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Cronheim (Stadt
Gunzenhausen, Kreis Weißenburg-Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Cronheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. In der
Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurden die bis dahin am Ort lebenden Familien
ausgewiesen (1630), konnten jedoch nach dem Krieg um 1650 wieder zuziehen. 1714
waren vier jüdische Familien in Cronheim. Die Zahl nahm im Laufe des 18.
Jahrhunderts stark zu, sodass 1796 jüdische 32 Familien am Ort gezählt
wurden.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1811/12 171 jüdische Einwohner (40,8 % von
insgesamt 319 Einwohnern), 1937 197 (39,4 % von 500), 1867 141 (26,0 %
von 542), 1971 122 (23,5 % von 519), 1990 91 (17,8 % von 510), 1900 73 (14,8 %
von 492), 1910 56 (10,9 % von 512).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), zeitweise
eine jüdische Elementarschule (Volksschule) beziehungsweise ab 1922
eine
Religionsschule, und ein rituelles Bad (im Synagogengebäude). Die Toten der Gemeinde wurden auf
dem jüdischen Friedhof in Bechhofen
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl.
Ausschreibungen der Stelle unten). In besonderer Erinnerung blieb Lehrer Wolf
Wolfromm, der seit 1882 Lehrer am Ort war, 1907 sein 25-jähriges Ortsjubiläum
feierte und vermutlich bis 1922 als Lehrer (zuletzt Oberlehrer) in Cronheim
tätig war (gestorben 1924, siehe Todesanzeige unten).
An jüdischen Vereinen bestanden eine Chewra Gemilus
Chasodim (Wohltätigkeits- und Bestattungsverein, 1924 unter Leitung von
Heinrich Martin, acht Mitglieder, 1932 Leitung Emil L. Münster), eine Chewra
Noschim (Krankenpflege und Bestattung für Frauen, 1932 unter Leitung von
Hedwig Hubert) und ein Israelitischer Frauenverein (gegründet 1887, 1924
unter Leitung von Therese Martin, 14 Mitglieder, 1932 unter Leitung von Hedwig
Hubert, Ziel.: Wohltätigkeit, Krankenfürsorge und Bestattung, 1932 13
Mitglieder). Die Gemeinde gehörte bis 1845 zum Rabbinatsbezirk Gunzenhausen,
danach zum Distriktsrabbinat in Ansbach.
Um 1924, als noch etwa 50 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten
(10,4 % von 462), waren die Vorsteher der Gemeinde David Wild und Emil L.
Münster. Als Religionslehrer, Vorbeter und Schochet war seit 1922 (vgl.
Ausschreibung der Stelle in diesem Jahr unten) Seligmann Fuchs tätig.
Er unterrichtete auch die jüdischen Kinder in Heidenheim.
1932 waren die Gemeindevorsteher David Wild (1. Vors.), Emil. Münster
(2. Vors.) und Leo Mubert (3. Vors.). Die Repräsentanz bildeten David Wild und
Emil L. Münster. Religionslehrer und Kantor war inzwischen Hermann Deutsch. Er
unterrichtete im Schuljahr 1931/32 noch drei jüdische Kinder in Cronheim sowie
vier Kinder in Heidenheim.
Von den 15 jüdischen Haushaltsvorständen von Cronheim waren 1926 14 im Handel
tätig (darunter fünf Viehhändler).
1933 lebten noch 35 jüdische Personen in Cronheim (7,3 % von insgesamt
480 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind auf Grund der zunehmenden
Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts viele von ihnen
ausgewandert oder in andere Orte verzogen. Der jüdische Lehrer Hermann Deutsch
wurde auf Grund seiner ungarischen Staatsangehörigkeit Anfang 1937 aus
Deutschland ausgewiesen. Am 14. August 1938 wurden noch 13 jüdische Einwohner gezählt.
Nach dem Novemberpogrom 1938, bei dem die jüdischen Häuser am Ort
überfallen und völlig demoliert wurden (Häuser der Familie Reinheimer [Nr.
54], Hubert [Nr. 64] und Schulmann [Nr. 2], sind - bis Dezember 1938 - die letzten
jüdischen Einwohner des Ortes ausgewiesen und in "Judenhäuser"
größerer Städte verbracht worden. Von den bis dahin ausgewanderten jüdischen
Einwohner sind mindestens sieben in die USA gelangt, drei nach Argentinien.
Von den in Cronheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Doris Arnstein geb.
Schulmann (1897), Friedrich (Fritz) Asch (1857), Helene Asch geb. Münster
(1862), Lena (Magdalena) Feuchtwanger geb. Bonne(1861), Klara Fleischmann geb.
Wild (1894), Jeanette (Jenny) Haas (1881), Jenny Heippert geb. Schulmann (1894),
Sidonie Hofmann (1871), Hedwig Hubert
geb. Schülein (1901), Leo Hubert (1898), Rosalie Kraus geb. Asch (1859), Fanny
(Franziska) Krämer geb. Reinemann (1883), Leo Martin (1907), Bettina Münster (1924),
Carola Münster (1909), Ella Münster
geb. Sturm (1883), Jakar (Justin, Jakob) Münster (1883), Siegfried Münster (1878),
Emmy Neuburger geb. Wild (1896), Zacharias Reinemann (1879), Clementine
Rothschild geb. Wild (1897), Bernhard Schulmann (1890), Lina Schulmann geb.
Fredrich (1880), Nelly Schulmann
(1925), Berta Sonder geb. Wild (1872), Irma Springer geb. Schulmann (1892),
Hermann Steinbock (1862), Klara Sternbock (1868), Frieda Stoll geb. Hubert (1871),
Rebekka Strauß geb. Hubert (1862), Fanny Waldmann geb. Wild (1870), Betti
Weimersheimer geb. Wild (1895), Jette Wild (1875), Max Wild (1868).
Zur Erinnerung an die jüdisch-christliche Dorfgeschichte gibt es im Schloss
Cronheim ein Museum "Mikrokosmos Cronheim: Ein
Dorf - Drei Religionen" ("Toleranzmuseum" der
Arbeiterwohlfahrt) mit einer integrierten Holocaustgedenkstätte der Ortsgemeinschaft Cronheim.
Eine Gedenktafel für die über 30 Holocaustopfer wurden von den beiden
Kirchengemeinden des Ortes gestiftet (siehe Foto unten).
Kontakt: Toleranz-Museum Schloss Cronheim. Tel. 09835-97786-23.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrerstelle 1876 / 1878 /
1922
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1876:
"Erledigte Elementarlehrer-Stelle.
Durch Beförderung unseres
bisherigen Lehrers Herrn Hofmann als Elementarlehrer nach Ansbach ist die
hiesige Elementarlehrer-Stelle verbunden mit der Vorsängerfunktion in
Erledigung gekommen und soll so rasch als möglich besetzt werden. Das
Einkommen besteht aus einem fixen Ertrage von Mark 771,75 inklusive
Staatszuschuss als Lehrer, Mark 175 als Vorsänger, sowie bedeutende
Nebenverdienste und freie Wohnung. Bewerber, welche die Funktion eines
Schlächters übernehmen könnten, würden ihr Einkommen wesentlich
erhöhen, sodass sich dann das Gesamteinkommen auf 1.400 Mark beläuft.
Bewerbungsgesuche mit den vorschriftsmäßigen Zeugnissen belegt, sind
innerhalb 14 Tagen einzureichen an die Kultusverwaltung. Kronheim. Königliches
Bezirksamt Gunzenhausen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1878:
"Erledigte Elementarlehrerstelle zu Cronheim, königliches Bezirksamt
Gunzenhausen. Die hiesige Elementarschulstelle, verbunden mit der
Vorsängerfunktion, ist in Erledigung gekommen und soll in aller Bälde
wieder besetzt werden. Das Einkommen besteht in einem fixen Ertrage von
850 Mark, inklusive Staatszuschuss, als Vorsänger 150 Mark, für Wohnung
jährlich 60 Mark Entschädigung. Da auch der Schächterdienst erledigt
ist, so wollen sich nur solche Subjekte melden, die zur Ausübung dieser
Funktion befähigt sind, durch dieselbe würde sich das Einkommen nebst
bedeutenden Nebenverdiensten des Lehrers auf ungefähr 1.500 Mark
jährlich belaufen. Die Meldungen samt Zeugnisse sind an die
Unterzeichnete zu richten. Israelitische Kultusverwaltung." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1922:
"Die hiesige Elementarstelle wird ab 1. Mai dieses Jahres in eine
Religionsstelle umgewandelt. Zur Besetzung dieser Stelle suchen wir einen Lehrer,
Kantor und Schochet.
Anstellung nach Tarif des bayerischen israelitischen
Lehrervereins. Anmeldung erbittet die
Kultusverwaltung der israelitischen
Gemeinde in Cronheim (Bayern)." |
Vorlesung von Lehrer Schweizer in Cronheim (1850)
Beitrag
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. September
1850: "Vorlesung über die von Diesterweg aufgestellte These: 'Auf
die Existenz Gottes muss immer hingewiesen, dieselbe darf aber nicht erst
erwiesen werden.' In einer fast nur aus christlichen Schullehrern
bestandenen Lehrerversammlung gehalten von Schweizer zu Kronheim..."
Der Beitrag wird nicht abgeschrieben - bei Interesse zum Lesen bitte
die Textabbildungen anklicken. |
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Der katholische Geistliche lässt für den erkrankten Lehrer Schweizer in der
Kirche beten (1852)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1852: "Bei
der neulichen Erkrankung des Herrn Lehrers Schwizer zu Cronheim
ließ sein Lokalinspektor, der katholische Geistliche Herr Zeitler,
für ihn in der Kirche beten und bezeugte ihm überhaupt eine ungemeine
Teilnahme. Derselbe Geistliche war es auch, welcher zur Zeit der
Emanzipationsdebatte in der Kammer von einem befreundeten Amtsbruder,
Herrn Pfarrer Wolfsteiner, um sein Urteil über die Juden brieflich
befragt, sich sehr günstig und für volle Emanzipation ausgesprochen hat.
Dies hielt jedoch gedachten Abgeordneten nicht ab, als entschiedener
Gegner der Juden aufzutreten und mit jenem Briefe in der Hand, sie mit
Bettlern zu vergleichen, die nur den Orten außer ihrer Heimat lästig
fielen." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Wolfromm (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Aus
Mittelfranken, 17. Mai (1907). Am 1. Juni begeht Herr Elementarlehrer
Wolfromm in Cronheim bei Gunzenhausen sein 25-jähriges Ortsjubiläum. Die
Gemeinde wird das Jubiläum durch eine festliche Veranstaltung feiern.
Auch Herr Distriktsrabbiner Dr. OP. Cohn aus Ansbach hat seine Teilnahme
zugesagt. Herr Wolfromm blickt jetzt auf eine 34jährige Tätigkeit als
Lehrer zurück, in der er sich dank seinem Pflichteifer und seiner
Gewissenhaftigkeit stets der Sympathien seiner Gemeinde wie der
vorgesetzten Behörde erfreut hat." |
Anzeige zum Tod von Oberlehrer a.D. Wolf Wolfromm
(1924)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 13. September 1924:
"Am 25. August dieses Jahres ist unser innigstgeliebter Gatte, Vater,
Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr
Wolf Wolfromm Oberlehrer a.D.
nach längerem Leiden, jedoch unerwartet schnell, sanft
verschieden.
Kronheim, Gunzenhausen, den 26. August 1924.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Zur Frage nach der Zugehörigkeit Cronheims zu einem
Rabbinatsbezirk nach dem Tod von Rabbiner Abraham Böhm in Gunzenhausen (1845)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar
1846: "Dieser Tage verstarb in Gunzenhausen der Rabbiner Abraham
Böheim (eigentlich Böhm) in einem Alter von 78 Jahren. Im Jahre 1814 war
ihm die 'interimistische Versehung' der Stelle verliehen worden, welche
ihm auch, da die Gemeinden mit ihm zufrieden war, bis zu seinem Ende
verblieb. Die Wiederbesetzung dieser Stelle mit einem tüchtigen Manne
wäre freilich das Erwünschteste, indes ist dazu wenig Hoffnung
vorhanden. Es werden sich die drei diesen Bezirk bildenden Gemeinden,
Gunzenhausen, Altenmuhr und Cronheim,
wahrscheinlich benachbarten Rabbinaten anschließen, wodurch diesen ein
erwünschter Zufluss zuteil werden wird." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die jüdische Gemeinde hatte bereits im 17. Jahrhundert einen
Betraum beziehungsweise eine Synagoge (erstmals 1668 genannt). Anfang des 19.
Jahrhunderts stand eine Synagoge am nördlichen Ortsrand (1809 genannt). Diese
war inzwischen baufällig geworden, die jüdische Gemeinde suchte einen neuen
Bauplatz. Bis zur Fertigstellung einer neuen Synagoge waren zahlreiche
Widerstände vor allem von der katholischen Geistlichkeitm zu
überwinden.
1817 konnte ein neues jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge,
jüdischer Schule und Lehrerwohnung sowie einem rituellen Bad (1816
eingerichtet, 1843 durch eine weitere, beheizbare Mikwe ergänzt) eingeweiht
werden. In der
Synagoge wurden mehrere kostbare Ritualien aufbewahrt, darunter Torawimpel (der
älteste von 1673) und ein seit 1785 geführtes Memorbuch.
Im August 1936 und März 1937 wurden durch Unbekannte die Fenster
der Synagoge eingeschlagen. Auf Grund der stark zurückgegangenen Zahl der
jüdischen Gemeindemitglieder konnten bereits damals keine regelmäßigen
Gottesdienste mehr abgehalten werden. Zu den Hohen Feiertagen im Herbst 1938
verkaufte die jüdische Gemeinde für 300 RM den Synagogen-Kronleuchter, damit
die Fahrtkosten der Gemeindemitglieder zur Teilnahme an den Gottesdienstes
anderer Gemeinden ermöglicht werden konnten. Mitte Oktober 1938 wurde die
Synagoge durch Unbekannte aufgebrochen und geschändet. Darauf hin wurde das
Gebäude verkauft; die Ritualien dem Verband der Bayerischen Israelitischen
Gemeinden in München übergeben, wo sie beim Novemberpogrom 1938 zerstört
wurden.
Das Synagogengebäude überstand den Krieg und wurde zu einem Wohnhaus
umgebaut. 2004 wurde auf dem Dachboden unter den Bodenbrettern eine Genisa
entdeckt, die verschiedene Drucke und Kultgegenstände enthielt. Mehrere Jahre
war das Gebäude
der ehemaligen Synagoge leerstehend beziehungsweise wurde als
Lager benutzt.
2010/11 wurde das Gebäude der ehemaligen Synagoge renoviert. Es wurden
sechs Wohnungen für Betreutes Wohnen des Therapiezentrums Cronheim
eingerichtet. Die Mikwe im Untergeschoss kann besichtigt werden und ist
Bestandteil des Museums "Mikrokosmos Cronheim, ein Dorf - drei
Religionen".
Zur Sanierung vgl. die Seiten
des Architektürbüros Rester (Nürnberg - Schwabach)
| Mai 2011:
Über die Renovierung und neue Nutzung der
ehemaligen Synagoge |
Artikel von Klaus Heger in "altmuehlfranken-live.de"
vom 30. Mai 2011 (Artikel):
"Einweihung des betreuten Wohnens in der ehemaligen Synagoge in
Cronheim.
Die ehemalige Synagoge aus dem Jahre 1817 in Cronheim Hausnummer 66, bekommt nach langer Planung und Renovierung eine neue Nutzung. Das Therapiezentrum in Cronheim hat nach aufwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten das Gebäude, das früher als Schule und Synagoge genutzt wurde übernommen und dort eine Wohngruppe für betreutes Wohnen etabliert. Unter dem Leitwort
'So viel Betreuung wie nötig – so wenig Betreuung wie möglich' wurden für 6 Patienten ein Wohnbereich mit jeweils 6 Einzelzimmern mit Nasszellen und einen Gemeinschaftsraum, sowie einer Gemeinschaftsküche für jeweils 3 Bewohnern geschaffen. Um die Patienten wieder an ein eigenverantwortliches Leben in der Gemeinschaft heranzuführen. Durch die dabei verbundene individuelle Betreuung soll den Patienten zu einer weitestgehende Stabilisierung des Gesundheitszustandes verholfen werden, durch die weitere Heim- und Krankenhausaufenthalte vermieden oder zumindest verringert werden.
Neben den therapeutischen Einrichtungen konnten dabei auch zwei historisch wertvolle Mikwen erhalten werden. Es handelt sich dabei und zwei Tauschbädern, die im jüdischen Glauben der Reinigung von rituellen Unreinheiten dienten. Allein in Deutschland lassen sich heute noch an über 400 Orten derartige Bäder nachweisen. Bereits 1816 wurde im Keller der Synagoge das erste Tauchbad errichtet. 1843 wurde diese Mikwe, die ausschließlich mit Grundwasser betrieben wurde, durch eine weitere Mikwe ergänzt, die im Vorraum der Kellermikwe beheizbar errichtet wurde.
Der Umbau und die Sanierung des historischen Gebäudes erfolgten von 2010 bis 2011 in enger Zusammenarbeit mit den
Denkmalschutzbehörden. Ohne die großzügige Unterstützung der zahlreichen Spender und der überörtlichen Behörden währe dies Baumaßnahme nicht zu bewältigen gewesen und die AWO bedankt sich nochmals herzlichst für hilfreichen Leistungen.
Bereits der Beginn der Sanierungsarbeiten brachte interessante Einblicke in die Vergangenheit des Gebäudes. Einige historische Funde werden im Moment durch das Gensia-Forschungsteam des jüdischen Kulturmuseums in Veitshöchheim restauriert. Und auf ihre geschichtliche Bedeutung hin untersucht.
Die restaurierte Mikwe ist nun Bestandteil des Museums 'Mikrokosmos Cronheim, ein Dorf – drei
Religionen'." |
Adresse/Standort der Synagoge: Cronheim Nr.
66
Fotos
Historische Ansichtskarte
von Cronheim mit Foto der Synagoge
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Das Synagogengebäude 2004
(Foto: U. Metzner, Feuchtwangen, Quelle: www.synagogen.info) |
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Seitenansicht von
Südosten |
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Das Synagogengebäude Ende
2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.12.2009) |
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Blick auf die
ehemalige Synagoge vom Schloss Cronheim; links der Synagoge steht das
ehemalige katholische Pfarrhaus |
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| Blick von der
Straße mit dem früheren Eingang zur jüdischen Schule, Lehrerwohnung und
zur Männersynagoge (Betsaal im Erdgeschoss) |
Eingangstor
von der Straße |
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| Seitliche
Ansicht des Synagogengebäudes; die früheren hohen Rundbogenfenster
wurden nach Einzug einer Zwischendecke beseitigt |
Eingangstor von der Seite -
früher der Zugang zur Frauenempore und zur Mikwe |
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| Die Ostwand - auch hier sind
die früheren Rundbogenfenster beseitigt worden |
Blick von der Straße
(Synagogengebäude links) |
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| Modell der Cronheimer
Synagoge, erstellt im Therapiezentrum Schloss Cronheim |
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Blick auf das
Gebäude von Westen beziehungsweise Südwesten |
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Blick von Süden, erkennbar
die
hohen Fenster des Betsaales |
Blick von Südosten; an der
Ostseite
zwischen den beiden hohen Fenstern
war im Inneren der Toraschrein |
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Besuch im
Museum des Cronheimer Schlosses
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| Blick auf das Schloss Cronheim |
Eingang zum Museum |
Besitzeintrag in einem
Gebetbuch des Glasermeisters Veis Münster von 1847: "Kronheim ist
mein Vaterland" |
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Türstock mit
Mesusaabdruck (1. Hälfte des 19. Jahrhundert) aus dem Haus der
früheren
Cronheimer Tuchhandlung Feis & Emil Münster (Haus Nr. 62); die
Familie Münster konnte im Januar 1936 emigrieren. |
Verschiedene rituelle
Gegenstände:
"ewiges Licht" aus der Synagoge,
Sabbatlampe,
Torakrone, Gebetbuch |
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| Fotos verschiedener Vereine in
Cronheim, um das christlich-jüdische Miteinander am Ort im Vereinsleben
aufzuzeigen: grüne Namen: evangelisch, orange Namen: katholisch; blaue
Namen: jüdisch (Foto mit hoher Auflösung zum Lesen der
Namen) |
Erinnerung an die
"Isaak und Therese Reinemann'sche Wohltätigkeitsstiftung".
Durch diese Stiftung wurde 1927 die Einrichtung einer ambulanten
Krankenpflege
in Cronheim ermöglicht. Sohn Bernhard Reinemann (New York)
erhielt anlässlich
eines Besuches 1928 in Cronheim das Ehrenbürgerrecht
der Gemeinde. Auf dem
Foto links die Portraits des Cronheimer
Hopfenhändlers Jakob Hessel Reinemann
und seiner Frau Siftl geb. Kettner
(1876 erstellt) |
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Zum Gedenken an
die ermordeten jüdischen Cronheimer unter dem Psalmwort
(Psalm 9,13):
"Denn der für vergossenes Blut Rechenschaft fordert, hat ihrer
gedacht, hat nicht vergessen den Schrei der Gebeugten"; die
Gedenktafel wurde
von den Kirchengemeinden Cronheims gestiftet. |
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Funde aus der Genisa
(Quelle: Website
Architekturbüro Rester) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 166-167. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 149. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 356-357.
|
 | Ralf Rossmeissl: Mikrokosmos Cronheim. Ein Dorf,
drei Religionen. Schwabach 2000. ISBN 3-933474-09-4.
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Cronheim S. 164-174. |
 | Hans-Peter
Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und
Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur
Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Cronheim S. 54-56.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Cronheim Middle Franconia.
The Jews were expelled in 1630 and after 1650 formed a community under the
protection of the prince-bishop, Marquart II of Eichstaett. A new synagogue was
built in 1816 and the Jewish population reached 197 in 1837 (total 500) but
thereafter declined. In 1933, 35 Jews remained. The synagogue was sold on 1
November 1938 after the interior had been wrecked ten days earlier. All the Jews
had left by that time, many to the United States; the last eight were expelled
to Augsburg in October 1938 and perished in the Holocaust.

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