Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Apolda (Kreisstadt, Kreis Weimarer Land)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
    
In Apolda bestand eine jüdische Gemeinde ("Israelitische Vereinigung") von 1900 bis Mitte der 1920er-Jahre (doch lebten bis zu den Deportationen in der NS-Zeit jüdische Familien in der Stadt). Eine Ansiedlung jüdischer Personen und Familien in der Stadt war erst seit etwa 1850 möglich.   

Im 19./20. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1880 12 jüdische Einwohner, 1885 39, 1895 47, 1905 62.  

An Einrichtungen bestand ein Betraum (s.u.). Den Religionsunterricht der wenigen jüdischen Schulkinder übernahm ein auswärtiger Lehrer. Nach 1900 war es der auch für Jena zuständige jüdische Lehrer. 1924 wurde das damals einzige schulpflichtige jüdische Kind durch Lehrer A. Heilbrun aus Arnstadt unterrichtet. Nach der Mitte der 1920er-Jahre gab es in Apolda kein organisiertes jüdisches Gemeindeleben mehr. Ein eigener jüdischer Friedhof in der Stadt bestand nicht; der Antrag der jüdischen Gemeinde auf Anlage eines jüdischen Teiles im städtischen Friedhof wurde 1905 vom Gemeinderat abgelehnt.      
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Erich Salinger (geb. 23.12.1893 in Apolda, gef. 16.3.1915).   
  
Um 1924, als zur Gemeinde 59 Personen gehörten (0,24 % von insgesamt etwa 25.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Benjamin Hofmann, Gerhard Holzmann und Jakob Raphael. Eines der bekanntesten Geschäfte einer jüdischen Familie war die Fell- und Därmehandlung S. Prager (um 1900 von Salomon Prager gegründet, später durch den 1888 geborenen Sohn Bernhard Prager übernommen, siehe unten).     
   
1933 lebten 80 jüdische Personen in Apolda.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der Boykott jüdischer Geschäfte hatte auch in Apolda mit dem 1. April 1933 begonnen. Damals zogen SA-Posten u.a. vor dem Kaufhaus Fortuna-Wohlwert auf; vor diesem hielt der Großkaufmann und NSKK-Standartenführer Eduard Gabriel eine antijüdische Hetzrede. Ende Oktober 1938 wurden die sogenannten "Ostjuden" deportiert. Davon waren in Apolda die Familien Piper (Faulborn 32), Rechtmann und Szajnthal betroffen. Sie sind vermutlich alle umgekommen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Häuser und Geschäfte demoliert. Bei Familie Fleischmann (Bernhardstraße 34) wurden die Fensterscheiben eingeworfen, ein Pferdefuhrwerk auf die Gasse gezogen und angezündet; bei Familie Hofmann (Bernhardstraße 14) wurde die Wohnung verwüstet und der 70-jährige Benjamin Hofmann die Treppe heruntergestoßen; er starb wenige Tage später an seinen Verletzungen. Elf jüdische Männer wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach dem Novemberpogrom mussten alle noch bestehenden jüdischen Geschäfte zwangsweise verkauft ("arisiert") werden. Dies betraf die Kaufhäuser Rosewitz, Fortuna-Wohlwert und Karstadt, die Schokoladenfabrik von Heinrich Strasser, das "Cigarrenhaus des Westens", die Viehhandlungen Braunschild und Hofmann, die Schneidereien Lichtenstein und Ginsburg, die Textilbetriebe Fleischmann, Lichtenstein und Heymann, das Strickwarengeschäft Bukofzer, der Fellhandel von Bernhard Prager und das Hutgeschäft von Grete Rosenthal. 1941 mussten die Familien Sichel, Lichtenstein und Friedmann in das "Judenhaus" Bernhardstraße 34 umziehen, wo bereits die Familie Fleischmann lebte. Ab Mai 1942 erfolgten die Deportationen der noch in der Stadt lebenden jüdischen Einwohner.    
  
Von den in Apolda geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Bukofzer geb. Scheuer (1890), Jakob Bukofzer (1886), Estera Cohn  geb. Strumpfner (1893), Erich Dublon (1890), Otto Wilhelm Dublon (1889), Hedwig Fischer geb. Gumpert (1896), Ida Fleischmann geb. Frank (1881), Lina Fleischmann geb. Braunschild (1877), Salomon Ginsburg (1891), Nelly Hirsch geb. Rosewitz (1905), Hermann Ikenberg oder Itzenberg (1885), Fanny Katzenstein geb. Baum (1859), Gertrud Lichtenstein (1898), Max Mossner (1878), Heinz Peller (1922), Max Peller (1907), Bernhard Prager (1888), Gertrud Prager geb. Katzenstein (1894), Heinz Prager (1922), Gertrud Raphael (1894), Jakob Raphael (1864), Hugo Rechelmann (1879), Judka (Julius) Rechtmann (1883), Margot Rechtmann (1922), Antonie Reiss (1901), Grete Rosenthal (1898), Minna Rosenthal geb. Grünbaum (1872), Norbert Rosenthal (1901), Margarete Schwabacher geb. Wuertenberg (1894), Frieda Sonn geb. Katzenstein (1880), Anna Thiele geb. Kiesel (1906).    
     
An den in der Liste genannten Bernhard Prager erinnert seit 1959 die "Bernhard Prager-Gasse" (früher: "Sandgasse"). An dessen früherem Wohn- und Geschäftshaus (Bernhard-Prager-Gasse 8; am Gebäude ist noch leicht die alte Firmeninschrift zu lesen: "Felle - S. Prager - Därme") wurde rechts vom Eingang 1988 eine Gedenktafel mit folgendem Text angebracht: "(Davidstern). Bernhard Prager, geb. 29.6.1888 in Wenings, verfolgt wegen seiner jüd. Herkunft, deportiert von den Faschisten in das KZ Theresienstadt, ermordet am 26.9.1944. Vergesst sie nie". 2007 wurde in Apolda ein Verein mit dem Ziel gegründet, das Bernhard-Prager-Haus als Gedenk- und Erinnerungsort an die jüdischen Einwohner der Stadt zu erhalten. 
2008 bis 2015 wurden in Apolda sogenannte "Stolpersteine" zur Erinnerung an Umgekommene der NS-Zeit verlegt (die ersten drei Steine vor dem Prager-Haus im Mai 2008, neun weitere Steine im Oktober 2008, sieben weitere Steine 2010, acht weitere Steine 2011, sechs weitere Steine 2013, drei weitere 2014 und vier weitere 2015). Inzwischen liegen 55 Stolpersteine auf dem Stadtgebiet von Apolda.          
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
        
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
 
Gründung einer Religionsgemeinde (1900)   

Apolda Israelit 03051900.jpg (28679 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Apolda. Den am hiesigen Platze lebenden Israeliten ist es nach langem Bemühen gelungen, sich zu einer Religionsgemeinde zu vereinigen, und haben sie auch einen Kultusbeamten engagiert, der allwöchentlich auch in Jena Religionsunterricht erteilt."   

   
Die Anlage eines jüdischen Friedhofes wird vom Gemeinderat der Stadt abgelehnt (1905)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1905: "In Apolda ist ein an den Gemeindevorstand und - Rat gerichtetes Gesuch der dortigen Israeliten um Überlassung eines besonderes Platzes auf dem Friedhofe zur Beerdigung ihrer Angehörigen dieser Tage in der öffentlichen Gemeinderatssitzung rundweg abgelehnt worden."        

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Viehgeschäft Benjamin Hofmann sucht einen Mitarbeiter (1902 / 1903) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1902: "Suche sofort oder später für mein Viehgeschäft, einen jungen, soliden, gewandten, tüchtigen Mann, am liebsten, welcher in einem Viehgeschäft schon tätig war. 
Benjamin Hofmann. Apolda in Thüringen."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1903: "Suche für mein Vieh-Geschäft einen tüchtigen, jungen Mann, 
welcher selbständig einkaufen kann. 
B. Hofmann,
Apolda, Thüringen."     

    
Anzeige der Firma B. Wahrenberg  (1902)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1902: "Familien-Konzert, 
besonders Gesangslehrer für Kantoren, ist dieser beinahe so laut, wie natürlich sprechende, singende und spielende Phonograph. Derselbe setzt alle Hörer in Erstaunen und verkaufe ich diesen Apparat für Mark 20.-, auf Teilzahlung; 10 verschiedene Walzen, deutsch oder hebräisch á Stück 80 Pfennig. Anzahlung Mark 8.-, Ratenzahlung Mark 3.- per Monat. - Walzen ca. 2000 Nr. á Stück 80 Pfennig. Teurere Apparate ebenfalls Teilzahlung. B. Wahrenberg, Thüringer Phonographen-Industrie Apolda (Thüringen)."     

     
     
  
  
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Eine eigentliche Synagoge war nicht vorhanden. Von 1901 bis 1925 befand sich im Obergeschoss des Hauses des "Bürgervereins" (nach 1945: "Volkshaus") ein Betraum der "Israelitischen Vereinigung". 
     
Das Gebäude, in dem sich das Betlokal befand, wurde 1993 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde die Apoldaer Stadthalle erbaut.   
    
    
Adresse/Standort des Betlokales  Klause 3    
    
    
Fotos    
(Quelle: oberes Foto: Wikipedia-Artikel zum Prager-Haus Apolda; alle Fotos darunter: Hahn, Aufnahmedatum 30.6.2011)   

 Das "Bernhard-Prager-Haus"
 in Apolda 
 Apolda Prager-Haus 010.jpg (58760 Byte)  
   Rechts des Eingangs die Gedenktafel     
     
   Apolda Stadt 145.jpg (126500 Byte) Apolda Stadt 140.jpg (125825 Byte)
   Das "Bernhard-Prager-Haus" im Juni 2011 mit Informationsplakat: "Dieses ehemalige 
jüdische Wohnhaus wird ausgebaut zu eine Ort der Erinnerung und der Begegnung"  
     
Apolda Stadt 141.jpg (105886 Byte) Apolda Stadt 146.jpg (47902 Byte) Apolda Stadt 142.jpg (111311 Byte)
Gedenktafel von 1988 
(Text siehe oben) 
Historische Aufnahme des Geschäftes 
von Salomon Prager  
Straßenschild 
"Bernhard-Prager-Gasse"  
       
       

  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Sommer/Herbst 2014: Aktivitäten des Prager-Haus-Vereins   
Artikel in dtoday.de vom 31. Juli 2014: "Neues vom Prager-Haus-Verein. Friedensveranstaltung „Gegen das Vergessen“ und Aktion Stolpersteine
Apolda
(HM) - Zu den Aktivitäten des Prager-Haus-Vereins zählen auch die visuelle Vorbereitung auf eine Stadtführertätigkeit. Peter Franz, Geschäftsführer des Vereins, beabsichtigt einen Stadtrundgang zu „Jüdischen Häusern“, einen Stadtrundgang zu Stolpersteinen oder/und einen Stadtrundgang zu Adressen von jüdischen Personen mit einem besonderen Lebensschicksal in das Programm der Öffentlichkeitsarbeit aufzunehmen. Weiter sind vorgesehen:..." 
Link zum Artikel    
 
 

  

      
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Apolda  
Website des Prager-Hauses Apolda   
Wikipedia-Artikel zum Prager-Haus Apolda  (mit Literaturhinweisen)        

Literatur:  

Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link) S. 44-45.  
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 257. 
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 349-352. 
Peter Franz / Udo Wohlfeld: Jüdische Familien in Apolda. Diffamierung, Ausgrenzung, Entrechtung, Vertreibung, Deportation, Vernichtung, Ungehorsam. Die Apoldaer Judenheit während des Faschismus. Hrsg. von der Geschichtswerkstatt Weimar / Apolda e.V.. Weimar 2006.  
Peter Franz: Die Gewieften. Elfriede und ihr Sohn tricksen die Nazis aus. Reihe "Apoldaer Judengeschichten" Nr. 1. 2015. 
ders.: Die Frau im Schrank. Ein Gruß aus dem Jenseits. Reihe "Apoldaer Judengeschichten" Nr. 2. 2015. 
ders.: Der Unglücksbote. Der Befehl zur Fahrt in den Tod. Reihe "Apoldaer Judengeschichten" Nr. 3. 2015.
ders.: Kriegskameradschaft. Freundschaft gegen Judenhass. Reihe "Apoldaer Judengeschichten" Nr. 4. 2015. 
ders.: Der Röntgenarzt. Ein jüdischer Arzt wird als Apolda hinaus geekelt. Reihe "Apoldaer Judengeschichten" Nr. 5. 2015. 
Apolda Judgeschichten 6.jpg (41461 Byte)Christine Van der Heide / Peter Franz: Der Geiger. Musik als Über-Lebensmittel. Reihe "Apoldaer Judengeschichten" Nr. 6. 2016.  

       
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Apolda  Thuringia. Jews settled in Apolda in the 19th century, engaging in the knitting and embroidery trades and opening small businesses. The Jewish population grew from 12 in 1880 to 39 in 1885 and 60 in 1900. During the first year of Nazi rule, four Jews from Apolda were incarcerated in concentration camps. On Kristallnacht (9-10 November 1938), 11 Jewish men were arrested and deported to the Buchenwald concentration camp. Jewish shops and homes were vandalized. Most Jews from Apolda managed to make it to safe havens in Palestina and the Americas before the outbreak of war. Those who remained were subjected to deportations to the east on 1 May 1942 and on 20 September 1942. At least seven perished in the Holocaust. 
   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. April 2016