Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jena (kreisfreie Stadt, Thüringen)
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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

 

Neu (Dezember 2011): Onlineplattform zum jüdischen Leben in Thüringen  
Der Förderverein Alte und Kleine Synagoge Erfurt e.V. wird mit Hilfe des Leo-Baeck-Programms der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" sowie des Thüringer Kultusministeriums ein Onlineportal zum jüdischen Leben in Thüringen schaffen. Ziel sei es, künftig einen gemeinsamen Veranstaltungskalender, wissenschaftliche Publikationen sowie Bild- und Tonarchive einzubinden. Ein besonderer Fokus soll auf ehrenamtlich agierenden Initiativen vor Ort liegen. Mit den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen in Thüringen hat der Förderverein in den vergangenen Jahren seine Netzwerkfähigkeit unter Beweis stellen können. Weitere Informationen zum geplanten Netzwerk gibt es im Internet unter www.synagogenverein-erfurt.de.  

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
   
In Jena bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Nachweise für eine jüdische Ansiedlung gibt es allerdings erst aus der Zeit nach den Verfolgungen in der Pestzeit. 1379 wird in einer Urkunde erstmals ein in der Stadt wohnhaft Jude genannt. 1430 lebten in der Stadt mindestens 15 erwachsene jüdische Männer (insgesamt etwa 100 jüdische Personen in der Stadt). Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Geld- und Pfandgeschäft. Von Bedeutung war nach 1411 (bis um 1425) der Financier Isaak von Jena (bzw. Isaak der Reiche), der eine rechtliche und soziale Sonderstellung in der Stadt genoss.   
   
Die jüdischen Familien lebten im Bereich der 1406 erstmals genannten "Jüdengasse", die damals die Johannis- mit der Leutragasse verband. Hier standen die Synagoge (1431 als "Judenschule" genannt, an der Ecke der Leutragasse) und die "Judenmühle" (1444 genannt; die Mühle war aber vermutlich immer in christlichem Besitz). Vom jüdischen Wohngebiet des Mittelalters haben sich keine Spuren mehr erhalten. Das gesamte Areal wurde anders strukturiert und neu überbaut (Bereich Leutragraben 2).  
 
Spätestens seit den antijüdischen landesherrlichen Mandaten von 1536 und 1543 lebten in Jena bis zum 19. Jahrhundert keine Juden mehr.  
  
Seit 1784/85 war an der Universität Jena auf Grund einer Anordnung der Herzöge von Sachsen das Studium jüdischer Studenten möglich. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es jüdische Dozenten und Professoren an der Friedrich-Schiller-Universität.          
  
Seit 1825 war eine Niederlassung von Juden in der Stadt wiederum erlaubt. Danach entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1880 30 jüdische Einwohner, 1890 64, 1895 85, 1900 61, 1905 145.   
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und eine Religionsschule. Ein jüdischer Friedhof wurde in der Stadt nicht angelegt; die Toten wurden auf auswärtigen Friedhöfen beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Landrabbinat "Sachsen-Weimar-Eisenach" (Sitz in Stadtlengsfeld, dann Eisenach). Von den jüdischen Vereinen sind bekannt: ein Frauenverein (1932 unter Leitung der Frau von Direktor Eckstein, Kleine Paradiesstraße). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Albert Herz (geb. 10.11.1884 in Flamersheim, gef. 17.3.1916) und Gefreiter Harry Korn (geb. 29.1.1894 in Eberswald, gef. 29.7.1917)       
  
Um 1924 wurde die Höchstzahl jüdischer Einwohner mit 168 erreicht (Angaben nach dem Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung; von ca. 48.500 Einwohnern; nach anderen Angaben gab es 1925 sogar 277 jüdische Einwohner). Der Religionsunterricht in der Stadt der jüdischen Kinder durch Rabbiner Dr. Wiesen aus Eisenach erteilt.   
   
1933 lebten etwa 150 jüdische Personen in Jena (Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung; von etwa 59.000 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde ("Israelitische Religionsgemeinschaft") gehörten auch vier in Kahla und vier in Rudolstadt lebende jüdische Personen. In den Jahren nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1933 richtete sich der Boykott schwerpunktmäßig gegen die Kaufhäuser Wohlwert (Unterm Markt 8), Behrend (Markt 17) und Rosewitz (Markt 23) sowie das Schuhgeschäft Bottina (Löbderstraße 6). Unter den ersten jüdischen Opfern der NS-Zeit waren Prof. Dr. Felix Auerbach und seine Frau, die sich in der Nacht vom 25./26. Februar 1933 nach seinem zweiten Schlaganfall und unter dem Eindruck des NS-Regimes das Leben nahmen. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 soll es nach dem damaligen Bericht des Oberstaatsanwaltes beim Landgericht Weimar, Zweigstelle Jena nicht "zu Unruhe und Gewalttätigkeiten" gekommen sein. Jedoch wurden die noch bestehenden jüdischen Geschäfte geschlossen sowie 18 jüdische Männer verhaftet und in das KZ Buchenwald eingeliefert (unter den Verhafteten waren Julian Cohn, Oskar Dallmann, Hermann, Artur und Max Friedmann, Rechtsanwalt Walter Ledermann und Julius Wolf sowie Max Grossmann, Abteilungsleiter im JGW).  
Zum 31. März 1939 mussten die letzten jüdischen Geschäfte schließen (Darm- und Fellgroßhandlung Hermann Friedmann in der Grietgasse 25/26, Strickwarenfirma Kahn & Co, in der heutigen Rathenaustraße 6, Schuhgeschäft Bottina in der Löbderstraße 6). Am 15. September 1939 wurden noch 50 jüdische Einwohner in Jena gezählt. Die meisten von ihnen wurden nun gezwungen, in sogenannte "Judenhäuser" zu ziehen, d.h. in das Gebäude Scheidlerstraße 3 (Haus der Familie Hermann Friedmann) und in das Gebäude Ebertstraße 4 (Haus der Familie Josephy). 1942 wurden fast alle der noch in Jena lebenden jüdischen Einwohner deportiert (in das Ghetto Belzyce wurden Anfang Mai 1942 deportiert: Werner Meyerstein, Gerda Abraham, Edith und Julian Cohn, Dr. Lise Eppenstein, Adelheid Friedmann, Max Friedmann, Irene, Elisas und Günther Hirschowitz, Berta und Martin Kiewe sowie Martha und Alfred Walther; eine weitere Deportation ging in das Ghetto Theresienstadt). Ende Januar 1945 wurden noch mehrere jüdischen Partner in sogenannter "Mischehe" nach Theresienstadt eingewiesen.         
    
Von den in Jena geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gerda Abraham geb. Benjamin (1910), Hans Arenstein (1922), Anna Auerbach geb. Silbergleit (1861), Felix Auerbach (1856), Helene Bach (1879), Irene Behrendt geb. Friedmann (1902), Curt Bejach (1890), Esther Malke Binder (1924), Kurt Blumenthal (1901), Gustav Born (1896), Henriette (Jettchen) Born geb. Schwarz (1869), Klara Camnitzer geb. Zamory (1856), Edith Cohn geb. Camnitzer (1893), Julius (Julian) Cohn (1889), Lisbeth (Lisa) Eppenstein (1887), Käthe Feuerstein (1912), Erich Friedmann (1912), Hermann Friedmann (1870), Klara Friedmann (1869), Max Friedmann (1876), Karl Goymann (), Klara Griefahn geb. Hoffmann (1886 oder 1897), Max Grossmann (1877), Siegfried Max Halberstadt (1903), N.N. Hammermann (), Anna Hammermann geb. Urbach (), Juda Samuel Hammermann (), Lazar Heilpern (1885), Heinrich Hess (1916), Günther Hirschowitz (1925), Frieda Hofmann geb. Plaut (1885), Salomon Hofmann (1869), Walter Hofmann (1901), Else Holzer geb. Laboschinski (1888), Agnes Nathalie Holzmann geb. Priebatsch (1863), Anna Rosalie Josephy geb. Behrend (1869), Martin Kiewe (1891), Bertha Kiewe Geist geb. Anschlewitz (1890), Lilly Levy geb. Nussbaum (1899), Else Lewin geb. Wollowitzki (1904), Gertrud Lewinski geb. Schlesinger (1871), Toni Meyer-Steineg geb. Stern (1874), Berta Marta Meyerstein geb. Katz (1884), Franziska Meyerstein (1910), Max Meyerstein (1879), Werner Meyerstein (1915), Wolfgang Nussbaum (1932), Gisela (Gitty) Reinhardt geb. Czerwinski (1891), Klara Fanny Rosenthal geb. Ellstätter (1863), Bela Rosner (1897), Brigitte Salomon (1933), N.N. Scheinok (), Anna Scheinok geb. Münzer (), Aron Scheinok (), Marie Schnauzer geb. Kopenhagen (1892), Erna Klara Schrade geb. Hess (1905), Maria Stensch geb. Zamory (1863), Maria Straubel geb. Kern (1865), Helene Urbach (), Alfred Walter (1894), Martha Walter geb. Friedmann (1900), Louis Zamory (1871).       
    
Am Gebäude des Westbahnhofes (Westbahnhofstraße 1) wurde 1988 eine Gedenktafel mit folgender Inschrift enthüllt: "Zum Gedenken an unsere Jenaer Mitbürger, die 1933-1945 rassisch verfolgt worden sind. Juden und Sinti, die von hier aus in die faschistischen Todeslager transportiert worden sind'. Die Tafel zeigt den Davidsstern und das Zeichen der VdN. Die Gedenktafel wurde 1990 von Unbekannten entfernt und 1992 wieder erneuert. 
  
Ein weiterer Gedenkstein steht im Jenaer Stadtpark "Paradies" mit einem Zitat des Baal Shem Tov: "Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung".        
 
Seit 2007 gab es mehrere Verlegungen von "Stolpersteinen" in Jena (weitere im Mai 2008, im August 2009, Juni 2010 und Juni 2011; insgesamt 34 "Stolpersteine").   
 
      
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Jena gefunden.     

  
Sonstiges aus jüdischen Periodika
   
Anstellung von Dr. Günther als "Professor für Rassenkunde" an der Universität Jena (1930)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1930: "Eisenach. Wie Rechtsanwalt Dr. Bluth, Eisenach, auf der Kundgebung des Zentral-Vereins deutscher Staatsangehöriger jüdischen Glaubens mitteilte, ist die Anstellung Dr. Günthers als Professor für Rassenkunde an der Universität Jena erfolgt. Dr. Frick hat in Verhandlungen mit den Vertretern der in ihrer großen Mehrheit rechtsgerichteten Dozentenschaft eine Einigung hierüber erzielt."       

   

     
Zur Geschichte der Synagoge      
   
Im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden ("Judenschule", 1431 genannt). Sie stand an der Ecke der Leutragasse.
    
Die Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts richtete Beträume ein. Zeitweise befand sich ein Betsaal im Haus Scheidlerstraße 3 (Haus der Familie Hermann Friedmann) sowie vermutlich in der Friedrich-Engels-Straße 52 (früher Schützenstraße 52).
         
  
Adresse/Standort der Synagoge  s.o.           

Fotos   
(Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 27.6.2011) 

Haus Scheidlerstraße 3     
  Im Haus der Familie Hermann Friedmann
befand sich zeitweise ein Betsaal 
"Stolpersteine" für Alfred Walter (1894) 
und Martha Walter geb. Friedmann (1900)
     
Haus der Familie Grossmann      
Das "Max Grossmann-Haus" (Forstweg 31), errichtet 1905 als Wohnhaus der Familie
 Grossmann;
 1938 ist Dipl-Ing. Max Grossmann im KZ  Buchenwald umgekommen; 1964 schenkten die 
Söhne das Gebäude der Carl-Zeiss-Stiftung in Jena. 
"Stolperstein" für Max Grossmann 
(1877-1938 KZ Buchenwald)
  
     
Exemplarisch: weiterer
 "Stolperstein"
 
  "Stolperstein" für Agnes Holzman
 geb. Priebatsch (1863) (Forstweg 23)
 
     
Gedenken am Westbahnhof      
Der Westbahnhof  Die am Ausgang von Gleis 1 angebrachte Gedenktafel mit der Inschrift: "1933-1945. 
Zum Gedenken an unsere Jenaer Mitbürger, die rassisch verfolgten Juden, Roma und Sinti, 
die von hier aus in die faschistischen Todeslager deportiert wurden."
  
     

     
    

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

Juni 2010: Über die vierte Verlegung von "Stolpersteinen" in Jena  
Artikel von Thomas Stridde in der "Thüringer Landeszeitung" vom 3. Juni 2010 (Artikel): 
"Vier weitere "Stolpersteine" für ehemalige jüdische Mitbürger
Das Leid, das der Nationalsozialismus über die Menschen gebracht hat, war auch dergestalt, dass Familien "die Erinnerung an den Schrecken unterdrückt haben". - Dies äußerte Cornelius Wandersleb als Gast der feierlichen Setzung von vier "Stolpersteinen" in Erinnerung an jüdische Jenaer Mitbürger. 
Jena. Cornelius Wandersleb aus Schorndorf bei Stuttgart ist Großneffe der Studienrätin Dr. Lisa Eppenstein. Auch vor ihrer letzten Wohnstätte, dem Haus Schaefferstraße 14, hat gestern der Kölner Künstler Gunter Demnig einen der "Stolpersteine" samt Metallplatte für den Namen und die Lebensdaten gesetzt. 
65 Jahre fällig. Lisa Eppenstein hatte nach der Zwangsschließung ihrer Berliner Schule bei ihrer Schwester Emmy Wandersleb in Jena Zuflucht gefunden, wurde als Jüdin im Mai 1942 ins KZ Belzyce deportiert und dort im Oktober gleichen Jahres ermordet. Eine Geschichte, die Schülerinnen und Schülern der Staatlichen Berufsschule für Gesundheit und Soziales ("Mefa") gestern den Gästen der Veranstaltung detailreich darlegten. 
"Eine Frau, die etwas gewagt hatte", so berichtete Cornelius Wandersleb über seine Großtante. Sie habe in Berlin mit einer Frau zusammengelebt, sich politisch in die Schulreform eingemischt, sei deswegen versetzt und auf Elternproteste hin zurück beordert worden. Aber ob Emmys schlimme NS-Erfahrung sie überlebte das KZ Theresienstadt oder Lisas Tod: "In der Familie wurde darüber nicht gesprochen. Wir Kinder hatten dann angefangen zu fragen", sagte Cornelius Wandersleb. Allein eine nach Schweden ausgewanderte Tante habe die Materialien gegen den Willen ihrer Geschwister gesammelt. Tiefe Genugtuung also gestern für Cornelius Wandersleb: "Endlich ist dieser Stein gesetzt, was 65 Jahre fällig war", möge man sich auch nichts vormachen und im Klaren sein, dass "bestimmte Leute nicht drüber stolpern". Aber: "Tante Lisa freut sich auch." 
Bürgermeister Frank Schenker (CDU) richtete namens der Stadt seinen Dank an den Arbeitskreis Judentum für dessen "Kultur des Erinnerns an ehemalige jüdische Mitbürger". Schließlich hat der Arbeitskreis seit 2007 zum vierten Male (TLZ, 27. Mai) den Kölner Künstler Gunter Demnig nach Jena geholt, der in unserer Stadt nunmehr 27 und bundesweit in 500 Orten 24 000 "Stolpersteine" gesetzt hat. Schenker zitierte aus dem Arbeitskreis-Programmblatt diesen Talmud-Gedanken: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." 
Mit "Stolpersteinen" vorm Vergessen bewahrt wurden gestern auch Marie Kern (Botzstraße 10), Henriette und Gustav Born (Mittelstraße 36) und Clara Fanny Rosenthal (Mälzerstraße 11)."  
Link zu einem Flyer: "Erinnerung an die jüdischen Opfer in unserer Stadt - 9. November 2010 16 Uhr" mit Fotos der "Stolpersteine" 
Dazu Artikel "Jena/Stolpersteine" im GenWiki.      
 
Juni 2011: Über die fünfte Verlegung von "Stolpersteinen" in Jena   
Pressemitteilung aus der Website der Stadt Jena vom 18. Juni 2011 (Artikel): "Sechs neue Stolpersteine in Jena gesetzt
Erinnerung an die jüdischen Bürger Bertha und Martin Kiewe, Max Grossmann, Gitta Reinhardt sowie Martha und Alfred Walter
'Man wollte die Namen der jüdischen Bürger auslöschen – dem setzen wir etwas entgegen', sagte Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter bei der 5. Setzung von Stolpersteinen in Jena am Samstag, 18. Juni. Mit den Stolpersteinen soll erinnert werden an die jüdischen Bürger, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet worden sind. Am Samstag Nachmittag waren viele Mitglieder des Arbeitskreises Judentum, des Aktionsnetzwerks gegen Rechtsextremismus und interessierte Bürger gekommen, um dabei zu sein, als der Kölner Bildhauer Gunter Demnig insgesamt sechs weitere Stolpersteine in Jena setzte. 
Man muss knien, um die Stolpersteine zum Gedenken an die Toten zu setzen.
(Foto: Glasser) Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist. Und nun wird wieder an sechs Namen erinnert von Menschen, die einst in Jena gelebt haben: Bertha und Martin Kiewe, Max Grossmann, Martha und Alfred Walter, Gitta Reinhardt. Zum Stolperstein-Setzen für Gitta Reinhardt, die 1943 in Auschwitz umgebracht worden ist, war ihre Enkelin Felicitas Zwalf aus Australien angereist.
'Das Setzen der Steine ist immer ein Sinnbild für Bleibendes, der Stein gehört in der Trauerkultur des jüdischen Volkes zu den Erinnerungssymbolen', sagte Dr. Albrecht Schröter. Dazu komme die Geste des Künstlers Gunter Demnig. Denn man müsse niederknien, um die Steine zu setzen. Dieses Knien sei ein ehrendes Gedenken für die Ermordeten.
Den Stolperstein für Bertha Kiewe, die in dem kleinen polnischen Ort Belzyce ums Leben kam, stiftete das Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus. 'Das soll eine Mahnung sein und eine Aufforderung, nicht wegzuschauen, wenn heute wieder Neonazis marschieren und ihre Geschichtslügen verbreiten wollen', sagte Dr. Gisela Horn vom Aktionsnetzwerk. Zivilcourage sei nötig, um sich den Neonazis entgegenzustellen und ihnen keinen Fuß breit Platz zu lassen."  
   
Mai 2012: Erinnerung an die Deportationen der Juden aus Jena vor 70 Jahren   
Artikel von Frank Döbert in der "Ostthüringer Zeitung" vom 10. Mai 2012: "Vor 70 Jahren wurden jüdische Bürger auch aus Jena deportiert..." 
Link zum Artikel      
 

 

 


Links und Literatur   

Links: 

Website der Stadt Jena  
Website zu "Stolpersteinen" in Jena (erstellt durch den "Arbeitskreis Judentum" c/o Detlev A.W. Lutz, Jena, E-Mail
Artikel "Spurensuche in Thüringen: Juden in Jena" bei haGalil.com       

Literatur:  

Germania Judaica III,1 S. 588-591. 
Martin Stiebert / Jenaer Arbeitskreis Judentum (Hg.): Juden in Jena. Eine Spurensuche. Jena 1998. 
Detlef Ignasiak: Juden in Jena - eine Übersicht vom Mittelalter bis 1945. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte. 29. Beiheft. Jena 1996.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 156-158.     
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Jena: S. 168-169.
Eberhart Schulz: Verfolgung und Vernichtung. Rassenwahn und Antisemitismus in Jena 1933-1945. Jena: Städtische Museen. 2007.        

        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Jena Thuriniga. Jews lived in Jena from the mid-14th century and by 1430 there were at least 15 Jewish men there. 
From 1536 to 1790, Jews were not allowed to settle in Jena. 
Jewish were allowed to enroll at the university from 1790 and from the second half of the 19th century, there were Jewish professors on the staff of the Friedrich Schiller University, including the Kantian Otto Liebmann (1840-1912) and the physicist Felix Auerbach (b. 1856). The Jewish population was 64 in 1890 and 277 in 1925. Prayers were held in private homes. According to the Nazi census of June 1933, some four months after the Nazi rise to power, the Jewish population was 111. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the windows of all Jewish shops were smashed and the Jewish men were arrested and deported to the Buchenwald concentration camp, where one perished. In 1941 and 1942 all remaining Jews were deported. 
   

  

                   
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Stand: 10. Mai 2012