so wird der Verstorbene, nachdem sein Tod vom Arzte konstatiert und die Erlaubnis, ihn zu begraben, erteilt worden ist, in einen Sarg (Oron) gelegt, dieser auf einen Wagen geladen und unter Begleitung der Verwandten, Freunde, Glaubensgenossen etc. bis zum Begräbnisplatze gefahren und daselbst begraben. Dieser Wagen besteht gewöhnlich in einem sogenannten Leiterwagen, manchmal aber auch in einem Mistwagen. Eine Leiche, auf einen solchen Wagen gesellt, bietet wahrlich einen ganz widerlichen Anblick dar, der noch vergrößert wird, wenn dieselbe stundenlang im Regenwetter transportiert wird. Da haben sich denn jüngstens die oben erwähnten 3 Gemeinden, deren gemeinschaftlicher Begräbnisplatz bei dem Kreisstädtchen Groß Gerau liegt, zusammengeschart, aus eigenen Mitteln die erforderliche Summe Geldes aufgebracht, und mit dieser einen bedeckten, mit schwarzem Tuche überzogenen Totenwagen sowie auch einen schwarzen Anzug für den Fuhrmann angekauft. Herr M. Sternfels aus Erfelden bewilligte überdies 2 schwarze Decken für die Pferde. Und am Sonntag, den 21. dieses Monats wurde der erste Tote, Salomon Montag aus Goddelau, in dieser modernen Bestattungsart zu Grabe gebracht. Sowohl seitens der Juden wie der Christen wurde diese Neuerung mit Beifall aufgenommen, und bereitet den dortigen Israeliten desto mehr Ehre, als, wie man hört, die meisten nicht zu den Reichen gezählt werden können, aber sich dennoch bereit fanden, dem Fortschritt dieses Geldopfer zu bringen. - Es gibt allerdings noch viele Orthodoxe, die in solcher Neuerung eine Nachahmung fremder Sitten erblicken und sie daher für unerlaubt halten. Aber möchten sie doch des Ausspruches des Talmuds eingedenk sein, dass die Israeliten zwar die fremden törichten Sitten meiden, dagegen die vernünftigen und löblichen nachahmen sollen. Und man wird doch wahrlich die Sitte, die Totenbestattung in einer schönen anständigen Form zu verrichten und dadurch ihr Ansehen und ihre Wertschätzung zu erhöhen, zu den löblichen rechnen müssen.   
Am Grabe des verstorbenen Salomon Montag hielt Rabbiner Dr. Landsberger eine ergreifende Rede; während des Leichenzuges läuteten die Glocken der Kirche."        

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 

Auszeichnung für den Vorsteher der jüdischen Gemeinde Liebmann Stier (1912)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. November 1912:  "Darmstadt. Liebmann Spier, 1. Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde Assenheim-Bruchenbrücken und Meier Sternfels I., 1. Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde Erfelden, erhielten das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift 'Für langjährige treue Dienste' am Bande des Verdienstordens.       

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 

Anzeige des Manufaktur- und Kolonialwarengeschäftes Julius Sternfels (1903)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1903: 
"Lehrlingsstelle  
in meinem am Schabbos und Jomtof (Feiertag) geschlossenen Manufaktur- und Kolonialwaren-Geschäft per 20. April oder 1. Mai unter günstigen Bedingungen offen. Kost und Logis frei im Hause. 
Julius Sternfels,
Erfelden am Rhein."           

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Zunächst besuchten die jüdischen Einwohner in Erfelden die Synagoge in Wolfskehlen. An die Einrichtung einer Synagoge in Erfelden machte sich die Gemeinde erst nach der Loslösung von der Gemeinde in Wolfskehlen 1875. Man konnte in der Neustraße das Gebäude einer früheren Bäckerei erwerben, das zu einer Synagoge umgebaut wurde. Für die Frauen wurde keine Empore eingebaut, sondern eine Abteilung im Erdgeschoss mit separatem Eingang eingerichtet. Auffallend sind die Spitzbogenfenster, da gotische Stilelemente im Synagogenbau sehr selten sind. Das Gebäude hat einen quadratischen Grundriss und ist nicht unterkellert. Insgesamt handelte es sich bei der Synagoge in Erfelden um eine charakteristische Dorfsynagoge.   
   
Am 6. Dezember 1877 konnte die Synagoge in Anwesenheit des orthodoxen Rabbiners von Darmstadt, Dr. Marx eingeweiht werden. 
 
1927
wurde das 50jährige Jubiläum gefeiert.   
     
Das Synagogengebäude wurde 1937 von der jüdischen Gemeinde an Philipp Glock III verkauft und wenig später zu einem Wohnhaus umgebaut. 
   
In den Jahrzehnten nach 1945 geriet das ehemalige Synagogengebäude in einen immer schlechteren Zustand. 

Erfelden Synagoge 210.jpg (39258 Byte)1989 gründeten Bürgerinnen und Bürger einen "Förderverein jüdische Geschichte und Kultus im Kreis Groß-Gerau" , der das Gebäude im Juni 1989 kaufte und in langwieriger Arbeit von 1989 bis 1993 restaurierte. Im August 1993 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Bereits 1991 hatte der Förderverein einen Denkmalschutzpreis erhalten. 

Am 18. Mai 1994 wurde die ehemalige Synagoge als Kultur- und Begegnungszentrum eingeweiht. An der Feier nahmen auch der hessische Ministerpräsident Hans Eichel und Landesrabbiner Chaim Lipschitz teil.

(Foto links: Mitglieder des Fördervereines vor der restaurierten Synagoge; Quelle: Förderverein)

Adresse/Standort der SynagogeNeugasse 43   

Kontakt zum Förderverein  siehe Informationsseiten des Vereins  
      

Fotos / Darstellungen  

Historischer Plan und Foto
(Quelle: Altaras s.Lit.)
Erfelden Synagoge 125.jpg (52421 Byte) Erfelden Synagoge 126.jpg (70607 Byte)
  Plan zum Umbau der Synagoge 
in ein Wohnhaus (1938)
Das Synagogengebäude vor der 
Restaurierung (1988)
     
Einweihung der restaurierten Synagoge am 18. Mai 1994 
(Foto: Ernst Standhartinger; Quelle)
Erfelden Synagoge 220.jpg (34831 Byte)
  Von rechts nach links: Landesrabbiner Chaim Lipschitz, Ministerpräsident Hans Eichel, 
Pfarrer Walter Ullrich (Vorsitzender des Fördervereins), verdeckt: Landrat Enno Siehr
      
Die ehemalige Synagoge 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.7.2007)
Erfelden Synagoge 145.jpg (67033 Byte) Erfelden Synagoge 147.jpg (60115 Byte)
  Das Synagogengebäude von der Neugasse aus gesehen
   
Erfelden Synagoge 148.jpg (53964 Byte) Erfelden Synagoge 146.jpg (54859 Byte) Erfelden Synagoge 149.jpg (81192 Byte)
  Veranstaltungshinweis Hof rechts der Synagoge
        
        
Innenaufnahmen 
(Quelle: Förderverein)
Erfelden Synagoge 213.jpg (40398 Byte) Erfelden Synagoge 211.jpg (33636 Byte)
    Innenraum mit dem aus der Synagoge in Biebesheim stammenden Parochet (Toraschreinvorhang) 
   
   Erfelden Synagoge 212.jpg (56018 Byte) Erfelden Synagoge 214.jpg (31621 Byte)
   Chanukkaleuchter in einer der Vitrinen Rundfenster

    
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Mai 2010: Foto-Ausstellung zu jüdischen Friedhöfen in der ehemaligen Synagoge  
Artikel in der "Frankfurter Neuen Presse" vom (Artikel): "Fotos von jüdischen Friedhöfen
Gerau.
Mörfelden-Walldorf/Kreis Groß-Gerau. In der ehemaligen Synagoge von Erfelden zeigen die Fotografen Renate Mollowitz, Heinz Jürgen Huxhorn und Hans-Jürgen Enkelmann vom Fotoclub-Mörfelden Walldorf insgesamt 28 Werke, die sie auf jüdischen Friedhöfen aufgenommen haben. 
Die Idee für eine Ausstellung war im vergangenen Sommer in Wageningen entstanden, der holländischen Partnerstadt von Mörfelden-Walldorf, und zwar auf Anregung vom ehemaligen Stadtrat Hans-Jürgen Vorndran, der die Gruppe dorthin begleitete...".   
 
 

 
      
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Riedstadt  

Website des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau  

Informationsseite zur ehemaligen Synagoge Erfelden bei www.gg-online.de  

Informationsseite der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Erfelden 
    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 166.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 137. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 116-117.
Angelika Schleindl: Verschwundene Nachbarn. Jüdische Gemeinden und Synagogen im Kreis Groß-Gerau. Hg. Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau und Kreisvolkshochschule. Groß-Gerau 1990.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 170-171.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 81-82.
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Erfelden  Hesse.  Twenty-five Jews were living there in 1828, but the community was not established until 1875, when it numbered around 50 (6 % of the total). Most Jews left before 1937.  
   
   

                   
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Stand: 10. Juli 2014