Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Haßloch (Kreis Bad Dürkheim) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 
 
(Bitte besuchen Sie auch die Website des Freundeskreises "Jüdische Mitbürger" in Haßloch  www.juedisches-hassloch.de

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Haßloch bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1722 werden die Schutzjuden Josel, Löw und Samuel in Haßloch genannt, 1744 sind es die Juden Jessel, Jessel Beer, Schmul, Schammay, Abraham Samuel, Wolf Löw, Jones, Simon Jossel und Juda, die - wahrscheinlich großenteils mit ihren Familien - in Haßloch lebten. 1768 werden 33, 1783 44 jüdische Einwohner am Ort gezählt.    

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 32 jüdische Einwohner (1,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 34 (1,1 %), 1821 58, 1825 74 (1,8 %), 1830 90 (in 19 Familien), 1845 103, 1861 128, 1875 100, 1893 102, 1900 76.  
   
1809/10 werden als jüdische Haushaltsvorstände genannt: Marx Behr, Michel Bormann, Friedrich Herz, Peter Herz, Machoel Hirsch, Franz Mayer und Sander Rein. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (1881 letztmals erneuert) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (einer der Lehrer war Emanuel Loew, s.u. Bericht von 1937 zum 90. Geburtstag seiner Witwe). Der letzte jüdische Lehrer der Gemeinde war von 1918 bis 1938 David Martin. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Frankenthal.    
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Emil Hersch (geb. 14.7.1897 in Haßloch, gef. 7.6.1917).   
 
Die jüdischen Familien waren im Leben des Ortes völlig integriert. Bekannte Persönlichkeiten der Gemeinde waren u.a. Sanitätsrat Dr. Salomon Hirsch, Gemeinderat als Mitglied der Mittelstandspartei (1909) und Mitbegründer der "Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz" (1913) oder Leo Loeb, Kaufmann, der noch 1930 zum "Ehrenbürgermeister" (3. Bürgermeister) der Gemeinde ernannt worden ist.  
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 75 Personen gehörten, waren die Gemeindevorsteher H. Hene I, Leo Loeb, Salomon Levi und der bereits genannt Hauptlehrer a.D. David Martin. Dieser hat damals zwei jüdischen Kindern den Religionsunterricht erteilt. Inzwischen gehörten auch die in Kallstadt noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Haßloch (1924 3 Personen). 1932 waren die Gemeindevorsteher H. Hene I (1. Vors.), Leo Loeb (2. Vors.) und Arthur Gebhardt (3. Vors.). Schriftführer, Lehrer und Kantor der Gemeinde war weiterhin der als "Hauptlehrer a.D." genannte David Martin. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er vier Kinder im Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen Frauenverein (1932 unter Leitung der Frau von H. Springer; Zweck und Arbeitsgebiet: Armenunterstützung).      
  
1933 lebten noch etwa 65 jüdische Personen in Haßloch.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1934 wurden 46, 1936 42, 1938 29 und 1939/40 noch drei jüdische Einwohner gezählt: die Letzeren wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Zwei Jahre zuvor war beim Novemberpogrom 1938 die Synagoge der Gemeinde geschändet und verwüstet worden (s.u.). Auch jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden überfallen und demoliert, die Geschäfte geplündert. 
  
Von den in Haßloch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elisabeth Adler geb. Westheimer (1896), Amanda Bohrmann (1882), Dina Bohrmann (1875), Pauline Bohrmann (1874), Rosel (Rosa) Gebhardt geb. Haas (1892), Isidor Hene (1885), Johanna Hene geb. Wolf (1886), Sigmund Hene (1894), Sonia Hene (1932), Herrmann Hersch (1873), Anna Hirsch geb. Loeb (1899), Betty Kuhn geb. Loeb (1876), Maximilian (Max) Kuhn (1874), Anna Löb geb. Westheimer (1885), Leo Löb (1881), Otto Löw (1876), Franziska Mandel geb. Loew (1882), Jenny Marx geb. Bohrmann (1887), Leopold Mayer (1863), Elisabeth Stern geb. Kuhn (1888).      
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet    

Es wurden noch keine Ausschreibungen der Stelle gefunden. 

     
Die israelitische Lehrerstelle ist "durch große Opfer der Gemeinde" gesichert (1908)  

Edenkoben Israelit 18061908.jpg (127610 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1908: "Kaiserslautern, 29. Mai (1908). Die freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz hielt gestern hier im Lokale der Julius Plotke-Loge ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Lehrer Waldbott in Speyer eröffnete die Versammlung, die von etwa 30 Mitgliedern besucht war, mit Dankesworten an die Verwaltung der Loge für die Überlassung ihres Lokales zur Abhaltung der Versammlung, begrüßte alsdann die anwesenden Vertreter der Loge, sowie der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern, welche durch den Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und ein Vorstandsmitglied vertreten war. Das Andenken der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Kollegen Eigner - Oberlustadt und Weil - Edenkoben ehrten die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Rechtsanwalt Dr. Rheinheimer begrüßte hierauf die Versammlung im Namen der Julius Plotke-Loge, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg namens der Israeliten-Gemeinde. Der Jahresbericht der Vorsitzenden erwähnte zunächst die Umwandlung der israelitischen Lehrerstelle in Edenkoben in eine Verweserstelle, was weder den Interessen noch den Erwartungen der israelitischen Lehrer der Pfalz entspreche. Die Erhaltung der israelitischen Lehrerstelle in Haßloch sei durch große Opfer der dortigen Synagogengemeinde erfreulicherweise gesichert. Dagegen harren die Verhältnisse in Kaiserslautern noch immer der definitiven Entscheidung..."   

      
Zum Tod von Hauptlehrer i.R. David Martin (1938)      

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1.Juni 1938:  "Am 13. April verschied nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden Hauptlehrer Martin aus Haßloch.  
Am 20.9.1875 in Cronheim, Mittelfranken geboren, hat er nach einjähriger Dienstzeit in Burghaslach 30 Jahre lang in der Pfalz gewirkt. Nachdem er fünf Jahre in Edesheim und fünf Jahre in Göllheim verbrachte, hat er die letzten zwanzig Jahre, der ihm liebgewordenen Gemeinde Haßloch gedient. Von lebensfroher Art und aufrichtiger, stets gründlicher Gesinnung hat er sich bei allen, die ihn kannten, Verehrung und Liebe erworben. - Wir betrauern seinen Heimgang und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Sein Andenken sei zum Segen. 
Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz."    

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    

Ein antisemitischer Vorfall wird bestraft (1936!)  

Hassloch Israelit 30011936.jpg (99616 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1936: "Landau, 15. Januar (1936). Nach einem Bericht der Zeitung 'Der Rheinpfälzer' in Landau (Pfalz) hatten sich zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht wegen schwerer Körperverletzung, Bedrohung und groben Unfugs zu verantworten. Der eine von ihnen fuhr im August mit der Bahn von Neustadt nach Haßloch. Im gleichen Wagen saß ein jüdischer Viehhändler aus Haßloch, und der eine Angeklagte ließ sich hinreißen, durch Worte wie Aufhängen, Hals abschneiden usw., den Juden zu bedrohen. Beim Aussteigen gab es ihm noch einen Fußtritt, sodass der Jude hinfiel. Am gleichen Abend gingen beide Angeklagte vor das Anwesen des Juden und dessen Schwiegervaters und schlugen dort Krach, sodass die Polizei einschreiten musste. Der Staatsanwalt geißelte das Vorgehen des Hauptangeklagten schwer, weil er mit dem Juden in Geschäftsverbindungen stand und noch immer finanzielle Verpflichtungen an ihn hat, besonders aber auch deshalb, weil ein solches Vorgehen eines Einzelnen nichts nütze. Das Urteil lautete gegen den einen Angeklagten auf drei Monate Gefängnis, die jedoch auf die verbüßte Schutzhaft nicht angerechnet wurden. Der andere Angeklagte wurde freigesprochen".   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 22. Januar 1936:  
Derselbe Bericht wie oben.    

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Vizew. Springer wird zum Leutnant befördert (1918)  

Hassloch FrfIsrFambl 13091918.jpg (23072 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. September 1918: "Haßloch. Vizefeldweber Springer, Sohn der Frau Hermine Springer Witwe, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Militär-Verdienstkreuzes 2. Klasse mit Schwertern, wurde zum Leutnant befördert."    

  
Leo Löb wird Ehrenbürgermeister (1930)  

Hassloch JuedlibZtg 05021930.jpg (49083 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 5. Februar 1930: "Haßloch. (Jüdischer Ehrenbürgermeister). Bei der vor einigen Tagen in Haßloch (Rheinpfalz) stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde, wie wir der Ita entnehmen, der Kaufmann Leo Loeb von allen bürgerlichen Parteien einstimmig zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. Herr Loeb gehört auch dem Synagogenrat als zweiter Vorsitzender an. Er wurde 1881 zu Haßloch als Sohn des Kultusvorstandes Louis Loeb geboren."  
  
Hassloch Israelit 06021930.jpg (33481 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1930: "München. Bei der vor einigen Tagen in Haßloch (Rheinpfalz) stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde der Kaufmann Leo Loeb von allen bürgerlichen Parteien einstimmig zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. Herr Loeb gehört auch dem Synagogenrat zu Haßloch an."  
 
Leo_Loeb.jpg (1550321 Byte) Links: Leo Loeb (geb. 1881, 1930-1933 2. Beigeordneter / Ehrenbürgermeister in Haßloch), 1942 in Auschwitz ermordet).
An ihn erinnert in Haßloch die Leo-Loeb-Straße.      

      
90. Geburtstag der Frau des ehemaligen Lehrers Emanuel Loew (1937)  

Hassloch Israelit 29071937.jpg (50703 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1937: "Bad Dürkheim, 27. Juli (1937). Am Schabbos Nachmu feierte Frau Loew, die Gattin des ehemaligen Lehrers und Chason Em. Loew, früher Haßloch (Pfalz), die jetzt bei ihrer verheirateten Tochter, Frau Mandel in Bad Dürkheim, lebt, in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 90- Geburtstag. Frau Loew ist eine allseits beliebte Persönlichkeit, die sich durch frommes Wesen und große Wohltätigkeit auszeichnete. Wir wünschen der Jubilarin einen weiteren ungetrübten Lebensabend. Alles Gute bis 120!"

    
    
  
 
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Synagoge unbekannten Baujahres vorhanden. Sie war im oberen Stock im hinteren Bereich eines ganz aus Holz erbauten Privathauses (von Jakob Lützel) eingerichtet. Im Erdgeschoss unter der Synagoge befand sich ein Kuhstall.   
 
1835 waren dringende Reparaturen am Synagogengebäude durchzuführen, die jedoch auf Dauer das Gebäude nicht retten konnte. 1843 wurde vom Königlichen Landkommissariat in Neustadt erstmals die Schließung wegen Baufälligkeit angedroht, im Oktober 1846 wurde die weitere Benutzung verboten, da die Balken morsch, die Dachpfetten und Stirnbalken durchbrochen und nur noch mit Eisenklammern notdürftig zusammengehalten würden. Der Bezirksbauschaffner Jung" hatte mit Datum vom 16. Juli 1846 ein Gutachten "Die Baufälligkeit der Synagoge zu Haßloch betreffend" erstellt, das Königliche Landkommissariat daraufhin eine Benutzung bis höchstens zum Laubhüttenfest genehmigt. 
  
Im Dezember 1846 kaufte die Kultusgemeinde ein Haus in der Gillergasse (Brauch'sches Haus in der "Gillergaß No. 946"), das zwar reparaturbedürftig war, aber sich zum Einbau einer Schule und eines Betsaales durchaus eignete. Die Gemeinde hatte 900 Gulden für den Kauf des Hauses zu bezahlen. Noch vor der Reparatur des Gebäudes wurde im Hofraum desselben eine neue Mikwe angelegt. Um die Mikwe erstellen und das gekaufte Haus umbauen zu können, musste ein Kredit über 1.100 Gulden aufgenommen werden, mit dessen Rückzahlung die Gemeindeglieder jahrelang zu tun hatten. Das frühere Brauch'sche Haus wurde umgebaut: im Erdgeschoss wurden Schulsaal, Lehrerwohnung sowie eine "Mietwohnung" eingerichtet, im Obergeschoss der Betsaal. Möglicherweise noch im Dezember 1846 konnte die neue Synagoge bezogen werden, da die Gemeinde im Dezember 1911 das 75-jährige Synagogen-Jubiläum feierte. 
   
75-jähriges Synagogenjubiläum (1911)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Januar 1912: "Am 30. Dezember 1911 feierte die israelitische Gemeinde in Haßloch (Pfalz) das 75-jährige Synagogenjubiläum. Die Feierlichkeit leitet Herr Rabbiner Dr. Holzer aus Worms."      

Um 1865 plante der Synagogenvorstand eine Erweiterung der Synagoge, um eine Art Frauen-Synagoge mit eigenem Zugang zu verschaffen. Gegen diese Pläne gab es in der Gemeinde jedoch erheblichen Widerspruch, vor allem auf Grund der fehlenden Finanzmittel. 
  
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Neubau einer Synagoge geplant. Zunächst wurden Gelder für den Erwerb eines Grundstückes gesammelt. Das Gemeindeglied Theodor Levi versuchte, durch einen Zigarren-Sonder-Verkauf an Spenden für den guten Zweck zu kommen:  
       
Zigarren-Verkauf zugunsten des Ankaufs eines Grundstückes für die Synagoge (1904)  

Hassloch FrfIsrFambl 22011904.jpg (87995 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar 1904: "Nicht übersehen! 
Zigarren-Versand von Theodor Levi
, Hassloch (Rheinpfalz).  
Der Reingewinn vom Versand meiner Zigarren, aus edelsten Tabaken fabriziert, soll Verwendung finden zum Ankauf eines Grundstückes zur Erbauung eines Synagoge am hiesigen Platze. - Ein Opfer bringt jeder Raucher, mich durch Bestellung in meinem Vorhaben zu unterstützen und spart trotzdem noch Geld gegenüber dem Einzelkauf. Lasse mir jeder, der diese Zeitung liest, Aufträge für den Zweck zukommen und lasse sich Jeder zur Pflicht dienen, auch Andere zu Bestellungen anzueifern. 
Ich versende: 100 Stück 7er zu 6 Mark  usw.  
ab Haßloch unter Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages. 
Hochachtend! Theodor Levi."   

Es blieb bei den Plänen für einen Synagogen-Neubau, die wohl vollends durch den Ersten Weltkrieg und die Inflationszeit zerschlagen wurden. Die alte Synagoge blieb Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort bis 1938.      
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und stark beschädigt. Das Gebäude sollte zudem niedergebrannt werden, doch scheiterte zweimal der Versuch der Brandstiftung: beim ersten Versuch erlosch das Feier nach kurzer Zeit von selbst, beim zweiten Versuch löschte ein Nachbar das Feuer, da er Angst um seine in der Nachbarschaft stehende Scheune hatte. Die Inneneinrichtung war jedoch völlig zerstört. 
 
Das Synagogengebäude wurde im März 1939 an einen Tanzlehrer verkauft. Um 1950 kam des mit dem danebenstehenden Schulgebäude durch Rückübertragung wieder in den Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz. 
  
1950 fand ein Prozess vor dem Schwurgericht Frankenthal gegen Beteiligte am Novemberpogrom 1938 statt. Dabei wurden die angeklagten Personen zu geringen Haftstrafen verurteilt.
  
Das ehemalige Synagogengebäude musste 1978 abgerissen werden, da es beim Abbruch eines Nachbarhauses stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Das Grundstück wurde 1979 an Privatleute verkauft. 1984 wurde am ehemaligen jüdischen Schulhaus eine Gedenktafel angebracht mit der Inschrift: "Hier befand sich bis zur Schändung durch die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9./10. November 1938 die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Haßloch. Mit ihrer Zerstörung und der darauf folgenden Deportation unserer jüdischen Mitbürger endete jegliches jüdische Leben in unserem Ort. Diese Tafel soll zur Erinnerung für die Lebenden und zur Mahnung der kommenden Generation sein."    
    
    
Adresse/Standort der Synagoge    Gillergasse 2        
  
Hinweis zum rituellen Bad (nach dem Beitrag von Johannes Theisohn s.u.):  1844 werden sogenannte "Kellerquellenbäder", die von Grundwasser gespeist wurden, in den Häusern von Jacob Bohrmann und Alexander Mayer genannt, deren Schließung vom Landkommissariat und vom Bürgermeisteramt auf Grund neuer baulicher und hygienischer Bestimmungen angeordnet wurde. Die Bäder wurden vermutlich 1845 zugeschüttet. Nachdem die Gemeinde in Dezember 1846 ein Haus in der Gillergasse zum Umbau in eine Synagoge erworben hatte, wurde im Hofraum dieses Gebäudes für 300 Gulden ein neues Badehaus mit einem rituellen Tauchbecken erstellt. 1881 musste diese Badehaus nochmals durch einen Neubau ersetzt werden. Die Pläne dieses neuen - im damals modernen neuislamischen Stil erbauten - Badehauses liegen noch vor. Das Gebäude hatte eine Grundfläche von 16 am. Das Bad wurde vermutlich über eine Pumpe mit Grundwasser versorgt. Auch für das neue Bad musste sich die Gemeinde verschulden: zwei Kredite in Höhe von zusammen 1.100 Mark zur Bestreitung der Gesamtkosten von 1.637,70 Mark waren aufzunehmen. Wie lange das neue rituelle Bad benutzt wurde, ist unbekannt. Möglicherweise ist es schon nach 1900 kaum mehr benutzt worden.   
    
    
    
Fotos
(Quelle: obere Zeile aus O. Weber s. Lit. S. 98 und 187 (Foto um 1960 von J. Theison, Haßloch vgl. Literatur; Gedenktafel: Foto von O. Weber; zweite Zeile Abbildungen zum rituellen Bad aus: J. Theison: Das rituelle Frauenbad s.Lit. S. 262 und 266)

Die ehemalige Synagoge 
und das israelitische Schulhaus
Hassloch Synagoge 110.jpg (89766 Byte) Hassloch Synagoge 120.jpg (122074 Byte)
   Blick auf den Bereich Gillergasse 2 um 1960,
 links das ehemalige israelitische Schulhaus,
 rechts das Synagogengebäude
Gedenktafel von 1988 für die Synagoge
   
          
Standort der Gedenktafel 
von 1984 
(Foto: Michael Ohmsen, Anfang 2010) 
Hassloch Synagoge 410.jpg (302093 Byte)
   (für Anfragen zur Verwendung des Fotos: E-Mail des Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes Foto (0,7 MB
)   
     
Das 1881 erbaute rituelle Bad     
Hassloch Mikwe 188101.jpg (79015 Byte) Hassloch Mikwe 188102.jpg (138373 Byte) Hassloch Mikwe 188103.jpg (117299 Byte)
"Minderversteigerung" der Bauarbeiten für
 das neue rituelle Badehaus (1881; Anzeige 
im "Anzeiger Neustadt und Umgebung") 
Ansicht des neuen Badehauses mit seinen
 Tür- und Fenstergewänden im
 neu-islamischen (maurischen) Stil  
Grundriss des neuen Badehauses, das auf 
einer Grundfläche von 6,40 m mal 2,50 m
 gebaut wurde  
     
Gedenken   Hassloch Gedenktafel 020.jpg (170541 Byte)  Hassloch Leo-Loeb-Strasse 010.jpg (198169 Byte)
  Tafel mit den Namen der aus Hassloch
 deportierten und ermordeten
 jüdischen Personen  
Straßenschild "Leo-Loeb-Straße" zur Erinnerung 
an den 2. Beigeordneten in Haßloch von 1930-1933
 (geb. 1881, ermordet 1942 in Auschwitz)  

      
      
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Haßloch 
Website juedisches-hassloch.de       

Literatur:  

Johannes Theisohn: Die israelitische Volksschule. Hg. vom Arbeitskreis Heimatmuseum Haßloch. Haßloch 1986 S. 61ff.  
ders.: Jüdisches Leben in Haßloch. Broschüre zu Anlass des 1. Heimattreffens ehemaliger jüdischer Mitbürger in Haßloch im September/Oktober 1988. Haßloch 1988.  
ders.: Das rituelle Frauenbad in Haßloch (nach dem Rechnungsbuch der israelitischen Kultusgemeinde von 1881) und seine Vorgänger. In: Alfred Hans Kuby siehe nächster Titel S. 259-272. 
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 84.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S.180-181  (mit weiteren Literaturangaben).  
Freundeskreis Heimatmuseum Haßloch (Hrsg.): Jüdisches Leben in Haßloch. Haßloch 1988. 2008². 240 S. zahlr. Abb.    

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hassloch  Palatinate. Jews are first mentioned in the early 18th century. In 1843, the community purchased a building for a Jewish school and later another building for a synagogue. The Jewish population reached a peak of 128 in 1861, declining to 63 (total 10.463) in 1933. The Zionists became active in 1913. The Jewish school closed in 1923. In the first years of Nazi regime, anti-Jewish violence was an isolated phenomen which most of the local population did not support. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and a number of Jewish homes were vandalized. Most Jews left the town by winter 1940. The last three Jews left the town by winter 1940. The last three Jews were deported to the Gurs concentration camp on 21 October 1940.    
        
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Dezember 2014