Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Assenheim (Gemeinde Niddatal) mit Bruchenbrücken (Stadt Friedberg) (Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen            
Links und Literatur   

        

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
    
In Assenheim (1275 als Stadt genannt) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42.   
 
Bereits im Mittelalter lebten Juden in der Stadt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind erstmals Juden nachweisbar. 1277 versetzte Rudolf von Habsburg dem Ulrich I. von Hanau die Steuer der Juden zu Assenheim, Münzenberg und Nidda für 300 Mark Kölner Pfennige, zahlbar in Jahresraten von 30 Mark. Die Assenheimer Judensteuer betrug 1278 14 Mark Aachener Pfennige. König Albrecht I. bestimmte im Juli 1306, dass die Steuer der Juden in den Orten Münzenberg, Assenheim und Königstein je zur Hälfte ihm und den Grafen von Falkenstein zufallen sollte. Namentlich werden aus Assenheim die Juden Lypmann und Rechelin genannt, die 1341 und 1348 finanzielle Transaktionen in die Frankfurter Gerichtsbücher eintragen ließen. Bei der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden die Juden der Stadt ermordet. 1351 sprach Ulrich III. von den "vergangenen" Juden, als er sich aufs neue mit den Juden zu Assenheim und mehreren anderen hessischen Orten belehnen ließ. Erst nach der Verfolgung in der Pestzeit werden ein "Judenhoff" und "judenhuser" genannt (1355/1360/1375), die sich damals nicht mehr in jüdischem Besitz befanden. 
  
Zwischen 1373 und Anfang des 16. Jahrhunderts waren jüdische Personen / Familien in der Stadt in unterschiedlicher Anzahl ansässig. Sie waren als Geldverleiher tätig. 1418 wurden die Assenheimer Juden von König Sigmund mit 5 Gulden zu einer Judensteuer des Reiches herangezogen. 1511 forderte die Herrschaft Hanau eine Judensteuer. Von einer Vertreibung der Juden aus der Stadt ist nichts bekannt.      
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17./18. Jahrhundert zurück. 1670 wurden 20 jüdische Einwohner gezählt. In Bruchenbrücken werden 1691 Juden erwähnt. Bis ca. 1724 bildeten die Assenheimer Juden gemeinsam mit denen aus Nieder-Wöllstadt eine Gemeinde. Mitte des 18. Jahrhunderts zogen einige Familien aus Böhmen (Verfolgungen unter Maria Theresia) zu (vgl. Familiennamen Reichenberg und Rappolt).       
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Assenheim 1828 37 jüdische Einwohner, 1861 87 (9,2 % von insgesamt 942 Einwohnern), 1871 96, 1880 72 (7,0 % von insgesamt 1.033), 1900 50 (5,1 % von 970), 1910 35 (3,5 % von 1.132); in Bruchenbrücken 1830 26, 1898 16 jüdische Einwohner. 
  
Die jüdischen Einwohner lebten vor allem vom Handel mit Manufakturwaren. Es gab auch jüdische Viehhändler und Metzger. An beiden Orten waren die jüdischen Einwohner völlig in das allgemeine Leben des Ortes (auch in das Vereinsleben) integriert, wie u.a. im Bericht zum Geburtstag von Lehrer J. Ehrmann (1881, siehe unten) deutlich wird, der auch Dirigent des örtlichen Gesangvereins "Frohsinn" war.     
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern werden u.a. genannt: J. Ehrmann (um 1881), Wunsch (um 1893), Leopold Stein (1898, gest. 1899, Grab im jüdischen Friedhof Assenheim), J. Markus (von vor 1900 bis nach 1924). Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat in Gießen.      
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Salomon (Sally) Goldschmidt (geb. 10.2.1887 in Nieder-Mockstadt, später in Assenheim wohnhaft, gef. 12.5.1915).     
 
Um 1924, als zur Gemeinde 26 Personen in Assenheim gehörten (2,1 % von insgesamt 1.244 Einwohnern, dazu 14 in Bruchenbrücken), waren die Gemeindevorsteher Leopold Reichenberg und L. Schmitz (beide aus Assenheim) sowie Louis Reichenberg (Bruchenbrücken). Lehrer J. Markus, der damals sechs Kinder der Gemeinde in Religion zu unterrichten hatten erteilte den Religionsunterricht auch in umliegenden Orten, u.a. in Altenstadt, Höchst an der Nidder und Marköbel. 1932 waren die Gemeindevorsteher: Siegmund Schnitzler (1. Vors., Assenheim), Max Reichenberg (2. Vors., Bruchenbrücken) und Max Frank (3. Vors., Bruchenbrücken). Inzwischen gehörten auch die in Bönstadt noch lebenden jüdischen Personen (1932: 9) zur jüdischen Gemeinde Assenheim.     
   
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in der Stadt (1,7 % von 1.216 Einwohnern, in 12 Familien).
In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 waren nur noch neun jüdische Personen in der Stadt. Damals ist die Synagoge verwüstet worden (s.u.). Eine größere Menschenmenge, aufgestachelt durch den NSDAP-Ortsgruppenleiter, überfiel das Haus des Viehhändlers Hermann Liebmann und seiner Frau Jeanette geb. Reichenberg (beides ältere Leute) und zerstörte darin das gesamte Inventar. Jeanette Liebmann wurde mit Steinen beworfen und schwer verletzt; Hermann Liebmann wurde unter Stockschlägen die Landstraße entlang zur Nidda gejagt, wo er blutüberströmt zusammenbrach. Die jüdischen Männer, unter ihnen Max und Heinz Liebmann, Sohn und Enkel von Hermann Liebmann wurden vier Tage und Nächte ohne Wasser und Brot im Rathaus festgehalten und danach in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis auf zwei wurden die letzten jüdischen Einwohner im Frühjahr 1942 von Assenheim aus deportiert (vier Personen). Am Ort bleiben konnten zunächst die mit nichtjüdischen Partnern verheirateten Max Liebmann und Benno Schmitz. Sie mussten Zwangsarbeit leisten und wurden noch 1943 (Benno Schmitz) beziehungsweise im Februar 1945 (Max Liebmann) in das KZ Theresienstadt eingewiesen, haben jedoch überlebt.  
   
Von den in Assenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):´Martha Adler geb. Buxbaum (1902), Emma Berenz geb. Weisbecker (1890), Gustav Louis Berenz (1893), Ilse Berenz (1922), Meta Blumenthal geb. Zinsheimer (1896), Max Buxbaum (1895), Berta Grünebaum geb. Ladenburg (1885), Berthold Grünebaum (1877), Dora Grünebaum (1912), Sally Isenburger (1872), Hermann Liebmann (1865), Alice Löwenthal geb. Schnitzler (1908), Frieda Marx (1865), Frieda Mayer geb. Buxbaum (1897), Rosa Nessenberger (1877), Isidor Reichenberg (1877), Klara Schmitz geb. Liebmann (1878), Sally Simon (1889), Selma Stiefel geb. Haas (1876), Clothilde Weiler geb. Haas (1872), Ida Wollisch geb. Kahn (1874), Hilda Wunsch (1884).  
  
Aus Bruchenbrücken sind umgekommen: Hugo Frank (1910), Adele Kahn geb. Reichenberg (1891), Paula Mayer (1933), Aron Adolf Reichenberg (1867), Moritz Reichenberg (1878), Sally Reichenberg (1886).           
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1857 / 1871 / 1893 / 1910 (Aushilfs-Vorbeter)

Assenheim AZJ 12011857.jpg (82126 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1857: "Konkurrenzeröffnung
Die Lehrer- und Vorsänger-Stelle bei der israelitischen Gemeinde Assenheim mit Bruchenbrücken ist vakant und sogleich zu besetzen. 
Der Gehalt ist jährlich 150 Gulden fixe Besoldung und freie Wohnung. 
Außerdem aber können noch ca. 80 Gulden verdient werden, wenn der Lehrer zugleich Schächter ist, welche Stelle mit vergeben wird. 
Konkurrenzfähige Bewerber haben unter Vorlage ihrer Zeugnisse sich bei dem unterzeichneten Vorstand in Assenheim portofrei zu melden.    
Assenheim im Großherzogtum Hessen, in der Wetterau, den 29. Dezember 1856. 
Der israelitische Vorstand. Jacob Simon." 
 
Assenheim israelit 19041871.jpg (40194 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "In der israelitischen Gemeinde Assenheim (Großherzogtum Hessen) ist die Stelle eines Vorsängers und Lehrers vakant. Fixer Gehalt 300 Gulden nebst freier Wohnung und Heizung. Nebenakzidenzien 100 Gulden, wenn derselbe Schächter ist. 
Die Stelle kann schon anfangs Mai besetzt werden. Der Vorstand."     
 
Assenheim Israelit 24071893.jpg (44348 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1893: "Vakanz
Die Religionslehrer, Chasan- (Vorbeter-) und Schochet-Stelle der Gemeinde Assenheim mit Bruchenbrücken in der Wetterau soll bis zum 1. September dieses Jahres besetzt werden. Gehalt 600 Mark pro Jahr nebst schöner, freier Wohnung mit Garten, Erträgnissen aus der Schechita und sonstige Nebeneinkommen. 
Meldungen mit Zeugnisabschriften innerhalb 8 Tagen erbittet Lehrer Wunsch, Assenheim in der Wetterau."    
 
Assenheim FrfIsrFambl 29071910.jpg (37109 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Juli 1910
"Für die Gemeinde Assenheim wird ein tüchtiger Vorbeter zur Aushilfe für Jomkippur gesucht
Offerten mit Preisangabe. L. Spier, Bruchenbrücken bei Friedberg."    

  
Geburtstag von Lehrer J. Ehrmann (1881)

Assenheim HE Israelit 05101881.jpg (78101 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1991: "Assenheim, 27. September (1881). Am Dienstag, den 27. September feierte der hiesige israelitische Lehrer, J. Ehrmann, gleichzeitig Dirigent des dahier bestehenden Gesangvereins 'Frohsinn', seinen Geburtstag. Abends brachte demselben der Gesangverein ein solennes Ständchen mit Lampions, und überreicht der Präsident unter einer sehr gelungenen Ansprache dem Lehrer Ehrmann einen prachtvollen Sessel mit Schlummerrolle.   
Gewiss ein Zeichen der Anerkennung seitens des Vereins und besonders in der jetzigen Zeit, wo fast überall das Rischuß (gemeint: Antisemitismus) herrscht, während hier - Gott sei Dank - Alles in Freundschaft und Einigkeit zusammenlebt."    
      
Website des Gesangvereins "Frohsinn 1845 Assenheim e.V.", der bis heute besteht.  

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Spendenaufruf von Lehrer L. Stein (1898) 
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Teure Glaubensbrüder! 
Ein wahrhaft frommer Jehudi, der sich sein Leben lang und seine zahlreiche Familie durch einen kleinen Hausierhandel kümmerlich, aber ehrenhaft ernährt, ist plötzlich den Seinigen entrissen worden und sein Tod wird von einer leidenden, älteren, verlassenen Witwe sowie fünf unversorgten Kindern betrauert.  Vermögen ist nicht das geringste vorhanden und alte Schulden müssen und sollen bezahlt werden. Den Unglücklichen würde das Schlimmste bevorstehen, wenn sich gute Menschen nicht ihrer erbarmen. Daher wende mich bittend an die verehrlichen Leser und Leserinnen dieser Zeitung, diese hart geschlagene Witwe nebst Kindern nach Kräften unterstützen zu helfen. Etwaige milde Gaben wolle man gefälligst an die Geschäftsstele dieses Blattes unter 4960 (wo auch die Adresse der Familie zu erfahren ist), oder auch an den Unterzeichneten einsenden. 
L. Stein,
Lehrer, Assenheim."    

     
Schilderung der Gemeinde unter Lehrer J. Markus und Mitteilung des Todes von Frau Buchsbaum (1900)

Assenheim Israelit 04011900.jpg (103908 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1900: "Assenheim, 28. Dezember (1899). Den Lesern des 'Israelit' dürfte es nicht uninteressant sein, zu erfahren, dass sämtliche Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde trotz ihres schweren Kampfes ums Dasein, die meisten beschäftigen sich mit dem Manufakturhandel, streng den Sabbat feiern, was gegenwärtig leider zu den Seltenheiten gehört. Was mich noch besonders überrascht, ist die Liebe zu unserer heiligen Tora, welche hier herrscht. Täglich versammeln sich die Herren eine Stunde vor Maariv (Abendgebet) im Hause ihres Lehrers, Herr J. Markus, um von ihm dort vorgetragene Abschnitte aus dem Schulchan aruch und anderen Seforim (Bücher) mit der größten Aufmerksamkeit zu lauschen. Herr Markus ist Zögling des Kölner Seminars und ein guter Talmudist, und versteht es, seine Zuhörer zu fesseln und sie für unsere Emunah (Wahrheit, hier gemeint: jüdische Religion) zu begeistern. Möge dieses Verfahren des Herrn Markus überall Nachahmung finden. 
In der vorigen Woche ist hier Frau Buchsbaum im Alter von 81 Jahren gestorben. Sie war eine wirkliche Esches chajil (wackere Frau) und wurde allgemein die Fromme genannt. So kam es auch, dass nicht allein die Glaubensgenossen, sondern auch sehr viele Nichtjuden von dem Städtchen und seiner Umgebung herbeieilten, um der Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Die warmen Worte, welche Herr Markus ihr nachsagte, drangen tief ins Herz, sodass alle Anwesenden innigst gerührt wurden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

  
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1936!)  

Assenheim GblIsrGF August1936 437.jpg (62809 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom August 1936 S. 437: "Assenheim. Altes Städtchen von 1200 Einwohnern, darunter 6 jüdischen Familien. Juden wohnen hier schon 1278, werden von Rudolf von Habsburg 1351 an Ulrich von Haynow (Hanau) verpfändet. 1495 wird der Jude Wolf von Assenheim (Assernin) genannt. Eine Gemeinde besteht wohl bald nach dem 30-jährigen Krieg, hat 1670: 20 Seelen. Um 1900 sinds über 50, vor dem Weltkrieg 35 Seelen, zu denen noch die Juden von Bruchenbrücken gehören. Heute noch 6 Familien. Der langjährige Religionslehrer wohnt nun in dem zentraler gelegenen Groß-Karben. Alte kleine Synagoge. - Schönes Schloss der Grafen von Solms-Rödelheim. - Von Assenheim in 6 Minuten Bahnfahrt nach Friedberg in Hessen."     

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde      

Zum Tod von Frau Süschen Hirsch (1872)  

Assenheim Israelit 28021872.jpg (109530 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1872: "Nekrolog
Wetterau
. Am 13. dieses Monats wurde unsere Gegend durch eine erschütternde Trauerkunde in die schmerzlichste Aufregung versetzt. Die allverehrte Frau Süschen Hirsch, Gattin des Herrn S. Hirsch von Assenheim, wurde uns, noch in den vierziger Jahren stehend, plötzlich entrissen.
Dieser Verlust traf nicht bloß den trauernden Gatten, dem sie eine treue Gefährtin durch alle Wege des Lebens gewesen, und ihre Tochter, der sie eine zärtliche Mutter, sondern die ganze Familie, der sie eine aufopfernde Freundin war.
Die Tugenden und Vorzüge der Verblichenen hier zu schildern ist nicht möglich. Was aber besonders hervorgehoben zu werden verdient ist ihre echte Religiosität und ihre unbegrenzte Wohltätigkeit. Wie das Haus ihres Gatten, das wirklich (so gastfreundlich) wie das Haus unseres Vaters Abraham ist, so war sie auch im vollen Sinne des Wortes eine Mutter und Helferin der Armen. 
Möge der Allgütige den tiefgebeugten Gatten, die trauernde Tochter und der schmerzlich bewegten Familie lindernden Balsam in die blutenden Herzen träufeln, der Verklärten aber in jenen lichten Höhen den reichsten Lohn zuteil werden lassen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. K.M. in B."      
    
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1872: "Nekrolog
Assenheim, 4. März (1872). Donnerstag, 14. Februar fand unter allgemeiner Beteiligung das Leichenbegängnis der seligen Frau Süßchen Hirsch, von deren zu frühem Hinscheiden in Nr. 9 dieses Blattes berichtet worden, statt. Nciht allein fast sämtliche Israeliten der gesamten Umgegend, sondern auch sehr viele Christen, unter ihnen die beiden Geistlichen und die beiden christlichen Schullehrer - an hiesigem Orte das erste derartige Vorkommnis - hatten sich dazu eingefunden. Auf allen Gesichtern malte sich der innigste Schmerz und die tiefste Trauer. Die Dahingeschiedene war eine Mutter der Waisen, eine Trösterin der Unglücklichen, eine Wohltäterin der Armen. - Herr Rabbiner Dr. Levi von Gießen hielt die Leichenrede und gab der Trauer der Anwesenden den angemessenen Ausdruck. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

    
25-jähriges Vorstandsjubiläum von Liebmann Spier (1908)  

Assenheim Israelit 03121908.jpg (43403 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1908: "Assenheim, 30. November (1908). Vergangenen Freitag feierte Herr Spier sein 25-jähriges Vorstandsjubiläum des Israelitischen Gemeinden Assenheim und Bruchenbrücken. Aus diesem Anlass wurde dem um seine Gemeinden sehr verdienstvollen Herrn Spier ein künstlerisches Ehrendiplom überreicht. Abends fand ein Festessen statt."     

    
Auszeichnung für den Vorsteher der jüdischen Gemeinde Liebmann Stier (1912)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. November 1912:  "Darmstadt. Liebmann Spier, 1. Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde Assenheim-Bruchenbrücken und Meier Sternfels I., 1. Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde Erfelden, erhielten das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift 'Für langjährige treue Dienste' am Bande des Verdienstordens.       

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
Anzeige von Salomon Simon (1891)  

Assenheim Israelit 12031891.jpg (46447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1891: "Ich suche für meine Tochter, 16 Jahre alt, sehr kräftig, in allen häuslichen Arbeiten, sowie im Nähen sehr tüchtig, passende Stelle in einem besseren Hause. Es wird weniger auf hohen Lohn, als auf familiäre Behandlung gesehen. 
Offerten sind zu richten an Salomon Simon, Assenheim in der Wetterau."    

   
Anzeige der Frau von D. Zinsheimer (1902)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1902: 
"Ein junges Mädchen 
in kleinen Haushalt, bei guter Behandlung, gesucht. 
Frau D. Zinsheimer,
Assenheim (Wetterau)."      

   
Anzeige von L. Spier (Bruchenbrücken, 1905)   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. März 1905: "Tüchtiges, fleißiges Mädchen, da auch kochen kann, gesucht. Dauernde gute Stellung und Familienanschluss. Offerten an L. Spier, Bruchenbrücken bei Friedberg."   

        
Verlobungsanzeige von Grete Reichenberg und Felix Meyer (1912)   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Dezember 1912:  "Statt jeder besonderen Anzeige. 
Grete Reichenberg - Felix Meyer. Verlobte
Assenheim (Hessen) - Frankfurt am Main Königswarterstraße 11. 
Empfang: Samstag, den 14. Dezember, Sonntag, den 15. Dezember."      

    
    
 
   
Zur Geschichte der Synagoge  
    
Bereits im Mittelalter dürfte es eine Synagoge in dem "judenhoff" gegeben haben.   
   
1704 wird eine "neue Judenschule" (Synagoge) in Assenheim genannt. 
  
1862 wurde nochmals eine neue Synagoge in der Brunnengasse (im Altstadtkern zwischen dem alten Rathaus und der Kirche) erbaut (vermutlich am Standort der älteren Synagoge und im November/Dezember dieses Jahres eingeweiht. Erstellt wurde ein verputzter Massivbau mit steilem Satteldach, Lisenen, Rundbogenfries und Rundbogenfenstern, die auf beiden Seiten zu dreien in eine Gruppe gefasst sind. Der Haupteingang lag im Westen.  
 
Die Synagoge war bis 1936 Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort. In diesem Jahr war die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder bereits so stark zurückgegangen, dass keine Gottesdienst mehr abgehalten werden konnten.     
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und verwüstet. Das Gebäude blieb jedoch erhalten. Nach 1945 wurde es von dem nach Assenheim zurückgekehrten jüdischen Überlebenden Max Liebmann genutzt. 1953 wurde das Gebäude von der Stadt gekauft, 1961 zum örtlichen Feuerwehrhaus umgebaut und als solches bis April 1980 verwendet. Beim Umbau wurden große Tore und eine zweiflügelige Blechtüre eingesetzt, die meisten Rundöffenungen zugemauert und ein Feuerwehrturm auf das Dach gesetzt. Mitte der 1980er-Jahre stand das Gebäude leer, da die Feuerwehr ein neues Gebäude bezogen hatte. 1988 wurde ein Beschluss zur Sanierung der ehemaligen Synagoge gefasst.      
  
1989/90 wurde das Gebäude restauriert und dient seit der Wiedereinweihung im November 1990 als kulturelle Begegnungsstätte. Eine Dauerausstellung erinnert an die frühere jüdische Geschichte. Eine Gedenktafel ist angebracht mit dem Text: "Ehemalige Synagoge der Israelitischen Gemeinde Assenheim-Bruchenbrücken 1862-1938. Zur Erinnerung und zum Gedenken an unsere verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger."
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   Brunnengasse 4    
   
   
Fotos
(Quelle: Plan oben links, Pläne zur Restaurierung sowie sw-Fotos aus Altaras s. Lit. 1988.1994; farbiger Plan aus der Seite des Landesamtes für Denkmalpflege s. Links) 

Pläne zur Lage der Synagoge 
im Assenheimer Altstadtbereich
Assenheim Synagoge 138.jpg (36227 Byte) Plan siehe über den Link zur Seite des
 Landesamtes für Denkmalspflege 
   Lageplanskizze mit Eintragung von Altem
 Rathaus (1), Ehemaliger Synagoge 
mit Vorplatz (2) und Kirche (3)
Lage der ehemaligen Synagoge an der 
Ecke Schäfergasse / Brunnengasse
      
Die ehemalige Synagoge 
vor der Restaurierung (vor 1985) 
Assenheim Synagoge 139.jpg (47680 Byte)   
   Auf dem Foto ist noch im Ansatz der auf das
 Gebäude gesetzte Feuerwehrturm erkennbar
  
      
Pläne zur Restaurierung der ehemaligen Synagoge     
Assenheim Synagoge 136.jpg (40617 Byte) Assenheim Synagoge 135.jpg (53224 Byte) Assenheim Synagoge 137.jpg (45209 Byte)
Ansicht von Osten Nördliche Traufseite Erdgeschoss-Grundriss
     
Die ehemalige Synagoge 
nach der Restaurierung
(Fotos im November 1990)
Assenheim Synagoge 130.jpg (31630 Byte) Assenheim Synagoge 132.jpg (49122 Byte)
  Blick vom Alten Rathaus zur 
ehemaligen Synagoge
Blick von der ehemaligen Synagoge 
zum Alten Rathaus
     
  Assenheim Synagoge 133.jpg (45731 Byte) Assenheim Synagoge 131.jpg (39528 Byte)
  Die östliche Giebelseite mit 
dem jetzigen Eingang
Die westliche Giebelseite, an der auch 
die Gedenktafel angebracht ist
     
   neue Fotos werden noch eingestellt
     

      

    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Niddatal    

Seite des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen zur Synagoge in Assenheim 

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Assenheim 

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 28-29; III,1 S. 36-38. 
Rudolf Lumitsch: Geschichte der Stadt Assenheim. Hier auch ein Abschnitt zu Geschichte der Juden in Assenheim. 1977.  
Friedrich Battenberg: Assenheimer Judenpogrome vor dem Reichskammergericht. In: 900 Jahre Geschichte der Juden in Hessen. Wiesbaden 1983.     
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 48-49.   
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 17-18.    
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 180-181.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 145-146.  
dies.: Neuauflage der beiden Bände. 2007. S. 370-372.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 329-330.    
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 77. 
Hans-Helmut Hoos: Die Lebenserinnerungen des Friedberger Juden Heinrich (Henry) Buxbaum (1900-1979). Einführung und Edition (1) in Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde NF 46 (1988), Einführung und Edition (2) in ebd. NF 47 (1989).
Dieser Beitrag ist auch erschienen unter dem Titel: "Scherben der Erinnerung - Memoiren des Wetterauer Juden Henry Buxbaum". 246 S. Friedberg 1994.
ISBN-10: 3870760788.    In diesem Buch gibt es verschiedene Bezüge zur jüdischen Geschichte in Assenheim.  
Johannes Winter: Herzanschläge. 1993.  Hieraus der Beitrag: Der Pogrom von Assenheim. Ermittlungen über das Verschwinden von Juden, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen aus dem Dorf.  

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Assenheim  Hesse.  Jews lived there around 1277-1349 and from the late 15th century onward. Prominent in the cattle trade, they numbered 87 (9 % of the total) in 1861. The last few were deported to Poland on 30 September 1942.   
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. November 2015