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"Synagogen im Kreis Groß-Gerau"
Wallerstädten (Stadt
Groß-Gerau, Kreis Groß-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Wallerstädten bestand eine jüdische
Gemeinde bis Ende des 19. Jahrhunderts. Erstmals werden in der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts jüdische Familien am Ort genannt. Aus dem Jahr 1739
wird die Geburt eines Sohnes des Schutzjuden Josef Löw zu Wallerstädten
berichtet. 1740 bekam Feist Löw in Wallerstädten einen Sohn. Dem Götschel
Feist werden 1752, 1757 und 1758 Söhne geboren.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie
folgt: 1830 33 jüdische Einwohner, 1895 17, 1905 12 (1,2 % von insgesamt
991 Einwohnern).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof
in Groß-Gerau beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Darmstadt.
1933 lebten noch acht jüdische Personen in Wallerstädten, die zur Gemeinde
in Groß-Gerau gehörten. Es handelte
sich um die Familien Oppenheimer (drei Personen) und Rohrheimer (bis zu neun
Personen). Gustav Oppenheimer war Inhaber eines Landprodukten-, Spezerei- und
Textilhandels (Kirchgasse 6). Beim Novemberpogrom 1938 wurde sein Besitz geplündert.
Familie Rohrheimer lebte Am Hanfgraben.
Von den in Wallerstädten geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosalie Blatt geb. Hirsch
(1882), Dina Oppenheimer geb. Kron (1864), Gustav Oppenheimer (1862), Gustav
Oppenheimer (1893), Jenny Oppenheimer (1889), Lina (Linchen) Rohrheimer (1860),
Salomon Rohrheimer (1864), Dora Weinberger geb. Oppenheimer (1885).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Wallerstädten gefunden. |
Zur Geschichte der Synagoge
Am 9. Juli 1864 erhielt Feist Hirsch die Genehmigung,
auf dem Grundstück Sanddeich 1 ein Wohnhaus für die israelitische Gemeinde zu
erbauten. 1865 wurde dieses Haus als jüdisches Gemeindezentrum erstellt,
in dem eine Synagoge (mit Frauenempore) und die Wohnung für den Lehrer (im
Dachgeschoss) eingebaut waren. In einem Anbau von 1869 wurde ein rituelles Bad
eingerichtet.
Bereits um 1895 wurde auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen
Einwohner die Synagoge geschlossen. 1897 baten Gerson und Max Oppenheimer
um die Genehmigung zum Verkauf der Synagoge, da die Gemeinde damals nur noch aus
drei Männern bestand. 1898 ist das Gebäude an eine nichtjüdische Familie
verkauft worden, die es zu einem Wohnhaus umbaute.
Adresse/Standort der Synagoge: Sanddeich
1
Fotos
(Quelle: Obere Zeilen: Schleindl S. 341; Fotos von 2007:
Hahn, Aufnahmedatum 6.7.2007)
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 161. |
 | Angelika Schleindl: Verschwundene Nachbarn.
Jüdische Gemeinden und Synagogen im Kreis Groß-Gerau. Hg. Kreisausschuss
des Kreises Groß-Gerau und Kreisvolkshochschule. Groß-Gerau 1990. |

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