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Eisenach (Thüringen)
Jüdische Geschichte / Synagogen
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eisenach bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter.
Ihre Entstehung geht vermutlich in die Zeit Ende des 12. Jahrhunderts zurück.
Bereits Landgraf Hermann I. (1190-1217) soll, um das wirtschaftliche Leben in
der Stadt zu fördern, Juden zum Bau von Häusern nahe am Markte aufgefordert
haben. In diese Zeit könnte die jüdische Ansiedlung in der
"Judengasse" (heutige Karlstraße) zurückgehen, in mittelalterlichen
Zeiten "die beste Gasse" in der Stadt. Der erste namentlich bekannte
Eisenacher Juden war vermutlich der Verfasser synagogaler Poesie Jechiel ben
Jakob (1235). 1283 werden im Eisenacher Stadtrecht Bestimmungen in Bezug auf
jüdische Einwohner festgelegt. 1343 brannte eine Seite der
"Judengasse" ab. Die Verfolgungen während der Pestzeit trafen auch
die Eisenacher Juden. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es für
einige Jahrzehnte erneut zu einer Ansiedlung, doch wurden die Juden 1411 oder
später aus Eisenach wie auch aus den anderen thüringischen Städten
vertrieben. 1510 wurden den Juden für einige Jahre der Handel, aber nicht die
Niederlassung in Eisenach gestattet.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts begann
mit der Erlaubnis, dass der thüringische Hoffaktor Michael Rothschild 1804
sich in Eisenach niederlassen konnte. Seit den 1820er-Jahren folgten durch Zuzug
aus den Landgemeinden weitere Familien.
Zu Beginn der 1860er-Jahre kam
es zur Gründung einer kleinen jüdischen Gemeinde. 1864 zählten zu ihr
72 Personen. Als erster Lehrer der jüdischen Gemeinde wurde Jacob Heidungsfeld
angestellt, der als Lehrer und Kantor bis zu seinem Tod 1897 in Eisenach wirkte.
1865 wurde die Israelitische Religionsschule gegründet, 1868 eine Mikwe eingerichtet
(im Komplex der Dobermann'schen Badeanstalt, Clemensstraße 5). Der Zuzug aus
den umliegenden "Judendörfern" (Lengsfeld, Gehaus, Herleshausen,
Nesselröden, Geisa und anderen Orten) vollzog sich schnell. 1877 lebten
bereits 287 jüdische Personen in Eisenach.
Eisenach wurde Sitz des Landesrabbinates
"Sachsen-Weimar-Eisenach" (Sitz zuvor in Stadtlengsfeld), das die Gemeinden Apolda, Aschenhausen,
Eisenach, Gehaus, Geisa, Jena, Ilmenau, Stadtlengsfeld, Vacha und Weimar
umfasste. Als Rabbiner war in Eisenach tätig:
- von 1902 bis zu seinem Ruhestand 1930 und danach Dr. Josef Wiesen (geb. 1866 in Ungarisch-Ittebe, umgekommen
November 1942 im Ghetto Theresienstadt): studierte am Israelitischen
Lehrerseminar in Kassel, ab 1887 an den Universitäten Marburg, Berlin und
Erlangen. Nach 1892 Landesrabbiner von Böhmen, um 1897 Rabbiner in Bisenz,
Mähren, seit 1898 bzw. 1902 Landesrabbiner in Eisenach; 1930 Ruhestand, jedoch
weiterhin für die Interessen der Juden in Thüringen tätig; 1942 von Leipzig
nach Theresienstadt deportiert.
Die Berufsstruktur der jüdischen Familienoberhäupter gestaltete sich
recht breit. Diese betätigten sich zunächst vor allem noch im Handel
(Viehhandel, Tuch- und Modewarenhandel, Fell-, Leder- und
Landwirtschaftsproduktenhandel, Wollhandel, Holzhandel, Manufakturwaren) und
richteten dazu Handlungen in der Stadt ein, aber bereits 1877 gab es zwei
jüdische Rechtsanwälte, einen Arzt, einen Redakteur, einen
Versicherungsagenten, zwei Bankiers, fünf Kaufleute u.a.m. In den folgenden
Jahrzehnten hatten Gründergeist und Innovationsfähigkeit der jüdischen
Gewerbetreibenden großen Erfolg - mehrere Eisenacher Traditionsunternehmen
entstanden, die bis nach 1933 Bestand hatten (unter den ersten renommierten
Geschäften waren das Damenmodegeschäft Löwenstein, das Herrenmodegeschäft
Dreyfuß, aber auch Industrieunternehmen wie die Trommelfabrik Weinstein).
Die
höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1904 mit 430 Personen erreicht,
um danach zurückzugehen (1906 386).
Im Ersten Weltkrieg starben 23
jüdische Soldaten aus der Stadt: Leo Alexandrowitz (geb. 8.3.1884 in Stavisky,
gef. 3.10.1918), Gefreiter Willy Bernstein (geb. 6.2.1893 in Meiningen, gef.
2.12.1914), Ludwig Cohn (geb. 4.2.1895 in Eisenach, gef. 13.7.1916),
Feldunterarzt Erich Fackenheim (geb. 10.12.1889 in Eisenach, gef. 25.9.1915),
Martin Fink (geb. 20.3.1897 in Eisenbach, gef. 24.2.1917), Otto Goldschmidt
(geb. 21.4.1888 in Eisenach, gef. 4.10.1917), Kurt Großmann (geb. 9.1.1892 in
Leipzig, gef. 5.5.1916), Egon Katz (geb. 30.5.1896 in Eisenach, gef. 17.5.1918),
Arthur Klebe (geb. 30.8.1895 in Eisenach, gef. 12.7.1917), Unteroffizier Julius
Lind (geb. 9.3.1887 in Arnstadt, gef. 19.11.1914), Unteroffizier Kurt Löwenstein
(geb. 2.9.1892 in Eisenach, gef. 6.12.1914), Unteroffizier Walter Mosenthal
(geb. 12.6.1889 in Eisenach, gef. 7.6.1917), Oskar Neufeld (geb. 24.5.1887 in
Pattensen, gef. 8.3.1916), Selmar Neuhaus (geb. 13.5.1885 in Eisenach, gef.
12.9.1916), Martin Ochs (geb. 26.2.1890 in Eisenach, gef. 4.12.1914), Wilhelm
Rothschild (geb. 19.9.1890 in Völkershausen, gef. 13.7.1915), Leutnant
Friedrich Sommer, geb. 10.5.1889 in Rothenburg, gest. 13.9.1918 in
Gefangenschaft), Ernst Steinberg (geb. 26.4.1896 in Eisenach, gef. 23.8.1917),
Alfons Troplowitz (geb. 1.7.1884 in Wien, gef. 13.7.1915), Offz.St. Hans
Weinstein (geb. 19.8.1890 in Eisenach, gef. 14.3.1915), Unteroffizier Julius
Wolf (geb. 12.2.1892 in Eisenach, gef. 11.10.1916). Außerdem sind gefallen:
Arno Goldschmidt (geb. 15.1.1878 in Eisenach, vor 1914 in Gera wohnhaft, gef.
31.8.1916), Bernhard Epstein (geb. 12.4.1885 in Eisenach, vor 1914 in Hannover
wohnhaft, gef. 9.10.1915). Viele der jüdischen Kriegsteilnehmer kamen mit hohen und höchsten
Auszeichnungen aus dem Krieg zurück.
Bereits in der Zeit der Weimarer Republik
zeigte der Antisemitismus seine hässliche Seite in der Stadt. Schon 1920
und wiederum 1924 wurden Schaufenster und Namensschilder verschiedener
jüdischer Geschäfte von Eisenacher Schülern mit roter Farbe beschmiert. 1923
und 1925 wurde die Fenster der Synagoge eingeworfen.
Mitte der 1920er-Jahre
gehören dem Synagogenvorstand an: Rechtsanwalt Dr. Blüth, Max Troplowitz, J.
Cohn, Max Malsch, J.-R. Speyer, S. Fink, S. Klebe, M. Großmann, B. Wolff.
Landrabbiner war Dr. Wiesen, Lehrer J. Victor. Letzterer unterrichtete im
Schuljahr 1924/25 60 jüdische Kinder in Religionsunterricht. An jüdischen
Vereinen gab es insbesondere den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa und den
Israelitischen Frauenverein.
Nach 1933 wurden die Eisenacher Juden wie überall im deutschen Reich aus dem
öffentlichen und wirtschaftlichen Leben verdrängt und zunehmend entrechtet. In
der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Alle jüdischen
Geschäfte, viele Wohnhäuser und der Friedhof wurden demoliert. Im
September 1941 wurden die 145 noch in der Stadt lebenden Juden im Haus
Goethestraße 48 zusammengepfercht
und 1942 von dort nach Belzec und Theresienstadt deportiert. Nur
wenige der Deportierten überlebten bis 1945.
Von den in Eisenach geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Abraham geb. Auerbach (1876), Paula Abraham geb. Blumenthal (1878), Clementine (Tina) Appel geb. Mannheimer (1886), Horst Joachim Appel (1918), Eduard August (1880), Ella August geb. Lazar (1885), Hannchen Bachrach geb. Mann (1874), Louis Bachrach (1876), Meta Bachrach geb. Mann (1880), Abraham Alfred Backhaus (1891), Albert Baer (1886), Benni Baer geb. Mannheimer (1894), Ernst Baer (1883), Lieselotte Sophia Baer (1929), Tana (Lane, Gertrud) Belgard geb. Weinstein (1887), Elisabeth Bernstein (1899), Elsa Bibo (1888), Alfred Biermann (1891), Ernst Blaut (1881), Ellen Esther Frieda Blueth (1929), Irma Blueth geb. Reichenberger (1900), Leopold Blum (1926), Irma Elise Blumenthal geb. Michaelis (1898), Max Blumenthal (1882), Jenny Bobrek geb. Grünstein (1881), Jetta Bornstein (1924), Liba (Liebe, Lotte) Bornstein geb. Fingerhut (1888), Moses Bornstein (), Regina Bornstein (1926), Srini Bornstein (1921), Sophie Braun geb. Goldschmidt (1879), Heinz Büchner (1925), Henriette Cohen geb. Weinstein (1881), Eva Friedel Cohn (1929), Fritz Cohn (1901), Fritz Dressel (1880), Johanna Marianne Dreifuß geb. Eppstein (1854), Ilse Drucker geb. Hirschfeld (1903), Georg Dzialoszinsky (1921), Alwin Eckmann (1873), Johanna Eckstein geb. Finsterwald (1877), Benjamin Berthold Ehrlich (1874), Lilly Ehrlich (1872), Margarete Einhorn geb. Hofmann (1905), Bella Elias geb. Weinstein, Berta Fingerhut geb. Reiter (), Jessie Glaser geb. Rosenthal (1890), Gustav Falkenstein (1886), Bernhardine Goldschmidt geb. Katz (1889), Max Goldschmidt (1876), (1881), Regina Eppstein (1856), Alfred Fackenheim (1891), Blanka Frank geb. Wolfeiler (1894), Hermann Freimark (1875), Meta Freimark geb. Löwenstein (1873), Hellmuth Galland (1900), Bernhard Grossmann (1862), Berthold Grossmann (1897), Friederike Grossmann geb. Aris (1863), Jenny Grossmann geb. Aris (1867), Edgar Grünbaum (1883), Elisabeth Grünbaum geb. Kaufmann (1897), Elise Grünbaum geb. Friedmann (1895), Fanny Grünbaum geb. Jasmin (1859), Hanna Grünbaum (1922), Herbert Grünbaum (1883), Philippine Grünbaum geb. Stettauer (1857), Werner Ludolf Grünbaum (1923), Hildegard (Hilde) Grünewald (1897), Karl Grünstein (1875), Isidor Hammerschlag (1881), Johanna Hammerschlag geb. Löwenstein (1884), Ida Hecht (1887), Gertrude Heidungsfeld geb. Hirsch (1876), Julius Heidungsfeld (1869), Emma Heilbrun geb. Heilbrunn (1897), Gertrud (Gertrude) Heilbrun geb. Schloss (1887), Emil Heilbrunn (1881), Mathilde Heilbrunn geb. Dörnberg (1869), Werner Heilbrunn (1905), Frieda Hofmann geb. Ludwig (1879), Rosa Homberger geb. Backhaus (1877), Helmut Horowitz (1921), Adolf Kahn (1870), Julius Kaiser (1904), Sery (Sophie) Kaiser (1907), Jenny Kallmann (1875), Elisabeth Kaplan geb. Tuplowitz (1894), Alfred Katz (1928), Alice Paula Katz geb. Hammerschlag (1918), Arthur Katz (1897), Helmut Ernst Katz (1913), Käthe (Käte) Katz geb. Dreifuss (1912), Magda Katz geb. Goldschmidt (1892), Marta Katz geb. Schloss (1884), Reni Katz geb. Ochs (1903), Salo Katz (1938), Selma Katz geb. Grünstein (1869), Siegfried Salomon Katz (1886), Siegfried Katz (1909), Gerda Kaufer (1925), Gerson Kaufer (1888), Lola Kaufer geb. Wegener (1892), Selma Süssel Kaufer (1922), Frieda Kirchheimer geb. Marx (1894), Siegfried Kirchheimer (1887), Frieda Kis geb. Emanuel (1889), Salomon Kis (1882), Max Klebe (1873), Wilhelmine Kleemann geb. Waldeck (1871), Bertha Kleimenhagen geb. Heidungsfeld (1864), Hertha Klein geb. Wiesen (1894), Herrmann Knorringa (1883), Julie Knorringa geb. Falkenstein (1886), Ruth Doris Knorringa (1923), Rosa Koopmann geb. Katz (1884), Ilse Kuh geb. Heilbrunn (1897), Rudolf Kuh (1890), Ursula Kuh (1925), Bertha Landsberg geb. Rothschild (1874), Isidor Lazar (1875), Mathilde Leopold geb. Zeller (1882), Leopold Levi (1897), Joachim Levy (1923), Arthur Lewinsky (1867), Julius Linz (1904), Frieda Löwenstein geb. Moses (1872), Luise Löwenstein geb. Blüth (1872), Martha Löwenstein (1896), Meta Löwenstein geb. Meyer (1870), Salomon Löwenstein (1867), Werner Löwenstein (1902), Jenny Löwenstern geb. Neuhaus (1879), Rosa Löwenstern geb. Neuhaus (1877), Franziska Lorenz geb. Müller (1877), Elisabeth Lueneburger geb. Hofmann (1909), Alfred Maerker (1864), Martha Maerker (1865), Michael Margulies (1901), Ernst Meyer (1895), Rosel (Rosa) Meyer geb. Grünstein (1879), Theodora Meyer geb. Mandelbaum (1863), Amanda Michaelis geb. Sabor (1865), Ferdinand Müller (1869), Johanna Nussbaum geb. Pfifflering (1886), Karl Ochs (1877), Margarete Ochs (1904), Mathilde Ochs geb. Kohnfelder (1875), Marie Oppenheim (1912), Paul Oppenheim (1891), Martha Panitsch (1886), Edgar Josef Pfifferling (1922), Heinz Erich Pfifferling (1926), Johanna Pfifferling geb. Katz (1926), Edith Bertha Philipp geb. Lichtenstein (1899), Henny Philipp geb. Großmann (1904), Martha Pollak geb. Grünstein (1884), Heinz Prager (1922), Siegmund Markus Rehbock (1883), Regina (Regine) Richheimer (1871), Diethard David Riesenfeld (1929), Sidonie Riesenfeld geb. Linz (1903), Else Rothfels geb. Fackenheim (1895), Julius Rothfels (1885), Rosel Rothfels (1929), Friedel Rothschild geb. Katz (1902), Herbert Rothschild (1930), Hermann Rothschild (1867), Leopold Rothschild (1898), Liesel Rothschild (1931), Sally Rothschild (1898), Beate Sachs geb. Müller (1900), Hermann Sachs (1890), Charlotte Schloss geb. Elkan (1897), Paula Seliger geb. Frank (1887), Klara Seligmann geb. Weinstein (1886), Amalie Silberberg geb. Löwenthal (1859), Joseph Silbermann (1900), Muscha (Minza) Silbermann geb. Bras (1898), Albert Silberstein (1886), Flora Simon geb. Müller (1873), Bertha Sinzheimer geb. Stiebel (1874), Berthold Spangenthal (1889), Clara Marianne Spangenthal (1925), Elfriede Spangenthal geb. Brylewski (1906), Erna Spangenthal geb. Kosterlitz (1901), Ernst Jochen Spangenthal (1935), Hans Günther Spangenthal (1930), Max Spittel (1879), Babette Stein (1871), Emma Stein geb. Stern (1875), Jakob Stein (1862), Alma Steinberger (1881), Friedrich Steinberger (1888), Ella (Elli) Stern geb. Grossmann (1899), Gerhard Stern (1929), Jenny Stern geb. Rothschild (1897), Lisette Stern geb. Nussbaum (1865), Robert Stern (1883), Karoline (Lina) Stiebel geb. Kaiser (1872), Hans Strauss (1882), Siegfried Tenenbaum (1902), Paul Troplowitz (1901), Josephus Wahl (1867), Arno Weinstein (1884), Margarethe (Martha, Mirjam) Weinstein geb. Herzfeld (1860), Irma Wiesen geb. Firnbacher (1909), Josef Wiesen (1866), Luise Wolf geb. Mendel (1863), Martin Wolfermann (1901), Minna (Nini) Wolfermann geb. Stern (1908), Max Wolff (1868), Siegfried Wolff (1888), Hans Wollenberg (1907).
.
Zur Geschichte der Synagogen
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Sie lag
vermutlich in der "Judengasse" auf dem Grundstück Karlstraße 23 und
war hier noch im 19. Jahrhundert zu sehen. Möglicherweise gab es später (nach
der Mitte des 14. Jahrhunderts?) eine Synagoge in der Löbersgasse.
Im 19. Jahrhundert konnte nach der Gründung der jüdischen Gemeinde bereits
am 30. September 1864 ein Betsaal eingeweiht werden. Bis dahin hatten die
Gottesdienste in Privathäusern jüdischer Familien stattgefunden, u.a. im Haus
des Löser Herz Kayser in der Georgenstraße. Der Betsaal befand sich im
Hintergebäude des Hauses Jacobsplan 19, das von der Gemeinde gekauft worden
war. Nach wenigen Jahren wurde der Betsaal zu klein. An Feiertagen verlegte man
den Gottesdienst in das Gasthaus "Zum Löwen" in der Marienstraße. 1882
bestimmte die Großherzogliche Bezirksdirektion, dass maximal 100 Personen den
Gottesdienst im Betsaal Jacobsplan besuchen dürften.
Die jüdische Gemeinde konnte 1883 ein geeignetes
Grundstück für eine neue Synagoge finden. Nach Überwindung von manchen
Schwierigkeiten (u.a. durch Einsprüche der Nachbarn) konnte am 10. April 1884 der Grundstein gelegt werden. Am
8. Januar
1885 war die feierliche Einweihung der neuen Synagoge. Im Synagogengebäude
wurden auch Räume für Versammlungen sowie für den Religionsunterricht der
Kinder geschaffen. Eine Orgel und ein Synagogenchor bereicherten die
Gottesdienste.
Die Einweihung der Synagoge (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1885:
"Aus Thüringen. Am 8. Januar dieses Jahres wurde in Eisenach
die neuerbaute Synagoge eingeweiht. Die Eisenacher Zeitung berichtet
hierüber Folgendes:
Wie dieser Tage angekündigt, hat heute Vormittag 11 1/2 Uhr die
feierliche Einweihung der neuen Synagoge stattgefunden. Nachdem die
Mitglieder der Gemeinde und viele Eingeladenen aus hiesiger Stadt und
anderen Orten in der schön ausgestatteten und zu Ehren des Tages mit
Grün hübsch geschmückten Synagoge Platz genommen - im Schiff die
Männer, auf den Emporen die Frauen -, begann die Feierlichkeit außen mit
Überreichung des Schlüssels durch Herrn Fischer als Stellvertreter des
leider erkrankten Bauleiters Herrn Architekt Hermann Hahn unter
entsprechenden Worten
an |
Kultusvorsteher
Backhauß, der mit Dank und der Bitte, dass dieses Gotteshaus dem Schutze
der Stadt empfohlen sein möge, das Hauptportal erschloss. Unter dem
Gesange des Psalms 'Gesegnet, die da kommen im Namen des Herrn' betrat der
Festzug, dem Kinder mit geschmückten Stäben vorangingen, die Vorhalle
und danach unter weiteren Gesängen das Innere des Tempels. Vier
geschmückte Gesetzrollen (= Torarollen) wurden vorangetragen, worauf der Großherzogliche
Landrabbiner Herr Dr. Salzer, die Herren Bezirksdirektor von Beust,
Geheimer Regierungsrat Roese, Bürgermeister Peffer, die Herren vom
Gemeinderat und Kirchengemeindevorstand und die israelitischen
Kultusdeputierten folgten. Nachdem die Gesetzrollenträger am Altar
Aufstellung genommen, wurde vom Vorbeter das Gebet 'Wie schön sind deine
Zelte' vorgetragen, worauf unter Wechselgesängen feierlicher Umzug und
Einstellung der Gesetzrollen in die heilige Lade erfolgte.
Der hiermit verbundene, vor der heiligen Lade vom Landrabbiner vollzogene
Weiheakt machte auf alle Anwesende einen sehr erhebenden Eindruck. Worte
des Dankes und der Fürbitte, wie sie treffender und geeigneter nicht
gewählt werden konnten, kennzeichneten die Bedeutung der Erbauung dieses
Gotteshauses in unserer Stadt. Nach dem rituellen gebet für das Großherzogliche
Haus und das Vaterland, vom Landrabbiner vorgetragen, folgte der Gesang
'Sammelt euch, o Brüder' und dann die Weihepredigt des Landrabbiners.
Dieselbe knüpfte nach erhebender Einleitung an das Psalmwort 145,18 an.
'Nahe ist der Herr Allen, die ihn anrufen in Wahrheit.' Und wir gestehen,
dass es eine ausgezeichnete Weihepredigt war, die Herr Dr. Salzer hielt,
ausgezeichnet durch ihre tief religiöse, wahrhaft humane und dabei doch
dem Religionsbekenntnis voll gerecht werdende Haltung. Der Prediger
schilderte die Bedeutung und den Wert des Gotteshauses in so fesselnder
Weise, dass die andächtige Versammlung ihm mit gespannter Aufmerksamkeit
folgte. Für nahe und ferne Kreise würde Herr Dr. Salzer sich Dank
erwerben, wenn er diese Predigt veröffentlichen wollte. Auf den Gesang
'Die Himmel erzählen Gottes Ehre' hielt der Landrabbiner ein sehr
erhebendes Schlussgebet, in das er das Großherzogliche Haus, Kaiser und
Reich, das Vaterland und dessen Regierung, unsere Stadt, deren Obrigkeit
und Bewohner, die israelitische Gemeinde und deren Vorstand, den Bauleiter
und dessen Mitarbeiter einschloss und besonders auch alle, ohne
Unterschied des Bekenntnisses, die zu Gott bitten oder ihm danken, der
göttlichen Gnade empfahl. Ein dreifaches Amen schloss das Gebet und auch
die Feierlichkeit, die auf die Anwesenden einen sehr guten Eindruck
hervorrief. Die Chorgesänge waren sehr gut vorgetragen worden, ebenso die
Solz: dabei zeigte sich, dass die Synagoge auch akustisch gut gebaut
ist." |
Seit Anfang der 1920er-Jahren wurden mehrfach (1923 und 1925) die Fenster der Synagoge
eingeworfen. 1933 sollte ein weiterer Anschlag auf die Synagoge
ausgeführt
werden:
Anschlag auf die Synagoge (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1933: "Eisenach.
Im Garten der Synagoge wurden in einer der letzten Nächte drei Männer
beobachtet, die sich dort zu schaffen machten und beim Nahen der Polizei
flüchteten. Man fand an der Stelle eine mit Sprengstoff und Zündschnur
versehene Blechbüchse, die nach Ansicht der Polizei zu einem Anschlag auf
die Synagoge verwendet werden sollte. Auf die Ergreifung der Attentäter
hat der Oberstaatsanwalt 300 Mark Belohnung
ausgesetzt." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge bereits am Abend des 9.
November gegen 22.30 Uhr angezündet. Vorher hatten Mitglieder der Hitlerjugend
und der SA die Inneneinrichtung demoliert und zerschlagen. Wenig später wurde
die Synagogenruine abgebrochen. Das Grundstück kam in den Besitz der Stadt.
Nach 1945 kam der Platz zunächst an die vorübergehend wieder bestehende Synagogengemeinde
Eisenach, 1950/51 in den Besitz des Landesverbandes der
jüdischen Gemeinde. Am 21. September 1947 wurde ein Synagogendenkmal
errichtet. Hochrangige Persönlichkeiten waren zu der Veranstaltung gekommen.
Der Sockel des Mahnmals wurde aus Steinen der früheren Synagoge erbaut. In den
folgenden Jahrzehnten war das Synagogengrundstück meist in ungepflegtem
Zustand. Erst seit Ende der 1980er-Jahre wird es regelmäßig gepflegt. 1998
wurden die früheren Tafeln der Gedenkstätte ersetzt. Die alten Tafeln befinden
sich im Eingangsbereich des Stadtarchivs. 1998 wurde auch eine kleine Tafel zur
Erinnerung an die aus Eisenach 1942 deportieren Juden angebracht. Der Standort
der einstigen Synagoge wird durch die in den Boden eingelassenen weißen Platten
markiert.
Adresse/Standort der Synagoge: frühere Wörthstraße 26 (heute
Karl-Marx-Straße)
Fotos
(neue Fotos Hahn, Aufnahmedatum 12.8.2005)
Das Gasthaus "Löwen" als
Feiertagssynagoge |
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Vor 1885 diente
das bekannte Gasthaus "Löwen" an den Feiertagen der jüdischen
Gemeinde als Synagoge. 1869 hatte hier der "Eisenacher Kongress"
stattgefunden. |
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Historisches Foto der
Synagoge in Eisenach |
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Die Synagoge
um 1905 |
Modell der Synagoge von Bet
Tfilla siehe hier; die
Eisenacher Synagoge über den Link |
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Zerstörung der Synagoge am
9./.10.
November 1938 und
nachfolgender Abbruch
(Quelle: Brunner) |
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Der Brand der Synagoge |
Die Ruine der Synagoge |
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| Die Sprengung der
Umfassungsmauern |
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Nach Sprengung der
Seitenmauern stehen nur noch die Giebel |
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Der Synagogenplatz
im Sommer 2005 |
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Hinweisschild |
Gedenkstätte im Bereich des
früheren Toraschreines |
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| Gedenktafel |
Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge mit Davidstern |
Gedicht von
Selma
Meerbaum-Eisinger |
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| Die Villa Klebe - Ausgang der
Deportationen 1942 |
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Ehemalige Villa
der jüdischen Kaufmannsfamilie Klebe in der Goethestraße 48. In diesem
Haus wurden im September 1941 die 145 noch in der Stadt lebenden Juden zusammengepfercht
und von dort nach Theresienstadt deportiert. Das Gebäude befindet sich in
einem heruntergekommenen Zustand. Eine Hinweistafel ist nicht angebracht. |
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Jährliche Gedenkstunde am
Synagogenplatz
(Fotos von 2002; Quelle: hier
anklicken) |
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Jährliche
Gedenkstunde am Synagogenplatz und am Bahnhof 2007
(Fotos erhalten von Sven Wartner, Eisenach; Foto der Gedenktafel von
Elisabeth Böhrer) |
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| Am Bahnhof (rechts
die Gedenktafel) zur Erinnerung an den Ort, wo die Deportation der
jüdischen Eisenacher "ihren Anfang nahm" |
Am Synagogenplatz
vor der Gedenkstunde |
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| Mahnmal mit
Gedenktafel |
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| Während der
Gedenkveranstaltung |
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Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| August 2009:
Die ersten "Stolpersteine" werden in
Eisenach verlegt |
Artikel von Rita Specht vom 29. Juli 2009 in der
"Thüringischen Landeszeitung" ( www.tlz.de,
Artikel)
"Erste Stolpersteine in der Karlstraße 53.
Eisenach. (ep) Eigentlich wollte der Eisenacher Oberbürgermeister dabei sein, wenn in der Wartburgstadt die ersten Stolpersteine verlegt werden. Doch der Kölner Künstler Gunter Demnig, der sie zur Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Zigeuner, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer in ganz Europa verlegt, hat unglaublich viel zu tun. Er kann nur am 10. August kommen - wenn der OB nach TLZ-Informationen nicht in der Stadt ist - oder erst im nächsten Jahr. Doch den Protagonisten des Projektes um den Eisenacher Roland Kabisch und das Bündnis gegen Rechtsextremismus war es wichtig, dass die Aktion noch im 20. Jahr nach der friedlichen Revolution stattfindet. Und so wird sie entweder ohne den OB stattfinden oder mit ihm - falls er die Prioritäten noch ändert.
Am 10. August verlegt Gunter Demnig Stolpersteine nicht nur in Eisenach, sondern auch in Heiligenstadt, Eschwege und Bad Langensalza. In Eisenach sollen zunächst die ersten von insgesamt 13 in die Straße eingelassen werden. Sie werden vor dem Haus Karlstraße 53 Zeugnis ablegen vom gewaltsamen Tod von Ilse, Rudolf und Ursula Kuh, die - 1942 ins Ghetto Belzyce deportiert - durch die Nazis ermordet wurden. Ein vierter Stein soll am gleiche Ort an Mathilde Heilbrunn erinnern, die am 8. April 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Weitere Steine werden später verlegt in der Querstraße 32 für Bernie, Ernst und Lieselotte Baer, in der Goethestraße 23 für Elise und Dr. Edgar Grünbaum, inder Goethestraße 25a für Frieda und Siegfried Kirchheimer und in der Georgenstraße 35 für Beate und Hermann Sachs. Den geschichtlichen Hintergrund zu den Opfern des Nationalsozialismus recherchierte das Eisenacher Stadtarchiv. Jeder Stolperstein hat einen Paten, der sich mit 95 Euro am Verlegen beteiligt.
Die Aktion am 10. August ist nach Informationen von Christiane Leischner vom Bündnis
gegen Rechtsextremismus nur ein Anfang. Es gebe bereits neue Anfragen für Patenschaften, sagt sie." |
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Foto
links:
Christiane Leischner vom Bündnis gegen Rechtsextremismus, Stadtarchivar Reinhold Brunner sowie "Stolperstein"-Initiator Gunter Demnig (v.li.) treffen letzte Absprachen vor dem Einsetzen der ersten vier Stolpersteine in Eisenach. Foto: Meißner.
Artikel von Norman Meißner in der "Thüringischen Landeszeitung" vom
10. August
2009: "Spur der Stolpersteine
Eisenach. (ep) "Sechs Millionen ermordete Juden ist auch für mich eine abstrakte Größe", gab Günter Demnig gestern Nachmittag in einer Traube von rund 100 interessierten und engagierten Eisenachern unumwunden zu. Er verlegte in der Karlstraße vor der Hausnummer 53 die ersten vier Steine seines Projektes "Stolpersteine" in der Wartburgstadt. "Die Idee kam mir bereits 1993", erzählte Demnig. Kürzlich wurde in Hamburg der 20 000. dieser Steine ins Pflaster gelassen. "Eisenach ist der 453. oder 454. Ort in Deutschland in dem ich diese Steine verlege", erklärte Demnig im
hochgekrempelten Arbeitshemd.
Die Steine vor dem Haus Karlstraße 53 erinnern an ihre einstigen Bewohner. Bis zum Zwangsverkauf ihres Hauses im September 1939 lebten dort Vater Rudolf, Tochter Ursula und Mutter Ilse Kuh, geborene Heilbrunn, sowie deren Mutter Mathilde Heilbrunn, geborene Doernberg. Sie wurden am 9. Mai 1942 aus Eisenach deportiert und in den Ghettos von Belzyce und Theresienstadt ermordet.
Die Verlegung der ersten 13 Steine in Eisenach, die gestern Nachmittag auch in das Pflaster vor den Haustüren der Querstraße 32, der Goethestraße 23 und 25a sowie in der Georgenstraße 35 gelassen wurden, ermöglichten zwölf Privatpersonen, der Eisenacher Geschichtsverein sowie die hiesige IG-Metall-Verwaltungsstelle. Zu ihnen gehört auch Karolin Schulz. "Im November vorigen Jahres kam ich an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge vorbei und entdeckte einen vertrockneten Kranz. Da war mir klar, dass das Thema stärker in das Bewusstsein gerückt werden muss." 95 Euro für einen Gedenkstein investierte auch Katja Wolf, die froh ist, dass es auch endlich in Eisenach mit der Verlegung geklappt hat. Sie kannte Demnigs Projekt aus Suhl, dem ersten Ort der "Stolperstein"-Verlegung in Thüringen.
Ilona Beck vom Bündnis gegen Rechtsextremismus informierte vor dem Haus Karlstraße 53 die Anwesenden über das Schicksal der Familie Kuh. Marina Demagin trug auf ihrer Violine jüdische Werke, aber auch einen Klassiker von Johann Sebastian Bach vor - denn "die Familie Kuh war nicht nur eine jüdische Familie, sondern auch eine deutsche Familie", erklärte Thekla Bernecker.
Schnell und unkompliziert wurde dem Projektinitiator Günter Demnig bei seiner Verlegung in Eisenach geholfen. Mitarbeiter des Stadtbauhofs haben die Pflastersteine vor den betreffenden Haustüren aus den Gehwegen genommen, damit die goldenen Gedenksteine Platz haben.
"Jeder muss beim Lesen der Stolpersteine zwangsläufig eine Verbeugung machen", schloss Demnig, der gestern auch in Heiligenstadt und Eschwege seine "Stolpersteine" verlegte und am Abend einen Vortrag dazu in Meiningen hielt." |
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| Mai 2010: Weitere
Verlegung von "Stolpersteinen" in der Stadt |
Artikel von Peter Rossbach in der
"Thüringischen Landeszeitung" vom 28. Mai 2010 (Artikel):
"Elf weitere "Stolpersteine" erinnern an das Schicksal der jüdischen Opfer.
Rosel Rothfels wurde nur wenig älter als 13 Jahre. 1942 wurde das junge Mädchen aus Eisenach deportiert ins Ghetto Belzyce und gilt seitdem als verschollen/ermordet. Seit gestern erinnert ein "Stolperstein" vor dem einstigen Wohnhaus der Rothfels am Jakobsplan 7 an das Schicksal von Rosel.
Eisenach. Insgesamt verlegte Künstler Gunter Demnig gestern elf neue "Stolpersteine" in Eisenach, der mit seiner Aktion, die es in vielen anderen Städten auch gibt, die jüdischen Opfer des Nazi-Regimes vor dem Vergessen bewahren will.
"Wenn man den Ort, in dem man lebt, richtig verstehen will, muss man seine Geschichte kennen", so Christiane Leischner vom Bündnis gegen Rechtsextremismus, das die Aktion in Eisenach begleitet. Ziel sei es, die "Opfer aus der Anonymität zu holen, ihnen die Namen zurück zu geben". Jeder Stein symbolisiere ein Menschenleben, so Leischner, und werde so zu einem "Zeichen gegen das Vergessen". Sie erinnerte daran, dass das Grauen für diese Opfer nicht erst in den Lagern begann, sondern "in ihrer Nachbarschaft, mitten in der Gesellschaft".
Auch Oberbürgermeister Matthias Doht findet es "gut, dass wir wieder an die Eisenacher Mitbürger erinnern, die in der Nazi-Zeit deportiert und umgebracht wurden". So erhielten die Opfer ihre Identität zurück. "Ihr Leben und Sterben steht für die zahllosen Opfer des NS-Regimes", so Doht. Für Regionalbischof Werneburg geht von den Stolpersteinen noch eine weitere Botschaft aus: "Nutzt aus den Steinen, die wir uns gegenseitig täglich in den Weg legen, lieber um Brücken zueinander zu bauen".
Patenschaften. Im vergangenen Jahr wurden in Eisenach zum Start der Aktion 13 Stolpersteine an den einstigen Wohn- oder Arbeitsstätten von damals ermordeten jüdischen Eisenacher Bürgern verlegt, gestern kamen elf weitere hinzu. Diese wurden von Paten finanziert. Die Paten der elf "Stolpersteine sind in diesem Jahr: Dr. Reinhold Brunner, Volkmar Kabisch, Sascha Schorr, Ralf Pollmeier, Heiko Röscher, Erika Hermanns, Christa Boy, Kunstverein Eisenach e.V., Richard JanusRichard Janus , Carsten MeyerCarsten Meyer und der Steinmetz Betrieb Schuchardt.
Die neuen "Stolpersteine" wurden an sechs Orten verlegt: Karlstraße 6 (in Erinnerung an Jenny, Friederike, Bernhard und Berthold Großmann), Goethestraße 27 (Lotte Schloß), Karlstraße 34 (Fritz Cohn), Goethestraße 29 (Clara Sittemann) und Jakobsplan 7 Rosel, Else und Werner Rothfels sowie Julius Rothfeld)." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica I S. 94-95; II,1 S. 197-199; III,1 S. 293f. |
 | Reinhold Brunner: Von der Judengasse zur Karlstraße. Jüdisches
Leben in Eisenach. Weimer & Jena 2003 (mit weiteren Literaturangaben). |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eisenach Thuringia. Earliest evidence of the
presence of Jews in Eisenach dates from 1241. There was a "Jew Street"
at the center of the city. In the course of the Black Death persecutions of
1348-49, all or most Jews were driven out of Eisenach. Allowed to return again a
few years later, they were permanently expelled in 1458.
Until the beginning of the 19th century, Jews were not allowed to settle in
Eisenach. The Jewish community, which began to evolve round the middle of the
century, acquired a cemetery and set up a
prayer hall. By the time it was formally constituted as a community in 1867,
there were 72 members. The community numbered 287 in 1877 and dedicated a new
synagogue in 1885. The Jewish population was 440 in 1905. Twenty-three Jewish
soldiers died in Worldwar I. Strident antisemitic propaganda and occurrences
were common in Eisenach and the windows of the synagogue were repeatedly smashed
during the 1920s. In June 1930, an assembly of all Thuringian Jews was organized
by the Central Union (C.V.) as a protest against the growing Nazi influence in
Thuringia. After the Nazi takeover in 1933, Jewish businesses were boycotted;
Jews were ostracized socially and professionally and suffered public humiliation.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was set on fire and
destroyed; all Jewish stores, some homes and the cemetery were candalized; and
Jews were rounded up, beaten, and deported to the Buchenwald concentration camp.
About a third of the Jewish population managed to make it to safe havens, mainly
to Palestine and the U.S. Many moved to other cities inside Germany or to
neighboring countries, only to be caught up again after the outbreak of war. Of
the 215 Jews listed as residing in Eisenach in the May 1939 census, only 145
were left by September 1941. The were forced by the local authorities to live in
a few "Jewish houses". On 9 May 1942, the first deportation train set
out for the Belzec death camp; none returned. Those over 65 and those who had
been decorated in Wordwar I were deported in September 1942 in the
Theresienstadt ghetto. Only three Jewish families remained in Eisenach. They too
were deported within the next months. Very few of the deportees survived.

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