Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wenings (Stadt Gedern, Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Kennkarten aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur    

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Wenings bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1629 wird der große Gelehrte Rabbiner Juda Mehler Reutlinger in Wenings genannt. Er war um 1609 in Fulda geboren. 1629 kam er nach Wenings und heiratete im gleichen Jahr Rechlen, Tochter von Jakob Rebitz. Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges zwangen ihn, mehrmals seinen Wohnsitz zu wechseln. Von 1644 bis zu seinem Tod 1659 war er Rabbiner in Bingen (Grabstein in Bingen - Epigraphische Datenbank des Steinheim-Institutes). 
   
Aus dem 18. Jahrhundert liegen u.a. Quellen zur Aufnahme von Juden in Schutz in Wenings vor: So beantragte 1740 Simon Jud aus Bleichenbach den Schutz in Wenings; 1743 wird am Ort ein Schutzjude Berez (Perez) genannt, dem Namen nach sephardischer Herkunft.   
    
Bis 1816 gehörten die benachbarten Orte Wenings und Bindsachsen zur Herrschaft Ysenburg-Büdingen beziehungsweise Büdingen-Birstein. In beiden Orten wurden von der Ortsherrschaft jüdische Familien aufgenommen, die nach 1860 (möglicherweise schon bis Anfang des 19. Jahrhunderts) eine gemeinsame Gemeinde bildeten, doch gab es in Bindsachsen - solange auf Grund der zurückgehenden Zahl der jüdischen Einwohner möglich - einen separaten Gottesdienst.      
       
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 74 jüdische Einwohner (von 780), 1861 85 (9,3 % von insgesamt 917 Einwohnern), 1875 etwa 30 jüdische Familien, 1880 126 jüdische Einwohner (13,8 % von 913), 1895 99 (11,5 % von 855), 1910 70 (9,1 % von 771, in etwa 18 Familien).
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule)), ein rituelles Bad (im Schulgebäude) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Aus dem 19. Jahrhundert ist Lehrer Hofmann zu nennen, der von 1851 bis 1877 als Lehrer in Wenings tätig war (siehe Bericht unten). Bis 1913 war der "sehr beliebte" Lehrer Baruch Stern am Ort (siehe Mitteilung zu seinem Tod unten). 1892 hatte die jüdische Gemeinde Wenings etwa 17 bis 20 schulpflichtige Kinder. 1904 wurde ein Schulverband zwischen den jüdischen Gemeinden, Gedern, Oberseemen und Wenings angeregt, doch hatte Wenings bis 1922 einen eigenen Religionslehrer. Danach wurde der Unterricht durch Lehrer Adolf Bauer aus Gedern erteilt. Ein jüdisches Schulhaus war unmittelbar an die Synagoge angebaut; es wurde 1892 bis 1896 gründlich erneuert. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat in Gießen.
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Moritz Joseph (geb. 25.1.1894 in Wenings, gef. 5.4.1918), Benjamin Lind (geb. 3.11.1887 in Bermutshain, gef. 29.10.1914), Moritz Rosenthal (geb. 7.7.1884 in Wenings, gef. 28.8.1914) und Simon Rosenthal (geb. 2.2.1890 in Wenings, gef. 26.2.1916).  Außerdem sind gefallen: Leopold Beretz (geb. 13.8.1871 in Wenings, vor 1914 in Mainz wohnhaft, gest. an der Kriegsverletzung 18.11.1919), Sally Rosenberg (geb. 27.9.1888 in Wenings, vor 1914 in Wächtersbach wohnhaft, gef. 18.4.1916).         
   
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 56 Personen gehörten (7,5 % von insgesamt 745 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Abraham Rosenberg, Daniel Rosenthal II, Samuel Bertz. Als ehrenamtlicher Vorbeter und Schochet, zugleich als Rechner der Gemeinde, war Bernhard Prager tätig. Den Religionsunterricht der damals zehn schulpflichtigen jüdischen Kindern der Gemeinde erteilte der bereits genannte Lehrer Adolf Bauer aus Gedern. An jüdischen Vereinen bestanden vor allem der Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Salomon Rosenthal II mit 14 Mitgliedern) und der Israelitische Frauenverein (gegründet 1931; 1932 unter Leitung von Sara Rosenthal mit 12 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit). 1932 waren die Gemeindevorsteher Salomon Rosenthal III (1. Vors.), Josef Goldschmidt (2. Vors.). Als Lehrer kam weiterhin Adolf Bauer aus Gedern nach Wenings; im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er sechs Kinder in Wenings;  ehrenamtlicher Vorbeter und Schochet war weiterhin Bernhard Prager. 
 
Von den in den 1920er-Jahren noch 15 jüdischen Familien waren die Familienvorstände: Kaufleute (7), Viehhändler (6) und Metzger (2). Die meisten Familien betrieben nebenbei ein wenig Landwirtschaft für den Eigenbedarf.         
    
1933 lebten noch 47 jüdische Personen am Ort (6,1 % von insgesamt 771 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch Brand zerstört (s.u.). 1939 wurden keine jüdischen Einwohner am Ort mehr gezählt.     
     
Von den in Wenings geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fanny Adler geb. Rosenthal (1855), Moses Baer (1886), Samuel Bär (1883), Siegfried Baer (1906), Katharina Beretz (1870), Gustav Diebach (1893), Max Grünebaum (1901), Lea Hirsch geb. Beretz (1883). Rola (Rebekka) Menkel geb. Grünebaum (1881), Rosa Müller geb. Beretz (1881, vgl. Kennkarte unten), Karoline Plaut geb. Rosenberg (1886), Bernhard Prager (1888; vgl. Informationen bei Apolda),  Abraham Rosenberg (1865), Jakob Rosenberg (1862), Daniel Rosenthal (1876), Emanuel Rosenthal (1888), Erwin Rosenthal (1921), Greta Rosenthal geb. Steinhardt (1890), Hermann Rosenthal (1875), Jakob Rosenthal (1874), Johanna Rosenthal (1887), Kurt Rosenthal (1923), Maier (Meier) Rosenthal (1878), Meier Rosenthal (1885), Sara Rosenthal geb. Beretz (1876), Nathan Ross (1885), Recha Scheuer geb. Rosenberg (1891), Sara Stein geb. Rosenberg (1885), Karoline Stern (1865), Fanny Wolf geb. Stern (1893).
Im "Gedenkbuch" Eintragungen teilweise unter falschem Ortsnamen "Wennings". 
  
Für Sara Stein geb. Rosenberg liegt ein "Stolperstein" in Neuss: pdf-Datei zu ihrer Familiengeschichte.  
    
    

    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1882 / 1889 / 1892

Wenings Israelit 05121877.jpg (43618 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1877: "Die hiesige Religionslehrer- und Vorsängerstelle soll sofort besetzt werden. Der Gehalt beträgt Mark 600 sowie entsprechende Nebeneinkünfte und freie Wohnung. Bewerber wollen sich alsbald bei dem unterzeichneten Vorstand unter Vorlage Zeugnisse melden. Polen und Russen werden nicht berücksichtigt. 
Wenings bei Büdingen (Oberhessen), im Dezember 1877. J. Joseph, Vorstand."
 
Wenings Israelit 31051882.jpg (41590 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1882: "Die hiesige israelitische Religionslehrer- und Kantorstelle ist sofort zu besetzen mit einem jährlichen Gehalt von Mark 700 bis 800, auch sind mit derselben entsprechende Nebenverdienste und Schächteramt verbunden. Bewerber wollen ihre Zeugnisse, sowie ihre Zeugnisse als geprüfter Religionslehrer an den unterzeichneten Vorstand einsehen. Wenings in Oberhessen, 18. Mai 1882. 
Der Vorstand: gez. G. Gumb."
   
Wenings Israelit 07021889.jpg (33070 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1889: "Die Stelle eines staatlich geprüften Religionslehrers, Vorbeters (u. Schochets) mit fixem Gehalt von Mark 660 ist vakant. Bewerber wollen sich alsbald an unterzeichneten Vorstand wenden. Wenings (Oberhessen), 4. Februar 1889. Der Vorstand A. Grünebaum."
   
Wenings Israelit 01081892.jpg (33785 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1892: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle ist vakant. Fixer Gehalt im ersten Jahr Mark 650, nebst den üblichen Nebeneinkommen. Staatlich geprüfte Bewerber wollen sich melden an den Vorstand A. Grünebaum. Wenings (Oberhessen), 27. Juli 1892."

 
Zum Tod des Lehrers Hofmann (1877, Lehrer in Wenings von 1851-1877)   

Wenings Israelit 28031877.jpg (216021 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1877: " Wenings, den 9. März (1877). Einen herben Verlust hat dieser Tage die hiesige israelitische Gemeinde erlitten. Herr Lehrer Hofmann ist nicht mehr. Am Sonntag, den 4. dieses Monats ist er vom Schauplatze seiner irdischen Wirksamkeit, im Alter von 63 Jahren und nach 10tägigem Krankenlager, abberufen worden und sanft entschlafen. Der Schmerz der hiesigen Gemeinde ist sehr groß, die Trauer über das schnelle und unerwartete Hinscheiden desselben eine allgemeine. Er war ein echter Jehudi im wahren Sinne des Wortes, einer der Männer, wie sie in unseren Tagen sehr nötig sind und die leider immer seltener werden. Als Lehrer 26 Jahre hier tätig, gab er, ganz seinem Stande gemäß, das Beispiel und Vorbild eines streng religiösen Lebens, verbunden mit der größten Humanität. Seine Schüler hielt er jederzeit eifrigst an, nach seinem Muster ein streng jüdisches Leben zu führen und ließ es an Ermahnungen in dieser Beziehung nicht fehlen. Bis in die späte Nacht hinein beschäftigte er sich mit dem Torastudium. Arme und Dürftige haben in ihm einen Vater, trauernde und Kranke einen mitleidsvollen Tröster, viele wohltätige Institutionen eine helfende Stütze verloren. Seine Hand war stets zum Geben geöffnet, sein Haus stand den Armen offen, und es war die größte Freude des Verblichenen, Dürftige und Notleidende an seinem Tische zu sehen und ihnen mit Rat und Tat beistehen zu können. Er war nach dem Verlagen unseres großen Gelehrten Hillel ein Schüler Arons, einer der den Frieden liebte und ihm nachstrebte, einer der die Gesundheit liebte und der Tora nahestand (?). Der Verblichene hatte keine Kinder, übte jedoch an Vielen Vaterpflicht, zog sogar, ohne die geringste Vergütung, ein Kind vom 1.-14. Lebensjahr auf. Durch seinen stets friedlichen Charakter wusste er sich die Anhänglichkeit und Freundschaft nicht nur der hiesigen Einwohner, sondern auch aller derer, die ihn kannten, zu gewinnen, Dies zeigte sich namentlich auch bei seinem Begräbnisse, zu welchem Leute aus der ganzen Umgegend herbeiströmten. Die Teilnahme seitens der christlichen Bevölkerung, an dessen Leichenzuge war eine zahlreiche, da er sich unter derselben eines außerordentlich guten Rufes zu erfreuen hatte. Möge Gott die hinterlassene trauernde Witwe, sowie alle Angehörigen trösten und die Wunde, die er ihnen durch diesen Verlust schlug, wieder liebevoll heilen. Möge es aber auch der hiesigen Gemeinde vergönnt sein, einen würdigen Nachfolger zu bekommen, der in den Fußstapfen des seligen, unvergesslichen Lehrers wandeln wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Amen." 

   
Lehrer Baruch Stern ist gestorben (1913)   

Grossumstadt Frf IsrFambl 05091913.jpg (30411 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. September 1913: "Aus Hessen. Jüngst verschied in Wenings der sehr beliebte Lehrer Baruch Stern, 70 Jahre alt. - In Groß-Umstadt ist als Nachfolger des verstorbenen Lehrers Stein, der in der Synagoge plötzlich verschied, Lehrer Kahn aus Orb gewählt worden."

      
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf des evangelischen Pfarrers für einen armen jüdischen Handelsmann (1894)

Wenings Israelit 30071894.jpg (125598 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1894: "Aufruf. In Wenings, Großherzogtum Hessen, lebt ein armer israelitischer Handelsmann, zu dessen Unterstützung der Unterfertigte dessen Glaubensgenossen öffentlich aufzurufen sich nach Lage der Dinge wohl erlauben darf. Wenngleich Handelsmann, ist der arme Mann doch durch seine in Folge von Leiden und Sorgen geschwächte Gesundheit an der Ausübung seines Gewerbes außerordentlich behindert; dazu liegt ihm noch die Fürsorge ob 1) für 3 kleine ihm noch in seiner dritten Ehe geborenen Kinder von 2 1/2 - 6 Jahren, 2) die Aufbringung des immerhin hohen Pflegegeldes für deren Mutter, seine Frau dritter Ehe, welche vor einigen Monaten wegen unheilbarer Geistesgestörtheit in eine Irrenanstalt verbracht werden musste. Es liegt demnach auf der Hand, dass hier eine drückende Notlage vorhanden ist. Das wenige, was der Mann überhaupt verdienen kann und was ihm bisher an privater und öffentlicher Unterstützung zuteil geworden ist, reicht bei weitem nicht aus, um ihn seiner Not auch nur im entferntesten zu überheben. Gütige Gaben seiner Unterstützung hat sich die Expedition dieses Blattes unter Nr. 3971 entgegenzunehmen freundlichst bereits erklärt. 
Wenings, 26. Juli 1894. 
Haacke
, evangelischer Pfarrer."

  
Gerichtsverhandlung zwischen dem Antisemiten Reuter und den Brüdern Joseph aus Wenings (1910) 

Wenings ImdtReich 121910.jpg (70000 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich", Ausgabe Dezember 1910: "Gießen, 10. November (1910). Der hiesige bekannte antisemitische Agitator Reuter hatte gegen die Gebrüder Joseph in Wenings in Oberhessen Privatklage wegen Beleidigung erhoben, weil sie ihn in einer öffentlichen Versammlung einen Landstreicher genannt und in Bezug auf ihn geäußert haben sollen 'es ist nicht weit von Butzbach' (Zellenstrafanstalt. Die Verhandlung fand am 8. November vor dem Amtsgericht Ortenberg statt. Wegen der Beleidigung wurden die Gebrüder Joseph freigesprochen und der Privatkläger Reuter mit sämtlichen Kosten des Verfahrens belastet."   

       

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Wenings geboren sind
 
 Wenings KK MZ Lorch Rosa.jpg (91819 Byte)  Wenings KK MZ Mueller Rosa.jpg (87177 Byte)  
   Kennkarte (Dieburg 1939) für Rosa Lorch geb. Joseph
 
(geb. 7. November 1895 in Wenings)     
   
 Kennkarte (Mainz 1939) für Rosa Müller geb. Beretz (geb. 16. September 1881
 in Wenings), wohnhaft in Mainz, deportiert am 27. September 1942 ab Darmstadt 
in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 17. März 1943 umgekommen ist 
 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge           
    
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine erste Synagoge unbekannten Baujahres vorhanden.   
  
1875 erstellte die jüdische Gemeinde am Platz der bisherigen Synagoge einen Neubau, der 1878 fertiggestellt wurde. Dabei wurden Bausteine des Vorgängerbaus teilweise weiterverwendet. Die Kosten konnten durch Kollekten, Stiftungen, Spenden sowie durch einen Kredit beglichen werden. Erstellt wurde unweit der evangelischen Kirche ein stattliches Gebäude aus dunkelgrauem Bruchsteinmauerwerk (Außenmaße etwa 9 m x 13 m). Charakteristisch waren u.a. die Lisenengliederung von Trauf- und Giebelseite sowie die hohen Rundbogenfenster mit getreppten Steinumrahmungen. Der Haupteingang war von der Westseite. Im Inneren war an zwei Seiten die Frauenempore eingebaut. Sie stand auf Eisenstützen mit korinthischen Kapitellen. Es gab im Betraum Platz für mindestens 100 Personen.  
  
Durch den Bau der Synagoge hatte sich die Gemeinde verschuldet; der notwendige Umbau des Schulhauses zwischen 1892 und 1896 verschärfte die finanzielle Situation, da einige Familien vom Ort weggezogen waren. 1895 bis 1896 wurde daher eine große Spendenaktion durchgeführt. Es gingen damals von vielen jüdischen Gemeinden wie auch von Einzelpersonen Spenden ein, die alle der "innigsten und dringenden Bitte an unsere Israelitischen Glaubensgenossen" Folge leisteten. Auch das Frankfurter Bankhaus Rothschild förderte den Synagogenbau durch eine Anleihe für 50 Jahre. Doch lag dem damaligen Gemeinderechner Abraham Grünebaum daran, möglichst bald die Schulden zurückzuzahlen, was ihm auch gelungen ist: ab 1900 war die Gemeinde schuldenfrei. 
    
In den 1920er-Jahren wurde an der Westseite eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht.  
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch Brandstiftung zerstört. 
    
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die katholische Kirchengemeinde unter dem damaligen Pfarrer May die Ruine der Synagoge und baute sie zu einer Kirche um. Dabei wurden zwei rechteckige Anbauten im Osten und Westen des Gebäudes sowie ein Dachreiter mit Kreuz ergänzt. Am 28. Mai 1954 wurde die ehemalige Synagoge als katholische Kirche "Maria, Königin des Friedens" geweiht. Eine Menora fand in Erinnerung an die frühere Funktion des Gebäudes ihren Platz in der Kirche. 1997 erfolgte eine Modernisierung und der Einbau einer neuen Orgel.  
    
    
Adresse/Standort der Synagoge            Amtshofstraße   
    
    
Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 196; unten aus der Website der Gemeinde Wenings)   

Rekonstruktionszeichnung der 
Synagoge in Wenings 
Wenings Synagoge 110.jpg (88599 Byte)  
      
       
Die zur Kirche umgebaute 
ehemalige Synagoge 
Wenings Synagoge 120.jpg (15119 Byte)  
      

     

   
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wenings mit Seite zur Geschichte der Gemeinde (hier auch Foto der ehemaligen Synagoge, jetzt Kirche)   
Website der Stadt Gedern zum 1225-jährigen Jubiläum mit Seite zur Geschichte von Wenings (Verf.: Hans Erich Kehm)  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 358-359.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988. S. 195-196.    
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 S. 156 (keine weiteren Informationen).
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007. S. 398-399.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 322.327.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 210. 

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wenings Hesse. Established in the 18th century, the community built a new synagogue in 1875-1878, numbered 126 (14 % of the total) in 1880, and was affiliated with Giessen's Orthodox rabbinate. All of the remaining 47 Jews had left, many emigrating, by Worldwar II. 
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Juli 2016