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Markt Heidenheim (VG
Hahnenkamm, Kreis
Weißenburg-Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
| Neuerscheinung im
Herbst 2011: |
Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band
6.
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN
978-3-9808482-2-0
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der
'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum
'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr
am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart,
Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich
abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von
12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich
E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de. |
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Heidenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1714
lebten bereits 10 jüdische Familien am Ort. Genaue Zahlen der jüdischen
Einwohner liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1809/10 111 jüdische
Einwohner (8,5 % von insgesamt 1.301 Einwohnern), 1837 130 (7,1 % von 1.830),
1867 130 (8,5 % von 1.536), 1880 104 (7,0 % von 1.477), 1900 79 (5,8 % von
1.360). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen
Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurückgegangen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein
Schulhaus für die Elementarschule (Volksschule, bis 1923) beziehungsweise
Religionsschule mit Lehrerwohnung sowie eine Mikwe. Die Toten der jüdischen Gemeinde
wurden in Bechhofen beigesetzt. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle
s.u.). Letzter jüdischer Volksschullehrer war von 1909 bis 1923 Jonathan
Uhlfelder. Nach seinem Weggang wurden die nur noch wenigen schulpflichtigen
jüdischen Kinder in Heidenheim durch den jüdischen Lehrer aus Cronheim
unterrichtet.
Die
jüdischen Haushaltsvorstände verdienten ihren Lebensunterhalt vom Vieh- und
Warenhandel. 1926 waren von den damals 12 Gewerbetreibenden sieben Vieh-
bzw. Pferdehändler.
Um 1925, als noch 41 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (3,25 %
von insgesamt etwa 1.260 Einwohnern), gehörten dem Vorstand der
jüdischen Gemeinde an: Amson Gutmann und Salomon Guggenheimer. Religionslehrer
der damals 6 schulpflichtigen jüdischen Kinder war Lehrer Seligmann Fuchs aus Cronheim. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach. 1932 waren
die Mitglieder des Vorstandes Abraham Gutmann (1. Vorsteher) und Salomon
Guggenheimer (Schriftführer). Als Vorbeter waren Bernhard Gutmann und Salomon
Guggenheimer tätig. Religionslehrer der nun noch vier jüdischen Schulkinder
war Lehrer Hermann Deutsch aus Cronheim.
1933 lebten noch 31 jüdische Personen in Heidenheim. Zu antijüdischen
Aktionen kam es sehr schnell: im Juli 1933 versammelten sich in den Straßen
Heidenheims zahlreiche Einwohner zu einer antijüdischen Kundgebung. Die Polizei
nahm jüdische Einwohner und "Judenfreunde" in Schutzhaft. Im September
1936 wurden der Viehhändler Salomon Gutmann und Religionslehrer Hermann
Deutsch aus Cronheim verhaftet, weil sie Geflügel schächten wollten. Die
Familie Gutmann wurden wegen "Vergehens gegen das Tierschutz-Gesetz"
angezeigt. Bis zum November 1938 verließen 24 der jüdischen Einwohner
den Ort. Davon wanderten acht aus (sechs nach Argentinien, je einer nach Palästina/Israel
und in die USA), 16 verzogen innerhalb Deutschlands. Nach den Ereignissen beim
Novemberpogrom verließen die letzten sechs jüdischen Heidenheimer.
Von den in Heidenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Anna Abraham geb.
Kukoli (1897), Emma
Fellheimer geb. Rohrbach (1885), Emilie Freising geb. Gutmann (1864), Salomon
Guggenheimer (1871), Mina Gundelfinger geb. Gutmann (1895), Dina Gutmann (1897),
Frieda Gutmann (1893), Herrmann Gutmann (1892), Ida Gutmann (1885), Joseph Gutmann (1880), Karolina Gutmann
geb. Guggenheimer (1875),
Mosche Gutmann (1886), Rosa Gutmann (1884), Salomon Gutmann (1874), Lina Hirsch
geb. Sommer (1864), Rosa Jordan geb. Gutmann (1898), Louis Lehmeier (1872), Max
Lehmeier (1874), Julius Martin (1900), Selma
Martin geb. Neuburger (1898), Salomon Neuburger (1902), Sali (Saly) Neuburger
(1888), Karoline Neumetzger geb. Gutmann (1868), Lina Regensteiner geb. Gutmann
(1872), Helena (Helene) Rothschild geb. Guggenheimer (1874), Jakob Sommer
(1884), Rosa Sommer geb. Neuburger (1892), Fritz Weinschenk (1893
oder 1900), Max Weinschenk (1923), Paula Weinschenk geb. Gutmann (1895).
Hinweis: es kommt in den angegebenen Listen immer wieder zu Verwechslungen
mit jüdischen Personen aus Heidenheim an der Brenz. Dort gab es zwar
keine jüdische Gemeinde, doch es lebten einige jüdischen Familien. Von ihnen
wurden u.a. deportiert wurden: Arthur Metzger (1887), Jenny Metzger geb. Ehrlich
(1895), Wilhelm Metzger (1922), Hans Jontofsohn (1911), Hugo Jontofsohn (1873),
Rosalia Jontofsohn geb. Isaac (1887) und Sophie Klau geb. Frankenthaler
(1888).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1873 /
1909
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 1. Dezember 1873:
"Inserat. Die Stelle eines Elementar- und Religionslehrers in der
israelitischen Gemeinde Heidenheim a.H., mit einem fixen Gehalt von 350
Gulden und 50 Gulden Teuerungszulage, ist sofort definitiv zu besetzen.
Hiermit sind noch zu verbinden die wenig Zeit beanspruchenden Funktionen
eines Vorbeters und Schächters mit einem Ertragnisse von 200 Gulden,
sodass mit Zuziehung der für einen gediegenen Lehrer bedeutenden
Nebenbezüge sich eine Jahreseinnahme von mindestens 800 Gulden ergeben
dürfte. Meldungen franco innerhalb 30 Tage an die israelitische
Kultusgemeinde Heidenheim a.H. Heidenheim, den 17. November 1873.
Der Vorstand. A. M. Obermeyer." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1909:
"Die israelitische Elementarlehrerstelle in Heidenheim bei
Gunzenhausen ist voraussichtlich demnächst neu zu besetzen. Das Gehalt
besteht außer dem staatlich normierten Lehrergehalt in einem Aversum von
50 Mark für das Kantorat und dem Einkommen für Ausübung der Schechitah.
Nebeneinkommen ist vorhanden. Streng religiöse Bewerber wollen ihre
Bewerbung alsbald bei dem Distriktsrabbinat Ansbach einreichen. Heidenheim
a.H., den 19. September 1909. Lazarus Lehmeier, Kultusvorstand." |
Lehrer Jonathan Uhlfelder - letzter jüdischer Volksschullehrer von 1909 bis
1923
- Übertragung der Lehrerstelle an Jonathan Uhlfelder (1909)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1909:
"Heidenheim a. H., 15. November (1909). Die Lehrerstelle dahier wurde
seitens der Kultusgemeinde Herrn Uhlfelder zur Zeit in Burgpreppach
übertragen." |
- Zum Tod von Lehrer Uhlfelder (1928 in Nürnberg)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 8. April 1885:
"Jonathan Uhlfelder. Nürnberg. Wer den erschütternden Eindruck
wiedergeben will, den der plötzliche Tod von Jonathan Uhlfelder seligen
Andenkens hinterließ, kann es nicht bezeichnender tun als mit den Worten
der Heiligen Schrift: 'Die Stadt war verstört!' Nach einem leichten
Unwohlsein, ohne Ahnung von dem, was ihm bevorstand, aber auch ohne
Schmerz, mitten aus seinem Schaffen und Planen heraus wurde er seiner
Familie, seiner Schule, dem Kreise der Kollegen und Freunde
entrissen.
Jonathan Uhlfelder gehörte zu den stillen, gütigen Menschen, die aus
einem reichen Innenleben schöpfend, in treuer Pflichterfüllung ihre Welt
sehen. Sein Leben war ausgefüllt von der zärtlichsten Fürsorge für die
Seinen und von dem unablässigen Bemühen, das Wohl der ihm Anvertrauten
zu fördern und sicher zu stellen. Daneben war er voll des regesten
Interesses für die materielle und geistige Hebung seines Standes, für
das Wohl und Wehe seiner Kollegen, für das Glück seiner Freunde. Mit
Recht rühmte ihm der 2. Vorstand des Vereins an der Bahre nach, wie er in
der für die Religionslehrer schlimmsten Zeit, in den traurigen Jahren
ihrer Rechtlosigkeit und einer völlig ungesicherten Existenz seinen
Kollegen die Treue hielt, obwohl er selbst als staatlich angestellter Volksschullehrer
dieser Sorgen enthoben war.
Uhlfelders berufliches Wirken führte ihn von Burgsinn
und Bechhofen, wo er als
Religionslehrer Anstellung gefunden hatte, an die Präparandenschule nach
Burgpreppach und nach einer erfolgreichen Tätigkeit an derselben in den Volksschuldienst
nach Heidenheim (Mittelfranken). Vor fünf Jahren wurde er an die
Volksschule der Adaß Israel in Nürnberg berufen.
Schon als junger Lehrer hatte er die ernste, verantwortungsvolle Arbeit
des Volksschullehrers erstrebt. Seine Tätigkeit im Dienste der
Lehrerausbildung wie später an der Volksschule zeugten von seinem
rastlosen Streben nach eigener Vervollkommnung, wie von seinem reinen
Bemühen, die ihm anvertraute Jugend zu fördern Es lag in seiner
einfachen, selbstlosen, jedem Wichtigtun abholden Art, wenn dieses Streben
nicht immer nach seiner ganzen Weite erkannt wurde.
Herr Rabbiner Dr. Klein widmete dem allzu früh Vollendeten einen tief
empfundenen Bachruf, indem er, an ein Wort des Midrasch anknüpfend, rühmte,
wie Uhlfelder stets der Mahnung der Weisen gerecht wurde, sein Gewand zu
jeder Zeit weiß zu erhalten, das Gewand der Lauterkeit im Wandel und der
Treue zu Gott. Mit Wärme schilderte er dann den Verblichenen als Gatte,
Vater und Bruder. Für den bayerischen Volkschullehrerverein und für den
Verein israelitischer Lehrer in Bayern überbrachte Herr Hauptlehrer Dr.
Bamberger letzte Grüße und das Gelöbnis unverbrüchlicher tatbreiter
Treue! namens des Lehrerkollegiums der israelitischen Volksschule der
Adaß nahm Herr Oberlehrer Heß schmerzbewegten Abschied; ferner widmete
Herr Oberstudienrat Dr. Tachauer als Vertreter der Adaß Israel, Herr Rechtsanwalt
Feilchenfeld für die Maimonides Loge und Herr Dr. Löb im Namen der
Elternschaft der jüdischen Volksschule der Verewigten Worte des Gedenkens
und des Dankes.
Ein zahlreiches Trauergefolge, darunter auch Herr Stadtschulrat Eder,
begleiteten Uhlfelder zur letzten Ruhe. Viele Amtsbrüder waren zum Teil -
trotz des Freitags - weither gekommen, um ihre Anteilnahme zu bezeugen.
Ein Unglück, das so jähr hereinbrechend ein trautes Familienglück
zerstört, wird immer erschütternd wirken, doch darüber hinaus werden
alle, die den bescheidenen, jedermann gut gesinnten und allem
Äußerlichen widerstrebenden Manne näher kannten, seinen Heimgang als
einen schweren Verluste beklagen. J. Blum (Nürnberg). |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928: "Nürnberg,
30. Dezember (1928). Am 21. dieses Monats verschied nach kurzer Krankheit
unerwartet Hauptlehrer Jonathan Uhlfelder. Sein Tod erweckte in weiten
Kreisen der hiesigen Gemeinde tiefste Teilnahme. Uhlfelder stammte aus
einer Familie, in der der Lehrerberuf traditionell ist. Nach erfolgreicher
Tätigkeit in Burgsinn, an der Präparandenschule in Burgpreppach und an
der Volksschule in Heidenheim wurde er an die hiesige jüdische
Volksschule berufen, an der er 6 1/2 Jahre wirkte.
Uhlfelders stilles bescheidenes Wesen liebte es nicht, in der
Öffentlichkeit sich bemerkbar zu machen. Aber alle, die in engeren
Verkehr zu ihm traten, wussten seine Geradheit und Schlichtheit, sein
reges Interesse an Berufs- und anderen Fragen, sein pädagogisches Wissen
und Geschick zu schätzen. Die Bestattung fand am 23. dieses Monats unter
großer Beteiligung statt. Am Grabe rühmte Herr Rabbiner Dr. Klein des
Heimgegangenen Persönlichkeit als Familienvater und Erzieher, Herr Prof.
Dr. Tachauer sprach den Dank der Adaß Israel für seine ersprießliche
Tätigkeit an der Schule aus, Herr Oberlehrer Heß nahm im Namen des
Lehrerkollegiums Abschied von dem treuen Freund und Kollegen, Herr
Hauptlehrer Dr. Bamberger, der im Auftrag des bayrischen und jüdischen
Lehrervereins sprach, hob seine Treue zu den Berufsorganisationen hervor,
Herr Dr. Feilchenfeld dankte für die Maimonides-Loge und Herr Dr. Löb im
Namen der Eltern. Möge der Allgütige der schwer geprüften Familie
beistehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Über den aus Heidenheim stammenden Wolf Benjamin ben
Samson Heidenheim (1757-1832)
Der bedeutendste jüdische Heidenheimer war
Wolf Benjamin ben Samson Heidenheim: Exeget und Grammatiker; geboren 1757 in
Heidenheim; gestorben in Rödelheim am 23. Februar 1832. Bereits in frühem
Alter wurde Heidenheim nach Fürth geschickt, wo er Talmud unter Joseph
Steinhardt studierte (Steinhard war der Autor von "Zikron Yosef"
von 1777 an studierte er unter Hirsch Janow). Neben dem Talmud studierte
Heidenheim außerdem die hebräische Grammatik die Masorah.
1782 verließ er Fürth, vermutlich weil Janow Gegner von Mendelssohns
Pentateuchübersetzung war, den jedoch Heidenheim sehr verehrte. Weiteres unter http://www.talmud.de/cms/Siddur_Sefat_Emet.97.0.html.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1885:
"In meinem Verlage erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu
beziehen: Sefat Emet. Israelitisches Gebetbuch nach der Ordnung
von Heidenheim. Hauptvorzüge vor andern Heidenheim'schen
Gebetbüchern: Stärkeres Papier, neue deutliche Lettern,
tiefschwarzer Druck, solider Einband, 3fache sorgfältige Korrektur
des Textes. Die erläuternden Bemerkungen sind in deutscher Sprache
und deutscher Schrift. - Billiger Preis. Viele anerkennende Schreiben
bedeutender Rabbinen sind bei mir eingegangen. Joh. Wirth'sche
Hofbuchdruckerei, Mainz (Oscar Lehmann)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Auf Grund der vorliegenden Zahlen der jüdischen Einwohner (1714 bereits 10
Familien) dürfte ein Betsaal oder eine erste Synagoge bereits Anfang des 18.
Jahrhunderts vorhanden gewesen sein. Ob es diese Synagoge oder ein
Nachfolgegebäude war: das bis 1851 bestehende Synagogengebäude brannte
in dieser Jahr ab. Da ein Neubau die finanziellen Kräfte der Gemeinde bei
weitem überstieg, wurde eine Kollekte veranstaltet, zu der unter anderem
auch Freiherr von Rothschild aus Frankfurt einen Beitrag überwies.
Die
"Allgemeine Zeitung des Judentums" berichtete am 15. Dezember 1851:
"Herr von Rothschild in Frankfurt am Main scheint in neuerer Zeit bei
seiner bekannten Wohltätigkeit dem Grundsatz der Gleichheit huldigen zu wollen.
Bekanntlich empfängt von demselben jeder Bettler auf sein schriftliches Gesuch
einen preußischen Taler. Nun hat sich vor einiger Zeit die kleine Gemeinde
Heidenheim in Mittelfranken, deren Synagoge abbrannte, mit einer devoten Bitte
um eine Beisteuer zum Wiederaufbau ihres Gotteshauses an gedachtes Haus
gewendet, und siehe da! auch sie erhielt einen preußischen Tresorschein." |
Die neue Synagoge wurde 1852/53 an derselben wie die
abgebrannte ältere Synagoge erstellt. Im
Frühjahr/Sommer 1852 standen die Grundsteinlegung und der Beginn
der Arbeiten zum Wiederaufbau der Synagoge in Heidenheim an:
In der "Allgemeinen
Zeitung des Judentums" vom 17. Mai 1852 fand sich folgende Notiz (verbunden mit
einer Kritik an eventuell zu aufwendig durchgeführten Veranstaltungen im
Zusammenhang mit dem Bau der Synagoge einer "kleinen Gemeinde"): "Der Wiederaufbau der
Synagoge in Heidenheim, wozu Herr Emanuel in London fünf Pfund und sein
Schwiegersohn Herr Bergtheil ein Pfund beigesteuert haben – beide geborene
Bayern – wird demnächst beginnen und soll schon bei der Grundsteinlegung große
Feierlichkeit stattfinden und ein auswärtiger Rabbiner herbeigerufen werden.
Wenn doch kleine Gemeinden derlei, selbst bei großen nicht allseitig gutzuheißende
Ostentationen unterließen! Zuerst bettelt man das Land auf und ab um einiger
Taler und dann will man doch in Nichts Anderen nachstehen und meidet überflüssige
Kosten nicht". |
Die Synagoge in Heidenheim wurde durch den bekannten Architekten Friedrich
Bürklein erstellt (1813-1872; Schüler von Friedrich von Gärtner). Er
hatte in den 1840er-Jahren aufsehenerregende Bauten wie das in italienischem
Stil erbaute Rathaus in Fürth oder den Neubau des Münchener Hauptbahnhofes mit
seinen gewagten Stahlkonstruktionen erstellt. Zeitgleich mit der Synagoge in
Heidenheim verantwortete Bürklein u.a. die Architektur der Münchner
Maximilianstraße. Beim Bau der Synagoge in Heidenheim orientierte sich der
Architekt am "maurischen" (neu-islamischen, neu-orientalischen) Stil,
in dem in den Jahren zuvor u.a. Synagogen in Ingenheim,
Speyer erstellt wurden.
Die Synagoge in Heidenheim wurde von
Bürklein als relativ kleinem längsrechteckigem Bau konzipiert. Es waren
Plätze für 60 Männer und 40 Frauen (auf der dreiseitig umlaufenden Empore)
geplant. Der Almemor (Vorlesepult für die Tora) stand traditionell in der
Mitte. Außen fällt eine zweigeschossige Gliederung auf. Die Fenster wurden von
leicht eingezogenen Hufeisenbögen eingerahmt. Das Westportal mit seinem
Doppelportal wurde überragt von einem vorgeblendeten, spitz zulaufenden Hufeisenbogen.
Drei gekoppelte Hufeisenbogenfenster und ein kleines Rundfenster füllen das
Giebelfeld. Die Absicht des Architekten ist deutlich: einen kirchlichen Eindruck
der Synagoge zu vermeiden und die Herkunft des jüdischen Volkes aus dem Orient
in der Stilform auszudrücken.
Im Laufe des Sommers 1853 ging der Synagogenneubau
seiner Vollendung entgegen:
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September
1853: "Die Synagoge in Heidenheim nähert sich ihrer Vollendung, und
soll demnächst eingeweiht werden." |
Am
27. Oktober 1853 konnte mit einem großen Fest für den ganzen Ort die Einweihung
der Synagoge gefeiert werden.
In der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" war in
der Ausgabe vom 28. November 1853 zu lesen: "Die bereits schon früher
in diesen Blättern angemeldete Einweihung der sehr schön erbauten Synagoge zu
Heidenheim fand am 27. Oktober (Schabbat
Bereschit) statt, und wurde dieselbe einfach aber würdig begangen. Den
Glanzpunkt der Festlichkeit bildete die Festrede des Herrn Rabbinen Grünbaum
aus Ansbach. Redner hat sich durch seinen trefflichen gediegenen Vortrag aufs
Neue viele Herzen gewonnen, und äußerte derselbe auf die zahlreich
versammelten Zuhörer, worunter auch viele christliche Notabilitäten,
sichtlichen Eindruck. Möchten die Worte der Versöhnung und des Friedens, die
derselbe predigte, auf fruchtbaren Boden gefallen sein, damit der leider auch in
dieser Gemeinde herrschende Oppositionszwist, der schon so manche unerquickliche
Szenen herbeigeführt hat, nach und nach verschwinde. – Dem nahen Oettingen
steht demnächst die gleiche Feier bevor. Überhaupt nimmt die Errichtung neuer
jüdischer Gotteshäuser in unserem Lande auf eine erfreuliche Weise zu. Möchte
auch die sittliche und moralische Veredlung unserer Glaubensgenossen hiermit
gleichen Schritt halten! H.B." |
Zu
den besonderen Ereignissen im Leben einer jüdischen Gemeinde gehörte auch die
– auf Grund der hohen Kosten - meist nur selten vorkommende Einweihung
einer neuen Torarolle. Im April 1876 konnte in Heidenheim mit einem
Fest des ganzen Ortes (die Torarolle wurde vermutlich in einer feierlichen
Prozession zur Synagoge gebracht) eine solche Tora eingeweiht werden.
Die
Zeitschrift "Der Israelit" berichtete am 24. Mai 1876: "Heidenheim a.H., 29.
April (1876). Heute fand hier eine erhebende Feierlichkeit statt. Herr Amson
Sommer gab bei Gelegenheit der Bar Mizwa-Feier
seines einzigen Sohnes eine neue sefer
tora (Torarolle) in die Synagoge. Herr
Distriktsrabbiner Grünebaum hielt eine zweckentsprechende Festrede, die von den
Zuhörern verschiedener Konfessionen mit wahrer Begeisterung aufgenommen wurde.
Weinstock." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge angezündet und mit
dem gesamten Inventar und den Ritualien zerstört. Übrig blieben die
Außenmauern, die auch nach 1945 stehen blieben und mit einem neuen Dach
verstehen wurden. Die Fenster wurden verkleinert, eine Verladerampe vor dem
Eingang angebracht, sodass das Gebäude als Warenlager verwendet werden konnte.
Bis um 1980 wurde das ehemalige Synagogengebäude als Lager eines
landwirtschaftlichen Anwesens (Raiffeisenlager) verwendet. In den 1980er-Jahren
wurde das Gebäude abgebrochen. An seiner Stelle wurde ein Parkplatz zur
benachbarten Bank angelegt. Im November 1988 wurde ein Gedenkstein
angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Hechlinger
Straße
7.
Fotos
Historische Darstellungen
(Quelle: Hammer-Schenk s. Lit.
Bd. 2 Abb. 185-186) |
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Blick auf das Eingangsportal
der Synagoge |
Längsschnitt durch die
Synagoge
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Der Synagogenplatz 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2006) |
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| Der
Synagogenplatz mit dem Gedenkstein 2006 |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 192. |
 | Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland.
Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Hamburg 1981 Teil I
S. 261-265; Abbildungen Teil II Nr. 185-186. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 161. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 297-298.
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Heidenheim S. 372-382. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Heidenheim Middle Franconia.
Jews were present in the early 18th century. The grammarian and liturgical
scholar Wolf Heidenheim was born there in 1757. A new synagogue was erected in
1853 and the Jewish population stood at 130 (total 1.536) in 1867. After
Worldwar I, the majority of Jews were cattle and horse traders. Thirty-one
remained in 1933, eight emigrating and 16 leaving for other German cities by
1938. The last six left after the burning of the synagogue on Kristallnacht
(9-10 November 1938).

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