Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bleicherode (Kreis Nordhausen) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
     
In Bleicherode bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. 
    
Bereits im Mittelalter lebten Juden in der Stadt. 1368 bis 1389 werden Juden "von Bleicherode" in Erfurt nachgewiesen. 1418 zahlten die Bleicheroder Juden 1 Gulden Bullengeld an das Reich. Aus den Jahren 1482 und 1488 wird von räuberischen Überfallen auf reisende Juden in Bleicherode berichtet. 1589 gab es fünf jüdische Familien in der Stadt. 1593 wurden die Juden ausgewiesen. Um 1620 gab es - offenbar nur für kurze Zeit - wieder Juden in der Stadt. 
  
1683 wird in den Besucherverzeichnissen der Leipziger Messen vom Jahr 1683 ein Jude aus Bleicherode genannt (Freudenthal: Die jüdischen Besucher der Leipziger Messen 1675-1699. MGWJ 1901).  
  
Mit dem Anschluss der Grafschaft Hohnstein an Preußen kam es nach 1700 zu einem Aufblühen des jüdischen Lebens in der Stadt. 1725 wurden 86, 1728 bereits 155 jüdische Einwohner gezählt. 1799 erhielt erstmals ein jüdischer Einwohner das Bürgerrecht.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 112 jüdische Einwohner, 1816 121, 1840 151, 1860 etwa 100, 1861 110, 1900 147 (bei etwa 3.300 Einwohner), 1910 151. 
  
Besondere Verdienste erwarben sich jüdische Gewerbetreibenden beim Aufbau der Textilindustrie in der Stadt. Zu den jüdischen Webereien, Nähereien und Handelsvertretungen gehören Namen wie Schoenheim's Wwe., Philipp Schlesinger, Carl Helft, Carl Michaelis, Gebrüder Michaelis, Gebrüder Katz, Carl Beyth. Sehr erfolgreich als Arzt wirkte der früh verstorbene Dr. Wolf Fränkel (1807-1848), ein bekannter Orthopäde. Sein Grab ist auf dem jüdischen Friedhof. Viele jüdische Einwohner engagierten sich im Leben der Stadt und in den Vereinen. Sie stellten Schützenkönige und Vereinsrepräsentanten. Bis 1933 waren mehrere jüdische Unternehmer Mitglieder des Stadtparlaments, darunter um 1900 über längere Jahre Samuel Rothenberg; er wurde auf Grund zahlreicher Verdienste um die Stadt auch zum Ehrenbürger ernannt (siehe Bericht unten). Das einzige private Bankgeschäft wurde von der Familie Frühberg betrieben.       
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein Friedhof. Ein rituelles Bad konnte bisher nicht ermittelt werden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1855 wird als Lehrer M. H. Pinkus genannt, der seit 1842 in der Gemeinde wirkte (siehe Bericht unten). Die Gemeinde Bleicherode gehörte dem 1898 gegründeten Synagogen-Gemeinde-Verband der Provinz Sachsen an.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Walter Hesse (geb. 11.8.1888 in Bleicherode, gest. 16.9.1914 in Gefangenschaft), Gefreiter Siegried Schönheim (geb. 15.8.1890 in Bleicherode, gef.. 6.9.1914) und Gefreiter Walter Schönheim (geb. 11.8.1898 in Bleicherode, gef. 2.6.1918) . Außerdem sind gefallen: Erich Beyth (geb. 21.1.1888 in Bleicherode, vor 1914 in Düsseldorf wohnhaft, gef. 14.10.1918) und Paul Schönfeld (geb. 26.6.1892 in Bleicherode, vor 1914 in Göttingen wohnhaft, gef. 24.4.1915).    
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 120 Personen gehörten (2,2 % von insgesamt etwa 5,.400 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Otto Schlesinger, Hermann Rothenberg und Ernst Helft. Der Repräsentanz gehörten an: Julius Rothenberg, Josef Schwed, Max Dankwarth, Alfred Herzfeld, Oskar Schlesinger, Carl Michaelis, Kurt Schwabe, S. Lewitz, Fritz Wallach. Der genannte Hermann Rothenberg war Mitglied im Verbandsausschuss des Synagogen-Gemeinde-Verbandes der Provinz Sachsen. Als Lehrer, Kantor und Prediger war Leopold Stein angestellt. Er erteilte im Schuljahr 1935/25 acht Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden: die Chewra Kadischa (gegründet 1843; Wohltätigkeits- und Bestattungsverein, 1924/32 mit 40/42 Mitglieder unter dem Vorsitz von Joseph Schwed; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege, Unterstützung Bedürftiger, Bestattungswesen), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1916; 1924/32 mit 30/40 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Ida Rothenberg, wohnt Burgstraße 7; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Bedürftiger und Bestattung)) und die Wanderarmenfürsorgekasse (1924 unter Leitung von Otto Schlesinger).
   
1932 waren die Gemeindevorsteher: Otto Schlesinger (Hauptstraße 24, 1. Vors.), Oscar Schlesinger (Löwentorstraße, 2. Vors.) und Paul Rothenberg (Hauptstraße, 3. Vors.). Vorsitzender der Repräsentanz war Josef Schwed (Bahnhofstraße, 1. Vors.). Es gab einen Friedhofsausschuss in der Gemeinde unter Vorsitz von Josef Schwed sowie einen Synagogenausschuss unter Vorsitz von Otto Schlesinger. Als Lehrer war inzwischen Gustav Frühauf in der Gemeinde tätig (wohnte in der Löwentorstraße). Er erteilte an der Volksschule der Stadt sechs Kindern den Religionsunterricht.
  
Anfang der 1930er-Jahre waren die meisten jüdischen Geschäfte in der Bahnhofstraße (Nr. 22, 71, 78 und 79) und in der Hauptstraße (Nr. 52, 95, 98, 101 und 104). 
  
1933 lebten 107 jüdische Personen in Bleicherode.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1937 wurden 77 jüdische Einwohner (in 29 Familien) gezählt. Bis 1939 konnten 86 der früheren jüdischen Einwohner emigrieren. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt (s.u.). Nach einer amtlichen Verlautbarung wurden 12 namentlich benannte jüdische Männer verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt, unter ihnen Walter Schlesinger, der Lehrer Gustav Frühauf, die beiden Textilfabrikaten Hermann Helft und Karl Michaels. Die "Arisierungen" der letzten jüdischen Geschäfte wurden bis März 1939 abgeschlossen. Im Zusammenhang damit gab es vier Suizide jüdischer Personen, darunter der Webereibesitzer Felix Rothenberg (geb. am 19. Oktober 1939, Hauptstraße 88). Anfang 1939 lebten noch 46 jüdische Personen in der Stadt, bei Kriegsbeginn (September 1939) waren es nach Geheimberichten des Bürgermeisters noch 30 Personen. Im September 1942 begannen die Deportation nach dem Osten.   
  
Von den in Bleicherode geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Grete Esther Baum geb. Oppenheim (1909), Alma Besthoff geb. Beyth (1895) Wilhelm Beyth (1891), Frieda Brinkmann geb. Michaelis (1886), Lina Burghardt (geb. Schönheim 1866), Martha Cahn geb. Herzfeld (1869), Harry Frankenheim (1880), Helene Frohsinn (1876), Gertrude Fromme geb. Michaelis (1878), Gustav Frühauf (1884) Ida Adele Frühauf geb. Blum (1894), Hedwig Frühberg geb. Wormser (1908), Berta Goldschmidt geb. Rosenstein (1873), Sophie Goldschmidt geb. Wolff (1859; Amalie Gottschalk geb. Helft (1866), Olga Gräfenberg geb. Helft (1867), Minna Grünfeld geb. Schönfeld (1887), Nathan Havelland (1873), Kuno Levi Helft (1873), Alfred Herzfeld (1873), Erich Herzfeld (1889), Hermann Herzfeld (1882), Mary Herzfeld (1902), Mathilde Kahn geb. Hesse (1857), Hedwig Katz geb. Goldschmidt (1908), Selma Katz geb. Grünstein (1869), Margarete Katzenstein geb. Katz (1903), Margarete Kaufmann geb. Lebrecht (1877), Adeline Kirschberg geb. Jacob (1902), Else (Ilse) Lebrecht (1880), Samuel Lewitz (1871), Fritz Löwenthal (1896), Werner Michaelis (1880), David Rosenbaum (1861), Selma Rosenbaum geb. Arensberg (1873), Else Rothenberg geb. Hildesheimer (1890), Hans Rothenberg (1892), Inge Rothenberg (1924), Richard Ernst Rothenberg (1891), Richard Rothenberg (1891), Ernst Scheyer (1872), Ernst Schönheim (1894), Rudolf Schönheim (1892), Erich B. Schwabe (1921), Grete Schwabe (1884), Rosa Schwabe geb. Bloch (1893), Gerd Selig (1928), Antonie Spiegel geb. Schönheim (1872), Elly Stein geb. Strauss (1890), Leopold Stein (1880), Max Wels (1898).         
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Silberne Hochzeit von Lehrer M.H. Pinkus und Frau (1855)         

Bleicherode AZJ 22011855.jpg (125480 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1855: "Bleicherode, im Dezember (1855). Unsere kleine Gemeinde beging am 17. dieses Monats, als dem zweiten Tag des Chanukkafestes, eine Feier, die in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. - Der seit dreizehn Jahren hier wirkende Religionslehrer und Vorbeter, Herr M. H. Pinkus, feierte an diesem Tage mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Die Gemeinde ergriff diese Gelegenheit mit Freuden, um den in allen Schichten der Bevölkerung hiesiger Stadt gleich geachteten Herrn Pinkus eine Aufmerksamkeit erweisen zu können. Demzufolge hatten sich viele Mitglieder der Gemeinde vereinigt und ließen demselben am Vorabende durch eine Deputation das große, rühmlichst bekannte Philippson'sche Bibelwerk, äußerst elegant gebunden, überreichen. Die Schulkinder brachten außer Silberkranz und Strauß unter Vortrag eines dazu verfassten Gedichts, ein angemessenes Festgeschenk, denen noch viele Mitglieder der Gemeinde mit Geschenken folgten. Der Gemeindevorstand übergab ihm die definitive Anstellung. Herr Pinkus war freudig überrascht und dankte, sichtlich gerührt, in beredter Weise für die große Aufmerksamkeit bei einem Familienfeste. Auch Sonnabends darauf hielt Herr Pinkus in der Synagoge noch einen ergreifenden Vortrag über das Thema: Empfangene Wohltaten verpflichten zum Danke, und über den text: Psalm 116, V. 12. - Möge der Himmel demselben noch lange Jahre die Kräfte verleihen, uns durch sein Wort wie bisher zu erbauen und die Jugend zum Segen und Heil heranzubilden."     

   
   
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben       
 
Prozess gegen den Antisemiten Eduard Meier aus Bleicherode (1885 in Nordhausen)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. April 1885: "Nordhausen, 16. April (1885). Gestern wurde vor der Strafkammer I des hiesigen königlichen Landgerichts ein Prozess entschieden, dessen Ausgang man schon seit länger als einem halben Jahre mit großer Spannung entgegensah. Es handelte sich um die Gefährdung des Landfriedens durch Verbreitung antisemitischer Flugschriften. Angeklagter war der Weber Eduard Meier aus Bleicherode, welchen die Anklage beschuldigt, Anfang Oktober in Bleicherode ein Lied verbreitet zu haben, das, die Melodie dem bekannten Angotliede entlehnend, folgenden von der königlichen Staatsanwaltschaft inkriminierten Schlussvers hatte: 'Drum auf, Ihr Deutschen Alle - Ermannt Euch, werdet wach! - Die Judenherrschaft falle! - Getilgt sei unsere Schmach! - Aller Juden - Handelsbuden - Machen wir der Erde gleich. - Jeder Schwindel, - Jed' Gesindel - Sei verbannt aus unserm Reich!' Die königliche Staatsanwaltschaft beantragte, nachdem in der Sache nicht weniger als 22 Zeugen vernommen waren, die Verurteilung des Angeklagten zu 1 Monat Gefängnisstraße und den auf viele hundert Mark sich belaufenden Kosten; der Gerichtshof jedoch stützte sich auf das Zeugnis des Bürgermeisters von Bleicherode, Major a.D. Francke, welcher den Angeklagten als einen durchaus zuverlässigen, in bestem Rufe stehenden Mann bezeichnete und konstatierte, dass auch bei der stärksten Verbreitung der Gedichte in Bleicherode nicht zu befürchten gewesen sei, dass der Aufforderung des Gerichtes, die Häuser der Juden der Erde gleich zu machen, Folge geleistet worden wäre, oder dass überhaupt Gewalttätigkeiten irgendwelcher Art gegen die Juden verübt worden wären. In Folge dessen erfolgte die Freisprechung des Mannes. (Nordd. Allg. Ztg.)   
(Wir nehmen an, dass die königliche Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil die Revision einlegen wird, und sind begierig, zu erfahren, ob das königliche Kammergericht hierselbe dieser Motivierung beitreten wird. Die Red. des B.T.)"       

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

Zur Beisetzung von Sußmann Frühberg (1849)     

Bleicherode AZJ 30041849.jpg (367842 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. April 1849: "Bleicherode, 19. April (1849). Ein Leichenbegängnis. In einer Zeit wie die unsere, wo alles darauf hinsteuert, in bürgerlicher und gesellschaftlicher Beziehung die konfessionellen Scheidewände zu durchbrechen und all die Vorurteile, die aus dem Mutterschoße finsterer Jahrhunderte hervorgegangen, in den Ozean der Vergessenheit zu versenken; - wo aber das Steuer oft auf Klippen und Sandbänke stößt, dass das Rudern erschwert und das schnelle Fahrzeug in seinem raschen Lauf aufgehalten. oder gar in den Abgrund geschleudert wird, - in einer solchen Zeit kann es dem beobachtenden Auge des aufmerksamen Menschenfreundes nur angenehm sein zu erfahren, wenn hie und da Christen und Juden einander die deutsche Bruderhand reichen, und sich gegenseitig mit Gesinnungen entgegenkommen, welche das untrügliche Zeichen anerkannter Gleichheit an sich tragen.    
Ein solches Zeichen hatten vorgestern bei einem jüdischen Leichenbegängnis fast sämtliche Einwohner hiesigen Orts mit tief innigen Gefühlen an ihre Brust geheftet. 
Erzählen wir daher zuerst den Trauerfall. 
Am letzten Tag des Pessachfestes starb in unserer Gemeinde der bestallte königliche Lotterie-Einnehmen Herr Süßmann Frühberg in seinem 64. Lebensjahres. Seit 40 war er Schofarbläser, seit 25 Jahren auch Mohel (Beschneider) und während eines Zeitraums von 15 Jahren war er Gemeindevorsteher, als welcher er bei den Gebrüdern Benedix zu Stockholm ein Legat von 250 Talern für die hiesige Talmud-Tora-Schule zu erwirken gewusst. Der Schützenkompanie und dem Club der hiesigen christlichen Honoratioren gehörte er als Mitglied an. Bei Allen, die ihn kannten, genoss er Achtung und Freundschaft als rechtschaffener, friedliebender, wohltätiger Mann. Als Beleg für seinen Wohltätigkeitssinn führen wir nur Folgendes an:  
In dem Jahre 1847, dem Jahre der Teuerung, hatte sich die hiesige arme Bevölkerung zu Diebstählen auf Feldern verleiten lassen. Da begegnete er einst mehreren solchen Dieben auf seinen Ländereien - er war auch Gutsbesitzer - Erbsen stehlen; anstatt aber die erschrockenen Diebe zu verscheuchen, rief er ihnen freundlich zu, einem Juden noch 2 1/2 Sgr. hinreichend, mit den Worten 'Kaufet euch Jeder ein Pfund Fleisch dazu!'   
Auch als Mohel (Beschneider) zeigte er sich außerordentlich wohltätig, wo er als Solcher von Mittellosen hier und in der Umgebung gerufen ward.  
Wie sehr wir diesen Verlust zu betrauern Ursache haben, ist leicht zu ermessen; wir aber schweigen davon.   
Sprechen wir vielmehr mit unserem Religionslehrer Herrn Michael Herz Pincus, der die Leichenrede gehalten, und um dem Monat Nissan sein Recht zu wahren, nachdem er die Verdienste des Verblichenen nur spärlich hervorgehoben, sagte er: 'Doch dürfen wir unserer Trauer keine Worte, unserer Wegmut keine Tränen geben, so lange eines Festes Schatten und seine Nachfeier uns heiligend umgeben.  Berichten wir nun von dem Leichenbegängnisse, und die Kundigen werden wohl verstehen, was hieraus zu lernen ist.  ........           Wird noch weiter abgeschrieben   
Bleicherode AZJ 30041849b.jpg (80962 Byte)den, durch welchen wir Alle geschaffen sind in Gottes Ebenbilde, wir Alle berufen zur Unsterblichkeit, zu ungetrübter himmlischer Glückseligkeit.'   
Nachdem die Leiche im Sarg nach hiesigem Gebrauche von Jehudim (frommen Juden) zurechtgelegt und der Sarg vernagelt war, geschah die Einsenkung ins Grab durch die christlichen Träger, worauf die ganze Kompanie folgende Verse sang:  
Wie sie so sanft ruhen, alle die Seligen, die tapfer kämpften den großen Lebenskampf, 
Wie sie so sanft ruhen, in den Gräbern, bis sie zum Lohne erweckt werden.  
O, wenn doch wir ruhen, wie all' die Seligen und hier bestehen den schweren Lebenskampf, 
Dann wirst Ewiger Du uns rufen aus unsern Gräbern zum großen Lohne.   
Wir enthalten uns aller ferneren Beleuchtung; nur wünschen wir, dass sich überall die christliche Bevölkerung so human gegen Juden bezeugen möchte als in unserem Orte. Dann wird unsere Emanzipation eine volle Wahrheit, und wir deutsche Juden werden 'Erlöste des Herrn' genannt werden!  
Viele Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde."  
  

   
Zum Tod des Arztes Dr. Moritz August Wessely (geb. 1800 in Bleicherode als Sohn des dortigen Arztes Naphataly Wessely, gest. 1850 in Nordhausen)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. April 1850:  "Nekrolog. Nordhausen, 10. März (1850). Die Allgemeine Zeitung des Judentums hat es sich stets zur Pflicht gemacht, über Leben, Wirken und Schicksale berühmter Zeitgenossen israelitischen Glaubens getreulich Bericht zu erstatten, und so erfüllen wir denn durch dies weitverbreitete Organ auch von hier aus die schmerzliche Pflicht, den Tod eines Mannes anzuzeigen, dessen Hinscheiden in engeren und weiteren Kreisen mit Recht als ein großer, unersetzlicher Verlust tief empfunden wird. Am 7. dieses Monats starb nach längerem Leiden der hiesige königlich preußische Sanitätsrat, herzoglich nassauische geheime Hofrat und praktische Arzt Dr. med. Moritz August Wessely, Großneffe unseres berühmten Hartwig Wessely im noch nicht vollendeten 50. Lebensjahre. Er war am 15. Oktober 1800 in Bleicherode geboren, woselbst sein Vater als ein verständiger, geschickter Arzt in hoher Achtung stand und sich einer ausgebreiteten Praxis erfreute. Unter seiner Aufsicht und unter der Leitung einer edeln, tugendhaften Mutter verstrichen unserem Wessely die ersten Jahre seiner Kindheit und seines Knabenalters, und schon früh entwickelte sich in seinem Feiste und seinem Herzen der Sinn für alles Gute und Schöne, sowie jenes innige, menschenfreundliche Gemüt, das er bis zum letzten Lebenshauche nicht verleugnete. Die Vorbereitung zu seinen Studien empfing er auf dem Gymnasium hiesiger Stadt, wo ihm im Hause seines Oheims, des Herrn Hofagenten S. Schönfeld, die liebevollste Pflege zuteil wurde, und er sich durch regen Fleiß und Wohlverhalten die Zufriedenheit seiner Lehrer zu erwerben wusste. Nach redlich vollendeter Schulzeit bestimmte er sich für den Beruf seines Vaters und bezog die Universität Göttingen, wo er unter Leitung des berühmten Himly den Grund zu seiner nachmaligen Tüchtigkeit im Gebiete der Augenheilkunde legte. Zur Vervollständigung seiner Studien, und um sich schon in seinen Jugendjahren einen höhern Grad praktischer Erfahrung anzueignen, ging er, durch die Munifizenz seiner Oheime, der Herren Gebrüder Benedicks in Stockholm, mit den erforderlichen Mitteln versehen, nach Paris, wo er während eines Aufenthaltes von fünf Jahren in dem Umgange mit den hervorragendsten Ärzten und in den großartigen öffentlichen Heilanstalten der berühmten Weltstadt zur Erweiterung seines medizinischen Wissens und Könnens die günstigste Gelegenheit fand. Ganz besonders aber war es der in der medizinischen Welt hochberühmte Baron Dupuytren, Direktor des Hôtel Dieu in Paris und erster Chirurg Frankreichs, dessen vertrauter Schüler und Freund unser Wessely wurde, und durch dessen Lehre und Vorbild er sich zu einem anerkannt tüchtigen und geschickten Operateur ausbildete. Die schmeichelhaftesten Lobeserhebungen, welche Dupuytren in seinen Briefen an Wessely's Eltern aussprach und die Glückwünsche, die er ihnen zu dem Besitze eines so talentvollen Sohnes zurief, waren ganz geeignet, das Herz der treuen Eltern mit gerechter Freude und frohen Hoffnungen zu erfüllen. Und sie wurden nicht getäuscht, diese Hoffnungen. Ausgestattet mit einem reichen Schatze wissenschaftlicher und praktischer Erfahrungen kehrte Wessely in seinen Geburtsort (sc. Bleicherode) zurück, wo er sich an der Seite seines Vaters durch glücklich ausgeführte Kuren Achtung und Vertrauen in der ganzen Umgegend erwarb. Nachdem er auch den vorschriftsmäßigen medizinischen Kursus in Berlin durchgemacht und glänzend überstanden hatte, vermählte er sich mit Fräulein Adelheid Franck aus Breslau, einer Dame von hoher Bildung, mit welcher er bis zu seinem Tode in einer durch gegenseitige Achtung, Liebe und Treue geglückten Ehe lebte. Nach seiner Verheiratung nahm er seinen Wohnsitz hier in Nordhausen. Hier erwarb er sich in einer Reihe von 16 Jahren durch seine ausgezeichnete praktische Befähigung am Krankenbette, durch die mit wahrer Humanität verbundene Entschiedenheit und Vertrauen erweckende Sicherheit, mit welcher er seine Patienten behandelte, durch seinen emsigen Fleiß, mit welchem er den Fortschritten und neuen Entdeckungen auf dem Gebiete seiner Wissenschaft folgte (Anm.: seine 4 bis 5000 Bände starke Bibliothek, in welcher die vorzüglichsten medizinischen und chirurgischen Werke älterer und neuerer Zeit nicht fehlen und zu deren Vervollständigung er kein Opfer scheute, ist eine kostbare Hinterlassenschaft), durch seine rastlose, unermüdliche Tätigkeit in seinem Berufe, noch mehr aber durch sein edles, wohltätiges Herz und seinen biedern Charakter die allgemeinste Anerkennung und wohlverdiente Auszeichnung sowohl in den Palästen der Hochgestellten       
Nordhausen AZJ 01041850a.jpg (247195 Byte)  und Reichen, als auch in den Hütten der Armen, denen er nicht nur als ärztlicher Beistand, sondern oft auch als Helfer in materieller Not erschien. Auch an hohen und höchsten Stellen blieben seine Leistungen auf dem Gebiete der praktischen Heilkunde nicht ohne Anerkennung. So wurde er von des Königs von Preußen Majestät zum Sanitätsrat und von Seiner Hoheit dem Herzoge von Nassau zum geheimen Hofrat ernannt. Seit vorigem Jahre war er auch Begründer und Hauptredakteur der hier erscheinenden 'Neuen Zeitung für Medizin und Medizinalreform'. So im fortwährenden, rastlosen Wirken für Wissenschaft und Menschenheil ereilte ihn der Tod zwar nach längerem Leiden, aber doch nach menschlicher Berechnung viel zu früh für seine Gattin und seine drei unmündigen Kinder, viel zu früh für seine zahlreichen Freunde und Verehrer, viel zu früh für die hiesige israelitische Gemeinde, welcher er eine Zierde war, für unsere Stadt und Umgegend, wie überhaupt für die leidende Menschheit. Er starb am 7. dieses Monats abends 9 Uhr in Folge einer Gehirnlähmung. Die Liebe und hohe Achtung, welche sich der Dahingeschiedene zu erfreuen hatte, zeigte sich in erhebender Weise bei seiner heute in früher Morgenstunde stattgehabten ehrenvollen Beerdigung. Ein überaus langer Zug, bestehend aus den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde, und aus den angesehensten christlichen Einwohnern, worunter sich viele Gelehrte, Ärzte, Gerichtspersonen und mehrere evangelische Geistliche im Ornat befanden, folgte der irdischen Hülle des teueren Entschlafenen bis zum israelitischen Friedhof, wo der Prediger Cohn mit tief empfundenen Worten den großen Verlust beklagte, welchen die Gattin, Kinder und Angehörige, die Wissenschaft und die leidende Menschheit, durch den Tod dieses hochverdienten Mannes erlitten haben; wobei er zugleich tröstend hervorhob, wie ja das ganze Leben des Verstorbenen dem Dienste der Menschheit gewidmet, also im wahren Sinne des Worts ein immerwährender Gottesdienst gewesen sei, und dass nach einem so segensreichen Wirken der verklärte Geist gewiss die Palme des ewigen, seligen Friedens errungen habe. Wir schließen dieses Referat mit den Worten des Nachrufes, welchen ihm sein Mitarbeiter, Herr Dr. Bloedau in No. 20 seiner medizinischen Zeitung gewidmet hat: 'Ein liebvoller Familienvater, ein treuer, zu jeder Aufopferung fähiger und bereiter Freund, ein menschenfreundlicher, uneigennütziger, unermüdlicher Arzt, wird unser Wessely schmerzlich genug vermisst werden. Er war ebenso durch seine praktische Tätigkeit, zumal auch in operativer Hinsicht ausgezeichnet, wie durch seine gründliche und wissenschaftliche Bildung, die er rastlos weiterzuführen bemüht war. Wer unsern Verstorbenen näher gekannt hat, wird mit uns sein Andenken hoch und heilig halten.'"     
 
vgl. Artikel zu Moritz August Wessely in wikisource und der Deutschen Biographie (hier findet sich die Angabe von einem Übertritt zum Christentum Wesselys, was jedoch schwer zu der Anmerkung passt, dass er für die israelitische Gemeinde in Nordhausen "eine Zierde war".   

   
Diamantene Hochzeit von M.S. Falkenstein und seiner Frau (1880)  

Bleicherode AZJ 08061880.jpg (76732 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juni 1880: "In Bleicherode feierte, wie man uns schreibt, Herr M. S. Falkenstein mit seiner Gattin die diamantene Hochzeit. Das Jubelpaar, 85 respektive 80 Jahre alt, seit 1821 Bürger unserer Stadt, erfreut sich noch rüstiger Gesundheit. Sowohl die städtische Kommune als die jüdische Gemeinde weiß das verehrungswürdige Paar in seinen stets bewährten Tugenden zu schätzen. Bekleidete doch Herr Falkenstein 15 Jahre lang die Stelle eines ersten Vorstehers und hat er soeben zur Erbauung einer neuen Synagoge eine beträchtliche Summe gewidmet. Am 24. Mai fand die Feier der diamantenen Hochzeit statt und zwar nach den Wünschen des Jubelpaares, das jede Gemütsaufregung von sich fernhalten wollte, in aller Stille."    

    
Stadtrat und Ehrenbürger Samuel Rothenberg wurde als Kreistagsabgeordneter wiedergewählt (1903)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Januar 1903: "Aus Bleicherode wird uns geschrieben: Herr Stadtrat Samuel Rothenberg, Seniorchef der Mechanischen Weberei Schönheims Witwe, der schon bisher das Amt eines Kreistagsabgeordneten bekleidete, ist in gleicher Eigenschaft auf sechs Jahre neu wiedergewählt worden. Als früherer langjähriger Stadtverordnetenvorsteher hat er sich sehr viele Verdienste um das Wohl der Stadt erworben und wurde seinerzeit zu ihrem Ehrenbürger ernannt, wobei ihm gleichzeitig der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen wurde."   

 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. November 1914: "Aus Bleicherode wird uns geschrieben: Wilhelm Beyth, der Sohn unseres Mitbürgers Fritz Beyth, hat wegen Tapferkeit vor dem Feinde und wegen seiner guten Leistungen für das Regiment, Brigade und Division am 8. vorigen Monats das Eiserne Kreuz erhalten. Herr Beyth trat am 1. August mit seinem Friedensdienstgrad als Offizierstellvertreter in das 1. Bataillon Grenadierregiment Nr. 110, Mannheim, ein, wurde am 4. September bereits zum Verpflegungsoffizier befördert und am 12. Oktober mit der Verpflegung für die Division betraut."       

 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen des Tuch- und Modegeschäftes bzw. Tuch- und Manufakturgeschäftes K. Frankenheim (1848 / 1850)    

Bleicherode AZJ 07081848.jpg (40344 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. August 1848: "Lehrlingsgesuch
In meinem Tuch- und Modegeschäft, kann ein Lehrling, welcher Schulkenntnisse besitzt, jetzt gleich oder zu Michaelis platziert werden. Hierauf Reflektierende wollen gefälligst sich franko bei mir melden. 
Bleicherode bei Nordhausen, den 30. Juli 1848. K. Frankenheim".   
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1850: "In meinem Tuch- und Manufakturgeschäft kann zu Michaels dieses Jahres ein Lehrling gegen annehmbare Bedingungen platziert werden. Bleicherode, den 3. Juli 1850. K. Frankenheim."     

   
Anzeige der Färberei und Druckerei S. Beyth (1849)     

Bleicherode AZJ 30041849w.jpg (31450 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. April 1849: "In einer Färberei und Druckerei wird gegen annehmbare Bedingungen ein Lehrling mosaischen Glaubens gesucht. Näheres erfährt man gegen portofreie Anfragen bei S. Beyth in Bleicherode bei Nordhausen."        

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge        
     
Zunächst war jeweils ein Betsaal (bereits im 16. Jahrhunderts, danach wieder im 18. Jahrhundert) vorhanden. 
     
Von 1725 bis 1882 war der Betsaal in einem Haus, das 1665 als sogenannter Ackerbürgerhof errichtet wurde und ab 1790/91 der Gräfin von Hagen gehörte ("Alte Kanzlei"). Der Betsaal und die jüdische Schule war in zwei Räumen an der Westseite des Obergeschosses. Der Zugang erfolgte über eine hölzerne Außentreppe an der Nordseite des Gebäudes (zugemauerte Türöffnung ist noch heute zu sehen). Dieses Gebäude ist erhalten; in den 1990er-Jahren wurde das Gebäude neu eingedeckt; 2006 erfolgte eine umfassende Renovierung durch das Engagement der gemeinnütziger Fördervereins "Alte Kanzlei e.V.". Im Gebäude befindet sich heute eine Ausstellung / Dokumentation zur jüdischen Geschichte in Bleicherode (50 Bildplatten á 50/100 cm).    
 
1880 konnte der Grundstein für eine neue Synagoge gelegt werden. Der Bau wurde aus Spenden finanziert (vgl. oben Bericht zum Tod von M. S. Falkenstein). Die Bauleitung hatte Baurat Edwin Oppler aus Hannover; er hatte kurz zuvor eine mit der Synagoge in Bleicherode fast identische Synagoge in Hameln erbaut. Maurermeister Schirmer aus Bleicherode führte die Arbeiten aus. Am 1. Juni 1882 konnte die Synagoge durch den aus Bleicherode stammenden Landrabbiner Professor Heidenheim eingeweiht werden. Die Architektur war im Wesentlichen von neuromanischen Formen geprägt. Der Bau kostete insgesamt 45.000 Taler.  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA Leute und andere Nationalsozialisten niedergebrannt. Das Synagogengrundstück kam zum Preis von zwei Reichsmark pro Quadratmeter in den Besitz der Stadt. Die Synagogenruine stand noch bis in die 1950er-Jahre und wurde dann abgebrochen (nach anderen Angaben wurde die Synagogenruine bereits vor Kriegsende beseitigt). Das Grundstück der Synagoge wurde zur Rasenfläche. 
  
1986 wurde am Standort der zerstörten Synagoge ein Gedenkstein aufgestellt mit der Inschrift: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Bleicherode. Sie wurde in der Pogromnacht am 9. November 1938 von Faschisten niedergebrannt. 1988 wurde eine Gedenktafel der Evangelischen Kirchengemeinde am an der evangelischen Kirche angebracht mit der Inschrift: "In unserer Stadt gab es eine Gemeinschaft unserer älteren Geschwister im Glauben an Gott - Die Jüdische Gemeinde Bleicherode. Ihre Synagoge wurde am 9. November 1938 niedergebrannt. Die Menschen wurden verächtlich gemacht, gemieden, vertrieben. Viele wurden umgebracht. Und wir haben geschwiegen. Herr, hilft, dass wir nicht wieder schweigen, wenn neben uns Menschen verächtlich gemacht oder gemieden werden. Amen. 1988 - Fünfzig Jahre danach." Am 6. November 2008 wurde ein neuer Gedenkstein für die Synagoge am Synagogenstandort aufgestellt, u.a. mit der Aufschrift "Wehret den Anfängen". 
 
Auf dem Synagogengrundstück befinden sich inzwischen neben dem Gedenkstein zwei Steine der ehemaligen Synagoge, die vor einigen Jahren am Unteren Feuerteich aufgefunden wurden. Ein dritter aufgefundener Stein ist Bestandteil der Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bleicherode in der Alten Kanzlei.       
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   Betraum vor 1882 im Haus Hauptstraße 131; Synagoge 1882-1938: Obergebraer Straße / Ecke Gartenstraße    
  
Hinweis: gegenüber dem Synagogengrundstück befindet sich in der Obergebraer Straße 15 ein früher in jüdischem Besitz befindliches Haus, das heute unter Denkmalschutz steht. 
  
  
  
Fotos     
(Quelle: Historisches Foto und neuere Innenaufnahmen der "Alten Kanzlei" aus der Website des Fördervereins: http://alte-kanzlei-bleicherode.de/; neuere Außenaufnahmen: Hahn, Aufnahmedatum 29.4.2011; Abbildungen der neuen Synagoge: Museum Bleicherode; Modell der Synagoge: Stadtarchiv Bleicherode; Fotos der Gedenkstätte: Hahn, Aufnahmedatum 29.4.2011).     

1725-1882: Alter Betsaal in der "Alten Kanzlei"

  
Historische Aufnahme  Bleicherode Alte Kanzlei 120.jpg (62735 Byte)  
  Historische Aufnahme
 der "Alten Kanzlei"  
 
Nach der Restaurierung    
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  Die "Alte Kanzlei" präsentiert sich nach Abschluss der Renovierung als historisches Juwel der Stadt
        
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In den Räumen der "Alten Kanzlei" befindet sich eine umfassende Dokumentation der jüdischen Geschichte in Bleicherode
      
Die Synagoge in Bleicherode
(1882-1938)
Bleicherode Synagoge 170.jpg (108361 Byte) Bleicherode Synagoge 171.jpg (67649 Byte)
  Rechts Ansicht von Westen mit dem Eingangsportal, rechts Ansicht von Süden.
     
Modell der Synagoge 
in Bleicherode
Bleicherode Synagoge 180.jpg (68638 Byte)  
      
        
Gedenkstein und Steine der Synagoge        
 Bleicherode Synagoge 191.jpg (20926 Byte)    Bleicherode Synagoge 154.jpg (162155 Byte)       Bleicherode Synagoge 151.jpg (184108 Byte)  
  Aufstellung des neuen Gedenksteines 
im Jahr 2008 (Quelle des Fotos: 
Stadt Bleicherode)
 Gedenkstein von 1988 mit zwei am unteren Feuerteich gefundenen 
Steinen der Synagoge  
   
        
Bleicherode Synagoge 152.jpg (132583 Byte) Bleicherode Synagoge 153.jpg (161754 Byte) Bleicherode Synagoge 150.jpg (107649 Byte)
Gedenkstein von 1988  Hinweistafel zur Geschichte 
der Synagoge
  
    
Gegenüber des Synagogengrundstückes: ehemalige jüdische Fabrikantenvilla  
Bleicherode Ort 140.jpg (165302 Byte) Bleicherode Ort 141.jpg (167151 Byte)  
Die Fotos zeigen die Villa der Bankierfamilie Frühberg    
     
Gedenken an der evangelischen Kirche   
Bleicherode Ort 150.jpg (158711 Byte) Bleicherode Ort 151.jpg (138234 Byte) Bleicherode Ort 152.jpg (85726 Byte)
An der evangelischen Kirche in Stadtmitte erinnert seit 1988 eine Gedenktafel mit der Inschrift: "In unserer Stadt gab es eine Gemeinschaft unserer älteren Geschwister im Glauben an Gott. Die jüdische Gemeinde Bleicherode. Ihre Synagoge wurde am 9. November 1938 niedergebrannt. Die Menschen wurden verächtlich gemacht, gemieden, vertrieben. Viele wurden umgebracht und wir haben geschwiegen. Herr, hilf, dass wir nicht wieder schweigen, wenn neben uns Menschen verächtlich gemacht oder gemieden werden. Amen. 1988 - fünfzig Jahre danach".  
     

     
     
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Bleicherode  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Bleicherode (interner Link)         

Literatur:  

Germania Judaica III,1 S. 132. 
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Bleicherode S. 78-84.  
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 261-262.  
Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Architektur der Synagoge. Frankfurt / Stuttgart 1988 S. 248-250.  
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 180-181. 
Peter Kuhlbrodt: Verzeichnis der Nordhäuser jüdischen Familien zur Zeit des Neuanfanges im Jahre 1808, 1922 und 1829. Beitrag von 2006 - online zugänglich. Hierin findet sich eine Zusammenstellung der in Bleicherode 1808 lebenden jüdischen Familien.  

           
            


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bleicherode  Saxony. Jews were living in Bleicherode in 290. The community was spared the Black Death persecutions of 1348-49, but in 1593 all the Jews were expelled from the city. A new Jewish settlement started around 1700, numbering 177 individuals in 1746. The community maintained a cemetery (1728) and a synagogue (1882). The Jews played an important role in the weaving industry and several Jews were elected members of the city council. When the Nazis came to power in 1933, the community numbered about 100, but soon many, the affluent Jews in particular, moved away, following the extensive 'Aryanization' of the larger Jewish businesses. Hans Beyth (1901-1947), a native of Bleicherode, was among the main organizers of Youth Aliya from Germany. In 1937, 77 Jews (29 families) were still living in the town. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was destroyed, the cemetery was desecrated. By 1939, 18 families and nine individuals had emigrated. The remaining 11 Jewish families were deported to the east, one person committing suicide beforehand. One Jew survived because of his non-Jewish wife. 
      
       

                   
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Stand: 30. Juni 2014